Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 3 (1923)
- Issue
- 9 (2.3.1923)
- Date
- 1923-03-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2613709-2613718--0568-2617828- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
eben, besondere Fugendgollesdienste für die Kinder, schließlich auch die Mädchen-Einsegnung, die seil ihrer ersten Einführung nun schon ungerähllen jüdischen Mädchen eine Weiheslunde für das gan;e Leben geworden ist, waren Errungenschaften des jüdischen Liberalismus. Die Kämpfe^ die um diese Reformen entbrannten, der Hamburger Tempelstreit und der Breslauer Rabbinats-ötreit, riefen hüben und drüben die Gelehrten auf den Plan, und so entstand als Reaktion auf die Angriffe der Orthodoxie die zweite große öchöpfung des liberalen Judentums, entstand in den vierziger wahren das, was wir die „Wissenschaft des Fudenlums" nennen. — Sn der zweiten Hälfte des vorigen Fahrhunderls wandte sich das Snteresse der Allgemeinheit von der Kultus-Reform ein wenig ab und mehr zu den großen sozialen Organisationen. Der Snitiative liberalen Süden entsprang die große Abwehrorganisation gegen den Antisemitismus, der „Eentral-Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", entsprangen zahllose Wohlfahrts- Organisationen, Logen, Waisenhäuser, entsprangen der Gemeindebund und viele andere Snstitutionen des jüdischen Lebens. Zusammenfassend muß gesagt werden: die Reform ist vor allen Dingen aus konservativem Prinzip heraus erfolgt; niemals waren die Reformen Lelbstzweck; ihr alleiniger Zweck war die Erhaltung des Sudentums. Der eigentliche Reformator war nicht die Zührergruppe der liberalen Süden, — der eigentliche Reformator war die Zeit mit den neuen Verhältnissen, die sie heraufgeführt hatte. — Achtzehn Sahrhunderte vorher war die nationale Kultstätte der Süden zerstört worden. Hätte man damals den Opferdienst auf Zion als das Wesen des Sudentums proklamiert, — dieses Sudentum wäre untergegangen. Aber man erkannte den Opferkuli als A u s d r u ck s f o r m des Sudentums und schuf an seiner Stelle neue Ausdrucksformen, sodaß das Sudentum auch ohne den Opferdienst seinen religiösen Ausdruck fand und nicht unterging. Henau so lagen die Dinge jötzt: wie damals die Mauern des Rationalheiligtums, waren nun die Ghetto- Mauern gefallen. Der orthodoxe Standpunkt, daß man trotzdem genau in den früheren mittelalterlichen Formen weiterleben müsse, war ein unhaltbarer Anachronismus. Von solchem Sudentum wandten sich die Besten ihrer Zeit ab; sie hätten sich ganz vom Sudentum abgekehrt und wären mit sämtlichen Nachkommen aller späteren Generationen dem Sudentum verloren gewesen, hätte nicht die Re-Form diejenigen neuen Lebens- und Ausdrucksformen geschaffen, die a l l e i n es den Süden mit modernem, europäischem Empfinden möglich machten, innerhalb des Sudentums zu verbleiben. So hat der Liberalismus dem Sudentum die Brücke gebaut von der alten in die neue Zeit, und dieses geschichtlich erwiesene Verdienst kann ihm keine Kritik der Welt streitig machen. Wie aber jeder Mensch die Schwäche seiner Tugenden hat, so hatte auch das liberale Sudentum die Schwäche seiner Tugenden — und die seines Zeitalters dazu. Auch das liberale Sudentum darf sich das feine, sarkastische Wort Goethes zu eigen machen: Tolle Zeilen Hab' ich erlebt — und Hab' nicht ermangelt, Selbst auch töricht zu sein' wie es die Zeit mir gebot. Sn die Zeit des wissenschaftlichen Materialismus hineingeboren, war das liberale Sudentum selbst insofern materiell, als es sich zu sehr mit äußeren, zu wenig mit inneren Dingen beschäftigte. Seine geistigen Führer freilich Haben nie aufgehört, die Religion zu predigen; die große Menge seiner Anhänger aber lebte mehr den äußerlichen Dingen als der Religion. — Wie mancher blasierte Romanleser die psychologisch wichtigsten Kapitel überschlägt, um nur rasch den Ausgang der Handlung zu erfahren, so überschlug man großenteils die Grundlagen und machte sich nur rasch die Schlußfolgerungen zu eigen, für die dann natürlich die inneren Voraussetzungen fehlten. An zwei Beispielen sei das erläutert. Weit mehr als die theoretischen Grundlagen des Liberalismus war die Orgel der liberalen Sgnagogen umstritten. Für Orgel und deutsches Gebet mag damals auch mancher eingetreten sein, dem die innere Grundlage jedes Gottesdienstes fehlte, die — Andacht. Mancher propagierte die Reform — für die andern und machte selbst keinen Gebrauch von ihr. Dm geistigen Führer der Liberalen — in den fünfziger Söhren Abraham Geiger und neuerdings Hermann Eohenknüpften das liberale Sudentum an die Lehre der Propheten an, die uns das grandiose Sgstem unserer Religion geschenkt haben: die Lehre vom einen Gott, der einen Menschheit und der einen Sittlichkeit. — Mit dem einen Gott wußte nun allerdings die Menge wenig anzufangen; bestenfalls wußte man ihn philosophisch zu definieren, fast nie fühlte man sich ihm religiös verbunden; vielfach schwieg man ganz von ihm und wandte sich dem zweiten und dritten Teil der prophetischen Lehre, der Menschheit und Sittlichkeit um so intensiver zu, indem man sich in den staatsbürgerlichen und sozialen Organisationen betätigte. Bei aller Würdigung dieser praktischen Tätigkeit im Dienste reinste» sozialer Ethik, und bei voller Anerkennung der Hingabe, mit der sie geübt wurde, muß doch gesagt werden: wir hatten dabei zu wenig Snnerlichkeit, zu wenig Religion. Rur in diesem einen Sinne waren wir zu sehr Assimilanten, — Assimilanten an das ganze vorige Sahrhundert des Rationalismus. Mit dieser Assimilation aber befinden wir uns in innigster Gesellschaft mit denjenigen, die uns unser Assimilantentum so gern vorwerfen. Es läßt sich leicht aufzeigen, daß auch die Orthodoxie auf ihre Art sich stets dem herrschenden Zeitgeist langsam, aber dennoch unaufhaltsam anähnelte. Wer beispielsweise wie der Verfasser dieser Zeilen in einer Gegend wohnt, die starken ostjüdischen Zustrom hat, kann es aus nächster Nähe beobachten, wie reformiert, wie assimiliert unsere alteingesessenen deutschen Orthodoxen den Orthodoxen aus dem Osten gegenüber sich ausnehmen. Das Gleiche läßt sich auch von derjenigen jüdischen Partei sagen, die mit besonderer Vorliebe uns unser Assimilantentum vorwirft, vom Zionismus. Gerade im Rahmen dieser Betrachtungen ist es außerordentlich lehrreich, sich darüber klar zu werden, daß in dem öden, nur-nationalen Zionismus des vorigen Jahrhunderts eine Bewegung aufkam, die, als Reaktion auf den im Antisemitismus sich äußernden Nationalismus der Nichtjuden, nun den Nationalismus der 2uden entdeckte, die das Jahrtausende alte Gottesvolk zu einem Volk unter den Völkern, Bibel, hebräische Sprache und heilige Bräuche zu nationalen Ausdrucksformen des jüdischen Volks degradierten, sodaß also der Zionismus, wie er damals aussah, bei allem Festhalten an äußerlicher jüdischer Eigenart dennoch die denkbar größte geistige Assimilation an den herrschenden Zeitgeist darstellt, — sogar unter Preisgabe des Wesentlichen, der Religion. — Heute sehen wir erfreulicherweise bereits wieder einen Umschwung, sehen im Kultur - zionismus, im Neu-Thassidismus eines Martin Buber das Wiedereindringen der Religion in den Zionismus, bedingt durch das immer stärker werdende religiöse Sehnen unserer Zeit. Die gleiche Wandlung inacht sich heute innerhalb des liberalen Sudentums bemerkbar. Wer unsere Zeitschrift verfolgt, wer die Berichte über die Delegierten- Tagung der liberalen Fugendvereine in Breslau gelesen hat, der wird wissen, daß wir heute beginnen, die im vorigen Sahrhundert überschlagenen Kapitel nachzuholen. Nicht rationalistisch, mit dem die Dinge nur von außen sehenden Sntellekt, sondern irrational, mit heißer, brennender Sehnsucht im Herzen, stehen wir vor dem Problem unsres Sude-Seins, unseres Mensch-Seins, — stehen wir vor allen Dingen wieder vor dem Urproblem und Anfang aller Neligion: vor Gott. Mit ihm wollen wir uns in Religion verbunden fühlen. Hat sich der Einzelmensch im vorigen Sahrhundert die Befreiung von menschlicher Autorität errungen und ging er in dem Gebrauche seiner individuellen und intellektuellen Freiheit vielfach zu weit, so bindet der Mensch unserer Tage in freier Hingabe sich wieder an Gott; — ihm will er sich verbunden fühlen, wie es der eigentliche Sinn des Wortes „Religion" — Verbundenheilsgefühl — schon sagt. Dem Gott, der das Weltall ordnet und lenkt und zugleich in jedes Menschen Brust unwandelbar thront, ihm will der freie Mensch von heute wieder verantwortlich sein, dann findet sich die Erfüllung der weiteren Postulate unserer Religion, die wir im alten Sahr- Stelle am Flusse, von wo aus man sie ganz überblickt. Die Häuser türmen sich übereinander, immer höher und höher; und die Häuser, die weiter stehen, wollen über die anderen hinüberschauen und auch etwas von Gottes Welt sehen; darum ragen sie, je weiter sie stehen, um so höher hinauf. Und die Lonne sicht im Untergeben aus sie herab und übergießt sie mit ihrem Lichte, nimmt Abschied von ihnen, küßt sie. Und ich sche, wie die Schatten diesen letzten Strahlen nachjagen, wie sie sich immer mchr und mchr verdichten und wie sie fließen und überall eindringen, wo sie nur können. Sie erfüllen alle Zwischenräume zwischen den Häusern, alle freien Plätze zwischen den Mauern, und sie heben und jagen das letzte rötliche Sonnenlicht hinaus, in den Himmel, aus den es kommt. „Tcht zur Ruhe, ihr Strahlen, jetzt ist unsere Feilt Gute Nacht! . . . Und es wird allmählich dunkler und dunkler und der Himmel immer tiefer und tiefer. Bald werden, einer nach dem andern, die Sterne aufleuchten. Und wie ich das alles sche, komme ich zur Schreinergasse, zu der letzten Gasse der Stadt, die so steil hinuntergeht. Und so kam ia> zum Flusse, wo die alte Schul steht . . . Und ich kam ganz nahe an die alte Schul heran. Am Tage sicht sie schrecklich aus: Armselig, baufällig, ganz schwarz vor Alter. Die Spinnen wollen aus Mitleid die eingeschlagenen Zensierscheiben Lberweben. Und auf dem Hügel gegenüber, am anderen Ende der Gasse, sicht die schlanke, spitze Ehristenkirche und lacht . . . Doch am Abend sah die alte Schul ganz anders aus. Fum ersten Male sah ich sie gchern so. Tin leichter, lieblicher, dunkelblauer Nebel umhüllte sie. Die Zensier ohne Scheiben waren gar nicht blind. Sie blickten ernst und tief in die Welt hinaus. Und die Gesimse oben lebten und rührten sich beinahe. Die gemalten Löwen wollten sich von der Mauer losreißen. Gleich werden sie zu brüllen anfangen. Glaubst du, daß das mein Gcheimnis ist? Nein, Mameschil Das alles sehe ich erst jetzt, wie ich es dir erzähle; mit den gestrigen Augen sehe ich er. Ach, Mameschi, wenn ich reich wäret Was ich dann täte? Sch würde die alte Schul wieder aufrichtenl Sch will, dah auch sie hoch ist und in den Himmel hinaufragtl Und sie muh höher sein, weil sie tiefer stehtl Und ein goldenes Dach soll sie haben und kristallene Fensterscheiben l Hörst du, Mameschi, so denke ich es mir: man kann ja auch ohne Schul auskommen; denn Gott ist überall . . . Wo nur eine Träne fällt, die merkt erl Wo jemand die Augen zu ihm erhebt, den sieht ert Wo nur ein bekümmertes Herz seufzt, das hört er. Wenn man aber schon eine Schul hat, so soll sie hoch, schön, strahlend und würdig sein. So dachte ich es mir auch gestern. Und plötzlich hörte ich eia Weinen! Tin leises und trauriges Weinen, süß und traurig und so seltsam ergreifend. Wenn du spielst, kommen manchmal aus dem Klavier solche weinenden Töne . . . Und ich glaubte — Mameschi, die Wahrheit zu sagen, wollte ich es glauben, und ich wandte mich absichtlich nicht um. um es möglichst lange glauben zu können — ich glauhte, daß das Weinen und das Schluchzen aus der alten Schul kommt ... dah dort drinnen, in dunkelblauen Nebel gehüllt, die Seele der alten Schul sitzt und weint.. Und sie beklagt sich, dah die Sonne ihr unrecht tut ... ., dah sie ganze Garben ihres goldenen Lichtes auf das Kirchendach ausschüttet und ihr kaum einen Strahl gönnt .... Sie wirft ihr am hellsten Mittag nur einen blasien Strahl wie ein Almosen zu ... . Und dieser Strahl gleitet über sie weg und stiehlt sich fort, wie verschämt! . . . . Aber es war nicht die Schul . . . Es war ein kleines Mädchen ... Ts lag im Sande, suchte etwas und weinte.... Als ich mich umwandte, sah ich erst nur ihr abgetragenes Kleidchen wie einen dunkelgrauen Zleck auf dem gelben Sande und ein Paar ausgetretene Schuhet Und noch etwas sah ich ... . -Mameschi, ich schäme mich ... es wird mir so warm . . . . hundert lediglich verstandesmäßg ableiten konnten» findet stch die Betätigung sozialer Ethik und Nächstenliebe von selbst. Wenn etwa diese Wendung der Dinge in unserer Bewegung auf den ersten Anblick nicht praktisch genug erscheinen sollte, der sei darauf hingewiesen, daß nichts so p r a k 1 i s ch ist wie Religion. Wirkliche, echte Religion ist der Urquell ethischer Denkart, friedfertigen Sinnes, sittlichen und sozialen Handelns. Sie ist Quelle und Grundvoraussetzung allen geistigen Wohlstandes unter den Menschen. Und eine religiöse Bewegung ist unser liberales Judentum und will es unter allen Umständen bleiben. Die Wege, die das liberale Judentum auf Grund dieser inneren Einstellung gehen muß, bedürfen zu eingehender Darstellung, als daß sie heute hier Platz finden könnten. Sie sollen Gegenstand eines späteren Aufsatzes fein. Die Rot der Berliner Gemeinde. Die letzte Repräsentantenversammlung am IS. Zebruar 1923 zeigte einen starken Besuch von Gemeindevertretern. Es lag Spannung in der Luft, und diese Spannung betraf die Erörterung der Zinanzlage der Gemeinde. Nachdem die Versammlung eine gröhere Anzahl von «Zuwendungen genehmigt und Rechnungsabschlüssen verschiedener Verwaltungen ihre Entlastung erteilt hatte, wurden die durch das Ausscheiden der früheren Repräsentanten freigewordenen Stellen in den Kommissionen mit den neugewählten Herren besetzt. Nur im Schul- und Talmud Torah- Vorstand gelang die Besetzung nicht, denn der Versuch der orthodoxzionistischen Richtung, im Schulvorstand die Vorherrschaft zu erlangen, mutzte zur Ablehnung durch die Liberalen führen. Setzt kam die Erhöhung der Beamtenbesoldung an die Reihe, und diese gab den Anlatz, die erwartete Zinanzdebatte zu eröffnen. Der Vertreter des Gemeindevorstandes. Herr Ba d t, schilderte die Lage in den schwärzesten Farben. Die ungeheuere Anschwellung sämtlicher Ausgaben und die immer neuen Erhöhungen der Beamtengehälter können mit den Einnahmen der Verwaltung nicht mehr in Einklang gebracht werden. Die Steuern des Vorjahres seien verbraucht, die Schuld bei der Bank habe einen Stand erreicht, der bereits zur Ablehnung einer weiteren Kreditgewährung durch die Bank geführt habe. Mit Steuern für das Sahr 1923 könne wegen der schleppenden Veranlagung der Reichsbehörden erst zu Mitte des Fohres gerechnet werden, und es fehle bereits an Geld zur Auszahlung der Ullimogehälter. Die Notlage sei daher akut und er sehe keine Mittel, der Not zu begegnen, da mit kleinen Lummen nicht zu helfen sei und Hunderte von Millionen erforderlich wären. Er habe daher, da wieder ein Antrag auf Besoldungserhöhung der Beamten vorliege, eine Versammlung sämtlicher Semeindevertreter mit den Deamtenvertretern für morgen einberufen, um Uber die Schritte zu beraten, die zur Sanierung der Zinanzlage erforderlich seien. Ls kam nunmehr zu einer äutzerst lebhaften Debatte, bei der es an Vorwürfen gegen den Vorstand nicht fehlte, aber auch die verschiedensten Vorschläge zur Sanierung vorgebracht wurden. Line eingehende Beratung über die Zinanzlage wurde jedoch auf den nächsten Tag verschoben. Als nächster Punkt der Tagesordnung wurde ein Dringlichkeitsantrag des | Vorstandes vorgelegt, das Gemeindeb/att aus finanziellen Gründen vorläufig eingehen und bereits die Märznummer nicht mchr erscheinen zu lassen. Dieser Antrag fand fast einstimmige Ablehnung. Ls wurde vielmehr eine Kommission gewählt, welche das Zortbestchen des Blattes gewährleisten soll. Nach Bewilligung einer Anzahl von Subventionen an Vereine war die Tagesordnung erschöpft. Als ein charakteristisches Beispiel für die Grötze der im neuen Etatsjahr durch Steuern aufzubringenden Beträge hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde der Repräsentantenversammlung die Mitteilung zugehen lassen, datz allein für Kohlen für die Gebäude der Gemeinde einschließlich der Gebäude der Wohlfahrtsanstalten, auch wenn der jetzige Kohlenpreis sich nicht erhöhen solle, ein Betrag von über einer Milliarde Mark erforderlich ist. Lln Rabbiner als Universitätslehrer. Rabbiner Dr. Scheftelowitz ist als Professor für iranische Philologie an die Universität Köln berufen worden. Dr. Scheftelowitz hat sich in jüdischen Kreisen besonders durch seine Materialien zu Geschichte und Kultus der Fuden im alten Persien bekannt gemacht. Professor Scheftelowitz, der einer Familie entstammt, in der seit Jahrhunderten das Talmuchtudium heimisch ist und die viele Rabbiner hervorgebracht hat, hat außerdem eine Reihe von Werken auf dem Gebiete der vergleichenden Sprachwissenschaft und des Sanskrit veröffentlicht. Von seinen ausgezeichneten Arbeiten auf dem Gebiete der vergleichenden Religionswissenschaft sind namentlich: „Das Zischsgmbol im Judentum und Ehristentum", „Die allpersische Religion und das Fudentum" und „Die Entstehung der manichäischen Religion und des Lrlösungsmgsteriums" zu erwähnn, die ihn in der Wissenschaft bekannt gemacht haben. Kein Hakenkreuz im Karlsbader Wappen. Wie wir erfahren, beruht die kürzlich durch die Presie gegangene Nachricht, die Stadt Karlsbad habe das Hakenkreuz in ihr Wappen ausgenommen, auf Frrtum. Line Veschlutzfassung dieser Art durch die Karlsbader Stadtverordneten ist nicht erfolgt. Was in München möglich ist. Unter dieser Überschrift berichtet das israelitische Wochenblatt für die Schweiz vom 23. Zebruar folgenden Vorfall: in München steigt eine einfache Frau, mit einem Kind auf dem Arm, in die Ltratzenbahn. Line jüdische Dame steht auf und bietet ihr den Platz an. Antwort: Von einer Saujüdin nehme ich keinen Platz an... . Was fordert die Gegenwarl vom deutschen iudeu? Bor kurzem hielt in Bielefeld Herr Rabbiner Dr. Lobten; aus Berlin in Stelle dir vor: eine Zlut rote, ganz feuerrote Haare.... Zunken stoben aus ihnen.... „Was weinst du. Mädchen, und was suchst du im Land?" ihre Mutter hatte sie etwas kaufen geschickt und ihr ein Fehnerl mitgegeben, iemand stieß sie im Vorbeigehen an, und das Fehnerl fiel in den Sand . . . Darum weint sie . . . ich — wenn ich Gott weih was verloren hätte, ich täte nicht weinen! ich fragte sie: „Wars ein großer Zehner oder ein weißes Fehnerl?" „Lin weißest" sagte sie und wendet sich nach mir gar nicht um. „ich will dir suchen helfen." sage ich. ich bücke mich, tue so, als ob ich suchte, und finde ihr ein weißes Fehnerl. „Hier hast du esl" Sie sprang vor Freude auf und warf sich mit einem Ruck des Kopfes die rote Haarflut in den Racken . . . Und unter den Haaren kam wie unter einer Wolke ein kleines alabasterweißes Gesichtchen zum Vorschein . . . Und Augen waren darin, Mameschi, Augen . . . Nein, Mameschi, die Augen kann ich nicht beschreiben! . . . So viel Zreude leuchtete in Fhnen. . . Die ganze Nacht träumte ich von diesen Augen, die ganze Nacht. Das ist mein ganzes Geheimnis, Mameschil Du lächelst? Lache nicht, Mameschil Die Augen vergesse ich niemals . . . Mameschi . . . Darf ich wieder einmal in die Schreinergasse gehen, mir wieder . . . die alte Schul anschauen? . . . *) Mit gütiger Erlaubnis des Fnsel-Verlages zu Leipzig, dem Fnsel-Buch Rr. 204 „jüdische Geschichte" von 2. L. Perez, übertragen von Alexander Eliasberg, entnommen.