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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-05-25 · 21 (25.5.1923) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
21 (25.5.1923)
Date
1923-05-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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„wodurch sie manchen würdigen Männern anderer Nassen dre Thancen entziehen". Hier liegt der Hund begraben! Diese medertrachtige Eigenschaft ist die Quelle aller anderen Laster, über die vorhin so bitterlich gewehklagt wurde. „Sie tun nichts als büffeln (grind). Fst es ju verwundern, daß sie sich besser auszeichnen als Leute, die höhere Interessen haben?" Z. B.: Fußball, Golf, Rudern, Zechten, Boxen, Flirt, athletische Spiele. Lin armer Kerl, der beim Examen sehr schlecht weggekommen ist, jammert herzbrechend: „Dle Süden wissen förmlich alle ihre Bücher auswendig, sie bewirken dadurch, dah der zur Erlangung eines Stipendiums erforderliche Grad so hoch gehalten wird, daß andere Leute mit hoch entwickeltem Sememsmn, aber mit geringerem Papageienwissen, nicht Nachkommen können. Sn Rußland hatten nur diejenigen Abiturienten Aussicht, zum Universitätsstudium zugelassen zu werden, die die goldene Medaille erhielten. Die Süden boten, daher alle ihre Kräfte auf. Wenn nun ein christlicher Vater seinem Sprößling wegen schlechten Studienfortganges Vorhaltungen machte, bekam er zur Antwort: „Aber, Papa, bin ich denn ein Sude . . . .?" Sndessen auch unter den Reslrictioniston gibt es vereinzelte, die anerkennen müssen: „Es ist Tatsache, daß die Süden im Durchschnitt begabter sind, als wir anderen." „Sn sozialer Beziehung leisten sie wenig, aber sie dienen der Universität, indem sie den intellektuellen Ltandart Hochhalten. Lin sorgfältiger Referent unterscheidet zwei Lorten von Süden: „Lolche, die die geistigen Führer aller Universitäten liefern, kraft einer Begabung, die über allem Rastenmäßigen steht und universell ist. und solche, die nur herrschsüchtig und streberhaft, und darum den Angehörigen ihrer eigenen Rasse zuwider sind." (Lin witziger Zahnarzt sagte einmal: Sch teile mir die Süden in zwei Sorten, solche, die Zahnschmerzen haben, und solche, die keine haben.) Andere Restriclionisten sind milder und empfehlen eine Politik „elastischer Differenzierung": Rur ausgesprochen Unwürdige sind auszuschließen, „denn am Lude, der Umstand, daß die Puritaner zuerst in Nordamerika landeten und den Sndianern das Land stahlen, gewährt ihnen ja kein absolutes Vorrecht (prior lien) auf Harvard und feine Privilegien." -- Einige der Referenten sind überzeugt, daß das beste Mittel gegen das Anwachsen der „unvermeidlichen" Rassenantipathien darin bestehe, die anderen Rassen ganz auszuschließen. Manche wollen diese Mahregel auf alle Fremden, auch auf die Srländer, und sogar auf alle Katholiken, angewandt wissen. Diese paar Herren such wenigstens konsequent. Andere schlagen vor, die Süden mögen es machen, wie die Reger, die sich eigene Hochschulen gründen und die anderen Rassen mit ihrer Gegenwart verschonen. Von den 2b Gegnern jeglicher Beschränkung — die sieben Süden brauchen hier nicht mitgezählt zu werden — gestehen einzelne, daß sie persönlich nicht frei seien von antijüdischen Vorurteilen, aber sie „unterscheiden streu.ge zwischen ihren Empfindungen und ihren Ueberzeugungen". ,.L>ie einzige Forderung, die man an einen Studenten stellen darf, ist, daß er mit Ruhen den Studien folgen könne." „Der Zweck einer Hochschule ist gewiß nicht, eine vergnügliche Kollektion von gut aussehenden und gut gekleideten, sportlich durchgebildeten Menschen zu bilden." „Wenn, die Süden unter gleichen Bedingungen die Aufnahmeprüfungen in größerer Zahl. bestehen als die Richtjuden, so liegt es offenbar an der Trägheit oder der Unbegabtheit derer, die durchfallen." „Wenn die Richtjiiden unfähig sind, mit den Süden intellektuell um die Wette zu ringen, oder die Lerngelegenheit gleich ihnen sich zunutze zu machen, dann mögen sie die folgen traaen. Warum sollen, die Süden darunter leiden?" „Wenn ein Lohen,?er bei der Aufnahmeprüfung den Grad 90 erhält, zurückgewiesen werden soll, weil schon zuviel Süden in der Klasse sind, während ein Murphg mit bS oder ein Morgan mit b2 ausgenommen wird, so ist das kaum mit dom realen Snteresse der Schule zu vereinen." „Line derartige Beschränkung — eine ganz neue Lache in Amerika — bedeutet Verewigung des Rassenhasses aus der Vergangenheit mit ollen seinen verhängnisvollen Folgen. Welche Hochschule kann die Verantwortung dafür übernehmen?" „Die Aufgabe der Erziehung besteht darin, eine Uebereinstimmung zwischen den verschiedenen Elementen herzustellen, sodaß die besten Eigenschaften aller Nassen Zusammenwirken in edlem Wetteifer zum Wohle der Gesamtheit." „Die Empfindlichkeiten mancher unserer Kommilitonen, die mit anderen Rassen in Berührung kommen, entspringen meist lediglich der Unwissenheit und der Engherzigkeit." Man sieht, der gesunde amerikanische Sinn wehrt sich gegen den von außen eindringenden vergifteten Geist. Andererseits ist die Tatsache, daß in manchen Mittelschulen 70 bis 80 Prozent der Zöglinge Süden sind, ganz abgesehen vom Antisemitismus, vom rein innerjüdischen Äandpunkt betrachtet, in sozialer und wirtschaftlicher Beziehung eine bedenkliche Erscheinung. Doch das gehört auf ein anderes Blatt. 5. l)er Meäeraufhru cles Judentums.*) Die Orthodoxen werfen dem Liberalismus gern vor, dah er das Zudenlum entwurzele. Da;u ist zunächst fu bemerken, datz das Judentum noch vor einem Jahrhundert streng gefetzestreu war. Woher ist also die Reform entstanden? Ohne Zweifel doch aus dem Lchotze der Orthodoxie! Die Zersetzung begann also in der Orthodoxie selbst und hatte dort ihren Herd. Seit dieser Zeit haben fortgesetzt garye Generationen die Reihen der Orthodoxie verlassen. Es ist von Wichtigkeit, die Entwicklungsstufen dieses Vorganges zu verfolgen. Entwicklung entsteht, wenn unter dem Einflutz unwiderstehlicher Kräfte eine alte Geistesrichtung eine neue Gestalt annimmt» die aber weder ihren Eharakter und ihr Wesen, noch ihre Grundlagen und Ziele verändert. Die Auflösung dagegen ist charakterisiert durch die Zerstörung des Alten, die dessen Lebenskräfte hinwegrafft und seine Teile in alle Winde zerstreut. Der Kernpunkt unseres Problems ist also der, fejtzustellen: Handelt es sich im Zudentum um die erste oder die zweite Erscheinungsform? Wan mutz zugestehen, datz es auch bei jeder Entwicklung eine Übergangsperiode gibt, in der manchmal gewisse Teile zu schnell vorwärtsschreiten und das Ziel verfehlen. Daher kommt es, datz Süden das Zudentum verlassen und sich haben taufen lassen. Solche Erscheinungen sind untrennbar von jedem Fortschritt, aber sie sind nicht kennzeichnend für diesen. Wir behaupten also, datz im Zudentum sich nicht eine A u f l ö s u n g, sondern eine Forte n t wicklung vollzieht und datz gerade diese geeignet ist, die Fortexisten; des Zudentums zu sichern. Seit der Tempelzerstörung hat man es immer als das Kennzeichen aktiven, lebendigen Zudentums betrachtet, wenn Gemeinden eine Ggnagoge, eine Schule oder irgendwelche Wohlfahrtseinrichtungen schufen. Kann man etwa behaupten, datz das liberale Zudentum solche Beweise positiven und lebendigen Zudentums nicht erbracht hat? Es hat im Gegenteil diese Beweise gehäuft, es hat solche Schöpfungen gerade dort hervorgebracht, wo sie bisher fehlten. Es hat sie sogar in Gegenden neu geschaffen, wo es bisher weder Süden, noch jüdische Snstitutionen gab. Denken wir nur an die zahlreichen und bewundernswerten Einrichtungen des liberalen Zudentums in Amerika! Bei einem Anpassungsprozetz an die heutige Kulturentwicklung gibt es natürlich gewisse Ouanlitätsunterschiede. Bei den einen bewahrt man die alten Gewohnheiten sorgfältig, bei den andern schreitet man schneller vorwärts. Dazu kommen Unterschiede der individuellen Anschauung und des Temperaments. Welches aber ist die positive Seite dieses Entwicklungsprozesses? Verfolgt die jüdische Reformbewegung wirklich den Fortschritt, ohne das Wesen und die Ziele des Zudentums zu verändern? Wir bejahen diese Frage aus tiefster Ueberzeugung. Das Ziel des Zudentums ist das Bekenntnis zum einig-einzigen Gotte und die Verbreitung dieser Wahrheit samt der aus ihr abgeleiteten * Aus „Le Ragon", der Monatsschrift der Union Liberale Zfraelite, dem Organ des liberalen Zudentums in Frankreich. vollkommenen Ethik und Moral. Das Kennzeichen des Zudentums ist sein Eharakter als eine von Geschlecht zu Geschlecht ununterbrochen überlieferte Religion, die zugleich den Geist, das Herz und das Gemüt befriedigt. Alle Kundgebungen der jüdisch-liberalen Bewegung sind von dieser Wesensart des Zudentums durchdrungen. Sie bemühen sich, die verjüngte und belebte Kraft der jüdischen Religion in die Herzen der heutigen Generation eindringen zu lassen. Was die Geister von der jüdischen Orthodoxie abgewendet hat, das ist ihr hartnäckiger Versuch, der heutigen Menschheit als einziges Mittel des Heils, als unfehlbare Wahrheit Vorschriften und Begriffe aufzuzwingen, die nun einmal ihrem entwickelteren Denken und ihrem Gewissen widerstreiten, wie z. B. die körperliche Auferstehung der Toten, das Kommen eines Messias von Fleisch und Bein, die Wiederherstellung der Opferritualien, die Heiligkeit gewisser ritueller Formen usw. Die halachischen Vorschriften halten im Zudentum die ethischen und sozialen Lehren in so hohem Grade verdrängt, datz es unbedingt notwendig war, die letzteren wieder zu beleben, sie auf ihr Grundprinzip zurückzuführeu und ihren eigentlichen Gehalt wieder herauszuarbeiten. Dieses liberale Programm beweist aufs klarste, datz es sich beim liberalen Zudentum um einen segensreichen Fortschritt handelt» um einen Aufbau, nicht um ein Riederreitzen, um ein Lebendigmachen, nicht um eine Erschlaffung. Es kommt hinzu, datz gerade diese Untersuchungen und Studien über die Entwicklung der jüdischen Religion die tiefere Kenntnis der jüdischen Geschichte wesentlich gefördert haben. Alle diese Erscheinungen mutzten bestimmte Wirkungen hervorbringen. Während der letzten Zahrhunderte war das Zudenlum geistig erstarrt. Das war eine Folge der endgültigen Festlegung der Religionsvorschriften durch den Schulchan Aruch, was nicht nur mit dem Text der Heiligen Schrift vielfach im Widerspruch steht, sondern auch mit dem Geist des Talmuds, weil auf diese Weise die lebendige Tradition erstarrte und dieses Buch der Vorschriften gewissermatzen mit einer Unfehlbarkeit bekleidet wurde, die unjüdisch ist. Als dann die fortschreitende Kulturentwicklung die Pforten des Ghettos sprengte und die Zuden mitten in den Strom des modernen Lebens hineinzog, waren die Zuden gezwungen, sich und ihren Kindern eine entsprechende wissenschaftliche und soziale Erziehung anzueignen, kurz, sich den allgemeinen Bedingungen des modernen Lebens anzupassen. Dadurch erwuchsen ihnen Aufgaben, die sie während ihrer ganzen Geschichte noch niemals halten zu lösen brauchen und die schwieriger waren als selbst diejenigen, die durch die Zerstörung Zerusalems dem Zudentum entstanden waren. Diese Ueberlegungen lassen es verständlich erscheinen, datz eine richtig abgewogene Reform allein geeignet ist, das Zudentum zu erhalten, während die Stagnation, dio sich für konservativ und gesetzestreu hält, es auf die Dauer völlig zerstören mutz. Wenn eine religiöse Partei behauptet, datz alle, autzer ihr selbst, in Zrrtum und Verdammnis leben, datz sie allein alle Wahrheit und alles Heil umfatzt, datz ihre Vorschriften und Riten allein seelig machen, so heitzt das der Stein oder ein hier jüngst eingesunkener Tropfen Tau oder sonst eine Rätselstimme eine Anwort klinge. Da war es Moses mit einem Male, als ob eine Sabbatblume, eine unter ihren blühenden Schwestern, an feinem sanften Festtagstifch auf feine inbrünstigen Fragen und auf das Lied der Lichter ihre reine Seele öffnete. Die Luft des Stübchens schien in einer seltsameren Bewegung als der Gesang der Kerzen zu flackern; vielleicht ahnte sie, daß der sie durchrieselnde Hauch einer Gräberblume vom Hügel Esthers entduftet sei. Einer Gräberblume, die wohl der Sanftheit des Mondes ein Geheimnis vertrauen wollte. Za aus diesem Dufte hörte Moses die Stimme seiner toten Frau heraufflustern: „Zst es nicht Sabbat, das Fest der Stille, der Seufzerruhe, der Gottversöhnung und des tiefen Friedens? Warum entwblst du diesen Lichtern Leid, warum entsaugst du ihren Träumen Trauer? Alle meine Zugendtänze tanzen durch sie noch einmal, alle meine frohen Blicke funkeln durch sie noch einmal, und du wehklagst m sie hinein? Bin ich nicht selbst wie eine Braut des Sabbats, habe ich nicht mit dem Frieden Hochzeit gemacht? Sieh doch meine Augen in dem Blick der Lichter, höre doch meine Stimme aus ihrer goldnen Flüstersprachel lieber meinen Augen aber sieh die Wimpern des Himmels, die Wächter der Erde, und hinter meiner Stimme vernimm den Widerhall der Rachtigallwälder uni das Echo Gottes! Zauchze nur. ja jauchze nur, denn Zubel ist men» schönstes Wiegenlied, daß ich wieder schlafen kann!" Da kam in alle Kerzen, die sich sonst in ihrem flackernder Lieder- und Lrchterstreit nicht verschwisterten, ein seltsam einheit-- ucher Hgmnenton hinein. Moses aber war es, als hätte er nur einen Pfa m vernommen. Und die lang bangtönende Harfe feiner Traume klang wieder Friede und Freude; der Mondhimmel aber Mkelte immer glückseliger und verklärter, als müßte er immer neui **clivj.a 5 Sangesbruder zum Preise des Sabbats heraufführen. Uni die Lichter des Stübchens, die Schimmer des Leuchters jauchzten mii denen des Humnels um die Wette. Bis in die dunkelsten Rischer hinein, bis in die heiligsten und tiefsten Wohnungen und Zelte der Gehemrnlste schwoll der Lobgesang, und Himmel und Erde. Tot, and Wache, alle Stübchen und Stäubchen schienen ihn zu singen. Di, Fensterchen des heimelnden Gemaches aber wurden immer durchsichtiger und silberner, als ließen sie das göttliche Leuchten der Luft und den Glanz funkelnder Engelsflügel hindurchschimmern. Und all> strengen Gebiete Huben nun an zu lächeln. Das Gesicht des Leuchter freute sich über das Antlitz Moses' und ste glänzten sich gegensemg an. Selbst die winzigen Schatten am Tischtuch tanzten so tol! als hatten sie die schlenkerige Gelenkigkeit eines Ehassiden erlangt Durch die Baumkronen des Friedhofes schien plötzlich ein langverhaltenes Halleluja loszurauschen. Und jede Menorahkerze san, und lachte immer über die Schulter ihrer Schwester hinweg: e, roor, als ginge das goldene Lachen sieben goldene Treppen hinaus bis es sich im Allerheiligsten wähnte. Und der Lichterweg knistert und knirschte, aber vor Freude, und sang, als wüßte er, daß e einer Wallfahrt des Zubels diene. Halleluja klang es aus de, Wipfeln des Friedhofes. Halleluja aus dem Liede der Lichter, Halleluja von den Lippen seiner toten Frau. Halleluja vom Mund Moses', Halleluja vom heimlichen Fliigelschlage der Engel. Um in seiner hohen Slllckrtrunkenheit jubelte Moses die ganze Nacht als wäre ihm eben eine neue Weise eingefallen: Lecho daudi likras kallo Pene schaboth nekablo! Bücbertifcb D. Dr. Ernst Sellin: Mose und seine Bedeutung für die israelitisch-jüdische Religionegeschichte. A. Deicherische Berlagsbnrhhaudlung, Leipzig — Dr. Werner Scholl, Erlangen. 159 Seiten. Ernst Sellin, der unermüdliche Schatzgräber, hat durch oben betiteltes Werk — broschiert — der Religionswissenschaft ein Geschenk von kostbarem Wert überreicht. Er läßt sich in seiner Untersuchung weder von denen beeinflussen, die Mose als Religionsstifter anerkennen, noch sind ihm d i e eine Richtschnur, denen Mose etwas Sagenhaftes bedeutet. — Zn dankenswerter Art macht Sellin es sich zur Aufgabe, die Persönlichkeit Mosis als des Vaters der Propheten herauszuschälen. Das scheint ihm notwendig, wenn nicht die ganze israelitisch-jüdische Religionsgeschichte in Nebel gehüllt bleiben soll. — Schon ein Blick ins Znhaltsverzeichnis genügt, um mit Freude festzustellen, wie meisterhaft Sellin den Stoff sichtet, und gespannt ist der Leser auf die Ausführungen. Zn Kapitel I entrollt Sellin ein Bild von der Mofetradition be! Hofea, und wir gewinnen einen Ueberblick über Zfraels 500jährige Geschichte in Kanaan, seine zukünftige Geschichte und seine Vorgeschichte zur Zeit Mosis. Kapitel II führt uns in die vor hofeanifcho prophetische Mofetradition ein, während Kapitel III uns Mosis Gestalt bei den nach hoseanischen Propheten bis zum babylonischen Exil zeigt. Kapitel IV und V erschließen uns die Quellen Uber Alose bei Deuterojesaja und Deuterosacharja. Kapitel VI endlich beleuchtet das Verhältnis der judäischen, leoitischen und ephraemitischen Moselradilion zu der prophetischen. Eine Einleitung, die in gedrängter Form eine Uebersicht des reichhaltigen bisher behandelten wissenswerten Materials über die Persönlichkeit Mosis gibt, und ein feinsinniger Schluß umrahmen würdig die gelehrte Arbeit. Run etwas vom Znhalt der einzelnen Kapitell Maßgebend für die Moseauffassung bei Hosea ist seine Vorstellung von der Wüstengeschichte Zfraels. Es sei eine Zeit reinster Golteserkenntnis gewesen, sonnenklarer Gottesgemeinschaft. Aus Aeggpten rettete Zahve sein Volk in die Wüste; dort zog er es an sich als seinen Liebling, erzog es in Liebe und heilte es von Krankheit (cf. Hofea 12, 10—14; 13, 5; 12, 14; 13, 5; 11, 1—5). Zsrael bewertete dies richtig und hing an seinem Gotte in Gehorsam (cf. Hosea 2, 17b; 9, Iva). Die Thora, die „Berith", die „Daath Zahve" setzt Hosea als bekannt voraus. 2n 12, 10 und 13. 4 zitiert Hosea den Anfang des Dekalogs, und Hosea 4, 2, das die Sünden des Volkes registriert, enthält eine sachliche Behandlung der Pflichten gegen den Nächsten nach Art des Dekalogs. — An der Persönlichkeit Deboras, die einen Zahvekampf im Sinaigeist gekämpft, an Samuel, den Zeremia 13, 1 Mose an die Seite stellt, an Elia, der sich für den pentateuchischen „el kanna" ereifert, an Amos, der besonders in 2, 10—12 seinen Zusammenhang mit Mose zeigt, führt ans Sellin die prophetische Mofetradition von der Richterzeit bis auf Hofea als etwas Ununterbrochenes vor Augen. — Wie sieht die Mofetradition bei den Propheten nach Hosea bis zum babylonischen Exil aus? Hier kommen u. a. Sesaja 1, 16—27; 11, 2ff; S. I lff und 6, 3 in Betracht, wo sich der Mosewille markiert, wonach Sahve Recht und Gerechtigkeit verlangt, Herzensgottesdienst anstatt der zu kraß auftretenden Werkheiligkeit, Zahve als der einzige, sittlich heilige Gott des Universums gilt. Micha vertritt gleichfalls die Eschatologie, d. h. die Auffassung von der zukünftigen Heilszeit des 2ahvevolkes (cf. 4, Iff). Bei Zephanja erblickt Sellin in 3, 7 einen ausdrücklichen Protest gegen Menschen geböte, die Priester und Volk dem Willen des Sinaigottes hinzugefügt hätten; im gleichen Sinne ist z. B. Zeremia 7, 21—23 und 6, 20 gefaßt. Für die Mosetradition, bei Deuterojesaja bringt uns Sellin etwas Neues. Zm Gegensatz zu anderen Forschern, nach denen Deuterojesaja als tatenloser Enthusiast den Weg in das Land des Heils durch den Zufall des Wunders gehen will, zeigt uns der Verfasser Deuterojesajas Anschauung entsprechend der hoseanischen (cf. Hosea 2, 16—25), daß die Wüste als Heimzugsland der Vertriebenen zum Paradies sich wandeln werde (cf. u. a. Zesaja 40, 3f; 41, I8f; 35, 13). Daß Deuterojesaja auf Mose zurückgreift und sein Denken und Fühlen bei ihm weilte, beweisen deutlich Zesaja 43, 22—28 oder 49, Iff. Haggai, Sacharja und Maleachi stehen nicht so stark auf dem Boden der Mosetradition wie gerade Deutero sacharja (= Kapitel 9 bi« 13). Er legt dar, daß die Verachtung Mosis, der das Volk den sittlichen Willen und den Glauben an den heiligen Gott gelehrt, Zsrael ins Verderben stürzte; die Aufrichtung könne nur durch den Wandel in Zahves Wegen erfolgen. Nicht nur Fachkreisen, auch der Laienwelt, die nicht achtlos an Sellins Werk vorübergehen soll, entwickelt vorliegende Schrift ein Bild unseres - Mose, der nicht einen Rationalgott predigte, sondern ein Beglücker der ganzen Menschheit sein wollte. Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Beuchen Q/S. Martin Buber, der große Maggid und feine Nachfolger. (B e rlag Auetten & Loening, Frankfurt a. M. 1922.) Es gibt Menschen, die etwas vom Ehafsidismus in sich ausgenommen haben und solche, bei denen das nicht der Fall ist. Mir ist immer erzählt worden, daß man das Gefühlsleben und das ganze Wesen de» Ehassüdim nur verstehen kann, wenn man längere Zeit unter ihnen gelebt hat. Rach eifrigem Studium von Bubers diesbezüglichen Schriften muß ich das zum größten Teil bestätigen! Was er in seiner Legende des baal Schern und in den Erzählungen von Rabbi Nachmann geboten hat, war in der Tat imstande, uns einen Blick zu gestatten in diese eigenartige Welt. Aber in diesen Büchern war doch alles mit Bubers Worten gegeben, und in seiner etwas schwülstigen Sprechweise verschwand wohl auch viel von dem ursprünglichen Geist» der Erzählung. Was er als Erzählungen und Aussprüche des großen Maggid Beer von Meseritz in diesem Buche bietet, klingt viel ursprünglicher und scheint darum mehr geeignet zu fein, das wahr» Bild des Ehafsidismus zu zeigen-. Einzelne dieser Erzählungen sind wert, in weiteste Kreise zu dringen, weil sie das Gefühls- und Empfindungsleben der Ehofsidim und die ethischen und religiösen Anschauungen dieser Menschen, die ja aus dem Urquell des Zudentums schöpfen, deutlich wiederspiegeln. Buber gibt in einer sehr langen Einleitung das wieder, was e» vom Ehafsidismus weiß, denkt und fühlt, und seine Schilderungen der einzelnen Persönlichkeiten und ihrer Anschauungen sind stellenweise recht interestant. Aber im großen und ganzen 'trifft auch auf diese Einleitung das zu, was von den meisten Buberscheu Schriften zu sagen wäre: Es wird mit vielen Worten etwas ausgedrückt. was mit wenigen deutlicher gesagt werden kann. Und letzten Lnd»s kann man das Gefühlsleben eines anderen doch nicht aus feMn Worten erkennen, sondern muh es erfühlen. 2ch kann von mir nur sagen, daß es mir auch aus dieser Einleitung nicht möglich gewesen ist» so nahe an das Wesen der Ehassidim und des Ehafsidismus zu kommen, wie etwa durch das Buch von Bloch Uber denselben Gegenstand.

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