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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-04-04 · 8 (4.4.1924) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
8 (4.4.1924)
Date
1924-04-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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pflichtet, sie zu öen Menschen «t tragen, unwenn -ie heut Lebenden unwillig sind, sie anzunehmen, sie für kommende Menschen zu erhalten, auch wenn damit Leid und Verfolgung verbunden ist und das schmerzende Gefühl der Einsamkeit,' unser ganzes geistiges Leiben ist so Sendung und Mission, und können wir etwa der oben skizzierten, mit dem Glauben an die Gttidung verbundenen seelischen Antriebe entbehren? Sie tun uns heute so not wie in sriiheren Zeiten, und auch für uns mutz der Glaube an die Sendung Israels formendes Element unseres religiösen Bewußtseins vUben. Es bringt in unser Seelenleben die fördersame und fruchtbare Unruhe hinein, die neben der Ruhe des Jn-Gott-Geboraenseins, das Schöpferische in unserer Tat ist, die uns zwingt, immer aufs Neue unv kritisch zu durchprüfen, ob die Wahrheit, die wir unser eigen nennen, jeder Prüfung standhält, und ob wir würdig sind, ihre Träger zu sein. GS hat sich in den letzten Jahrzehnten gegen das Bekenntnis zur Sendung Israels als Ausdruck eines religiösen Gefühls in manchen Kreisen des Judentums eine gewisse Opposition bemerkbar gemacht. Man sah darin eine Entartung, sprach davon, daß man au Stelle eines gesunden nationalen Gefühls der Beschränkung ans sich selbst ein verwaschenes Ideal eingetauscht habe, daß man an die Stelle eines natürlichen nationalen Egoismus ein Preisgeben der eigenen Würde gesetzt habe, daß man die Selbstsicherheit des Sorgens für sich selbst mit der Demut des Knechtseins vertauscht habe. Man nahm Anstoß an dem Bilde des leidenden Sendboten — jeder Einsame, jeder mit einer idealen Sendung Betraute ist zum Leiden verurteilt — und rügte, daß in dem Bekenntnis zur Sendung eigentlich ein Bekenntnis zur Tauer und Berechtigung der Zerstreuung Israels enthalten sei, das Galuth anerkannt und verewigt sei. Es kommt hier eben der Unterschied zwischen nur nationaler und religiöser GrirNdeinstellung zum Ausdruck. Je tiefer religiös die Grundeinstellung der Juden ist, um so tzeier und bewußter und freudiger wird er sich zur Teilnahme an der Sendung Israels verpflichtet fühlen, wird sie ihm eine innere Selbstverständlichkeit sein. In einem einzigen Punkte allerdings war und ist die Opposition dagegen, sogar der Spott darüber berechtigt. Da nämlich, wo das Bekenntnis zur Sendung Israels zum alleinigen Inhalt des Judentums einschrumvfte, wo man in den einzelnen Forderungen des religiösen Lebens nichts Verpflichtendes mehr anerkannte und den Fortbestand des Judentums durch die leere Anerkennung einer Mission ersetzen wollte, wo das Judesein sich nicht durch irgendwelche Tat bewies, sondern einzig mch allein durch ein Reden von der Sendung, wo noch dazu einzig das Landläufig-Sittliche -um Anhalt der Sendung gestempelt wurde, — und eS ifMncht zu leugnen, daß manche dem religiösen LebeMMbaewandte Kreise glaubten, ihre grundsätzliche Mehr von allem Zeremoniellen, ihre Nichtteilnahme an den Aufgaben der Gemeinde durch ein blutleeres Gerede von der Sendung Israels ersetzen zu können und dadurch sich einen Zusammenhang mit dem Judentum zu sichern, — da allerdings war Ablehnung und Spott am Platze. Aber es hieße das Kind mit dem Bade ausschütten, wollte man deshalb, «eil entfremdete Kreise in der Sendung Israels einen bequemen Inhalt der Religion zu erwerben trachteten, die ganze Lehre verwerfen. Sie bleibt in ihrer zwingenden Gewalt und in der strengen Forderung, die sie an jeden Juden stellt, als formendes Element -er jüdischen Religiosität. Das Bekenntnis zu ihr setzt eine gewisse Aktivität voraus. Es ist schließlich nicht damit abgetan, daß man sich theoretisch zu einer Sendung bekennt, fühlt man sich ihr verbunden und ihrer teilhaft, so muß man auch etwas tun, um sie zu erfüllen. Das alte Israel übte deshalb eine starke und bewußte Missionstätigkeit aus, es führte seine Thora aus der Enge, die mit -er der Welt unbekannten hebräischen Sprache verbunden war, heraus und übertrug sie ins Griechische, feine geistigen Führer brachten in zahllosen Büchern und Schriften Inhalt und Sinn und Wert seiner Lebre der Heidenwelt nahe, es sandte Boten aus, die seine Lehre, verkünden, da- Heil, das in ihr sich barg, anderen zukommen lasten sollten, eS öffnete seine Tore weit denen, die aus innerer Ergriffenheit den Anschluß suchten. Und ewaren Unzählige, die den Weg zu Israel fanden, der Nichteingewethte macht sich kaum eine Vorstellung von -er Fülle derer, die in der hellenistischen Periode des Judentums sich zu ihm drängten,' man war auch in -er Ausnahme der Proselyten nicht kleinlich, man duldete es stillschweigend, daß viele, ohne den Anschluß formell zu vollziehen, an dem religiösen Leben in dem Ausmaße, das sie selber entschieden. teUnahmen, in der Gewißheit, daß, je stärker sie mit dem religiösen Leben l,,'raelS verwüchsen, um so inniger unvollständiger ihr Anschluß werden würde. Politische Gründe führten dann später dazu, daß sowohl die Propagandatätigkeit unterblieb, als auch die Freude an der Fülle der Bekebrten sich minderte und das Entgegenkommen geringer wurde. Für eine Gemeinschaft, die so mit Druck und Verfolgung belastet war, war es gefährlich, nach außen selbstbewußt auszutreten, von sich reden zu machen, man hatte alle Kräfte nötig, um sich in seinem Bestmrde zu erhalten, und die größtmögliche Beschränkung auf sich selbst war innerstes Gebot. So wurde allmählich -ie Sendung dahin eingeengt und darauf beschränkt, daß das Beispiel Israels in seiner Lebensführung und Frömmigkeit anfeuern- und anziehenwirken müsse, daß man nicht Propaganda machen solle, sondern still seinen Weg für sich gehen solle, um durch den Ernst und die Heiligkeit oeS Lebenswandels' Zeugnis vor Gott abzulegen. — Unzweifelhaft ist diese edelste Form, sich zu seiner Sendung zu bekennen, wohl geeignet, die Verantwortlichkeit des Einzelnen zu wecken, und das Gefühl -er Verpflichtung gegenüber der Menschheit in jedem Juden rvachzichalten. Mer ob es nicht doch in gewissem Sinne geboten sein mag, aus der Zurückhaltung yerauszutreten? Gewiß, wir werden keine Missionare aussenden und könne» es nichts aber es muß im Wesen einer Mission liegen, daß ihr Träger das S. nige aller Welt zugänglich zu machen sucht. Wir dürfen nicht dabei verharren, Apologie zu treiben und gegenüber Angriffen die Reinheit unserer Lehre zu verteidigen, wir müssen aktiver die Werte unseres Fühlens und unserer Denkweise in die Kulturwelt yineintragen. Wir müsten den Versuch machen, von uns aus die Welt religiös zu beeinflussen. Trotz allem äußeren Bekenntnis zu dem einen Gott ist die allgemeine Kultur unserer Epoche in weitem Umfang ins Heidnische zurückgefallen, sie hat in allem Ethischen, in der Fruchtbarmachung des Gottesglaubens für die Tat, in der Ordnung der Wirtschaft, des Rechts, der innerstaatlichen und zwischenstaatlichen Beziehungen vom Sittlichen her, in ihrer Durchdringung mit sittlichen Motiven fürchterlich Schiffbruch gelitten, hat einen vollkommenen Bankerott ettent; eS ist in dieser Beziehung alles ins Chaos gestürzt. ES muß nun von uns aus als eine Ausgabe empfunden werden, in dieses Chaotische eine neue Oronung hineinzubringen aus den Lehren und Forderungen, die die Eigentümlichkeit des Jüdischen sind. Ob man deswegen angefeindet wird, ist gleichgültig ob man deswegen als Träumer oder als unpatriotisch oder gar als zersetzend gescholten wird, ist gleichgültig,' sobald wir in unS die Gewißheit tragen, daß die von uns vertretenen Lehren einzig geeignet sind, der Welt Ruhe, den Menschen Frurde und Hoffnung und kommenden Geschlechtern eine tiefe Sittlichkeit zu geben, ist man verpflichtet, sich zu ihnen zu bekennen und sie in Wort und Schrift zu verbreiten. Diese Gewißheit mutz allerdings fest verwurzelt in uns vorhanden sein, daß wir imstande sind, der Welt auch heute, und heute mehr denn je Kräfte der Genesung und des Aufbaues zuzuführen. Das tudentum als knlturausbauendes Element darzuellen, ist heute unsere Aufgabe und Sendung, von ihm aus die Welt beeinslusten zu wolle», — nicht in dem Sinn, wte es der Antisemit vergiftend barstem, sondern in -ew Sinne einer religiösen Vertiefung und Verinnerlichung, ist unsere Sendung. Dazu gilt's sich zu bekennen. Freilich, das erfordert in den eigenen Reihen tiefes Verantwortungsgefühl, Betätigung der eigenen Frömmigkeit, unwandelbare Reinheit und Lauterkeit des Lebenswandels und -as unzerstörbare Bewußtsein, -aß Würde un- Zukunft -er Menschheit unS überantwortet ist. So wird das Bekenntnis zur Jüdischen Mission nicht bloß Ausdruck und Auswirkung der Frömmigkeit, sondern ein immer neuer Antrieb und Anreger zur Religiosität. Rabbiner Dr. Dienemann-Ofsenbach a. M. Praktische Mission. Bon Dr. Erwin Seltgmann -Frankfurt a. M. Mission im weiten, alluwsasienden Sinn ist -er vorauSvestimmte Zweck, -ie göttliche Sendung -ie Schicksalsaufgabe, die einem Menschen oder einer Menschengesamtheit gesetzt ist,' Mission ist -er Auftrag, zu -essen Erfüllung wir leben, das Amt, zu dem wir berufen, der Beruf, zu dem wir erschaffen sind. Mission ist unser Sein-Sollen im Gegensatz zum bloßen Sein. Die Mission stellt an uns dre sittliche Forderung, nicht tiergleich zu vegetieren, von einem T<w in oen andern uns leben zu lassen, sondern hinieoen etwas zu erfüllen und auszurichten. Daß das Judentum einen solchen Beruf und nicht nur eine Existenz hat, daß ihm die Gabe des Daseins Aufgabe bedeutet, wer könnte sich unterfangen, das zu bezweifeln? Wohl gibt es extreme Nationalisten vom Schlage Klatzkins, die scheinbar die Forderung nach dem nur vegetierenden Volke erheben. Aber schon das Pathos seiner Darstellung und die Jntenfttät, mit der er seinem Gedanken Ausdruck verleiht, beweist, daß es auch ihm um ein Sein- Sollendes geht. Wie dem aber auch sei, u n s, zu denen ich hier spreche, ist die Ueberzeuguna von einer Sendung -es Judentums — diese Bezeichnung ist treffender als Mission — lebendig. Uns schweigt nicht der dreifache Beweis: Unsere Geschichte mit unserer wunderbaren Erhaltung, allein von allen Völkern des Altertums. Hätten nicht unsere Väter die Aufgabe in sich gewußt, sie wären mit dem Verfall des Staates und der äußeren völkischen Existenz zugrunde gegauren wie Hellas und Rom. Unsere religiöse lieberi e f e r u n g, die schon das Wort Gottes an Mraham verzeichnet: „Du sollst zum Segen werden", und die das, „der uns erwählt hat von allen Völkern der Erde" im Gebete jeden Tages wiederholen läßt. Und unser lebendiger Wille endlich, der uns drängt und treibt zum Einsatz aller unserer stärksten Kräfte, um der Erhaltung und Zukunft des Judentums willen. Glaubt einer, daß all diese Energien um des bloßen WeiterexistierenS willen aufgewandt würden, zumal unsere Existenz als Nichtjuden eine weit behaglichere wäre?! Dieser Wille, entflossen den Urquellen des geheimnisvoll Irrationalen, täglich gespeist von Unterricht, traditioneller Ueberlieferung und Milieu, findet seine Bestätigung vor dem Richterstuhl unseres kritisierenden Bewußtseins und beweist so am stärksten, daß der Gedanke der Sendung auch uns heute noch ein Lebendiges, Daseiendes ist, dem wir schwerste Opfer zu bringen bereit sind. Unsere Sendung ist aber nicht Mission im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauchs, ni chtBekehrung der Völker zum Judentum, wie etwa die christliche Mission Täuflinge sucht und oft unter Versprechungen ködert. Wenn der.Islam seine Glaubenswahrheiten mit Feuer und Schwert zu verbreiten sich berufen fühlt, wenn das Christentum Missionare zur Heidenbekehrung in die entlegensten Weltteile entsendet, so verzichtet das Judentum bewußt auf einen derartigen Proselyten f a n g. Zur Zeit der Entstehung des Christentums stand ihm dieser Weg offen. Um der Erhaltung vom Charakter der jüdischen Mystik. Bon M. Wiener-Stettin. Der Sinn der göttlichen Einwirkung auf den Menschen kommt in seiner eigenen, von irdischen Eindrücken geschiedenen Art höchst merkwürdig in jener Einsicht des gläubigen Herzens zum Ausdruck, welcher die symbolisierende Sprache der Religion die Worte geliehen hat, daß Gott hoch i« Himmel throne, daß ihm aber auch tu unserem Gemüte »tue Stätte berettet sei. Diese Formel ist gewiß weniger eine bildliche Einkleidung des theologischen Gedankens von der Allgogenwart des höchsten Wesens, als sie in der bewußten Gegenüberstellung des zugleich fernen und nahen GotteS die Wahrnehmung beschreibt, daß das, was ich in mir klar als die Einwohnung göttlichen Seins empfinde, zugleich das mich uud alles Begrenzte in schrankenloser Weite üverhöhende Unendliche des göttlichen Wesens ist. Nicht als das Ergebnis etwelchen logischen, auf den Wegen verstandesmützigen Suchenhtnschreitenöen Schluffes, sondern als die Ein- Äg eines unmittelbar gewissen, eben des religiösen 18 lebt in mir oie Erfahrung, daß gerade in der Beschränktheit meines Ich das Un-Endliche der Gottheit, in der ohnmächtigen Kleinheit, in der offenkundigen Geschöpflichkeit des Menschen nur die Spur des unendlichen Schöpfers eingegraben sei. Das Gütliche muß tm Menschen, ich mntz mir meiner als einer Offenbarung des absolut wirklichen, heiligen Wesens bewußt sein,- aber in demselben Akt bricht daS Jnnewerden einer unendlichen, vollkommenen, heiligen Realität in meiner Seele durch und zieht die Grenze zwischen dem nahen und dem fernen Gott. Man könnte nach dem Verlauf dieser Grenze als wichtigstem Merkmal der Charakterisierung die verschiedenen Arten schildern, in denen der Mensch sein Verhältnis zu Gott aufzufaffen vermag. Die Majestät des Unendlichen, das ehrfurchtsvolle Erschauern vor dem in grenzenloser Fülle jenseits der Linien meines Ich verharrenden Gottes, solche Empfindungen find geeignet, tiefste Demut, die Regung wahrhaft selbstvergessender Untertänigkeit und Zerbrochenheit in des Menschen Brust zu erzeugen, wie umgekehrt daS Erlebnis des bei-Gott-Seins den nahen Gott zu dem mir allernächsten Wesen zu machen, mich, den mit dem Unendlichen Erfüllten, zur Unendlichkeit auSzuweiten, den gottoffenbarten Menschen zur unmittelbaren Ausstrahlung, zu einer Entfaltung eben dieses Göttlichen zu erhöhen vermag. Ist Gott mir ferne, dann bin auch ich ihm ferne: aber dem mir nahen Gott bin auch ich nahe, und weilt er bei mir, so ich gewiß auch bei ihm. Aller möglichen Uebergänge und Tönungen ist das ReltgionSbewußtfein innerhalb der so markierten Strecke fähig: Gott — der Vater, der Richter, der Gesetzgeber, der König, der Schöpfer und Weltenherr — und derselbe Gott wieder — Grund, Wesen, Quelle meines Seins, ja diese- Sein selber in seiner Echtheit und wahren Wirklichkeit, vor der jedeandere zur Selbstheit und Eigensucht sich aufblähend, als ein Schatten, als ein Nichts verschwindet,- denn nur in ihm, dem einzig wahren und wirklichen Sei», lebe, atme und bin ich. Nie wird echte Religiösität, im Gegensatz zu mancher mehr oder weniger künstlichen Form der Frömmigkeit, z. B. im Unterschied von dem oft als Religionsersatz auftretenben philosophischen Pantheismus, ihren innersten Sinn soweit vergessen, um die tiefe Kluft zwischen göttlichem uud jeder Art außergöttlichen Seins nicht instinktiv zu fühlen. Und wenn es wahr ist. daß Sein in voller unbedingter Wesensbedeutung nur Gott zukommt, dann sind eben Welt und Mensch einer Sphäre unvollkommener schwacher Realität eingepflanzt: und der Funke wahrhafter Wirklichkeit blitzt ihrer Erkenntnis nur auf in der Ahnung heiliger Vollendung jenseits ihrer Schranken. Aber bei all dem. was der schlichten Selbstbesinnung des religiösen Gemütes unmittelbar aufleuchtet. bewirken eine gleichsam verschiedene Dosierung des berührten Fern-Nähegefühls und eine mannigfache Lagerung seiner Elemente wie ein wechselndes Fluten seiner Wellen, daß. bei inniger Einschmiegung in der Gottheit Allsein und Allwirksamkett, der Mensch in seiner ganzen Lebendigkeit sich von dem großen, starken Strome des in Wahrheit allein wirklichen Lebens getragen weiß. Sein persönliches Daseinsgesühl, die Kraft seiner relativen Selbständigkeit, der Trotz seines Ich: sie verblassen vor der Unendlichkeit und Stärke des göttlichen Du, dessen mächtiges Licht schließlich den schwachen Schein menschlichen Eigenseins überstrahlt, ihn erlöschen macht — aber nicht zu Dunkel, sondern zur Helligkeit in der einen göttlichen Leuchtkraft. Noch weiß der Mensch von sich, er weiß sogar von sich als einem der Gottheit gegenüberstrehendem. von ihr zu sonderndem Etwas. Aber das Ick ist aus dem W e ge. sein Ich zu verlieren, im Du zu verschwinden: oder — wie man von der anderen Seite her auch sagen kann — das göttliche Du droht, das kleine Ich vollends in sich aufzuheben, zum einigen, allbefaffenbeu groben Ich zu werden. Ist dieses Ziel erreicht, bann ist individuell persönliches Leben, damit aber auch das Suchen nach Gott, also Frömmigkeit in einer unS allein verständlichen Bedeutung, ausgetilgt. Mit dieser aber, mit dem Zustande der ihrer selbst immer wieder bewußt bleibenden Persönlichkeit des relativ eigenständigen Menschen haben wir es allein zu schaffen; also nicht mit einem unmittelbaren und restlosen Drinnensein in Gott, sondern allein mit dem Weg zu ihm. Wo die gläubige Seele sich zu diesem Wege in der eben geschilderten Wer.se anschickt, wo sie freudig aufgeschlossenen Herzens sich dem Schicksal hinbeu-at. von dem unendlichen heiligen Geiste erfüllt zu sein, so fest gepackt. so völlig überwunden. daß der ganze Spielraum des Ich nur eben noch dazu ausreicht, um selig die eigene Niederlage und Gottes Triumph zu erkennen, da dürfen wir von Mystik reden. Ihre Sour fehlt keiner Art von ernsthafter aufrichtiger Gottgläubigkeit: aber zur herrschenden und alle andern religiösen Einsichten und Motivierungen überflügelnden Macht wird sie doch nur da. wo das Gefühl der allgegenwärtigen Wirksamkeit Gottes den Eigenwillen und die Selbstbehauptung mehr oder weniger vollständig verdrängt. Die Religion der Tora, welche in strengster Weise Gottes Wesen von der Natur der Welt und des Menschen scheidet. AUSSTELLU NG: UNTER DEN LINDEN 3 WERK: REINICKENDORF AUTOMOBIL. UND KAROSSERIEFABRIK A. G,

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