Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 11 (25.4.1924)
- Date
- 1924-04-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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DER JÜNGLING Eine Geschichte aus der ägyptischen Knechtschaft Von Moria Rente Daumos [. FortMtamtf. (K««M«ek r*rbot*a.) Salamba war schön, — als ihr zwei Jungfrauen die Richer von den Schultern lösten, — so schön, wie ich skhts sah bis zu diesem Tag; ihr schöner, schlanker Leib, »r leuchtete wie ein Bildwerk im Mondenschein, wie Schlangen ringelte sich schwarzes Haar um ihre leichtfewölbte, glatte Stirn-nur ihre Augen blickten starr, ils wie bei jenen fremden Götterbildern, von denen Vater Aaaram uns gelehrt, daß es Sünde sei, sie zu betrachten oder gleich den Aegyptern zu ihnen zu beten. — — — Sie schien so jung, wie ich es damals war, and doch, sie war kein Kind mehr, wie ich,- ihr Laib war der des reifen jungen Weibes,-wenn ich auch damals alles dieses nicht verstand, so sah ich doch die Schönheit, die mich so gefangen nahm, daß ich als wie geblendet auf sie starrte. Da« — als sie ins Wasser treten wollte, hörte sie gleich mir die Schreie des Knäbleins.-Mir stockte das Herz im Busen, als sie eine von ihren Jungfrauen heranwinkte und mit starrem Gesicht auf das Körblein wies, daß man es ihr hole. Eine Magd watete ins Wasser, hob es auf, brachte es herbei, und hielt es geöffnet zu der Prinzessin empor." Jochebet, die bei der ganzen Erzählung das Haupt verhüllt gehalten hatte, blickte nun gespannt auf ihre Tochter, die sich erhoben hatte und nun mit glänzenden Augen das Erlebnis schilderte, das so viele Jahre zurücklag und doch frisch vor ihrem geistigen Blick stand, als sei es gestern gewesen-, „da veränderte sich das Gesicht der Königstochter, ihr starrer Blick änderte sich, etwas Weiches, Zärtliches kam über ihre ganze Gestalt, sie drückte das Körblein an ihre Brust und blickte in des Knäbleins Antlitz — — dann schaute sie sich wie erwachend um im Kreise und sagte leise, mehr zu sich selbst als zu den andern sprechend: „Es ist der ebräischen Kindlein eins." Nun wars, als triebe mich eine innere Gewalt hervor, wie hätte ich sonst den Mut gefunden, vor Pharaos hohe Tochter zu kommen. Ich warf mich in den Staub vor der Erstaunten und sprach also: „Soll ich Eingehen und der •bräischen Weiber eine rufen, die da säuget, daß sie dir das Kindlein säuge?" Die Tochter Pharaos blickte sinnend auf das Knäblein, daun auf mich, und endlich sprach sie: „Gehe hin." Ich wollte das Körblein behutsam ihr vom Arme nahmen, — mein Bruder aber hatte aufgehört, zu weinen, und streckte Kopf und Finger nach Salamba's nackter Brust, als suche er dort Nahrung.- Da ging es wie ein Lächeln über der Königstochter steinerne Züge, sie neigte ihren roten Mund herab und küßte das Kind, dann sprach sie noch einmal zu mir: „Geh hin," Ich aber lief, so schnell mich meine Füße trugen, und Hai dich >28 ihr, Mutter Jochebet, dir gab sie dann das Kind und verhieß dir reichen Lohn, wenn du es für sie auferziehen wolltest, so, als sei es ihr eigenes Kind."_ Dia Frauen schraken auf, sie fühlten, daß sie nicht mehr allein waren, starr wandten sie ihre Augen nach rückwärts, woher sie ein Geräusch vernommen hatten, da gewahrten sie den Jüngling, der in der Tür der Hütte stand und sie mit großen, gespannten Augen ansah. „Warum hörte ich nie aus deinem Munde, Schwester, welch' wunderbarem Geschick ich vor allen Jünglingen meines Volkes mein Leben danke?" fragte er, und es lag, ihm selber vielleicht unbewußt, ein Vorwurf in seiner tiefen, vollen Stimme. Jochebet aber fuhr bei seinen Worten auf,_„warum solltest du danken für dein Leben, Sohn? — Wem danken? — Jenem harten Weib, das in einer Augenblickslaune dich atmen hieß, wahrend es die Macht hatte, dein Leben mit einem Winke seiner Augen zu enden? Vielleicht hätte die Tochter Pharaos auch jedem jungen Tiere so getan, nachdem sie müde war, das Todeszucken Tausender zu sehen." Miriam schüttelte leise, wie sinnend den Kopf, „sie ist so schrecklich nicht, Mutter Jochebet, ich habe ihre Augen gesehen, als sie das Kindlein küßte —," sagte sie._ „Und hat sie niemals mehr nach mir gefragt?" begehrte der Jüngling fast atemlos zu wissen. „Nie mehr," sagte Jochebet finster, „nur wurden wir, Miriam und ich, von harter Fron verschont, in der die Weiber unseres Volkes schmachten müssen," und wenn das Knäblein ein Jüngling ist, so bring' ihn mir, so will ich ihn als meinen Sohn aufnehmen," so sprach die Tochter Pharaos damals zu mir, — „und", fügte sie zögernd hinzu, „nun ist’s soweit; zulange schon hielt dich unsere Liebe zurück, Salamba könnte eines Tages ihres Gebotes .gedenken und uns mit schwerer Buße strafen. Da vollendete deine Schwester soeben das Festgewand, — denn heut noch wirst du stehen vor der Tochter Pharaos, und du und wir alle werden zittern, ob sie die Gunst, die sie dereinst dem Knäblein schenkte, nun auch dem Jüngling erhalten wird. Es mag wohl auch sein, sie tötet dich."- „Bald, sagst du, bald, Mutter Jochebet, soll Ich vor der Schönen, der Hohen stehen?" Er schrie es fast in wilder Erregung, und dann zuversichtlich. „Sie wird mich nicht töten, — — ich fürchte sie nicht, sie ist gewiß so böse nicht, wie sie dir scheint. — Die Schwester sah es ja selbst, daß sie lächeln und küssen kann." Jochebet wehrte müde mit der Hand ab, — „auch Grausamkeit kennt ein Lächeln und mancher Kuß schon hat dem, der ihn empfing, den Tod gebracht," sagte sie seufzend, „doch können wir nichts tun alt uns jetzt fügen und demütig hinnehmen, was der Herr, der Gott unserer Väter, übe? uns bestimmt hat. Du wirst das Festgewand anlegen, Sohn, wirst Abschied nehmen von denen, die dich liebsten bis jetzt, und wirst gehen in das Haus jenes furchtbaren Weibes, das man heimlich der Buhlschaft mit dem eigenen Vater anklagt und dessen Laune wir noch knieend danken müssen, daß Du, Sohn, nicht gleich allen anderen Knaben deines Alter« verscharrt im gelben Sende ruhst." Inzwischen waren mehrere ebräische Frauen und Männer vorübergekommen, — manche waren mit kurzem, stummen Gruße weiter gegangen, einige aber waren stehen geblieben und hörten Jochebet zu, die der nach und nach immer mehr anwachsenden Menge nicht achtete, klagend fuhr sie fort: „Ach, du kennst es nicht, Altersgenossen zu haben, kennst nicht die Spiele froher Jugend mit gleichgesinnten Knaben." Der Jüngling griff nach der Hand 'seiner Mutter, „doch bald gehe ich hinaus ins Leben, Mutter Jochebet," sagte er frisch, „ich fürchte die Königstochter nicht, da sie doch schon einmal mir das Leben rettete. — Hätt’ ich gewußt um diese meine Rettung durch sie, schon längst wär' ich zu ihr gelaufen, hätt' mich zu Füßen ihr geworfen und hätt' gesagt: „Da bin ich, den du vor dem Tode bewahrtest, ein lebendiges Zeichen deiner Güte und deines Erbarmens — . und mögen auch alle sagen, du seiest grausam, — ich will's nicht glauben," und wenn sie dann wieder gelächelt und mich geküßt hätte, — dann würd' ich gebeten haben für I mein armes Volk, daß ihm die harte Fron, von der ihr alle 1 sprecht, gemildert werde, — und daß es unbedrückt im Lande der Aegypter leben dürfe." — Jochebet legte die Hand auf seinen lockigen Knabenköpf, „du redest wie ein Kind," sagte sie, weicher als sie sonst zu tun pflegte, „wie ein Kind, das Sonne oder Mond zum spielen begehrt, denn eher ist es möglich, daß der Herr ein Gestirn vom Himmel in Kinderhand zu launiger Kurzweil gibt, als daß eih Aegypter an ein friedvolles Leben mit einem Ebräer denken mag, oder daß Pharao und seine Tochter Erbarmen kennen sollten mit dem Leid unseres Volkes, das zum Himmel schreit."- Inzwischen hatten sich immer mehr Ebräer vor der Hütte des Amram geschart. Ein alter Mann mit weißem Haupt und Barthaar, gebrechlich und gebückt, aber würdig wie ein Patriarch anzusehen, trat näher heran! „Warum, Mutter Jochebet," sagte er mit zitternder Stimme, „soll's der Jüngling nicht versuchen, das Herz der Tochter Pharaos für sein Volk zu rühren? — Wir seufzen in so ungeheurer Pein, daß nichts unsere Leiden verschlimmern kann, — und ihn wird sie nicht töten um die Bitte." Ein lebhaftes, zustimmendes Gemurmel erhob sich bei den Worten des Alten unter den Umstehenden, der Jüngling aber trat rasch auf den Sprechenden zu und legte ihm die Hand auf die gebeugte Schulter, „sei getrost, Vater Simeon," sagte er mit ermunterndem Ton in der Stimme, „ich will für euch alle sprechen, wenn ich vor Salamba stehe. — Was soll ich ihr sagen?-Worin besteht die Klage, die ihr führt?" Da sagte ein ebräischer Mann finster: „Daß die Aegypter die Kinder Israel zwingen zu Dienst mit Unbarmherzigkeit und ihnen ihr Leben sauer machen mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit allerlei Frönen auf dem Felde und mit allerlei Arbeit, die sie ihnen auferlegen mit Unbarmherzigkeit." Und ein Weib, noch jung an Jahren, aber verblüht und abgezehrt von der harten Arbeit, fügte hinzu; „Man gönnt uns kaum ein paar Stunden des Nachts zu ruhen, läßt uns nicht Zeit, das karge Mahl zu bereiten — und wenn wir's verzehren wollen, so treibt der Fronvogt uns mit harter Geißel an, den Augenblick zur Arbeit zu nutzen, ihn nicht mit Essen zu vergeuden. — Kaum läßt er der ebräischen Mutter Zeit, das Kindlein, das sie an der Brust trägt, zu säugen, „was tut’s, wenn es verhungert?" sagt er, „von der Brut gibt's genug, — ja viel zu viel." Ein paar Weiber begannen bei diesen Worten bitterlich zu weinen, während die Männer düster vor sich hinstarrten, -da trat eine ältere Frau in den Kreis der Umstehenden,-alle machten ihr ehrerbietig Platz — — denn man schätzte ihre Klugheit und ihren prophetischen Geist im Volke Israels — — — und „Naemis Mutter" sagte leise, fast erschrocken der Jüngling- „Rasche Hilfe tut not," sagte das Weib, „sonst vernichtet uns der Uebermut der Aegypter, noch ehe uns Rettung werden kann.-Ein Aegypter schändete mein Mägdlein und hielt es eingeschlossen tagelang in seinem Hause; und ich lag jede Nacht, wenn ich vom Frondienst kam, vor seiner Tür und flehte ihn um mein Kind. Und in der dritten Nacht, da öffnet er die Türe seines Hauses und wirft mit rohem Lachen mein nacktes Mägdlein vor die Stufen mir. Es kannte mich noch und flüsterte leise „Mutter" und verschied in meinen Armen." Des Schluchzen unter den Weibern wurde lauter, während die Sprecherin ihr Haupt mit einem Tuch verhüllte, der Jüngling aber stürzte auf sie zu und ergriff so heftig ihren Arm, so daß sie leicht aufschrie. „Was sagst du?" rief er mit flammenden Augen, „Naömi’s Schwester geschändet, sagst du — tot — und Natzmi?" „Jeden Tag kann ihr das gleiche Schicksal beschieden sein, sie gleicht der Schwester, wie eine weiße Taube der andern!"- Während der Jüngling noch immer wie in Schreck erstarrt den Arm der Frau umklammert hielt, warf sich ein junges Weib vor ihm nieder und hielt die Hände flehend zu ihm empor. „Wenn du noch heute vor der Tochter Pharaos stehst," rief es weinend, „so fleh' zu ihr für meinen Vater; vorgestern brach er beim Ziegelschleppen in die Knie und könnt' nicht weiter, auch heute noch liegt er schwach und hilflos danieder,-der Fronvogt aber sagt, er sei nur faul und droht, ihm beide Augen auszustechen, wenn er morgen nicht zur Arbeit Der Jüngling starrte auf sie nieder, während das klagende Murmeln im Volke zunahm. — — — „Und du hast zu NaSmi gesagt, ich sei berufen, euch zu retten?" fragte er leise, fast scheu, die Frau neben ihm. „Du bist das Werkzeug, das der Gott unserer Väter sieh erwählt hat, sein Volk, das auserwählte Volk des Herrn, aus der Knechtschaft zu führeq," sprach sie, wie von prophetischem Geiste ergriffen.-—- Da kam es über den Jüngling wie eine Verzückung, beide Hände legte er auf die Schultern des jungen Weibes, das noch immer vor ihm kniete und hilfeflehend zu ihm aufblickte, über seinen Kopf und alles Volk, das da versammelt war, blickte er hinweg, wie in visionärem Zustand -„ich helf’ euch allen" — sagte er dann, „ja, ich fühl’s, ich bin berufen, euch zu helfen.-Ich werd' das Herz der Tochter Pharaos zu rühren wissen, — ich, — den die Schwarzlockige schon einmal küßte. Seid getrost, ich vergeß' nicht eurer Leiden und froh und friedlich sollt ihr künftig wohnen im Lande der Aegypter."- Aller Augen hingen an ihm, und über manches von Kummer und Leid zerquälte Antlitz flog ein Schimmer von Hoffnung, —'-aber Jochebet sagte kopfschüttelnd: „Wie schnell versprichst du Glück und Freude, Sohn, fast könnte man meinen, du verschenkst Pharaos Königreich unter dein Volk.-Geh’ nicht so hoffnungsvoll in jenen Palast-Laune war einst deine Rettung, Laune kann dir vor Nacht den Tod noch geben." Da verwies sie ein alter Ebräer, „mach ihn nicht mutlos, den Knaben, Mutter Jochebet,-danke dem Gott unserer Väter, der dir den Sohn erhielt,-ach, ich - mußte drei schöne, blühende Knaben dem Hasse des Pharao opfern,-laß ihn versuchen, was er für sein Volk tun kann.- „Ja, das will ich," sagte der Jüngling fest, „niemand soll mich mehr zurückhalten"-und zu der neben ihm Stehenden fügte er leise hinzu, „der kleinen Naämi soll keine Gefahr von den ägyptischen Männern drohen," laut aber fuhr er zu seiner Mutter gewandt fort, „komm« Mutter Jochebet, laß uns sogleich gehen,-führe mich zu der Königstochter, wie sie dir dereinst gebot." Jochebet hüllte sich fester in ihr Tuch, „so komm in die Hütte und lege das Festgewand an, das Miriam für dich gefertigt hat, mein Segen und die Hoffnung deines Volkes begleiten dich,-sei dessen eingedenk, mein Sohn, wenn du vor Salamba stehst" — — sie schritt dem Jüngling voran der Hütte zu,-er folgte ihr rasch und drängend, an der Tür angelangt, drehte er sich noch einmal um, „so lebt denn alle wohl," , sagte er zu den Ebräern, die noch immer dastanden und ihm teils hoffnungsvoll, teils trauernd nachblickten, — —> „des Herrn Segen sei mit euch,-traut auf ihn — —< und mich."-Dann ging er seiner Mutter rasch in die Hütte nach, während Miriam sich so langsam erhob, als gehorchten ihr die Knie nicht, und ihnen mit dem Festgewand des Bruders, ihrer jetzt fertigen Arbeit, folgte. UI. Der Palast des Pharao lag mit der Vorderseite dem heiligen Nahal zugekehrt und bildete in seiner tempelähni liehen, massigen Pracht einen auffallenden Gegensatz zu den elenden Hütten der Ebräer. Herrliche Baumpflanzungen umgaben das mehrstöckige Gebäude, das. überaus starke Mauern, die von Zinnen gekrönt waren, zum Schutze gegen die glühende Hitze hatte, — und das von innen durch Treppen zu ersteigen war. Ein schattiger Weiher lag zwischen den Baumgruppen, der durch einen, aus dem heiligen Strom hergeleiteten Kanal gespeist wurde. Ein vielleicht vierzig Meter langer Weg führte durch eine Allee von Widdersphinxen zu dem Haupteingang, vor dem eine Doppelreihe von schwarzgrünen Granit-, säulen stand, und vor den Säulen wiederum sah man zwei hellrote Obelisken wie Spiegel glänzend, und über und über von Hieroglyphen bedeckt, In einem der prunkhaften Säulensäle seines Palastes saß um diese Zeit der König der Aegypter, der Herr des heiligen Nahal, einer der mächtigsten Herrscher seiner Zeit, gefürchtet und gehaßt ob seiner Grausamkeit und Tücke von seinen Feinden, bewundert und verehrt von seinem Volke, das er groß gemacht und mächtig. — Er empfing den Boten eines fremden Königs, der die Erlaubnis von ihm erbitten wollte, auf einem Kriegszug durch einen kleinen Teil Aegyptens zu ziehen, um so dem Feinde den Weg zum Flusse abzuschneiden. Pharao saß auf einem erhöhten Thronsessel, umgeben von den Großen seines Reiches, ihm zur Seite, auf einer Art Ruhebett, lehnte seine Tochter, bedient von ihren Frauen. Sowohl der Fürst, als auch Salamba waren beide ungemein prächtig gekleidet und mit Juwelen behängen. Das Antlitz des Königs blickte ernst und unergründlich^ seine stechenden schwarzen Augen bewegten sich kaum in dem Bronzegesicht, die Gestalt der Fürstin aber ver-, harrte in teilnahmsloser Ruhe, starr blickte sie über die Anwesenden hinweg, als seien sie gar nicht vorhanden, oder als schwebe ihr Geist in einer andern Welt und nur ihr Körper ruhe hier. Vor dem Throne aber stand der Bote des fremden Königs und hielt dem Fürsten eine geöffnete Truhe hin« aus der ausgesucht kostbare Perlenscbnüre, blitzende Steine und herrliches Geschmeide herausquoU. Pharao blickte darauf und seine beutelüsterne, babi gierige Natur trat in seinen Augen zum Ausdruck, — durch' eine Handbewegung forderte er den Boten auf zu reden. Und der Bote sagte: „Diese Schätze sendet dir mein Fürst als Morgengabe für deine Tochter Salamba, die. schönste der Frauen."- Pharao überlegte eine Weile,-er schätzte mit Ver-i ständnis den Wert des Inhalts der Truhe ab und war zu-, frieden. „Wir nehmen die Gabe deines Fürsten gnädig an," sagte er dann, „die Grenzen meines Reichs möge er ungehindert auf seinem Zuge berühren, er wird sich keiner Feindschaft meines Volkes zu versehen haben." Der Bote neigte sich tief bis fast zur Erde,-Pharao aber streckte die Hand nach der Truhe aus, und als man sie ihm gereicht hatte, hielt er sie der Prinzessin hin. „Das Schönste, was man immer mir auch bieten mag," sagte er, „gehört dir, meine Tochter." (Fortsetzung folgt.) WI-MV« - i(t IMecfHftmg öet VWchm!