Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 11 (25.4.1924)
- Date
- 1924-04-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SlWidKU über das Kultische, aber es ist geradezu eine schick salsfr.age für den Bestand des MeraL«« Judentums, daß wir erkennen, daß das Sittliche allein me- " Religiösen sein - tdenen Bedürfnis sich auswtrkt, nicht entbehren kan». Kants Begründung alles Sittlichen alS autonomes Gesetz bedeutete im letzten Grunde die Alleinherrschaft des Individuums. ES mochte noch so sehr La- Unbedmate der sittlichen Verpflichtung, das Zwingende der sittlichen Forderung betont fein, es mochte noch so sehr in dem kategorischen Imperativ der Grundia- Les eigenen Handelns als Ausgangspunkt für eine allgemein gültige Gesetzgebung genannt sein: im letzten Grunde bedeutete die Autonomie des Willens die Stgengesetzltchkeit -eS Individuums. Sie mutzte innerlich hinMven zu einer immer stärkeren LoSlösung deS Einzelnen aus den Bedingtheiten einer wie immer begründeten Gemeinschaft. So vollendete sich auch von dieser Seite her der in der geistigen Haltung des neunzehnten Jahrhundertimmer stärker her. Vortretende Subjektivismus. Jeder weiß, in welchem Maße daauf die innere Haltung der Judenheit auf- Mend gewirrt hat. Die strenge Betonung -es Sitt-; lichen konnte nicht verhindern, daß der Einzelne, dev in seiner sittlichen Haltung die Erfüllung seines innersten Seins empfand, damit aber auch zugleich alle Erfordernisse eines reinen Lebens erifüllt fühlte. Es ist die bedeutsame Wandlung, die in der Gegenwart sich vollzieht, daß an dieser Stelle ein Umdenken und ein Umsühlen begonnen hat und in steigendem Maße sortschreitet. Ein Umfühlen nach der Richtung hin, daß der Einzelne seine autonome Freiheit nicht nrchr als das allein Maßgebende in seiner seelischen Haltung empfindet, sondern seiner inneren Bindungen an die geschichtliche Gemeinschaft sich bewußt wird und sie zur Erklärung und Stützung seiner Persönlichfeit auch fordert. Im religiösen Bewußtsein ist die Frage des Daseins Gottes von jeher die bestimmende und brennende. An dieser Stelle hat Kant einen Einfluß auf das Denken der Menschen des neunzehnten Jahrhunderts ausgeübt, der geradezu als ein befreiender empfunden werben muß. Jahrhunderte hindurch war die gesamte jüdische Religionsphilosophie genau so wie oie christliche und mohammedanische eingespannt in daS Bedürfnis, das Dasein Gottes zu beweisen. In ewiger Wiederholung suchte man nach der logischen Formel, die den Menschen durch die Wucht ihrer Geschlossenheit zwingend zu der Ueberzeugung von dem Dasein Gottes fuhren müßte. Sicher war -amit etwas erreicht, was unzähligen gebildeten Men Stt ein innerstes Herzensbedürfnis war. Mer man te gar nicht gemerkt, daß alle diese Beweise sozuen ein Herumschweifen im Leeren waren, daß sie ‘ rein im Begrifflichen sich bewegten und das logische Sichineinandevfügen für die Bürgschaft des Wirklichen nahmen. Was war schließlich schon damit erreicht, '. wenn ans diesem Sichineinanderfügen der Begriffe -von seiten der Logik das Dasein Gottes bewiesen war? genommen für das zentrale Problem des . ^«eltgiSfev nichts. Hat etwa ein Amos, ein Jesaias -inHynba^Diksein Gottes erst beweisen müssen? Ein *;-’ttoifc der durch die logische Geschlossercheit der begriff- ' Lichen Formulierung bewiesen wird, sinkt damit zum wissenschaftlichen oöev mathematischen oder logischen Problem herab. Einen bewiesenen Gott mutz man anerkennen, aber daS zentrale Problem des Religiösen ' ist ja nicht daS Anerkennen, sondern daS Lieben. „Du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele", dazu zu kommen, ist das Wichttge, und dazu kommt man nicht auf dem Wege des Beweises. Hier npu hat Kant mit dem Sturm seines Geistes Schutt hinweg geräumt, der die Bahn fveimachte für neue Wege. Er zeigte mit der Schärfe seines Denkens, daß all die vielen Beweise für das Dasein Gottes ein Spiel mit Worten, ein Sichbewegen im Begriff seien, und er lehrte, die Bürgschaft Gottes in dem moraltAe» Bedürfnis de- Menfchen zu suchen. Das innere Bedürfnis deS Men- ' n nach der sittlichen Weltorduung fei die Bürg- , ft für daS Dasein GotteS. Das heißt nun noch ange nicht Rückkehr zu der GesühlSficherheit der Liblichen Glaubenshelden, aber es bedeutete doch in jedem Falle ein Wiederentdecken der Tatsache, daß Gott nicht Segeustand eines Beweises fein kann, und indem er das GotteSbewutztsein aus dem inneren Bedürfen deS Menschen nach sittlicher Weltordnung hervorrvachseu lieb, machte er die Bahn frei für daS Herauswachsen der Gläubigkeit auS dem Gefühlsleben des Menschen, machte er die Bahn frei für daS Wiederentdecken eines Bezirks der Wahrheit, die ttt diesem Bereich, anders als im Wissenschaftlichen, Bürgschaft in sich trägt. Hier aber ist zugleich auch der Punkt, wo wir bei aller Freude und Genugtuung über die befteiende Tat Kants sagen müssen, wo wir vom Religiösen aus das Unzulängliche seine« Einstellung empfinden und inwieweit wir darüber hinausgewachsen sind. Kants Einstellung war eine ausgesprochen rationale. Bei ihm wuchs alles aus der Vernunft hervor; auch bas Gottesbewußtseni war ein Teil dev praktischen Vernunft. Im umkreis seines Denkens war kein Raum für oie Erkenntnis, daß es Dinge gäbe, die nicht aus ber Vernunft heraus beantwortet werden können. So kam in das Denken des 19. Jahrhunderts, das schon von der Aufklävungszeit her einen Zug ins Nüchterne und Vernunftgemäße hatte, vom Kantischen System her noch verstärkend der Hang zum Rationalen, eine Verständnislosigkeit gegenüber allem, was nicht erklärbar und doch vorhanden, bestimmend im Seelenleben des Menschen waltet und herrscht. Und es ging hierbei so, wie es immer zu gehen pflegt. Je mehr ein philosophisches System popularisiert wird, je mehr es aus dem Schriftwerk seines Begründers in das allgemeine Bewußtsein übergeht, um so mehr verslacht es, um so mehr werden Tendenzen, die ursprünglich angelegt sind, und die der Begründer selbst vielleicht nicht bis in die letzten Konsequenzen hinein verfolgt hätte, ins Uöbermaß gesteigert. So vollendete sich das Bild des Gebildeten der abgelaufenen Zeitepoche, des Menschen, dev alles von der vernünftigen Seite her zu packen gestimmt war, und der dabei glaubte, ein reifstes Produkt der Weltgeschichte darzustellen. Hier nun hat sich ein Umdenken der Menschen vollzogen und muß vgn uns noch mit besonderem Nachdruck gefördert und herbeigeführt werden. Und es sei ruhig ausgesprochen, daß man im liberalen Judentum in besonderem Maße an dieser Stelle neu zu denken beginnen muß. Gerade bas liberale Judentum war aus der Sehnsucht nach klarem Denken und nach einfachen Formen, war überhaupt aus dem Bedürsnis, die Form, wenn man sie in Verbindung mit dem Zeitpewuytsein bringen wollte, vernunftgemäß zu begründen, in einem hohen Muße geneigt/ das Vernünftige als das allein Bestimmende zu betrachten. Aber das Leben der Seele wird von Gefühlen und Mächten bestimmt, die nicht immer von der Verminst regiert und durch die Vernunft ertlärbav sind. Im letzten Grunde ist alle Verbindung mit Geschichtlichem jedes Gemeinschaftsbervußtsein, jeder Drang nach Symbolen und Formen, jede Sehnsucht nach Hinauslangen über den engen Bezirk des eigenen Seins und Denkens ein Irrationales. Und wenn es die Aufgabe der nächsten Zeit sein wird, das Irrationale mit dem nie mehr beiseite zu schiebenden Rationalen zu verbinden, so wutz doch zuerst das Irrationale als ein Bezirk eigenen Rechts im menschlichen Seelenleben neu entdeckt «erden. Und dieses Neu- oder Wiederentdecken ist etwas, was den Menschen und den Juden dev Gegenwart Über Kant htnauSführt. m vewußtfei» der Masse lebt Kant fort als der T pfer deS kategorischen Imperativs. Und insoweit Sittlichkeit mit Frömmigkeit unzertrennlich verbunden sind, bat man kaum ein Gefühl dafür, daß Kant ausgesprochen christlich eingestellt war. Man hat — selbstverständlich ist das das Denken der Laienmasse — das Empfinden, daß kantisch beeinflußte Religiosität zu einer Religiosität führen müsie, die über alle trennenden Schranken der Konsesstonalität hinaus durch die scharfe Betonung des Sittlichen so etwas wie ein gememfarües religiöses Bewußtsein aller Denkenden begründen müsse. Da ist es nun nicht überflüssig zu sagen, wie unbedingt im Christlichen sich bewegend Kants religiöse Einstellung war. Hat daS dogmatische Christentum seinen Ausgangspunkt von der Wurzelhastigkeit des Bösen in der Seele des Menschen, so hatte Kant zwar sich von dem Dogmatischen dieser Lehre freigemacht, abev von einer anderen Seite her wurde die uralte christliche Lehre wieder in das System eingeführt. ES sei die Forderung, so führte er aus, es sei die s i t t l i ch e Forderung, daß im Seelenleben des Menschen das Sittliche über das Sinnliche siege. Aber weil der Mensch innerlich fühlen müsse, daß er der sittlichen Forderung niemals im vollem Umfange Nachkommen könne, weil letzthin doch immer das Sinnliche über das Sittliche siegen werde, entstehe das Erlösunasbedürfnis als der reinste Ausdruck des religiösen Gefühls. Dieses ständige Ueberwiegen des Sinnlichen über das Sittliche ist das radikal Böse in der menschlichen Natur. Und je mehr der Mensch diese eigene Unzulänglichkeit empfindet, um so mehr wächst in ihm die Sehnsucht nach dem Idealbild des vollkommenen Menschen empor, wie es sich dann in dem Bilde von Christus formt. So wird das Idealbild des vollkommenen Menschen zum Symbol des menschlichen Bedürfens und das Christentum zum Ausdvuck der Religion schlechthin. Man sieht, wie hier über alles Dogmatische hinaus religiöse Gedanken in der spezifisch christlichen Färbung zum Ausdruck kommen. Aus all diesen Gedanken schöpfte das ganze i Jahrhundert hindurch die liberale protestantische Theo- I logie zur Begründung und Ausgestaltung ihres Versuches, das Dogmatische des Christentums in einer symbolischen Form allgemein menschlich zum Ausdruck zu bringen. Und es ist schon aus Gründen der Selbstsicherheit des Juden geboten, auch bei dieser Gelegenheit das Eigenartige jüdischer Stellungnahme zu diesen tiefsten Fragen des seelischen Erlebens aufzupslanzen. Und es zeigt sich bei dieser Gelegenheit von neuem, daß es auch bei den freiesten Geistern ein bestimmtes tiesstreligiös empfundenes christliches Bewußtsein gibt, das eine bestimmte Note des Religiösen in der Menschheit darstellt. Es ist nur das Seltsame, daß dieses christliche Bewußtsein auch bei dem freiesten Geist empfunden und betont wird, während der Jude, seinem mesiianischen Zuge folgend, nur zu aern von der Universalräigion trämm, in der alle sich finden. Kant lebt im Bewußtsein fort als der Schöpfer des kategorischen Imperativs. Warum aber lebt er nicht vielmehr im Bewußtsein fort als der Verfasser des Traktats vom ewigen Frieden? Wenn man als Jude an Kants Geburtstag Gedanken über ihn und um ihn entwickelt, kann man gar nicht anders als der tiefen Verehruna Ausdruck geben dafür, baß hier der reichste Geist des Jahrhunderts das alte prophetische Ideal in seiner Stärke empfunden und praktisch auszugestalten versucht hat, und dem Wunsche Ausdruck geben, daß Glaube«, oder Meinen? «in sprachlichaceligtonSgeschichtlicher Versuch vo» Geheimrat Ed. König (Bonns. Sitze ich da vor kurzem auf einer Promenade nbank und höre den Gesprächen der Borübergeheniden zu. Da dauert eS nicht lange, und folgende Sätze -ringen an mein Ohr: «Ich glaube, was Cook über die von ihm in der Polargege«- erlebten Abenteuer erzählt" und ,Fch glaube doch, daß Spanien itt Marokko noch eine harte Nuß zu knacken bekommen wird". Da hatte ich wieder einmal einen deutlich«, Beweis von der Tatsache, die mein sprachgeschichtlicheS Interesse schon lange eregt hatte ,daß nämlich dasselbe Wort «glaube«" -wet ganz verschiedene Bedeutungen besitzt. Denn in jenem erster«« Satze heißt eS „eine Mitteilung vertrauensvoll an- «ehme« oder anerkennen" und in dem zwetterwähnteu Satze bedeutet eS so viel, wie „meinen oder vermuten und ähnlich". Vom sprachgeschichtltchen Gesichtspunkt aus hatte, wie gesagt, diese Doppelheit der Bedeutung beim Zeitwort glauben schon früher mich beschäftigt. und ich habe deswegen all« Denesten Wörterbücher dtzr deutschen Sprache darüber befragt. Da der Artikel „glauben" in Grimms Wörterbuch noch »icht erschienen ist. so erwähne ich folgendes: In Friede. Kluges Etymologischem WB der deutschen Sprache ist gesagt: „Die Grundbedeutung von glauben ist gutheiße». Zur gleiche» Wurzel lub gehören Laub. Liebe, Lob. Urlaub." Ferner das „Deutsche WB." von Heyne (Germanist) in Güttingen) schreibt: „Glaube ist vertrauensvolle Annahme einer Wahrheit. Die dem Worte zugrunde liegende Wurzel lud zeigt sich dm gothischen gtlanbia«, einem Vertrauen erweisen, etwas füt richtig halten. Dann rührt der Sinn von glaube» an den Begriff des WLHnenS, und glaube» ist «ehr vermuten." Also da ist ganz deutlich gesagt, waS der Anfang und was der Fortgang im Bedeutungswandel dieses Zeitworts ist. Bon vornherein hieß eS: mit-ecke» (vgl. baS Laub undaS englische de Neve!), d. h. miteintreten für eine Person und ihre Aussage. Im «eiteren Verlaufe der Sprachgeschichte aber blaßte seine Bedeutung zu -er des bloßen Meinenab. Daß dies nun beim Urteilen über gewöhnliche Dinge der Fall ist. wurde schon im Eingänge dieses Artikels durch eine Probe veranschaulicht .und in solchen Aeußerungen darf das auch sein, weil ihr Inhalt ia aus vorüberrauschenben Wellen im Flusse des Geschehens besteht. Aber ist diese Veränderung des Begriffs von glauben" auch in Aussagen über das biblische Gebiet eingetreten und durfte auch da dieser Wandel sich geltend machen? Dies sind die zwei Fragen, die es nun zu beantworten gilt. Vielleicht ist es nicht unbekannt und jedenfalls läßt es sich auch von einem Laien konstatieren, daß die erste biblische Stelle, wo das Zeitwort glauben vorkommt. 1 Mos. 15,6 ist. Da lesen wir: „Und Abram glaubte dem Herrn" usw. Dies war das Echo, das von der vorhergehenden Gotteskunde in dem Herzen des Patriarchen geweckt wurde, und dieser Widerhall war nach der Grundbedeutung des zu seiner Bezeichnuna gewählten hebräischen Ausdrucks de '«min ein Festigkeit beweisen", wie es auch einmal noch im körperlichen Sinne vorkommt (Hiob 89,24). und dies bedeutet im metaphorisch-psychologischen Sinne: vertrauen, glauben (vgl. mein Hebr. WB. 1922. S. 21«). So tönt dieser Widerhall der göttlich-prophetischen Kunde aber durch die ganze Bibel hindurch: An 50 von den Stellen, wo das Zeitwort he’emin vorkommt, hat es den gleichen Sinn, während es nur in Nicht. 11,20 „betrauen, ermächtigen" heißt So ist dieses Verb auch von den hellenistischen Uebersetzern des althebräischen Schrifttums verstanden worden. Denn der griechische Ausdruck, der von ihnen stetfür b s»e m i n gewählt wurde, nämlich pistsusiu, heißt anerkanntermaßen „vertrauen oder Treue beweisen" und nicht ist eines von den griechischen Zeitwörtern gewählt, die den Sinn von „meinen" besitzen. Derselbe Begriff von glaube« ist auch in dem eredere der lateinischen Kirchenbibel festgehalten worden. Auch da ist nicht etwa putare oder opinari zum Ersatz von ds'smin gewählt. Mit dem Sinn von .wertrauen" haben dies auch die alten GlaubenSzeugen und Märtyrer gebraucht, und gewiß darf ich an folgende Zeilen Emanuel GeibelS erinnern: „Gib uns den Glauben löwenstark, Den Glauben, der die Welt bezwingt Und auf dem Scheiterhaufen noch Dir belle Jubelpsalmen singt!" Diese alle, und sie sind ja nur wenige Glieder aus einem ungezcchlten Chore, haben im Glauben des religiösen Menschen ein Zu stimmen zu einer geschichtlichen Kunde, zur Aussage eines unmittelbaren Zeugen-gesehen, und sie alle haben in diesem religiösen Glauben die festeste Ueberzeugung. den gesündesten Keim ihres ganzen FühlenS und Wollens. die beste Direktive ihres Lebens, den lautersten Trostgrrell für ihr Leiden und Sterben erblickt. So hat eS durch die Jahrhunderte hindurch der Vater auf den Sohn vererbt, und wenn eine Mutter in den vergangenen Zeiten ihren ändern auch weiter nichts hinter lasten konnte, so schloß sie doch beruhigt ihre Augen zum Todesschlummer. wenn sie nur den alten religiösen Glauben als die Herzwurzel des Lebens ihrer Kinder wußte II. Aber in der neueren Zeit soll es anders werden. Bon wem die Aenderung angebahnt worden ist, will ich hier nicht entfalten. Es nützt nichts, einzelne Namen zu nennen. Jetzt ist ihrer auch schon ein ganzes Heer geworden. Wer wohl soll gezeigt werden, wie man die Aenderung allmählich einleiten zu können meinte, und was nun jetzt schließlich die Wirkung ist. Es war im Jahre 1890. da las man in M. Rades Wochenschrift (S. 590/597): „Der Glaube besteht in einem Erleben, Erfahren, Jnnewerden der Dinge der Ewigkeitswelt" und „Der Glaube ist eine unmittelbare GewiMeit" Aber ist dies nicht schon in formaler Hinsicht der reine Gegensatz zur Bibel? Gewiß. Denn für sie war das Glauben daS gerade Gegenteil vom eigenen Erleben, nämlich eine durch die Zeugen einer Tatsache vermittelte Ueberzeugung. Denn was forderte z. B. Jesaja von seinen Zeitgenossen? Den Glauben, indem er die grundlegenden Worte sprach: .Wem, ihr nicht glauben (Festigkeit beweisen) werdet, so werdet ihr nicht Festigkeit behalten" (7,9). Dagegen sich selbst schrieb er ein H ö r e n der göttlichen Kunde, ein Erlebe« der AUSSTELLU NG: UNTER DEN LINDEN 3 WERK: REINICKENDORF AUTOMOBIL- UND KAROSSERIEFABRIK A. G.