Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-12-06 · 30 (6.12.1923) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
30 (6.12.1923)
Date
1923-12-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613709-2613739--0673-2617960
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

die Fahne tu schreiben — die Fahne der „Alten" und die der Lungen! Heute nur eine Forderung: schafft religiöse Feier stunden im Gott es haus an den Wochentagen — emschlietzlich Sonntag! Labt den Tempel aus seiner Starrheit erwachen, den ihr 6 Tage geschlossen haltet! Labt die ..Welt" in den Tempel einziehen, die Welt, die wir als religiöse bezeichnen: die Welt alles Schönen, Groben und Edlen, die Welt der Musik, der Dichtung, der Weisheit, die Welt des Altertums und der Neuzeit, die Welt der sozialen, die Welt der Erziehung! Zeigt hier Religion in neuen Formen! Verwirklicht den Gedanken des Laienprlestertume! Laht edle Männer und Frauen hier sprechen! Verschafft hier der Jugend Jugendfeiern und euren Kindern Kinderfeiern! Schafft hier religiöse Elternabende! Ergänzt und vertieft den Religionsunterricht! Laht Bibel lesen und unfern Talmud, ethische Schriften und die Schriften der Dichter, die Bücher der groben jüdischen Denker — aus allen Zeilen und allen Ländern! Macht den Tempel in einer neuen Form wieder zu einem Bes Lekuepes! Entschädigt hier endlich alle die, die dem üblichen Gottesdienst aus Zeitmangel öfter — ja meistens — fernbleiben müssen! Veranstaltet Abendfeiern am Freitag, aber auch am Pessach, Schowuvth und Sukkoth. am Ehanukkah ebenso wie am P u r i m — sofern nicht staatliche Feiertage mit jüdischen Feiern zusammenfallen! Schafft „religiöse Feierstunden", die andere Religionen schon lange haben, aber schaffet sie in dem Gotteshaus! Tempel und Welt sollen eines sein! Religion sei Leben — Leben Religion! Aus der Bewegung. Energische Wiederaufnahme der Arbeit des Liberalen Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde Berlin e. V. Die Gruppe der westlichen Vororte, Bezirks- Gruppe II, veranstaltete drei sehr gut besuchte Versammlungen in Wilmersdorf, Schöneberg und Friedenau. In allen drei Versammlungen sprach der Vorsitzende, Dr. Arthur Mayer über Deutsches Geistesleben und liberales Judentum". Der Vortragende führte ungefähr folgendes aus: Wir erleben in Deutschland jetzt noch einmal jüdisches Schicksal. Diese Schicksalsgeincinscl-aft beruht auf einer gemeinsamen Struktur und Entwicklung des deutschen geistigen Lebens und des Judentums. Die engen Beziehungen, die seit j 'her zwischen diesen bestanden haben, habe» ihre geistige Bedeutung eben nur dort, wo aus ihnen schöpferische Kräfte strömen, die deutsches Geistesleben und Judentum zu einer höheren Synthese zn führen vermögen. An historischen Beispielen zeigte der Redner, wie seit Jahrhunderten diese synthetische Entwicklung im Flusse ist: die butsche Mystik von Tegernsee und die Philosophie Jehudas des Frommen, Maimonides, das protestantische Gewissen der deutschen Ju>en im Mittelalter und Luther, Mendelssohn und Lcjsing. Der Vortragende ging dann auf die Beziehungen ein, die zwische» der Kaittschen Philosophie, den Junghegelianern und dem Kreise der deutschen Romantik zu der Neugestaltung des liberalen Judentums entscheidend waren. Diese Synthese, die sich zwischen deutschem Jdcalisnius und jüdischer Prophetie zu vollziehen begann, kann nur zu einer höheren Entwicklung gelangen, lvenn das deutsche Judentuin lebendig, vergeistigt und i» Formen erhalten wird, die der deutschen geistigen Umwelt entsprechen. Das deutsche liberale Judentum darf also nicht von feiner historischen Entwicklung abgedrängt werden, d. h., es darf weder nationalisiert noch osteuropäischen Ein- Fenster hinaus, wenden sich mit Pathos an die Galerie — aber bei der entscheidenden ernsten Mitarbeit in der Gemeinde fehlen sie. Herr Nosenthal erhob dann wieder mit besonderem Nachdruck die dringende Forderung nach Parochic-Einteilung der Gemeinde und stellte in Aussicht, daß trotz gewisser Widerstände, die der Vorstand immer noch diesem Gedanken entgegensetzt, sehr bald diese unbedingt notwendige Dezentralisation kommen werde. Besonders lebhaftes Interesse fanden die Ausführungen des Herrn Rosenthal über den Religionsunterricht, über den immer noch aus allen Stadtteilen Berlins berechtigte Klagen kommen, und der unzweifelhaft völlig umgestaltet werden müßte. Diese dringend notwendige Organisation des Religionsunterrichts ist — darüber sind schließlich alle Parteien einig geworden — nur möglich, wenn ein bewährter und tüchtiger Mann als S ch u l i n s p e k t o r mit weitgehenden Befugnissen eingestellt wird. Man konirte froh sein, daß eine derartige kenntnisreiche und erfahrene Persönlichkeit endlich gefunden war. Direktor Dr. Gutmann sollte vom Gcmeindevorstand mit diesem Amte betraut werden — da wurde aber von rabbinischer Seite Einspruch erhoben. — „Ein Rabbiner lasse seinen Religionsunterricht nicht inspizieren." — ES wird sich zeigen, führte Herr Rosenthal unter lebhafter Zustimmung der Versammlung aus, ob der Vorstand der Gemeinde stark genug ist, seinen Willen durchgusetzen, um endlich einen guten Religionsunterricht einzurichten, die Jugend dem Judentum zu erhalten, oder ob der Vorstand vor dem Veto eines Rabbiners kapituliert. Das Schicksal der jüdischen Gemeinde, so schloß Herr Rosenthal seine Borträge, hängt davon ab, ob wir für den Vorstand der Mischen Gemeinde die geeigneten neuen Männer finden. In allen Versammlungen fand eine sehr lebhafte Aussprache statt, in der ganz besonders immer wieder über den Religionsunterricht geklagt wurde. Au dieser Aussprache beteiligten sich auch Vertreter der Repräseutanenversammlung und tdes Vorstandes, die erfreulicherweise von der Höhe ihrer Würde hcrabgestiegen waren. Es war gut, daß sie gekommen waren; denn so konnten sie mit eigenen Ohren hören, wieviel an mancherlei Maßnahmen der Verwaltung mit Recht ausges tzt wird, und wie lebhaft von allen Seiten eine Erneuerung des Vor standes herbcigesehnt wird. Am 27. November veranstaltete die Bezirksgruppe III (Nordwesten) nach längerer Ruhepause eine Versammlung, in der gleichfalls Herr Moritz Nosenthal über „Gemeindefragen — Gc» meindcpoiitik" sprach Er unterrichtete die Versammlung über die bestehenden Zustände, sparte nicht an Kritik, zeigte aber auch, welche ZukunftsMöglichkeiten sich dem liberalen Judentum in unserer Gemeinde bieten, und rief den Bezirk NW, welcher stets eine Borburg jüdischliberaler Gesinnung gewesen sei, zu neuem kraftvollen Zusannnenschluß auf. In der sich daran anschließenoen Aussprache wies der Vorsitzende des Liberalen Vereins, Rechtsanwalt Dr. I. L. Seligsohn, auf die idealen Ziele der jüdischliberalen Bewegung hin, aus deren jüdischem Kern die Abwehrstellung gegen Orthodoxie und Zionismus entspringt. Ebenso wie man das Alter für die praktisch Gcmeindepolitik interessieren könne, müsse es möglich sein, die Jugend für das jüdisch-liberale Ideal zu begeistern. Und dieser Begeisterung der Jugend bedürfe jede Bezirksgruppe, wenn sie sich gedeihlich entwickeln wolle. Professor Schaeser erörterte die vom Redner angeschnittene Schulfrage, und Mittelschullehrcr Stern bemängelte insbesondere die schwach Propagiermrg des liberalen Gedankens auf der jüdischn Erziehungskonferenz. Nach Schluß der anregenden Diskussion fand die Neuorganisierung des Vorstandes statt; nach einigen ergebnislosen Wahlgängen wurde schließlich Herr Martin Berju einstimmig zum ersten Vorsitzenden der Bezirksgruppe gewählt. Damit schidet der bisherige l. Vorsitzende Herr Leo Hirschberg auS dem von ihm seit Jahrzehnten verwalteten Amte. Leider ging der Wunsch der Versammlung, Leo Hirschberg im Vorstande zn behalten, nicht in Erfüllung, da dieser mit Rücksicht auf seine zahlreich« Ehrenämter und die damit verbundenen Arbeiten erklärte, zunächst nicht weiter im Bezirksvorstände tätig sein zu können. Dem verdienten Manne sei auch an dieser Stelle der Dank des Vereins für sein ausopserungsreichs warmes Wirken ausgesprochen. Möge seinem Nachfolger, aus den der Bezirk mit frischer Hoffnung blickt, und dem neuen Vorstände, dem neben Fräulein Silbermann noch die Herren Schmel, I. Becker und D. Rieß angehören, die Ncubclcbung des jüdisch-liberalen Gedankens im Hausavicrtel zum Besten der gesamte» Bewegung gelingen. Die Arbeit des Bezirks V>I (Norden) bewegt sich aus ganz besonderem Gebiet. Sie versucht, dem reli i5f n Bedürfnis unse e Freunde im Norden Berlins, wo es keinerlei liberalen Gottesdienst seitens der Gemeinde gibt, gerecht zu werden. Nach langen Borbereitunschirdener Reformen, Indem er die Gedanken und Gefühle des religiöse« Liberalismus tu lebendige Beziehung zu Schule — Tempel — Wett setzt. Da der Redner seine Vorschläge der Oefsentlichkeit in unserer Zeitung utltrrbreite» will, sei hier auf einzelnenicht eingegangeuc Änd nun zuni Gottesdienst, der zum ersten Male Freitag, de« 30. November, abends 7 Uhr, stattfand. Tie kleine, stimmungsvolle Synagoge de- Auerbachfchen Waisenhauses un,fängt den Besucher mit erhebender Feiertagsstimmung. Nach kurzer gesanglicher Einleitung übergibt Herr Kalkenberg in warmen Worten die neue Einrichtung der Oefsentlichkeit. Und nun beginnt der Gottesdienst, wahrlich ein Dienst GotteS. Jubelnd erheben sich tkinderstimmen im Chor zum Ewigen empor, tief bringt der Eiuzelgesang »licht nur einer geschulten Stimme, sondern eines Menschenherzens in unsere Seele. Worte jüdischer Weisen, Worte jüdischer uitb deutscher Dichter verbinden sich zum höchsten Werke, verschmelzen in vie Einheit tief eeinpfuitdrnrn religiösen Erlebens. Die Gemeinde wird mitgertssen von der religiösen Begeisterung deS KindcrchorS, mächtig schwellen die Gesänge an und erfüllen das Gotteshaus mit jener Weihe, die in der Zeit des stillen Gebetes so recht sich auswtrkt in der Versunkenheit der Gemeinde. Wahrlich, ein Dienst GotteS, wahrlich, tiefgefühlte Religion, Erlebnis der Seele. Um mannigfachen Wünschen aus dem Publikum entgegenzukvmmen, hat der Vorstand des Lib. Vereins einen Nachweis für Prtvat-ReligionS- Unterricht eingerichtet, durch dessen Vermittlung religiös-fortschrittlich gesinnte Eltern in der Lage sind, jederzeit ihrer Richtung cntsprecheude tüchtige Lehrkräfte für den Religionsunterricht zu gewinnen. Die Vermittlung hat Herr Seminarlehrer H. Falkenberg, N37, Lottunistr. 22, Norden (3222) übernommen, der zu jeder Auskunft gern bereit ist. Aus aller Welk. flußsphären ausgclicsert werden. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß das Judentum durch eine nationale Einstellung erhalten und ver-! gen, in dcmen keine noch so große Mühe und Arbeit gescheut wurde, jüngt werden kann; die Erstarkung und Erneuerung des Judentums! füinttc Herr Falkenberg in einer Versammlung am 27. November die -ist nur möglich, wenn der deutsche Idealismus Kants und Schillers! Liturgie des Gottc-sdienstes bekanntgebcn. In dieser Versammlung sprach mit dem jüdischen Mcssiasglauben zu jenem Bekenntnis der Mcnschheits! Herr Rabbiner Dr. Gotisch,lk, gewissermaßen als Einleitung für den idee verschmilzt, die seit jeher der Ewigkcitsgedanke des Judentums gewesen ist. In allen Versammlungen sprach ferner Herr Moritz Nosenthal, das bewährte Mitglied der Repräsentantenvcrsammlung, über „Gemeindefragen mW Gemcindesorgen". Herr Nosenthal gab einen ausführlichen Bericht über die Arbeiten der Repräsentanz und der Verwaltung, und führte insbesondere aus, wie die Zionisten in der Verwaltung völlig versagen. Sie halten die schönsten Reden zun, neuen Gottesdienst, begeistert und begeisternd über „Lebendiges Judentum". Er zeigte die Notwendigkeit einer lebendigen Religion, als deren beredtes«' Verkünder er mit Recht die Propheten als Genies des Lebens pries, die Propheten, die den Mut besaßen, „Leben zu erleben" und „Erleben zu leben". Diesen Mut müsse sich auch der nwocrne Mensch erringen, nur so könne der Liberalismus sich und Iwdurch das Judentum erneuern und mit lebendigem religiösen Geist erfüllen. Sodann zeigte Herr Dr. Gottschalk die Notwendigkeit vcr» Die Liga für Menschenrechte gegen den Antisemitismus. Die „Liga für die Verteidigung der Menschenrechte" hat auf ihre« internetionelen Kongreß in Paris im November eine Resolution angenommen, in der sie gegen den Rassenfanatismus, der unvermeidlichen Konsequenz des Nationalismus und Antisemitismus, in gewissen Ländern protestieren. Der Kongreß ersucht die Landesverbände, sich allen legislativen und administrativen Maßnahmen zu widersetzen, die einen Ausnahmccharakter tragen. Diese Resolution soll dem Völkerbund wie den Regierungen der in Frage komme,wen Länder überwiesen weerben. Ausland sh ilse für die deutschen Juden. Ueberall im Auslande regt sich tatkräftig die Hilfstätigkcit für die notleidenden Deutschen. Auch unsere Glaubensgenossen stehen darin nicht zurück. Neben der allgemeinen Fürsorge steht die besondere für die Juden und wiederum für die jüdischen Kinder. In Oesterreich haben sich verschiedene Organisationen gebildet, die jüdischen Kindern aus Deutschland längeren Pflegeaufcnthalt ermöglichen oder ihnen Liebesgaben senden. Um einer Zersplitterung der Hilfsaktion hintanzuhalte»^ hat die Kultusgemeinde Wien die Führung unternommen. Mehrere starke Kindertransporte sind bereits nach Oesterreich abgegangen; andere folge» in nächster Zeit. — Das slowakische Zentralbüro der Aguda hat einen Aufruf zur Hilfsaktion erlassen; ferner hat sich in der Schtveicin Zentralkomitee gebildet, das einen Aufruf zugunsten einer jüdischen Hilssaltion für Deutschland erläßt. 5 0. Ge burtstag Waizmanns. Am 27. November hat der Präsidcitt der Zionistischen Organisation, Professor Dr. Chaim Waizmann, das 50 Lebensjahr vollendet. — W. ist in Polen geboren, hat in Deutschland Chemie studiert, wurde Privatdozent in Ger^s und später in Manchester. Als er, der sich schon in Berlin der zronistischea Bewegung angeschlosscn hatte, ganz und gar dem Zionismus sich widniete, gab er seine Lehrtätigkeit auf und nahm seinen Wohnsitz in London. Waizmanns Wirksamkeit liegt weniger aus politischem Gebiete, als auf dem der praktischen Palästinaarbeit. Die Not der jüdischen Bergarbeiter im Nuhrgebiet. Zugleich mit dem im Inseratenteil veröfsentlichten Aufruf des Herrn Radb. Dr. Norden gehen uns erschütternde Nachrichten über daunsagbare Elend der jüdischen Nuhrarbeiter zu. Da die dort ansässigen Bergarb>i1cr vorerst selbst nur zu 2/3 ihrer Zahl beschäftigt werden, ist es selbstverständlich ausgeschlossen, die in der Durchwanderüng befindlichen ostjüdijchen Arbeiter mit Arbeit zu versorgen. Die Leute sind vollkommen mittellos, cs gibt keine amtliche Stelle, die die Fürsorge übernehmen kann. Wir hoffen, daß der warmherzige Aufruf von Herrn Rabbiner Dr. Norden den gewünschten Erfolg noch weit übcrtreffen wird, nm diese» unglücklichen Menschen recht bald zu erträglichem Leben und zur Möglichkeit der Auswanderung zu verhelfen. Wir sind bereit, bei uns einlaufende Spenden wetterzuleiten und werden gegebenenfalls darüber öffentlich quittieren. 22). Jesaja rief aus: „Was soll mir die Menge eurer ’ offenbart: während die Gesetze, auf die Jeremia oben Opfer, spricht der Herr" (Jes. 1, 11): Jeremia erklärte:! anspielt, nach dem Auszuge aus Ägypten verkündet wur- „Denn ich sprach nicht zu deinen Vätern, noch gebot ich > den. Deshalb wird ausdrücklich hinzugefügt, „an dem ihnen an dem Tage, da ich sie aus Aegypten führte, wegen! Tage, da ich sie aus Aeegypten führte". Das erste Gebot Brand- und Schlachtopfer. Sondern dies gebot ich ihnen : nach dem Auszuge aus Aegypten wurde in Mara mit und sagte, gehorcht meiner Stiinme und ich will dein Gott! folgenden Worten gegeben: „Wenn du auf die Stimme sein und ihr sollt mein Volk sein." (Jer. 7, 22, 23).! des Ewigen, deines Gottes, aufmerksam horchst und das Alle, deren Worte ich hörte oder las. haben diese Stelle j tuest, was recht ist in seinen Augen und seine Gebote beschwierig gefunden: sie fragen, wie kann Jereinia uns sagen,! achtest" (Ephs. 15, 26). „Dort gab er ihnen Sgtzungen datz Gott uns nicht Brand- und Schlachtopfer gebot, an-! und Nechtslehren. und dort prüfte er sie" (Vers 25). Dem gesichts so vieler Vorschriften über Opfer? Der Sinn! Wortlaute nach und nach der Ueberlieferung wurden andern Wesen; „ich will dein Got sein undt ihr sollt inein! gerechtigteit beseitigen soll. Das Hauptziel des Gesetzes Volk sein" (ebd. 26, 12). Aber das Gebot, zu opfern 1 i?!, wie gesagt, die Lehre von Wahrheiten: wozu die und den Tempel zu besuchen, hat als Ziel den Erfolg jener! Wahrheit von der aeatio er rihilo gehört. Es ist be- Eurndlehre unter sich: und deswegen habe rch diese Art j könnt, das; der Zweck des Sabbathgesetzes ist, diese Lehre der Eottesverehrung auf meinen Namen übertragen:! zu befestigen, wie wir oben gezeigt hatten (Teil II, Götzendienst soll dadurch gänzlich beseitigt. werjen und! Kap. 31). Auszer dem Lesen von Wahrheiten will das jüdischer Glaube befestigt. Du indessen hast dieses Ziel - Gesetz auch die Ungerechtigkeit aus der Menschheit beverkannt und nur das Mittel zum Ziel erfasst; du hast j seitigcn. Wir haben so dargelegt. datz die ersten Gesetze meine Eristenz bezweifelt, „ihr baut den Ewigen ver- > sich nicht auf Opfer beziehen, die nidjt von sekundärer leugnet und gesagt, er sei nicht" (Jer. 5, 12): ihr dientet! Wichtigkeit sind. Deerselbe Gedanke, der in obiger Stelle Götzen: „verbranntet Weihrauch dem Baal und ginget! aus Jeremia enthalten ist, wird auch in den Psalmen ausandern Göttern nach, die ihr nicht kennt. Und kommet und i gedrückt, wo das Volk getadelt wirb, das; es das Hauplsteht vor mir in diesesem Hause" (ebd. 7, 9—10); d. h.! ziel nicht kennt und keinen Unterschied zwischen Hanptlehrcn ihr geht nicht über den Besuch des Tempels hinaus und! und Hilsslehren macht. Der Psalmist sagt: „Höre inein über das Opfern: aber dies ist nicht das Hauptgut. — I Volk, und ich will reden: Ich bin Gott, ja dein Gott. ^)ch erkläre diese Stelle anders mit genau demselben Er- > Ich will dich nicht tadeln wegen deiner Schlacht- und gebnls. Es war nämlich ausdrücklich in der Schrift fest-! Brandopfer, sie sind ständig vor mir. Ich will keinen geseetzt und von der Tradition überliefert, das; die ersten Stier aus deinem Haus nehmen, noch Böcke aus deinen uns Mltgeteilten Gebote kein Gesetz über Brand- und Schlachtopfer enthielten. Dem widerspricht nicht das Passah, das in Aegypten geboten ward: dafür lag ein besonderer und deutlicher Grund vor, wie ich noch erklären werde (Kap. 46). Autzerdem wurde das in Aegypten Herden (Ps. 50. 29). — Wo immer dieser Gegenstand erwähnt wird, ist dies sein Sinn. Beachte das wohl und denke darüber nach. Nachrichten vom Jüdischen Frauenbund. Frau Dr. Martha Frankl, die 40 Jahre lang unentwegt im Dienste der leidenden Menschheit gearbcitct l)at, wurde am 5. November plötzlich, mitten aus rastloser Täligkcit heraus, dem Leben entrissen. Die jüdische Frauenwelt hat durch ihren Tod einen unersetzlichen Verlust erlitten. Ihrer schlichten Lebensführung entsprechend, hat sie gewünscht, daß keinerlei äußere Ehrungen anläßlich ihres H rmganges statt,inden sollen. Aus dem internationalen Kongreß in Wien am 6. Mai 1923 wurde knndgegeben, daß die dort gefaßten Resolutionen in die Wege geleitet, aber erst durch die Jahresversaminlnng des Evuncil of Jcwisl'. Woinen in Amerika, die am II. Nooember 1923 in St. Louis stattsinden sollte, bestätigt, und zur Durchführung gegeben werdeen könnte. An diesem Kongreß nimmt von den jüdischen Frauen aus Deutschland teil: Frl. Eidonie Werner-Hamburg, Bors, des Israel. Humanitären Frauen-V reins, Hamburg, und im Vorstand des Jüdischen Frauenbundes. — Der Jüd. Frauenbund hat in verschiedenen Stadtteilen Berlin- Mi 1 t e l st a n d s k ü ch e n eingerichtet. In dieser Tätigkeit steht der Jüd. Fr.-Vund in engstem cku'animcnhang mit den Logen und der jüdisch« Gemeinde. Der Preis der Mahlzeiten ist jedoch schwankend, die Adressen der Küchen wechselnd, und so ist es ratsam, sich des Näheren b.i Frau Martha Ockendorf, Charlottcnburg, Blcibtreustr. 12, (Stpl. 92! 8) zu erkundigen. Am Dienstag, den 4. Dezember 1923, nachmittags 5 Nhr. findet in der Fcisanenstr. 79/80-eine Sitzung der Ortsgruppe Berlin des Jüd. Fr.-Bundes statt, eS ivird ein Referat über die iin Oktober ftattgehabte Erziel ungskonserenz gehalten werden von Frl. Hilde Ottcnheiiner. Alle diejenigen, die Interesse an dieser Versammlung haben, sind herzlichst wi.lkommen. Die Berliner Frauen haben sich zu einem „N o t d i e n st" zusammcngcschlossen. Ties soll nicht etwa die Neugrnndung eines Vereins bedcuten, sondern die Hilfe im Kleinen, die Hilfe von Nachbar zu Nachbar soll lebendig gemacht werden. Jeder soll in seinem nächsten Kreise helfen, die Not zu lindern. Der Gründungsgemcinschaft gehören an Vertreter des Hauptausschusses für Arb.i.erinlercssn, Bund Deutscher Fraucnvercine, Berliner B rcinigung für Wohlfahrtspflege mrd auve« große Fraucnorganisationen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.