Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 15 (23.5.1924)
- Date
- 1924-05-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2613366-2613741-2613756--0820-2618122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4. Jahrgang Nummer 15 2. Belletze^ 23. Mai 1921 IMchliberaleZeilmL Aus dem jüdischen Ehrensriedhof zu Breslau /Cosel. Gedanke« eines ehemalige« Kriegsfreiwilligen» oder der Dank des Vaterlandes. Kühle, scuchtbewegte Luft: FrEingsschimmer, auf Bäumen und Büschen. Wild jagen Wolken am Horizont. Stumm liegt der Friedhof. Grelle Sonncnblitze fallen auf die Gräber, die steinernen Tafeln. Kaum in die Helle getaucht, deckt wieder sie düsteres Grau. Grau ist s mir auch in d^r Seele, da zwischen den Gräbern ich wandlr. Ein heller Schimmer zwischen den dunklen Zypressen, und näher tritt der Wanderer. Vor mir im Ovalrund v'e Ehrengräber von Gemeindemitgliedcrn. die im großen Völkerringen von 1914—1918 ihr junges Leben ließen. Im Hintergründe, etwas erhöht, das Denkmal für die Gefallenen aus hellem Sandstein, in Rundtempelchenform. Einige Stufen führen hinan. Auf der obersten lehnt ein vergilbter Kranz mit regenverschmutzter Schleife. Ich trete herzu. Da reiht sich Name auf Name rings um das Mal der Schmerzen. Und heiß wird mirs im Auge, heiß im Herzen. — „Wie sind gefallen die Helden . . .1"- Und Bitterkeit steigt in mir auf. Ihr. die ihr hier oben verzeichnet steht, für was kämpftet ihr. für was littet ihr, für was wurden eure Leiber zerfetzt und starbt ihr fern der Heimat!!?? — --Ihr, die ihr eure Treue zum Vaterlande mit dem Tode besiegeltet, ihr starbt ja keinen ehrlichen Soldatentod. sagen sie. ihr wäret ja feig. feig, feig! Ihr littet nicht, kämpftet nicht, ließet eure Leiber von feindlichen Granaten nicht zerfetzen: alles nur Lüge. Lüge, „Judenschwindcl"! Eure Mütter, die euch dem Vaterlande gaben, beschimpfte man. bewarf sie hohnvoll mit Unflat und begeiferte euch noch im Tode. Darum die Opfer??- Geister der Gefallenen, zerfetzte Leiber, steigt herauf aus den Massengräbern in Feindesland, schwebt heran und zeugt, klagt an die Verleumder eurer Ehre. Diese blutenden Leiber, denen man noch im Tode fluchte, sie mögen euch Blindwütigen täglich, stündlich, bis zu eurer Todesstunde vor eurem geistigen Auge stehen, zur ewigen Anklage. O Zimmcrmannssohn von Nazareth. Verkünder der „Religion der Liebe", nicht der Gott, zu dem du — am Marterholz hängend — schmerzvoll aufschriest, verließ dich: deine Jünger verließen dich, und heute verleugnen sie dich mehr denn zuvor und höhnen dich als den„Judensohn". Großer Dulder, kehrtest du noch einmal zur Erde wieder. du würdest blutige Tränen weinen ob der Menschheit, für welche du am Kreuze starbst. Ob du es wohl noch einmal nach Golgatha trügest??- Ach. wir. deine Stammesbrüder, tragen das Kreuz ja seit Jahrtausenden. Ja, wir tragen das Kreuz der Menschheit: aber nicht in Demut tragen wirS mehr, wir tragen cs erhobenen Hauptes, tragen 's mit Stolz, mit Stolz aus unsere tausendjährige Vergangenheit, die ihresgleichen in der Geschichte aller Völker und Zeiten sucht. Jüdische Jugend, werke wohl auf: Ein Volk, welches das Heldengeschlecht der Makkabäer erzeugte, braucht sein Haupt nicht schamhaft zur Seite zu wenden. Frei und offen schaut dem Freund wie dem Feind ins Antlitz: noch rollt auch in unseren Adern Makkabäerblut. Bekennt euch zur Fahne und — wenn es sein muß — sterbt mit ihr, wie auch eure verlästerten, gefallenen Brüder ihrer Fahne bis zum Tode getreu waren. Sie starben auch für euch. Ihnen eifert nach, ihrer zeigt euch wert: dann war ihr Heldentod nicht vergeblich. Emil Weis stock. Breslau. Mitkämpfer von 1914—1918. zuletzt Grabenbeobachter i. d. 8. Vttr. d. Feld-Art.-Rgmt. 88. |@j Die jüdische Gegenwart. Zum Tode Emanuel Reichers. Am Donnerstag, den 15. Mai starb in Berlin der weltbekannte Schauspieler Emanuel Reicher im Alter von 75 Jahren. Emanuel Reicher war im Jahre 1849 in der galizischen Stadt Bochnia als Sohn eines jüdischen Advokaten geboren. Er widmete sich schon in sehr jungen Jahren der Schauspielkunst und trat zuerst in kleinen jüdischen Wandertheatern in Galizien und Ungarn auf. Mit 24 Jahren kam er nach Deutschland und errang hier sehr bald einen hervorragenden Platz an der deutschen Bühne. Er war der Schöpfer eines neuen Darstellcrsiils. der in Deutschland Schule machte. Besondere Beachtung fand er als Schöpfer großer Judentypen. wie Nathan der Weise usw. In den ersten Kriegsjahren zog Emanuel Reicher nach Amerika, wo er zu dem Ideal seiner Jugend, der jiddischen Bühne zurückkehrtc. die er zu einem höheren Kunstwillen erzog. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im vergangenen Jahre trat er wieder auf deutschen Bühnen, hauptsächlich in jüdischen Rollen auf. Sein letzter großer Erfolg war der Leiser Frankel in dem Progromstück „Die Juden" von Tschivikoff, das im Berliner Renaissaucetheater anfgeführt wurde, worüber wir seinerzeit ausführlich berichteten. Sämtliche Zeitungen Berlins würdigen in ihren Nachrufen die Bedeutung Emanuel Neichers für die deutsche Bühne. Selbst die extrem antisemitische „Deutsche Zeitung", die nicht aufhört, jeden Tag über die „Verseuchung" der deutschen Schauspielkunst durch jüdische Schauspieler zu klagen, widmet dem „galizischen" Schauspieler Emanuel Reicher einen Nachruf, der folgendermaßen ausklingt: „Er war ein Jude, ein echter Jude, mit dem hohen Bewußtsein seiner Rasse. Sie nährte die ihm zum priestcrlichen Amt gewordene Schauspielkunst . . . Aus allen seinen Leistungen erhob sich die Reinheit jüdischen Belennertums. Stets blieb er der Jude. Ihm konnte die Gastfreiheit der Völker nichts anhabcn. Er erhielt sich seine Eigenart. Vertuschung gab es nicht. Er wagte sich nicht an dramatische Stoffe, die seiner semitischen Natur widersprachen. ... Er, der Jude, führte uns Deutsche zum Boden unserer Kultur . . . Wir achten in Emanuel Reicher den ernsten, wahren Schauspieler, dessen künstlerischer Ausdruck gerade durch rassische Eigenart den Reiz der Bekanntschaft verstärkte . , . Wir gedenken seiner in Dankbarkeit." Zur Numerus clausus-Frage. Das leitende Komitee des Weltvcrbandcs zur Hebung der internationalen Freundschaft unter den Kirchen, dessen Präsident der Erzbischof von Cantcrburn ist und das sich aus hervorragenden Gelehrten und bekanntesten Mrchcnvertretern aus 2<; Ländern zusammensetzt, hat auf seiner letzten Zusammenkunft in Oxford einstimmig die folgende Resolution über den Numerus clausus angenommen: „Das leitende Komitee des Weltvcrbandcs möchte nach Prüfung des ihm vom Komitee der jüdischen Delegationen in Paris zugegangenen Memorandums bezüglich der Einführung des Numerus clausus an gewissen Universitäten zum Ausdruck bringen, daß derartige einschränkende Bestimmungen unvereinbar sind mit dem menschlichen Recht auf Selbstentfaltung." Der Werl der Beschneidung. Die Tatsache, daß gebildete nichtjüdische Kreise Europas und im besonderen Englands dazu übcrgcgangen sind, die neugeborenen Knaben aus hygienischen Gründen beschneiden zu lassen, hat die Berliner Zeitung „Der Montag Morgen" veranlaßt, Auskünfte über den sanitären Wert der Beschneidung von einer medizinischen und einer religiösen Autorität einzuholen. Herr Sanitätsrat Dr. Leibholz äußert sich folgendermaßen: „Die örtliche Anordnung der Beschneidung in der Bibel an einer Stelle, wo sehr viele andere hygienische Vorschriften gegeben werden, läßt den Schluß zu, daß auch die Beschneidung zu diesen hygienischen Maßregeln ursprünglich gehört hat. Die Ansführnng der Beschneidung ist selbstverständlich von Anfang an nicht in Händen von Aerzten gewesen und wird auch heute nur zu einem kleinen Teil von Aerzten ausgeführt. In Berlin hat sich seit etwa 20 Jahren unter dem wohlhabenden Teil der jüdischen Bevölkerung der Brauch eingebürgert, die Beschneidung von Aerzten ausführen zu lassen. Wie jede Verletzung der körperlichen Intaktheit kann auch einmal die Operation der Beschneidung einen unerwünschten Ansgang nehmen. Ein solches Ereignis ist aber im Grunde sehr selten. Ich wenigstens habe bei den 3000 Beschneidungen. die ich selbst auSgeführt habe, einen solchen nie erlebt. Die Gefahren, die bet einer Beschneidung auftreten können, sind Blutung und Infektion, Der Blutung muß der Arzt, der die Operation auSführt, gewachsen fein Und die Infektion läßt sich bet unserer heutigen aseptischen Behandlung der Wunde mit Sicherheit vermeiden. Außer den von mir ausgesührten Bcschneidungen bei Neugeborenen, deren Eltern Jude» waren, habe ich aus körperlichen Gründen viele Hunderte von gleichartigen Operationen ausführen müssen. Hier waren angeborene Verengungen, daraus entstehende Entzündungen und Funktionsstörungen und in weiterer Folge Wasser-, Nabel- und Leistenbrüchc der Grund für die Vornahme der Operation. In einer Anzahl von Fällen hat die bei einer Verengung notwendige ständige Anwendung der Vauchpresse bei jeder Harnentleerung außer diesen Folgen auch Krämpfe bei den Knäbchen verursacht. Alle diese Krankheitserschcinungen wurden durch die einfache Operation beseitigt. Schon hierin sehe ich einen hygienischen Nutzen. i Aber auch im späteren Leben wird eine Anzahl von Erkrankungen der entsprechenden Körperteile durch die .Ausführung der Operation unmöglich gemacht." $ 's Herr Rabbiner Dr. Baeck gab folgende.freundliche Auskunft: „Es ist bei Volks- und Stammesbräuchen schwer: ihren ursprünglichen Grund anzugebn. Im Verlaufe der Geschichte findet oft eine Substitution der Gründe statt,'0«8 heißt der alte Brauch gewinnt eine neue Bedeutung und substituiert sich dann auch einen neuen Grund. Auch die religiöse Symbolik spricht hier mit. In der Beschneidung hat bereits Herodot Medizinisch-Sanitäres gesehen, doch es ist damit nicht gesagt, daß dies auch ihre ursprüngliche Bedeutung gewesen ist. Aber umgekehrt braucht die ursprüngliche Bedeutung nicht die geschichtliche im Sinne des geschichtlich Wirksamen und Lebendigen zu sein. Die Form schafft sich den neuen Inhalt. Daß im Judentum hygienische Motive von größter Bedeutung waren, zeigt schon das weite Gebiet der Speisensatzungen und der Neinheitsvorfchriften. und auch so manches in den Sabbatgeboten. Bon medizinischer Seite ist oft darauf hingewiescn worden, welchen Wert in volkshygienischer und eugenischcr Beziehung alle diese Satzungen haben. Wie sie denn auch wesentlich dazu beitrugen, die jüdische Gemeinschaft, die unter den schwierigsten Verhältnissen so oft und so lange leben mutzte, auch körperlich lebensstark zu erhalten. Die Sorge um die Gesundheit ist dein Judentum auch eine religiöse Pflicht. Wie viel in dieser Hinsicht die Beschncidnng bedeutet, haben des öfteren die Aerzte öargetan." , Die Tagung für den Weltgericht-Hof.'^ Auf der am 30. April und 1. Mai ftattgefunöenen Tagung der Freunde des Wcltgerichtshofes, auf der das Suvkomitee des Senats-Komitees für auswärtige Angelegenheiten einen Bericht über den Harding-Coolidge-Hughcs-Borschlag vorlegte, waren von indischen Körperschaften die Central, konferenz amerikanischer Rabbiner, die Vereinigten gogen Amerikas und der Lanöesrat jüdischer Frauen durch -I Delegierte vertreten. .- ~ # fjjj Aus den Gemeinden. M Berlin: Im Mittelpunkt der Sitzung der Berliner 3kepräsentantenverfammlung vom 19. d. M. stand eine ansgeöehnte und erregte Debatte über die Zulässigkeit der Feuerbestattung. Den Anlaß zu ihr bot eine Vorlage des Gemcindcvorstandes, die die Betrüge, die für die Mitwirkuna eines Gemeinderabbiners bei Beerdigungen und Trauungen an die Gemeinde zu zahlen sind, neu regelte. Sie enthielt auch einen Satz für die Mitwirkung des Rabbiners bei Trauerfeierlichkeitcn im Krematorium. Daran nahmen die Vertreter der Orthodoxie Anstoß, da sie darin eine Legalisierung der ihrer Meinung nach für Inden unzulässigen Verbrennung sahen. Zwar wollen sie gestatten, daß die Rabbiner als Privatpersonen bei solchen Mitwirken, aber die Gemeinde dürfe mit einem solchen unjüdischcn Akt ^FrüßiaBrs-lun&ASfammier-JlsiLSsaae ........™_ Herr.-Sakko-Anzug grauer Cheviot, frische moderne'^flQQ Farbe, mit Streifen .V; für __ _ k_A«^ AS__W__V» -i r*>_. a_ /.« . Herr.-Sakko-Anzug' dunkel, mit Streifen und mittel- EAqq grauer Cheviot, modern gehalten Val Herr.-Sakko-Anzug gediegene Qualität» hellgrau und CQQQ modfarbig.*00 Herr.-Sakko- Anzug* Grätenstoff in grau und mod. TAHO prima Verarbeitung.I ir; . Besonders preiswert Kammgarn- ] ein Posten aus f prima | Stoffen,* | modern in Farben ‘ und5Formen i 560 Blauer-Herr.- ^einreihig modern CftOQ,; reine Wolle ... VVVV.Y. . IJO , JBIauer Heri>Anzug 'zweireihig modern i.QflQO freine Schurwolle . . ’.^V^Yv. OÜ /;2*teil.f Sport-Anzug einfarbig * grüner Loden und ‘ ge-fyl © 00 must. Cheviot.‘ r 4teil.. Sport-Anzug >mit langer u Breecheshose, mittel- QCOO ' grauer Diagonal mit ‘ *Ueberkaro OÖ 4teil. Sport-Anzug * mit langer u. Breecheshose, grau- QEQQ u. modlarbig gemust Homespun «PW ‘ 4teil.Gabard ..Anzug .für Straße und Sport, grau ge-;*3A^00 1 musterter Gabardine.IU«J Jüngl.-Sakko-Anzug blauer ^Cheviot, *> moderne ein- OCOO : relhige ‘Form. .;.UU | . preiswert M >rLe?E/^46°° I Spori-Siricttwesleg Besonders? preiswert. |#fttr Damen' and Herren 950 OkGO *0 G90 prima reine Wolle . . .-*a%9 $ f JL19 9 Jüngl.-Sakko-Anzug . Grätenstoff i^At dezentem Ueber- J OQQ ' karo, flotte borm .. Jopp.-Schul -Anzug . mit glatter Hose, modfarbig mit O JQQ Heinem Ueberkaro .«J ■ 4teilig. Sport-Anzug für jungei Herren, ‘ gestreifter T54QQ Homespun ..-.II Knab.-Schul-Anzug modfarb.,4 haltbarer Cheviot, ganz ©TPQQ gefüttert, für 8 Jahre.fc I Besonders preiswert Jünglings-Ulstert 0400 graner Cheviot, moderne Form.■*