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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-06-08 · 23 (8.6.1923) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
23 (8.6.1923)
Date
1923-06-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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'I i 4 : Tages, die Erfahrungen mit Menschen, unsere Gespräche, unsere Briefe, unsere Sorgen, unsere Freuden, unsere Amlsstunden, unsere Kämpfe, unsere Zweifel nicht die unbrauchbarsten. Auch hier gilt es: predigt menschlicher, predigt liberaler! Ueberwindet die Scheu und bedenket das Wort, daß die „größten Helden" die Helden „des Alltags" sind! Nicht nur, daß wir unseren Zuhörern durch so persönliche Mitteilungen menschlich näher kommen — nicht nur, daß wir erlebte Religion predigen: wir vollbringen das Tiefste, das möglich ist, wir lehren, den Alltag religiös zu durchhauchen, wir lehren das Bibelwort wahr zu machen: „Gyn; sollst du sein mit dem Ewigen, deinem Gotte." Und das ist das Endziel der liberalen Predigt. stläckflenUede und feindeaUebe! Von Rechtsanwalt Zoerder- Breslau. Vor mehr als 1M2 Jahrzehnten saß ich zu Semesterbeginn in meinem ersten juristischen Kolleg, der „Einführung in die Rechtswissenschaft". Der junge Privatdozent, der es abhielt, (er ist heute ordentlicher Professor) begann seinen dazumal noch aufmerksam lauschenden Hörern von den Anfängen der Rechtsbegriffe zu erzählen. Dabei kam er auch auf das Gebot der Rächstenliebe zu sprechen und erklärte uns, das neue Testament weise als einen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Stande der Moral dieses Gebot zum ersten Male auf. Bestürzt ob solcher „Wissenschaft", floh ich auf Rimmerwiedersehen aus dem Kolleg. Bor wenigen Monaten hatte ich mit einem sonst sehr wohl unterrichteten Pastor eine Diskussion über ethisch-religiöse Fragen. Wieder hörte ich die gleiche Behauptung. Auf den Hinweis, daß doch schon die jüdische Bibel den Grundsatz der Nächstenliebe aufstelle, kam der Linwand, dieses Gebot bedeute dort nur die Liebe zum „Volksgenossen", schließe aber nicht den „Fremdstämmigen" ein. Häufig bekommt man zu hören, daß die Ethik des neuen Testaments der des alten doch wenigstens insofern überlegen sei, als jenes auch den Satz „liebet eure Feinde" aufftelle, den dieses nicht kenne. Zuweilen heißt es sogar, unsere Bibel lehre: „Du sollst deinen Feind hassen". Ehristus wendet sich zwar in seiner Bergpredigt gegen diesen Satz, stützt sich dabei aber keineswegs auf eine auch nur sinnentsprechende Stelle des alten Testaments. Alle diese 2rrtümer — nicht selten handelt es sich um schlimmeres — sollen in Zukunft durch die Schule verbreitet und verewigt werden, wenn es nach dem Wunsche einer Reformbewegung geht, die augenblicklich von deutschvölkischer Seite still, aber eifrig betrieben wird. Hin und wieder sind bereits aus Lehrerkreisen Versammlungen christlicher Elternbeiräte zusammenberufen worden, um für den Entwurf eines deutschevangelischen Unterrichtsplanes Stimmung zu machen, her den Unterricht im alten Testament nur zu kursorischer und geschichtlicher Behandlung in die letzten Schuljahre verweist. Damit will man die bis jetzt in der Schule geltende Lehre beseitigen, daß das neue Testament auf dem Boden des alten ruhe und ohne dieses überhaupt nicht denkbar sei. Demgegenüber haben wir Zuden alle Veranlassung, gegen die Herabsetzung und Fälschung unserer heiligen Schriften Front zu machen, insbesondere das Gebot der Nächstenliebe, von dem» wie gezeigt, die Angriffe so häufig ausgehen, ist in klarer Form im dritten Buch Moses Kap. ly V. 18 ausgesprochen. Und wer meint, daß es sich nur auf die Genossen im eigenen Volk beziehe, der braucht nur einige Verse weiter zu blättern. Da findet er in Kap. ly, 33 und 34 die Worte: „Wenn ein Fremder in eurem Lande weilt, so sollt ihr ihn nicht kränken. Wie ein Eingeborener unter euch sei euch der Fremde, der bei euch weilt. Du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn Fremdlinge wart ihr im Lande Aeggpten." Auf dem Marsche?) Labbai ist's. — Durchs kleine Städtchen, Lief in Polen ist's gelegen, Zern der Heimat, fern den Zreunden, Reiten wir dem Zeind entgegen. Lteh'n zwei Süden auf dem Markte, Alte, kummermiide Süden, Lehen sorgenvollen Auges Unser Heer vorüberfluten. Denken ihrer fernen Kinder, Die der Krieg hat fortgerissen. Die ihr Leben für den Zaren Sn der Zremde lassen müssen. Da im flotten Vorwärtstraben Kommen näher wir den beiden, Zrohgemut „a guten Schabbes" Ruf ich im Borllberreiten. Und mit einem Schlage wandelt Lich der Blick der beiden Alten. Ls verdrängt ein freudig Lächeln Säh die kummervollen Zalten. Wünschen mir „a guten Schabbes". Wünschen mir „a gute Reise". Tief im Herren fühl' ich klingen Süßer Sugend Sabbatweise. War ein winzig klein Erlebnis, Das der Tag mir hat beschieden, Gab mir doch viel stille Zreude . . . Labbatruhe, Labbatfrieden. Dr. G. Ltiebel. *) Aus dem Südifchen Sugendbuch. Herausgegeben von M. Steinhardt, Heinrich Loewe und E. <3. Klötzel. Welt-Verlag, Berlin 1920. (Besprochen in Rr. 4 des „Liberalen Sudentums, Rr. 22 der „SUdisch-liberalen (Zeitung".) <3m Deuteronomium 10, ly wird dieser Grundsatz nochmals eingeprägt: „Liebet den Fremden, denn Zremde wart ihr im Lande Aegupten." Sn den Propheten ertönt die Mahnung: „Bedrücket nicht Witwen und Waisen, Fremdlinge und Arme und sinnt nicht in eurem Herzen Böses zu tun einer dem andern" (Secharja 7, 10). Auch der viel gelästerte Talmud spricht sich im gleichen Sinne aus. So heißt es in ihm: „Was fordert die Thora von den Menschen? Nehmt auf euch das Soch der Herrschaft Gottes, leitet einander an in Gottesfurcht und verfahret gegeneinander in Menschenliebe (Sifre zum 5. B. Mos. 32, 2Y)." „Der Mensch bestrebe sich immer, Gutes zu üben an Lebenden und an Toten. (Midrasch-Leolam VII).** „Wer seinen Mitmenschen das Mitleid versagt, der gleicht dem Götzendiener, der Gottes Herrschaft von sich ablehnt (Sifre zum 5. B. Mos. 15, y)." „Das Wohlwollen für die Mitmenschen muß sich auch auf den Heiden erstrecken, der vom Götzendienst nicht lassen will (Gillin 45a)." „Man versorgt die Armen der Heiden zusammen mit den Armen der Ssraeliten, um der Eintracht willen; man pflegt die Kranken der Heiden wie die Kranken der Ssraeliten; man bestattet die Toten der Heiden wie die Toten der Ssraeliten." „Man wehrte heidnischen Armien nicht, ihren Anteil an den Feldgaben zu nehmen (Gittin 61a)." Die Stellung der modernen jüdischen Theologie wird durch folgende Erklärung der Berliner Rabbineroersammlung vom 4. und 5. Suni 1884 ausgedrückt: „Das Gebot der Nächstenliebe, welches im 3. Buch Moses ly, 18 mit den Worten: „Und du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst, ich bin der Ewige!" verkündet und von Hillel, dem großen Meister, als der Inbegriff der ganzen jüdischen Lehre, bezeichnet wird, bezieht sich nicht allein auf den Stammes- oder Glaubensgenossen, sondern ist ebenso wie das daselbst c. 24, 22 verkündete Gebot der Gerechtigkeit: „Ein Recht sei euch, der Fremde sei wie der Eingeborene, denn ich bin der Ewige, dein Gott," eine uneingeschränkte, alle Menschen umfassende Satzung. Erklärung der Rabbinerversammlung zu' Berlin 4. u. 4. Suni — Bericht S. 17—18.)" Die Nächstenliebe umfaßt nach biblischem Gebot aber auch den Feind. Dies geht aus unseren heiligen Schriften zweifelsfrei hervor. „Wenn du den verlaufenen Ochsen deines Feindes oder seinen Esel triffst, so bring ihn ihm zurück. Wenn du den Esel deines Feindes unter seiner Last zusammenbrechen siehst, so sollst du davon abflehen, ihm die Sorge zu überlassen. Du sollst mit ihm zusammen aufhelfen (2. B. Mos. 23, 4—5)." „Sprich nicht: ich will böses vergelten. Hoffe auf den Ewigen und er wird dir helfen (Sprüche 20. 22)." „Wenn dein Feind stirbt, so freue dich nicht, und wenn er strauchelt, jubele nicht dein Herz (Sprüche 24, 17)." „Wenn dein Feind hungert, gib ihm Brot zu essen, und wenn ihn durstet, reiche ihm Wasser zu trinken. Denn feurige Kohlen sammelst du auf sein Haupt, und der Ewige wird es dir vergelten (Sprüche 25, 21 bis 22)." „Habe ich mich je gefreut über das Unheil meines Feindes, und war ich darüber freudig erregt, daß ihn Unglück getroffen hat? 6ch habe ja vielmehr meinen Mund von der Sünde zurückgehalten, fein Leben zu verwünschen (Hiob 31, 2Y—30)." Der Talmud äußert sich zu diesem Problem folgendermaßen: „Als Israel durch das Meer zog. wollten die Engel einen Lobgesang anstimmen. Da sprach Gott zu ihnen: Meine Geschöpfe (die Aeggpter) ertrinken im Meer und ihr möchtet einen Gesang anstimmen? (Sanhedrin 3yb; Schemot rabba Kap. 23)." Biblische Gestalten im modernen Gewand. Von 2. W 0 lfss 0 hn, Breslau. I. Soseph. Wie alle historisch nicht feststehenden Persönlichkeiten, hat auch Soseph der wissenschaftlichen Zorschung Tribut zollen müssen. Aber zu welchen Ergebnissen eine solche Prüfung auch immer gelangt, für uns, d. h. für diejenigen, denen die Bibel mehr ist wie eine Geschichtsschreibung, wird der biblische Soseph stets eine ihrer schönsten Gestalten bleiben, weil uns die Erzählung von ihm menschlich näher kommt, als andere, vielleicht wichtigere Teile des Buches der Bücher. Mag man die Kapitel, die von Soseph handeln, auch als „Sosephslegende" bezeichnen, wir empfinden immer wieder ihren Zauber, wir sehen beim Lesen immer wieder, ja, so möchte man sagen, wir erleben immer wieder die wunderbare dramatische Szene, in der er sich seinen Brüdern zu erkennen gibt und die Worte spricht: ,. 8 ch bin Soseph, Euer Bruder! Lebt mein Vater noch" — Wie verwendet nun die Kanzel (natürlich ist nur die in unseren Sgnagogen gemeint) diese Gestalt? Während „Abraham, der Segen der Völker" — „8 s a a k, der 5 ronime und Gutmütige" — „S a k o b / S s r a e l. der S o t t e s st r e i 1 e r" als Tgpe des ganzen Volkes Israel und als Personifizierung des heutigen Judentums dargestollt werden, schildern unsere Kanzelredner Joseph wohl immer nur als nachahmungswerte Einzelpersönlichkeit, als guten Sohn, als nicht nachtragenden Bruder, als ehrenhaften Eharaktor und allgemein tüchtigen und brauchbaren Menschen. 3 {t aber 3 oseph nicht auch winde st ens ebenso wie die Gestalten der Patriarchen als Personifizierung des nachexilischen, namentlich des mittelalterlichen und neuzeitlichen Sudentums anzusehen? Gewiß, Soseph hat den Eggptern nicht den Monotheismus gebracht, hat die Gottoserkenntnis nicht erweitert und verbreitert, aber sein Schicksal und seine Laufbahn weisen vieles auf. was das Sudentum als Gesamtheit mit ihm gemeinsam hat. — Soseph war der Lieblingssohn seines Vaters, er fühlte das, und es führte ihn nicht nur zu ehrgeizigen Träumen, sondern sogar zu „Wenn deinen Feind hungert, gib ihm Brot, und wenn ihn dürftet, reiche ihm Wasser. Wenn du auch annimmst, daß er mit bösen Absichten gegen dich umgehe, er aber hungernd und durstend in dein Haus komme, gibt ihm zu essen und zu trinken (Midrasch zu Sprüchen Kap. 27)." „Die geschmäht werden, aber nicht schmähen, die Beschimpfungen anhören, aber nicht erwidern .... von ihnen gilt das Wort (Richter 5, 31): „Die ihn (Gott) lieben, sind wie der Aufgang der Sonne in ihrer Pracht (Gittin 36b)." " „Wer ist ein Held? Wer sich seinen Feind zum Freund macht (Abot R. Nathan E. 23).";,Durch die Erfüllung der Gebote soll man die bösen Triebe Niederhalten: deshalb soll man eher dem Feinde als dem Freunde Hilfe gewähren (Baba mezia 32a)." Sin mittelalterlicher Gelehrter sagt hierüber: Wollt ihr an eurem Feinde Rache nehmen, so besiehe sie darin, daß ihr besser werdet (Zechiel b. Zekuliel: Seter maalot bemictctot 12a). So können wir Guden mit berechtigtem Stolze es feftstellen: Der Geist der Liebe zum Rebenmenschen strahlt mit ewigem Feuer aus unserer Bibel. Aus ihr hat Ehristus seine Lehre entnommen. Verschiedenheit zeigt sich nur in der Art der Formulierung. Um so verlogener mutet das Treiben derer an, die, wie oben gezeigt. aus Haß die Wahrheit verdunkeln wollen. Wie verblendet diese Richtung ist, zeigt sich in einer kürzlich erschienenen Broschüre: „Offener Brief an Herrn Pastor Wagner, von dem Direktor der landwirtschaftlichen Schule Ernst Engelmann in Schweidnitz".*) Pastor Wagner aus Potsdam hatte nämlich in einer später veröffentlichten Predigt über das Wort: „Liebet eure Feinde" sich gegen den Nationalitätenhaß gewendet und den Pazifismus gepredigt. Das verdrießt Herrn Engelmann, und er wendet sich gegen diese den völkischen Tendenzen abholde Logik mit folgenden Ausführungen: Ehristus habe sicher nur gemeint, man solle seine Feinde zu verstehen suchen. Das fei natürlich nur möglich zwischen Mensch und Mensch, niemals zwischen Völkern und Staaten. Liebe könne überhaupt nicht geboten werden, denn sie hänge nicht von unserem Willen ab. Und dann fährt er fort: „Den Spruch: „Liebet eure Feinde" wörtlich zu nehmen, wäre völkischer Selbstmord, und dazu rufen Sie, Herr Pastor, auf! Mit welchem Recht wollen Sie uns hindern, die unter fremdem Zoch, unter fremder Schmach leidenden Brüder zu befreien? Da s Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selb st" geht noch über das der Fe in de stiebe, und die eigene Selb stlosigkeit darf nicht zur Rücksichtslosigkeit gegen den Nächsten, den Volksgenossen. werde n." Was also deutschvölkischer Haß der jüdischen Ethik fälschlich zum Vorwurf macht, das erhebt er zu seinem Leitstern — wenn es ihm gerade paßt. Ein kläglicheres Schauspiel, zugleich aber ein deutlicheres Zeichen für die moralische Erkrankung in den Reihen der Deutschvölkischen kann es kaum geben. *) Vgl. den Bericht in der „Schlesischen Zeitung" vom 27. April 1922 (Morgenausgabe). Nachbemerkungen zum neuen Gebetbuch. Bon R. Abel- Lörrach. ZUr das neue Gebetbuch wurden verschiedene Vorschläge gemacht, die jedoch vornehmlich die öffentlichen Gebete behandelt haben. Ueber die häuslichen Gebete wurde nichts erwähnt, als ob sie nebensächlich oder ganz überflüssig wären. Man klagt selbst in liberalen Kreisen — und mit Recht — über mangelhaften Besuch des öffentlichen Gottesdienstes und gibt dafür verschiedene Gründe an. Bald ist es Mangel an Zeit, bald Mangel an Sntereste oder Unkenntnis des Hebräischen und dergleichen mehr. Alle diese Gründe haben gewiß teilweise Berechtigung. Ein wesentlicher Grund aber liegt meines Erachtens darin, daß wir zu beten verlernt haben, weil wir aufgehört haben, im Haufe zu — wenn auch aus menschlicher Schwäche — erklärlicher, doch immerhin tadelnswerter Ueberhebung; selbst der ihm wohlwollende Vater rügte ihn deshalb. War es mit dem Volk Ssrae! nicht ein gleiches? Auch dieses fühlte sich als das Lieblingskind Sohowas, auch Ssrael glaubte, daß schon ein Erstgeburtsrecht ihm gewissermaßen Vorrechte und Sicherheiten verbürge, auch das Volk, dem unsere Gemeinschaft. das religiöse Sudentum entsprossen, sonderte sich zu Zeiten vielleicht zu sehr ab. Auch das Sudentum spricht heute noch manchmal zu Unrechter Zeit und an Unrechter Stelle von seiner Auserwähltheit und von seinem uralten Messiastraum. in dem sich alle B'ölkergarben vor der Garbo Ssraels neigen, die das Korn der Menschheitsvorbrüderung enthält. Auch Ssrael, das Sudentum. mußte deshalb seinen Schicksalswog beschreiten, der dem Sosephs ähnelt. Denn auch uns haben die Völker verkauft an das Midianitertum des Handels, uns entfremdet der Landwirtschaft und dem Handwerk. Äster auch wir haben den Völkern nicht nur geistigen, sondern auch wirtschaftlichen Segen gebracht. Volkswirtschaftler, die durchaus nicht zu den Zreunden des Sudentums gehören, erkennen an. daß u. a. die Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens ohne die Süden gar nicht denkbar gewesen wäre, und daß die Einrichtung der Staatsanleihen in aller Welt nur auf Süden zurückzufiihren ist. Soseph erregte den Zorn des Volkes, als er die Kornabgabe an Pharao den Zünften zur Vorsorge für die sieben Sahre der Hungersnot und Dürre einsetzte; noch heutigen Tages gilt er dem Antisemitismus als Vater des Kornwuchers. Auch die Süden machte man stets für alle wirtschaftlichen Röte, machen auch heute blinde und übelwollende Zeindo für das Zallen der deutschen Mark verantwortlich. Aber wir müssen Soseph noch in anderer Art als unser Vorbilv ansehen. „Kränkt 'Euch nicht, daß Shr mich verkauft habt, es war die Zügung Gottes" sagt er zu seinen Brüdern, deren Unterhaltung er ohne Dolmetscher versteht. Ebenso erblicken wir vom liberalen Standpunkt aus in der Zertriiinmerung des jüdischen Staates und der Zerstreuung unter die Völker nicht die Strafe für Sünden, sondern den Weg, den eine höhere Zügung uns zur Verbreitung jüdischer Weltanschauung und zur Betätigung jüdischer Zähigkeiten beschreiten lasten mußte. Auch wir, das Sudentum von heute, werden immer, wie Soseph die

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