Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 3 (1923)
- Issue
- 25 (18.7.1923)
- Date
- 1923-07-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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merk spielender Formen übersponnen, welches mil wechselvollen Tierbildern belebt und von einem horizontalen Blumenrankenfrier über dem Architrav abgeschlossen. Hinten über der graugrünen Umrahmung der heiligen Lade hängt eine ebenfalls von Hasgall entworfene und ausyeführte polierte Messingampel für ewiges Licht in neuzeitlichem feinsten Detail des Aufbaues und der Profilierungen herunter. Das elektrische Licht erstrahlt in mattem gelblich-orange aus einer Art von Balustergetragenen Miniaturtempelchen, dessen entrückend und fein geschwungenes Dachlein in eine Spitze mit ausgeschnittenem Davidschild ausläuft. Der Lampenkörper wird von drei stabartigen Armen an Ringen gehalten, die oben in einem an einem Stab hängenden Kopfstück zusammenlausen. 2m rückseitigen Halbkreiszirkel halten zwei Trompeten blasende Löwen gewissermaßen das oben genannte Rundfenster, dessen Karton ebenfalls von Kunstmaler Kahn stammt und dessen vorbildliche Ausführung von Glatt in Pforzheim herrührt. Die Helle Zensierfüllung weist einen hebräischen Gebetspruch auf und wird von einem rötlich gerockten neuzeitlichen Friesband umrogen. Die übrige blaugraugrundige Wandfläche belebt farbiges Rankenwerk ähnlich dem des Gewölbes und ornamentale Früchteschalen schließen die oberen Zlächen von der glatten unteren Wandpartie ab. Dos Hauptstück der Rückwand bildet ein oller Thoravorhang der Karlsruher israelitischen Gemeinde aus lämischfarbener Moireseide mit reicher teils stark erhabener Goldstickerei in Formen des IS. 2ahrhunderts. Ueber den Gesetzestafeln als Mittelstück sehen wir zwei steigende Löwen unter der besonders kunstvoll gestickten großen Krone Davids. Unter den Gesetzestafeln steht in habrunder Linie ein hebräischer Vers für den Reujahrstag, darüber die Schofar- Embleme. Die Buchstaben sind durch aufgesetzte Punkte als Thronostikon (2ahr der Entstehungszeit) gekennzeichnet. Die Halbkreisfläche über der Tingangswandfeite harmoniert mit der gegenüberliegenden, nur betont ein von Löwen gehaltene baldachinartige Borhangsmalerei mit Davidsbild auf rotem Grund über dem Türfturz noch besonders den Zugang; anstelle der Früchtefchalm der Thoraseite treten Biumenvasen und 2 Kraniche sind reizvoll und launig an eine Stelle des pflanzhebenden Rankenwerks gesetzt. Tine bescheidene Schrifttafel nennt oben unterhalb der Decke den Künstler in hebräischen Buchstaben. Die Raumausstattung bildet außerdem noch ein ebenfalls vom Architekten gezeichnetes Gebetpult, dessen schmucke, gedrechselte Eckfäulchen und gute blaugrüne Farbgebung mit leichter Rankenverzierung ihn zu einem begehrenswerten Stück machen. Auf dem Pult stehen ein paar prächtige polierte Messingstandleuchter Hasgallscher ureigenster Schöpfung. Line Menorah für Lhanukkah (achtarmiger Befreiungsfestleuchter) schmückt den Raum als entwurflich wie technisch erstklassige Arbeit desselben Künstlers. Die elegant geschwungenen lgraartigen Arme enden in leicht schräg ansteigender Linie, deren Mitte als Höhepunkt Davids Wappen krönt. Als weiteres Ausstellungsstück verdient eine messingene Menorah für häuslichen Gebrauch der Erwähnung als treffliche Arbeit des Münchener Bildhauers Arnold Zadikow. 2n gutem ornamentalen Aufbau sind die Wappen der 12 Stämme und zwei Löwen als tragender Moment für die 8 Arme verwendet. Erfreuliche Arbeiten stellen auch Zadikows rituelle Plaketten dar. Kanaan und die 2ubiläumsmedaille der jüdischen Loge in München. Hasgell zeigt noch eine für häuslichen Gebrauch geschaffene kleinere Menorah in ähnlichen Formen wie die größere und in gleich hochstehender Auffassung und Ausführung. Seine messingne Sabbathlampe für Oel mit Abtropfschale in ihrer Zeichnung und Ausführung läßt ihn ohne weiteres als Schöpfer erkennen, während ein außen über die Türe hängende messingener Misrachteller und zwei herrliche blankpolierte Mefsingsabbathleuchter in einer benachbarten Vitrine den Künstler auch als entwurflich wie technisch vorzüglichen Metallarbeiter auf eigenen Wegen gehend kennzeichnen. Eine in schönen neuen und schlichten Farmen gehaltene und den Zeitverhältnissen gut angepaßte schmiedeeiserne Menorah kleinerer Art in der gegenüberstehenden Vitrine stammt entwurflich von Prof. Grotte, Breslau und wurde in der Kunstgewerbestube Rosa Freudenthal, Breslau verwirklicht. Friedrich Adlers Kunstgewerbestube, Hamburg sehen wir neben dem Misrachteller mit vier Fensterkartons, darstellend je zwei Stammeswappen in. neuzeitlicher Auffassung vertreten, die jedem Tempel zu erhebendem Schmuck dienen würden. Schließlich wird in dem als 2nnenbaufchöpfung Prof. Schwarzenbergers (Landeskunstschule Karlsruhe) sehr originellen und bemerkenswerten Graphikraum noch einige rituelle Drucke der Bielefeldfchen Verlagsbuchhandlung Karlsruhe ausgestellt. Der im Anschluß an die Abteilung für angewandte Kunst im Freien angelegte Friedhof läßt leider im Gegensatz zu vorstehenden Gebieten künstlerischen jüdischen Schaffens Beispiele israelitischer Friedhofkunst vermissen, obwohl gerade hierfür eine Anregung und Aneiferung auf die Poesie und andachtsvolle feine Stimmung alter jüdischer Friedhöfe zurückzukehren (Worms, KUlsheim etc.) außerordentlich erwünscht, ja sogar notwendig gewesen wäre. Möge die verhältnismäßig kleine, aber nur mit ausgesucht guten rituellen Stücken beglückte Karlsruher Spezialausstellung ihre Früchte zeitigen und vor allem beweisen, daß auch rituelle Kunst erfreulich fortschreitet, um zu gedeihen aber auch der Förderung «nd Unterstützung verständnisvoller Kreise bedarf. Otto Linde, Baden-Baden. Me jüdische Gegenwart. Die Verteilung, der Spende des 2olnt Distribution Tommittee an die jüdischen Wohlfahrtseinrlchtungen Deutschlands. Am 3. 2uni 1923 trat in den Räumen der 2üdischen Gemeinde Berlin unter dem Vorsitz Eugen Taspargs und Teilnahme von Vertretern des Preußischen und Bayerischen Landesverbandes, der Gemeinden Berlin, Frankfurt a. ÄI., Hamburg, Leipzig, Köln a. Rh., sowie der Mitglieder des Arbeitsausschusses, der Reichsausschuß der jüdischen Gemeinden Deutschlands für die Verteilung von Auslandsspenden zusammen, um Uber die Verteilung der großzügigen 2ointspende endgültigen Beschluß zu fassen. Rach einer Begrüßung durch Eugen Easpary, der einen Ueberblick über die seit 2anuar geleistete Arbeit gab, nahm der Vertreter des 2oint Distribution Tommittee, Herr Dr. Senator, das Wort und führte kurz aus, daß die deutsche Sudenheit selbst ihr Tommittee gewählt habe und selbst für die Verteilung verantwortlich sei. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß das deutsche 2udentum, dem diesmal vom Gesamtjudentum Hilfe geworden sei, auch im gegebenen Augenblick den notleidenden Ostjuden brüderlich zur Seite stehen möchte. Rach herzlichen Dankesworten Dr. Hildesheimers namens des Reichsausschusses an. das 2oint Distribution Tommittee ergriff der Geschäftsführer Herr Dr. Segall mit Dank an den unermüdlichen Vorsitzenden das Wort zu den sachlichen Ausführungen über den Verteilungsmodus. Die zur Verfügung gestellte Summe ist an ca. 280 Anstalten der geschlossenen und halboffenen Fürsorge ausgeschüttet worden» anter Zurücklassung einer Reserve für die Einrichtungen der offenen Wohlfahrtspflege, für die die Verteilung in aller Kürze stattfinden wird. Die Anstalten sind in 6 Gruppen eingeteilt worden. Die Quotisierung auf dieselben wurde auf Grund sorgfältiger Unterlagen, die in Form von Fragebogen Vorlagen, durch die Geschäftsführung vorgenommen, während die Verteilung auf die einzelnen Znstilutionen durch Einzelreferenten aus der Mitte des Reichs- Lusschusses erfolgt ist. Es bearbeiteten: die Anstalten der Krankenfürsorge Herr Dr. Meier Hildesheimer, die Anstalten der Altersversorgung Herr M. A. Loeb, die geschlossenen Anstalten der 2ugendwohlfahrt Frau Wronskg und Herr Dr. Siegfried Moses, die Anstalten der Halboffenen Fürsorge Herr Dr. Ollendorff, Ferienkolonien Herr Dr. Lamm, Schwesternheime Herr Dr. Philipsborn. Der Reichsausschuß erklärte sich mit dem Verteilungsmodus völlig einverstanden und bis auf einige Aenderungen wurden die Vorschläge der Referenten und der Geschäftsführung genehmigt. Der Reichsausschuß billigte weiterhin einmütig, daß mit der Spendenverteilung auch eine soziale Anstaltsreform verknüpft wird. Auf Grund aufgestellter Richtlinien, die im Nachrichtenblatt 5. g. u. 7 der Zenlralwohlfahrlsstelle der deutschen Süden bereits veröffentlicht worden find. Die Durchführung der Reformen wurde der Zenlralwohlfahrlsstelle der deutschen Süden unter Mitwirkung der örtlichen Zentralstellen übertragen. Die Sitzung erstreckte sich bis zum Abend und wurde mit warmen Dankesworten des Vorsitzenden an den Reichsausschuß und an die Geschäftsführung geschlossen. Der Verband der Sgvagogeugemeluden Breslan-Llegaih hielt am 17. Sun» in Breslau seine diesjährige Hauptversammlung ab. Sn Vertretung des Vorsitzenden Herrn Emil Waldstein, der aus Gesundheitsrücksichten und wegen Arbeitsüberlastung sein Amt im Ausschuß niedergelegt hat, führt den Vorsitz Rabbiner Dr. Vogelstein-Breslau, der nach kurzer Begrüßung und Erledigung geschäftlicher Mitteilungen auf die mit der allgemeinen Kulturnot wachsende religiöse Rot und die Gleichgültigkeit und mangelnde Opferwilligkeil in vielen Gemeinden hinweist und als Beleg einige charakteristische Zuschriften von Verbandsgemeinden mitteilt. Dabei sei der Verband niemals so notwendig gewesen wie jetzt. Außerhalb der Tagesordnung berichtet Frau Professor Wohlauer-Breslau über die Bereitstellung von Mitteln für Anstalten durch den Minister, die jedoch nur an Zentralwohlfahrtsstellen vergeben werden. Es wird beschlossen, das Zentralwohlfahrtsamt der Synagogengemeinde Breslau mit der Vertretung für den Verbandsbezirk zu betrauen. Herr Erich Bager-Breslau berichtet über die Tätigkeit des Verbandes in dem abgelaufenen Sahre, die durch den Geldmangel infolge der rapiden Geldentwertung sehr beeinträchtigt gewesen sei. Die Opferwilligkeit und das Verständnis unserer Glaubensgenossen müsse geweckt werden. Er empfiehlt Entsendung von geeigneten Persönlichkeiten zur Propaganda in den Gemeinden. Prediger Bähr-Waldenburg referiert ausführlich Uber die Erhaltung der mittleren und kleineren Gemeinden, deren religiöses Leben schwer gefährdet sei, da die Beamten infolge völlig unzureichender Besoldung sich vielfach anderen Berufen zuwenden. An seine Ausführungen und den von ihm eingebrachten Vefchlußantrag knüpft sich eine eingehende Diskussion, in der diese Fragen von allen Leiten beleuchtet werden. Die Resolution Bähr wird mit einigen von Sustizrat Hirschberg-Breslau beantragten, vom Antragsteller gutgeheißenen Abänderungen in folgender Fassung angenommen: Der Ausschuß wird beauftragt, 'die Propaganda in der von Herrn Bager angeregten Weise tatkräftig in die Wege zu leiten und ferner den Zusammenschluß nicht lebensfähiger Gemeinden zu leistungsfähigen Zweckverbänden zu führen. Der Kassenbericht, der in Einnahme und Ausgabe mit 75 000 JL balanziert, wird genehmigt, dem Lchatzmeister und dem Ausschuß Entlastung erteilt. Von der Aufstellung eines Haushaltsplanes wird mit Rücksicht auf die Unklarheit der Geldverhältnisse abgesehen, die vom Ausschuß beschlossene Erhöhung der Beiträge auf das Zwanzigfache des vorjährigen Betrages genehmigt. Rabbiner Dr. Vogelstein berichtet über den Ltand des Religions-Unterrichts in den Verbandsgemeinden, Sustizrat Hirschberg über den Preußischen Landesverband. An Stelle des Herrn Waldstein wird Sustizrat Hirschberg in den Ausschuß gewählt. Herrn Waldstein wird für seine großen Verdienste um den Verband herzlichster Dank ausgesprochen und die Bitte an ihn gerichtet, auch in Zukunft dem Ausschuß mit Rat zur Leite zu stehen. Line Tagung des Mitteldeutschen Rabbinerverbaudes fand vor einiger Zeit unter Leitung des Kollegen Kahlderg in Halle a. d. 5. statt. Auf der Tagesordnung standen neben geschäftlichen Angelegenheiten die Referate von Goldmann, Leipzig, Uber „Die Ltellung und Bewertung des Gesetzlichkeitsprinzips in der jüdischen Religion" von Kahlberg, Halle, „Die Tätigkeit der Rabbiner in der Abwehrbewegung", sowie von Lalomonsky, Frankfurt a.O., über „Die soziale Lage des Rabbinerstandes". Die Besprechung des letztgenannten Themas füllte die Aachmittagssitzung völlig aus, denn die materielle Rot vieler Rabbiner ist so groß, daß die anderen Fragen und Sorgen dagegen verschwinden. Die Versammlung hielt es deshalb für dringend geboten, eingehend über Mittel zur Abhilfe zu beraten. Der Grund der Notlage ist zweifellos in manchen Fällen die Unfähigkeit, besonders kleinerer Gemeinden, die Mittel zeitgemäßer Besoldung aufzubringen. Lehr häufig jedoch fehlt auch den leistungsstarken Gemeinden der Wille zur Leistung. Das Beispiel mancher solcher Verwaltungen ist eine Lchande für das Judentum. Zur Behebung der Rot kommen vorläufig zwei Wege in Frage, die Rabbiner sollen durch Nebenerwerb den Weiterbestand ihres Rabbinats ermöglichen; der allgemeine Rabbinerverband in Deutschland, in dessen Vertretung der erste Vorsitzende B a e ck, Berlin, in Halle anwesend anwesend war, soll aufgefordert werden, den Rabbinern, die einen Nebenberuf ergreifen müssen, Rückhalt und Förderung zu gewähren und entsprechende Richtlinien zu veröffentlichen. Namentlich soll er den Rabbinern beistehen, die immer noch nicht in die Beamtenbesoldungs-Ordnung eingestuft find. Als zweites Mittel kommt der Kampf gegen Leistungsstarke, aber böswillige Gemeinden in Frage. Der Allgemeine Rabbineroerband in Deutschland soll mit dem Vorstand solcher Gemeinden in Verbindung treten und die Verhandlungen veröffentlichen. 2m Falle des Mißerfolges sollen die Rabbiner aufgefordert werden, solche Gemeinden zu boykottieren. Sn der Abendsitzung wurden die beiden anderen Referate besprochen. Die Ausführungen Goldmanns, die Grundfragen des Judentums berührten, gaben Anlaß zu längerer Aussprache. Sm Anschluß an das Referat Kahlbergs wurde empfohlen, der Tätigkeit des T. V. weitestgehendste Unterstützung zu gewähren. Nachdem Lalzberoer, Erfurt, zum Ehrenmitglied und Kahlberg, Halle, zum Vorsitzenden des Verbandes gewählt worden war, lyurde in vorgerückter Stunde die Versammlung geschlossen. Aus den Ortsgruppen und Gemeinden. Berlin. Man schreibt uns: Die Ecke Kurfürstendamm und Soachimsthalerstraße (vom Taf6 Größenwahn bis zur Parfümerie Lcherk, besonders vor dem Zigarren-Geschäft Palm) ist seit ca. drei Sahren der Tummelplatz einer Rotte von 12—16 jüngerer und älterer Burschen, typischer Galizier, die dort in ungeniertester, flegelhafter Art herumstehen, gehen und zu Paaren ihren Unfug treibend, die Passanten um alte Kleider ansprechen und auch — — andere Dinge offerieren und damit einen großen Unwillen, besonders bei christlichen Passanten durch diese andauernde Anrempelung Hervorrufen! — Sn völkischen Versammlungen ist in letzter Zeit oft unter losendem Beifall der Zuhörer auf diese tatsächlich skandalösen Zustände hingewiesen worden und für die „totale Verjudung Berlins" — der „Beweis" (l) erbracht worden! — Sm Sntereffe aller guten und ehrlichen deutschen. Süden, die mit diesem Treiben einer Rotte arbeitsscheuer Burschen nichts zu schaffen hat, wäre es dringendst erwünscht, daß diese Leute mit Hilfe der maßgebenden Organisationen der Südischen Gemeinde allerschnellst e n s von der Bildfläche verschwänden — und zwar dauernd l l — Von einer „Notlage" dieser Leute kann schon deshalb keine Rede sein, weil sie alle ohne Ausnahme aufs Eleganteste gekleidet sind und den Tag über, Zigaretten rauchend und auffällig gestikulierend, herumlungerni Berlin. Unser geschätzter Mitarbeiter Herr Lehrer Hermann Becker, Lchöneberg, Gossowstraße 2, feierte am 24. Suni seinen siebziegsten Geburtstag, sowie gleichzeitig sein 50jähriges Dienstjubiläum. Wir wünschen dem Subilar, der in seltener Frische diesen Ehrentag begeht, noch viele Sahre rüstigen Wirkens und Schaffens für die jüdisch-liberale Lache. Berlin. Schaffung neuer fester Religion«- lehrerstellen in der Südischen Gemeinde zu Berlin. Die jüdische Gemeinde plant eine völlige Umgestaltung de» Reilglonsunlerrichts. Sn diesem Zusammenhänge besieht die Absicht, zur Erteilung des Unterrichts an den höheren Lehranstalten eine Neihe weiterer fester Akademikerstellen mit Pensionsanspruch;u schaffen. Die Besoldung soll nach Gruppe 10 der Reichsbesoldungsordnung erfolgen. Verlangt wird Rabbinerqualifikation oder die Befähigung für das höhere Lehramt und Qualifikation zur Erteilung von Religionsunterricht. Bewerbungen können bis zum 1. Suli an das Lchulbüro der Südischen Gemeinde, Oraniburgerstraße 29, gerichtet werden. Breslau. Aus dem Gemeindebüro wird uns geschrieben: Sm Laufe dieser Woche haben die städtischen Steuerzahlstellen die ersten Aufforderungsschreiben zur Vorauszahlung der Kirchentyro. Kultussteuern versandt. Diese Vorauszahlungen haben die hiesigen Religions- Gesellschaften nach langen Verhandlungen mit dem Finanzamt endlich durchgesetzt, da sie nicht warten können, bis nach der Veranlagung zur Reichseinkommensteuer die endgültige Kirchen- bzw. Kultussteuer veranlagt und eingezogen wird. Vielfach ist man erstaunt, daß als Vorauszahlung das 20fache der vorjährigen Steuer erhoben wird. Da im vorigen Sahre die Steuer doppelt erhoben worden ist, so beträgt die Vorauszahlung das 40fache der ursprünglichen Steuer. Dieser Betrag ist im allgemeinen bestimmt nicht zu hoch gegriffen. Zu Beginn des vorjährigen Haushaltsjahres stand der Dollar etwa 300 Ji, dagegen?u Beginn des Haushaltsjahres 1923-24 rd. 21000 JL und jetzt über 75 000 JL Die Vorauszahlungen werden also in Geld geleistet, das gegenüber der vorjährigen Steuer um das 250fache entwertet ist. Es erheben die Religionsgesellschaften an Vorauszahlungen noch nicht einmal soviel, um für!4 Sahr wirtschaften zu können. Natürlich ist möglich, daß in einzelnen Fällen das Einkommen auch nicht im Entferntesten der Geldentwertung entsprechend gestiegen ist. Sn diesen Fällen wird allerdings das 40fache zu hoch gegriffen sein. Dafür besteht aber auch kein Zwang, den geforderten Betrag in voller Höhe zu zahlen. Diese Zensiten werden daher einen geringeren Betrag oder garnichts an Steuern vorauszahlen. Selbstverständlich steht es den Zensiten auch frei, die geforderte Vorauszahlung in beliebigen Raten zu leisten. Wir hoffen, daß unsere Zensiten sich ihrer Verantwortung gegenüber der Rot der Gemeinde bewußt sein werden und den angeforderten Betrag tatsächlich mit tunlichster Beschleunigung zahlen werden, sofern er nicht in einzelnen Ausnahmefällen wirklich zu hoch gegriffen sein soll. Unser hochgeschätzter Mitarbeiter Herr Dr. phil. M. Spanier in Magdeburg beging am 2. Suli seinen 70. Geburtstag. Unsere Leser wissen, wieviel lehrreiche und gedankenvolle Beiträge die „Südisch-liberale Zeitung" seiner fleißigen Zeder verdankt. Wir vereinen unsere herzlichsten Glückwünsche mit denen unserer Magdeburger Ortsgruppe, zu deren Gründern und eifrigsten Vorkämpfern Herr Dr. Spanier gehört, und wünschen ihm von Herzen noch recht viele Sahre segensreiche Wirksamkeit für die Sdeen des liberalen Sudentums. ßücbertiCcb Sagen und Siwer ut oler Welt, gesammelt von Wilhelm Busch, herausgegebeu von f. Neffen Otto Aöldecke. Leipzig 1922. „Ut öler Welt" klingen uns in diesem Büchlein Sagen und Erzählungen entgegen, und der gute alte Wilhelm Busch erzählt sie uns in seiner Art und illustriert sie uns, das sagt schon alles. Es tut wohl, sich in dieser ernsten Zeit in diese humorvolle kleine Geschichtchen zu versenken, und es ist einem wirklich, wie wenn man in der alten Zeit leben würde und diesen Geist wieder atmen dürfte. Wer Sinn für Sagen und Legenden, für Volkspoesie hat, der greife zu diesem Büchlein. . C=3—C=f— <=>•• £=?•• CS3»« £=>•• C9M C=}— Arbeitsgemeinschaft jüdisch,liberaler Jugend-Vereine in Veutschland r 311 Berlin II Büro: W 8, Mauerstr. 22 (Zentrum , 62) Donnerstag, den 19. Zull 1923, abendr von S Uhr an 0 Zusammensein :m Belitzhof, Restaurant Schloß Wannsee (Bahnhof Aikolarsee). Sonntag, den 22. Zuli 1923 8* Tageeausflug Zeuthen Ranchtangswerder Griioau. » Treffpunkt 8>>, Uhr Stadtbahnhof * Alexanderplatz, Ausgang Gontardftraße. U Donurrstag, den 2. August >923, abends 5 von & Uhr an Zusammensein tn Sadowa Restaurant Waldschänke (Direkt am Bahnhof). Sonntog, den 5. Angnst 1923 Bormittogsausflug nach Rikolarsee. Treffpunkt 9 Uhr Stadtb hnfleig Bahnhof Zoo. Abfahrt 9 * Ufer. Donnerstag, den t 8. August >923, abend» Zusammensein in der alten Zischerhütte (Bahnhof Zehlendorf-West). Sonntag, den 20. Angnst >923 Eagesunsflug nach Bernau — Liepnih-Ser. Treffpunkt 8 Uhr vor dem Stettiner Borortbaynho . Abfahrt 8.10 Uhr. Sli Breslau Büro: Höfchenstraße bl, II, L Bibliotheks-Ausgabe in der „Eintracht-, Tauentzienstr >2 (Eingang nnr Anger). Sonntag, den 15. und 29. Zull, 12. und 28. August 1923. vorm, von >1-1 Uhr. Jeden Alontag abends von 8 Uhr ad Zusammenkünfte im Roland Sonntag» den 22. Juli 1923 Gaozlagsausflug nach Wartha-Silberöerg Treffpunkt 6 Uhr früh vor dem „Nord- Hotel". Abfadrt 7 Uhr von Bahnsteig 4 Sonntogrsahrkarten 4 Klasse nach Wartha Stadt selbst lösen Zührung: Herr Zonar Telephon Ring 392 J (Traumatin). Sonntag, den 5. August Nachmittagsausflng nach Masfelwitz Treffpunkt Endstation der Linie 8 Pöpelwitz 4 Uhr nochmittagr. Sonntag, den 19. August 1923 Sanztagsausflug nach dem Rummelsberge Treffpunkt 8 Uhr früh vor dem Rordtotel. Abfahrt 7 Uhr von Bahnsteig 4. onntagrfahrkarten 4. Kt. nach Rlünsterberg selbst löfen Ab I.Suli 1923ist für all,Mitglieder der Beitrag für dar UI. Quartal fällig Mindeftpfiichldeitrag M. 1000.- Wir trioarten veslimmt, daß die Mitglieder im Verein: intereff« den 'Pflichtbeitrag der Geldenlwerung entsprechend freiwillig erhöhen. Lin>ahlnngen sofort erbelen auf Postscheckkonto Brerlau No: 17443 Alfred Berger. r I ö 8 n~" >«,, 1 ,««, egg»« ■ Wir suchen zum baldigen oder späteren Antritt einen , 2 Religiooslehrer, Kantor und Schocket, 2 ■ welcher auch die Fähigkeit besitzt Predigten zu halten. ■ 2 Unver eirateier Herr wird bevorzugt. Bewerbungen mit 5 2 Zeugnisabschriften und Bild unter Angabe der Gehalts- 2 ■ Ansprüche zu r chten an den Vorstand der Synagogen- ■ 2 gemeinde in Leobschütz 0 /8. ■ 2 Gustav Sacks. 2 Allen lieben Freunden, Kollegen und Bekanntem die aus Anlaß meines 70. Geburtstages und 50 jährigen Dienst Jubiläums meiner so freundlich gedacht haben, sage ich auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Hermann Becker. Berlin-Schöneberg W. 30, Gossowstr. 2. Herausgeber: Vereinigung für das liberale Sudenlum e. V., Berlin W. S. — Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Hugo Rathanfohn, Lharlottenburg. — Druck: Gebrüder Maurer, Berlin SO. 26. Elisabeth-Ufer 28-29.