Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 8 (4.4.1924)
- Date
- 1924-04-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeinschaften Mc christlichen Lehren Sen alten vorpaulinischen jüdischen Anschauungen wieder so viel «Her gerückt sind, unmöglich sein, was im Mittelalter möglich war? Erst wenn ein so zum Judentum Udvergetretener, der völkisch nicht Jude ist, zu anderen Nichtjuden sprechen kann, werden diese dem Einfluß zugänglicher sein. Solche Personen zu finden und sie zu unterstützen, wenn sie den Drang fühlen, die neugewonnene Anschauung auch anderen nahezubringen, das ist der einzige Weg, aus dem in absehbarer Zeit im Sinne einer jüdischen Mission praktisch mit einiger Aussicht auf etwas Erfolg sich wirken läßt. j fl] j Freunde im Ausland. 111 Die Juden von China. Bon Dr. Desiderius Papp. Der in- Wien erscheinenden deutsch-österreichischen Wochenschrift für südische Interessen. »Tie Wahrheit", entnehmen wir mit freundlicher Deiiehmi>uina der Redaltion die folgenden Lleutzerungen aus einem Gespräch mit einem chinesischen Gelehrten. Ei» Zufall führte mich dieser Tage mit einem ebenso interessanten wie gebildeten Asiaten zusammen. Es war in einem Klub, in dem Ausländer zu verkehren pflegen. An dem kleinen runden Tisch saß mir ein junger, bebrillter Chinese gegenüber. Die großen, leuchtenden Augen, die hinter dem Augenglas dem regen Betrieb der Klubgäste mit gespanntem Interesse zu folgen schienen, verrieten eine außergewöhnliche Intelligenz. Der Chinese, ein Gelehrter von Ruf und Dozent der Universität in Shanghai, befand sich auf einer Studienreise durch Europa. . Am Tisch nebenan mühte sich ein Einheimischer damit ab, in gebrochenem Französisch einer Dame all das Nebel zu erklären, baS die vielen „bodenfremden Elemente", vor allem die Juden von Oesterreich, angerichtet haben sollen. Der Chinese wurde aufmerksam und wandte sich schließlich mit der Bemerkung an mich: ist geradezu erstaunlich, wieviel hier in dem schönen Vienna auf die Juden geschimpft wird, und besonders auf die Ostjuden. Für mich ist dieser Unterschied, der hier zwischen Ost und West gemacht wird, ein wen g unverständlich. Denn unsere chinesischen Juden sind freilich Westländer ebenso gut wie die Franzosen oder die Deutschen, die in China leben. Wennall das Schlechte, was ich da über die Juden während der acht Tage meines Aufenthalts vernommen habe, wahr sein sollte, dann dürste es mehrere füdische Raffen geben, denn über unsere chinesischen Juden könnte ich nur das Veste sagen." Das Gespräch begann mich zu interessieren, und mein Rachbar, deffen Spezialgebiet, wie ich später erfuhr, gerade big Geschichtswissenschaft war. teilte mir über die Schicksale Hi Juden in China folgende intereffanten Einzelheiten mit: „Die Juden gehören zu den ältesten Gaftvölkern deS Reiches der Mitte. Ich glaube sogar behaupte» zu dürfen, daß eS bas älteste Gastvolk unter den wenigsten- 60 Völkern ist, die sich im Laufe der Jahrtausende in China angefiedelt haben. Bor mehr als zweitausend Jahren, zu Zeiten des weifen Königs Tang, sind die ersten Juden nach China etngewaudert. Dieser gelehrte Herrscher, deffen tiefe Weisheit im selben Maße verehrt wurde, wie die des biblischen Königs Salomon in Palästina, war tief von dem milden Geiste des Buddhismus durchdrungen und glaubte, seine Toleranz in Glaubenssachen dadurch am besten beweisen zu können, daß er den Entschluß faßte, aus den Nachbarländern mehrere tausend Fremde, denen völlige Freiheit zugesichert wurde, nach China zu berufen. Auf seine Initiative siedelten sich etwa 10 000 jüdische Familien aus Persien in China an, zu gleicher Zeit kamen auch viele Tausende Perser, Neger und Japaner ins Reich der Mitte herüber. Die Juden haben sich in Chunan angesiedelt und bauten dort eine herrliche Synagoge, deren Mauern noch heute stehen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die persischen Juden, die sich hauptsächlich mit Handel beschäftigten, physiologisch assimiliert: ihre Haut wurde gelb, so gut wie die unsrige, sie nahmen die chinesische Nationaltracht an und trugen noch vor hundert Jahren lange Zöpfe, wie dies in China damals Mode war. Sie sind Chinesen geworden, aber dennoch blieben sie ihrem ererbten Glauben treu, in dessen Ausübung übrigens sie nirgends und niemals behindert wurden. Diese physiologische Assimilation ist trotz des langen Zeitraumes, in dem sie sich vollzog, überraschend, da die Juden, ihrem Glaubensprinzip treu, nur unter sich heirateten und kein einziger Fall zu verzeichnen ist, baß. ein Jude sich eine Chinesin zur Frau genommen hätte. Vielleicht diesem Umstande ist es zuzuschreiben, daß die Zahl dieser Juden, die mit Fug und Recht als Urbewohner Chinas betrachtet werden können, rapid zurückgtng. Bereits vor zwei-, dreihundert Jahren lebten nur einige hundert! Familien in Chunan, und heute gibt es nur sieben jüdische j Familien die die Nachkommenschaft der zur Zeit des Königs überstedelken Juden darstellen. Neben diesen Familien, die das historische Judentum in China repräsentieren gibt es freilich mehrere Hunderttausende jüdische Ausländer, die im Reiche der Mitte leben. Die Zahl der in China lebenden Juden ist äußerst schwer festzustellen, weil im chinesischen Reiche seit mehreren Jahrzehnten feilte Volkszählung vorgenommen wurde und selbst die Angabeü der älteren Volkszählungen nicht besonders zuverlässig sind. Man kann jedoch jjchätzungsweise annehmen, daß die Zahl der Juden in China sich auf eine halbe Million beläuft. Ucbrigens gibt es für den Chinesen nur zwei Sorten von Ausländern: Japaner und Westländer. Die Juden gehören der zweiten Kategorie an. Und da sie meist russisch, englisch oder deutsch sprechen, werden sie von der chinesischen Bevölkerung als Russen, Deutsche oder Engländer betrachtet. Der Antisemitismus ist ei» unbekannter Begriff in China. Im Reiche der Mitte gibt es freilich auch keine Zionisten. Die Inden bekennen sich entweder zur chinesischen Nation oder zu dem Volke, dessen Nattonalfprache sie angenommen haben. Unter den Intellektuellen befinde» sich besonders in Shanghai und in Peking viel« Juden, zumal unter den Aerzten, die, da st« ihre Ausbildung in Europa erworben haben, sich eines außerordentlich guten Rufes erfreuen. Auch unter den Professoren der chinestschen Hochschulen kann man Juden finden. Der populärste Jude in China ist der in Shanghai lebende Großkaufmann Chalden. Er spielt in der chinesischen Weltstadt ungefähr dieselbe Rolle, die die alten Rothschilds in Wien oder in Paris gespielt haben. Chalden ist vor zwanzig Jahren in China eingewandert und hat sein ungeheures Vermögen durch Exportgeschäfte erworben. Er ist der Eigentümer der größten chinesischen privaten Schifffahrtsgesellschaft, und sein großer Garten, der mitten in der Stadt liegt, ist der schönste öffentliche Park der «binesischen Weltstadt." Den Müttern der Zwölttausendl Von Arno NodeL Zu dem GedenkMatt, das Prof. Max . Liebirmant. dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten gestiftet bat, sind von dem Dichter Arno Nadel nachstehende Verse dem Reichbund zugeeignet worden Mutter, Frauen der zwGlftausend Juden, Die fürs deutsche Vaterland gefallen, — Ach, deren Lohn Schmähung und Hohn Im Tode noch — Streut aus auf frühe Gräber Die Saat allmächtiger Liebe, Daß Liebe aufwärts sprieße. Daß Wahrheit, Friede, Bruderschaft Ueber den haßerfüllten Boden Sich endlich segnend ergieße! Zuschriften an die Bereinigung für das liberale Judentum E. B. oder die Jüdisch-liberale Zeitung bitten wir nicht a« die i« de» Organisatione« arbeitende» Herren persönlich zu richten, da hierdurch in der Bearbeitung der einaesandten Schriftstücke lediglich Verzögerungen entstehen. GROSSE AUSWAHL IN BELEUCHTUNG^ Gegenständen cjeder. stilart AUS BRONCE' HOLZ UND MARMOR, ♦ SElDENBEUCHTUNGtN * IM K£U&$rEN fORM^N UND $R$YKl^V$$lG£«. VERARBEITUNG ü-jscher Verla, sucht zweck» Veröffentlichung in seiner Zeitschrift, evtl, auch in Buchform Manuskripte über JMstalHoNinitnliclRi lUbdtt Rmlhi ml Bomb. Manuskripte (nur Erstdruck« Kommen in §rage) mit Veröffentlichung. dedlngungen. nt A.W.914 an die Expedbion -lese» Dlalle». Kriegsteilnehmer, Republikaner! Die reaktionären und monarchistische« Kreise habe« im ganze» Reiche ihre Stahlhelm« und sonstige« Kampf» blinde gegründet, um die Republik z» bekämpfe». Unter dem Borgeben, nationale Ziele zu verfolge«, vaterländische Gesinnung z» pflege«» habe« -ch Organs» satione» gebildet, die das -entsche Volk in zwei Lager spalte«, die auf die Entfeffelung deS Bürgerkrieges hin, arbeiten. I« ihre« Reihen stehen Männer, die hohe und höchste Ämter in der Republik annahme«, ihr den Treueschwur leistete« und jetzt zugeben, -atz ihr ganzes Ginne« und Trachte« Heimtücke und Verrat gewesen ist, Verrat an -er Republik, Verrat am deutsche» Volke, deffen staatliche Einheit zu zerreißen ihr Wille ist. Tansende junger Männer sind zu bewaffneten Sturmhansen formiert, unter Führer«, die sich rühmen» die Berfaffnng von Weimar, welche sie mit Feuer und Schwert bekämpfe«, nie gelesen zu habe«. Ci« Ringen um geistige Probleme ist ihnen fremd, des Gebrauches geistiger Waffe» find sie ungewohnt, sie find Opser wüster Demagogen, die schamlosen Mißbrauch mit de» Begriffe» Vaterland und Ratio» treibe», ihre eigene Schuld nnd heimlichen Ziele hinter schmachvoller Jndenhetze verstecken. Wir Republikaner werbe» nie vergeffe«, daß Schulter an Schulter mit Protestanten, Katholiken und Freidenkern jüdische Soldaten gekämpft und geblutet habe«. Die Zahl -er toten und schwerverwundeten Inden beweist dies. Dieser blöde Antisemitismus, -er sogar die Seele der Kinder vergiftet, macht Deutschland nicht nur in der Welt lächerlich» sonder» ist inner» politisch wie außenpolitisch eine Gefahr. Die Republikaner hatten bisher ähnliche Kampforgauisatione« nicht. Run ist in dem Reichsbanner Schwarz»Rot»Gold ei« Bund der republikanische« Kriegsteilnehmer geschaffen worden, der den Zweck verfolgt: Alle republikanisch -efinnte» Kriegsteilnehmer zusammenznfaffe». p Der Bund wird mit den Mittel« der Anfkläruug nnd Werbung für de« republikanischen Gedanke« wirken. Bei gewaltsamen Angriffe« auf die republikanische Berfaffnng wird der Bund die republikanische« Behörden; in der Abwehr unterstützen und die Gegner der Republik «iederkämpfe» mit denselben Mitteln, mit denen sie die Republik angreife«. An alle Kriegsteilnehmer, an alle maffentüchtigen Männer, und schließlich au alle, die bereit find, die Ziele des Bundes zn unterstütze«, richten mir die Bitte, «nserm Bunde beizutreten. Das Banner der deutsche» Republik mit de» alten dentsche» Farben schmarz-rot-golist nufer Zeichen. Die Repnblik de» Republikanern! Zuschriften sind zu richte« an Herrn FritzKoch, Berlin 0.34, KopernikuS st ratze 84, Geldsendungen an die Kommers- und Privatbank, Berlin, Depofitenkaffe Sönigstratze 40, oder an das Postscheck» konto dieser Bank, auf Konto Rr. 1307, Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Bnnd der republikanische« Kriegsteilnehmer E. B. Der Gauvorstand Berlin-Brandenburg. Fritz Koch, Vorsitzender. Marti» Schneider, Kassierer. Wilhelm Rowock, Schriftführer. Oskar Wegner, Frankfurt a. d. O. Paul Szillat, Rathenow, Beisitzer. c Büromöbel Carl Bader Sind des Gesch&ftes Lebensader BfiroUsdte Diplomaten Amer. Flachputte Amer. Rottpultu Konferenstisdie HerrenxtmmertUche Maschinen tische Sessel, Stühle Linoenstr. 32-34 ler Rolschr&nke Aktenschi Inke Regale Aktensilnder darderobenschrftnke CfcarderobensiSnder Wariegarnifaren _ Warieblnke Tel.: DSphoff 4571 6amfon~6d}ule Alumnat: Am Walde freiegen, neuzeitliche Einrichtung. Gut rituelle Verpflegung. Sportliche Ertüchtigung. Aufnahme finden: Gesunde u. sittlich einwandfreie Knaben ab 10 Jahr. Realschule mit 6 Kl. und Abschlußprüfung, welche Obersekundareife ergibt. Individuelle Behandlung d. Schüler. Sabbat u. jüdische Festtage schulfrei. Pension einschließlich Schulgeld 330 Ooldmarkf pro Quartal. QBolfmßüttel