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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-04-11 · 9 (11.4.1924) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
9 (11.4.1924)
Date
1924-04-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Waren wir Drückeberger? Zahlen die beweisen. Statistisches Material über die Beteiligung -er deutsche» Jude» am Weltkriege. Zusammengestellt von I. Leüermann. Berlin. tote bw itaoiubenbitt uu»wnrca*n. denen wtr jwt Msn Kaum geben, vir glauben, b« tn dem bevor« stebenden »ahllamp» dt« Freunde unserer Deweguna «if «rund de» isr brat «rtUet «ntdalttnin ARattstaii btt Kattücf« «egen btt deutsche« Sud« werb«.reftttb widerlegen kbnnen. Dte Kebattion. j, BesreinngSkriege. An den Befrei, ngSkriegen. eben aus dem Ghetto entlasten. haben 561 Freiwillige, dafind 15 H Prvzent der damaligen wehrfähigen Juden, teilgenommen. 186» waren 1100, 1870/71 7066 Inden ausmarschiert! 2. Deutsche Jude» i« Weltkriege. Die gesamte Mische Vevölkernng b«S Deutsche» Reiches »ach der Zähl»»g von 1916 betrug, ohne Provinz Posen, ohne Hamburg (Zählung nicht einwandfrei) und ohne Elsaß-Lothringen, »98866 Seele». Davon waren FeldzugSteiluehmer 81392, d. h. 15,68 Prozent. Berechnet man die Mtttelzahl deS sich auf die einzelnen LaudeSteile ergebenden Prozentsatzes der jüdischen Kriegsteilnehmer auf die fehlenden Gebiete, so ergibt sich, da diese meist Landbevölkerung auftvrisen. «in DurchschnittSsatz von 16.19 Prozent. Rechnet man aber den nngünitige« Mittelsatz von 19,66 Prozent für die fehlenden Gebiete ein. so ergibt sich ein PluS von 11979 Kriegsteilnehmern, so baß man zu einer Gesamtzahl von 06 827 jüdischen Kriegsteilnehmer« kommt. Hiernach haben annähernd 16V 909 Inden g« Feld'znge teil» genommen. Rechnet man von der« Gesamtzahl der bentsche« Jude», die 1911 ungefähr, einen Bevölkerungszuwachs eingerechnet, 929009 Seelen betrug, die Anzahl der reichs, fremde« Inden ab. so verbleibe« höchstens 959 999 deutsch« Inden, denen 96999 dentsche jüdische Soldaten gegenüberftehe». Mit anderen Worten: 17,80 Prozent aller deutsche« Jude» ober jeder sechste dentsche Jnbe bat am Kriege teilgenommen. Bo» diese» 96 990 Kriegsteilnehmer» waren nach grundlegender Statistik: *Jb aller jüdischen Kriegsteilnehmer in der Gefahrzone, 13 Prozent waren Kriegsfreiwillige. über 13 000 jüdische Kriegsteilnehmer find gefallen, 39 00V sind kriegsdekoriert, darunter über 1000 mit dem Eisernen Kreuz erster Kläffe. 38 000 sind befördert worden, darunter mehr als 2000 zu Offizieren. (Nach den Untersuchungen deS Direktors deS Statistischen Amts der Stadt Berlin!) Sehr wichtig für diesen Fragenkomplex ist eine neuerschienene Schrift: Konfessionelle Milttärstatistik" von R. E. May, erschienen bet I. C. B. Mohr in Tübingen (1933). R. E. May stellt fest, daß der Prozentsatz der Katholiken i« Heere relativ ein größerer ist als der Prozentsatz in der »«* völkernng, und daß der Prozentsatz der Gefallenen bei den Soldaten katholischer Konfession größer ist als bei den Soldaten evangelischer Konfession. ES liegen dafür natürliche Gründe vor. die der demographischen Struktur der einzelnen Bevölkerungsteile entsprechen, aber diese Gründe wirken noch tiefer und stärker bei Juden und jüdischen Soldaten. Daher müffe die Zahl der Juden m Heere hinter dem Prozentsatz in der Bevölkerung zurückbleiben, und auch die Zahl der Gefallenen könnte aus den erwähnten Gründen «icht den bleiche« Prozentsatz der Gefallenen der anderen HsZfMpyStelle erreichen. (Landbevölkerung, hauptsächlich katholisch stellt wett mehr feldzugsfähtge und daher im Gefahrenristko stehende Teilnehmer als die Stabtbevölkerung. Hierbei bleibt noch die Bildungsschicht z» berücksichtigen, die bei den Evangelischen 6mal so breit ist wie bei den Katholischen und bei der. Jrkberr 12mal so breit wie bei der katholischen Bevölkerung. Naheliegende Wirkung für die KriegsverwendungSfähtgkeit!) Dieser Hinweis dürfte wohl genügen, um zu zeigen, daß die Juden, ihrer demographischen Struktur entsprechend, aus fast naturgesetzlichen Gründen nicht mehr Kriegsopfer aufbringen konnten. a!S sie aufgebracht wurden. 8« Gegenteil. eS wäre fast zu erwarten gewesen, baß ihre VpsPk ei» wenig mehr hinter den Zahle» zurückgestande» hätten, wenn nicht heiße Vaterlandsliebe und der Ansporn» «eh» zu tun als nur ihre Pflicht, die jüdischen Soldaten immer wieder und wieder zu tristester Pflichterfüllung augespornt yätieu.! . V-rkufizahle« einiger jüdischer Gemeinde«: Hannover: von 1600 jüdischen Bewohnern 89 gefallen --- 3 Prozents Erfurt: von 800 jüdischen Bewohnern 28 gefalle» »- 8,6 Prozent: Bielefeld: von 817 jüdischen Bewohnern 26 gefallen --- 8,6 Prozent. Bremen: von 1300 jüdischen Gemeinbemitgliedern. von denen 80v männlich waren, sind 00 (gleich 6,9 Prozent) im Felde gewesen (d. h. 80 Prozent der männlichen Mitglieder). Gefallen: 28, d. h. 3L Prozent der gesamten Gemeinde oder 9 Prozent der männlichen Mitglieder. Dekoriert mit de« Eiserne» Kreuz erster Klaffe wurde« 9. Auder Gemeind« Dortmund-Stadt waren 988 jüdische Soldaten in der Front gewesen, davon sind 76 den Heldentod gestorben, d. h. 18 Prozent uller Frontkämpfer, wobei Lene unberücksichtigt geblieben sind, die nachweislich tn Lazaretten einer Krankheit erlegen sind. 99 jüdische Soldaten wurden verwundet, oder 81.78 Prozent, von diesen 13 Soldaten zweimal, 8 Soldaten dreimal. 3 Soldaten viermal und einer sogar fünfmal. Lübeck. Die Anzahl der in Lübeck ansässigen Juden betrug 1911 sechshundert. Davon nahmen am Kriege 106 Juden teil 17 davon sind vor dem Feinde gefallen, 3 sind an der Front gestorben. 86 Teilnehmer wurden verwundet, 38 habe» Kriegsauszeichnungen erhalten. Gloga» hat 16 gefallene Soldaten von 160 jüdischen Familien zu beklagen, zirka 70 jüdische Frontsoldaten vom Gemeinen bis »um Offizier der Glogauer Gemeinde waren im Felde. Düsseldorf: 181 jüdische Helden sind gefallen (s. Krieg-- gedenkbuch der R. j. F.. Ortsgruppe Düsseldorf). 1696 Mark Belohnung setzte im „Münchener Beobachter" der bekannte deutschvölkische Führer Dietrich E ck a r d t für den auS. der ihm eine jüdische Mutter benennen würde, die drei Söhne auch nur drei Wochen im Schützengraben aufzmveisen hatte. Durch diese höhnische Auslobung wollte Eckardt „beweisen", daß die jüdischen Soldaten im großen Kriege ihre Pflicht schmählich vernachlässigt hätten, sich, wie er und seine Freund« tagtäglich verbreiten, in der Etappe statt im Schützengraben breit machten. Eckardt erlebte einen döse« Rei«fall! Rabbiner Dr Freundin Hannover benannte zwanzig Mütter seiner Gemeinde, die den Anforderungen entsprachen. Und als Eckardt sich die 1000 Mark zu zahlen weigerte, verurteilte ihn das Landgericht München zur Zahlung. Die Beweisaufnahme ergab, daß in Hannover allein 30 jüdische Familien vorhanden waren, die drei Söhne und mehr drei Wochen gleichzeitig im Felde hatten, und auS anderen Orten Deutschlands wurde eine Liste von 69 jüdische« Familie« vorgelegt, welch« gleichzeitig sieben, ja. sogar acht Söhne vor dem Feinde hatte«. Die Liste begann: Frau Therese K r a e m e r in Crailsheim hatte a ch t Söhne im Felde. Frau David H i r f ch b e r g in Zwesten, Post Borken, hatte sieben Söhne im Felde. Familie L. Ca min er in Charlottenburg. Kurfürstendämm 61, hatte sieben Söhne im Felde. Frau Delphine L o e b in WormS, Karmeliterstratze 3. hatte sie ch S Söhne im Felde. Familie Samuel Wolf in Aurich hatte sechs Söhne im Felde. Familie Arnold Bisser in Gmde«, Etzardstraße 6, hatte sechs Söhne im Felde. Familie M e y e r in Steinfurt hatte sechs Sühne im Felde. Familie M a r r tn Bin» a. Rh. hatte sechs Söhne im Feld«. ,Simon Friesing au- Gillzburg hatte fünf Söhne Im Felde. - Jüdische Flieger. Man hat gegen uns Juden den Vorwurf erhoben, eS habe keimt von «uS «ähreud de- Krieges hg Flugzeug gefeffe«. Auch das ist eine Lüge. Allein Sei den BreSlauer jüdischen Frontsoldaten zählten wir mehrere fchwerkriegSdeschlldigte Fliegerossiziere. Wir könne» Dutzende erfolgreicher Flieger nennen, so den abgestürzten Leutnant Frankl, ausgezeichnet mit dev» Pour le m6rite, den gefallenen jüdischen Fttegerleutnant Rvsin. der. verfolgt von einem französischen Geschwader den feindlichen Flugplatz mit Bomben belegte. Und wem daS nicht genügt, der lose einmal die Heldenstückchen in Dr. Theilhavers „Jüdische Flieger im Kriege", Jude» in de» Kolonie». Wieviele Deutsche haben zu KriegSzeite» »ach Ostafrike bewunderungsvoll geblickt, wo Lettow-BprdeckS Heldenschar eine« erbitterte» Kampf gegen erdrückende Uevermacht geführt hat. Dort haben doch aber die Juden gefohlt? wird mancher fragen. O nein! Folgende jüdische Kämpfer stritten für ihres Vaterlandes Ehre in de« Urwäldern und Steppen unserer alten Kolonie: Leutnant Reumann, verwundet. Oberarzt P e r l m a n n, verwundet. Oberarzt Wolf. Oberarzt Frenkel. ' SanitätS-Freiwilliger Ullmann. Bizewachtmeister Hohenstein, verwundet. Sergeant Freudenberger. Alfred, verwundet. Landsturmmann Freudenberger, Josef, verwundet. Landsturmmann Freudenberger, Herder, verwundet. Landsturmmann Wolfsohn, Paul» Etappe. 68 Jahre alt. Landsturmmann W o l s f o h n. Alfred, gestorben iw Lazarett an Malaria Unteroffizier Levi, gefallen. Landsturmmann Oe st reicher. Etappe, 66 Jahre alt, Landsturmmann Levi. Etappe. Landsturmmann Rothschild, gefalle». Unteroffizier Schwarz, gefallen. Nicht eingezogen: Gouverneur-Beamter Lichtenstein, seit 19 Jahren in der Kolonie, besitzt schwarz-wettzeS Ehrenzeichen vom Ausstand 1904/06. Wir jüdischen Frontsoldaten sehen in diesen Seifhraftcn keine besonderen Heldentaten, sondern nur eine sewftverstäudliche Pflichterfüllung. Wir haben damit nur genau so unsere Schuldigkeit fürs Vaterland getan wie nusere christlichen Kameraden. Drückeberger hat eS in nuferen Reihen sicher auch gegeben, nicht zahlreicher wie in den christlichen. Wir sind aber nicht gewillt, nufere Leistungen für bas große Ganze, besonders aber die Heldengräber unserer gefallene« Brüder mit Schimpfworte» «rfe »Drückeberger!". „Feiglinge!" entehren zu lasse». Wir «erlangen, daß sich jede Parteipolitik von ehr, abschueideuden. das Andenken unserer tote» Kameraden beschimpfende», durch nichts zu beweisenden »ehanptnngeu sreihält. Niemand darf sich „national" oder „vaterländisch" nenne«, -er vor dem Andenken unserer Gefallene« mit parteipolitische« Schlag- «orte« übelster Art nicht Halt macht. Z« diese« , nufere» Kampfe um Ehre. Recht unb Wahrheit geae» völkische Beschimpfungen rufen wir unsere anständig und rechtlich denkende« Mitbürger in Stadt und r Land, alle die. denen der Tod fürs Saterland alS etwas Großes, der Schmerz der Hinterbliebenen als etwas »« ShrfürchtendeS gilt, zur Hilfe und Unterstützung auf. Der Dichter der Hebräischen Melodien. Zu Byrons hundertstem Todestag. IS. April 1924. Bon I. L a nda u. Du Stamm mit irrem Futz und müder Brust. Wann wirst du etngeh'n tn der »uh« Lust? Der Doael hat sein Nest, der FuchS den Stau: Wir anderen die Heimat — Juda nur daS Grab. Byron. Hebräisch« Melodien. Wie sich die Gegensätze berühren, das zeigt uns unser Leben täglich und die Literaturgeschichte bestätigt es in überraschenden Beispielen. Eines der merkwürdigsten ist George Gordon Noel Byron, alS Dichter derHebrewMelodies. Einen schärferen Gegensatz als den zwischen dem .Judentum des Exils und dem ungezügelten Lord ist schwer zu denken. Das Judentum» und vollends daS der Byron-Zeit, also am Ende deS achtzehnten und im ersten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts, hing stets mit rührender Treue an Gesetz und Ueberliefenung. Byron war allezeit die sturmgewovdene Auflehnung gegen geltende Sitte und altes Herkommen. „Tief in unserem Volke wurzelt die Familie" heißt es von den Juden in „Urtel Acosta", Byron war zerfallen mit seinen Angehörigen, in heftiaem Kampf mit seiner Frau, wie sein Baker schon seine Mutter und ihn als Kind verlassen hatte, unfrüh war Byron auch in eine stille Wi-ersätzlichk«it 0 seine Mutter geraten, deren Zärtlichkeit und iche Fürsorge dem ungestümen Jungen lästig war. Vollends kann man sich den reichen, verwöhnten, in seinem Schönheitssinn überempfindlichen Lord nicht in irgendeiner gesellschaftlichen, persönlichen Gemeinschaft mit den damaligen jüdischen Kreisen Englands denken. Noch weniger können wir ihn uns tn den Ghettos, den düsteren Judenvierteln der größeren Städte Italiens, vorstellen, -a- Byron so sehr geliebt hat wie er seine englische Heimat Hatzte. Eine SchicksalSverwan-tschaft bestand allenfalls darin, datz Byron von Hatz und Verleumdung so verfolgt, von törichten Lügen so umsponnen, von der Niedrigkeit und Gemütsroheit verständnislosen Philistertumso verfolgt war wie die Juden — heute. Heute mehr als zur Byron-Zeit. Und dieser von aristokratischem Selbstgefühl geschwellte, jeder leidenschaftlichen Regung draufgängerisch nachstürmende Herrenmensch — ein ergriffener und ergreifender Sänger des Juden- AuS der flüchtigen Jugendbeziehung zu einem jüdischen Altersgenossen ist die tiefe Ergriffenheit Byrons über das Schicksals Juda'S allein nicht zu erklären. Dieser Jugendfreund, Isaak Nathan, ein begabter Komponist, hat Byrons dretundzwanzig alttestamentarische Gesänge vertont. Die Tonschöpfung, von der Zeiten fortleben, obwohl sie, durch Byrons Schuld, durch sein Ungestürm und die Hemmungslosigkeit, mit der er jeder Augenblicksregung folgte, beinahe verloren gegangen wären. Denn Byron hatte sie schon vernichtet und dann freilich wieder neu geschaffen. Isaak Nathan, der Komponist der hebräischen Melodien", erzählt uns, -atz Byron, der immer geneigt war, seine dichterischen Schöpfungen stank zu unterschätzen und der seine Berühmtheit lange nicht recht begriff — „eines Morgens wachte ich auf und fand mich berührt", sagte er verwundert von sich — -aß also Byron daS Manuskript der Hebrew Melodieverbrannt hatte. „Sie sind in großer Eile verfaßt", meinte Byron geärgert, als ein sonst allzu strenger Beurteiler gerade die Hebräischen Melodien nach Durchsicht der Niederschrift Überschwänglich gelobt hatte, „sie sind in zu großer Eile verfaßt und sollen auch so untergehen". Und schon flackerten die Blätter im Kaminfeuer hoch auf. Isaak Nathan, der sich auf die Vertonung sehr gefreut hatte, beklagte sich bitter über dieses Brandopfer. Bald darauf empfing ihn Byron mit den wiedererstandenen Liedern. „Daich da getan habe," so ungefähr begrüßte er ihn, ,chat Sie erzürnt? Kommen Sie, mein lieber Nathan, hier haben Sie statt deS BrandopferS ein Friedensopfer. Machen Sie damit, was Sie wollen." Und er übergab ihm die wiederbelebten „Hebräischen Melodien". Byron dichtete eben mit erstaunlicher Leichtigkeit aus dem immer veichbowogten Gemüt, und er hätte, wie Colderon, verwundert auSrusen können: „Merkwürdig, eS gibt Schriftsteller, die Prosa mit solcher Leichtigkeit hinschreiben, alS ob eS B e r s e wären!" M Gerade auf die „Hebräischen Melodien" hat Byron biS zuletzt nicht sehr viel gehalten — er hat immer wieder betont, oaß er sie nur auS Gefälligkeit für einen Freund gedichtet habe — gerade diese „Hebräischen Melodien" aber haben ihm die wärmste Anerkennung eben der Kreise eingetragen, die sonst daheim seinem Schaffen krittelnd aegenüverstanden und gegen die er sich in seiner Abwehr, „Englische Barden und schottische Krittler", mit maßloser Heftigkeit wandte. Wahllosiakeit im Ausdruck der Leidenschaft war eben ein Merkmal seines Wesens. AuS dieser Anerkennung von sonst unfreundlicher Seite erklärt sich übrigens Byron'- gelegentliche Abwendung von seinen „Hebräischen Melodien", denen er sich aber später in wiodererwachter Liebe zmvandte, wie er ja auch die Heftigkeit seiner Abwehr in den „Englishbärds and Scotch rcyiewer»" später bereut und Mt den einzelnen Gekränkten sich versöhnt, Lauernde Freundschaft geschlossen hatte. ES wäre aber auch geradezu ein Wunder gewesen, wenn der Dichter des Weltschmerzes, wenn Byron, der jeden Schmerz so tief mitempfand und in seinen Liedern auSklingen, auSklagen ließ, gerade am Schmerz des entwurzelten, über die Welt verstreuten, nur noch im gemeinsamen Leiden zusammengeschlossenen Judentums verständnislos, teilnahmslos vorübergegangen wäre. Er, der überdies fein, ach, so kurzes Leben lang an der Bibel und der biblischen Poesie Mt inniger Liebe hing, aus der Bibel so starke Stiimrmngen und Anregungen empfangen hat — darin einem Goethe verwandt. AUSSTELLUNG: UNTER DEN LINDEN WERK: REINICKENDORF AUTOMOBIL- UND KAROSSERIEFABRIK A. G.

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