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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-06-22 · 24 (22.6.1923) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
24 (22.6.1923)
Date
1923-06-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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des Judentums: — „Nur in der rechten Tat erschließt sich das Wesen Gottes . . . Gott suchen, das ist: nach Gutem streben. Gott finden, das ist Gutes tun. Von Gott missen und das Rechte üben, sind gleichbedeutende Begriffe: Das ist zu allen Seiten Anfang und Ende und Inbegriff der jüdischen Religion geblieben . . . Religion und Leben werden damit aufs innigste verbunden... Ls gibt nur eine . . . Gottesnähe, die, welche durch die rechte Tat erreicht wird . . . Was die Religion der Propheten aufweist, blieb dem Judentum eigen; wir finden hier die bestimmenden Llemente feines Wesens . . . Das Judentum ist eine Religion, die ihre Bewährung im Leben sucht und in der sicheren Klarheit des Lebens auch ihre letzte und höchste Vollendung findet ... Die schließliche Antwort auf Hillels Latz: „Kein Unwissender kann fromm sein!" ist: Die Tat allein ist bestimmend in der Religion. Wer mehr der Erkenntnis hat, als der Taten, der ist wie ein Baum, der viele Zweige ha- und wenig Wurzeln . . . Daß eine religiöse, sittliche Tat geübt werde, das soll und kann von jedem gefordert werden, denn es ist Lache des Willens. Aber daß eine Lehre verstanden werde, kann nicht von jedem verlangt und nicht einmal jedem verheizen werden, denn es ist Lache des Intellekts . . . 2m Judentum soll die Religion nicht erlebt, sondern gelebt werden . . . Rur die rechte Tat stellt den Menschen in jedem Augenblick vor Gott. . . Die fromme Lat bildet so das einzige Fundament, auf das sich das Bekenntnis stützen kann . . . Auch das Judentum hat sein Wort, aber es ist ein Wort, „zu tun". Der einzige Ueberzeugungsbeweis ist die Tat . . . Diese Einsicht ist wie sie der Religion Israels von Anfang an eigentümlich ist, so ihr geblieben. Es läßt sich nicht verkennen, daß das Anwachsen der zeremoniellen Latzungen, des sogenannten Gesetzes auf diese Stellung zurückzuführen ist, die der Tat im Judentum gewiesen ist. Aber was besagt das gegenüber dem religiösen Wert, der in der wesentlichen Bedeutung des sittlichen Tuns gegeben ist? Diese ist dem Judentum zum Eharakter geworden so sehr, daß in ihm selbst alle Religionsphilosophie auf die Tat abzielt . . . 2m 2udentum ist es die Forderung bestimmter Handlungen, worin die Lorge an der Erhaltung-der Gesamtheit zum Ausdruck kommt. Zu den Aufgaben, die der Glaube an Gott und der Glaube an den Menschen stellen, treten die Pflichten, die sich auf die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft gründen, und die ebenfalls durch die Tat zu erfüllen sind ... Es sind die mannigfachen Gebote..., die alle unter dem Namen der Zeremonialsatzungen zusammengefaßt zu werden pflegen, öie dienen, wie gesagt, nicht der religiösen 2dee selber, sondern vorerst dem Schutze, dessen diese bedarf, der Sicherung ihres Bestehens durch das der Glaubensgemeinde... Als „gute Tat" wird niemals die Erfüllung einer Zeremonialsahung hingestellt, ausschließlich die ethische Handlung wird so benannt... All diese Satzungen haben sich nie zwischen den Menschen und seinen Gott gestellt, sondern nur immer von neuem an Gott gemahnt. Sie selbst galten nie als gute Werke, aber sie haben das Wirken für das Gute zu verlebendigen vermocht ..." — 2n ganz anderem Sinne ist für Buber**) die Tat aus dem mehr, motorischen als sensorischen Eharakter des jüdischen Volkes heraus eine der drei grundsegenden 2deen des 2udentums, wenn nicht die entscheidende: — „So stand schon in uralter Zeit im Mittelpunkte der jüdischen Religiosität nicht der Glaube, sondern die Tat.. Man denke aber nicht, daß damit seelenlose Werkeheiligkeil- oder sinnfremde Zeremonien gemeint seien; vielmehr war jede Tat, auch die geringste und scheinbar gleichgültigste, irgendwie auf das Göttliche bezogen . . . Das Urchristentum lehrt, was die Propheten lehrten: die Unbedingtheit der Tat. Denn es war niemals einer großen Religiosität daran gelegen, was getan wird, sondern einzig daran, ob es in menschlicher Bedingtheit oder in göttlicher Unbedingtheit getan wird... 2n dem absoluten Leben des jüdischen Volkes bedeutet der Ehafsidismus den bisher höchsten Triumph der Tatidee... Wir müssen, wenn wir wieder ein großes 2udentum haben wollen, dem Kampf um die Tatidee feine Größe wiedergeben ... Die Wahrheit als Tat ist das Ziel (des 2udentums), ihr zuzustreben, sein Sinn und Bestand... Das Sonder - wesen des 2udentums ruht weder im Religiösen, noch im Ethischen, sondern in der Einheit beider Elemente... Das Gute tun, heißt die Welt mit Gott erfüllen. Gott wahrhaft dienen heißt, ihn ganz ins Leben ziehen . ." — Diese vier Beispiele, die sich leicht ungeheuer vermehren und durch eine Blutenlese biblischer und talmudischer Aussprüche belegen ließen, mögen zum Beweis meiner These genügen, daß jeder Autor im 2udentum schließlich doch nur das sieht, was er sehen will. Für Frankel ist das 2udentum die Religion der zeremoniellen Tat, der Mizwaherfullung. Die Tat wird formell aufgefaßt. Die Tat um des Tuns willen. Ziel und 2nhalt sind so gleichgültig, wie die Gesinnung. Die Tat ist göttlich geboten und zu erfüllen. So wird das 2udentum zur Gesetzesreligion. Werkheiligkeit fein Ruhmestitel. Für Holdheim und Baeck ist das 2udentum die Religion der sittlichen, ethischen Tat, der Verwirklichung des Guten, die Tat wird objektiviert. Die Tat um des Getanen willen. Der Grund des Tuns und die Gesinnung des Täters bleiben außerhalb des Rahmens der Betrachtung. Das Gute muß verwirklicht werden, weil es das Gute ist, nicht weil Gott es geboten; vielleicht auch — (von den Ethikern natürlich nicht zugegeben, aber nächste Konsequenz ihrer Auffassung) —, weil das Gute **) Martin Buber: Drei Neben über dar Judentum. S. 79, $4,89 Der heilige Weg L. 17 ff. den biologischen Entwicklungsgesetzen entspricht oder dem wohlverstandenen Vorteil. Das 2udentum wird zur Ethik, Sittlichkeit sein Panier. Für Buber ist das 2udentum die Religion der Verwirklichung, der unbedingten Tat. Die Tat wird^fubjektiviert. Die Tat um des Täters willen. Der Zweck des Tuns ist so belanglos, wie die Handlung selbst. Die Tat muß getan werden, weil Entscheidung not tut. Das 2udentum wird zur Mgstik, Verlebendigung und Absolutheit seine Forderung. Wenn schon diese dreifache Antinomie das Gefährliche des Tat-Schlagwortes enthüllt, wenn nunmehr klar ist, daß das Wort von der Tat die drei entgegengesetztesten Bedeutung, also überhaupt keine ernst zu nehmende Bedeutung als Wesensbezeichnung hat, so mag noch die Stimme Max Brods*) laut werden, der das Wesen des 2udentums weit über den — wie auch immer aufzufassenden — Tatqedanken hinausspannt. Er rettet das religiöse Gefühl, das Gefühl der fchlechthinnigen Abhängigkeit, um mit Schleiermocher zu sprechen, für das 2udentum. Er weist auf die ungeheure Gefahr hin, welche die einseitige Betonung des Tatgedankens für den Fortbestand des 2udentums in einer Zeit der religiösen Renaissance bedeutet: — „Es ist zwar richtig und wesentlich, als Abzeichen des 2udentums die Forderung „aktiven Eingreifens" hinzustellen, dem Ehristentum gegenüber, in dem für den Menschen Ken selbständiger Tatwille übrig bleibt; aber ich halte es für ebenso falsch wie gefährlich, wenn nur immer wieder nur das „Tätige" und „Motorische" im 2uüentum herausgestellt und das „Empfangende". das „Auf-Gott-Angewiesenfein" unserer Existenz ganz übersehen, ja im Fehlen dieses Elements der Stille unser eigentlicher Unterschied von christlicher Gefühlsweise beschrieben wird, — indeß doch die tiefste Essenz des 2udentums gerade darin besteht, daß es diese beiden Elemente zugleich in sich hat, mit der ganzen Fülle, mit der ganzen Tragik eines so ungeheuren Besitzes... 2ch stehe hier an einem der wichtigsten Punkte meiner Untersuchung. Ein viele Gelehrtengenerationen altes, mit Behagen verbreitetes und gern geglaubtes Vorurteil gilt es zu zerstören: das Vorurteil, daß das 2udentum im Wesen unmetavhusisch, rational sei, eine in der Hauptsache auf Organisation und soziale Verbesserungen gerichtete Apothekeranschauung, eine Art verklärter Sozialhygiene mit ein paar altertümlichen sinnlosen Zeremonien herausgeputzt, die Disziplinarordnung einer kosmischen Besserungsanstalt.... unsere Seele, die Seele unserer 2ugend bleibt sehnsüchtig, erschöpft, nach Labung ausspähend, am Wege liegen, fällt schließlich der christlichen Propaganda anheim, die in Strindbergkulissen, Tolstoi-Tagebüchern. Parsifalriten, in Malerei, Lgrik und Legende mit Uebermacht dringt. 2st es etwa erstaunlich, unbegreiflich? — Die falsche Lehre, daß im 2udentum nur öie sozial-reformerischen Seelentriebe Auswirkung finden können, muß jedes junge Herz am 2udentum irre werden lassen, sobald es in seinen ersten ernsthaften einsamen Lebenskonflikt gerät. 2mmer wieder staune ich über die Ahnungslosigkeit unserer Lehrer und Führer, die ganz überrascht,sind, wenn ich ihnen verrate, daß die Besten unserer 2ugend, unsere 2ntellektuellen, unsere Liebenden aus Ueberzeugung zum Ehristentum hintendieren, weil ihnen die Art, in der heute Judentum und jüdische Religiosität dargeboten wird, einfach nichts sagt... Tief liegt im 2udentum die volle Einsicht verankert, daß Gutes-tun Menschensache, Gutes-aus-Liebe-tun-Können aber göttliche Sache ist ... Die so unzähligemal als Hauptunterschied zwischen Ehristentum und 2udentum hervorgehobene „Gnade" ist ein jüdisches Religionselement ..." — Man mag sich zu diesen Ausführungen stellen wie man will, man mag einzelnes oder alles bestreiten und widerlegen (ich glaube nicht, daß man es kann). — so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß ein 2ude, der viel vom 2udentum weiß und der jedenfalls wesentliches zu sagen hat, Rüancen. Bestandteile, Wesentlichkeiten, seines oder (des?) 2udentums aufzuweisen vermag, die von dem Schlagwort der Tatreligion nicht erfaßt werden. Sodaß zum mindesten das Lückenhafte dieser Bezeichnung ohne weiteres erhellt. Zu mehr wollen diese Ausführungen nicht dienen. Sie wollen, indem sie jenem Schlagwort auf den Grund gingen, die Gefährlichkeit, die Oberflächlichkeit desselben und aller ähnlichen deutlich machen. Sie wollen beweisen, daß der ungeheure Komplex des 2udentums sich nicht in einem Worte einfangen läßt. Daß. wer das Wesen des 2udentums ergründen will, sich nicht mit gefälligem Worte belügen darf; daß all die unzähligen Diskussionen, die mit derartigen schlagworthaften Terminologien arbeiten, sinn- und zwcklos sind daß, wer über das 2udentum ni sprechen sich unterfängt, hineintauchen muß in die Quellen der jüdischen Lebenswirklichkeit. *) Max Brod: Heidentum. Ehristentum, Judentum S. SZ. 117 ff. Religiöse Feiern im Hause und die Aufgaben der Frau. Von 2lseMünzer -Berlin. Der religiöse Mensch wird dazu gedrängt, sein tiefstes, innerstes religiöses Erleben nach außen hin in Formen zu kleiden, während andererseits wieder die Form dazu dient, das religiöse Erlebnis in ihm zu bewirken. Es ist also eine wechselseitige Wirkung, Erleben drängt zur Form und Form oder besser gesagt religiöse Handlung bewirkt Erleben. Soll nun aber tatsächlich die religiöse Handlung das religiöse Erlebnis.» Stimmung, Weihe, heiligste Gefühle in uns erzeugen, so müssen wir ihr Formen geben, die unserem 2nnersten entsprechen. 2m 2udentum wirkt sich religiöses Leben und Erleben in sinnvoller Weise nicht nur im Gotteshaus, sondern zum großen Teile im engsten Fainilienkreise aus. ) Mann und Hran sind Träger des Gottesgedankens, haben es in ihrer Macht, ihr Haus zur heiligsten Stätte zu weihen. Häusliche Feiern sind nicht abhängig von Zeitumständen. den Freitagabend kann jeder feiern. Wie der Freitagabend aber gefeiert wird, darauf kommt es an. Man kann alles einfach so machen, wie es „vorgeschrieben" ist, weil es eben so vorgeschrieben ist; man kann aber auch — und die jüdische 2ugend will ek so — den Freitagabend in häuslicher Andacht tief unv heilig erleben. Eine wichtige Aufgabe fällt hier der Frau zu, sie weiht den Abend durch das Zünden der Sabbatkerzen. 2st die Mutter zu bequem dazu, so muß die Tochter daran erinnern, im Notfälle die Kerzen selbst zünden. Alle Gebete, Kiddusch, Broche usw. sollen hebräisch und deutsch gesagt werden, wohl können wir uns noch an der heiligen Sprache berauschen und begeistern, aber ganz tief können wir doch nur in unserer Muttersprache empfinden. Wir verstehen garnicht genug hebräisch, um den Freitagabend allein in dieser Sprache tief erleben zu können. Auch nach dem Essen fällt der Frau oder der Tochter eine wichtige Aufgabe zu, nämlich dafür zu sorgen, daß der Freitagabend nicht in zwei Teile zerfällt, die miteinander nichts zu tun haben. Dies geschieht am besten durch das Lesen von Psalmen, jüdischen Gedichten und Erzählungen. Schir hamalaus ist veraltet, öS wird hebräisch gesungen, ohne verstanden zu werden, denn die meisten, die es so gedankenlos heruntersingen, sängen es sicher nicht, wenn sie es übersetzen könnten. Andererseits braucht man nicht Dinge zu treiben, die man jeden andern Abend auch tun könnte. Sabbatweihe muß herrschen bis zum Schluß, nicht nur während Kiddusch und Broche. Dies alles gilt auch ganz besonders für Freitagabende im 2li und anderen 2ugendgemeinschaften. Biel kann die Frau, kann schon das Heranwachsende Mädchen dazu tun, Freitag- und Festtagabende schön zu gestalten. Die ganze Vorbereitung zu den Festen liegt ja in den Händen der Frau, wieviel Vorfreude kann schon damit verknüpft sein. Als ich meinen Ellern vor zwei 2ahren zu Rausch ha schonoh eine Barchesdecke stickte, ging ich tagelang in einem wunderbaren Gefühl von reinster Freude und Weihe herum, die religiöse Arbeit adelte schon meinen Alltag, keho daudi likrass kalo stand auf der Decke, sie war gemacht, um den Sabbat zu begrüßen. Es ist so notwendig, der jungen 2üdin von heute wieder tiefe Gefühle für die Freude und Vorfreuden der jüdischen Feste einzupflanzen. Wenn sie es nur ahnten, was für Freude es macht, einen Seder vorzubereiten, sie täten es alle. Gewisse religiöse Handlungen werden im allgemeinen ja auch bei häuslicher Andacht nur von Männern verrichtet. 2ch bin aber liberal genug, zu behaupten, warum sich die Frau religiöse Feiern versagen soll, weil gerade kein Mann zur Stelle ist. 2ch habe wenigstens meine schönste Ehanukkahfeier in einem Kreise von jungen Mädchen erlebt, als ein Mädchen auch die Ehanukkahlichte zündele. 2ch will über diese Frage keine Debatte Hervorrufen, ich will nur mit aller Energie meinen Standpunkt vertreten, daß die jüdische Frau ihre Kräfte dafür einsetzen soll, daß in unseren häuslichen Andachten unser religiöses Gefühl und Erleben eine würdige Form findet. Solche Feiern werden auch ein nachhaltiges Gefühl in den Kindern, in dem kommenden Geschlecht hinterlassen. Gegen Feiern nur. weil sie vorgeschrieben sind, lehnt sich das Kindergemüt auf, wer aber in seiner Kindheit wahre Sabbat- und Festesfeiern in seinem Elternhause erlebt hat, wird sie nie vergessen. Die Frau arbeitet an der Zukunft des 2udentums, wenn sie es versteht, und sie wäre unweiblich, wenn sie es nicht könnte, religiösen Feiern im häuslichen Kreise Glanz und Weihe zu geben, tiefstes innerstes Erlebnis nach außen hin in Formen zu kleiden. 2»m Sonntagsgottesdienst. Ei« Wort zur Verständigung. Von Rechtsanwalt Erich S p i tz - Breslau. Dieser Aufsatz lag schon vor Erscheinen der Zuschrift des Herrn Bonnin in der F. L. F. vom 9. Funi der Redaktion vor. Wir bringen ihn um so lieber auch .heute noch vor. weil er in erschöpfender Weise das schwierige Problem behandelt. I. Muß es sein, daß diese seit unserem Breslauer Delegiertenlage in der „2üdisch-liberalen Zeitung" so vielfach und von so verschiedenenGesichtspunkten aus behandelte Frage nochmals hier erörtert wird? 2a, es muß sein! Denn die in der April-Nummer der „Mitteilungen" erschienene „Warnung", zu der Fritz Neumann- Königsberg sich vom 2ugendstandpunkt aus berechtigt und verpflichtet fühlte, zeigt jedem, der die Dinge ruhig und leidenschaftslos betrachtet, daß man die Gründe, die uns bei unserer Forderung nach Abhaltung von Gottesdiensten am Sonntag leiten, fast geflissentlich verkennt, daß eine dicke Wolke von Vorurteilen unsere Gegner, die doch nicht unsere Feinde sind, hindert, unserem Standpunkt gerecht zu werden . „Konzession an die Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit der einzelnen"? „Hgperliberalismus"? „Auswüchse"? Sehen wir, wie die Dinge wirklich liegen und ob wir nicht — gerade wir, die wir im Banne der 2ugendbewegung leben und in ihrem Bereiche wirken — einander verstehen und näherkommen können. II. Von vornherein ausgeschlossen wäre das gewiß, wenn Richtung und Ziel unseres Strebens die Abschaffung des Sabbats, seine Ersetzung durch den. Sonntag wäre. Aber das ist nicht die Meinung. Wer den Sabbat antastet, der rüttelt auch nach unserer Auffassung an den Grundvesten des 2uden t u m s und der 2uden heit. Des 2uden 1 u m s : denn das Gebot der Heiligung des siebenten Tages, verankert in den ewigen zehn Grundgesetzen vom Sinai, gehört zu den unverbrüchlichsten Fundamenten und Traditionen jüdischen Glaubenslebens; der 2uden heit: denn wer einer „Verlegung" des Sabbats das Wort redet, sucht eines der festesten Bande zu zer-

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