Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 5 (14.3.1924)
- Date
- 1924-03-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Die religiöse Bedeutung der Feiertage. Von Rabbiner Dr. A l b e r t Wolf. Dresden. Die nach der religiösen Bedeutung der Feiertage weist auf die umfassendere Frage der Bedeutung -er Religion für Len modernen Menschen hin. Um eine Einzelerscheinung des religiösen Lebens deuten zu können, mutz man sich zuvor über den Sinn des religiösen Lebens überhaupt im klaren sein. Um zur Beantwortung der Frage nach Sinn und Bedeutung der Religion zu gelangen, stellen wir die Frage nach den Quellen des religiösen Denkens und Erlebens. In der Hauptsache dürften es drei Quellen sein, aus denen religiöses Denken und Leben des modernen Menschen seinen Ursprung nimmt. Für das religiöse Leben des Judentums tritt stark befruchtend eine vierte Quelle hinzu. Das Vergingen nach einer Erklärung des Seins und des Inhaltes unseres Lebens, die Frage nach dem Warum und Wozu aller Dinge ist die eine Quelle, aus der das religiöse Leben seine Nahrung schöpft. Religion ist in dieser Hinsicht Weltanschauung. Auch wenn es keine Religionen gäbe, wüßten sich die Menschen mit den Fragen beschäftigen, ob es einen Gott gibt, ob das Weltgeschehen auf Zufall oder auf planvoller Absicht beruht, ob eine höhere Macht vorhanden ist, die dem Tun und Wollen der Menschen ein Ziel vorschrcibt und dadurch ihrem Dasein einen Sinn verleiht. Religion ist die bejahende Antwort aus diese Fragen, während andererseits sich eine Weltanschauung denken läßt, die eine verneinende Antwort gibt. So ergibt sich als Verhältnis zwischen Weltanschauung und Religion das folgende: Die Forderung nach einer Weltanschauung lebt in jedem denkenden Menschen. Religion ist die positive Antwort auf diese Fragen, ist eine bejahende Weltanschauung, während z. B. eine konsequente materialistische Weltauffassung als Weltanschauung verneinend ist und das Gegenteil von Religion bedeutet. Die Tatsache, daß eine letzte Antwort aus die Fragen der Weltanschauung im Sinne eines mathematisch als gültig beweisbaren Weltbildes nicht möglich ist, hat manche Denker veranlaßt, diese Fräsen überhaupt zurückzustellen. Nur daraus komme es letzten Endes an. zu wissen, welches die rechte Art zu handeln sei. Was soll ich tun. um mein menschliches Sein sinnvoll zu gestalten? Diese Frage der Ethik wird zur obersten Frage aller menschlichen Probleme. Aber gleichgültig, ob dies die Frage des Menschen schlechthin, oder ob sie anderen Problemen neben- oder untergeordnet ist: die ethische Frage erfüllt jeden Menschen und will eine Lösung. Was ist gut. und hat es einen Sinn, gut zu fein? Das Problem ist ebenso wenig mathematisch lösbar wie das der Weltanschauung. Ja, ließe sich hier noch eine naturwissenschaftliche Lösung vorstellen, so schließt die Ethik ganz und gar eine solche Beantwortung aus und weist ans den Glauben als Grund des ethischen Handelns hin. Wieder bedeutet die Religion die positive Antwort. Es gibt auch eine sogenannte religionslose Ethik. Aber mit gutem Rechte kann man eine solche eine negative Ethik nennen. Denn wenn das sittliche Handeln nicht seine Begründung erfährt in eitteiü heiligen Willen Gottes und in einem sinnvollen Weltenplane, dann ist die Ethik selber ohne Ziel und ohne Sinn. So fordert das menschliche Denken die Religion als Ergänzung unserer Anschauung über die Dinge der Welt, und unser sittlicher Wille erhält durch die Relmion seine Rechtfertigung. Verstand und Wille sind aber nicht die einzigen Kräfte unseres Seelenlebens. Sie finden ihre Ergänzung in Vorgängen uüseres Gefühlslebens. Viel zu wenig werden die Bedürfnisse unseres Gemütes beachtet. Die Kunst ist nur eine der Möglichkeiten, dem Gefühl das Seintge zu geben. Wir haben nicht nur vier Zeichen am Wege. Bon Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal. Veuthen O.-Schl. % Alle Reliaion hat den Zweck, uns Wegweiser an errichten, öamit wir die sonnigen Höben wahrer Gotteserkenntnis erklimmen können. Aus der Fülle der Mittel, die uns diesem Hochziel nähervrinaen. wollen wir heute einige hervorheben. Sie sind aktuell: denn vier ausgezeichnete Sabbathe, die uns auf Purrm und Passah vorbereiten und uns diesen Festen zugrunde llegende Gedanken sittlicher Freiheit künden, geben uns vier Wegweiser in die Hand. Zwei dieser Sabbathe lenken auf Purim hin: Sabbatb Schekalrm und Sabbath Sochaur. — Was lehrt uns Sabbath Dchekalim? In dem besonderen Thoraabschnitt für diesen Sabbath Exodus 30.11—16 erffefti öit reieit in Israel die Aufforderung, einen halben Schekel als ..Lösegeld der Seele" seinem Gott zu weihen. Arm und Reich sollten den gleichen Tribut entrichten. Aber der halbe Schekel war berechnet nach dem Maststab des Seilrgen Schekels (irouitö 30, 13, and darin liegt etwas Beglückendes und Sohettsvvlles. In heiligen Dingen können wir nur Halbes leisten und sollen zum Ganzen streben. Wer als „Ebenbild Gottes" Pflichten zu erfüllen hat. die allen Volksklaffen obliegen und den Adel des Herzens betonen, nimmt Rechte h ö h e r e r Art für sich in Anspruch, und dieses Recht ist das Recht der sittlichen Persönlichkeit. Wer eine sittliche Persönlichkeit ist. spendet seinen Schekel richtig und versteht die Welt, die uns Sabbath Sochaur erlchltistt. Die Schrrftsielle dieses Sabbaths Deuteron. 25. 17—19 erzählt von Amalek. dessen Urenkel Haman war. und warnt vor Schlaffheit und Müdigkeit und Abweichen vom Wege Gottes. Denn AmalekS und Haman3 konnten nur erstehen, weil strafbarer Indifferentismus die indische Gedankenwelt zersetzte. Bon alten Zeiten tönt daher in unsere Tage hinein die Mahnung, endlich die Einigkeit luder i ü d t s ch e n Gemeinschaft zu erstreben und zu ver- Nur ö i e Iudenhcit. die durchdrungen ist von der Wichtigkeit solcher Ziele, verdient Purim zu feiern, das uns nach Besinnung der damaligen Juden auf sich selbst die „Lose" aünstia warf. Die zweite Gruppe der Sabbathe trägt die Namen „Pürah" und „Hachandesch*. S'e bereiten in unserer Seele daS Peßachsest vor. Peßach befreite uns aus den Banden geistiger Knechtschaft, feierte schon in alter Zeit, recht verstanden. den Siea der Religion des Lebens über Aegyptens Religion des Totenkultus, den Israel vor sich aeleken batte. das Verlangen nach Schönheit und Kunstgenuß; in uns lebt das Begehren nach Liebe, nach Geborgenheit, nach Gemütlichkeit (in der echten Bedeutung des Wortes). Selbst ein ganz geklärtes Weltbtld. selbst eine völlig sittliche Menschheit könnte uns nicht restlos zufriedensiellen. Wie das Kind sich nur in den Armen der Eltern restlos geborgen fühlt, so haben alle Menschen die Sehnsucht nach der Geborgenheit in der unendlichen Liebe Gottes. Und eine Welt, in der eS nur reines Erkennen und nur sittliches Handeln gäbe, ließe uns dennoch kalt, wenn nicht das Gemüt erwärmt würde durch Dinge, die mit Erkenntnis und Sittlichkeit nichts zu tun haben, die aber, wie z. B. die Innigkeit des Familienlebens, erst den Grundton glücklicher Zufriedenheit in unser Dasein bringen. Und auch da ist es wieder die Religion, die diesem Bedürfnis der Menschen entgegenkommt und Weihe und gemütvolle Stimmung ins Leben hineinbringt. Eine vierte Quelle religiösen Levens entspringt uns aus unserem Judentum selbst. Es ist der ganze Komplex religiöser Empfindungen, die wir kurz unter dem Sammelnamen Pietät zusammenfassen wollen. Die Achtung vor dem, was dem Vater heiltg war. die Ehrerbietung vor der Vergangenheit des Judentums, die Liebe zu den Gewohnheiten. Bräuchen und Anschauungen der Kindheit, das Bewußtsein unserer Abstammung, der Stolz auf unsere Geschichte, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Gedanke. Erbe und Träger eines großen Kulturgedankens zu sein, das alles hält uns am Judentum und zwingt unseren Geist zur Beschäftigung mit religiösen Fragen und macht uns religiöse Betätigung in irgendwelcher Art fast unentbehrlich. Jede Erscheinung, die nach ihrer Bedeutung für die Religion bewertet werden soll, muß in Beziehung gesetzt werden zu diesen vier Quellen des religiösen Lebens. Die Frage nach der religiösen Bedeutung der Feiertage löst sich somit in vier Teilfragen auf. Vorwegnehmend darf gesagt werden: Die Religion, fö sie Einfluß auf das Leben gewinnen will, kann auf Mittel wie die Feiertage gar nicht verzichten; denn das Leben des modernen Menschen ist upreligiös, das Leben wenigstens, wie wir es alle Tag^ leben. Es ist unreligiös, weil es erstens so verläuft, als ob keine ewigen Fragen da wären, als ob es kein Werden und Vergehen, keine Geburt und keinen Tod gäbe. Es ist nnveligiös, weil es materialistisch ist und Verleugnung des Gottesgeistes im Menschen ist. Die Feiertage bedeuten einen Widerspruch gegen die Herrschaft des Materiellen über den Menschen. Vom Sabbüth ist gesagt, daß er ein Zeichen ist zwischen Gott und den Menschen, eine Mahnung, daß der Ewige den Himmel und die Erde geschaffen; und am siebenten Tage hat Gott geruht, auf daß auch die Menschen von ihrer Arbeit ausruhen und sich erinnern, daß ein Gott ist. der die Welt geschaffen hat, und dem wir auch unsere Arbeit weihen sollen. Die Feiertage sind uns ein Hinweis auf den Urgrund aller Dinae, sind ein Protest gegen die Mechanisierung unseres Lebens, und sie erinnern daran, daß ein Geist in uns lebt, der zu Höherem geschaffen ist als zum Berechnen der besten Erwerbsmöglichleiten. Aus Arbeitstieren wollen die Feiertage uns zu Menschen machen. Darum liegt ihre zweite Bedeutung in dem Hinweis auf unsere sittliche Bestimmung ald Menschen. Denn das Leben ist zum andern unreligiös, weil es unsittlich ist, weil unser Leben vom Egoismus beherrscht ist, weil im Erwerbsleben unserer Tage bas gut cenannt wird, was vorteilhaft ist, weil das Bewußtsein der Verbundenheit und der Verantwortlichkeit der Menschen daraus entschwunden ist. Am Sabbath sollen wir selbst des Sklaven gedenken und, eingedenk seines Menschenrechtes, ihm Ruhe gönnen, daß auch seine Seele nicht verkomme. Und die aeschicht« lichen Feiertage, die wir begehen, lassen uns Gotte- Weltenplan sehen. Pehach erzählt uns, wte noch'so starke Macht den Geist nicht überwältigen kann; am Mt der Offenbarung werden wir daran erinnert, daß daS Sittengefetz am Sinai, das Gesetz der Liebe Israel Lebenskraft gegeben hat für alle Zeiten; Chanukkah und Purim erzählen vom Sieg des Rechts über den Haß und über brutalen Bernichtungswillen. Unkeine stärkere Mahnung zum Rechten und zum Guten gibt es für den Juden als die Sprache der Feste Rosch Haschonoh und Jom Hakkipurim. Aber unsittlich und unreliaiös ist unser Leben zumal üärum, weil e8 ungemütlich, weil eS ohne Gemüt und ohne Gefühlswerte ist. Der Mensch, der keine anderen Lebenswerte kennt als Geld und Gut. muß ja im Materialismus versinken und muß egoistisch ununsittlich werden. Nur ein Mensch, der noch andere Quellen des Glückes kennt, vermag die Habgier zu überwinden, kann sich zu sittlichem Leben, zu wahrem Gottesdienst erheben. Eine Religion, die bestimmenden Einfluß auf das Leben haben will, darf gerade dieses Moment nicht vernachlässigen. Darum kann keine Religion auf Formen und Bräuche verzichten, die in unser Leben Schönheit und Weihe bringen, die es durch gemütsvolle Stunden bereichern. Solcher Gemütswerte bieten unsere Feiertage in ihren Zeremonien. in ihren schönen Sitten und Bräuchen eine reiche Fülle. Durch sie lehren uns unsere Feiertage ein Glück, zu dem uns kein Geld und Gut, kein noch so erfolgreicher Alltag verhelfen kann. Die Lichter an den Abenden.des Sabbaths und der Feiertage, die Familie, die am Feiertage um den festlich gedeckten Tisch sich versammelt, die religiösen Gesänge, dje solchem Beisammensein heilige Weihe geben, der Zauber der Sederabende, die Schönheit des Feststraußes, das stille Glück in der Laubhütte, in all dem liegt mehr ethischer Wert und religiöse Weihe, als durch irgendwelche andere Mittel hervorgerufen werden könnte. Auf daß religiöses Leben wirklich vorhanden sei, muß zu religiöser Erkenntnis und zu sittlichem Wollen die Bereicherung unseres Lebens durch gemütsanregende Bräuche hinzutreten. Dazu sind die Feiertage in erster Reihe geeignet. Unsere Formen und Bräuche erhalten für uns eine besondere Note, weil sie unser jüdisches Empfinden mit befriedigen; denn auch das tut uns not. Nicht zum wenigsten Schuld an der Verringerung der religiösen Inbrunst des modernen Juden trägt der Mangel an Iüöischkeit. Unser Leben ist zum letzten unreligiös, weil es unsttdisch ist. Im Leben fehlt jede Beziehung zu unserem jüdischen Sein, zu unserer Herkunft und zu unserer Lehre. Der Kamps ums Dasein läßt es sogar oft ratsam erscheinen, fein Judentum zu verleugnen. Und auch hier sollen die Feiertage gut machen, was der Alltag verdirbt! Die Feiertage erzählen uns von unserer Vergangenheit, führen uns in unsere Lehre, bringen uns der jüdischen Gedankenwelt wieder näher. Sie wecken in uns den Stolz auf unsere Vergangenheit und mahnen uns an unsere Pflicht. Hüter unserer alten Heiligtümer zu sein. Das Leben ist unreligiös; unsere Feiertage sind die Träger des Restes von religiösem Leben, das uns „modernen" Menschen noch geblieben ist. Ohne sie gin^e auch dieser Rest spurlos im Alltag unter. Und wenn unser ganzes Leben zum Alltag würde, dann wäre unser Menschentum untergegangen. Religiöse Erkenntnis fördern, den sittlichen Willen stärken, das Leben durch gemütvolle Werte bereichern, unsere Liebe zum Iudentume wecken, das wollen und sollen unsere Feste. Sie sind Mahner und sind zugleich Hüter unseres Menschentums. Und dgrin liegt die religiöse Bedeutung unserer Feiertage. Wenn daher am Sabbatb Parab aus einer besonderen Thorarolle diesem Sabbatb zu Ehren vorgelesen wird von der Asche der roten Kuh Num. 19. 1-22, deren Berühruna nach alter Vorschrift alle Unreinheit von denen zu bannen zu vermochte, die einen Toten berührt hatten, so ist dies eine Erinneruna an Aegypten: die Kuh war rot. und rot mar die Farbe des ägyptischen Fürsten Typhon. der die Macht deö Bösen und des Todes symbolisierte. — Zu wahrer Freiheit konnte Israel nur dadurch erzogen werden, daß es die Erinnerung an das Tote und Erstarrende ägyptischer Sklaverei verdrängte und dem jüdischen Gedanken lebendiger Ent. Wickelung Platz machte. Das ist der Sinn von Sa-obath Parah. Sind erst die Hinderniffe beseitigt, die eine Verwirklichuna von Idealen des Rechts der sittlich freien Persönlichkeit. der Einigkett in der Gemeinde und der Entwicklung in der Religion hemmen, dann können wir ermessen, was der letzte der vier aeoßen Sabbathe uns offenbaren will: Sabbath Hachandesch verherrlicht in seinem Schriftwort Exodus 12. 1—20 die Idee des indischen Familiensinns, jener Innigkeit, die Eltern und Kinder mit dem für die jüdische Gemeinschaft so charakteristischen Glauben seelenvoller Pietät und Liebe erfüllt. Gebt Israel in Wirklichkeit diesen vierteiligen Weg? Die Zukunft kann nur glückverheißend werden, wenn wir das „Peßach Aegyptens" abstreifen. auf daß uns das Peßach messianischer Lage seine paradiesischen Tore öffne. Vom Sakralbau der Juden. Bon Pros. Dr.-Ina. Alfred Grotte. VreSlau. Alle Kulturvölker der Erde äußerten ihren Bauwillen in erster Linie durch Erstellung von Monumentalbauten kür ihre Götter. Diele sind der Ausbau einer nationalen Kultur, und die Architekten dieser Bauten sind Männer deS eigenen Volkes, die dessen alte Kultur im Stein verewigen und Denkmäler schaffen, die uns Technik. Kunst und Religion der Nation überliefert haben. Alle Völker. mit Ausnahme der Indem — Man hat die» bvswilligerweiie damit in Zusammenhang gekracht, daß die monotheistische Lehre Israels an sich „kunstfeindlich" sei. Aber man über, sah. daß das alt« Hirtenvolk, als es endlich politisch ge. nügend aefestigt war. um zum Baue seines Tempels zu schreiten, über eine verhältnismäßig junge Kultur verfügte und daß die wenigen Jahrhunderte seiner Seßhaftigkeit im heiligen Lande, zu dessen Eroberung und Sicherstellung «Min waren und kaum Zeit lieben, eine nationale Kunst zur Reise zu bringen. So erklärt eS sich, daß Salomvh. als er den Sollen seines königlichen Vaters erfüllte, sich völlig einem Bauvorhaben geaenüberacstellt sah. zu dessen Ausführung ei aus seinem Volke wohl Fronarbeiter, aber kein« Künstler zu.stellen vermochte. Solche ausreisen zu lassen, war. wie gesagt, am kriegerisch und agrarisch geschulten Volke in den wenigen Jahrhunderten seiner Seßhaftigkeit nickt möglich gewesen. So entstand der Temvel nach dem Vorbilde heidnischer Götzen! auten . Phöniziscbe Meister schassen ihn und seine kunstgewerbliche Ausstattung. Selbst die Bundeslade bleibt von heidnischem Dekor nicht verschont: ägyptische Ornamentik wird zur Ausschmückung der heiligen Räume herangezogen. Das Aeußere. dem man ein eigentliches architektonisches Gewand nicht zu geben vermochte, wird nach barbarischem Geschmack mit eitel Gold überzogen. Alles in allem ein Bauwerk in majestätischen Formen, prunkvoll in seiner Höhenlage das Stadtblld beherrschend, aber in keiner Weise — wenigstens äußerlich nickt — den Gedanken des Monotheismus ausdrückend, zu dessen Propagierung sich Israel berufen fühlte. Als fast ein Jahrtausend später Herodes der Große aus dem mittlerweile baufällig gewordenen, wiederholt-in entstellender Weise umgebauten Heiligtum seinen grandiosen Teuwelbau erstehen läßt, hat sich in national-künstlerischer Beziehung kaum etwas verändert. Unglückliche Kriege, innere, schwere Unruhen, unstete Politik machten auch innerhalb dieses langen Zeitraumes jedes Ausreisen aus-- keimenden Künstlertums zur Unmöglichkeit. Und so wiederholt sich das gleiche Schauspiel: Nichtiüdische. hellenistische Künstler leiten den Bau der bis ins kleinste Detail die Formen Roms ausweiit. in seinen Hallen. Säulen usw. die Architektur der Temvel der ewigen Stadt nachahmend. Als Clerwont-Eanneau vor Jahrzehnten einen Stein auf dem Tempciberg fand, der als „Warnunastzn'el" das Verbot enthält. di« für Nichliuden gezogene Schranke zu überschreiten, fand er diese Inschrift in — arrechischer Svrache. Es liefert uns also dieses einzige erhaltene Baufragment erst reckt den Beweis für die völlig im Bann« des Hellenismus stehende Kultur Israels, jener hellenistücken Kulmr. die der da-> maligen Welt allenthalben ihren Stempel aufgedrückt hatte und neben der eine eigene indische Kultur völlig unmöglich war: ebenso wie viele Jahrhunderte später die höfische Kulmr deS „Sonnenkönigs" für Europa tonangebend geil orden war. - Unter dem Banne des HellentsmuS entstanden etwa 200 Jahre später die Synagogen in Galiläa. Auch hier die Formen der absterbenden klassischen Kunst. Römische Meister sind am Werk: sie verwenden die ihnen geläufigen Formen und das Bauschema der heidnischen Tempel des