Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 3 (1923)
- Issue
- 29 (17.11.1923)
- Date
- 1923-11-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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pon ostjüdischen Familien, die z. T. seit Jahrzehnten dort vorwurfsfrei leben, das Eastrecht gekündigt, und zwar unter solch fadenscheinigen Vorwänden, dah man annehmen könnte, Herr v. Kahr habe die Ausweisungsbefehle der rheinischen Gewalthaber als Muster benutzt. Sogar eine reichsdeutsche Familie.befindet sich unter den Ausgewiesenen. — Wir wissen wohl, dah die Ostjudenfrage lein einseitig jüoisches Problein ist, aber die bayerische Regierung hat mit ihrem ungeheuerlichen Vorgehen, von dem man noch nicht sagen kann, ob es abgeschlossen oder nur ein erster Schritt ist. den Beweis erbracht, das; es ihr gar nicht um Abstellung irgendwelcher Mitzstände zu tun ist, sondern einzig und allein darum, dein antisemitischen Furor Konzessionen zu machen. Oder sollte sie glauben, auf diese Weise dem hungernden Volke Brot zu schaffen? Oder die Ehre der schwarz-weih-roten Flagge wiederherzustellen? Oder sollte sie gar die Absicht haben, den Quälgeistern an Rhein und Ruhr an recht handgreiflichen Beispielen zu zeigen, wie selbstbewusste Machthaber an Wehrlosen ihr Mütchen iühlen? — Zur Empörung über das himmelschreiende Unrecht, das hier wieder einmal Glaubensgenossen zugesügt worden ist, tommt die Scham über die Unehre, die die „berufenen" Retter Deutschlands dem deutschen Namen zugefügt haben. — ZI Frontbundgeisi. Von I. Ledermann. Berlin. Als sich vor wenigen Tagen ein durch die strupellose Hetze antisemitischer Agitatoren aufgepeit schier Mob zum erster, Berliner Pogrom anschickte, waren in kurzer Zeit die Abwehrabterlungen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten zur Stelle. Sie griffen mutig und mit E'Z'olg ein und blieben nicht ohne Opfer. Wenn man selbstverständlich nicht für unwürdige, ihrem Judentum gegenüber verantwortungslose Gesellen, gegen die eine Empörung! jf lein,eise zu Recht bestand, eintreten mochte, so schied das doch für den Augenblick aus. Ls hieb: „Jüdisches Leben: m ist in Gefahr."' Dieser Alarmruf mobilisierte die Front-;| soibaten. Alles andere überlieh man einer späteren Stunde.: §j In solchen Augenblicken der Gefahr und der Not fi strömten dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten plötzlich: || neue Freunde und mit ihnen auch sie so Heist ersehnten,' 1 bitterlich notwendigen „Gaben" zu. Das Eis der Zaj 11 differcnz barst, und es zeigte sich ein 'lebhaftes Interesse! Z für die Frontsoldaten. Diesen neugewonnenen ..November- > gj interessenten" scholl teilt adwehrendes „zu spat" entgegen: Z aber die weitaus grötzte Zahl unserer Glaubensgenossen M schläft unter der dicken Kruste der Gleichgültigkeit einen gar j g tiefen Winterschlaf. Sie müssen erwachen; ihnen sei ein- § mal zugerufeo, m-z der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten eigentlich will: Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ist nicht gewillt, die mastlosen Drohungen deutschvöltischer Gegner zur Tat werden zu lassen. Er wird alles aufbieten, um zu verhindern, dast ruchlose Gesellen sich an jüdischem Leben vergreifen. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten will die lebende Statistik der jüdischen Frontkämpfer sein. In jeder tunlichen Form stellt er fest, dah die Juden im Weltkriege ihren christlichen Kameraden in nichts an Opfermut und Lebenshingabe nachstanden. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten tritt in Wort und Tat in der Groststadt und im Kurort für Schlichtheit und Takt in Kleidung und Auftreten eines jeden Juden ein. Er hat bereits vielerorts erzieherisch gewirkt. Selbstzucht ist das hohe Ziel des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ist ein Freund 1 der körperlichen Ertüchtigung. Er steht eng zur jüdischen Jugend. Die Jugend steht mit in der Abwehrfront. Sie soll das Rekrutendepot des Frontbundes werden. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat beschlustgemäst jede Auseinandersetzung über parteipolitische Fragen nur enge, kleine „Schulen", denn anders durften jie nicht rin Ghetto bauen. Freindarviz war für ihn die Kleidung der Andächtigen, des Rabbiners, des Barbeters. Staunend hörte er die Klänge der Orgel, den Wejaug des gemischten Chors. Die Predigt, die deutschen Gebete suchte er zu verstehen. Manches hebräische Gebet vermiete er, andere kannte er nicht, die waren erst nach seiner Zeit r.Ufiaaom. Aber aus seinein kleinen Gebetbuch konnte er mitbetcn. konnte er dein Gottesdienst folge» In der Lade ftanbcu die Thorarolleu wie einst. Eine Thorarolle hob man aus, ein „Kohen", ein „Levi" wurden aufgernfcn. Mit» Rührung hörte er aus dem Munde eines Knaben, eines „Barnizwoh", die alten Segenssprüche. Ihm war es, als hätten die Enkel pietätooll das Haus der Ahnen erhalten, auch wenn sie manches irnigestaltet hatten. Er fühlte, daß ein Gotteshaus kein Museum sein darf, das man unverändert erhält» weil man es nicht bewohnt: daß es ein Wohnhaus ist, in dem man mit Stolz und Verständnis das Alte erhält. Das Familienhaus eines alten Geschlechts, in dem doch nichts kehlt, was die Neuzeit Gutes geschaffen hat. Still saß daneben der Enkel. Das Hebräiscl>c war rhm fast fremd: aber er empfand deutlich, daß nur deutsche Gebete den seelischen Zusammenhang zwischen ihm und den Ahnen zerstört hatten. Die Thorarolle erschien ihm wie ein altes Familienbuch, /das man mit Stolz und Rührung anschaut und liest. Die Thoraschilder waren die Wappenschilder eines uralten Geschlechts. Er war nicht gläubig, soweit er überhaupt je über Glauben nachgedacht hatte. Aber — waren cs die Gespräch' mit dem Ahnen, war es das Zusammensein mit dem Alten - ein warmes Gefühl durchströmte ihn, als gehöre er doch hierher, als könnte er hier Frieden, Sabbathstimmung empfinden, als wäre es draußen für den Juden oft kalt wie in der Fremde, hier warm wie in der Heimat. Die Psalmen des Morgengebetes sprachen zu seinem Herzen, als wären sie neire Wahrheit. In der deutschen Bibel folgte er der Thoravorlesung, nicht jedes Wort glaubend, aber voll Verständnis für ein Buch, das das Seelenleben der Geschlechter vor ihm und darum auch sein Innerstes gestaltet. Nachdenklichr als je lauschte er der Predigt. Warum nicht auch auf Worte hören, die mit der Stimme des eigenen Blutes gesprochen werden? Die Hände von Ahn und Enkel fanden sich Alte und neue Zeit waren vereint. und Standpunkte der verschiedenen jüdischen Richtungen verboten. Mit allen jüdischen Organisationen verbindet ihn ein freundschaftliches Verhältnis. Als am 21. und 22. Oktober d. I. der Delegiertentag des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Berlin tagte, schlosj der Vorsitzende des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Hauptmann a. D. Dr. Löwenstein, die erhebende Tagung mit dem alten MaN'abäerruf Ehasak - sei stark. Ans den erschütternden Berichten der Kameraden aus Bayern, Schlesien. Ostpreutzen und dem Rheinland klang dieser Ruf als Grundion aus allen Referaten. Kein Wort der Klage über den bitteren Kampf, den wir zu kämpfen haben! In diesem Kampf scheint ein Segen zu liegen, denn aus ihnl wächst die Kraft. Aus Kraft und Verantwortlichkeit wird jenes eherne Menschentum geboren, dessen Repräsentant der jüdische Frontsoldat in dieser schweren Stunde sein soll. Wir stehen vor dem Makkabäerfest. Unsere Jugend begeistert sich an den Heldentaten unserer Vorfahren. Willst du, Kamerad von eiilst, abseits stehen? Gliedere dich den Reihen unseres Bundes ein! Denk an die 12 000 Hcldengrüber auf allen Kriegsschauplätzen der Welt. Reihe dich uns ein, um zu verhüten, dah einem Juden seines Judentuins wegen ein Haar öcmünrnt wird. Säume nicht, dann wird der alle Makkabüerruf Geltung haben, dann werden wir stark sein! pcessefonds! Mit freudiger Genugtuung stellen wir fest, daß unser Aufruf nicht ungehört verhallt ist. Es gingen im lause der vergangenen Woche folgende Betrage em: 'IN ii n ch e u - G l a d b a ch: lurn, B-.'Nihard Ai.n'l. Weyi, Heinrich Abraham, j e ii, — Gold m a r k. D n i s b u t p,: IN. Lv wc, Roseuthal. Albie. Hirsch, doch, G. Winter j c 3, — Gold m ark. Wir danken diesen Herren ganz besonders, da sie sich zu regelmäßigen Wonatsbeitragen in Goldmark bereiterklsrt haben: wir hoffen, daß alle, die es irgend vermögen, diesem Beispiel treuer Pflichterfüllung sofort folgen werden. ferner pinm.: - etu: Ern:> I: .sser-Berlin 2,10 Goldmark, Morn; .einiv-Berlin 2,— Goldmark, 'John Li m-Breslau 20 Milliarden, Gerhard Bettsacl-BreSlau 24 INitliatben. Enm Rosenthal, Ernst Aschassen- M. Hilf, Ernst Lessniann, ^^0» ii, Wilhelm .StU'iü, Hermann Meyer , S. Loewe , Dr. Rosen!i'-al, CStar -, Artur Ge rsrni, Hrrinriin Slraust. Kansiiiaiin, : Dr. Rvtteiislein, Theodor '. Rrrenöe-rr, LinarEvniüer, R. Auer- Geschäftsstelle der :|ii! .jüdisch-liberalen Zeitung-. I Aus Oesterreich. In Oesterreich ist zum ersten Male eine Einheitsfront der Juden, vornehmlich der zionistischen und unionistischen (Zentralvereinlcr) zustande gekominen, um bei dien Wahlen eigene jüdische Kandidaten durchzubringen. Wohl ist aber keiner der Parteien dabei gewesen. Die Nichtnationalen waren ihrer Gefolgschaften nicht sicher, die dann zum Teil ihre eigenen Wege gingen. Andererseits hatten sie zionistischen Führer wohl zuviel versprochen, als sie die Zurückstellung des nationalen Gedankens zugaben. — Ein besonderer Erfolg ist der Wahlgemeinschaft nicht beschieden gewesen: sie hat ein Gemeinderatsmjandat und mehrere Bezirtsratsstellen erlangt, dagegen in der Hauptsache, in den Wahlen zum Nationalrat, ist sie unterlegen. Man kann nicht sagen, dah dieser Ausgang bei allen Parteien Bedauern ausgelöst hätte. — Furor antisemilicus academicus. Während König Jerdiuaud von Rumänien in einer öffentlichen Rede gegen die antisemitischen Ruhestörer an den Universitäten scharfe und entschiedene Worte findet, sieht sichdie teutonische akademische Jugend genötigt, ihre Bestrebungen gegen die jüdischen Kommilitonen in unflätigster Weise forlzusetzcn. An der Wiener Universität ist der jüdische Gelehrte Prof. Kappelmacher mit Gewalt an der Abhaltung, seines Kollegs verhindert worden, so daß der Rektor sich gezwungen sah, in einer Kundmachung diesen Störern schärfste Mißbilligung und Verwarnung auszusprechcii. Zu Kappelmachers Vorlesungen erhallen nur noch die inskribierten Hörer Zutritt, um derlei Vorkommnisse zu vermeiden. An der Lemberger Universität sind tit der medizinischen Fakultät nur 46 neue Hörer ausgenommen worden, obwohl für 150 Hörer freie Plätze vorhanden sind. Wir brauchen nicht erst zu erwähnen, daß unter den Aufgenommenen sich kein Jude befindet. Auch die Universität Warschau will sich den Ruhm nicht rauben lassen und hat den Numerus clausus bereits offiziell eingcführt. Die Stellung des neuen polnischen Unterrichtsministers Grabski ist genügend bekannt. Die letzten antisemitischen Ausschreitungen in Berlin, als deren Träger neben halbwüchsigen Burschen in der Hauptsache auch die akademische „deutsche" Jugend anzusprechen ist, müssen uns veranlassen, auf der Hut zu sein, um die akademische Würde Deutschlands noch so weit zu wahren, wie diese dunklen Elemente es überhaupt noch zulassen. Nobelpreis für Medizin 1622. Der Nobelpreis für Medizin ist an zwei Forscher vergeben worden, die unabhängig voneinander beide das Problem der Muskelzuckung bearbeitet haben. Neben A. V. Hill-London hat den Preis der jüdische Gelehrte Meyerhof-Kiel erhalten, ein würdiger Vertreter deutsch-jüdischer Wissenschaft, dessen Arbeiten von den Gelehrten der ganzen Welt schon lange geschätzt werden. Auch dieser Mann wartet als Jude wohl vergeblich auf den Professorenstuhl einer deutschen Universität. Der neue Orgelgottesdienst in der Schönhauser Vorstadt. Wer in Berlin sein religiöses Empfinden befriedigen will, dein öffnen sich fast überall Gotteshäuser mannigfacher Art und Richtung. Nur der Norden ist stiefmütterlich behandelt. Dort sind alle Gebetstätten ausschließlich auf das Bedürfnis der Orthodoxie eingerichtet. Aber auch im Norden wohnen jüdische Menschen mit der Sehnsucht nach einein Gottesdienst, der über das Hergebrachte hinaus dos Gegenwartsgefühl befriedigt, in dem die Gebete als der wahre und verstandene Ausdruck ihres Fuhlens die Seelen erheben und die Klänge der Orgel die Weihe und Andacht der Feierstunde verstärken. Solchem Wunsche trägt die Ortsgruppe Norden des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde Rechnung, indem sie für den Bezirk Schönhauser Vorstadt in der stimmungsvollen Synagoge des Auerbachschen Waisenhauses Schönhauser Allee Nr. 162 einen Freitagabend-Orgel-Eottesdienst einrichtet. Der Gottesdienst enthüll jedesmal eine Predigt und beginnt regelmäßig um 7 Ahr. so daß jeder im Erwerbsleben Stehende ihn besuchen kann. Zum 1. Mal wird er am -30. November adgehakte n. Die Gebeiordnung baut sich auf dem Gebetbuch der Neuen Synagoge auf. doch unterscheidet sie sich von ihm durch mancherlei grundsätzliche Acnderungen. Dieser neue Orgelgottesdienst wendet sich an alle, die in der üblichen Synagogenzeit nicht frei sind, in denen die hergebrachte Form wahres religiöses Fühlen nicht mehr zu wecken vermag. Er möchte vor allem diejenigen zum religiösen Leben wieder zurückführen, die durch die Wirrnisse der Gegenwart sich ihm entfremdet haben öder, von dem immer stärkeren Hecvorkehren de; orthoidoren Standpunktes abgestoßen, der gottesdienstlichen Betätigung > fembleiben. Wohl ist Besuch des Gotteshauses noch nicht > Religion selbst. Aber die innere Teilnahme o n rechten Gottesdienste ist ein Mittel, das Herz allmählich dem religiösen Empfinden zu erschließen und religiöse und sittliche Tat zu werden. So kann und so soll dieser neue — recht bescheidene — Gottesdienst im Norden Berlins religiöse Saat für die Zukunft sein. Zur Einführung des neu eingerichteten Gottesdienstes findet am 27. November eine Versammlung statt, in der Herr Rabbiner Dr. Gottschalk über „Lebendige? Judentum" sprechen wird. Näheres ist aus der Anzeige in dieser Nummer zu ersehen. H. F. Modernes jüdisches Kunstgewerbe. Es :nuß uns liberale Juden, die wir dem religiösen Leben alte Kreise zurück und neue dazu gewinnen wollen, ganz besonders erfreuen, wenn auch die jüdische Kunst in den Dienst dieser Aufgabe gestellt werden kann. Es ist das Verdienst oon Frau Rosa Freudenthal-Breslau, aus diesem Gebiete einen ausschlaggebenden Anfang gemacht zu haben. In der von ihr ins Leben gerufenen „Kunstgewerbestube" sieht man nicht nur pie üblichen Formen jüdischer Kultgeräte, neue ansprechende Formen sind — zum Teil in Anlehnung an uralte Vorbilder — hinzugetommen und verniögen uns modernen Menschen künstlerische und religiöse Befriedigung zu geben. Die Gegenstände, die Frau Rosa Freudenthal anläßlich der Erziehungslonserenz in Berlin ausgestellt hat, sind einer eingehenden Betrachtung wohl wert. Jedem Geschmack wird Rechnung getragen, einfache Aussiihrungen können mit den kostbaren Prachtstücken der Sammlung in Wettbewerb treten und geben so auch deni weniger Begüterten die Möglichkeit, die häuslicher! Feste auch in Oer Form der dabei dienenden Kultgeräte besonders weihevoll zu gestalten. Da sehen wir einfache, gebatikte Barchcsdecken neben solchen aus blauem Samt mit kostbaren Stickereien, perlgestickte Tefillim-Beutel neben geschinackvollcn Mazzoth-Taschen: besondere Beachtung jedoch verdienen die ganz vorzüglichen Metallarbeiten, Mesusaus, Psom-Büchsen, Barches- und Pessach-Teller, Kiddusch-Becher und Channkkah-Leuchter. Es ist bei der Fülle neuartiger Formen unmöglich, den einzelnen Gegenständen gerecht zu werden, und nur einige besonders ins Auge fallende seien hervorgehoben. Bor allem zwei Habdalah-Teller ans Zinn. Entwurf Freudenthal, von denen der eine alte Symbole in ansprechender moderner Stilisierung aufweist. Sodann eine sehr schöne Bronze- Menorah von Leo Horwitz: von modernen Chanukkah-Leuchtern möchte ich besonders zwei recht einfache, vielleicht aber gerade oeshalb besonders ansprechende Ausführungen von Prof. Grotte-Breslau aus Messing erwähnen. Die Zahl der Mesusaus ist zu groß, um einzelne hervorzuheben, da sie alle von hervorragenden! Geschmack und künstlerischer Intuition beredtes Zeugnis oblegen. Einen Kiddusch-Becher in neuartiger Form von Adler-Hamburg halte ich für meine Pflicht, noch hervorzuheben. Auch unsere Kinder ko>nmen nicht zu kurz, für sie sind eigene Channkkah-Leuchter gcschafsen. Ein Channkkah-Spiel, nach der Idee Freudenthal von Dora Goldberg-Bcrlin ausgeführt, vermag ihnen Abwechslung im Trendeln zu gewähren, für das auch sehr nette neue Holztrendel vorhanden sind. Auch anderes Holzspielzcug ist von jüdischen Künstlern geschaffen, eine kleine hebräische Druckerei vermag sicherlick den Lernanfänger große Freude zu bereiten. Wunschbogen und Simchath-- Thora-Fäbnchen vcrvlolstäneigen diese Abteilung. Ein verdienstvolles Werk ist hier geschaffen worden: jüdischen Künstlern ist jüdische Betätigung gegeben, wirklich wertvolle jüdische Kunst, die dem Höchsten, unserer Religion, dient, spbt uns die Hoffnung, daß neues Leben in jüdischen Häusern durch diese Tat gefördert werde. Tank allen Künstlern, die ihr Bestes dazu hergegeben haben, Dank insbesondere Frau Freudenthal für den Mut, den Kampf mit der No' der Zeit durchgesührt zu haben zum Besten unseres Judentums. Di, Synagogenbau und Denkmalpflege.' Von Prof. Dr. Ing. Alfred Grotte-Breslau. Zu den Aufgaben des modemen Kulturstaates gehört auch die sorgsame Pflege der baulichen Kunstgegenstan.de. Diese ist in allen deutschen Staaten gut organisiert: so auch in Preuhen. Seltsam mag es darum erscheinen, datz gerade in diesem führenden Lande des Deutschen Reiches die z. T. recht beachtlichen Zeugen alter jüdischer Baukultur nicht immer gebübrend gewürdigt wurden, im Gegensatz zu Bayern und Hessen. So z. B. stand bis 1918 die prächtige, Ende des 18. Jahrhunderts erbaute Holz- *) Obigen Artikel entnehmen wir mit freundlicher Genehmigung des Verfassers und der Schriftleitung der,.Festnummer zum Ordenstage" der Grotzloge für Deutschland VIII. U. O. B. B. vom Oktober 1923.