Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 11 (25.4.1924)
- Date
- 1924-04-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWMWWWWWW WW^WWWW^WWWWW 4. Jahrgang Nummer II MMOemleZeilmg L. Beilage LS. April 1924 Heiteres in emster Zeit. Lieber Ben Boruch! Mo müssen wir Dich anreden, da wir nicht wissen, ob Du, der Du in Nr. 6 des „Iüdischen W o ch e n -- blattes" unseren Mitarbeiter Dr. LudwigMarcuse angreisst, Ben Boruch, Barizchsohn oder wie f o n ft heißt. Deinem orthodoxen Herzen haben es die „Religionsphilosophischen Besinnungen" in unserer Nr. 7 angetan. Du richtest an Deine Leser die Frage: „Du kennst Herrn Marcuse nicht?" und antwortest: „Schadet nichts, ich kannte ihn auch nicht. Jetzt, nachdem ich seinen Artikel gelesen habe, kenne ich ihn und schätze ihn, und Du wirst ihn gleich kennen und schätzen lernen." Du kanntest ihn nicht. Der immeEn, um nur das Letzte zu nennen, so Beträchtliches wie Strindberg, Das Leben der tragischen Seele; Die Welt der Tragödie; Hauptmann und sein Werk veröfsentlicht hat/ Der. zum Unterschied von Dir, anerkannter Fachmann aus religionsphilosophischem Gebiet ist, während Du weder heiter noch Religionsphilosoph bist. Den man auch für würdig befunden hat, Dozent dev Humboldt-Hochschule zu sein. Und der wohl nicht der schlechteste Mitarbeiter am berliner Tageblatt" ist. Du kanntest ihn nicht. Und Dein Redakteur konnte Dich wohl nicht verbessern. Bleibt also nur zu fragen/ ob Ihr Ludwig Mareuse schon einmal kennen gelernt und nur, wie L u d w i g B ü ch n e r, längst wieder vergessen habt, oder ob Ihr ihn schlechthin nicht kanntet. Gehet hin und lernet! Owicho Hachochom. H! Aus den G emeinden. Der Konflikt zwischen Zionisten und Liberalen im Vorstände der Berliner Jüdischen Gemeinde Der .Jüdischen Rundschau" wird von einem der zionistischen Vertreter in den Gemeinde-Körprschaften eine Jnformation zur Verfügung gestellt, die uns zwingt, auch unsererseits zu dem nun beendeten Konflikt Stellung zu nehmen. lieber das Ausscheiden der Herren Geheimrat Stern und Leovold Badt aus dem Gemeindevorftand und die Gründe, die unsere Vertreter in der Repräsentanten-Berfammlung veranlaßt haben, beide Herren nicht wiederzuwählen, ist in dieser Zeitung berichtet worden. Der Nachruf, der beiden Herren an der Spitze obigen Artikels gewidmet ist. gibt nun nachträglich noch einmal denen Recht, die für eine neue Zusammensetzung des Vorstandes Rngetreten find. Es ist allerdings für uns Liberale kaum wehr erträglich gewesen, wie stark der Einfluß» der zionistischen Vertreter war. trotzdem selbst von Liesen Herren zugegeben werden muß. daß die überwiegende Mehrheit der Gemeindemitglieöer liberal ist. Von den Zionisten wird den liberalen Mitgliedern des neuen Vorstandes der Borwurf gemacht, daß sie sich jetzt nicht nur festigen die Zionisten zusammengeschlossen batten. um Anträge der Zionisten abzulehnen, sondern Latz die Absicht viel weiter gehe. Die Herren beklagen sich, daß bei der Vergebung der Dezernate weder das. Staatskirchenrecht noch die Schule einem ihrer Herren übertagen wurde. Besonders waren Ne empört über die Begründung, die Herr Kammergerichtsrat Wolfs für die Grundsätze bei der Dezernatsverteilung gab. Es wurde den Herren erklärt, daß man die Berliner Gemeinde als Religionsgemeinde erhalten wolle und daher Dezernate, in welchen man versuchen könnte, dem Prinzip der Umwandlung in eine Bolksgemeinde zum Durchbruch zu verhelfen, ihnen keinesfalls übergeben würde. Andererseits wollte man unvedingt ein gedeihliches Arbeiten im Interesse der Gemeinde gewährleistet sehen und bot den Herren neben Krankenhaus, orgellosen Synagogen, Bibliothek usw. an. ein neues Dezernat für die Aenderuna der Statuten, die Bezirkseinteilung und alle hiermit zusammenhängenden fragen zu schassen, das Herrn Dr. Kollervscher übertragen werden sollte. Trotzdem die Rundschau schrieb: „Ein liberaler „Bermittlungsvorschlag" ging dahin, Herr Dr. Kollenscher solle sich eine Firma für die ihm übertragenen Agenden selbst aussuchen, ein ungeheuerliches Ansinnen, das natürlich abgelehnt wurde." hat man sich auf diesen Vorschlag geeinigt, Herr Dr. K. hat das „ungeheuerliche Ansinnen" nicht abgelehnt, sondern eine neue Firma gesucht und gefunden und das Dezernat „Gemeindeverfassung" genannt. Diese Einigung ist zustandegekommen, trotzdem während der Verhandlungen der erwähnte Artikel der Jüdischen Rundschau erschienen ist, brr den liberalen Mitgliedern des Gemeindevorstandes die Fortsetzung der Verhandlungen nicht gerade erleichtert hat. Da für uns aber nicht die Parteipolittk. sondern Las Wohl der Gemeinde im Vordergrund steht, so haben wir unS nicht provozieren lassen und die Verhandlungen nicht abgebrochen. Daraufhin ist die oben mitgeteilte Einigung erfolgt. Im Laufe der Unterhandlungen ist von unserer Seit« der Vorschlag gemacht worden, alle Repräsentanten mögen ihre Aemter niederlegen, damit sofort zur Neuwahl der Repräsentantenverfammlung geschritten werden könne. Die neue Versammlung könne dann auch einen neuen Vorstand wählen. Unsere Vertreter haben sich ausdrücklich bereit erklärt, nieder, zulegen. Bon den anderen Fraktionen ist bisher -tose Erklärung nicht erfolgt. Zum 90. Geburtstag von Eduard Sachs. Wie wir bereits in unserer letzten Nummer berichtet haben, beging am 16. April Herr Eduard Sachs, -er langjährige Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemetnde Breslau und des Israelitischen Krankenhauses seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlatz versammelten sich an dem Jubeltage um 11 Uhr vormittags die Vertreter der Gemeindebehörden, des Krankenhauses, der drei Brüdevgesellfchaften, öer Gefell, schaft der Freunde und der Stadtverwaltung sowie die Gemeinderabbtner zu einer eindrucksvollen, aber schlichten Feier. In den einzelnen Reden spiegelte sich das Lebensbild eines Mannes wieder, der in seinen vielfachen Ehrenämtern Außerordentliches und Hervorragendes geleistethat. 48 Jahre, also fast ein Menschenalter hindurch, steht der Jubilar im Ehrendienst öer Gemeinde, die ihm so-unendlich vieles zu danken hat. Ganz besondere Verdienste hat er sich um die Errichtung des Jüdischen Krankenhauses erworben, einer Anstalt, die mit als eine der größten und mustergültigsten Deutschlands airgesehen werden umh. Die einzelnen Redner brachten die Glückwünsche ihrer Korporationen dar und gaben in kurzer Darstellung ein Bild von dem segensreichen Schaffen und Wirken ihres Mitarbeiters und unermüdlichen Führers. Eine Anzahl von Ehrengeschenken wurden überreicht, unter denen insbesondere die von der Gemeinde errichtete Ehrenstiftung in Höhe von 20 000 Mark hervorragt. Die Zinsen der Stiftung fällen an bedürftige Ehrenbeamte, Beamte und Angestellte der Gemeinde. Mit seltener geistiger Frische antwortete der Jubilar sämtlichen Rednern und gab hierbei einen historischen Rückblick auf seine' ehrenamtliche Wirksamkeit in der - Breslauer Gemeinde, wobei er besonders betonte, daß ihm diese Lebensarbeit innerste Befriedigung gewährt habe. Gebete der Herren Gemeinöerabbiner und Harmoniumklang umrahmten die würdige Feier, die allen Beteiligten unvergeßlich bleiben wird. Im Anschluß an diese Feier übevbrachten andere Vereine und Institutionen sowie viele Einzelpersönlichkeiten ihre Glückwünsche. Auch von außerhalb waren zahlreiche Glückwünsche eingegangen, die alle Zeugnis von dem Ansehen und Rufe des Jubilars ablegten. Auch wir schließen uns den vielfachen Ehrungen an und übermitteln dem Jubilar unsere besten Wünsche. Hat doch Eduard Sachs allezeit mit der ihm eigenen Festigkeit und Willenskraft nufere liberale Sache vertreten und gefördert. Infolge seiner - streng liberalen Auffassung hat er selbstverständlich auch anderen Anschauungen stets vollste Gerechtigkeit widerfahren lassen und hierdurch für den Frieden und die Eintracht in der Gemeinde gewirkt. Möge dem Jubilar von der Vorsehung ein sonniger und heiterer Lebensabend geschenkt werden. Berlin.' Am 12. April beging der Generalsekretär des Deutsch-Jsraeliti-schen Gemeindebundes, Dr. Wilhelm Neumann, seinen 60. Geburtstag. Die Mitglieder des Ausschusses des Gemeindebundes versammelten sich am folgenden Sonntag zu einer schlichten Feier, in öer sie dem Jubilar ihre Glückwünsche öarbrachten. Der Gemeinöevorstand ist. mit dem Schöneberger Religionsverein, dessen Synagoge sich in der Münchener Straße befindet, in Verhandlungen getreten, die zur Uebernahme der Synagoge als Gemeindesynagoge führen sollen. Wie wir hören, steht ein günstiger Abschluß dieser Verhandlungen bevor. Die Religionsgemeinde Berlin-Gesundbrunnen hat den Rabbiner Dr. Alexander in Saarbrücken zum Rabbiner gewählt. Manfred Lewandowski. Oberkantor am„Friedenstempel", Berlin-Halensee. Enkel des berühmten Synagogalkomponisten Professor Louis Lewandowski. wurde von der Konzertöirektion Leonard G. m. b. H., Berlin, für die Saison 1924 bis 1925 für eine Tournee durch die deutschen Großstädte verpflichtet. in denen öer Künstler neben Liedern und Arien namentlich hebräische Gesänge zum Vortrag bringen wird. Dr. Hugo Elkan. öer Berliner Vertreter des hannoverschen Anzeigers", der „Danziger Neuesten Nachrichten" und öer „Württemberger Zeitung", ist in Berlin im Alter von 72 Jahren gestorben. Der Verstorbene, in dem die Berliner Journalisten einen ihrer Senioren verlieren, erfreute sich persönlich einer hohen Wertschätzung nicht nur in Kollegenkreisen. Seit etwa 30 Jahren vertrat er die genannten Blätter, zu denen seinerzeit auch dte „München- Augsburger Abendzeitung" gehörte. Er gehörte in führender Stellung seinen Berufsorganisationen an. Breslau. Das hiesige jüdische Zentralwohlfahrtsamt» das sich vor einigen Monaten neu organisiert hat. kann mit Stolz auf die kurze Zeit seiner Tätigkeit zurückbljcken. In der Zeit fett November v. I. hat es insbesondere die Speisung denotletdenden Mittelstandes organisiert und ist überall da ergänzend etngetreten. wo die anderen Organisationen der jüdischen Wohlfahrtspflege nicht allein zu helfen in der Lage waren. Durch das Zusammenarbeiten mit den andere« Institutionen und Vereinen konnten nicht nur die vielfache» Doppelunterstützungen vermieden werden, sondern eS war hierdurch auch möglich, den wirklich Bedürftigen eine umfangreichere und ausgiebigere Hilfe angedeihen zu lasse». Eine neue Einrichtung hat das Zentralwohlfahrtsamt dadurch geschaffen, daß eS nunmehr in der Lage ist. Kinder unter zwei Jahren unterzuvringe». Das hiesige PrivatsäuglingSheim Dr. Pelz nimmt vereinbarungsgemäß Kinder dieses Alters zu einem mäßigen Verpflegungssätze auf. Durch dieses Abkommen ist eine fachgemäße Versorgung der Kinder gewährleistet, so baß man jetzt auf dte fo oft ungeeignete« Pslegestesten verzichten kann. — Andere dankenswerte Hilfsmaßnahmen sind in Vorbereitung. — Dem Zentralwohlfahrtsamt gehören jetzt fast sämtliche jüdischen Vereine und Jnstttutionen in Breslau an. Die städtischen und staatlichen Behörden bedienen sich desselben tn weitestem Maße und haben es ersucht, die Vertretung für dte jüdischen Anstalten in der Provinz Schlesien zu übernehmen. Dillinge«. Die Synagogengemeinde Dillingen. der bisher für ihre Gottesdienste nur ein Betsaal zur Verfügung gestanden hatte, konnte jetzt ihre neu erbaute Synagoge ihrer Bestimmung übergeben. In feierlicher Weise fand b« Einweihung deS neuen GotteSbauses statt, bei der die Festpredigt Rabbiner Dr. Alexander, von dessen Berufung an die NeligionSgemeinde Berlin-Gesundbrunnen wir an anderer Stelle berichteten, hielt. Die aufblühende Gemeinde hat sich damit in schwerer Zeit eine würdige Stätte für den Gottesdienst geschaffen. - Erfurt. Kürzlich veranstaltete die Chewra Kadischa eine Trauerfeier für ihre verstorbenen Mitglieder. In seiner Trauerpredigt gedachte der Gemeinderabbiner Dr. Schüfta« wehmutsvoll der Heimgegangenen. Die Erinnerung an sie müsse, richtig erfaßt, nicht nur ein Anlatz zur Trauer fein, sondern aus ihr mützten gleichzeitig Werte für das eigene Leben geschöpft werden. Der Bortrag des Seelengebetes durch Herrn Kantor Ziegler und Psalmgesänge des Synagogenchors vollendeten die stimmungsvolle Feier. Oersammlungskalender. Lieguitz. Montag, den 28. April, abends 8 Uhr, Vortrag von Herrn Lehrer Hirschfeld-Berlin: „DaS Leben der deutschen Juden im Mittelalter." Magdeburg. Montag, den 28. April, abends 8 Uhr, in de» Büroräumen der jüdischen Gemeinde Bortrag von Herrn Seminarlehrer Falkenberg-Berltn über das Thema: „Zur Erneuerung deS Judentums. Umkehr, nicht Rückkehr." Schweidnitz. Montag, den 28. April, abends 8 Uhr, Vortrag des Generalsekretärs der Vereinigung für das liberale Judentum E. V.. Herrn Dtckmann-Berlin: „Unser Weg als liberale Juden." »cn crftfticacnl A« erschiene«! Sonderheft, herausgegebe« von der Arbeitsgemeinschaft jüdisch - liberaler Jugendvereins: Zur religiösen Erneuerung -es Judentums Inhalt: „Religiöse Erneuerung" von Ernst Heinrich Seligsohn — „Wesen und Erscheinung" von Gemeinderabbiner Dr. Dogelstein — „Wir und die andern" von Arthur Lilienthal — „Aufgaben innerer Arbeit von Max Dogelstein. DaS Heft enthält eine grundlegende Darstellung des liberalen Judentums. Jeder, der wissen will, wie die aufbauenden Kräfte am Judentum tätig sind, mutz zu diesem Sonderheft, das als erstes einer Reihe gedacht ist, greifen. Nestellungen nimmt das Büro der Vereinigung, Berlin W. 8, Mauerstraße 22, entgegen. Im übrigen wende man sich an die Vorstände und Vertrauensleute der Jlis und der liberalen Ortsgruppen. Bezugspreis: Für Jlimitglieder 80 Pf., für all« übrigen 80 Pf. m KARL A. KLEIN automobile a.-g. Eisenacher Str. 111-112 Telephons Nel lendort 6660—01 G PERSONENWAGEN; b/20 ps Aga 9/3o ps Presto 12/40 ps Steyr so»,. 17/00 PS Dux Hauptstr. 81*82 »«-»Z-Ä«,-»«» Unter den Linden 42 ».»«» eneral-Verrretun i KurfUrstendamm 1 Telephon: Lüttow 1683 Q LASTWAGEN; Maglrus i-m* 2-2^,» Vomag 3.4.510 L.W.D. 3 to