Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 3 (1923)
- Issue
- 30 (6.12.1923)
- Date
- 1923-12-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Jugendbewegung. Verantwortlicher Schriftleiter Erich Heinrich Seligsohn, Berlin-Grunewald. Aus Vibel und Schrifttum. Talmud. Sabb. 11. Fol. 2ld. Die Rabbanan lehrten: Eine Flamme der Ehanukkahlampe genügt für einen und seine ganze Familie, diejenigen, die die Gebote genau beachten, brennen eine Flamme für jede Person, und diejenigen, die die Gebote auf das genaueste beachten, brennen, wie die Schule Schammai, sagt, am ersten Tag 8 Flammen und an jedem folgenden Tage eine weniger; die Schule Hillels sagt, am ersten Tag eine Flamme und an den folgenden Tagen immer eine mehr. Ula sagte: Hierüber streiten im Westen zwei Amoräer, nämlich R. Jose b. Abin und R. Jose b. Zebida. Der eine sagt, der Grund der Schule Schammai ist, damit man ein Kennzeichen habe, wieviel Tage noch folgen, und der Grund der Schule Hillels. dah man ein Zeichen habe, wieviel Tage vorangegangen sind. Der andere sagt, der Grund der Schule Schammai sei, man verfahre wie bei den Opfern des Laubhüttenfestes, und der Grund der Schule Hillels sei, beim Heiligen gehe man aufwärts, aber nicht abwärts. Die Rabbanan lehrten: Es ist Gebot, die Ehanukkahlampe außen vor die Tür zu stellen, wer in einem oberen Stockwerk wohnt, stelle sie an ein Fenster, das auf die Strafe hinausgeht, in Zeiten der Gefahr genügt es. wenn man sie auf den Tisch stellt. Jedoch muh man noch ein zweites Licht brennen, um sich seiner zu bedienen, ist aber im Zimmer eine andere Flamme vorhanden, so ist dies nicht nötig, wenn er aber ein angesehener Mann ist. so ist ein zweites Licht notig, auch wenn eine andere Flamme im Zimmer ist. — Es wird gelehrt: Ein Funke, der dem Schmied unter dem Hammer hervorspringt und Schaden anrichlet, verpflichtet den Schmied zur Entschädigung. Wenn ein Kamel mit Flachs beladen durch die Straße geht und der Flachs reicht in einen Laden hinein und entzündet sich dort an einer Lampe, und der Laden brennt aus, so ist der Besitzer des Kamels zur Entschädigung verpflichtet. Hatte der Ladenbesitzer seine Lampe vor die Tür gestellt, so ist er für den Schaden verantwortlich. R. Iehuda sagt: War es eine Chanuttahlampe. so ist er nicht verantwortlich. Rabina sprach: daraus geht hervor, bah man die Ehanukkahlampe nicht höher als 10 Handbreiten vom Boden stellen soll, denn wenn man sie höher stellen dürfte, so hätte man hier einwenden können, der Ladenbesitzer hätte die Lampe so hoch stellen müssen, datz das Kamel mit seinem Reiter sie nicht mehr erreichen konnte, möglich ist aber auch, daß man sie nicht zu hoch stellt, damit niemand die Ausübung des Gebotes unterläßt, weil es ihm lästig wird. . . . Wenn ein Tauber, ein Geisteskranker oder ein Minderjähriger die Ehanukkahlampe angezündet hat, so ist damit die Pflicht nicht erfüllt. Frauen aber dürfen wohl anzünden, denn R. Iosua b. Levi sagte, Frauen find zum Anzünden des Ehanukkahlichtes verpflichtet, weil sie an dem Wunden beteiligt waren. Robert Hirschfeld. Aufruf! Unter den jüdischen Bergarbeitern im Ruhrgebiet befinden sich Hunderte von Ausländem (meist Russisch-Polen), die infolge der Entlafsungen arbeitslos geworden sind und, da sie nach den Bestimmungen auch keine Erwerblosenunterstützung erhalten, sich in bitterster Not befinden. Sie sind buchstäblich am Verhungern. Da unsere lokalen Mittel nicht entfemt ausreichen, bitten wir unsere Glaubensgenossen ebenso herzlich wie dringend, uns darin zu unterstützen, datz wir diese Armen, denen unbedingt sofort geholfen werden muh, bis zu der bereits eingeleiteten demnächstigen Auswanderung durchhalten. Gütige Geldspenden erbitte ich auf mein Postscheckkonto, Scheckamt Dortmund, Nr. 31033, Rabbiner Dr. Jacob; Devisen brieflich: Lebensmittel per Bahn an die „Wehako" (jüdische Arbeiterhilfe). Dortmund-Süd, zu senden. Postpakete kommen nicht durch die Sperre. Rabbiner Dr. Jacob, Dortmund, Arndtstr. 73. Zur Weiterleitung von Spenden ist unsere Geschäftsstelle gem bereit: wir werden über die eingegangenen Beträge öffentlich in der Zeitung guittieren. Vereinigung für das liberale Judentum e. D., Berlin W8, Mauerstr. 22. Kennwott: Iüd. Ruhrarbeiterhil.e. Postscheckkonto: Berlin NW 7. Nr. 137 069. »biet I Wenn ein 2li seinen Namen zu Recht trägt, so sollte es seine vomehmste Aufgabe sein, Jüngere zu seiner Arbeit heranzuziehen. Es ist «aber im allgemeinen nicht angängig, wenn jüngere, noch in der Entwicklung begriffene Menschen sofort zusammengebracht werden mit den schon reiferen Mitgliedem der Jkis. Neben vielen anderen Gründen spricht gegen dieses Zusammenbrrngen schon der Umstand, dah sich diese jungen Menschen bei Diskussionen scheuen, ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen, weil ihnen diese Ausdmcksfähigkeit fehlt. Und doch sind sie von den großen Grundfragen des Lebens und nicht zum wenigsten von den religiösen Gmndfragen erschüttert und gepackt, vielleicht intensiiver als Erwachsene, in denen dieser Kampf sich schon ausgetoht hat. In dem Bestreben, gerade sie für die ewige Religion des Judentums zu begeistem. haben wir nach einem wenig gelungenen Versuch vor 2 Jahren im April dieses Jahres eine Gruppe Jüngerer gegründet. 2m Gegensatz zu der ersten Iugendgruppe, die Jüngere und Jüngste umfaßt, haben wir diesmal nur Jungen und Mädel von 13 bis 18 Jahren bei uns vereinigt, weil nur so sich eine gemeinsame Basis für gemeinsame Arbeit findet. Diese Gmppe, die sich örtlich auf den Westen Eroh-Berlins beschräntt, steht unter meiner Leitung. In den Mittelpuntt unserer Tätigkeit haben wir Bibelabende gestellt. 2m Sommer traten na'.urgemäh Ausflüge mehr in den Vordergrund. Am Beginn unseres Winterprogramms standen 4 Diskussionsabende, die die Stellung des jüdischen Liberalismus zum Antisemitismus. Zionismus und Orthodorie zum Gegenstand hatten. Im Gegensatz zu dem sonst kameradschaftlich formlosen Ton haben wir nach Vereinbarung an d i e s e n Abenden nur „parlamentarisch" verkehrt — was aber nicht hinderte, dah es einige Male ein unparlamentarisches Durcheinander gab. ein Zeichen für die lebhafte Beteiligung. Ein oder zwei kurze Referate von Mitgliedern der Gruppe erösfneten die Diskussionsabende. Ein anderes Mitglied führte den Vorsitz und leitete die Diskussion. Auf diese Weise haben sich, abgesehen von dem Gewinn an Sachkenntnissen, die meisten etwas im freien Reden geübt, zumal die Mädel, die sonst immer recht zurückhaltend sind. Jetzt haben wir wieder unsere alle 14 Tage stattfindenden Bibelabende, in denen wir Deuterojesaia lesen, ausgenommen. Die Zahl der Gruppenmitglieder ist aus 25 angestiegen. Diese guten Erfahrungen haben uns den Mut gegeben, auch in anderen Stadtteilen Gruppen aufzumachen. Eine Grupps Schöneberg besteht seit kurzem, hoffentlich können wir das nächste Mal über sie Ausführlicheres bringen. Ein Rückblick auf unsere Gesamttättgkeit lehrt uns. dah wir auf der angefangenen Bahn weiter fortschreiten, dah wir alle Kräfte daran setzen müssen, den Jli Berlin zum Sammelpunkt der religiösen deutsch-jüdischen Jugend zu gestalten. Ernst Heinrich Seligsohn. Verbands- «.Vereinsnachrichten Vom 311, Berlin. Es ist an der Zett, nach den Erfahrungen der ersten Winternronate. einmal über die Umgestaltung unserer Jliarbeit in diesen Blättern etwas zu sagen. Innere und äußere Gründe veranlahten nämlich den Vorstand, die Veremstätigkeit auf teilweise neue Gebiete zu lenken. Die Erkenntnis, dah es für die Durchdringung der Jugend mit religiös-liberalem Geiste intensivster Arbeit bedarf, leitete uns, als wir es unternahmen, statt der in früheren Jahren starken allgemeinen Tätigkeit (die sich in Vorträgen und geselligen Veranstaltungen auswirkte) mehr die Bildung von Arbeitsgemeinschaften zu betonen. Dazu kamen äußere Grunde: bei der Größe Berlins kann man den Mitgliedern nicht zumuten, dah sie zu jeder Veranstaltung die teuren Stadt-, Untergrund- und Straßenbahnkosten ausgeben. Wir haben deswegen unsere Wintertätigkeit mit drei Kursen begonnen, die sich sogar nicht nur auf die vorgesehenen 6 Abende beschräntt haben, sondern auch jetzt noch weitergeführt werden. Herr Falkenberg hat seinem Kursus Baecks „Romantische Religion" zugrunde gelegt, um so die Grundfragen der Religion überhaupt. insbesondere aber die Stellung von Judentum und Christentum zu beleuchten. In einem hebräischen Kurs, für etwas Fortgeschrittene, haben wir unter Ellen Littmanus Leitung bisher Samuel Buch 1 Kapitel 1—8 gelesen und dabei gesehen, wie sich aus dem anfänglich langsamen ein immer schnelleres Vorwärtskommen entwickelte. Ellen Littmann hat in einem zweiten hebräischen Kursus die Grundzüge der Grammatik durchgenommen, und will jetzt dazu übergehen, noch einige leichte Teile aus der Hilf^uh»■ ’ü1'''• *il‘"ini>"ll1»iiTTii**iiTTii»*iiTTiii‘üi*irr lltl ül,iiTrni,ü"n77n|,i;f)i?rii"i>"iiTTn|«ifMiMliiyyii,7;., Werbt neue Mitglieder! Bibel zu lesen. Wir haben darauf geachtet, dah die Teilnehmer an allen diesen Kursen nicht nur regelmäßig erscheinen, sondern auch, wenn Referate verteilt, oder wenn etwas aufgegeben wirb, sich dieser Arbeit nach besten Kräften unterziehen. Es wäre verfehlt gewesen, wenn wir unsere ganze Tätigkeit der Förderung von Arbeitsgemeinschaften zugewandt hätten. Nicht alle Mitglieder, die ein tieferes Interesse am 2li und an seinen Aufgaben haben, können die Zeit aufbringen, regelmähig einmal in der Woche an einem Kurs teilzunehmen und für diesen zu arbeiten. Auch besteht bei allzu starker Betonung der Kleinarbeit die Gefahr der Entstehung von Cliquen und Klübchen. Vorträge sind deshalb der geeignete Anlaß, bei denen sich eine größere Zahl der Gesamtheit einfmdet. Wenn sie nicht allzu häufig stattfinden (etwa alle 3 Wochen), dann stören sie die Gruppenarbeit nicht, und gewährleisten doch! der Synagogengemeinde Breslau der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsgemeinschaft der 3lis. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft unserer jüdisch-liberalen Iugendvereine Deutschlands, Erich Bayer-Breslau, hat sich veranlaßt gesehen, sein Amt nieberzulegen, da er glaubte, bei seiner geschäftlichen Belastung neben seiner Tätigkeit im Liberalen Verein »2 A Arbeitsgemeinschaft südisch-liberaler Jugend-Vereine in Deutschland -» tz IN VerNn. |SB8, Mauerstr. 22 (Ztr. 162) & SMafag, den S. Dezember 1923, abdr. 8'/« Uhr. tm Logenhaus, Klnftstr. w: Lhannttahfeler. Aisprocyr: Herr R.A. Heinrich Stern. Mufika.ische Darbietungen: Herr Dr. James Simon. Ausstellung und Drrdaui jüdi- Icher kunstgewerblicher Arbeiten aus der Kunitgrwrrbe ube Freudenthal» Breslau. Grle. ige» Be^ammenlrin. h 9 fl $ ti | — vsnnerslag. den 20. Dezember, abdr. ft «i/4 Uhr, Vortrag des Herrn Lou«s \ Bolff über .Das Handwerk unter D den Jud n im Lichte unserer Zeit", ft in der Rosenstrahe 2—4 (Bahnhof L «Sri.) M Düst«»« beiden Veranstaltungen herz» fst lich Willkommen. Jli Vrerlan. •} Büro: Höfchenstr. 61 II l. J* Dienstag, den 11. Dezember 1923, abd». #, 8 Uhr, in der R> iigi nsschule, Um Anger 8, vistnsstonsabead: Was ist — Religion? Religion und Wissen-1schaft. fl Sonntag, den 16. Dezember 1923, vor- 'i mittag» ll1/, Uhr, in der Lrsfingloge, §1 Aguesftrane 5: Vortrag des Herrn \ Do.,ent n Dr Lew»-nutz: Rabbiners Lu. KeUermann s A. als religiöser -1 Denker. \ Gäste bei allen Veranstaltungen will- *i kommen. _ Meldungen für den hebräischen Kur« *j sus unter Leitung de» Herrn Gemeinde« -» Rabbiner Dr. Boge stein werden sofort an Frl. Anneliese Dessouer, Tau,n» ’J tzirnplatz Id bei Laboschin erdeten. |t den Zusammenhalt aller übrigen Jlimitglieder. Indem waren die 3 Vorträge, die bisher bei uns stattfanden, so recht geeignet, Anregung zu geben. Professor Gustav Mayer führte uns 'in seinem Vortrag über „Lassalle und das Judentum" an den Entstehungspunkt der Reformbestrebungen des 19. Jahrhunderts, an die Anfänge der Wirksamkeit Abraham Geigers. Er zeigte uns die dem Judentum gegensätzliche Strömung des Hegelianismus, dem sich auch der 20 jährige Lassallc anschloh. Rabbiner Dr. Eottschalk entwarf ein packendes Bild von Ezechiel, während Rabbiner Dr. Vogelitem („Wesen und Erscheinung des Judentums") in großzügiger Weise ein Bild von dem Verhältnis von Form und Inhalt in der jüdischen Religion vor uns entwarf. Allen drei Herren sei auch an dieser Stelle für die Anregungen, die sie uns gegeben haben, herzlich gedankt. nicht mehr die notwendige Kraft widmen zu können. Es wäre eitel Mühe zu sagen, was Erich Bayer, der seit der Liegnitzer Delegiertentagung vom Januar 1921 an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft stand, für unsere Bewegung bedeutet. Alle, die gemeinsame Arbeit mit ihm verband, wissen, was er stets für die Jlis geleistet hat. Seine reiche Kenntnis des Judentum und sein von religiösem Geiste getragenes Wesen machen ihn zu einer im besten Sinne des Wortes für unsere Bewegung werdenden Persönlichkeit. Wir hoffen, ja wir sind fest davon überzeugt, dah Erich Bayer, auch wenn er nicht mehr die Geschäfte der Arbeitsgemeinschaft leitet, seine Kraft in den Dienst unserer Bestrebungen stellen und sie eifrig fördern wird. — Arthur Lilienthal-Berlin führt an seiner Stelle bis zur nächsten Sitzung des Vorstandes der Arbettsgemeinschaft die Geschäfte. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Vezirksgruppe l Eharloltenburg. Montag, den 17. Dezember 1923, abends S Uhr pünktlich, im Nebengebäude der Synagoge Fasanenstr. 79,80, 3. Diskuli erabend. Referat des Herrn Direktor Dr. Gutmann: .Gedanken über liberalen Religionsunterricht." Vezirksgruppe ll Westliche Dororke. Donnerstag, den 20. Dezember 1923, abends S Uhr pünktlich, im Nebengebäude der Synagoge Zasaaensir. 79.80, Versammlung. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Dr. I. L. Seligsohn: »Religiöser Liberalismus." Die weitere Tagesordnung wird den Mitgliedern noch mitgeteilt. Vezirksgruppe VI Vörden. Regelmäßiger Freitagabendgotkesdienst im Auerbachschen Waisenhaus. Schönhauser Allee 162. abends 7 Uhr. Freitag, den 7. Dezember 1923: Gottesdienst und Lhanukkahfeler 7 Uhr pünktlich. Freunde und Anhänger unserer Bewegung sind herzlich eingeladen. m Das eiF Vürod.Vereinigung ™ Berlin W 8, Mauerstr. 22 Tel. Zentrum 162 geöffnet Montag bis Freitag 8y,-6>/2 Uhr. Spielwaren | jafltt Art, feinste Ausführung^ Puppen-kiinit V Mttchow I Breslau, Höschenstrotze 62 W an der Schillerstraße. F Erhaltet Eure Zeitung! Gutschein für die Bezieher der „Jüdisch-liberalen Zeitung« über ein Inserat in Größe von 4 sechsgespaltenen Zeilen nach R. Moffes Normal- Zeilenmeffer Nr. 4. Bei größeren Anzeigen wird dieser Gutschein bis 31. Jan 1924 in Zahlung genommen. Gültig nur für kleine Anzeigen, Stellengesuche und Familienanzeigkn. Die Geschäftsstelle. Herousgeber: Bereinigung für dos liberale Judentum «. B , Berlin W8. — Verantwortlicher Schriftleiter- H. Ster», Berlin. — DrmI: ft Lantzsch, Verttn S14, Wallstr. öS.