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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-06-22 · 24 (22.6.1923) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
24 (22.6.1923)
Date
1923-06-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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(WjchNrvckZMU Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Ber«g»prri» durch die Seschaft»st«lle'/«jährl.Al.3000.- Auzelgeu: Grundpreis für die 3'|, cm breite mm»3dl* 50.0.25, Jamilieuaurelgeu Al. 0.15. Bei Wieder, holuug Ermäßigung. Der Sruudprei« wird mit der am Lrfcheiuuugriage gültigen Schwjselrahl de» Buch. m m Häudier-Börfeuvereins multipliziert. ps aa Reduktiv« » » d SefchäftsAell«: Berti« W.», Wauerftraße » (Bereinigung für das liberale Judentum e. B.), Jerurufr Amt Jeutrum tSL. Aoieigeu.Annahme bei der Sefchäftspell« _ - r Sämtliche Iahluugeu: Poflfcheckkouto Berti«RW.7 Ar. 24 * Berlm, 22. 2um 1923 3. Jahrgang Ar.137069 (Bereiuiguug für da, liberale Judentum r.B.f. Die „Züdijch-llberale Zeitungerfcheiul jeden Freitag, je dreiwöchentlich als wissenschaftliche Beilage Liberales Judentum- und „Witteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugeudvereiue-. stlirteitungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Rr. 4 Juni 5. Jahrgang vss Abonnement auf die „Jüdisch-liberale Zeitungfür «Iss Vierteljahr suli-Septernder 1923 ^nnn 71/iarir haben wir wiederum auf X&Jk CJL JL JKjL festgefetzt. Die Zeitung wird jedoch während der Sommerzeit nicht mehr wöchentlich, sondern in weiteren Abständen erscheinen. Die Abonnenten erhallen in den Monaten Juli und August je eine Rümmer der Zeitung, im September aber vier Nummern. Durch diese seltenere Erscheinungsweise ist es uns möglich, an den bisherigen Abonnementspreis trotz der ungeheuren Verteuerung von Druck- und Papierkosten festzuhalten. In Anbetracht des fortwährend sich verschlechternden Geldwerts bitten f auf das Postscheckkonto der „Bereinigung für das liberale Zudenwir unsere Leser dringend, die Abonnementsgebützr für das Z.Bierteljahr jUJvl'l <Um“, Berlin NW 7, Nr. 137069, einzuzahleu. Darüber hinaus ist es im Intereste der Erhaltung unserer Zeitung unbedingt notwendig, datz unsere Freunde und Leser den Prestefonds durch Sonderzuwendungen nach Kräften stärken. Verlag uncl Sckriftleitung der Jüdifcb-Uberalen Zeitung. Inhalt: Das Judentum als Religion der Tat? — Religiöse Feiern im Hause und die Aufgaben der Frau. — Jum Sonntagsgottesdienst. — Jugendvereine und Gotlesdionstreform. — Jugendbewegung und Sport. — Aus Bibel und Schrifttum. — Kurzes Protokoll der Arbeitsausschuhsitzung der Arbeitsgemeinschaft der Ilis. Jüdische Weltauschammgsfragen Das Judentum als Religion der Tat? Bon Dr. Erwin Leligmann-Frankfurrt a. M. Bon je geht das Bestreben-des denkenden Menschen dahin, die auf ihn einstürmende Bielfälligkeit der Dinge in der Idee zu vereinfachen, die verworrene Wirklichkeit zu „begreifen", indem er sie durch den Begriff einfängt. Der Intuition des Genialen gelingt es immer wieder, die knappe, treffende Bezeichnung eines Wirklichkeitskomplexes zu finden, welche der Betrachtung neue und eigenartige Richtungspunkte weist. Diese Bezeichnungen werden, wenn sie nur genügend neu, genügend eigenartig sind und einen Kern von Wahrheit enthalten, von Schülern und Jüngern nachgesprochen, werden in Büchern und Zeitschriften nachgedruckt und entwickeln sich so zu Schlagworten. Was lebendig gezeugtes Gedankengut war, wird nach und nach zum Gemeinplatz, zur feigen Gedankenlosigkeit dessen, der eine ihm unbequeme oder unerklärliche Wirklichkeit mit einem handlichen Worte lolschlagen will. Welch rätselhafte, vielfältige Wirklichkeit bedürfte der Gedankenbindung im Schlagwort dringender als das unverständliche, unheimliche Judentums Das Bestreben, fein Wesen möglichst einfach und eindeutig zu erklären, mutzte Schtagwörte zeitigen, deren Nichtigkeit nachzuprüfen Aufgabe insbesondere einer Jugend ist, welche überkommene Formulierungen und Thesen nicht ohne weiteres hinzunehmen gewillt ist. Eines der bequemsten Schlagworte, das so hübsch in die aktivistischen Strömungen unseres Zeitalters einmündet und so dem Judentum die Glorie der Modernität leiht, das aber auch schon vor Generationen im Mund der Gelehrten war, um den Gegensatz zur christlichen Glaubensreligion apologetisch zu charakterisieren, ist die Bezeichnung des Judentums als „Religion der Tat". Ehe wir prüfen, ob es seine Berechtigung erweisen kann, bedarf es einer kurzen Betrachtung seiner Bedeutung. Und da wird sich zeigen, datz dies Wort in all seiner scheinbaren Klarheit doch eine Fülle von Verschwommenheit und Widersprüchen überdeckt. Im Jahre 1844 schrieb der mittelparteiliche Dresdener Oberrabb. Zacharias Frankel:*) — „Das Judentum ist eine Religion der Tat; durch Handlungen, die entweder an sich die moralische Veredlung des Menschen bezwecken oder deren Ausübung die Erinnerung an Gott zugrunde liegt, will es erheben und die Anhänglichkeit an Gott befestigen. Hierdurch wurde die reine Kontemplation sowie der finster brütende, an sich selbst irrewerdende Mystizismus zurückgedrängt und konnte im Judentum nie tiefe Wurzel schlagen, ein Gewinn, durch den jene hohen Ideen sich in ihrer Reinheit be- Zur Beachtung i Die uächfteNummer der„Züdifch-liberalen Zeitungerscheint am 13. Juli. haupteten und dem Judentum noch heute als Gotteslicht fortleuchten . . . Das Judentum nach seiner religiösen Tätigkeit verflocht sich ganz mit dem Leben und wurde das Eigentum aller Individuen. Die Religion der Ideen gehört in ihren Einzelheiten zumeist den Theologen an; die grötzere Menge, und wen überhaupt nicht sein Beruf hierzu führt, geht auf sie weniger ein. da sie ihm nicht nahe liegen und auch wenig Mahnungen sich für sie im Leben finden; die Religion der Tätigkeit hingegen ist stets gegenwärtig, sie mahnt in vielfachen Handlungen, will Ausübung, wiederholt sich vielfältig im Leben jedes Einzelnen und wird nach ihrer Ausdehnung Gemeingut jedes ihrer Anhänger .... Der Glaube wird durch Erinnerungszeichen zum Tatkräftigen, Lebendigen . . . .unsere Erinnerungszeichen sind .... als Lebenselement in unser ganzes Lein übergegangen, sie haben sich in unsere ganze Tätigkeit ausgeprägt, in allen Handlungen wiederholt." — *) Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judentums Jahrgang 1844 S. 9 ff. Auf diese Ausführungen erwiderte der Reformrabbiner Holdheim:**) — „Die israelitische Religion . fordert den reinen Glauben, datz er die Tat reinige und heilige; aber sie fordert noch ausdrücklicher die reine Tat, datz sie den Menschen heilige; sie fordert den Glauben um der Tat, die Gat aber um ihrer selbst willen. Insofern ist es wahr, datz die Religion Israels eine Religion der Tat sei. Ihr genügt nicht der blotze Glaube, sondern die Betätigung des Glaubens, nicht blotz das Lein in der Wahrheit, sondern lebensvolle Verwirklichung der Wahrheit . . . Die vielen Zeremonien und Gebräuche, welche das alte Judentum vorschreibt, dienten, den Glauben lebendig im Bewutztsein zu erhallen, besatzen anregende Kraft. . ., waren aber keineswegs die Betätigung des Glaubens selbst ... Diejenigen, welche das Judentum deshalb eine Religion der Tat nennen, weil es so viele symbolische Handlungen und Zeremonien vorschreibt, verwechseln das Mttel mit dem Zweck, die anregende Kraft mit der anzuregenden Wirkung, die Bewegung mit dem Ziele. — Die Betätigung des Glaubens selbst, die Verwirklichung der Wahrheit selbst, das höchste Ziel, zu welchem durch verschiedene Zeremonien und Bräuche der Weg gebahnt werden soll, ist nichts anderes als: Gottesfurcht und Liebe, betätigt durch den Wandel in den Wegen Gottes . . . Rur in diesem allein wahren Linne kann unsere Religion eine Religion der Tat genannt werden, entgegen jener, von dem alten Judentum abweichenden Lehre, die den Glauben allein, unabhängig ^on dessen Betätigung durch gottgefälligen Lebenswandel, die die Wahrheit allein, unabhängig von deren Verwirklichung durch lebenskräftige Tat als die höchste Forderung der Religion an den Menschen hinstellt, — aber auch entgegen jenem verknöcherten Irrtums, der die Zeremonien und Bräuche, welche den Glauben anregen und beleben sollen, damit er lebendig und betätigt werde . . . schon für die Betätigung des Glaubens selbst . . . hält." - In ähnlicher Weise wie Holdheim, nur freier und klarer, mehr dem modernen Empfinden entsprechend und mehr positiv als polemisch, rückt Baeck*) den Tatgedanken in den Mittelpunkt seines Werkes über das Wesen **) Zwei Predigten, gehalten in der israelitischen Gemeinde zu Goldberg. Schwerin 1S45 5. 87 *) Baeck: Dar Wesen des Judentums. Erste Auflage 5.21 ff, 28, 33, 56, 150 ff. Die 2. und 3. Auflage, die mir im Augenblick nicht zur Hand find, find in Bezug auf obige Darlegungen nicht wesentlich geändert. _Zugeudverems-Anzeigeu S0" letzte Seite«

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