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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-04-18 · 10 (18.4.1924) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
10 (18.4.1924)
Date
1924-04-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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4. Jahrgang Nummer 10 2. Bellage 18. Aprll 1924! M Aus der DewegMg. IU Die SorstandsstHung der Vereinigung für das liberale Judentum E. y. Am Sonnabend, den 12. April 1924, fand in Berlin in den Räumen von Frau Rosa Sachs eine Borstandssitzung der Bereinigung für das liberale Judentum statt, zu -er auch zahlreiche auswärtige Mitglieder des Vorstandes und Vertreter der Ortsgruppen -er Bereinigung erschienen waren. Die Sitzung, die vor allem dev Aussprache über die nächsten Aufgaben der Vereinigung diente, wurde durch den Vorsitzenden, Rechtsanwalt Stern, mit einer Begrüßungsansprache eröffnet, in der er kurz die geistigen Grundlagen liberaler jüdischer, Arbeit kennzeichnete. Ihr folgte ein ausführlicher Geschäftsbericht des Generalsekretärs Dickmann, der einen Einblick in die Fülle von Kleinarbeit gewährte, welche die im letzten Winter so erfreulich vege Tätigkeit der Bereinigung erfordert und die in der Mahnung — besonders an die auswärtigen Vertreter — gipfelte, die Arbeit der Zentrale auch ihrerseits durch möglichst schnelles Eingehen auf die organisatorischen Notwendigkeiten zu erleichtern. Die außerordentlich anregende und lebhafte Aussprache beschäftigte sich in ihrem ersten Teile ausschließlich mit den geistigen Fragen der Bewegung. Sie zeigte wiederum, wie Rabbiner und Laien in gleicher Weise um die Probleme des liberalen Judentums ringen und wie aus diesem Ringen die Kräfte zur Arbeit für unsere Sache emporwachsen. Es war im höchsten Grade erfreulich zu sehen, wie alle Beteiligten sich in der Fülle der gerade jetzt so notwendigen organisatorischen Arbeit stets dessen bewußt sind, daß unsere Arbeit im letzten Grunde stets eine geistige sein muß. Der zweite Teil der Aussprache diente praktischen Fragen. So wurde beschlossen, eine liberale wissenschaftliche Zeitschrift zu gründen, die erscheinen soll, sobald die finanziellen Verhältnisse der Vereinigung dies erlauben. Die Durchführung der Vorarbeiten und die Entscheidung über den Zeitpunkt des Erscheinens bleibt dem Arbeitsausschuß des Vorstandes in Verbindung mit Herrn Rabbiner Dr. Seligmann- Frankfurt a. M. überlassen. Eine längere Aussprache galt der Frage des Einbeitsgebetbuches. Als ihr Ergebnis sei hier mitgetetlt,' daß noch vor den nächsten hohen Feiertagen ein neues Gebetbuch für den Gottesdienst der Feiertage erscheinen wird, das für die Einheitsgemeinden mit nur einem Gottesdienst bestimmt ist, die ihrem Gottesdienst eine der religiösen Entwicklung Rechnung tragende Ausgestaltung geben wollen. Von dem Vertreter Königsbergs wurde schließlich um eine klare Entscheidung der Frage erlsucht, ob den Ortsgruppen der Vereinigung nur eine eigentlich religiöse Arbeit im engeren Sinne obliegt oder ob auch die gemeinöepolitische Vertretung des liberalen Judentums in den Kreis ihrer Aufgaben fällt. Alle Anwesenden waren sich darüber einig, daß das letztere der Fall sei. In der nächsten Zeit werden die Vereinigung und ihre Ortsgruppen, falls, wie es als wahrscheinlich bezeichnet wurde, im Herbst die Wahlen zur preußischen Landesversammlung stattfinden, dieser Aufgabe sogar ihre besondere Aufmerksamkeit widmen müssen. Schließlich sei noch berichtet, daß die nächste Delegiertenversammlung der Vereinigung im Dezember 1924 oder Januar 1923 stattfinden soll. An der Aussprache nahmen hauptsächlich teil die Herren Rabbiner Dr. Seligmann, Rechtsanwalt Mgorüemng zur Beitragszahlung. Merdurch fordern wir alle Mitglieder unterer Vereinigung, von denen bis zum ro. April m* noch kein veitrag für das r. Vierteljahr von Ortsgruppen (liberalen Vereinen, jüdisch-liberalen jngendverelnen) oder Vertrauensleuten eingezohen wurde, auf, nach dlefetn Termin den Beitrag direkt an das Büro, Berlin w. s, Dtauerstr. rr, Postscheckkonto: Vereinigung fUr das liberale Judentum £. v.. Berlin Nr. 137069, mittels beiliegender Zablkarte einzufenden. Der Beitrag Beträgt vierteljährlich Mk. 1.50 einschNetzlich Zeitungsbezug. Die.ordentUtöen ttUtglieder der „]udifdt)-Ubcralen Zugendvereine" haben, nur ML. l.— vierteljährlich Jur den Bezug der Zeitung zu zahlen. Oie Mitglieder der Vereine Berlin, frankfurt a. M. und Magdeburg haben infolge besonderer Abmachungen den Zeitungsbeitrag von vierteljährlich ML. h— direkt auf das obenstehende Postscheckkonto zu entrichten» während der IHitgliedsbeitrag für die Bereinigung von den Ortsoeremen als solchen entrichtet wird. Nach dem 31. April sind wir genötigt, die noch nicht eingegangenen Beitrüge durch posinachnahmm ein« zuziehen, wir weifen auf die dadurch emsiehenden Mehrkosten hin und erwarten pünktlichste einsendung der Betrüge. Zugleich fordern wir die Abonnenten der Zeitung zur Zahlung des Vieneljahrsbeltrags für das r. viertel» jahr im in hohe von Mk. i.— auf. Vereinigung für das liberale Judentum e. v.. Vickmann, General-Sekretär. Dr. Geiger, Rabbiner Dr. Baeck, Rechtsanwalt Stern, Rabbiner Dr. Vogelstein nnd Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligsohn. A. L. Aachen. Hier fand am 6. April unter zahlreicher Beteiligung eine Versammlung der Mitglieder der „Liberalen Vereinigung" statt. Nach einer einleitenden Ansprache des um die Werbetätigkeit für die „Bereinigung für das liberale Judentum" sehr verdienten Herrn Gustav Blumenau. worin er besonders hervorhob, daß die „Bereinigung für das liberale Judentum" nicht zerstören, sondern ausbauen will, ergriff Herr Generalsekretär Dickmann zu einem längeren Vortrage das Wort. In diesem setzte er in wirksamster Weise auseinander, welche Wege die religiös-liberal gesinnten Juden in Haus. Schule und Synagoge einzuschlagen haben, um die Religion des Judentums zu erhalten und zu befestigen. Eine lebhafte Aussprache knüpfte sich an diesen Vortrag. Besonders hervorzuheben sind die Darlegungen der Frau Mathilde Wertheim, die in schwungvollen, tief^zu Herzen gehenden Worten die gegenwärtigen Nebel des jüdisch-religiösen Lebens in Aachen schilderte und die Mittel zu ihrer Beseitigung angab. — Ebenso eindringlich sprach sich der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr Justizrat Dr. Francken, über die hiesigen religiösen Verhältnisse aus und versprach, daß die Gemeindeverwaltung alles daransetzen wolle, um eine Besserung im idealen Sinne eintreten zu lassen. In die Aussprachegriff Herr Dickmann verschiedene Male erläuternd und aufklürcnd ein. Seine Ausführungen wurden von reichem Beifall begleitet und machten auf die Versammlung unleugbar einen unverlöschlichen Eindruck. Es ist zu hoffen, daß in hiesiger Gemeinde, die zu den ältesten liberalen Deutschlands gehört, die „Vereinigung für das liberale Judentum" immer mehr Anhang und Einfluß gewinnen wird. Berlin. Im jüdisch-liberalen Jugendverein zu Berlin E. B. (Jli) sprach am 10. Zlpril Herr Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfurt a. M. über das Thema: „Die Wahrheit der Bibel". Der Redner ging davon aus, daß für die Bibel bis zum heutigen Tage Unfehlbarkeit in Anspruch genommen worden sei. Jedes Wort in ihr, so will es das Jnspirations-- dogma. soll von Gott sein. Auf zwei Ursachen führt Dr. Seligmann diese Erscheinung der Dogmatisierung zurück: Auf das Bedürfnis der Menschen nach einer unfehlbaren Autorität und auf die in der Bibel selbst liegende Größe, die ewige Wahrheit ihrer Worte. Ebenso alt aber wie diese dogmatische Auffassung der Bibel und der Offenbarung ist jene andere, der nicht jedes einzelne Wort „wahr", die Bibel zwar ein von göttlichem Geist erfülltes, aber doch ein menschliches Erzeugnis ist. Nicht nur hat Philo den Begriff der Offenbarung symbolisch erklärt und die jüdische Religions- Philosophie des Mittelalters sich unausgesetzt mit dem Problem der Offenbarung beschäftigt, sondern auch im Talmud finden sich Stellen mit freierer Auffassung. Der eigentliche Kampf um Bibel und Offenbarung beginnt aber erst mit der Aufklärung. Schon an der Stellung zu den Wundern der Bibel scheiden sich die Geister. Für uns liegt die Größe der Bibel nicht in der „Wahrheit" jedes einzelnen Wortes und jeder einzelnen Erzählung, an die wir oft nicht glauben könne» und denen man durch solche Auffassung ihren wahre» poetischen oder gar sittlichen Wert nimmt, sondern in der unvergänglichen Wahrheit der in der Bibel enthaltenen ewige» Ideen. Uns bedeutet der Begriff der Offenbarung nicht, daß die Bibel von Gott selbst diktiert oder gar geschrieben ist, sondern Offenbarung ist Wer den Menschen kommende seelische Empfängnis. Offenbarung in diesem Sinne kan« und muh der Wissenschaft freien Raum laffen. Sie muß aber umgekehrt auch von der Wissenschaft fordern, daß sie diese eigenen Bezirke der Seele achtet. Zu dem in der vorigen Nummer gegebenen Bericht über die Generalversammlung sei noch mitgeteilt, haß als ax‘t sitzer die Herren Arthur Lilienthal und den Vorstand'gewählt wurden. ' , 7 Bochum. Am Mittwoch, den 2. April, fand hier . Versammlung statt, in der Herr Generalsekretär Dickmann- Berlin über das Thema: „Positiver Liberalismus" spracht Ausgehend von dem Gedanken, daß nicht Niederreitzeu, sondern systematischer Aufbau das Wesen des religiösen Liberalismus bedeute, schilderte er in sachlicher Form die anderen Richtungen und Parteien im Judentum darstellend, die Pflichten der religiös-liberalen Juden und ihrer Organisation in warmen Worten. Eine lebhafte und anregende Diskussion bewies den Eindruck des Vortrages und gab mannigfache neue Anregungen. Die zahlreichen Beitrittserklärungen werden uns ein neuer Ansvorn für unsere Ar- Breslau. Im liberalen Verein der Synagogengemeinde sprach am 7. d. M., am Vorabend der Rabbinertagung, im Saale der Lessingloge der von seiner Tätigkeit in Ratibor her noch bekannte Rabbiner Dr. Dienemann aus Offenbach a. Main über „Individualismus und Sozialismus in ihrem Zusammenhänge mit dem religiösen Leben." Neben viele» Vereinsmitgliedern wohnten mehrere auswärtige Rabbiner dem Vortrage bei. Einleitend betonte der Redner, daß er sein Thema nicht vom Theologischen her entwickeln wolle, sondern daß er ein Wirtschaftsproblem erörtern wolle, um zu zeigen, wie im Laufe der Jahrhunderte das Denken der Menschen sich wandelt. Das wolle er. den meisten am ver- *** hejonöerrk

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