Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 9 (11.4.1924)
- Date
- 1924-04-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Jahrgang Nummer 9 2. Beilage II. April 1924 Aus der Bewegung. Beitragszahlung. Die Beitragszahlung an die Bereinigung ist für das ll. Quartal 1924 folgendermaßen festgesetzt: a) Der an die Zentrale abznführende Mindest-Beitrag beträgt pro Mitglied M. 1,5V vierteljährlich; in diesem Betrage ist der BezngspreiS für die jüdisch-liberale Zeitung", die an alle Mitglieder zur Versendung gelangt, inbegriffen. Die aktive« (ordentlichen) Mitglieder der „Ins" habe« nur M. 1 r— vierteljährlich für den Bezug der Zeitung zu entrichten. t>) Die Einziehung der Beiträge soll durch die Vereine, Ortsgruppe« und Bertranenslente an Hand von Onittnngshefte« erfolge», die de« Vertrauensleuten zngehe«. e) Die Vereine (Bertranenslente) habe» die Einziehung der Beträge bis znm 20. April 1924 zn bemerkstelligen und bis znm 25. April 1924 mit genauer Abrechnung an die Zentrale abzuführe«. Nach Ablauf dieser Frist sind mir genötigt, alle noch ansstehenden Beträge von der Zentrale aus per Nachnahme einzuziehen, sofern mir nicht «m ausdrückliche Fristverlängerung ersucht werde«, oder die Vereine die restierende» Summen insgesamt selbst an uns abführen. Wegen besonderer lokaler Berhältnisie sind mir mit den Vereinen in Berlin, Frankfurt a. M. und Magdeburg dahin übereingekommen, daß diese Vereine an «ns nur den reinen Beitrag abführe», die Mitglieder dieser Vereine haben also auf jeden Fall M. 1,— für den Bezug der Zeitung direkt an uns abznführen. Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Dickmann, Generalsekretär. Berlin. (Jüdisch-liberaler Jngcnidverein E. V.j Dm Donnerstag, den 27. März, sprach Ernst Heinrich Seligsohn Mer: „Die neue Jugend und das Jude n t u m". Ausgehend von der Tatsache, dag der ungeheure Antisemitismus unserer Zeit die Inden aller Schattierungen wieder auf ihr Judesein sich habe besinnen lassen, schilderte Redner die inneren Voraussetzungen für eine religiöse Erneuerung in der heutigen Jugend. Gesellschaft. Wissenschaft, Einzelmensch haben sich in unserer Zeit gewaltia geändert. Die ungeheuren Umwälzungen von Weltkrieg und Revolution haben den Blick wieder auf die ewigen Werte und auf die großen Menschheitssragen nach Schicksal und Gott geriOet. Religion kann, wenn sie aus einem tiefen GotteSgläuben entspringt, allen Sehnsüchten unserer Zeit Befriedigung gewähren. Darum gelte es. das Judentum, zumal das jüdische Schrifttum, mit ganz anderer Lebendigkeit,- als es Sie vorhergehenden Generationen taten, auszunehmen. Dann wird in liberalen Kreisen mit Hilfe neuer oder mit neuem Inhalt erfüllter Zeremonien und mit Hilfe eines ethisch ausgebauten Lebens wahrhaft jüdisches Leben erstehen. — An den Vortraa schloß sich noch eine kurze Aussprache. . Die Generalversammlung vom 3. April wählte in den neuen Vorstand folgende Damen und Herren: Zum 1. Vorsitzenden Ernst Heinrich Seligsohn, zum 2. Vorsitzenden Ludwig Levin: zu Schriftführern Egon Dickmann und HanS Rokenberger; zu Kassenwarten Eva Gembtcki und Werner Basch. Ferner wurde ein Ausschuß von 12 Damen und Herren gebildet. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 50 Pf. pro Monat erhöht. Breslau. sLiberaler Verein der Synagogengemeinde.) Am 24. März sprach Pastor Lizent. theol. Möhring, hier, im vollen Lessingsaale über: Die moderne Theologie als Hindernis und Förderung des religiösen Gemeinschaftsleben-. Einleitend führte er auS, daß jede religiöse Gemeinschaft von Festem lebt, sonst fehle der Mittelpunkt: alle religiösen Gemeinschaften seien daher durchaus konservativ, halten am Ueberlieferten fest., besonders die katholische Kirche lehre. waS immer und zu allen Zeiten und von allen geglaubt worden ist. Die Festigkeit -er religiösen Gebräuche, die Gewöhnung an den geordneten Gang -es Gottesdienstes sei ein nicht, zu unterschätzendes Bindemittel der religiösen Gemeinschaft. Vilmar weise der Theologie die Aufgabe zu, daß sie nichts Neues zu finden, sondern nur zu bewahren und alten Besitz lebendig zu erhalten habe. DaS fei eine praktisch sehr brauchbare Aufgabe der Theologie. Die Buchreligionen hielten sich an -aS geschriebene Fundament -es Glauben-. Daranhabe sich eine feste, unerschütterliche Praxis entwickelt, eine starre geistige Konstruktion. Gegen diese trete die kritische Theologie auf. die sich der Geschichtswissenschaft bediene. Für sie wird aus dem Heilgen Buche eine Sammlung von Quellen, deren Gehalt erst nachgowiesen werden müßte. So beunruhige die Geschichtswissenschaft daS religiöse Gemeinschaftsleben. Die Religion müsse sich erst rechtfertigen, und dabei gehe ihre Sicherheit verloren. Religion sei ein Zustand, ein Sich-Verhalten zum Leben. Die Religion lebe von dem Absoluten, oder sie existiere nicht. Damit falle -irreligiöse Gemeinschaftsleben, und wir stünden vor Trümmern. Die Freiheit gegenüber dem Buchstaben bedeute aber auch Füreörung der religiösen Gemeinschaft. Die Bibel sei ein Menschheitsbuch, trotz aller Kritik das Gottesbuch schlechthin. Daß dabei eine Ungewißheit bleibe, sei eine Befruchtung für die Religion. Die Aufgabe deS modernen Predigers bleibe es. die Wahrheit deS Bibelwortes zu erweisen. Es seien neue Formen deS Religiösen überhaupt nötig: die alten müßte«, wenn möglich, mit neuem Geiste erfüllt werden. Es gelte, NeueS zu schaffen: dazu brauchen wir Freiheit und Innerlichkeit. — Reicher Beifall dankte dem Redner. Diejenigen, welche nicht mit allen Ausführungen deS Redners einverstanden waren, fanden in Dozent Dr. Lewkowitz vom Rabbinerseminar ihren Vertreter, der alS erster Diskussionsredner seinen gegenteiligen Standpunkt ausführlich Larlegte. Essen. Am Sonntag, den 30. März 1924. fand im jüdischen Gemeindehaus eine von der Essener Ortsgruppe einberufene ^rsammlirng statt, zu der von 120 geladenen Gästen etwa 60 erschienen waren. Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern auS Berlin und Herr Generalsekretär Dtckmann spachen über die Ziele und Gegenwartsfragen des Jüdischen Liberalismus. In der Diskussion erhielt an erster Stelle ein Vertreter der Zionisten daS Wort. Er erklärte» anerkennen zu wüsten, daß er solch begeisterten Willen zur positiven Förderung deS Judentums, wie er ihn honte vernommen. beim liberalen Judentum nicht vermutet habe. Sein Einwand. daß der Liberalismus aber praktisch zur Entfremdung vom Judentum geführt habe, wurde insbesondere von Herrn Rabbiner Dr. Samuel an Hand der vom Gegner selbst genannten Beispiele gründlich widerlegt. Die Versammlung ist als ein erfreulicher Erfolg unserer Bewegung zu buchen. Liegnitz.' Der hiesige Jüdisch-liberale Jugendverein hielt am 31. Mär» seine Generalversammlung ab. Dem vom Vorstand erstatteten Geschäftsbericht ist zu entnehme«, daß eS trotz schwierigster Berhältnisie — besonders in der Inflationszeit — gelungen ist. das VereinSleben in diesem Jahr unvermindert aufrechtzuerhalten. Zum großen Teil war daS nur deshalb möglich, weil die hiesige Silefia-Loge UOBB. ihre Räume dem Verein Mr Verfügung stellte. Besonderen Dank verdient die Kasienführerin des Verein-, Frl. Hertha Cohn, die es trotz der Inflation verstanden hat, den Kaffenbostand auf einer Höhe zu halten, der für einen Jugenöverein in der heutigen Zeit als ansehnlich bezeichnet werden kann. Monatlich fand min-destenS eine Veranstaltung statt. Im Oktober sprach Erich Bayer-DreSlau über „Der religiöse Liberalismus — eine Notwendigkeit". Im November Curt Brienitzer-BreSlau „Die Juden in der Politik Deutschlands", im Dezember der Generalsekretär der Bereinigung Dickmann Judentum und Christentum", im Januar der Ehrenvorsitzende deS Vereins. Dr. Naumann, über Rückblick und Ausblick". Im Februar fand eine Freitagabend- Veranstaltung statt, bei der Oberkantor Sommerfeld daS Kddufch-Gebet sprach und Herr Rabbiner Dr. Peritz in überaus fesselnder und belehrender Weife die Bedeutung des Freitagabendschilderte. Am 24. Februar fand dann der diesjährige Ball deS Vereins in Form eine- Zirkusfestestatt. De Zahl der Mitglieder ist in diesem Jahr von 102 Ms 122. gestiegen. Der Verein, der unter der bewährte» Führung von Rechtsanwalt Dr. Scheyer steht, ist in Liegnitz der stärkste Fugendverein. Im Anschluß an die Generalversammlung sprach Fräulein Ellen Littmann-Verlin über „Entstehung, Entwicklung mtd Eigenart dejüischen Prophetismus". Fräulein LtttmannS Ausführungen waren für alle Mitglieder, die zu diesem Bortpag erschiene» waren, eine Erbauung. Trotzdem die Generalversammlung mit ihren Geschäftsberichten und Wahle» dem Bortrag vorangegangen war. lauschten alle stark gefesselt den Darlegungen der Rednerin. die eS infolge ihrer fachmännischen Schulung vermochte, ihre Zuhörer in so kurzer Zeit in daS Wesen des ProphetisnmS einzuführcn . Ihren Ausführungen folgte eine lebhafte Debatte. Versammlungskalender. Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten deft jüdischen Gemeinde zu Berlin. ' Bezirksgruppe Norden.) Gottesdienst im Auerbachschen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162. an alle» Pessachabenden mit Orgel, Chor und Predigt, pünktlich um 6)4 Uhr. Berlin. (Jüdisch-liberaler Jugendvereiu w Berlin E. B. sJlii.) Der Sederabend findet diesmal in den Räumen brr Odb-Fellow-Lygen. SW 68. Alte Jakobstraße 128. am Sonnabend, den 19. April, um 8 Uhr. statt. Zur Deckung der Unkosten wird ein Beitrag von Mk. 3.— erhoben. Vorherige Anmeldungen an das Büro der Vereinigung für daS Liberale Judentum E. B. (Mauerstr. 22. Merkur 8725) bis »um Dienstag, den 16. April, nachmittags 2 Uhr, erforderlich. Danzig. Mittwoch, den 16. April, abends 8 Ubr pünktlich, in der Aula der Petri-Schule. Hansaplatz. B o r t r a g: Ernst Heinrich Seltgsohn-Berlin über: „Jugend und religiös: Erneuerung". Alle jüdischen Mitbürger Danziginsbesondere die reifere Jugend, sind eingeladen. Ae« er'chlenen! Aeu «schiene«! Sonderheft, herauögegeven von -er Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendveretur: Zur religiösen Erneuerung des Judentums Inhalt: „Religiöse Erneuerung" von Ernst Heinrich Seligfohn — „Wesen und Erscheinung" von Gemeinderabbiner Dr. Bogelstein — „Mr und Mt andern" von Arthur Lilienthal — „Aufgaben innerer Arbeit" von Max Bogelstein. Da- Heft enthält etne grundlegende Darstellung d e S liberalen Judentums. Jeder, der wissen will, wie die aufbauenden Kräfte am Judentum tätig sind, muß zu diesem Sonderheft, daalS ersteeiner Rethe gedacht ist, greifen. Bestellungen nimmt -aS Büro -er Vereinigung Berlin W. 8, Mauerstraße 22, entgegen. Im übrigen wende man sich au die Vorstände und Vertrauensleute -er MS und der liberalen Ortsgruppen. Bezugspreis: Mr Mmitglie-er 80 Pf., für all« übrigen 50 Pf. Ccincwcbct - Unsere Herren s Frühjahrs - Ulster sind modern gehalten in Formen und Stoffen, von vorzüglicher Paffform und Äußerst preiswert! .... 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