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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-02-16 · 7 (16.2.1923) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
7 (16.2.1923)
Date
1923-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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mm m tur schön zu erzählen und mit ganz wenigen Fragen auf das Wich, tigste bitweisen, um die Kinder in die richtige Stimmung zu ver. setzen. Die Beziehung auf das Leben der Kinder oder auf das Ge. samtbild der Gegenwart geben viel Stoff zu fruchtbaren Unterhaltungen, und viele Leser werden mir bestätigen, daß die Wirkung einer aut dargebotenen Geschichte ihnen oft fürs Leben in religiöser Be-;;i?bung viel Anregung geboten hat. Es ist allerdings dabei zu beachten, daß nicht der gesamte biblische Stoff den Kindern dargeboten!.'?rden kann und daß die Darbietung nicht immer in derselben Weise geschehen kann, wie sie die Bibel uns gibt. Wir wissen doch, daß viele Stoffe in der Bibel enthalten sind, die unserem religiösen Emsfinden durrhälis nicht mehr entsprechen und datz wir bei solchen Gerichten genötigt sind, im Fnteresse der religiösen Stimmung unseren <i'.-dern auch unsere wahre Meinung zu sagen. Es ist z. B. verkehrt, ous 2akob einen reinen Helden zu machen, viel wichtiger ist es, zu :?.gen, wie er sich aus niedriger Gesinnung emporgearbeitot hat und ,!!> Gotteskämpfer geworden ist. Wir müssen unseren Kindern unbefugt sagen, daß die Darstellung der Königsgeschichte von einem ein- ... tigen, priesterlichen Standpunlct und im Interesse des Hauses David '/schrieben ist. Wir müssen daher die Zensuren, die den einzelnen : ./uigen erteilt werden — er tat, was böse oder was gut war in den fugen Gottes — entweder ganz weglassen oder, wo dies nicht möglich di. sie auf ihren wahren Wert zurückführen. Einzelne Geschichten, : - gewohnheitsmäßig nicht behandelt werden, kann man sehr wohl gutem Nutzen besprechen. Fch denke dabei an Michas Bilder- : e ist und die Schandtat zu Gibea. Linen hervorragenden Anteil an. der religiösen Bildung nehmen --iürlich unsere Propheten. Sie müssen den ganzen Stoff beherrschen and von ihnen aus und zu ihnen zurück muß der gesamte Unterricht i'fi) erstrecken. Unsere Schüler müssen genau so wie irgend ein deut- R:es Gedicht die wichtigsten Stellen aus den Propheten und anderen R'chaften und poetischen Teilen der Bibel innehaben. Aus ihnen sol- und können sie im späteren Leben religiöse Kraft und Anregung köpfen. Und wenn ich auch sonst gegen jedes Auswendiglernen meine Summe erhebe, weil es gar zu leicht zur Veräußerlichung führt, so von dieser Forderung unter keinen Umständen Abstand genommen werden. Aus dem Dargelegten ergibt sich die Auswahl des Stoffes, der i.0 also vor alten Dingen auf die Semütsbildung zu erstrecken hat. noei Punkte sehe ich als besonders wichtig an, weil ihre Behandviel Schaden anrichten oder verhüten kann. Das eine ist die f,genannte Lohntheorie, die Lehre, die sich etwa in dem Satz zusammmsassen läßt, bist du gut, so geht es dir gut. bist du schlecht, so geht?s dir schlecht. Die ganze Bibel steht ja unter dem Einfluß dieser wüschen Voraussetzungen. Und es gehört meiner Ansicht nach zu den wichtigsten Aufgaben des Religionsunterrichts, die Schüler auf dos Unrichtige dieser Lehre aufmerksam zu machen. Das zweite ist die Bchandlung der Wunder. Für sehr viele Menschen ist doch Religion n:d Glaube an Wunder dasselbe, und es ist unzweifelhaft, daß die Äundergefchichten viel Verwirrung in den Köpfen anrichten können, -wenn man aber schon frühzeitig, etwa auf der Mittelstufe, mit den Tchülern offen darüber spricht, wie Sagen entstehen, und das) uns viel Wunder und Wunderbares umgeben, so werden sie ohne weiteres .rfaffen, daß die Wundergeschichten nichts weiter wollen, als gerichtliche Vorgänge auszuschmücken oder zu verklären und die Macht Gottes überall zum Ausdruck zu bringen. Wir müssen uns also davor Uten, sie verstandesmäßig zu erklären und andererseits dürfen wir sie .ut>1 als Wahrheiten hinstellen. Fe weniger wir von den Wundern .".zählen, umso bester ist es. Auch der Unterricht in der nachbiblischen Geschichte hat auf die Gemütsbildung hinzuwirken. Ls kommt garnicht darauf an, ob die .Ruder sämtliche Makkabäerfürsten oder die Namen von einigen hundert Gelehrten und ihren Büchern kennen, es ist ganz unwesentlich, .-o sie misten, das) irgendwo, irgendwann, irgendein Fude Finanzmann . Zer Arzt bei einem Fürsten gewesen ist. Ls kommt einzig und allein Miauf an, das) unsere Schüler erkennen, das) das Fudentum mit dem Abschluß der Thora und mit dom Aufhören der Prophetie nicht er- -arrt und verknöchert ist, sondern sich lebendig weiter entwickelt hat urd trotz allen Hemmungen, trotz aller Unterdrückungen die wahre Religion der Menschheit, die wahre Religion der Liebe geblieben ist. Wenn wir daher von den Feiten des jüdischen Mittelalters sprechen, d. h. von der Römerzeit bis zum ly. Jahrhundert, so dürfen wir niemals außer Acht lasten, daß wir die Leidensgeschichte nur darstellen, -n an. ihr die sittliche, die religiöse Kraft des Fudentums und seiner Träger zu zeigen. Und um zu beweisen, daß in allen noch so schweren Feiten die Fdeen der allgemeinen Menschlichkeit und Menschenliebe immer wieder hervorgetreten sind. Wir dürfen uns also nicht auf gar zu viel Einzelheiten einlasten und dürfen nicht glauben, daß unsere Kinder sich mitbegeistern, wenn wir ihnen von unseren großen Dichtern und Denkern erzählen, wenn wir nicht zugleich imstande sind, ihnen durch zahlreiche Proben die Größe dieser Denker und die Schönheit ihrer Werke zu zeigen. Und wir leiden großen Mangel an guten Uebersetzungen. Auch wollen wir nie vergesten, daß es zu unserer Aufgabe gehört, die Lreigniste aus der jüdischen Geschichte in das allgemeine Kuiturbild zu stellen, denn unsere Vorfahren haben nicht auf wüsten Fnseln, sondern mitten im Leben ihrer Feit gestanden und sich oft sehr stark an ihm beteiligt. Mit größeren Schülern ist ganz besonders die Geschichte unserer Feit zu besprechen. Wie es vor zweihundert Fahren bei unseren Vorfahren ausgesehen hat, was sie getan und gedacht haben, das muß man ihnen lebendig zu machen versuchen und dann zeigen, wie sie sich aus den Klammern des Ghetto, des körperlichen und des' geistigen, befreit haben. Die Veränderungen, die auf dom Gebiete des Gottesdienstes, dos Unterrichts und der Wissenschaft vorgegangen sind, die großen Träger dieser Wissenschaft müssen ihnen so vorgesührt werden, daß sie nicht nur Geschichtskenntnisto daraus entnehmen, sondern daß in ihnen ein lebendiges religiöses Fnteresse entsteht. Dieses Fnteresse muß sie in den Stand setzen, sich an den inneren religiösen Ausgaben unserer Gemeinschaft zu beteiligen. Darum müssen sie auch in den großen jüdischen Organisationen und deren Aufgaben unterrichtet werden, und sie müssen auch Stellung nehmen zu den Parteien innerhalb des Fudentums. Daher muß gerade dieser Unterricht so erteilt werden, daß aucy die Stellung des Lehrers zu den verschiedenen Fragen ganz klar zu Tage tritt. Man soll neben Abraham Geiger auch Samson Raphael Hirsch behandeln, aber die Schüler müston fühlen, auf westen Seite der Lehrer steht, und dieser muß ihnen feinen Standpunkt auch erklären können. So bildet also der Geschichtsunterricht den wesentlichen Teil unserer Aufgabe, religiöse Lmpfindungen zu wecken und zu stärken. IV. Keine Unterrichtsstunde dürfte vergehen, ohne daß die Schüler etwas von den religiösen Fdeen des Fudentums in sich aufnehmen, ohne daß es ihnen klar wird, warum sie Fuden sind und was das Fudentum ihnen bietet, warum fie an dieser Religion sesthalten und sich unter keinen Umständen von ihr abwenden oder gar zu einer änderen übergehen. Da wo der Lehrer Gelegenheit hat, auf der Oberstufe besonders höherer Lehranstalten diese religiösen Lehren zusammenzufassen, muß dieser Unterricht die Krone des Ganzen sein. Hier bietet sich Gelegenheit, in systematischer Weise über alles das zu sprechen, was den jugendlichen Herzen eingepflanzt ist und was nun schon anfangen muß, Frucht zu tragen. Daher hat der Lehrer auf dieser Stufe die beste Gelegenheit, sein Werk zu beobachten und immer wieder zu verbestern. Denn darüber muß man sich klar sein, daß es im Religionsunterricht vielleicht mehr als irgendwo anders eine Wahrheit ist, daß Stillstand den Tod bedeutet. Fn diesem Fusammenhange müsten auch die praktischen Fragen besprochen werden, die vorher natürlich auch schon vorgekommen sind. Die Festtage geben ja die beste Gelegenheit, aber der Lehrer wird oft bemerken, daß den Schülern vor der Besprechung, die sich ja jedes Fahr wiederholt, graut. Lr muß daher immer wieder eine neue Leite der Feste aufzeigen, und besonders auf der Oberstufe den Schülern die gemütbildende Kraft dieser Tage zeigen. Wenn es ihm gelingt, ihnen klar zu machen, daß nicht die äußerliche Heilighaltung, also die absolute Ruhe, und der Synagogenbesuch allein den Wert des Sabbats und des Feiertags ausmachen, wenn er es ihnen nahebringen kann, daß in den Abendfeiern und in dem Lynagogendefuch ihnen etwas gegeben wird, was sie für ihr ganzes Leben mit religiöser Kraft ausrüstet, dann hat er seine Aufgabe erfüllt. Fch brauche nicht zu bemerken, daß der Lehrer auch hierbei feinen Standpunkt den äußeren Uebungen gegenüber garnicht zu verdecken oder zu verhehlen braucht und daß er insbesondere mit den größeren Schülern offen darüber sprechen muß, damit sie ihn nicht für einen Heuchler halten, bei dem Lehre und Leben nicht übereinstimmen. Dieselbe Forderung muß gestellt werden bei der selbstverständlichen Besprechung der Ritual-Vorschriften, insbesondere der Speisegesetze. Wir dürfen unseren Kindern nicht einreden wollen, daß diese irgendwelchen religiösen Wert an und für sich haben und daß sie durch irrationale oder durch rationale Stützen zu halten sind. Wenn der Lehrer anderer Meinung ist, soll er das natürlich den Kindern auch sagen, aber ich fürchte, daß er in den Kreisen der Kinder unserer Leser damit wenig Glück haben wird. Das führt mich dazu, über die Stellung des Lehrers innerhalb der Gemeinde ein paar Worte zu sagen. 2n vielen Kreisen, die selbst keine Rituaivorschrist beobachten, denen Butterbrot und Schinken sehr gut schmeckt und die am Fomkippur in der Konditorei neben der Synagoge selbstverständlich ihre Tasse Kaffee trinken, gilt es als ebenso selbstoerständlich, daß der Lehrer das nicht darf, wenigstens nicht öffentlich. Und gerade in dieser letzteren Einschränkung liegt das Unreligiöse und Unmoralische dieser Anschauung. Sieht man denn in diesen Kreisen nicht, daß dadurch die Stellung des Lehrers eine schiefe wird und auch dadurch, daß man von ihm als dem bezahlten Gemeindebeamten „das gute Beispiel" erwartet? Er ist ja oft garnicht davon überzeugt, daß es wirklich ein „gutes Beispiel" ist, aber er weiß sehr wohl, daß ihm nicht viele folgen. Und darum soll er seiner Ueberzeugung gemäß sprechen und handeln dürfen und sich nicht in eine unwürdige Stellung der Gemeinde gegenüber drängen lassen, die zugleich eine univahrhaftige seinen Kindern gegenüber ist. Damit erfüllt der fortschrittlich gesinnte Lehrer im höchsten und schönsten Sinne seine Ausgabe, religiöse Gesinnung zu verbreite» und zu wahrhaft religiösem Handeln aiizuloiton, alle Heuchelei zu verbannen und Wahrheit, Liebe und Gotteserkenntnis zu pflegen. Die jüclifebe Gegenwart Enljuduug und Germanisiorung des alten Testaments. Der Ehefredakteur des deutsch-völkischen Organs „Deutsche Feitung", der frühere Sozialdemokrat Max Maurenbrecher, veröffentlicht in seinem Blatte einen längeren Artikel über ein neues Buch des deutschbaltischen Schriftstellers Heinrich Lhotzky, welches einen Versuch darstellt, das alte Testament im altgermanifchen Sinne umzudichten. Die Ueberfchriften der einzelnen Bücher tragen Namen aus der altgermanischen Mythologie, wie „Wihinei", „Urd". „Werdandi", „Skult". Rach dieser Ordnung erzählt Lhotzky die Bätergeschichte. „Urd ist Abraham; der erste Schritt, in welchem arische Wihinei in semitisches Volkstum einbrach." Unter Werdandi erzählt er die Geschichte der Rebekah und den Kampf Fakobs und Esaus. Unter Skull erzählt er die Geschichte Fofephs. Rach derselben Ordnung werden auch die anderen Bücher Mose in allgermanische Mythen verwandelt. Max Maurenbrecher begrüßt dieses Buch als einen Versuch zur „Entjudung und Verdeutschung des alten Testaments". Die wirklichen Offenbarungskräfte des alten Testaments erscheinen ihm hier als religiöse Feugen gegen das jüdische Volkstum. Er schreibt: „Manchem Deutschoölkischen wird das Buch eine Erlösung aus einem Fwiefpalt sein, indem wir das alte Testament, soweit es die heilige örhrift des Fudentums ist, mit aller Bestimmtheit ablehnen müssen." „Aus diesem Fwiefpalt kommt man heraus, wenn man erkennt, daß das alte Testament größer ist als das Fudentum, daß es die Offenbarung einer großen Kraft ist, die vom Fudentum nicht verstanden war und im Fudentum daher nur zur Entartung geführt hat." „Mancher Pfarrer, der dieses Buch gelesen hat, wird darnach wieder Mut gewinnen, über alltestamentarische Texte zu predigen; alle völkischen Lehrer aber, denen die biblische Geschichte des alten Testaments bisher ein Sein des Anstoßes war, werden in diesem Buche ein Vorbild finden, wie fie diese Geschichten vor deutscher Fugend lebendig zu machen vermögen." Die 2ndea und Palästina. Ueber dieses Thema sprach im Aah^ men der fünf akademischen Borträge „Für Fudensrage" in der Hamburger Universität Forschungsreisender Hubert Auhagen-Bunkenburg. Unter gelegentlichen Seilenhieben auf die offizielle Wissenschaft bejahte der Redner, der von dem Satz ausging, daß. wie Leib und Seele, so auch Volk und Heimat zusammengehören, die Frage, ob sich Palästina für einen Teil des Fudentums zur Heimat eigne. Er schilderte Palästina als ein zum großen Teil wüstenreiches, verödetes Land ohne Baum und Strauch. Aber unter der alles überziehenden Kruste liege ein ausgezeichneter, fruchtbarer Boden. Auch die Wafferverhältniffe feien viel günstiger, als gemeinhin angenommen würde. So sei Palästina zwar nicht für den Getreidebau, wohl aber hervorragend für die Anpflanzung von Fruchtbäumen geeignet. Lichtbilder veranschaulichten das Gesagte. Man sah das Leben und Wirken der arabischen Bevölkerung sowie jüdische Kolonien, bei denen die Verwendung moderner Hilfsmittel, landwirtschaftlicher Maschinen usiv. auffiel, und die durchweg den Eindruck von Sauberkeit, Ordnung. Fleiß und rationellem Arbeiten machten. Auch hübsche Landschaftsbilder, interessante Städte und prachtvolle Ueberbleibsel alter Kulturen wurden gezeigt. Anlisemitifche Sorgen. Unter dieser Ueberfchrift schreibt die Berliner Wochenzeitung „Die Welt am Montag": Die Betriebsamkeit der antisemitischen Bolkserneuerer ergeht sich aus immer neuen Gebieten. Weit voraus sind da gegenwärtig die österreichischen „Großdeutschen", mit denen ihre reichsdeutschen Gesinnungsbrüdcr kaum noch Schritt halten können. Denn in Wien arbeitet man in solchen Dingen „praktisch". Fum Beispiel so: „Line arme Witwe" übersendet einem Wiener Antisemitenblatte einen kleinen Geldbetrag für die Wiener Universität und schließt mit;:i säugen! — nach dem durststillenden Naß. Mit solcher Fnbrunst . erlangt es den Dichter heim, zu seinem Gotte. Und mit einem Bild der Erinnerung an seines Lebens schönste Tage, wenn er mit der Schar frommer Waller zum Heiligtum ichritt, schließt die erste Strophe. Schon sänftigt leise dieses Gedenken den Schmerz und den Unmut, der seine Seele füllt, weil man den Verlassenen in der Fremde mit der Machtlosigkeit seines Gottes höhnt. Denn aus dem Erlebten wächst das feste Vertrauen und die zuversichtliche Hoffnung, daß doch noch einmal sich erfülle, was die Seele so innig ersehnt. Aber wie im Mondlied Goethes der Stolz des Erlebten („Fch besaß es doch einmal, was so köstlich ist —bald wieder in sich zusammenbricht in der schmerzlichen Empfindung: „daß man doch m feiner Qual nimmer es vergißt" — so preßt hier die drückende Gegenwart dem Dichter den Atem und läßt den Mut noch nicht aufkommen. Er sinkt wieder zurück in das Gefühl des Gequältfeins. Fn nsrrlicher Landschaft weilt er zwar. Aus den Felsen strömen die Quellen, stürzen sprudelnd über Klippen und Hänge, ehe sie sich einen mm ruhigen Flußbett des Fordans. Aber dieser Länger hat keinen Sinn für die Schönheit des Berglandes. 2hm wird das Wirkliche nur zum Gleichnis. So wie die Wasser, übermütig alle Hindernisse überspringend, gleichsam mit weithin schallendem Wort sich zur Bereinigung rufen, so ist's ihm ein Bild, wie von alten Seiten ihn selbst Hohn, Spott und Unheil bedräuen und übersprudeln. Da, „wie einen Mann seine Mutter tröstet" (Fes. btz, 13) in dem Gefühl des höchsten Leides, tönt wieder das besänftigende Wort: ..Was bist du fo gebeugt, meine Seele, und bangst in mir". Man braucht nur eine Feile dieser zweiten Strophe heraus- .uheben, um zu erkennen, welch eine dichterische Kraft sie gestaltet hat. „All deine Wogen und Wellen mich überströmen sie". Kol misdiba,, recha w’galecha — aläi awäry. Wie zwingend ist mit dem sich überstürzenden Rhythmus und dem Fusammenklang des Reims das rauschende Uebersluten gemalt. Ergreifend hebt das stark betonte ..über m i ch" nach der Täsur den Duldenden hervor, über den alles -hereinbricht. Rein technisch betrachtet, erinnert der Satz an jenen genialen Vers Klaus Groths in seinem Gedicht Aanten int Water: „All dot warm' Water läppt blank vunne Nackt" Auch hier die wundervolle Naturnachahmung des herabfließenden Wassers im dichterischen Wort, wenn auch der Stivmmngsgehalt von ganz anderer Prägung ist. Der tröstende Selbstzuspruch des Kehrreims am Schlüsse der zweiten Strophe läßt die ersehnte Befreiung nur noch heftiger herbeiwünfchen. Wie ein Aufschrei aus gequältem Herzen klingt die Forderung nach dem göttlichen Gericht, das die endliche Entscheidung bringen soll und muß. Seine Widersacher sind ein unfrommes, liebloses Volk und ein Gewaltmensch — sollen s i e recht behalten? Muß er die Drangsale der Fremde, der Feinde erdulden? Erscheint es nicht wirklich so, als ob Gott ihn im Stich gelassen habe? „Warum hast du mich verstoßen?" Aber das zweifelnde Gefühl der Gottesferne kann dieses fromme Herz nur einen Augenblick quälen. Die Fuverficht siegt und läßt ihn beten und im Gebet seinen Frieden finden. Gottes Freudenhelle und Treue — das ist fein inniges Flehen — mögen wie lichte Engel ihn heimgeleiten. Heim! — das ist ins Heiligtum, wo er Gottes Altar sich wieder nähern darf und feinem Gott mit Harfenklang danken kann. An der Art, wie der Trostspruch des Kehrreims die Strophen schließt, spürt man die feine Künstlerhand. Der Hintergrund, von dom sich dieses strahlende Licht des Wortes abhebt, wird immer heller, bis er zuletzt mit ihm eins wird in der leuchtenden Gewißheit der Fukunftserfllllung. Nun klingt im Ton der Frage: Was bangst du noch? schon der zuversichtliche Glaube an die Ueberwindung des Bangens. Die sichere Erwartung des nahenden Glücks verscheucht alles Fagen. Die stete Folge der Gedanken- und Gefühlsentwicklung läßt die Einheit dieses Psalms, der im Psalter als 42 (Strophe 1 und 2) und 43 (Strophe 3) gezählt wird, gesichert erscheinen. Wundervoll zusammengehalten werden die drei Stücke nicht nur durch den Kehrvers, sondern durch einige wieder anklingende Töne der wehmütigen Melodie. Die schmerzvolle Erinnerung an den Feindeshohn: „Wo ist nun dein Gottl" eint die erste und zweite Strophe, der Ausruf: „Warum muß ich trauernd gehen im Druck des Feindes!" verbindet die zweite und dritte Strophe. Das ganz individuell gerichtete Lied ist nicht in unser Gebetbuch ausgenommen. Aber aus dem schönen Gedichte, das im Freilagabendgottesdienst allgemein gesungen wird, dem L'cho daudi des Salomo al-Kabbez halewi (um 1530), tönt aus dem schönen Trostspruch ein beruhigendes Wort (ma lischtochachi uma tehemi) ,dem Frommen entgegen und stärkt immer wieder mit uraltem Wortklang die Hoffnung auf bessere Feiten. G Hu9 bebräifcber poefie A* ■»> Fm Atter. Bon AbrahamFbnEsra. Die Kraft ist hin. Verwirrt der Sinn. — Die Wanderschaft Hat sie entrafft. Es durften die Eulen Mir Wunden erteilen! Und Buben sich rotten, Um meiner zu spotten! 2m Fugendglanz Wand ich den Kranz Anmutiger Lieder Um das Haupt der Brüder. Die. auf glücklichern Bahnen, Verleugnen die Ahnen Und pein'gen und quälen Die reineren Seelen. Wohin ich kam, Da unternahm Fch Geisteswerke Mit Kraft und Stärke. Wer soll sie dran hindern, Da die Edlen sich mindern. — Doch mächtiger werden Die Schlechten auf Erden? — Wenn ich es befahl, Ward Berg zu Tal. — Hin flogen die Noffe, Wie Blitzesgefchofsel — Sie seh'n sich im Glück. Und schau'n nicht zurück — Es füllt sich ihr Speicher. Wird unverdient reicher. Nun aber liegt Mein Geist besiegt. Und kann in den Noten Nur seufzend noch beten. Nur ich bin vor allen Geschöpfen gefallen! Fch seufze, ich stöhne — Man weist mir die Fähnel Einst gab es nicht Schranken Für meine Gedankeiu Fetzt schweig ich vor Harm — Mein Geist ist nun arm. — Deutsch von S. 2. Kaempf» f <

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