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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-04-11 · 9 (11.4.1924) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
9 (11.4.1924)
Date
1924-04-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Im folgenden seien einige Einzelheiten noücrt, die allerdings zeigen, daß auch im Acußcrlichslcn nicht alles so ist, wie es sein sollte, Psalm 1: ..All seine Werlte haben ein seliges Ziel", klingt sicher sehr schön, aber der einfache, schlichte Wortlaut: ,,Ja, alles, was;r tut, das gerät" (Hans Schmidt, — absichtlich werden hier andere Uebersetzungen zitiert), dürfte manchem besser gefallen. Psalm 4: Ich lege mich nieder in Frieden Und es kommet zärtlich der Schlaf; Denn Du allein, mein Gott, Schenktest ein Dach meinem Sein.“ Sachs-Zunz; „In Frieden zumal leg' ich mich nieder und entschlafe; denn Du, Ewiger, allein lassest mich sicher wohnen.“ Ist nicht auch hier das Schlichte echter? Die Zusammenstellung des abstraktesten Wortes (Sein) mit dem anschaulichen Dach in der letzten Zeile ist nicht schön. Es scheint •ich um eine Lieblingsvorstellung des Ueberselzers zu handeln; auch im 121. Psalm heißt es: „Der Ewige behütet Dich Vor allem Bösen — Und bedachet Deine Seele“. „Haltet Zwie- pruch mit Eurer Seele" im 4. Psalm ist hoffentlich nicht ■ioderner Ausdruck,, sondern Druckfehler. Welche Gewalt muß man dem Urtext antun, wenn man den Anfang d-ea 8. Psalms so wiedergibt: ' „Ewiger, Herrscher» wie ist erhaben Dein Name in allen Winkeln der Erdet Deiner Herrlichkeit an den Himmeln will ich singenl Verkünden mit den Mündern der Säuglinge, Mit den Lippen der Kinderl Du türmtest eine Burg wider die Trutzigen, Du machtest verstummen die Empörer.“ Die exaltierten Ausdrücke im 19. Psalm sind nicht am Platzes „Der Tag schreit dem Tage die Botschaft zu. Ihr Klang wühlet auf alle Lande, Ans Ende der Welt prallt ihr Ton, Wo die ewige Sonne ihr Zelt hat" . . . Und warum hier ewige Sonne? Des Klanges wegen? Psalm 104: „Immer erneust Du das Rund Deiner Erde“ („So machst Du das Antlitz der Erde neu". Gunkel) verschiebt aas Sinn. Im Debora-Lied ist die Wendung: „Nichts zu sagen hatten Ae Fürsten in Israel" leicht mißzuverstehen, und Sebulon sollte man nicht ein „strittiges“ Volk nennen. 3. Klagelied: „Er hat mich (?) aulgelauert wie ein Bär, Er stellte mir Hinterhalt wie ein Löwe", vergleiche man mit Sachs: „Ein lauernder Bär ist es für mich, eia Leu im Versteck". Im 5. Klagelied heißt es: „Unser Wasser müssen wir trinken um Geld, Das Holz muß bezahlt werden, daß esgebrachtwerd el" Das weckt denn doch eine zu moderne Vorstellung vom städtischen Holzeinkauf. Der folgende Vers gibt auch den Sinn nicht zutreffend wieder: „Sie verfolgen uns Halt über Kopf, Sind wir auch müde — man läßt uns nicht ruhen!“ Falsche Deutung liegt auch nahe bei der umständlichen Uebertragung der drei Worte b’nafschenu nawi lachmenu: „Wir •neben uns Brot, das Leben gefährdend". Doch es sei genug der Einzelheiten, die sich in dieser Art leicht mehren ließen. Das Schlußstück des Buches bilden Strophen aus dem Lied der Lieder, in denen vortrefflich die Leidenschaftlichkeit sinnlicher Liebesempfindung zum Ausdruck, man möchte sagen: zum Klingen gebracht wird. Das Buch ist sehr geschmackvoll gedruckt und ausgestattet. Es sind sogar Exemplare zu haben, die auf Bütten abgezogen und in Ganz- und Halbleder gebunden sind. So mag man dem Buche, das in so einladender Form erscheint, wünschen, daß es manchen Leser zur Vertiefung in die althebräische Lyrik — und in die Bibel überhaupt anregen möge. M. Spanier, Berlin. Mittelalterliche Philosophie des jüdisch-arabischen Kulturkreises. Die ..Philosophische Bibliothek", die der Verlag Felix Meiner in Leipzig nach allen Seiten hin ausbaut, gibt jetzt das Maimonides More Nebuchim ins Deutsche übersetzt heräus. Das erste Buch, von Dr. Adolf Weiß eingeleitet, übertragen und mit erklärenden Anmerkungen versehen, ist erschienen Man muß dem Verlag zunächst für die Tatsache dieser Edition Dank sagen. Die bisherigen deutschen Uebersetzungen sind nicht fertig geworden, und nach Munks französischer Meisterübersetzung sucht man in den Antiquariaten vergebens. Ein Bedürfnis also lag schon vor, Man darf es ferner begrüßen, daß dieses Standard-Werk mittelalterlicher jüdischer Philosophie in einer Sammlung wie der „Philosophischen Bibliothek" erscheint. Wird doch so, über einen engeren Fachkreis hinaus, es auch einem größeren Publikum leicht gemacht, zu diesem Buch zu greifen, dessen Wirkungen auch in der allgemeinen Geschichte der Philosophie — noch bei Leibniz — aufzuzeigen sind. Hier wird auch die ausführliche Einleitung, die mit Maimows Leben und Werke# bekannt macht, von Nutzen sein. DieUebersetzung selbst legt di« Tibbonidische Uebertragung des arabischen Originaltextes ins Hebräische zugrunde. Sie ist flüssig und dabei — an der Vorlage gemessen — prägnant. Die Anmerkungen sind oft und bis in Einzelheiten der Munkschen Ausgabe entnommen. Zu bemerken ist, daß hier die Verweisungszilfern verschiedentlich falsch gesetzt sind, Maimonides ist der Typ des Rationalisten; mit einem Schuß jener kontemplativen Mystik aus einem neuplatonisch betonten Aristoteles her, wie ihn all diese Philosophie hat, wenn sie ihn auch eigentlich nicht vertragen kann. Es ist also sachlich nur durch den Gegensatz zu rechtfertigen, wenn wir hier gleich anschließend eine Uebersetzung von Al Ghasali ankündigen. Dem weist man in der arabischen Philosophie die Stelle zu, die man in der jüdischen Jehuda Halevl gibt. Nicht ganz mit Recht, denn diese Zusammenstellung gilt für beider polemische Einstellung zu den Philosophen, nicht für ihre positivspezifische Eigenart. Gihasali ist Vollblutmystiker, in seiner Grundhaltung der Gegenwart zu Maimonides. Hellmut Ritter hat in der schönen Sammlung „Religiöse Stimmen der Völker" — Verlag Eugen Diederichs in Jena — unter dem Titel ,.D a s Elixier der Glückseligkeit" eine glückliche Zusammenstellung aus diesem kürzeren Werk und Ghasalis Hauptwerk, der „Neubelebung", gegeben. Auch hier vermittelt eine Einführung die erste Bekanntschaft mit dem Mann und der Stellung, die er in seiner Zeit eingenommen. Der Band verdient Empfehlung. Dr. Fritz Bamberger, Berlin-Haiensee. Jeremhs, Fine bihl.'srhe Erzi'hVr.1 V.'.N 7.- L-:." rn. Druck und Verlag Räber u. C.i. Des Gcschlchlsgcniäkle, das uns dl .: VerHr.r.c-rlri in :-p:r.r. Untier i.'a. ' l u.”'! > . •;: •: t «> :1 v |-;'.>:sclic Färbung; es bedeutet aber einen Stich ins Moderne, wer;;; die Tochter Nebukadnezars (die Verfasserin schreibt Nabuchodonosor, wie der Name griechisch heißt) nach Erdbeeren mit Schlagsahne begehrt. Obwohl derartige Schriften für unsere Jugend dringend notwendig sind, können wir die vorliegende leider nicht empfehlen, weil sie an verschiedenen Stellen christlich-konfessionell tfefärbt ist. Wir sind nicht engherziger Gesinnung, aber bei der Jugend ist Vorsicht geboten. Spanier-Magdeburg. Ueber den Austritt aus dem Judentum, Ein Briefwechsel von Abraham Geiger. Philo-Verlag, Berlin 1924. Eine Broschüre von nur 16 Seiten — und trotzdem ein Dokument ersten Ranges. In Kürze ein Bände sprechendes Erlebnis, das die jüdische Gegenwart leider zu genau kennt. Wer die Schrift liest, wird das Judentum noch inniger lieben lernen, und manch Abtrünniger findet den Weg zum Zelte Jakobs vielleicht wieder zurück. — Bedenkt man, daß die Broschüre obigen Titels aus den nachgelassenen Schriften des Altmeisters Geiger stammt, so dürfte man schon aus Liebe zu den unsterblichen Wahrheitssuchern und Pfadfindern auf dem Wege der jüdischen Gedanken- und Gefühlswelt die kleine Schrift in keinem jüdischen Hause fehlen lassen. Rabbiner Dr. Arthur RosenthaL Beuthea, Oberschi.! Lassen Sie sich sagen« S! Sch mell hat die besten Wagen. 5 Wage!-a." -Mai Scbmetl Oegründet 1878 früher Ad. Pflug Gegründet 1878 Berlin S14, NeueJakobstr.5 Telephon: Moritzpl.13133 Eigene rduniede,.11. Ladiererei | empfiehlt sich zur Anfertigung und Reparatur von 5 Luxus- und Gesch&ftskarosserien und Wagen j Spezial - Fabrik für Handwagen jeder Art S Für eeschmackvo e u. solide Ausführung ledes Auf rag s bürgt der Ruf meiner ■ seit 45 Jahren bestehenden Firma. 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Simon NW 23, SiegmundshoJ 9 NO 55, Raabestr. 14 Anni Loewenstein Dipt.-Ing. Bruno Woyda Verlobte Empjang Sonntag, den 20. Aprilt 12-2 Uhr HOCHSCBV1E für die Wissenschaft des Judentums Beginn des Sommer-Semesters Dienstag, den -9. April 1924. Vorlesung*-V rzeichnis durch das Sekretariat Jüdisch-theologisches Seminar BRESLAU Das Sommer-Seme te 1924 hegnnt am 1. Mai; Autnahmeprülnng am 30. April. Meldungen sind an den unterzeienneten Voi sitzenden *u rieten. Studionordnuug und Vorles"ngsverzeietinis sind im Sekretariat, Watistr. 14 erhältlich. Das DoienfenftoIIegium Dr. Lewhowitz, z. Zt. \orsitzeuder. Rnabensctiule der jjUttEn Bemeiide su Mi. Gesucht Mittelschullehret mit Lehrbefähigung für Engl sch und Französisch. Bewerbungen mit Lebenslauf und beglaubigten Zeugnisabscuriiten an das Schmbüro, Oranienburger Str. 29 b nulfe Briefmarken Auswa Isendungen an Sammler und zum Wiede verkauf. Gänzender Ab«atzerfolg gesichert. 30»/8°/o R bitt Hax lirbsf, HarkHhaos, Hamburg B. 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