Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 3 (1923)
- Issue
- 9 (2.3.1923)
- Date
- 1923-03-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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MH. Weil die Feindschaft, die uns Süden bedroht, Io groß geworden ist, wir uns über die Größe her Gefahr nicht täuschen, die Uber unserem Haupte schwebt» hat der Bericht der Esther-Rolle für uns nicht nur historisches Snteresse. Sn der Gestalt des Haman erkennen wir die Verkörperung derselben hinterlistigen und gewissenlosen Sudenfeindschaft, die auch in unseren Lagen ihre niedrigen persönlichen Motive hinter nationalen Phrasen zu verbergen sucht. „Da ist ein Volk, zerstreut und versprengt unter die Völker in allen Ländern deines Reiches, und ihre Gesetze unterscheiden sich von denen jedes anderen Volkes, die Gesetze des Königs aber befolgen lie nicht, da ist es dem König nicht dienlich, sie zu dulden," so lautet die Anklage, die Haman gegen die Süden erhebt. Gin Fremdkörper sind die Süden im Perserreich und ihre nationale Gesinnung ist nicht zuverlässig, das ist dieselbe Methode, die heute noch zur Begründung des Antisemitismus dient. öo wenig ehrlich und aufrichtig aber Hamans Worte sind, sie zeigen uns dennoch eine der Quellen, aus denen in unseren Tagen die Feindschaft gegen uns entsteht. Solange wir eine besondere Gruppe bilden, die sich durch körperliche Merkmale, seelische Form und selbständige religiöse Ueberzeugung von der Mehrheit unterscheidet, wird man uns stets als Fremde betrachten und unsere nationale Gesinnung verdürftigen. Das ist eine Tatsache, mit der wir rechnen müssen, ein Schicksal, in dem alle Aufklärungsarbeit nur wenig ändern wird. Das Gefühl der Fremdheit uns gegenüber wird nicht immer gleich stark, die Form, in der man uns bekämpft, nicht stets die gleiche sein, aber der Gegensatz zwischen uns und unserer Umwelt ist nicht völlig zu beseitigen. Wenn wir uns in diesem Kampfe behaupten wollen, muß in unserer Mitte derselbe Geist aufrechten Stolzes, männlicher Enlschloffenheit und opferbereiter Liebe herrschen» der in den Gestalten Mordechais und Esthers uns entgegentritt. Das ist ja das Eigentümliche an der Erzählung des Buches Esther, daß sie den menschlichen Anteil an der Bettung des jüdischen Volkes so stark hervortreten läßt. So deutlich der kunstvolle Aufbau der Darstellung das glückliche Zusammentreffen und Fneinandergreifen der Ereignisse sichtbar macht, das volle Licht fällt dennoch nicht auf das Schicksalhafte des Geschehens, sondern auf die handelnden Personen. Nicht die Gnade eines gütigen Schicksallenkers rettet allein das jüdische Volk, sondern vor allem der Heroismus seiner Führer und die tapfere Entschlossenheit der Masse. So notwendig aber in unseren Tagen der politische Abwehrkampf auch ist, er darf das Snteresfe und die Kraft der jüdischen Gesamtheit nicht so stark in Anspruch nehmen, daß darunter die Pflege des religiösen Lebens leidet. Verhängnisvoller noch als die Gefahr, mit der die Feindschaft uns droht, ist die allmähliche Auflösung des jüdisch-religiösen Fühlens. Gilt denn von der Mehrzahl der deutschen Fuden noch, daß sie die fremden Gesetze, die Anschauung der Umwelt nicht beachten und ihrer eigenen Religion gehorchen? Stärker als jemals zeigen unsere Glaubensbrüder sich von nichtjüdischen Gedanken und Anschauungen beherrscht. Derselbe Materialismus, dieselbe Geringschätzung idealer Werte, die die Not der Gegenwart überall Hervorrufi, sind auch bei uns zu finden. Nicht nur die äußeren Formen unserer Religion werden als überflüssig und gleichgültig betrachtet, sondern auch die Ehrfurcht vor den sittlichen idealen des Judentums ist bereits im Schwinden. Eine Renaissance des religiösen Lebens, die Stärkung des jüdischreligiösen Fühlens ist demnach eine der wesentlichen Aufgaben, die heute zu lösen sind. Um so bedauerlicher ist es deshalb, daß unter den liberalen Fuden Deutschlands Bestrebungen hervortreten. die, ohne es zu wollen, zu einer weiteren Schwächung des jüdischen Empfindens führen müssen. Ein übertriebener Rationalismus, der auch auf religiösem Gebiet nur das wissenschaftlich Beweisbare gellen lasten will, kämpft gegen den Partikularismus der religiösen Formen, und von verschiedenen Seiten wird mit wachsender Entschiedenheit die Einrichtung eines Sonntagsgottesdienstes verlangt. Werden die deutschen Süden nicht noch stärker von dem Strom der nichtjüdischen Lebensanschauung ergriffen werden, wenn sie nicht mehr die Sprache der jüdisch-religiösen Formen hören, die sie auf ihre religiöse Eigenart Hinweisen und ihnen die Pflichten zum Bewußtsein bringen, die sich aus ihrem Judentum ergeben? Der Universalismus der jüdischen Ethik und der Partikularismus der jüdischen Formen schließen sich absolut nicht aus, sondern gehören zusammen. Wenn unsere Religion die Welt erobern soll, muß sie zunächst im Herzen derer lebendig sein, die sie verkünden. Diesem religionspädagogischen Zweck dienen unsere Formen, und je stärker der Anprall nichtjüdischen Lebens ist, desto notwendiger ist auch der schützende Damm, an dem sich seine Wellen brechen. Aus denselben Gründen ist auch ein Gottesdienst am Sonntag entschieden abzulehnen. Die Grenze zwischen Sudentum und Ehristentum darf nicht verwischt, sondern muß so deutlich wie möglich gezogen werden. Sn einem lebendigen jüdischen Gefühl, dem klaren Bewußtsein unserer religiösen Eigenart liegt hie Wurzel unserer Kraft, nur wenn wir sie betonen, in besonderen jüdischen Formen zum Ausdruck bringen, werden wir imstande sein, die mannigfachen Gefahren zu überwinden, die unser Sudentum so ernst bedrohen. Dü jUdtfcbe Gegenwart Zur unseren Kampf ums Recht. Zwei beachtenswerte Entscheidungen. — Die Beleidigung von Persoueumehrheiten. — Der „Sudeugott". Sn diesen Tagen stand vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte ein tschechischer Staatsangehöriger unter der Anklage, das „deutsche Volk" dadurch beleidigt zu haben, daß er auf der Straße ausrief: „Die Deutschen sind alle Lumpen." Tr wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Entscheidung ist, wenn sie von den oberen Snstanzen gebilligt wird, auch für die jüdische Gemeinschaft in Sanr Israel ist bürge, einer für den andern. Denkt daran und zeigt in der Stunde höchster Rot die Kraft Eures jüdischen Herzens! Geldsendungen für die „Vereinigung für das liberale Sudentum E. V." erbeten auf PHtscheckkonto Berlin Rr. 137 069. Deutschland sehr bedeutsam. Bisher standen Literatur und Sudikatur nämlich überwiegend auf dem Standpunkt, dah die Beleidigung einer GHamtpersönlichkeit nach fr 183 Str.-G.-B. nicht strafbar sei, weil das Gesetz die Ehre dieser Personenmehrheiten nur in Ausnahmefällen (§§ 196, 197) schütze. (5o von Liszt, Lehrbuch, 23. Alffl., S. 331, Ebermager, Kommentar zum Str.-S.-B. zu $ 185,6, Rechtsprechung des Reichsgerichts in Strafsachen Bd. 3. S. 606. R.-Str.-G. Bd. 23, S. 247). So muhte eine Beschimpfung der „Süden" oder der „deutschen Süden" regelmäßig dann straflos bleiben, wenn sie nicht zugleich den Tatbestand des fr 130 (Aufregung rum Klafsenhah) erfüllte. Dabei war es unrweifelhaft, dah auch Kollektivbeleidigungen aus § 183 strqfbar machen, nämlich „sobald durch sie einrelne Personen in erkennbarer Weise bereichnet sind, mag es auch rweifelhaft bleiben, welche einrelne Person gemeint ist." (Liszt S. 332.) Das Reichsgericht hat dieses Kriterium zuletzt sehr weitherzig aufgefaht und Beleidigungen der „Srohgrundbesitzer" (R. G. Str. Vd. 33, S. 46) und der „Deutschen" in den gemischtsprachigen Bezirken (R. G. Str. Bd. 31, 5. 183) als nach § 183 strafbar an-, gesehen. Sollten die Gerichte jetzt allgemein so weit gehen und, wie das Berliner Schöffengericht, sogar eine Beleidigung des ganzen deutschen Volkes auf Grund des fr 183 ahnden, so würden zukünftig auch Beschimpfungen der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens zur Verfolgung gebracht werden können. Eine sehr interessante Entscheidung enthält auch der soeben erschienene 36. Band der „Entscheidungen des Reichsgerichs in Strafsachen" (S. 128 f.). Sn dem Bericht einer Düsseldorfer Leitung über den Sgnagogenbesuch einer Anzahl russischer Süden hieh es: „Sie haben ihrem blutrünstigen, hahgeblähten Gott den Dank dargebracht. dah er ihnen die Macht gab. von der schweißtriefenden Arbeit der dummen, gutmütigen Gojims mühelos zu leben." Die Strafkammer des Landgerichts hatte die Beteiligten von der Anklage der Gotteslästerung (fr 166) freigesprochen, weil in den Worten „blutrünstig" und ,ch ah gebläht" „in der heutigen Feit der allgemeinen Gährung und Nervosität" eine rohe Beschimpfung nicht zu erblicken sei und weil der Satz „nicht eine Lästerung Gottes, sondern nur eine Ehrenkränkung der in dem Aufsätze genannten russischen Sudenfamilie oder allenfalls der russischen Süden überhaupt" enchalte. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hat der 6. Sttafsenat des Reichsgerichts gemich dem Anträge des Oberreichsanwalts das Urteil aufgehoben. Sn der Begründung finden sich folgende bemerkenswerte Ausführungen: „Das Landgericht hat die Untersuchung unterlassen, ob hiermit nicht Gott als Teilnehmer an einem sittlich verwerflichen, verächtlichen Handeln und daher als ein. verächtliches Wesen hingestellt und ob er insofern in roher Ausdrucksweise beschimpft worden ist ... . Wenn also gesagt ist, die jüdische Zamilie habe „ihrem blutrünstigen, hahgeblähten Gotte" gedankt (ohne dah dabei zugleich gesagt ist, nur gerade jene einzelne Zamilie hege im Gegensatz zu ihren Glaubensgenossen eine solch niedrige Auffassung von ihrem Gotte), so wird damit über Sott so, wie er eben der Gegenstand der Verehrung jener Religionsgesellschaft ist, das in den gebrauchten Worten liegende abfällige Urteil ausgesprochen. Nicht anders aber ist es zu beurteilen, soweit gesagt ist, dah die jüdische Zamilie des Aufsatzes (ohne dah auf einen Gegensatz zwischen ihr und ihren Glaubensgenossen hingewiesen wird) ihrem Gott für die Zörderung ihres unsittlichen Treibens gedankt habe; denn damit ist nicht nur über den sittlichen Stand jener Zamilie abgesprochen, sondern zugleich über «ihren Gott", d. h. über den Sott ihrer Vorstellung und ihres Bekenntnisses.... Rechtlich zu beanstanden ist aber auch die Würdigung der hervorgehobenen Eigenschaftswörter dahin, dah sie die Grenze zwischen kränkender Nichtachtung und roher Beschimpfung nicht überschritten .... Die allgemeine Gärung und Nervosität können nicht die Grundlage für die Entscheidung bieten, ob nach den sittlichen Anschauungen der Gegenwart ein Ausdruck beschimpfend ist oder nicht. Diese Zustände können nur, sofern auch der Täter von ihnen beeinflußt ist, das Urteil über das Maß der Strafwürdigkeit der Beschimpfung im Einzefall beeinflussen, nicht aber das Urteil über den gesetzlichen Tatbestand. Hiernach ist der Begriff des Lästerns von dem Landgerichte nicht rechtlich bedenkenfrei verneint worden." Svstvs. Liberales Zudentum einst und jetzt. Bon George Goetz, Danzig. Die erfreuliche und vielversprechende Entwicklung, die unsere liberal-jüdische Bewegung unmittelbar nach Begründung der „Vereinigung für das liberale Sudentum in Deutschland" im Sahre 1908 zu nehmen begann, wurde bei Ausbruch des Krieges jäh unterbrochen. Deutschland verarmte, und alles, was in ihm an Geistigem bestand, wurde kostspieligster Luxus. Auch unsere Vereinigung verarmte, und jahrelang hat man von ihr fast nichts mehr gehört. Erst in der allerletzten Feit beginnt sie wieder, einige Lebenszeichen von sich zu geben-, von denen die so bedeutsame Delegiertentagung der jüdisch-liberalen Sugendvereine in Breslau das beachtenswerteste ist. Wenn aber solcherart das liberale Sudentum heute, nach dem allgemeinen Zusammenbruch, sich wieder zu regen beginnt und also Anstalten trifft, auch in dem neuen Zeitalter, an dessen Beginn wir jetzt stehen, sich seinen Platz zu wahren, so wird es seine Existenzberechtigung dadurch Nachweisen müssen, daß es nicht nur rühmend auf feine Verdienste aus dem vorigen Sahrhundert hinweist, sondern zugleich auch die Fehler, die es gemacht hat, erkennt, um sie zu überwinden. Die Verdienste sind den Lesern dieser Zeitschrift zu bekannt, als daß es sich verlohnte, sie hier ausführlich zu behandeln. Die Reform begann als K u l 1 u s - Reform. Sn bewußter Assimilation an das ästhetische Empfinden der Zeit wurde vor hundert Sahren ein geordneter Gottesdienst eingefllhrt; die Kunst als Schwester und Helferin der Religion wurde in das Gotteshaus gebracht; für diejenigen, die des Hebräischen zum Zwecke des Gebets nicht kundig genug waren, wurden deutsche Gebete eingeführt, und die traditionellen Hauptgebete, die man auf Hebräisch beibehielt, wurden in der klangvollen, klassischen Gelehrten-Aussprache des Hebräischen nach der Mundart der sephardischen Süden vorgetragen. — Reben das Gebet trat als weiterer integrierender Bestandteil des Gottesdienstes die deutsche Predigt, die Belehrung und Erbauung durch freien Vortrag über das Schriftwort. Der geordnete Religions-Unterricht für Knaben und Mäd- Sem Geheimnis.*) Von 2. L. P e r e z. Mamefchi, ich will dir ein Geheimnis erzählen; doch der Vater foll nichts erfahren! Du fragst mich: warum? Weil der Vater mich weniger lieb hat.. Rein, Mamefchi, ich sündige mit den Lippen: er hat mich nicht weniger lieb, er hat mich nur anders liebl Er ist ja der Vater und muß streng fein . . . Vater hat einen langen Bart; Vaters Gesicht fühlt sich beim Streicheln nicht so an wie Müllers allasglattes Gesicht ... Er hat auch ganz andere Augen und einen ganz anderen Blick. Wenn du mich ' anschaust, hast du so lachende und dabei so feuchte, so gütige und dabei so traurige Augen ... Du bist Mutier und zugleich Kamerad . . . Vor dir kann ich keine Geheimnisse haben . . . Mit deinen Augen ziehst du mir jedes Geheimnis aus dem Herzen heraus . . . Vater schaut ganz anders: immer ernst, beinahe kalt . . . Rein, Mamefchi, es sind ganz andere, wirklich ganz andere Augen! Als ich noch klein war, hatte ich vor dem Vater weniger Angst. Sch weih noch, wie ich ihm auf die Knie zu springen pflegte, wie ich ihm das Haar zerzauste, den Bort zerteilte und zu Zöpfen flocht, die Lippen übereinanderbog; und wenn er mich böse anschauen wollte, drückte ich ihm die Lider hinunter und schloß ihm einfach die Augen. Heute kann ichs nicht mehr . . . Einmal — hörst du, Mamefchi? — einmal, als ich krank war, erwachte ich und sah euch beide an meinem Bette stehen ... Du hast so still, so herzensstill geweint; und der Vater . . . Mamefchi! . . . Vater hatte damals ein so schreckliches Gesicht, und ich sah, dah er Gott böse war! Vor Schreck schloß ich wieder die Augen . . . Und seit damals kann ich dem Vater nicht mehr nahe kommen wie früher . . . Etwas hält mich zurück! Oft will mir das Herz aus der Brust springen und ihm zufliegen, und doch kann ich es nicht! Glaubst du, dah ich den Vater weniger lieb habe? Sott behüte! Sch habe Vater sehr lieb und gewinne ihn mit jeden Tag, mit jeder Minute noch lieber . . . Wenn er auf mich zugehl, hüpft mir das Herz vor Zreude, und es bebt in mir die Seele vor Hoffnung: gleich wird er mich bei der Hand fassen und an sein Herz drücken . . . Vor dir zittere ich nicht: du hast mich immer und gleich lieb . . . Du hast für mich immer Zeit, und du umarmst und kühl mich jeden Augenblick ... Du bist immer, immer mein . . . Vater hat so viel Geschäftet Sch weih: er will, dah ich einmal reich sein sollt Setzt wilsst du wohl, Mamefchi, mein Geheimnis hören? Sch schäme mich! Vor der Mutter, sagst du, soll man sich nicht schämen? Es ist wahr . . . Und doch . . . Weiht du was, Mam^chi? Setzt dich hier auf diesen Stuhl vor dem Zensier . . . Gut sol; Ach, wie schön die Sonne untergehtl Wie schön fallen ihre rötlichen Strahlen auf dein edles, blasses Gesicht! Ach, Mamefchi, wie schön, wie schön und edel bist du! Warte . . . Run will ich mich dir zu Zühen setzen. Und du sollst mir wenn ich erzähle, nicht ins Gesicht schauen. Sch will mich auf den Zuhschemel setzen und beim Erzählen zum Zensier hinausschauen . . . Rein! ... So ists nicht gut Sch werde mich vor der Sonne schämen. Liehst du: am Tage strahlt sie, doch am Abend nimmt ste von uns Abschied, dah ich mich schäme, von mir zu sprechen . . . Sch will meinen Kopf an deinen Schoh lehnen ... Sch will meine Augen schließen, und du ... du leg mir noch deine Hand auf die Stirn. Sst es dir nicht zu schwer, Mameschi, wenn rch meinen Kopf so an dich lehne? Rein? Sechzehn Sahre ist dein Kind alt und hat ein so leichtes, ein so kleines Köpfchen. Und ich selbst . . . Seufze nicht, Mameschil Gott hat mich nicht zu karg bedacht: er gab nur zwar wenig Fleisch, dafür aber viele andere guten Gaben: dich, den Vater . . . Lage und Rächte mit wunderlichen Träumen. Und nun — das Geheimnis ... Run sehe ich nichts. Mit geschloffenen Augen werde ich es vielleicht doch erzählen können. Sch wills versuchen . . . Ls fällt mir so schwer! . Wenn ich es mir fo überlege — fo ist es nichts: ern Retz aus einigen wunderlichen Strahlen» — und doch lastet es mir auf dem Herzen wie ein Stein. Ls ist kein Kiefelstein, kein Stein von der Gaffe oder vom Felde. . . Ls ist ein kostbarer Stein; er strahlt und leuchtet . . . Er liegt mir tief in der Brust und erfüllt mein ganzes Wesen, alle meine Glieder mit seinen Strahlen, mit seinem heimlichen, warmen, lebendigen Licht... Das Licht soll nicht verlöschen. Mameschil Es verlischt fo vielesl Hörst du, Mameschil Rein, warte, so einfach und geradeaus beginnen kann ich doch nicht . . . Hör aber! Weiht du noch. Mameschi. dah du mir gestern etwas Kleingeld gabst? Weiht du es noch? Sch habe davon noch nichts ausgegeben, und doch fehlt mir schon etwas ... Es fehlt mir ein Zehnerl l Ob ich es verloren habe? Rein. Du gibst mir doch das Geld, damit ich davon armen Leuten, armen Kindern, denen ich bei meinen Spaziergängen begegne. Almosen gebe . . . Armengeld werde ich doch nicht verlierenl Ob ich es weggegeben habe? Gewiß. Ob einem Armen? Sch weih es nicht. Vielleicht ja, und vielleicht auch nicht. Hör nur zu, vielleicht wirst du es selbst verstehen! Gestern ging die Sonne ebenso schön unter. Vielleicht noch schöner... Du hast mich schauen gelehrt, und ich schaue und sehe, was andere meinesgleichen nicht sehen. Darum gehe ich am liebsten ganz allein spazieren. Gestern ging ich hinter die Stadt, du weiht, zu der