Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 2 (2.2.1924)
- Date
- 1924-02-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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\ hinausgeht, ist die Erforschung der Realien in Bibel und Talmud. Sein Hauptwerk ist „Die Flora des Juden". Gegenwärtig arbeitet er an einem Seitenstück zu diesem Werk, welches „Die Fauna der Juden" betitelt sein wird. . Rabbiner Löw war vor einigen Jahren zur Zeit der Hochflut des Pogromantisemitismus in Ungarn unter der Beschuldigung des Hochverrats verhaftet und, obgleich sein ungarischer Patriotismus bis dahin allgemein anerkannt war, lange Zeit in Haft gehalten. Erst nach langwierigen Bemühungen hervorragender ungarischer Persönlichkeiten war Löw, dessen volllommcne Unschuld inzwischen festgestcP war, wieder freigelassen worden. ' Die ungarische Regierung Witt einen jüdischen Kongretz. Budapest (I. T. A.). In Kreisen der ungarischen Negierung wird jetzt ein Plan erwogen, einen Kongreß der Juden Ungarns einzuberufen, in welchem Orthodoxe und Neologen zusammen verhandeln sollten. Die ungarische Regierung wünscht die Schaffung einheitlicher jüdischer Gemeinden. In Kreisen der Neologen steht man diesen Regieruugsbestrebungen ablehnend gegenüber, indem eine Einmischung in die inneren jüdischen Angelegenheiten nicht gewünscht wird. Aus orthodoxen Kreisen liegt bis jetzt noch keine Aeußerung vor. 22 479 Juden in einem Vierteljahr in Amerika eingewandert. Washington (I. T. A.). Seit Anfang Juli bis Ende September 1923 'sind laut den Mitteilungen der eben erschienenen offiziellen „Labour-Rcview" 22 479 jüdische Emigranten in Amerika cingetroffcn. In der gleichen Zeit wanderten etwa 50 jüdische Emigranten wieder aus. Es wird festgestellt, daß die Zahl der jüdiscl)en Rllckivanderer im Vergleich zu arrdcrcn Nationen äußerst minimal ist. Aus der Bewegung. Reiseeindrücke aus Schlesien. Bevor wir die Berichte unserer einzelnen Ortsgruppen über die Reise, die mich um die Jahreswende durch Schlesien führte, bringen, will ich in kurzem Abriß den Erfolg der Reise darstellen. Ich will keine chronologische Schilderung geben. Nur muß ich vorerst meinem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß die enormen Schneeverwehungen meine Reise nach Oberschlesicn verhinderten, um so bedauerlicher, als ich in Ratibor einen größeren Vortrag angesetzt hatte. Hier gilt es nun, das Fazit zu ziehen, und bis auf diesen Ausfall kann ich mit gutem Gewissen sagen, daß der Erfolg überall ein guter war, ja, daß er meine Erwartungen stark übertroffcn hat. Die allgemeine Ansicht, daß die Jetztzeit für unsere Bestrebungen denkbar ungünstig sei, ist von unseren schlesischen Freunden glänzend widerlegt worden; die nachfolgenden Einzclberichte, die uns leider erst zum Teil vorlicgcn, bringen die Tatsachen; der Geist, der all diese Veranstaltungen erfüllte, war ein lebendiger, jüdischer. Das religiöse Gefühl ist fast überall erstarkt, es zu lebendigem Leben zu wecken, ihm die Kraft zu seiner Ausgestaltung in Form und Sinn zu geben, hatte ich mir als höchste Aufgabe gestellt; nur nebenher liefen die organisatorischen Aufgaben; wenn ich auch in ihnen einen vollen Erfolg buchen konnte, so ist das für unsere Bewegung sicherlich von größtem Werte. Aber weit wertvoller, weil wertvoll nicht nur für die Bewegung, sondern für unser Judentum, war der ideelle Erfolg. Nur des Anstoßes bedurfte es, um fast überall ein warmes Echo zu finden. Der Geist des Judentums, der Geist unserer Väter lebt und webt im heutigen Judentum, ihn von der harten Schale zu befreien, ihn zu lebendigem religiösem Leben zu verhelfen, ist unsere höchste Aufgabe. In Schlesien glaube ich, auf dieser Reise einen Schritt, und vielleicht etilen recht großen, vorwärts gemacht zu haben. Es wird Sache unserer Anhänger sein, den entzündeten Funken zu großem, warmem und leuchtenden Feuer werden zu lassen! E. Dickmann. Oppeln. Am 3. d. M. tagte in Oppeln eine Versammlung der Gemeindemitglieder, unt einen: Vortrag des Herrn Rabbiner Dr Vogelstcinmitgliedcr, um einem Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein- Breslau über „Lebendiges Judentum" zu lauschen. Der Abend wurde eröffnet durch eine Ansprache des Vertrauensmannes der liberalen Vereinigung, Sanitätsrat Dr. Schlesinger. Mit herzlichen Worten begrüßte er den Vortragenden, der als erster Nachfolger Adolf Wieners, des liberalen Vertreters der älteren liberalen Epoche, die neue Epoche einlcitete mit demselben Kampfesmut, aber nicht nur, um zu kämpfen, sondern um zu überzeugen. Wiener hätte ein ruhiges, kampfloses Alter genießen können, aber seine Ucberzeugung, daß etwas zur Hebung des Judentums geschehen müsse, ließ ihm keine Ruhe. E s war die Zeit, da einerseits die Gebildeten sich von dem religiösen Leben entfernten, weil ihnen im Gottesdienst nichts geboten wurde, was ihrer auf Ueberlegung beruhenden Ueberzeugung hätte genügen können, andererseits, weil gefährliche Gleichgültigkeit eintrat. Nicht alle, die damals dem Judentum den Rücken wendeten, taten es aus materiellen Gründen, bei c;ar manchem war die Ursache die Unzufriedenheit mit dem, was das Judentum ihm bot. Da erklang Wieners Wort, daß der „Heilige Geist" nicht im Mittelalter ausgcstorbcn sei, daß, wie im Mittelalter die gelehrten Juden^ihr Judentum nach den damaligen Anschauungen einrichteten, auch wir das Recht haben müssen, Gottesdienst und Gebräuche nach unseren Sitten, nach unseren Anschauungen zu gestalten. Auf diesem Boden arbeiteten Vogelstcin und seine Nachfolger im Oppelner Scclsorgeramt weiter. Wir haben in Oppeln einen Gottesdienst, der fast allen liberalen Anforderungen gerecht tvird, aber wir Liberalen müssen uns trotzdem noch mehr zusammenschließen, um dem liberalen Gedanken überall zum Siege mitzuverhclfen. In diesem Sinne begrüßte er den Redner. Dieser behandelte dann das Thema „Lebendiges Judentum" in überaus packender, die Hörer bis zum Schluß fesselnder, vornehmer, niemanden verletzender Weise. Reicher Beifall lohnte den beliebten Redner. Generalsekretär Dickmann setzte das Wesen des liberalen Judentums weiter auseinander. Auch er betonte, daß das liberale Judentum jedem seine wahre Ueberzeugung lasse, daß es auf Altem ausbane. In einer nicht allzu langen Diskussion wurde nur die Frage erörtert, ob cs notwendig sei, einen „Verein" zu gründen, um die vorgeschlagenen Anschauungen in die Tat umznsetzen, ob man die Frage, ob „liberal", ob „orthodox" der Erörterung in den Familien überlassen müsse. Es gelang dem Redner des Abends, Herrn Dr. Vogelstein, leicht, die wenigen Angriffe zurückzuwcisen. Das Resultat svar die Gründung der Ortsgruppe mit einer vorläufigen Zahl von 30 Mitgliedern. Ramsla«. Sonntag, 30. Dez. 1923 fand in Namslau ein gut besuchter Vortrag statt, den Herr Generalsekretär D i ck m a n n hielt. Durch seine eingehenden Darlegungen über die Ziele des Vereins, und seine überzeugenden Worte für die Ideen des Jungliberalismus wurde die Ortsgruppe erneuert und ein neuer Vorstand gewählt. Es sollen durch Vorträge von auswärtigen Rednern und durch Feiern von Freitag? abendcn dem Vercinslcben Anregung gebracht werden. * Halle a. S. Die hiesige Ortsgruppe der Vereinigung für das ihre Tätigkeit wieder ausgenommen. Der Vorsitzende, Sanitätsrat Dr. .liberale Judentum hat am 10. Januar mit einer sehr gut besuchten Versammlung — es waren etwa 150 Damen und Herren erschienen — Oppenheimer, cröffncte die Versammlung mit dem Hinweis darauf, daß von dieser Gegend Mitteldeutschlands her, von dem benachbarten Dessau, der Mann ausgegangen ist, in dem das moderne Judentuin und damit die liberale Bewegung den Ursprung hat: Moses Mendelssohn. Diesen Traditionen solle und wolle Halle treubleibcn. Rabbiner Dr. Vogelstein skizzierte darauf in einem cinstündigcn, beifällig aufgenommenen Vortrag die Grundzüge des religiösen Liberalismus im Judentum. Er lehnte die Darstellung ab, wir seien zuerst Juden und dann erst liberal, bczeichncte vielmehr die liberale Bewegung als eine bestimmte, von unserem Wesen nicht zu trennende Ansü-auung des Judentums. Er wies sodann die Identifizierung des religiösen mit dem politischen oder Verwaltungslibcralismus zurück, lehnte nachdrücklich das Zusammcnwcrfen des Liberalismus mit Jndifferentisinus oder gar Feindseligkeit gegen die Religion ab und wandte sich mit aller Entschiedenheit gegen die Auffassung, als sei Liberalismus ein minderwertiges Judentum, während das echte vollberechtigte Judentum die Orthodoxie sei. Ohne die subj ktioc Berechtigung auch der Orthodoxie zu bestreiten, suchte er den Nachweis zu führen, daß die liberale Anschauung dem Judentum objektiv gerecht wird. Er zeigte, daß das Problem des religiösen Lebens sich in Stcinthals Wort fassen laste, daß die Wahrheit der Idee zur wahrhaften Wirklichkeit werde. Er wies die Lösungsversuche zurück, die entweder kritiklose und bedingungslose Unterwerfung unter He Religion oder uneingeschränkte Ucbcrnahme des Judentums, so wie es uns überliefert ist, fordere, oder den Oucrschnilt durch das Judentum der Gegenwatt als Maßstab nehmen und schließlich einzig und allein die Forderungen und Wünsche der Gegewvart gelten lassen wollen. Der Liberalismus fasse das Problem geschichtlich an. Nichts aus der ganzen geschichtlichen Entwicklung des Judentums, auch nicht die Phasen, die wir für ungünsttg halten, wollen wir gestrichen sehen. Wie alles Lebendige, so sei auch die Religion aus eigenem und stetigem Wesen in stetiger Entwicklung begriffen; diese Entwicklung aber müsse stets aus religiöser Innerlichkeit und Begeisterung geboren lein. Er griff ein paar charakteristisch geschichtliche Beispiele heraus, die Prophetie und vor allem den Pharisäismus, der die Forderung des allgemeinen Pttestcrtums ganz Israels zu verwirklichen und so den Unterschied zwischen Pttcster und Volk aufzuheben suchte. So sei der Pharisäismus aus dem Prinzip der Entwicklung heraus zu einer Fülle von Formen gekommen. Der moderne Mensch sei anders als der antike und mittclaltrige, der moderne Jude anders als der Ghettojude, die Religion aber, das Judentum der Väter, solle und müsse lebendig gehalten werden für Gegenwart und Zukunft. Wohl sei die Uebcrfülle an Formen wie im Judentum des Mittelalters nicht fcstzuhalten, aber der Liberalismus bestehe nicht im Ab schassen der Formen. Kritikloses Festhalten aller Fornien sei ebenso ein Zeichen der Unfreiheit, wie kritiklose Beseitigung aller Formen. Wir stehen dadurch dem Formproblem frei mit dem vollen Bewußtsein der Verantwortung gegenüber. Das Wesentliche ist, wie Geiger cs ausgedrückt hat, die Reform der Ansck)anung. So wolle der Liberalismus die alte Religion lebendig erhalten und das Judentum wieder fest in den Seelen verankern. — Eine Diskussion fand nicht statt, mit einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden, der zu reger Mitarbeit anfforoerte, schloß die Versammlung, in der zahlreiche Anwesende ihren Beittitt zur Ortsgruppe erklärten. Danzig. Die hiesige Zionistische Organisation hatte zum 3. 1. eine große Volksversammlung einberufen, in der bekannte Zionistenführcr Dr. Schmarjahu Levin über „Die drei Hauptströmungcn im Judentum" sprach. Er unlersclfted die orthodoxe Richtung, die unter Verzicht auf Gegcmvart und Zukunft nur in der Vergangenheit des Judentums lebe, den Liberalismus, der unter Verleugnung der Vergangenheit nur matettclle Gegcnwartszi.le verfolge, und den Zionismus, der, auf der Vergangenheit fußend, Zukunft und neue Blüte des Judentums ausbane. Gegenüber den abfälligen Aeußcrungen des Redners über den Liberalismus wies unser Danziger Vertrauensmann, Herr Goetz, in der Diskussion darauf hin, daß es unwahr sei, zu behaupten, der Liberalismus verleugne die Vergangenheit d:s Judentums. Das Gegenteil sei der Fall. Der Liberalismus wolle gerade die großen, in der Vergangenheit geborenen Ideen des Judentums für oie Gegenwart und Zukunft des Judentums und der Menschheit nutzbar machen, indem er beit alten Geist in neue, moderne Formen gieße. Der Zionismus vernachlässige gerade das Wesentliche des Judentums, seine weltumfassende geistige und sittliche Idee, und mühe sich allzu sehr ■ um materielle Ziele. Diese Ausführungen verfehlten nicht ihre Wirkung auf das zahlreiche Publikum und schienen Herrn Dr. Levin sehr unangenehm zu sein, denn er verließ in seiner Entgegnung das sonst beachtliche Niveau seiner Rede und wurde unsachlich und ausfallend. K. Liberaler Verein s. d. Angelegenheiten d. jüd. Gern. z. Berlin, Die Ortsgruppe Norden des liber. Vereins hielt ihre 1. Versammlung des Jahres am 3. Januar in der Schönhauser Allee 162 ab. Herr Rabbiner Wehl sprach über „Religiöser Liberalismus und voraussctzungslose Wissenschaft". In eingehendem und eindringlichem Vottrage legte er die Stellung dar, die die freie Forschung der Religion gegenüber einzunchmen hat. Vom Standpunkt des religiösen Liberalismus aus hat die Bibel- und Religionssorschung das unbestrittene Recht, alle geschichtlichen Erscheinungen, alle Formen des religiösen Lebens krittsch zu untersuchen, ohne Rücksicht darauf, zu welchen Ergebnissen ihre Untersuchung führt. Doch gibt es in der religiösen Sphäre eine Grenze für die voraussetzungslose Wissenschaft und ihren unbeschränkten Forschungstrieb. Diese ist gesetzt in der Unmöglichkeit, das Urphänomen des Religiösen mit dem Verstände zu erfassen. Vor dem Gottescrlcbnis und seiner Ausstrahlung in das Leben versagt die freie Forschung und muß sie haltmachcu. An die Stelle des Wissens und Forschens tritt hier der Glaube. Wie die Anschauungen des religiösen Liberalismus sich in der Praxis betätigen und bewähren sollen, das führte der 2. Vortragende aus, Herr Repräsentant Moritz Rosen thal. In seinem Vottrag „G e m e i n d c s r a g e n" behandelte er Vettvaltungs- und Fiuanzprobleme, Wahlrechts- und Organisationsfragen, Gottesdienst und Religionsunterricht. Er legte dar, welche Aufgaben in der Gegcnivart der Lösung harren, um die Gemeindemitglieder und den Nachwuchs mit religiösem Gefühl zil erfüllen und die Gemeindepolitik in liberalen Bahnen vorwärts zu führen. Reicher Beifall lohnte beide Vorträge. Herr Lehrer Borchardt berichtete sodann über Art und Wirkung des Freitagabcndsgottesdicnstcsder regelmäßig um 61/2 Uhr in der Synagoge des Auerbachschett Waisenhauses, Schönhauser Allee 162, stattfindct. Welch ein Bedürfnis für diesen Gottesdienst vorhanden ist, zeigt der zahlreiche Besuch und die Andacht, mit der die Betenden daran teilnchmen. — An die drei Vorttäge knüpfte sich eine rege Aussprache, an der sich die Herren Auerbach, Lrwy, Dr. Gottschalk, Salomon, Borchardt, Falkenberg beteiligten. Mancherlei Wünsche über Gcmeindcpolitik und Gottesdienst rvurden ausgesprochen und damit der Arbeit des neuen Jahres neue Wege gewiesen. Am 27. Dezember 1923 fand eine Versammlung der w c st l i ch e n V o r t e des liberalen Vereins in dem Sitzungssaal der Fasanenstraßensynagoge statt. Herr Rechtsanwalt Dr. I. L. S e l i g s o h n sprach über „Religiösen Liberalismus". Die geistvollen, formvollendeten Ausfühnlngcn des Redners fesselten außerordentlich und fanden lebhaften Widerhall. Dann referierte Herr R.-A. Dr. Breslauer über „Gemeindesragen". Der Redner erörterte eingehend die Probleme, die zurzeit die Gemcindevettvaltung beschäftigen, insbesondere die Wahlen zum Vorstand der Gemeinde. — An beide Borträge schloß sich eine lebhafte Anssprache, in der vor allem immer wieder die Hoffnung zum Ausdruck kam, daß mit der Erneuerung des Gcmeindevorstandcs endlich die liberalen Forderungen verwirklicht werden. Warnung. Dom «eichsbund" jüdischer Frontsoldaten werden wir um Abdruck der nachstehenden Warnung gebeten. Der angebliche Automechanikcr Franz Ehrberger wendet sich mit Hilfe gefälschter Papiere vielfach an die Ortsgruppen des Reichsbnndes jüdischer Frontsoldaten, ferner an die Rabbinen der versckiedencn Gemeinden und auch an städtische Behörden, um Unterstützungen zu erlangen. Er hat die Unterschrift eines Vorstandsmitgliedes des R. j. F. gefälscht (Toller). Ferner sich einen Stempel der Ortsgruppe Berlin-S. des R.j.F. selbst anfertigen lassen und hat, zweifellos auch gefälscht, ein Schreiben der Kriegsbcschädigten-Fürsorge der Stadt Berlin als AusweispHncre bei sich. In all diesen gefälschten Schreiben, daß Ehrberger sich angeblich den Haß bestimmter rechtsradikaler Kreise zugczogen hätte und daher flüchten müsse. Vor dem Schwindler wird nachdrücklich gewarnt und gebeten, seine sofortige Festnahme zu veranlassen. t Aus der Jugendbewegung.? s Verantwortlicher Schriftleiter J Ernst Heinrich Seligsohn, Berlin-Grunewald. Z Wünsche der Jugend zur Gottesdienftreform. I. Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß ein so heikles Thema tvie das der Reform unseres Gottesdienstes endlich einmal in. diesen Blättern angeschnitten wird. Vielleicht ist die öffentliche Diskussion hierüber geeignet, Fachleute wie Laien mehr als bisher für diesen Gegenstand zu interessieren, und darüber hinaus, insbesondere ersterc zu veranlassen, posittv in dieser Sache tätig zu sein. In Kürze einige Vorschläge. beschäftigt seien. Die Wirkung dieses göttlichen Planes war, daß die Spreu des Götzendienstes auSgetilgt werde und das wahrhaft große Prinzip unseres Glaubens, das Dasein und die Einheit Gottes, fest begründet werde. Dieses Ergebnis wurde so erreicht, ohne die Seele des Volkes abznschrecken oder zu verwarnen durch die Absck>affung des Dienstes, an den es gewöhnt war und der allein ihm vertraut war. Ich weiß, du wirst im ersten Augenblick diesen Gedanken abweisen und ihn seltsam finden; du wirst mir in deinem Innern folgende Frage vorlcgen: Wie können wir annehmen, daß göttliche Gebote, Verbote und wichtige Handlungen, die ausführlich erklärt werden und für die bestimmte Zeiten festgesetzt, sind, nicht um ihrer selbst willen geboten wären, sondern nur um einer anderen Sache willen; als wären sie nur das Mittel, das er für sein primäres Ziel anwandte? Was hinderte ihn, sein Hauptziel zu einem direkten Gebot für uns zu machen und uns die Fähigkeit zu verleihen, ihm zu gehorchen? Jene Vorsschriften, die deiner Meinung nach nur das Mittel und nicht das Ziel sind, wären dann unnötig. Hör' meine Antwort, die dein Herz von dieser Krankheit heilen wird und dir die Wahrheit dessen zeigen, was ich auseinandcrgesetzt habe. In der Tora kommt eine Stelle vor, die genau denselben Gedanken enthält: „Gott führte sie nicht durch das Land der Philister, obgleich der näher war; denn Gott sagte, damit nicht vielleicht das Volk bereue, wenn cs Ktieg sähe, und nach Aegypten zurückkchre, sondern Gott führte das Volk Harun durch die Wüste des roten Meeres" usw. (Epos 13, 17). Hier führte Gott das Volk herum, weg von dem geraden Wege, den er ursprünglich beabsichtigte, weil er fürchtete, sie könnten auf dem Wege Gefahren begegnen, die für ihre gewöhnliche Kraft zu groß seien; er führte sie einen anderen Weg, um dadurch sein ursprüngliches Ziel zu erreichen. Gleichermaßen wollte Gott nichts vorschreiben, was das Volk seiner natürlichen Anlage nach zu erfüllen nicht imstande war, und gab die obenerwähnten Gebote, um sein Hauptgut zu sichern, nämlich Gotteserkenntnis zu verbreiten und das Volk zur Ablehnung des Götzendienstes zu bringen. Es widerspricht der menschlichen Natur, plötzlich alle die verschiedenen Atten des Gottesdienstes aufzugeben und die mannigfachen Gebräuche, in denen cs erzogen war und die so allgemein waren, daß man sie für selbstverständlich hält; das wäre so, wie wenn jemand, der gewohnt ist, als Sklave mit Möttcl und Ziegelsteinen zu arbeiten oder dcrgl., seine Arbeiten abbrcchen sollte, sich die Hände säubern und gleich mit richtigen Riesen kämpfen. Es war das Ergebnis göttlicher Weisheit, daß die Israeliten in der Wüste herumgesührt werden, bis sic Mut bekamen. Denn es ist eine wohlbekannte Tatsache, daß das Reisen in der Wüste und die Entbehrung sinnlicher Genüsse, wie z. B. Baden, den Mut fördett, während das Umgekehrte die Quelle von Verweichlichung ist: außerdem erstaird während der Wanderungen eine neue Generation, die an Erniedrigung und Sklaverei nicht gewöhnt war. All das Wandern in der Wüste war durch göttliches Gebot durch Moses geregelt; vergl. „Aus Gottes Geheiß ruhten sie in den Zelten, und auf Gottes Geheiß wanderten sie; sie hüteten Gottes Wort und sein Gebot durch Moses" (9, 23). So ist also auch der in Stein stehende Abschnitt des Gesetzes das Ergebnis göttlicher Weisheit, wonach man die gewohnte Gottcsverehrung fottsetzcn darf, um den wahren Glauben zu erlangen, der das Hauptziel der göttlichen Gebote ist. Du fragst. Was hätte Gott hindern können, uns direkt zu gebieten, was das Hauptziel ist und uns die Fähigkeit zu verleihen, ihm nachzugehen. Dies würde zu einer zweiten Frage führen: Was hinderte Gott, die Israeliten den Weg durch das Land der Philister zu führen und sie mit Kraft zum kämpfen auszustatten? Die Führung durch eine Wolkensäule bei Tag und eine Feuersäule bei Nacht wäre dann nicht nötig gewesen. Eine dritte Frage würde dann in bezug auf Belohnung und Bestrafung gestellt werden, und zwar so: Das Hauptziel und Zweck Gottes ift. daß wir an das Gesetz glauben und gemäß dem handeln, was darin geschrieben ift, warum hat er uns nicht die Fähigkeit verliehen, ständig daran zu glauben und seiner Führung zu folgen, anstatt uns Belohnung und Bestrafung in Aussicht zu stellen oder tatsächlich zu belohnen oder zu bestrafen? Denn die Versprechungen und die Drohungen sollen ja nur das Mittel sein zu diesem Hauptziel. Was hinderte ihn, uns als einen Teil unseres natürlichen Wesens den Willen zu verleihen, das zu tun, was Er von uns will, und die Art der Gottesverehrung zu lassen, die Er zurückweist? Aus diese drei Fragen und alle ähnlicher Art gibt cs eine allgemeine Antwort: Obwohl bei allen in der heiligen Schrift angeführten Zeichen die natürliche Eigenatt eines Einzelwesens sich änderi, so wird doch die menschliche Natur von Gott niemals durch ein Wunder geändert. In Abweichung mit diesem wichtigen Grundsätze sagte Gott: „O, daß sie doch solche Gesinnung hätten, daß sie mich fürchten" usw. (Deut. 5, 26). Deshalb setzte er ausdrücklich die Gebote und Verbote fest, die Belohnung und Bestrafung. Ich habe über die Wunder schon öfter gesprochen (Schemore Perebin VIII). Ich sage dies nicht, weil ich glaube, daß es Gott Schwiettgkeit bereite, die Natur jedes Einzelwesens zu ändern; im Gegenteil, es ist möglich, und es liegt in seiner Macht nach den Lehren der heiligen Schrift; aber er hat es nie tun wollen und es wird nie geschehen. Sollte es ein Teil seines Willens sein, die Natur irgend einer Person zu ändern, so wäre die Sendung der Propheten und die Offenbarung des Gesetzes gänzlich überflüssig gewesen. I