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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-04-06 · 14 (6.4.1923) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
14 (6.4.1923)
Date
1923-04-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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die Mühe 311 machen, feine Anwürfe 311 belegen, ist kein Beweis für die Richtigkeit feiner Gedankenfllhrung. Wenn er beispielsweise von „den Humanitätsmittel- Mäßigkeiten eines Baeck" spricht,' fo ist dies eine Anmaßung, über die man mit Goethe fpotten möchte: „doch dießmal ist er von der Neusten; er wird fich grenzenlos erdreuften." Um wie viel ist für jeden Unverblendelen die Persönlichkeit und das säkulare Werk Baecks „Wesen des Sudentums" höher zu bewerten, als dieses von Parteifreunden über Gebühr verhimmelte Buch! Nicht unerwähnt kann auch bleiben, daß die ganz willkürliche, würfelspielmäßige Umstellung des Liedes der Lieder keineswegs pietätvoll genannt werden darf und auch künstlerisch so wenig gelungen ist, daß Brod nicht gerade davon sprechen sollte, dem Umdichter des Liedes gebühre eine körperliche Züchtigung. Trotz dieser Entgleisungen aber und trotz der Einseitigkeit des Bekenntnisbuches vermag es jedem Suchenden, innerhalb und außerhalb des Judentums und in all dessen Lagern viel zu geben, sei es. daß es zum Brevier der Gleichgestimmten werde, oder daß es zum Mitdenken und Ablehnen anregt, zum Nachprüfen des eigenen Standpunktes, da es die Frage nach dem Wesen des Sudentums und dem Ginn des Menschenlebens wieder einmal vernehmlich stellt. Und das tut not! Sn zweiter verbesserter Auflage erschien Z e l i x A. Eheilhaber's „Der Untergang der deutschen 2uden"ö). Als dieses Werk im Sahre 1911 zum ersten Male erschien, hat es in weiten Kreisen ungeheures Aufsehen erregt. Wenn man Zahlen hört, wie die folgenden: 25 Prozent der deutschen Süden bleiben ehelos, 25 Prozent gehen eine Mischehe ein und 50 Prozent der jüdischen Ehen haben das Zweikindersystem durchgeführt — so scheint es, daß man sich den erschütternden Schlußfolgerungen des Autors nicht verschließen könne, Sn der vorliegnden zweiten Auflage rechnet der Autor mit seinen Gegnern ab, denen er — um es mit einem Schopenhauer'fchen Wort kurz auszudrücken, „ruchlosen Optimismus" vorwirft. Aber, so möchten wir fragen, ist dieser ruchlose Optimismus nicht ein Symptom des Willens zum Leben? Glauben muß der Mensch und glauben muß eine Gemeinschaft an ihre Zukunft, um leben zu können. Wer einem Kranken den Glauben an sein Leben raubt, der hat als Arzt ihm Gift statt Arzenei gegeben. Will das Buch aber eine Aufrüttelung eine Mufsawpredigt sein, will es die Schäden nur aufdecken, um zu warnen, wie die Schmerzen Warner find, daß etwas in uns nicht in Ordnung fei, so müßte aus dem Buche doch ein anderer Eon erklingen. L est le ton qui kalt la musique. Sm übrigen find die bevölkerungsstatistischen Tatsachen die Resultanten geistiger Ursachen, j Und sehen wir nicht eine geistige Umstellung bei den deutschen Süden in den letzten Sahren, an deren Möglichkeit wir vor fünfzig Sahren nicht gedacht hätten? Wer will angesichts solcher Erscheinungen den Propheten spielen? Das einzige, was zu sagen berechtigt ist, wäre: Wenn die Berfallserscheinungen so weiter gehen, dann wird das Ende des deutschen Sudentums unfehlbar - eintreten. Aber ist es nicht gerade die Sagend, unsere Zukunft, bei der sich eine Renaissance anzubahnen scheint und die uns in hollere Zukunft schauen läßt? Wenn das Theilhaberfche Buch durch seine erschreckende Statistik mit dazu beigetragen haben sollte, das moralische Gewissen der neuen Generation zu wecken, so müßten wir sein" Erscheinen mit dankbarer Freude begrüßen. Auf verwandtem Gebiet liegen die Untersuchungen „Ueber den heutigen Stand der Rasse- und Krankheilsfrage der Süden. Eine Feststellung und neue Wege zu ihrer Lösung. Anschließend eine ausgedehnte Bibliographie von D r. m e d. M. S. Gutman n." sa) Der Verfasser kommt auf Grund eines reichhaltigen Materials und exakter Untersuchung zu dem Resultat, daß die statistischen Zahlen, selbst wenn man von den zahlreichen Fehlerquellen absieht, auf denen sie beruhen, nicht ausreichen. eine für die Süden spezifische Rasse- und Krankheilspathologie zu begründen. Etwas wertvoller gestalten sich die physiologischen Untersuchungen, da hier weniger Fehlerquellen in Betracht kommen. Was der Erforschung der körperlichen Symptome aber 8) Zelix A. Theilhaber, Der Untergang der deutschen 2uden, eine volkswirtschaftliche Studie. 2. veränderte Auslage. 3. bis 4. Taufend. 1921. indischer Verlag, Berlin. 8. 160 S. 8a) München 1920. Verlag Rudolph Müller u. Lteinicke. 8. 72 Leiten. % nie in vollem Maße gelingen wird, das wird — fo meint der Verfasser —- vielleicht die psychologische Forschung ans Licht bringen; denn wenn er auch in den Darwinschen Lehren und Auswirkungen die heute bestmöglichen Erklärungsversuche des biologischen Geschehens erblickt, so mißt er darüber hinaus dem seelischen Geschehen seinen eigenen Wert zu. Das Buch legt Zeugnis ab von einer von ehrlichem Willen nach Vorurteilslosigkeit und objektiver Darstellung durchdrungenen Mentalität. Großzügig in seiner Anlage und bedeutungsvoll in seinen Forschungen und Ergebnissen ist das Geschichtswerk von S. M. Dubnow „Die neueste G e - schichte des jüdischen Volkes 1789—1914“9), das von Alexander Eliasberg aus dem Russischen übersetzt, in deutscher Sprache erscheint. Vor uns liegen die zwei ersten Bände, die bis zum Sahre 1881 reichen. Wie Graetz feinem 12bändigen monumentalen Geschichtswerk eine gefchichtsphilosophische Studie „Die Konstruktion der jüdischen Geschichte" vorangehen ließ, so Dubnow das geistvolle und glänzend geschriebene Büchlein „Die jüdische Geschichte, ein geschichtsphilosophischer Versuch (1898» vor einiger Zeit in zweiter Auflage erschienen). Zwischen 1898 und 1920 liegt aber Dubnow's Wendung zum Zionismus. Während er in seinem erwähnten geschichtsphilosophischen Büchlein mit wohlwollender Objektivität den geistigen Bewegungen des Sudentums im 19. Sohrhundert gegenübersteht, während er der universalen Tendenz, t>en Reformbestrebungen, der Umbildung , des Kultus, der Theologie des Sudentums volles Verständnis entgegenbringt, hat sich in dieser seiner Stellungnahme in seinem großen Geschichtswerk ein vollkommener Wandel vollzogen. Sn seinem großen Geschichtswerk heißt es u. a.: „und so begann eine Reihe künstlicher, zum Teil oberflächlicher und formeller, zum Teil der historischen Entwicklung des Sudentums widersprechender Reformen .... Sm Sahre 1815 ließ sich in Berlin Ssrael Sacobson nieder, der gefallene Stern des Königreichs Westfalen, das ehemalige Oberhaupt des Kasseler Konsistoriums, das er in eine Fabrik von Reformen verwandelt hatte .... Als die Vertreter der einander bekämpfenden Richtungen von den Höhen der Sdeologie in das praktische Leben herabsteigen mußten,, zeigte es sich, daß sie den lebendigen Körper der jüdischen Gemeinde, die Zellen der autonomen nationalen Organisation zerfetzten .... ohne jedes Verständnis für den historischen Prozeß merkten diese Menschen gar nicht, daß sie, indem sie das nationale Element der jüdischen Kultur zerstörten, auch die Seele des Sudentums töteten und nur die Leiche der religiösen Dogmen und Gesetze übrig ließen." Wie ganz anders urteilt der noch nicht vom Nationalismus gefangene Autor im Sahre 1898: „Die aufgeklärten Süden treten in nähere Verbindung mit den aufgeklärten Ehristen und assimilieren sich ihnen auf dem Boden des allgemeinen Menschentums als Gesinnungsgenossen, die sich zu den gleichen Grundprinzipien bekennen. Wenn «sie sich auch von manchen religiösen und nationalen Traditionen lossagen, so tun sie es keineswegs der Nachbarbevölkerung zu Gefallen, sondern lassen sich einzig und allein von jenen allgemeinen Prinzipien leiten, die auch die Nichtjuden zwingen, viele ihrer Traditionen, die mit der Vernunft und mit ihrem Gewissen sich nicht vereinigen lassen, zu verwerfen. Sowohl diese als jene gaben sich dem frischen Zug der Zeit hin und lassen sich von der umgestaltenden universalen Bewegung fortziehen .... Und nun wendet sich die jüdische Sntelligenz, um ihre alte Sünde wett zu machen, ihrem Volke wieder zu, nimmt die Angriffe der Umgestaltung des inneren Lebens, die Vereinfachung des äußerst verwickelten religiösen Kultus, die Umbildung des Erziehungswefens, endlich die Bearbeitung des weit ausgedehnten Feldes der jüdischen Wissenschaft . . . die kulturelle und bürgerliche Assimilation mit der Rachdarbevölkerung vollzieht sich mit innerer Notwendigkeit, aus der natürlichen Entwicklung des Lebens heraus; die geistige Assimilation hingegen, im Sinne einer geistigen Amalgamierung des Sudentums, wird von den edelsten Vertretern desselben entschieden zurückgewiesen." — 9) 6. M. Dubnow, Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes, deutsch von Alexander Lliasberg. I. Band Ginleitung, erste Abteilung: Das Zeitalter der ersten Gmanripation (1789—1815), 354 Seiten. — II. Band, zweite Abteilung: Das Zeitalter der ersten Reaktion (1815—1848); dritte Abteilung: Das Zeitalter der zweiten Reaktion (1848—1881). 518 Seiten, jüdischer Verlag, Berlin. 1920. 8. Zeigt sich so Dubnow als Geschichtsschreiber in seine» großen Geschichtswerk als ein von voreingenommene» Standpunkt urteilender Autor, der es nicht.mehr ver-- steht, anderen geistigen Strömungen innerlich gerecht zü werden, so ist auf der anderen Seite die Bedeutung seines Werkes auf dem Gebiete der äußeren, nicht religiöse« Entwicklung nicht hoch genug zu veranschlagen. Bor allem aber werden von einem kundigen, mit dem ganzen Material vertrauten Führer zum erstenmale auf Grund gründlichster Quellenforschung die Kämpfe und Erschütterungen des russischen und polnischen Sudentums ergreifend geschildert. Sn dieser, den größten Raum des Geschichtswerkes einnehmenden Darstellung der Zustände und Erlebnisse der Süden Rußlands und Polens liegt der große und bleibende Wert des großzügigen Geschichtswerkes. Als Publikation der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde erschien: „Grundbuch des Kölner Sudenviertels 1135—1425 von Adolf Kober. >o) Das Buch ist eine für die mittelalterliche Geschichte der deutschen Süden höchst wertvolle Arbeit voll gründlicher Gelehrsamkeit und reichen, interessanten Aufschlüssen. Die Familiengeschichte der Süden im Mittelalter, die jüdische Namenskunde und vor allem die Lokalgeschichte Kölns erfährt durch dieses reiche Förderung. Die zahlreichen Anmerkungen liefern wertvolles Material zu einer Kulturgeschichte der deutschen Süden im Mittelalter. — Auf Grund eigener, auf einer Forschungsreise gewonnener Eindrücke und der Berichte anderer Forscher, vor allem Zeitlovitchs, entwirft Dr. Earl Ra 1hj e n s ein anschauliches Bild von dem geheimnisvollen Werden und von der Entwicklung der Fa lasch as in A b e s s y n i c n. n) Der Verfasser, am Geographischen Seminar der Hamburger Universität wirkend, gibt in seiner Schrift interessante, vielfach neue Aufschlüsse über das bisher wissenschaftlich noch wenig erforschte Volk der schwarzen Süden. Die anziehende Schilderung der Sitten und Gebräuche der heutigen Falaschas ist nicht nur für Fachgelehrte, sondern für Sedermann von Snterefse. Das wenig bebaute Feld biblischer Ehronologie, auf welchem ein Scaliger, Patavius, Sdeler, Elinton, Boeckl Pfadfinder gewesen sind, wird bereichert durch das posthume Büchlein R. W. L j ung b ergs „Die hebräische Ehronologie von Saul bis zur babylonischen Gefangenschaf t." W einem anregend geschriebenen, auf archivalische Quellen zurückgehenden Büchlein die Lebensbilder der Beamten der Wormser jüdischen Gemeinde von der Mitte des 18. Sahrhunderts bis zur Gegenwart an unserem geistigen Auge vorüber, Rabbiner, Kantoren, Lehrer und sonstige Funktionäre. Von allgemein geschichtlicher Bedeutung sind insbesondere die Mitteilungen Uber die Wormser Rabbiner und Prediger, aus deren Biographie interessante Streiflichter über die Kulturverhältnisse der Zeit fallen. Der auf dem Gebiete Wormser Lokalforschung ungemein rührige Hauptlehrer und Sekretär der jüdischen Gemeinde zu Worms S. Rothschild^) führt in Als Material zu einer künftigen Geschichtsschreibung der Süden von außerordentlich großem Werte ist die Dokumentensammlung, herausgegeben unter der Redaktion von Leon Ehasanowitsch und Leo Motzkin.iH Die Sammlung, unter dem Titel „Die Sudenfrage der Gegenwart", beschränkt sich auf die Mitteilung der Dokumente zur jüdischen Volks bewegung und stellt die hierher gehörigen Kundgebungen, Regierungserklärungen, Gesetze, internationale Verträge usw. im Wortlaut mit. Zeit- und Parteifragen des Sudentums behandeln die kleineren und anspruchslosen Schriften von B a r u ch Krupnik: „Die jüdischen Parteien" * *5), ein 10) Adolf Kober, Grundbuch des Kölner Zudenviertels 1155 bi« 1425. Lin Beitrag zur mittelalterlichen Topographie, Rechtsgefchichle und Statistik der Stadt Köln. Mit einer Karte des Zudenviertels. Bonn, P. Honsteins Verlag, 1920. 8. XXVILI. u. 232 Seiten. 11) Die Zuden in Abessinien von Dr. L. Rathjens. 1921. W. Genie, Wissenschaftlicher Verlag. Hamburg. 8. 97 Seiten. 12) Leipzig, Verlag von M. W. Kaufmann. 8. 46 Seilen. 15) Verlag 3. Kauffmann, Zrankfurt a. M. 1920. 8. 79 Seilen. 14) Die Oudenfrage der Gegenwart. Dokumentensammlung, herausgegeben unter der Redaktion von Leon Thasanowitsch und Leo Motzkin. Stockholm, Vokförlaget Zudäa A. V. 1919. qu. 8. 166 Seiten. 15) Züdischor Verlag, Berlin, 1919. kl. 8. 29 Seilen. tapfer und tüchtig steht sie mir zur Seite. Damals war unser Kind ein kleiner Sunge, jetzt steht er fest im Leben. Es ist doch merkwürdig, daß ich bei dieser Predigt immer neben alten, lieben Männern sitze. Wer wohl heute zu meiner Rechten ist? Sch wende mich zur Seite und erblicke eine seltsame, ehrwürdige Greisengestalt. Ein langer, weißer Bart wallt herab auf ein grobes/haariges Gewand, das durch einen Ledergurt umschlossen ist. Lange schneeweiße Lokken umkrLnzen sein edles Antlitz. Auf ferner Schulter sitzt ein großer Rabe mit alterszerschlissenem Gefieder. Ein langer schwerer Seufzer entsteigt seiner Brust, ich vernehme seine leise, tiefe Stimme: wieder ein Sahr vergeblich! Seit mehr als zwei Sahrtaufenden durchwandere ich die Erde, es gibt kein Volk und kein Königreich, wohin nicht mein Fuß mich» getragen, kein Gotteshaus, das ich nicht aufgesucht. Und immer höre ich die gleichen Reden, nie Neues, kein Fortschritt! Weiter muß ich wandern, von Ort zu Ort, von Sahr zu Sahr! Sehnend stehe ich draußen, wenn ihr die Türen öffnet und müde Wanderer zum Eintritt ladet,, ich kann nicht kommen, darf nicht kommen, muß ewig westwärts schauen und auf die Zukunft hoffen. Noch Zimmer hüpft ihr ja wie ein Vöglein im Bauer von einem Stab zum andern, von der Vergangenheit zur Zukunft und zurück zu längst Geschehenem, lange Veraltetem. Aber die Gegenwart mit ihren frischen Forderungen, das warm pulsierende Leben, in dem ihr doch steht und geht, beachtet ihr nicht. Was kluge, weise Männer ihrer Zeit gedacht und gelehrt, das denkt und lehrt ihr weiter; weil man vor bald 2000 Sahren in Bene Barak über vier Becher nicht hinauskam, bescheidet ihr euch heute noch fromm mit vieren. Warum lest ihr nicht weiter in der Schrift des Herrn, warum prüft ihr nicht selbst, ob nicht das Wort Gottes noch weiter geht? Sa! er hat euch herausgeführt, hat euch errettet und erhört, hat euch aus der Finsternis Egyptens herausgerisfen; aber er hat euch auch zugerufen: wehewessi esschomi wijedateml ich werde euch weiter bringen und fördern, ihr aber sollt erkennen und wissen! Aber ihr höret und begreifet noch immer nicht, noch immer beherrscht euch Kleinmut und die Last des Tages. Mit lauter Stimme ruft ihr nach der Hilfe des Herrn, aber selber helft ihr euch nicht, ihr schreit zu ihm um Herbeiführung der niessianischen Zeit, in der jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum satt und zufrieden sitzen möchte, aber ihr selbst tut nichts, um diese «Feit näher zu bringen. Fürwahr! Gott schläft nicht und träumt nicht, aber ihr dämmert in dumpfer Gewohnheit dahin, denkt nicht daran, daß ihr durch stetes Aufsteigen und Vorwärtsschreiten za den höchsten Höhen menschlicher Vollkommenheit selbst euch das Endziel erwirken und erwerben müßt, selbst die Zeit zu erringen habt, in der Gott der Einzige und sein Name der Einzige sein wird. Nicht mit den alten vier Bechern dürft ihr euch begnügen, nein, füllet sie abermals und zum dritten Male, bauet Neues auf, reißet Morsches ein, dann wird göttlicher Zeuergeist in euch fahren, dann werdet ihr die Aufgabe, die er euch gestellt, erfüllen können, seinen hohen, heiligen Namen unter allen Völkern zu verbreiten. Dann werde auch ich kommen können, um euch zu helfen, den Weg zu bereiten für die o<?it des ewigen Friedens. Ach! wie lange werde ich noch wandern müssen, wie lange noch sehnsuchtsvoll nach eurer Festtafel blicken können! Der Alte schwieg. Erschüttert blickte Rch ihn an und fragte: Wer seid ihr? Vielleicht Ahasver, der ewige Sude? Da warf er mir einen Blick zu, so voll Hohn und *Zorn, voll Weh und Schmerz, wie ich nie ein Auge blicken sah. Drohend hob er die Hand gegen mich auf, der Rabe hackte mit dem Schnabel nach meinem Auge, ich hörte eine machtvoll donnernde Stimme: Adonai hu hoelohim!- Sch fuhr in die Höhe, — die Gemeinde hatte sich erhoben, der Prediger sprach das Schlußgebet. * Lächelnd wandte sich mein Nachbar zur Linken mir zu: wünsche wohl geruht zu haben!

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