Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 13 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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r I!-!!■; DER JÜNGLING Eine Geschichte aus der ägyptischen Knechtschaft Von Maria Renee Daumas 3. Fortsetzung. {Nachdruck ywtrt—0 Als die letzte von ihnen sich zum Gehen anschickte, winkte die Herrin sie zurück — „Mirda," sagte sie, »Hast du Rhamnanes gesehen, der hinter einer Säule aul uns wartete? Pharao mag ihn geschickt haben, uns zu beobachten, sorge dafür, daß er sich diesen Gemächern nicht nähert und uns nicht belauschen kann-du hast volle Freiheit-da“-sie nahm eine der vielen blitzenden Ketten, die sie zierten, und warf sie der Dienerin zu, die neigte sich bis zur Erde, dann verschwand sie rasch, Salamba betrachtete lange stumm den Jüngling, der noch immer an derselben Stelle stand, — nichts zu lassen schien nur auf sie starrte. „Komm' näher, Moses," — sagte sie endlich mit ihrer dunklen, klangvollen Stimme, Der Jüngling erwachte wie aus einem Traum, — es war das erste Mal, daß die Tochter Pharaos das Wort an ihn direkt richtete,-es war, als besänne er sich, — dann taumelte er ein paar Schritte vorwärts, und plötzlich stürzte er ihr zu Füßen und drückte seinen Kopf in ihren Schoß. Sie ließ ihn gewähren und strich leise über sein Haar — — nach einer Weile hob er das Haupt und blickte sie an, — — — „wie bist du schön,“ sagte er leise und ergriffen, „so schön, wie ich nichts sah bis jetzt.“ Geber Salambas starres Gesicht zuckte eine Bewegung — -- fast war es wie ein Lächeln,-„du törichtes Kind“-sie beugte sich tiefer zu ihm herab, „wer fragt danach, ob seine Mutter schön, ob häßlich ist“- Da sagte er, sich immer dichter an sie drängend: „Die ich gewohnt war, Mutter zu nennen, ist ein altes, sorgenvolles Weib mit welken Wangen, trüben Augen, im grauen Tuch und grauem, schlichten Haar. Doch du bist jung und schön, -- — deine Glieder sind weich und schmiegsam und deine Haut ist glatt und fein.-Deine Augen glänzen, wie in der Nacht die Sterne, und dein Mund ist rot und klein wie eine Frucht.-Deine Haare sind wie schwarze, glänzende Schlangen und deine schlanken Hände wie die Blätter einer kostbaren Pflanze. — Dem Gott meiner Väter will ich danken, daß ich so viel Schönheit sehen durfte,-doch Mutter will ich dich nicht nennen,“ seine letzten Worte ersterben in Leidenschaft. Sie schob ihn ein wenig von sich und sagte ernst: „Moses, hätte nur ein menschliches Ohr außer dem meinen deine Worte vernommen, so wärst du jetzt des Todes, und auch in mir sollt' Haß aufflammen gegen dich, weil du mir einen guten Traum zerstören willst.“ ,.Darf man dir nicht sagen, Königstochter, daß du schön seist?" fragte er mit großen Augen, harmlos wie ein Kind, r— — und Salamba schüttelte den Kopf wie über die Torheiten eines Knaben. „Pharao würde rasen vor Wut, wüßte er, daß du mit andern als mit Kindesaugen mich betrachtest-kein Mann darf den Blick zu mir erheben"-sagte sie dann wafnend. Aber der Jüngling fragte wieder verwundert: „Du selbst aber, zürnst du auch, wenn man dir sagt, daß du das Schönste bist, das diese Erde trägt?“ Salamba lehnte sich zurück und blickte in stummem Sinnen vor sich hin-der Jüngling wagte sie mit keinem Wort zu stören, er war beglückt, daß er sie betrachten durfte, die ihm so unfaßlich hoch und schön dünkte. Er verstand mit einem Male, wie die Aegypter zu Götterbildern beten konnten, wenn sie dem schönen Bilde vor ihm glichen. Salamba aber dachte an ferne Zeiten zurück — — — deutlich sah sie alles vor sich, was ihr einst zum Schicksal geworden war und ihrem Leben die Richtung gegeben hatte. — — -- Sie sah sich wieder an dem verhängnisvollen Tage, da sie, ein halbes Kind noch, zu jenem Feste ihres Vaters ging, zu dem ihre Frauen sie gesalbt und geschmückt hatten. So reich angetan, im Schmucke ihrer ersten Jugend strahlend, hatte sie in der Nähe von ihres Vaters Timon gestanden. — Pharao hatte sie bis zu diesem Tage kaum gesehen, jedenfalls nie beachtet. An diesem unheilvollen Tage aber hatte er sie entdeckt, die kindlich und verwundert in all* den Glanz gestarrt hatte, der sich vor ihr breitete,-von da ab hatte er seine stechenden Augen nicht mehr von ihr gelassen, sie erinnerte sich noch genau, welch' banges Gefühl sie damals befallen hatte, da sie den seltsamen Ausdruck in seinem Gesicht wahrnahm, den sie sich nicht erklären konnte und der sie so ängstigte, daß sie am liebsten diesen Saal, diese starre Pracht und die seltsam blickenden Augen ihres Vaters geflohen wäre. — Was hatte sie getan? Hatte sie durch eine Kindertorheit seinen Unwillen erregt und hatte sie Strafe zu gewärtigen? Sie hatte nicht mehr nach Pharao hinsehen wollen, aber seine Blicke zwangen sie unwillkürlich. — Erleichtert hatte sie aufgeatmet, als das Fest zu Ende gewesen und Pharao mit seinen Priestern in den Tempel gegangen war, so war sie wenigstens seinen brennenden schwarzen Augen entrückt gewesen. Aber am Abend, kurz vor Nacht, als sie sich bereits zum Schlaf gerüstet hatte, war einer von Pharaos Knechten gekommen und hatte den Befehl für sie gebracht, sofort vor den Fürsten zu kommen. Zitternd vor etwas Schrecklichem, das ihr bevorstand, war sie dem Boten gefolgt Pharao hatte sie allein in einem Gemache erwartet, das sie nie vorher betreten hatte und nicht kannte,- es war wie in Blut getaucht. Rot waren rings die Wände, rotes Licht überflutete mit seinem Schein, was das Auge sah, — — ein Lager von Purpur stand inmitten des Raumes, weiche rote Teppiche quollen auf wohin der Fuß trat. So weit entfernt von dem Vater, als es irgend anging, -war sie stehen geblieben-aber er war auf sie zugekommen, denselben schrecklichen Ausdruck im Gesicht, wie bei dem Feste, hatte sie bei der Hand genommen und fast dieselben Worte gesprochen, wie soeben dieser Knabe sprach: „Du bist sehr schön, Salamba,- du bist das Schönste, das die Erde trägt“-zaghaft fragend, nicht wissend, wie sie seine Worte deuten sollte, hatte sie aufgeblickt-da hatte er sie ergriffen, — -roh-ohne Vorbereitung,-ohne ein weiteres Wort, und sie auf das Lager geworfen. Ein Grauen überfiel noch jstzt das Weib bei der Erinnerung, -schaudernd verhüllte es sein Gesicht. Der Jüngling, der den fremden Schmerz fühlte, der ihm seltsam wild und beklemmend ans Herz griff, schob sich näher heran und legte seinen Kopf wieder in den Schoß der Königstochter, wie ein treues Tier. Sie ließ es geschehen, und fuhr nur leicht mit den schlanken Fingern durch sein lockiges Haar,-dabei hing sie weiter ihren Erinnerungen nach.-Sie hatte Geschrieen damals und sich gewehrt, als gelte es ihr .eben, jedoch vergebens,-sie war sein Opfer geworden — — — dem eigenen Vater für immer verfallen. Am Morgen nach jener Nacht hatte sie in schwerem Fieber gelegen-ein zauberkundiges Weib hatte sic bald geheilt,-doch hatte es gesagt, nie könnte der Schoß der Tochter Pharaos ein Kind tragen,-die Mutter in ihr hatte Pharao's Gier zerstört. Hatte sie ihren Vater seit jener Nacht gehaßt, so haßte sie ihn nun doppelt, seit sie wußte, um welches Glück er sie betrogen hatte, denn ihr dünkte das Höchste, das ein Weib besitzen könne, -das Kind. Jedes Bettelweib schien ihr nun beneidenswert, das einen Säugling an der Brust trug. Sie haßte auch darum die Weiber der Ebräer, die so viele Kinder hatten, und trotz der schweren Fron, die ihnen auferlegt ward, froh und zufrieden auf eine Schar von Kleinen blickten,- da hatte sie Pharao jenen Plan eingeblasen, alle ebräischen Knäblein töten zu lassen, um ihren Haß an jenen Weibern zu kühlen, die so viel glücklicher waren als sie selbst. Sie blickte herab auf das lockige Haupt des Jünglings, das in ihrem Schoße ruhte,-und sie dachte daran, wie sie einst zum Bade gegangen war mit ihren Frauen und jenes Binsenkörblein gefunden hatte, darin das schreiende ebräische Knäblein lag, das allsogleich nach ihrer Brust gegriffen hatte,-sie erinnerte sich des Hochgefühls der Freude, das sie damals empfunden hatte, und des plötz-. lieh erwachten Wunsches, irgend einem Kinde das Leben zu schenken. Nun war dieses Kind herangewachsen, sollte ihr Sohn sein, die einzige gute Tat ihres Lebens sollte sich belohnen, und es sträubte sich dagegen, denn es war inzwischen zum Manne herangereift und sah sie an mit den Augen eines Mannes, verzehrend und begehrlich. Sie wußte sie hätte ihm zürnen müssen, dem schlanken, glutäugigen Jüngling, und fühlte doch selbst ein Beben, wenn sie die Nähe seines jungstarken Leibes empfand und seinen glühenden Mund in ihrem Schoß, sie, die so jahrelang nichts als die Sinnengier des alternden Pharao gekannt, die noch nie den leisesten Widerhall bei ihr gefunden hatte. Denn Pharao hatte streng darauf gehalten, daß sie sein unumschränktes Eigentum geblieben war;-kein Mann durfte ihr nahen. Mancher König, der von ihrer Schönheit gehört hatte, hatte um sie werben lassen,-die Werber hatte Pharao erschlagen lassen, die Reiche jener Könige vernichtet. Daß er ihr gestattet hatte, diesen Ebräerjüngling in ihrer Nähe zu behalten, bewies ihr, wie sehr gering er ihn achtete,-trotzdem wußte sie, daß von nun an jedes Wort, das sie sprach, jeder Gang, den sie tat, jede ihrer Handlungen beobachtet sein würden, hatte sie doch schon Rhamnanes, den Vertrauten des Pharao, hinter einer Säule lauern gesehen. Nun wohl, sie wollte das Spiel aufnehmen,-der Gefahr begegnen, ^kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkAkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk] MODERNE TÄNZE GESPIELT VON DER KAPELLE BERNARD ETTt UND ANDEREN ERSTKLASSIGEN KÜNSTLERN NUR AUE VOX" Ml U 51IUP LATTE NI * VOX-HAUS AM POTSDAMER PLATZ - BERLIN W 9 POTSDAMER STR-¥ ¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥¥ ~ CHARLOTTENBO. TAUEN1ZIEN»»1&| WlLMKR.BOft. 1 BERLINEßsTR-l NAHE BAYRISCHER« PLATZ BER.LIN N BRUNNENSTR;