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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-05-09 · 13 (9.5.1924) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
13 (9.5.1924)
Date
1924-05-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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dieser Jüngling sollte ihr bleiben, ob als Sohn oder als Geliebter, das sollte die Zeit lehren,-Pharao sollte ihn ihr nicht entreißen, sie würde sich und ihn zu verteidigen wissen. Wie als Antwort auf ihre Gedanken schob Mirda sich durch einen Vorhang. — — — „Herrin," flüsterte sie, Salamba schob den Knieenden von sich, der verstört um sich blickte,-aber Mirda riß ihn an der Hand empor, „rasch"-sagte sie drängend, und zog ihn in eine andere Ecke des Gemaches,-da wurde dei Vorhang zurtickgeschlagen und Rhamnanes trat ein. Seine unsteten Augen überflogen mit einem Blick den ganzen Raum, und als er in einer entfernten Ecke Mirda und den Jüngling gewahrte, verzog er, kaum merklich, den Mund, dabei schien all seine Aufmerksamkeit nur auf die Fürstin gerichtet zu sein. In der Hand hielt er eine Schale mit köstlichen Früchten, „dies, Königstochter, sendet dir Pharao, mein Gebieter, mit dem Wunsche, dir seine Liebe und sein Wohlwollen zu bezeigen."-Salamba neigte sich etwas vor, „ich danke Pharao für seine Güte"- sagte sie, „er hat mich also zwiefach heut beschenkt. — -„Mirda"-rief sie,-„nimm diese Früchte, die der Fürst mir gesandt-- ich und mein Sohn, wir woll'n uns daran erlaben."-Rhamnanes neigte sich so tief, daß man den höhnischen Ausdruck seines Gesichtes bei den Worten Salambas nicht sah--— dann verließ er rückwärts schreitend das Gemach. Mirda hatte, nachdem sie dem Vertrauten des Pharao die Früchte abgenommen und beiseite gestellt hatte, gleichfalls den Raum verlassen. Draußen schlich sie ihm nach, um zu sehen, ob er sich auch wirklich entfernte, denn sie war eine treue Dienerin und ihrer Herrin blind ergeben. Drinnen in Salambas Gemach wandte diese sich nach dem Jüngling um,-„komm' zu mir, Moses, ich habe ernstes mit dir zu reden." Der Gerufene kam näher und kniete wieder neben ihr-seine Augen immer verzehrend auf ihr Antlitz geheftet, Sie dec! ‘c einen Augenblick ihre schmale Hand über diese Augen und fühlte selbst bei der Berührung eine leise Wohligkeit. „Hör’ mich an"-sagte sie dann ernst, fast wieder starr-— „du wärst des Todes, müßte Pharao je glauben, daß du mich anders liebst als ein Sohn seine Mutter." Unschuldig fragend blickte er sie an, „warum, du Schöne?" Da preßte sie einen Augenblick lang die Lippen aufeinander, dann sagte sie hart: „Ich bin die Kebse des Pharao."-Er schrak zurück-sie sah es --ihr Gesicht wurde kalt und verschlossen. „Graut dir vor mir?" fragte sie höhnend- Da blickte er ihr in die kalten Augen — — „Himmel und Erde, Welt und Menschen, Gott und Pharao — alles, alles will ich vergessen, darf ich nur bei dir sein, — in deiner Nähe atmen — dich sehen, — meine Lippen auf dein Gewand drücken, du Schöne, Herrliche.-Tu was du willst mit mir, — behalte mich als deinen Sohn, deinen Gefangenen, — deinen Knecht, — nur laß mich deine Stimme hören, — den Boden küssen, darauf dein Fuß tritt"- Es war, als würde ihr Ausdruck milder, trotzdem sagte sie: „Das sind nicht Worte eines Sohnes,“-aber der Jüngling erwiderte rasch und ohne Zaghaftigkeit: „Es sind die Worte eines Mannes, Königstochter, —- den deine Schönheit ganz gefangen hat."- Sie legte ihre Hand wieder auf sein Haupt,-„wie stürmisch du bist, Moses,-hast du schon geliebt?" — Der Jüpgling dachte einen Augenblick lang an die kleine Naemi, an ihre schlanke Gestalt und die großen Augen, die immer mit so gläubigem Vertrauen zu ihm aufgeblickt hatten und die er so oft geküßt hatte,- sie schien ihm jetzt wie Kinderspiel-, „ich wußte bis heute nicht, was Liebe ist" — sagte er aufrichtig und fest. — — — Da lächelte Salamba,-lächelte seit vielen Jahren zum ersten Male, ein Lächeln, um das Pharao, der mächtige König, sein halbes Reich verschenkt hätte,-sic lächelte und neigte ihren Mund mit den roten gefärbten Lippen auf den unschuldigen Knabenmund vor ihr. IV. Salamba hatte den Weisen mit Unrecht den Löwen zum Fräße vorwerfen lassen, denn auch seine zweite Weissagung hatte sich erfüllt,-die Tochter Pharaos war die Geliebte des Ebräerkneben geworden, den sie Moses geheißen hatte, — oder vielmehr er war ihr Geliebter geworden. In einem Meer von Sinnenglut war er in ihren Armen versunken — und sie, die fast das Doppelte an Alter zählte wie er-sie erlebte mit diesem Jüngling eines fremden verachteten Volkes ihren ersten Liebesfrühling. Vor den Augen Pharaos und des Volkes galt er als ihr Sohn, wie an jenem ersten Tag, da er des Königs Palast betrat, aber in ihrem verschwiegenen Gemache, bewacht von der treuen Mirda und einem ihrer Knechte, der Mosen jetzt zu Dienste gegeben war, feierten sic Liebesstunden, so durchtränkt von schwüler Glut, wie Pharao sie bei seiner kalten starren Tochter für unmöglich gehalten hätte. Wohl waren sie von allen Seiten bewacht, aber diese Gefahr erhöhte für die beiden kühnen Menschen noch den Reiz ihrer Liebe. Wenn der jetzt prächtig gekleidete Jüngling ihr Gemach betrat, schwoll das Herz des Weibes höher vor Sehnsucht und Begehren, sie hatte sich ihm ganz zum Eigentum, zu ihrem Geschöpf gemacht, sie wußte, daß sie mit der Macht ihrer Weiblichkeit den der Liebe Unkundigen unlöslich in ihre Netze verwickelt hatte, -und sie selbst begehrte diesen keuschen Jünglingsleib mit einer Inbrunst, daß sie sich lieber getötet hätte, als ihn noch einmal in ihrem Leben zu missen. Und nach und nach vergaß er alles in ihren Armen, als habe er einen Zauber- oder Vergessenheitstrunk getan: -Sein armes, banges Volk, — seine Mission, — seine Eltern, — Miriam — und die kleine Naemi.- Einmal, in der ersten Zeit, hatte er, bei der Tochter Pharaos liegend, versucht, für sein Volk bei ihr zu sprechen, -aber sie hatte böse die Stirn gerunzelt und in kaltem, abweisendem Tone gesagt: „Sprich nie mehr von dem verhaßten Volke der Ebräer, ich will nichts davon wissen, daß du einer der Ihren bist,-erinnere mich nie wieder daran — — wenn du mich liebst."-Da hatte er geschwiegen-und allmählich in der Glut seiner Liebe war jeder Gedanke an sein Volk und jede Reue, daß er es vergessen hatte, untergegangen.- Nie durfte er den Palast des Pharao verlassen, nie die Gemächer der Königstochter, so verlor er allmählich jeden Zusammenhang mit der Außenwelt. Pharao hatte zuerst der Laune seiner Tochter nachgegeben — — hoffte, sie würde des Ebräerknaben bald überdrüssig werden, und achtete seiner wenig,-als aber die Zeit verstrich und er hörte, daß sic der. Jü.-Fh-.g nach wie vor wie einen Sohn halte, -wurde er r.uundenklich und mißtrauisch. Hatte er vom ersten Tage an Rhamnanes befohlen, d.’c Augen offen zu halten, so verlangte er jetzt von ih.n genaue Aufsicht über das Tun und Treiben der Prinzes’-n und des Jünglings. Rhamnanes, in dem Wunsche, seinem Herrn zu dienen und sich ihm immer unentbehrlicher zu machen, strich um die Gemächer der Königstochter herum wie ein Raubtier um das Nest des belagerten Wildes,-indes vergeblich, -er konnte niemals etwas Verdächtiger erspähen, -obgleich seine Vermutungen die Wahrheit fast genau trafen. Auch Mirda, die ihm freundlich begegnete, viel freundlicher als früher, konnte er zu keinem Geständnis über das Verhältnis ihrer Herrin zu „ihrem Sohn" bewegen. — Rhamnanes stand bei Pharao in dessen Gemache. — „Hast du noch immer nichts erfahren können?" fragte Pharao, „wie nahm meine Tochter die Armspangen auf, die ich ihr schickte?" „Sie gab sie dem Ebräerknaben und hieß ihn, sie verwahren," -antwortete Rhamnanes. Pharao preßte die Lippen zusammen, „immer der Ebräerknabe" — — sagte er wütend.- „Doch wenn ich ihr dies Spielzeug nähme?"-Er versank in Nachdenken. „Was rätst du mir zu tun, Rhamnanes?"-fragte er plötzlich.-„Wie entledigen wir uns des Knaben, ohne meine Tochter zu kränken?" Rhamnanes sagte: „Gib ihm ein Weib." — —- „Trotzdem bleibt er Salamba's Sohn." „Das Weib muß in deinem Dienst und Vertrauen stehen."- „Er wird sich nicht verraten,-die Ebräer sind klug."- „Sie wird ihn töten.'- „Ah, der Rat wäre gut,-doch wird sie et nicht wagen aus Furcht vor Salamba." „Du wirst ihr versprechen, sie vor der Rache der Prinzessin zu schützen."- „Dann wird Salamba mir zürnen und in mir den Anstifter des Mordes sehen." — — „Du läßt dann das Weib in die Löwengrube werfen -und besänftigst damit deine Tochter." — —- Pharao erhob sich lebhaft.-„Ja, das will ich tun, -schaffe mir sogleich ein ägyptisches Weib, das ich dem Ebräerknaben geben kann,-schön muß sie sein _und zuverlässig,-versprich ihr hohen Lohn. — Ich selbst will zu Salamba gehen und mich überzeugen, wie sie mit „ihrem Sohne" — lebt." — (Fortsetzung folgt.) Sonntag, den 11.Mai 1924, vormittags 10V2Uhr findet in der Neuen Synagoge die Konfirmationsfeier der Mädchen statt, zu der wir hierdurch die OemeindemitgUeder einladen. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde za Breslau. MWWWWWWVUNWVWOWM KARL A. KLEIN automobile a.-g. Eisenacher Sfr. 111*112 Telephon t NoÜMdorl 6060—61 PERSONENWAGEN: ' ' ' " > ■ '■■■■■' " ... mwmmmim e/2o ps Agg 8/3o ps Presto «Ko ps Steyr ecyi T7/60 PS DlIX Hauptstr. KMJ™Ä~ar1 Unter den Linden 42 reichen z«r. 0400 eneral-Verfrefung LASTWAGEN: Nagirus «° Vomag 4. ° L» W« D» 0 io Westf., bodenbest. Kaufmann, 46, vorm., sacht Bek. mit gleicht, verm.. hübsch., gesch - tücht. (mögl. auch mnslk.) Dame zwecks Heirat. Oft von nur Selbstschr. mit Bild u. Angabe vertr. bef. unter „Alt. 1340" die Anzeigenannahme der Jüdischliberalen Zeitung, Alexandrinenstrafle 95-98. PAUL PORTZ & CO. Berlin W.15, PariserStr.30-31 J’falzburg 3987 Atelier tür Innenarchitektur, Wohnnngsb.tuteii. Kcuovie!ungen, Noueiiiricbningew.Umziigsaibeiteu. 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