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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-07-18 · 25 (18.7.1923) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
25 (18.7.1923)
Date
1923-07-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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¥ "‘1 aber damals auf die negative Kritik nicht beschränkt, sondern gleichzeitig eingehend dargelogt, worin die wirklichen Schäden des bisherigen Systems lägen und was zu ihrer Abstellung geschehen könnte. Herr Dr. L. war es, der damals meinen Darlegungen gegenüber erklärte, datz, wenn die Deputation nur geahnt hätte, daß derartige Erwägungen im Schatze der Schulverwaltung schwebten, sie ihre Vorschläge nicht eingebracht hätte. Er war es auch, der im Anfchlutz daran mir erklärte, datz ich die gesamte Lehrerschaft bei der Durchführung meines Reformplanes hinter mir haben würde und der mich bat, in ihrem Kreise darüber zu sprechen, was auch geschehen ist. Was ich in der Lehrervereinigung vorgetragen habe, waren dieselben Gedanken, die ich in der Denkschrift niedergologt, die dann die Repräsentanten-Versammlung zum Ausgangspunkt ihrer Interpellation gemacht hat. Wenn trotz alledem Herr Dr. L. es für gut findet, der Oeffentlichkeit seine Ausführungen zu unterbreiten, so ist er sich sicherlich bewutzt, damit dem Rufe nach Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit, den der Wahlspruch am Schlüsse seines Aufsatzes darstellt, in vorbildlicher Weise gerecht zu werden: „Niemand zur Lust, niemand zum Leide". 4. Wenn ich oben die wirklichen Kompetenzverhältnisse klargestcllt habe, so geschah dies lediglich zur Feststellung des objektiven I Sachverhaltes, nicht aber etwa, um mich durch Deckungnahme hinter dem »»'persönlichen Kollegium einer Verantwortung für irgend etwas zu entgehen, was ich tatsächlich zu vertreten habe. Vicht für Herrn Dr. Löwenberg, aber für die von ihm angerufene jüdische Oefsentlichkeit werde ich in einem besonderen Artikel darlegen, was auf dem Gebiet der Schulpolitik unserer Gemeinde wirklich auf mein Schuldkonto kommt. Die Oeffentlichkeit wird dann, ihres Richteramtes zu walten, in der Lage sein, auf Grund von Tatsachen und nicht auf Grund von Phantasien, und sie wird sich dann insbesondere auch ein Urteil darüber bilden, inwieweit wirklich „die Amtsführung des Herrn Dr. Freund für die Entwickelung des religiösen Unterrichtswesons ein Hemmnis bedeutet". Der (Weltkongreß jüdtfcberfrauen in Alien. Von Paula Ollendorff. I. Das Wort Tolstois: „Vor der Liebe gibt es keine Nationen, Nassen, Bekenntnisse, Dogmen, Gesetze, Gott will, daß die Menschen in Eintracht und Gemeinschaft loben", ist durch diesen Kongretz allen ein Erlebnis, ein gottgewolltes Erlebnis geworden. Kaum ausgesprochen, lag eine tiefe religiöse, fast etwas mystische Stimmung des Geführtwerdens über der Tagung. Sn die Wirklichkeit führte das straffe, parlamentarische Regiment der Amerikanerinnen. Zwanzig Minuten für jedes Referat, drei Minuten für die Diskussion, in der nächsten klopft der Hammer auf den Tisch — und die Rede mutz zu Ende sein. Diese Uebergerechtigkeit scheint bisweilen ungerecht. Aber sie führt zum Ziele, die Tagesordnung wird erledigt und gut erledigt. Vom American Council of Jewish Women jusammenberufen, fand dieser Kongrotz in Wien statt, das zur Kongretzstadt von Natur, Kunst, Temperament und Schönheit geschaffen ist. Die ersten Worte der Präsidentin, Mrs. Kohut, sprachen es aus, datz uns hierhergerufen hatte jene Liebe, die das Recht hat, zu helfen, wo Not ist, geistige, seelische, körperliche Not und die keine Gebenden und Empfangenden kennt, nur liebende Brüder und Schwestern. Neben M r s. Kohut, der Präsidentin, stand die Vorsitzende Mrs. Harris, eine wahrhafte Mutier, die selbst bei unbarmherzigstem Abschneiden des Wortes nach den festgesetzten Minuten lächelte und zärtlich blickte und die in ihrem eigenen Referate: „lieber besondere Aufgaben der Frauen-Organisationen" bewies, datz bei ihr Kopf und Her) gleich grotz sind. Sie verlangt von allen Frauen-Organisationen, datz sie demokratisch und nicht aristokratisch seien, datz es ihnen gleich sein mutz, aus welchem Lande, von welcher Richtung, von. welcher Bildung die Frauen seien, ihre ainzige Legitimation sei, datz sie Füdinnen. seien. Sn 16 Abteilungen. — Schul-, Sagend-, Emigration-, Siedelungs- und Landwirtschaftsabteikimg, hauswirtschaftliche u. sprachwissenschaftliche u. a. m. — wird gearbeitet. Alle Abteilungen haben nur ein Ziel: Glück und Ehre der Süden;u vermehren. Der Kongretz war von Mrs. Kohut vorgeschlagen worden )u wirksamer Hilfs- und Aufbauarbeit in Europa, und ohne Diskussion war er einstimmig von dem gesamten E. o. S. W. augenonnnen worden. Datz die Wiener jüdischen Frauen, wie sie vor 100 Sahren dem ersten Wiener Kongretz eine eigentümliche und unvcutzncye Stimmung und Farbe gegeben hatten (wie Var.chagen von Ense schreibt), auch der jetzigen Versammlung einen ein)igartigen Nahmen mit ihrer Anmut und Würde schenkten. )eigte sich schon am Begrützungsaberd. Der Bundespräsident Hainisch und seine greise Mutter, die bekannte österreichische Frauenrechtlerin Marianne Hainisch, erkannten durch ihr Erscheinen die weltgeschichtliche Bedeutung des Kongresses an. 5 r a u Hainisch auch in ihren Worten. Frau Anita Miiller- Tohen und Herr Oberrabbiner Dr. Ehajes betonten, die tiefe Bedeutung des Kongresses gerade für Oesterreich, das unter wüstem Antisemitismus leide, gegen welchen der Kongretz selbst der stärkste blickte mit erwachten Augen über das Hebräerhäuflein hin nach einem Haupte: er hatte Mose erkannt. Eine geheimnisvoll bewegte Stille, wie der lautlose Flügelschlag eines grotzen Vogels, ging durch die Halle. Daun winkle der Pharao. Und Mose, der den Wink kommen sah, trat aus der Reihe seiner Stammesgenossen. _ „ \,C^er du?" klang cs von der Höhe des löivenjiitzigen Lefselü yerob. „Sch bin Mose, der Sohn Amrams des Hebräers." Gan; kalt und klar kam die Antwort. »Du — unterstützest die Forderung der Hebräer?" „Sch stimme ihr bei, mit jedeni Atemzug, den ich habe". „Woher kommt euch plötzlich das Fortivollen?" „Aus unserer Her)eu Tiefe. Heimkehr ist die Sehnsucht eines jeden, der in der Fremde sitzt. Wir sind fremd in Aegypten, seit langem. _ Wir wollen heim." „Seit langem habt ihr des Niles Brot gegessen: wo bleiben Lohn und Dank?" „Den Lohn gaben wir in Arbeit, die härter war, als Menschen ertragen, unsere^ Lenden sind gebrochen davon. Ued Dank ist nur, wo Liebe ist. Zwischen Aegyptern und Hebräern aber war in aller Feit nichts als Hatz und Furcht." . Ein kleines, listig wissendes Zucken ging um dos Pharao Lippen. „Nichts als Hatz —? setzte er an, aber seine des längeren Sprechens ungewohnte Stimme verschleierte sich und brach, er mutzte sich räuspern und fuhr erst nach einer Weile fort: „Der Alte sprach von einer Heimat, die ihr suchen wollt. Welches Land, wohin mein Fester nicht reicht, ist euer?" „Die Stätte, die uns bestimmt ist, trägt einen Namen, den auszusprechen uns noch verwehrt ist." „Wo liegt sie? Welchen Weg gedenket ihr ein)uschlagen?" „Das wird sich uns erhellen, wenn erst der Fremde Wegstaub Protest war, sodatz es einer besonderen Resolution, wie beantragt war, garnicht bedurfte. Von Anfang an stand der Kongretz unter dem (Zeichen gespanntester Anteilnahme jeder Einzelnen, ungebrochener Eintracht und Nächstenliebe Aller. Man mutzte nicht, wer gab und wer empfing. Es waren verheitzungsvolle, tief empfundene Stunden des Austausches der Meinungen, des Willens zur Verständigung und Hilfe bis zur wirklichen Schaffung eines Weltbundes, der beschlossen und in Vorbereitung ist. Alles durchglüht von heitzer Liebe zum Fudentum, über alle Richtungen und Parteien hinweg, in dem einen Gefühl der (Zusammengehörigkeit. Ob, wie am ersten Tage, M r s. E i ch h o l z aus London und Frau Eschelbacher (Düsseldorf) über religiöse Erziehung sprachen, indem die eine das Gesetz, die allere den ö a b b a 1 in den Mittelpunkt der Erziehung stellte, beide aber die Verantwortlichkeit der Frauen für die Zukunft und für die Fugenl^betonten, Frl. P a p p e n h e i m von unserer, aller Frauen Pflicht zur inneren Reinhaltung unserer Gemeinschaft sprach, immer ertönte das Leitmotiv: „Wir alle tragen die Schuld aller, wenn unser guter Name, wenn unsere Ehre, unsere Reinheit in Gefahr sind!" Verantwortlichkeit in der Erziehung unserer Töchter und Söhne, Kampf gegen die doppelte Moral, war die Forderung. Ueber die Notwendigkeit internationaler (Zusammenarbeit gegen die Prostitution sprach M r. E o h e n aus London, der 20 Fahre in dieser Arbeit, seiner Lebensarbeit, steht. Er bringt Nesolutionen ein, die die Anstellung landfremder Mädchen in Bordellen unter strenge Strafe stellen. Es sollen an den Grenzen und in Hafenstädten Schutzhelme für alleinreisende Frauen und Kinder errichtet werden, die untereinander in -Verbindung stehen. Das englische Gesetz gibt der Polizei das Recht, jeden, der aus dem unsittlichen Lebenswandel eines Mädchens einen Erlös bezieht, ohne Aufschub MlM Zur Beachtung l Die nächste Aummerder^Züdilch-ttberalerr Zeitung" erscheint am 17. August. zu verhaften, autzerdem erhält er eine gesetzlich gebotene Prügelstrafe. Das Gesetz hat sich als sehr wirksam erwiesen. Am Tage vor seinem Fnkrafttreten flohen alle Händler aus England nach Nordfrankreich. Mr. Tohen sah auf einer einzigen Hafenstation 60 solcher Bestien. Nur in strengster Ueberwachung sei Besserung und Heilung des Mädchenexports zu unsittlichen (Zwecken zu erwarten. Besonders die südamerikanischen Behörden mützten scharf gemacht werden. Dafür sollen alle dortigen Frauen, auch die jüdischen Frauen, gewonnen werden, wie überhaupt gerade auf diesem Gebiete die internationale und die interkonfessionelle (Zusammenarbeit besser ausgebaut werden müsse. Eine besondere Resolution fordert ausdrücklich (Zusammenarbeit d,er interkonfessionellen Bahnhofsmissionen an den Grenzstationen (besonders holländische Eisenbahngrenzstationen und die an der östlichen Grenze werden betont). Am zweiten Tage sprach Frau Anilla Müller-Tohen, deren Temperament alle Delegierten faszinierte, über „Kinderfürsorge und Volksgesundheit". Sie fordert mehr System in der Fürsorgearbeit. Sie beklagt die Unzulänglichkeit der staatlichen Matznahmen. Wer so viele Alilliarden für Kanonen habe, begehe ein Verbrechen, mit Millionen an der Gesundyeit der Kinder zu sparen. Die verhungerten, verelendeten, kranken Ostjudenkinder seien eine Anklage gegen alle, die in Wohltätigkeit ein Opfer und keine selbstverständliche Steuer sehen. Sie fordert ganz andere Grundlagen für körperliche Erziehung. Sie spricht energisch gegen Moden in der Wohltätigkeit, einmal mutzten es nur Kriegswaisen, dann nur Pogrom-Waisen sein. Schlietzlich kamen besonders waschechte Ukraine-Kinder in Modo. Fe unglücklicher die Pogrome, desto willkommener die Waisen. Falls aber der Vater an Tuberkulose und die Mutter am Tgphus gestorben war, blieben die sieben hinterlassenen Kinder ganz uninteressant. Fn dem Turnunterricht und in den alten und neuen Sprachen bringt der Staat moderne Systeme, aber in der Kinderfllrsorge herrscht der blutigste Dilettantismus: System, Organisation, Verantwortlichkeit, Respekt vor dem Recht jedes Kindes sind von jedem Staat und jedem Fndividuum zu fordern. Mrs. Model, London, berichtete Uber die Tätigkeit der beiden grotzen jüdischen Frauen-Vereiue in England auf dem Gebiete des Mutterschutzes und der Kindererziehung. Fhre Hauptarbeit liegt iin Ostende von London, wo sie einen schweren Kampf gegen Unwissenheit, Kulturlosigkeit jeder Art und gegen Vorurteile kämpft. Sie betont immer wieder, wie ungerecht auf dem Gebiete der Taritos jede nationale Voreingenommenheit fei. Die Ostjuden dürfe man nicht nach den verächtlichen Schiebern und Schleichhändlern beurteilen. Sie seien oft eines Fdealismus fähig und eines Opfermutes in grotzen und kleinenOingen, datz es verständlich ist, datz Tausende ihr Leben für ihren Glauben opferten. Frau Braude-Holler aus Warschau berichtet über Kiuj dernot und Kinderhilfe in Polen. Fn beredten Worten und in dank- { barster Anerkennung gedenkt sie, wie übrigens alle Redner und i Rednerinnen des Kongresses, der grotzartigen Hilfe aus dem Ausvon unfern Lidern gefalln ist. Fn der Einsamkeit der Wüste müssen wir vorerst uns sammeln und harren, datz der Geist uns Weg und (Ziel weife." „Der Geist? welcher Geist?" „Des Volkes Geist!" Moses Augen blitzten hart wie in Drohung. Es war, als träte er wuchtig vor das Tor eines Geheimnisses, um es mit seinem Leibe zu decken? Der Pharao schwieg eine Zeitlang; aber man sah, er war noch nicht zu Ende. „Du hast gehört: es geht nicht," fing er wieder an. „pchatzhäuser und Tempel müssen gebaut werden. (Ziegel müssen gestrichen werden. Die Hebräer haben es bisher getan; sie werden es weiter tun." „Den Kriegsgefangenen Haufen gesteht man das Recht zu, schmähliche Arbeit zu verweigern; warum nicht öm Hebräern? Auch sie werden Kelle und 'Schaufel den Vögten hiuwerfen und sprechen: wir fronen euch nicht mehr, latzt uns ziehen." Ein grunzendes rachen unterbrach Mose: es war Re-meurheper, der es sich erlauben durfte, in ein Gespräch, das der Pharao führte, mit Meinungsäutzerungen einzufallen. „Ein niegefehenes Schauspiel!" höhnte er, „ein Hebräer, der dem Fronvogt die Stirne bietet! Bisher wutzten wir nur, datz Hebräer unterwürfig find wie kriechende Hunde und jedes eiqencn Willens entbehren.!" Dem Pharao schien der Einwurf willkommen. Seine Augen glitzerten, als freue er sich über die Röte zorniger Scham, die in Moses Schlafen gestiegen war. „Kannst du das leugnen?'" rief er auf den Hebräer hinab, lebhafter, als er bisher gesprochen. Aber Mose war schon wieder ruhig. „Fhr kennt das Volk nur in seiner Niedrigkeit." erwiderte er stark und gelassen. „Doch in ihm lebt eine Gewalt, unbekannt bisher, davon eure Verachtung nichts ahnt. Gebt acht, datz sie nicht mächtiger werde als ihr und euch überwindel" land. Fhr Referat wird ergänzt von Frau D r. K o r o l i k, dis die fruchtbare Tätigkeit der „Ose", der Gesellschaft für Verbreitung von Volksgesundheit unter den Süden, rühmt. Aus den Darlegungen der Frau Klotz (Lodz) lernen wir di? verzweifelte Lage der verlassenen Frauen und Kinder kennen, die durch die mangelnde ungesetzliche Trauung als unehelich gelten und keinen gesetzlichen Anspruch an den Gatten und Vater haben. Die ausgewanderten Männer verheiraten sich oft mit Frauen einer anderen Kultur, erzeugen mit ihnen Kinder und verlieren jedes Pflichtgefühl gegenüber der Verlassenen. Sie können durch kein Mittel gezwungen werden, für die erste Familie zu sorgen. Der Kongretz beschlietzl, datz alle jüdischen Organisationen sich mit allen Kräften dafür einsetzen sollen, datz die Rabbiner der Länder, in denen noch kein (Zwang zur (Zivilehe besteht, das Recht und die Pflicht haben sollen, zugleich mit der religiösen Trauung die (Ziviltrauung zu vollziehen. Schauerlich und pathetisch, wie ein Vialiksches Gedicht, war die Schilderung der Frau B u ch m i l aus der Ukraine. (Zuviel zum Hören! Die Rednerin war erstaunt, datz wir nicht alle schluchzten vor dem ungeheuren Sommer, denn das Pathos kam ihr aus ehrlichstem Herzen. Aber es war zuviel; was wir hörten, überstieg unsere Vorstellungskraft. Eine der sympathischsten Gestalten des Kongresses war M m e. Zadoc-Kahn aus Paris. Die Tatsache ihrer Anwesenheit auf dem Kongresse, ihr aufrichtiger Wunsch, uns allen Liebe und Güte zu zeigen, ihre Bemühung, die Verbindung zwischen den französischen Füdinnen und denen aller, auch der früher feindlichen Länder fest zu knüpfen, war rührend. Als tatkräftiges Mitglied der internationalen associaiion pour la protection de la jeune fille schlägt sie intensivste Verbindung aller Organisationen gegen Schund- und Schmutzliteratur. gegen (Zulassung Fugendlicher zu öffentlichen Tanzlokalen usw. vor. Eine diesbezügliche Resolution wird einstimmig angenommen. Fhrem Referat schlossen sich Berichte der Delegierten aller Länder an. (Schlutz folgt.) (Züdische Kunst auf der Grotzen Deutschen Kunstausstellung Karlsruhe 1923. Vor Kurzem wurde die Abteilung für angewandte Kunst der Grotzen Deutschen Kunstausstellung in Karlsruhe 1923 der Oeffentlichkeit übergeben. Sn Erkenntnis der bedeutenden Rolle, welche von jeher die Kirche bei Ausübung und Fortentwicklung der Kunst, insbesondere auch handwerklicher Kunstausübung spielt, wurden in der genannten Abteilung einige Kirchenräume geschaffen, unter denen auf Anregung des Bad. Landesgewerbeamts erstmals auch ein fynagogaler Bau vertreten ist. Der Bad. Oberrat der Fsraeliten griff mit erfreulichem warmem Fnterefse die Anregung auf und lieh nach (Zusammenruf Karlsruher frei schaffender Künstler jüdischen Glaubens ein räumlich zwar kleines aber autzerordentlich glückliches Tempelinnere entstehen, welches gleichzeitig den besten Ausstellungsraum für rituelle jüdische Kunsterzeugnisse bildet. Die Raumschöpfung selbst stammt von Architekt Dipl.-Fngenieur Richard Fuchs, Karlsruhe und klingt an alte gute Beispiele Fränkischer Holzsynagogen (Bechhofen bei Ansbach und Horb in Oberfranken) an, deren rechteckiger Grundritz und halbkreisförmiges Tonnenholzgewölbe frei übernommen wurde, ebenso wie die mit säulenartigen Holzpfosten gebildeten beiderseitigen Nischenerweiterungen der Längsseiten. Das Gewölbe ruht beiderseits auf simsbekröntem Architrao, der durch die genannten, in derben Schnitzformen neuzeitlich gestalteten Pfosten abgestützt wird. Die durch das Tonnengewölbe oben abgeschlossene senkrechte Rückwand wird im Halbkreiswinkel durch ein Rundfenster unterbrochen und zeigt darunter den giebelartig überwölbten Umbau der heiligen Lade, der gegenüber dem Eingang liegt. Die Raumgestaltung wurde von der bekannten Möbelfabrik Reutlinger & Eo. Karlsruhe kostenlos durchgeführt. Die farbige Behandlung dieser klaren Architektur übernahm Kunstmaler Leo Kahn, ein Schüler Prof. Haueisens, Karlsruhe. Während die glatten unteren Wandflächen in einem ruhigen, warmen und doch kräftigen Rot gehalten sind, vor dem die in erfreulicher malerischer Verschiedenartigkeit behandelten farbigen Säulenpfoslen angenehmst abstechen und die Umrahmung des Thoravorhangs mit sich dem Hauptstück der vornlaistungsgemätz gegen Ost gerichteten Rückwand besonders gut abhebt, begrenzen die Einzelprofile des Architravs in farbenfreudigem rotem und blauem Strich dem im Profil leichtgeschwungenen weihen Fries. Hebräische Verse aus den Sprüchen Solomons schmücken die beiderseitigen Friese mit ornamentalen hebräischen (Zierbuchstaben. Besonders reizvolle Bemalung zeigen die Tonnengewölbfläche und die halbkreiszirkel der Schmalwände. Die Wölbungsmille wird von. einem kreisrunden Felde in rechteckiger Friesumrahmung gebildet. Fm Kreiszentrum hängt an messingner Kette eine blankpolierle messinggedrehte achtarmige Sabbathlampe für elektrisch Licht herunter, der ein zierlich profilierter Abtropfbehälter lediglich als schmückende Beigabe nach altem Muster beibehalten ist. Die Formgebung ist vom ausführenden Künstler Abraham Hasgall Gailingen-Dietzonhofen unter Einschaltung der feststehenden Grundform in reicher materialgerechter Profilierung feinst gefühlt und neuzeitlich aufgefatzt. Fm ringförmigen Spruchband des Atittelfeldes sagen uns die hebräischen Lettern: ich liebe im Gotteshaus zu weilen. Das rotgrundige Rechteck im Scheitelmittel ist von einem Blumenrankenornament gefüllt. Der graublaue Grund der Tonnenfläche wird mit leicht schwarz konturiertem grünlichem Ranken- Er trat zurück und stand in schicklicher Haltung, der Entlassung gewärtig. Er war es, der das Gespräch abgebrochen hatte, und das „Genug"! das der Pharao scharf wie ein Peitschenhieb hinter ihm dreinschmetterte, die heftig wegfegende Gebärde der edelsteinfunkelnden Hand fielen gleichsam ins Leere. Wedelträger und Türhüter walteten ihres Amtes, und die Hebräer fanden sich auf den heitzen Steinplatten des Hofes wieder. „Füdische Erziehungskouferenz" vom 8.—10. Oktober 1923 in Frankfurt a. M., veranstaltet von der Zentralwohlfohrtsstelle der deutschen Fuden, gemeinsam mit dem FUdischen Frauenbund. Montag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr. Einleitung: „Grundgedanken der Erziehungskonferenz". Vortrag: „Religion und Erziehung". Dienstag, den 9. Oktober, vormittags. Vortrag: „Die soziologischen Verhältnisse der Fuden in Deutschland". Vortrag: „Elternhaus und Erziehung". — Nachmittags: Gruppenbesprschung: Berufsberatung, a) für die männliche Fugend, b) für die weibliche Fugend. Gruppenbesprechung: Schule und Erziehung. — Abends 6 Uhr: Vortrag: „Die Bedeutung der Fugendbewegung, a) Führerfrage, b) Vewegungsfroge. Mittwoch, den 10. Oktober, vormittags: Gruppenbesprechungen: Anstalt und Erziehung. 1. Stand des Anstaltswesens, 2. Führung durch das Heinl dos Füdischen Neu-Fsenburg. — Nachmittags: Sonderberatungen im Kreise der Anstaltskuratoren und beamteten Mitarbeiter. — Abends 7 Uhr: Gruppenbesprechungen: 1. Reform der Aufnahmebedingungen, 2. Reform der Wirtschaftsführung. 3. Reform der Erziehungsmethoden, 4. Ausbildung der Erzieher.

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