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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-01-18 · 1 (18.1.1924) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
1 (18.1.1924)
Date
1924-01-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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WWWWW ü wieder in den Dienst unserer Sache stellen werde. Dieses Vertrauen hat uns nicht getäuscht: m vielen Vorskmtzilidunaen und öffentlichen Versammlungen haben mix ihn wledergesehen und nie vergeblich um Rat und Hilfe uns an ihn gewandt. — Und nun. da er fernem Freunde m dre Ewigkeit gefolgt ist. da wir nur sein Bild m.unserer Seele lebendig erhalten können, fragen wrr uns: Was hat diesen m Grunde seines Wesens schlichten und bescheidenen Mann zum Führer gemacht? Was gab ihm die Waffen, fort- -ureißen und. was schwerer ist> m der Diskussion mit dem Einzelnen sieghaft seine Ueberzeugung durchzusehen? Oft. wenn ich Eugen Fuchs reden hörte, mußte ich der Worte des Prophetetn Äeremias gedenken: ..Es war mir wie wenn Feuer loderte eingeschlossen in memem Innern " So war es bei ihm: heißes. zündendes Feuer loderte'in seinem Innem. und wie aus dem Munde des Propheten strömt von semen Lippen eme Gewalt der Rede die die Hörer in ihren Bann zwang und nicht wsueß: ein ie'der empfand: hier spielt ein Mann, dem es heiliger Ernst ist um das. was er sagt. Zwei Grundtöne klingen durck all sein Tun und Reden: die Liebe zu Glaube und Leimat, zur Religion und zum Vaterland Er wußte wohl zu scheiden zwischen dem Vaterlande und denen, dre es jeweilig regieren, und denen, die in patriotischen Phrasen sich anmaßen. allein die wahre Vaterlandsliebe zu besitzen und allein die echten Söhne des Vaterlandes zu sein. Nicht persönliche Zurücksetzungen, wie sie auch ihm nicht erspart geblieben sind bei seinem Offizierseramen. bei semer Bewerbung um die Zulassung zur Habilitation und sonst, nicht die planmäßige Versorgung der Gleichberechtigung im Verwaltungswege haben ihn in seiner Trauer wankend machen können. Immer wieder rief er uns zu: Laßt euch nicht verbittern. Laßt euch die Liebe und Treue zum Vaterland nicht verkümmern. Das bestimmmte auch seine Stellung zum Zionismus. Ihr war es unfaßbar, daß, ein Deutscher, der in der Heimat geboren, in einem deutschen Ellernhause großgeworden, auf deutschen Schulen und an deutschen Dichtern gebildet war. ein anderes als ein deutsches Volks- und Heimatsgefühl haben könne, auch wenn er im Glaubensbekenntnis sich von der Wahrheit seiner Volksgenossen unterschied. Kanaan war nicht das Land seiner Sehnsucht, Hebräisch nicht die Sprache seiner Gedanken; auf deutschem Boden will er leben, an Deutschlands Gedeihen an seinem Teile Mitarbeiten, in deutscher Erde begraben seilt wie seine Väter. Wohl hat er immer wieder versucht, eine Einheitsfront aller Iuden zu schaffen und mit dem Andersgesinnten einen gemeinsamen Weg zu finden und ^nöglichst weit friedlich zusammenzugehen,' er wollte auch ihnen ehrlich gerecht werden und ist oft für ihre Rechte eingetreten. Aber er hat nie daran gedacht, das Trennende zu verschweigen oder zu vertuschen: klar und scharf hat er den Gegensatz zwischen national-deutsch und national-jüdisch gekennzeichnet, besonders in seiner Rede zur sogenannten Zionisten-Resolution vom 30. März 1913, und in den Aufsätzen..Glaube und Heimat". In seinen Augen war es eine Herabsetzung des Iudentums, wenn man ^s zu einer Volksreligion machen wollte : es war, nach seinem Ausdruck, eine capitis deminutio, aus den Erben und Trägern der allumfassenden Menschheitsreligion ein vergängliches staatliches Gebilde, „eind Wald- und Wiesenvolk" machen pt wollen. hoch stand ihm der Glaube der Väter, deshalb traf ihn jeder Angriff auf seine Religion bis ins Innerste: er sah es als seine und jedes ehrenhaften Iuden heilige Pflicht an, keine Herabsetzung oder gar Beschimpfung schweigend hingehen zu lassen. Dafür ist er nicht nur als Leiter der Rechtsschutzkommission des Zentralvereins mit juristischen Waffen, sondern auch im Kampfe mit dem sog. wissenschaftlichen Antisemitismus, in Auseinandersetzungen mit Paulsen, Sombart, Binder u. a. eingetreten, dazu hat er sich in das Schrifttum der Väter vertieft, denn, wie er oft sagte, wirkungsvoll verteidigen kann man nur das, was man keimt und liebt, und Abwehr erfordert Wissen, und Wissen bringt Selbstbewußtsein und Stolz und Treue, die über das Ende des Kampfes hinausreicht. In der Abwehr sah er nicht das Letzte, in der Tätigkeit des Zentralvereins, der seinem Herzen wohl immer am nächsten stand, nicht die Lösung aller jüdischen Fragen. Deshalb hat er die Organisation aller jüdischen Verbände und Vereinigungen angeregt und im „Verband der deutschen Iuden" durchgesetzt und auf der ersten Hauptversammlung des Verbandes im Oktober 1905 in glanzvoller Rede dargelcgt, was über die Abwehrtätigkeit hinaus für die Fortentwicklung und innere Festigung des Iudentmns und für die Stellung der Iuden im Vaterlande zu tun nötig sei. Ebenso hat er später, als man noch an die Möglichkeit wirklicher Friedensverhandlungen denken konnte und das Schicksal der Ostjuden die Gemüter mit bänger Sorge erfüllte, für die Vereinigung der jüdischen Organisationen Deutschlands, die „Mod", gewirkt und sich dafür eingesetzt, daß für dieses hohe Ziel alle Meinungsverschiedenheiten zurückgestellt und me Vertreter aller Richtungen zusammengeschlossen wurden. So hat er unermüdlich immer neue Wege gesucht zum Das Chanukkah-Jesi. Aus Hagi'n i. W. wird uns nachstehender Schulaufsatz einer Schü» lerin der 6. Klasse im dortigen Stjjeum überlassen. Die Lehrerin hatte das Aufsatzthema «Di» AMHnachtsMer" gegeben Dir jüdischen Schülerinnen baten, über da, Channudah-Fest schreiben ,u dürfen. Der Auf» satz der Liselotte Gottschalk, der einen interessanten Einblick in die Bedeutung des Channukah-Festes iür eine jüdische Kinderseele gewährt, wurde als einziger von allen Aufsätzen der Klasse mit „sehr gut" bezeichnet. Die Schristleitung. 1. Die Freude. Welch eine Freude ist uuter uns, wenn cs heißt, dieses Fahr ijt wieder ein Chanukkahsest! Fast jede Nacht träumt man von dicscin schönen Feste. Man wird ganz zappelig vor lauter Aufregung. Mau fragt sich gegcseitig: „Weißt du, was der Chanukkahmann bringt und was für Vorführungen gemacht werden?" Die meisten antworten: „nein!", doch manche sagen: „Ich weis; cs wohl, darf es aber nicht, verraten." 2. Die Bedeutung des Festes. Im Jahre 203 zog der Shrerkönig Antiochus die Herrschaft von Juda au sich. Er ließ die Thorarollen verbrennen und stellte Götzenaltüre auf. Wer sich weigerte, den Götzen zu dienen, verlor das Leben. Und viele, die ihrem Gotte trcugcblieben waren, verloren auch das Leben. Um diese Zeit lebte ein Priester, Mathathias. Dieser befreite Juda und säuberte die Heiligtümer vom Götzendienste. Da fanden sie ein Oclkrüglein, welches das Siegel des Hohenpriesters trug, und dessen Inhalt, sonst nur eine Nacht hinreichend, acht Tage lang zum Anzünden des sicbcnarmigen Leuchters ausreichte. Zum Andenken an diese Begebenheit feiert man das Ehanukkahfest. 3. Ausschückung des Saales. Viel Schmuck war im Saale nicht vorhanden. Zwei riesengroße Tünnen mit Goldfäden durchzogen, ein Tisch mit weißer Decke, worauf Helle bes Vaterlands, zur Ehre seines Glaubens; er hat aber auch die Freude gehabt, zu sehen, daß, seinem Tun manch dauernder Erfolg beschieden war. Was der Vertreter der deutschen Feldrabbiner, Dr. Italiener, bei der Gedenkfeier für Maximilian Horwitz von diesem sagte, als er Don 'der Tapferkeit, Zuverlässigkeit und Todesbereitschaft unserer jüdischen Jugend sprach: „Ich bin überzeugt, unserem toten Führer keine schönere und sinnigere Ehre erweisen zu können in dieser Stunde, als wenn ich auf diese heilige!Saat verweise, der sein Wirken für Deutschtum und Judentum im besonderen Maße mit zur Blüte verhelfen hat." Das gilt auch für Eugen Fuchs. Das bezeugten die jüdischen Studenten, die über seiner Bahre ihre Fahne senkten und ihn als ihren väterlichen Freund, ihren Lehrer und Berater betrauem. So hat er, schaffend, begeisternd, versöhnend, gewirkt bis an sein Ende. Wir wissen, was wir mit ihm verloren haben, wir wissen aber auch, daß die Saat, die er gesät hat, nicht verloren gehen wird. Sein Andenken wird fortdauern unter uns Lebenden, die Frucht seiner Werke unter allen Geschlechtern. Berlin-Friedenau,!31. Dezember 1923. Prof. Dr. Schneider. auf Umschau. Orthodoxe Gewalttätigkeiten in Warschau. Naumannianische Geschmacklosigkeit. — Ein Schritt dem Wege zur Einheit des deutschen Iudentums? Verschiedene Ereignisse des jüdischen Lebens im Laufe der letzten Wochen ergeben das Bild einer bedauerlichen Entartung der Methoden im Kampf der jüdischen Parteien. Am schlimmsten in dieser Hinsicht sind die Ereignisse, die sich in Warschau abgespielt haben. Ende November v. I. hat dort die Absicht der Gemeindeverwaltung, gegenüber der Mikwa ein Studentenheim einzurichten, bei den Orthodoxen eine solche Empörung hervorgerufen, daß im Anschluß an eine Protestversammlung die Menge in das Verwaltungsgebäude eindrang, dessen Einrichtung demolierte und Gemeindebeamte mißhandelte. Das Bedauerlichste ist, daß die Täter nach dem Bericht des orthodoxen „Ifraelitt fast ausschließlich den gebildeteren Ständen angehörten. Leider hat sich am Sonnabend, den 29. Dezember, ein ähnlicher Vorgang wiederholte An diesem Tage griffen Sonntag, den 27. Januar 1924. vorm. liva Uhr, im Logenhaus klelsisir. 10: Gedenk-Feier für Rabbiner Dr. Kellermann und Rabbiner Dr. Loblenz Alrtw'rrkende: Paula. Weinbaum (Gesang), Joseph Wolfsthal (Violine), Alexander Weiubam (Harmonium). Gedächtnisreden der Herren Rabbiner Dr. Baeck und S.-B. Dr. Peiser. weil sie dadurch den Zionismus fördern würden. Verband nakionaldeutscher Iuden, Hrtsgr, Breslau. Selbst wenn das Zusammentreffen dieser beiden Inserate in derselben Nummer auf derselben Seite Zufall sein sollte, muß, gegen die Art, wie hier von Seiten der nationaldeutschen Iuden vor der allgemeinen Oeftentlichkeit der innerjüdische Kampf geführt wird, entschieden protestiert werden. Wir halten eine derartige Warnung vor 'Glaubensgenossen in einer allgemeinen Zeitung mit der Würde des Iudentums nicht für vereinbar. Erfreulicherweise können wir aber gleichzeittg von einem Ereignis berichten, das möglicherweise einen Schritt vorwärts auf dem Wege zu einem stärkeren jüdischen Einheitsgefühl darstellt. Am 26. Dezember v. I. ist in Frankfurt a. M. eine neue Vereinigung gesetzestteuer Iuden gegründet worden, die sich Achduth (d. h. Einheit) nennt. Soweit die Tendenzen dieser neuen Gründung bereits klar zu überblicken sind, handelt es sich offenbar um einen Zusammenschluß der gemeindetreuen Orthodoxie einschließflich der Misrachisten. In der Gründungsversammlung, auch in dem Zweckparagraphen der Satzung, wurde „die Einheit der jüdischen Gemeinschaft" stark betont. Andererseits geht es offenbar darum, den Einfluß der Orthodoxie in den jüdischen Gemeinden durch eine Zusammenfassung ihrer Organisation zu stärken. Wir müssen uns also darauf gefaßt machen, daß in der nächsten Zeit eme verstärkte Tätigkeit der Orthodoxie in diesem Sinne einsetzen wird. Dieses Streben haben wir keineswegs zu fürchten: möge es nur denejnigen unter uns, die an eine von dieser Seite kommende Gefahr nicht glauben wollen, die Augen öffnen. Jede Auseinandersetzung, wenn sie mit den Mitteln des Geistes und in einer ihren religiösen Zwecken würdigen. Weise geführt wird, kann letzten Endes nur förderlich fein. Wenn die neue Gründung dazu beiträgt, eine solche Auseinandersetzung im Geiste gegenseitiger Achtung und im steten Bewußtsein der Einheit aller Iuden zu fördern, wie sie mit der separatistischen Orthodoxie, die dem liberalen Iuden schlechtweg das Judentum abspricht und jede Gemeinschaft mit ihm ablehnt, nicht möglich ist, dann wollen auch wir sie als einen Fortschritt im jüdischen Leben Deutschlands begrüßen. Hunderte von jungen Orthodoxen Zeitungsverkäufer, die die Jüdisch-sozialistische „Volkszeitung" verkauften, an: es mußte schließlich die Polizei eingreisen. Derartige Vorfälle im Lande des gefährlichsten Antisemitismus sind mehr als beschämend. Woher sollen wir das Recht nehmen, gegen deutschvölkische Hetzer aufzutreten, wenn wir selber gegeneinander losschlagen? Vielleicht überlegt man sich in den Kreisen der polnischen Orthodoxie doch einmal, ob eine Atmosphäre der Verhetzung, aus der solche Vorgänge entstehen, mit dem Geiste des Iudentums vereinbar sind und wohin das schließlich führen soll. Ein Vorfall, der keineswegs geeignet ist, das jüdische Ansehen zu erhöhen, hat sich neulich in Breslau zugetragen. Dort enthielt die „Breslauer Zeitung" am Kopf einer Inseratenteile ein in der Breite zwei Drittel der Seite einnehmendes Inserat des jüdischen Nationalfonds, das nichts enthielt, als eine sachliche Ankündigung des neuesten Palästinasilm „Eine Reise durch Erez Israel im Iahre 5683 (1923)". Das untere Ende der Seite enthält ein ebenso großes Inserat (die beiden Inserate sind die ausfälligsten auf der ganzen Seite) folgenden Inhalts: Wir bitten unsere Mitbürger, die am 6. Januar 1924 vom Iüd. Nationalsonds veranstaltete Vorführung des Films „Eine Reise durch Ecez Israel im Iahre 5683" im Ufa-Theater nicht zu besuchen, Aus dem Berliner Gemeindeleben. Die Vorftanvswahlen bei der Berliner Jüdischen Gemeinde. Von Dr. W. Breslauer. In den letzten Tagen haben Neuwahlen zum Vorstand der Berliner Gemeinde stattgcfunden, die in den Gemeindekreisen nicht unerhebliches Aufsehen hervorgerufen haben. Da der Ausfall der Wahlen für die liberale Sache von erheblicher Bedeutung sein durste, wird es angebracht sein, an dieser Stelle Ursache und Wirkungen der Veränderungen im Gemeindevorstand auscinandcrzusetzen. Der bisherige Vorstand war, wenn man die einzelnen Personen ins Auge faßt, zweifellos recht gut ausgewählt. Das gilt insbesondere auch von den jetzt ausgeschiedcnen Mitgliedern. Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Stern, der bisherige 1. Vorsitzende, der infolge seines hohen Alters eine Wiederivahl abgelehnt hat, ein allseitig hochgeachteter und verehrter, würdiger und beredter Vertreter der Gemeinde nach außen, Herr Leopold Badt, ein anerkannter Wirtschaftsführer, seit vielen Jahren besonders um die Finanzen, die Altersvcrsorgungsanstalt und das Siechenhaus der Gemeinde hochverdient, Herr Hugo Blankenburg, unser sehr verehrtes, zielbewußtes Parteimitglied, der sehr oft unserer Kritik an der Vorstandstätigkeit beigestimmt hat, sie waren ihrer Persönlichkeit nach der Stellung als Gemeindevorstand wohl wert und verdienen den Dank der Gemeinde für ihre mühe- und aufopferungsvolle Tätigkeit. Trotzdem ist nicht zu verbergen, daß in weitesten Kreisen, insbesondere liberalen, erhebliche Unzufriedenheit mit den Leistungen des bisherigen Vorstandes geherrscht hat. Der Grund lag offen. Er bestand in der mangelnden Geschlossenheit des Vorstandes, in oem Auseinandergehen der Meinungen, das so groß war, daß es jede Initiative hemmte. Neben einem Konservativen und einem Zionisten standen 3 Mitglieder, die für liberal galten. Aber dieselben ivarcn zum Teil in früheren Zeiten, als die Parteigegcnsätze noch nicht so ausgeprägt waren, von Konservativen und Liberalen gemeinsam gewühlt, fühlten und dachten nicht als Liberale und waren allzu oft geneigt, nach Stimmungen und Einflüssen des Augenblickes, statt nach gefestigten Uebcrzeugnngen zu handeln. Diese allgemeine Auffassung, die fast jeder geteilt hat, der in den öffentlichen Mepräsentantenversammlungcn oder,in den internen Fraktionssitznngen den bisherigen Vorstand zu beobachten Gelegenheit hatte, soll durch einzelne Beispiele belegt werden. Auf dem Gebiet des Kultus ist jede, auch die geringste, Fortentivicklung des Gottesdienstes in den Orgel-Synagogen im Sinne liberaler Auffassungen und Entwicklungstendenzen unterblieben; man denke nur an den Gemeindegesang, der in den letzten Jahren im Gottesdienst, statt breiteren Raum einzunehmen, eher eingeschränkt worden ist, oder an die deutsche Thoravorlesung, die wir noch immer vermissen. Wo die Not der Zeit zum Abbau zwang, da bestand ans liberaler Seite das unwiderrufliche Gefühl, daß in erster Reihe an liberalen Einrichtungen gespart wurde, wie z. B. an den Chören, auf die doch der liberale Gottesdienst ganz anderen Wert legt, als der konservative. ein großer sicbcnarmigcr Leuchter stand, ivaren die ganze Zierde des großen Saales. 4. Die Vorführung. Nach dem Kaffeetrinkcn wurden Tische wcggeräumt und an deren Stelle Stühle hingestellt, denn jetzt sollten die Vorstellungen beginnen. Es wurden schöne Reigen getanzt, deren allerliebste Figuren uns viel Freude machten. Ein niedliches Duett wurde von zwei reizenden Knaben vorgctragen. Und dann kam ein Theaterstück, das uns alle entzückte. 5. Das eigentliche Fest. Nach den Vorführungen wurde auf der Bühne der Tisch mit dem Leuchter ansgestellt, die Kerzen wurden angestcckt, und dann sangen wir unser Loblied zu Gott. 6. Der Chanukkahmann. Da ging ja schon mal wieder der Vorhang auf, und man sah zwei große Tische mit Büchern, Spielen, Bildern und Leckereien belegt. Als der Vorhang aufging, sah man gerade den Chanukkahmann hinter den Kulissen verschwinden. Nun wurden die Sachen verteilt und jeoer bekam sein Geschenk. 7. Der Ball. Der Saal wurde ausgeräumt, denn jetzt sollte getanzt werden. Man jtellte sich zu Zweien auf und die Musik spielte zum Tanze ans. Der erste Tanz war eine Polonäse. Auf der Bühne stand ein langer Tisch mit Allerlei Süßigkeiten belegt; zwei Damen teilten sie unter die Teilnehmer der Polonäse aus. 8. Schluß. Noch lange behalte ich die schöne Feier im Gedächtnis, und ich finde cs jammerschade, daß in diesem Jahre das Chanukkahsest im Parkhanse wegen den traurigen Zcitverhältnissen nicht gefeiert wird. Zephthas Tochter. Aus den Hebräischen Melodien von Lord Byron. Da das Land, unser Gott heut gebot, O Herr, deiner Tochter den Tod, Sie dein Sicgcsgelübdc gelöst, Triff die Brust, die sich dir jetzt entblößt! Nicht zu trauern ich länger begehr. Mich erblicken die Berge nie mehr, Hebt zum Streich sich die Hand, die mir lieb. Ich fühl keinen Schmerz bei dem Hieb! ’ O, mein Vater gewiß kannst du sein, Das Blut deines .Kindes ist rein. Wie dein Segen, bevor es verströmt. Wie der Trost, der mich drunten versöhnt. Last in Salem die Jungfrauen schrein, Doch der Richter soll unbeugsam sein! Dir mein Vater gewaim ich den Krieg, Und dem Lande die Freiheit, den Sieg! Wenn das Blut, das du zeugtest, einst kalt. Und wenn längst meine Stimme verhallt. Dann preise voll Stolz das Gebot, Und vergiß nicht mein Lächeln vorm Tod! R. D. Loetvenberg. 1 i

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