Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 3 (1923)
- Issue
- 7 (16.2.1923)
- Date
- 1923-02-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2613709-2613716--0557-2617815- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
'1,1 »W >»n*l'f»ll*' i -J IWWWMWWWW» einst gesprochen hat: „Gehe, weissage meinem Volke" — M dem Glauben an die berufene also, an die erlösende Persönlichkeit; an sie, die da weih, dah nur „reine Hände und lautre Herzen", wie sie diesen Loten immer geziert, den „Berg de5 Lwigen" erklimmen können, den Weg zum ewigen «Zdeal, den Weg zum ewig Heiligen. Die Zeil, sie kommt — Und dann kommst du wieder, du Wann des Geistes, du Wann der Seele, du Wann der religiösen Persönlichkeit! Aus deinem Grabstein darf es einst prangen: Weise war er und demütig; duldsam wie ein Priester des Friedens. Und wenn wir am Anfänge hier geklagt, daß er heute nicht so bestattet wird, wie es ihm seine Gemeinde gewünscht, um unseres- und nicht um seinetwillen, „ s ch e 1 a u bikesch gdulassau a 1 schow“ — er suchte die eitle Lhre ja nie —, dann wollen wir es doch jetzt im Geiste schauen: Vor seiner Kanzel steht seine Bahre — aufrauscht die Orgel mit wehmütigem Klang — ein Schluchzen geht durch den ganzen Tempel. Da aber erklingt eine sanfte Stimme und singt das Lied, das er ausgewählt hat, das er für uns selber einmal bestimmt hat, zu unserem Trost und unserer Erhebung, und das nun heut die Trauer um ihn bei den Leinen und bei uns dämpfen mag — das innige Lied, loelches da lautet: Weinet nicht — Wenn des Leibes Aug' auch bricht. Wenn der Staub zum Staube sinket. Doch dem ew'gen Leben winket Leben dort im ew'gen Licht! Amen! Zur Theorie und Praxis des Religionsunterrichts. Von Robert H i r s ch f e! 6. Vorbemerkung: Die nachfolgenden Ausführungen werden für die „jüdisch-liberale Zeitung" geschrieben, also für ein Blatt, das für solche Fuden bestimmt ist, die das Fudentum als eine der Entwicklung unterworfene Erscheinung des geistigen Lebens anfehen, die der Meinung sind, daß nicht das Festhalten an allem Ueberlieferten, sondern der lebendige Fortschritt etwas Wesentliches am Fudentum ist. Der Verfasser hat bei seinen Ausführungen in der Hauptsache die Verhältnisse in Berlin im Auge, die er seit über 25 Fahren genau kennt. Er ist aber auch der Meinung, daß sehr vieles in gröberen und kleineren Mittelgemeinden Deutschlands ebenso liegt. I. Die Erfolge des Religionsunterrichts werden immer geringer. Fn früheren Fahren hat jeder seine Religion gekannt und sie auch betätigt. Dar sind Behauptungen, die man immer wieder hört und deren Kern wohl auch richtig ist. Aber mit dem Klagen allein ist es nicht getan. Wir wollen einmal untersuchen, wer an dem geringeren Efolge dos Religionsunterrichts Schuld Hot. Selbstverständlich in erster Reihe die Religionslehrer. Aber so wenig ich ohne weiteres die Erfolglosigkeit des Unterrichts zngeftehe, so wenig will ich alle Schuld auf die Religionslehrer gemäht wissen. Zugegeben ist, daß es unter ihnen manche gibt, die ihrem verantwortungsvollen Amte nicht gewachsen sind. Ob es sich um Akademiker oder seminaristisch Gebildete, um Herren oder Damen, um solche mit ordentlichem Examen oder ohne Prüfungszeugnis handelt, das ist im Grunde genommen gleichgültig. Es gibt manchen Akademiker, d. h. Theologen, der trotz grober wissenschaftlicher Kenntnisse zum Lehren nicht befähigt ist, und manchen, der durchs Seminar gegangen ist und dessen Uegeschicklichkeit im Unterrichten ihn veranlassen sollte, irgend einen anderen Berufzu ergreifen. Und ebenso gibt es manchen, der nur das Seminar besucht hat und sich durch eifriges Studium genügend Kenntnisse erworben hat, um es mit jedem Theologen aufziinehmen. Mit einem Worte, die Lehrbefähigung hat mit der Ausbidung nur wenig zu tun. Der zum Lehren Geborene wird überall Gutes leisten, Ratürlich verlangen wir von jedem, der Religionsunterricht erteilen will, daß er für Religion im allgemeinen und das Fudentum im besonderen begeistert ist, dab er selbst eine religiöse Persönlichkeit ist oder ja werden sich bestrebt. Tr darf seinen Beruf nicht herabwürdigen durch allzu starke Betonung materieller Fnteressen, wennschon der alte Spruch durchaus berechtigt ist, dah ohne materielle Grundlage der Fdealismus ersterben muh. Aber wenn man sicht und hört, wie auf der einen Seite grohe und kleine jüdische Gemeinden ihre Sparsamkeit zuerst an den Religionslehrern erproben, dann kann man es auch verstehen, dah diese zum Gegenteil kommen und allzu stark die materiellen Snteressen betonen. Aber auf der anderen Seite muh man von einem Religionsiehrer noch mehr als von irgend einem anderen Lehrer verlangen, dah er in stetiger Weiterarbeit sich selbst und seine Methode zu heben versucht. Es darf nicht Vorkommen, dah ein Religionslehrer ohne Kenntnis der neueren, einschlägigen Literatur ist, es ist ein Unding, wenn er sich um allgemein-pädagogische Fragen nicht kümmert. Und wir können mit einem gewissen Stolz behaupten, dah ein großer Teil unserer Lehrerschaft trotz ihrer schwierigen äuherlicheu Lage diesen Forderungen gerecht zu werden sich bemüht. Das größte Hindernis für den Religionsunterricht sind die Eltern unserer Kinder. Da gibt es solche, die überhaupt Augst haben, dah ihr Kind zu jüdisch erzogen wird, und solche, die ihre Herkunft aus einem streng religiösen Hause mit Vorliebe betonen, ihre Sprößlinge aber ängstlich vor jeder Uoberbürdung zu behüten versuchen, die nach ihrer Meinung selbstverständlich durch den Religionsunterricht entsteht, und die gar nicht bestrebt sind, ihrer Herkunft Ehre zu machen. Es gibt solche-Eltern., die zuerst mit liebevollem Eifer die Fortschritte ihrer Kinder beobachten, deren Eifer aber sehr bald erlahmt und die sich dann überhaupt nicht mehr um den 'Religionsunterricht kümmern. Die meisten aber tun das von Anfang an überhaupt nicht, sie sehen den Unterricht als ein uotweudiges Uebel au. Während sie ängstlich darüber wachen, dah ihr Liebling im Rechne» und Diktat, in Lateinisch und Französisch zu den Ersten gehört, während sie keine Kosten scheuen, um seine Bersetzung durch Rachhilfe-Unterricht sicher zu steilen, die Mama stolz ist, wenn das kleine Fräulein schon ein paar französische Brocken von sich geben kann und der Papa auf die mathematischen Kenntnisse seines Sohnes pocht, fällt es keinem von beiden ein, sich auch nur im mindesten darum zu kümmern, was im Religionsunterricht vorgehl. Ob der Lehrer orthodox ist oder einer anderen. Richtung cnigehört, ob der zionistische Lehrer die Kinder in den Blau-Weiß zieht, das ist ihnen im Grunde genommen ganz gleichgültig. Sie amüsieren sich höchstens mit ihren Kindern darüber, wenn diese von Ungezogenheiten erzählen, die angeblich oder wirklich in den Religionsftunden Vorkommen. Haben die Kinder an ihren öffentlichen Schulen keinen Religionsunterricht, müssen die armen Geschöpfe also gar die Religionsschule besuchen, so gibt es gar nicht Gründe genug, um die Kinder am regelmäßigen Besuch zu hindern. Wenn die Tante Geburtstag hat oder der Onkel aus Pasewalk kommt, wenn man zum Zahnarzt bestellt ist oder wenn das neue Kleid anprobiert werden soll, oder wenn gar die Klavierlehrerin keine andere Zeit ausfindig machen kann als gerade die, in der auch Religionsunterricht ist, dann fehlen die Kinder eben. Ganz abgesehen davon, kann man von den armen Kindern doch nicht verlangen, daß sie bei der geringsten Unpäßlichkeit in die Religionsschule gehen. Fn den Bormittagsunterricht schickt man sie selbstverständlich. Daß unter solchen Unregelmäßigkeiten der Unterricht leiden muß, ist ganz selbstverständlich. Die Gleichgültigkeit der Eltern wirkt in verstärktem Maße auf die Kinder, und der Religionslehrer kann im allgemeinen nur dann etwas schaffen, wenn er durch feine ganze Persönlichkeit die Kinder an sich ziehen und für seinen Gegenstand begeistern kann. Dann aber wird er selbst solche häuslichen Widerstände überwinden., und er wird sich eine Gemeinde schaffen, in der wirklich religiöses Fntereffe lebendig erhalten werden kann. Eine ebenso große Schuld an der Erfolglosigkeit des Unterrichts tragen die Bcrhältnisse, unter denen wir leben. Die Organisation des Religionsunterrichts, wenigstens in Berlin, ist sehr buntscheckig. Reiigionsschule und öffentliche Schule machen einander Konkurrenz, indem in demfeiben Bezirk oft in sämtlichen höheren und Gemeindeschnlen von derselben Behörde Religionsunterricht eingerichtet wird, die ein Fnteresse daran haben sollte, die 'Religiousschnlen zu erhalten. Es ist natürlich keine Frage, daß der Unterricht an den öffentlichen Schulen bester fein muß, als der an bei- Religionsfchulen. Die Kinder müston regelmäßig zum Unterricht kommen, dem Lehrer stehen alle Disziplinarinittol der Schule zur Verfügung und ein mangelhaft auf dem Zeugnis sieht doch gar häßlich aus. Es gibt sogar Direktoren, die den Unterricht besuchen, eine gute oder schlechte 'Rote auf den Klastenplatz und auf die Versetzung wirken lasten und dem Religionslehrer Sitz und Stimme in den Kouforeuzeu einräumou. Leider kann selbst der bestgewillte Direktor nicht bewirken., daß gleichgültige oder übelwollende Ellern und Kinder für den Religionsunterricht interessiert werden. Aber im großen und ganzen ist der Unterricht an den öffentlichen Schulen in gewisser Bezichung ein 2deal. Natürlich wird vorausgesetzt, dah auch der Religionslehrer der Aufgabe gewachsen ist, die ihm seine oft schwierige Stellung den Kindern und besonders dem christlichen Kollegium gegenüber zumeist. Unter einem Mangel leidet aber der Unterricht an den öffentlichen Schulen mehr, als der an den Religionsfchulen. Er muh sich mit zwei Stunden begnügen, und es ist außerordentlich schwer, in dieser Zeit alles das zu treiben, was nötig ist. II. Religion ist das Gefühl der Abhängigkeit von etwas Höherem und das Gefühl des Hingezogenfeins zu diesem Höheren und die Handlung. die diesen Gefühlen entspricht. Wenn dieser Satz richtig ist, so ergeben sich aus ihm die Aufgaben des Religionsunterrichts. Er soll einerseits die religiösen Gefühle erzeugen oder stärken und pflegen, und die Kinder anfeiten, diese Gefühle in einer gewissen Art auszudrücken. Das geschieht nicht gesondert in der. einzelnen Fächern des Unterrichts. Ob ich biblische Geschichte oder Hebräisch, nachbibiische Geschichte oder Religionslehre mit meinen Kindern treibe, immer müssen diese Ziele mir vorschweben, und immer muß das Ergebnis meiner Tätigkeit nach der gefühlsmäßigen und »ach der praktischen Seite hin bemerkbar werden. Daher muß der ganze Unterricht so erteilt werden, daß die Kinder erkennen, dem Lehrer ist ein Zach so lieb und so wort wie das andere, und sie «rüsten angeleitet werden, für alle Teile gleichmäßig zu arbeiten. Trotzdem möchte ich nicht verhehlen, daß, nach meiner Meinung wenigstens, für unsere Verhältniste doch ein wesentlicher Unterschied besteht zwischen der Wichtigkeit des geschichtlichen und dos hebräischen Unterrichts, so wie er bei uns getrieben wird. Das Hebräische sollen die Kinder lernen, um dadurch befähigt zu werden, am Gottesdienst teilnehmen zu können, so sagt der eine Theoretiker. Der andere behauptet, daß wichtigste sei, daß sie die Urkunden unserer Religion im Urtext lesen können. Darunter versteht der eine nur die Bibel, der andere auch den Talmud und die Schriften der mittelalterlichen Religionsphiiosophen. Fch bin der Meinung, daß beide Aufsastungen, soweit es sich um den Unterricht an unseren öffentlichen Schulen und Aeligionsschulen handelt, falsch sind. Wir können unsere Kinder im hebräischen Unterricht weder für den Gottesdienst noch für die Lektüre der Bibel und am wenigsten für die Kenntnis des nachbiblifchen Schrifttums vorbereiten. Wer unseren Gottesdienst wirklich kennt, der weiß, daß nur ein ganz geringfügiger Bruchteil der Besucher ihm mit vollem Verständnis folgen kann, nicht nur, weil die Schnelligkeit, mit der die Gebete und die Thoravorlesung heruntergeleiert werden, auch den besten Kenner des Hebräischen verhindern zu folgen, sondern weil es ganz unmöglich ist, unserer Fugend soviel hebräische Kenntnisse beizubringen, daß sie das aus den verschiedenen Zeiten stammende Hebräisch und Aramäisch des Gottesdienstes beherrschen kann. Fch habe sogar die ketzerische Ansicht, daß unser ganzer Kampf für das Hebräische ein Kampf um einen verlorenen Posten ist. Man braucht sich doch nur zu überlegen, wieviel Stunden auf den französischen oder lateinischen Unterricht verwandt werden, welche Stellung diese beiden Sprachen in der Schule einnehmen und wie wenig trotzdem darin erreicht wird. Da muß man sich doch sagen, daß bei der geringfügigen Zeit, die uns zur Verfügung steht, und bei der Fnterestelofigkeit unserer Ellern an gar keinen Erfolg zu denken ist. Dis beste Methode, die man ausdenken mag. wird wirkungslos bleiben, solange dem Schüler und Lehrer nicht mehr Zeit zur Verfügung steht. 2,n besten Falle könnte man vielleicht als Ziel des hebräischen Unterrichts erreichen, daß die Kinder mit Hilfe eurer guten Uebersetzung sich einigepmaßen im Gebetbuch und der Bibel zurechtsinden. Fch möchte bemerken, daß ich das Letztere, nämlich die Kenntnis der Bibel, für unendlich wichtiger halte, als den hebräischen Gottesdienst, der ja doch verschwinden wird, so sehr man sich auch in liberal-konservativen Kreisen dagegen sträubt. IU. Unendlich viel mehr für das Gemütsleben ist aus dem Geschichtsunterricht zu schöpfen. Ratiirlich ist es keine Frage, daß auch bei der Besprechung der Gebete oder der biblischen Stoffe durch vertiefendes Eingehen viel für die Gemütsbildung und für die religiösen Fdeen gewonnen werden kann. Aber die Fremdartigkeit des Stoffes und die Schwierigkeit, diese zu überwinden, sind doch sehr hinderlich. Ganz anders liegt es beim Geschichtsunterricht. Die Erzählungen aus der Bibel enthalten, wenn sie vernünftig ausgewählt werden, eine außerordentliche Fülle von Anregungen für das Gemüt. Wan braucht sie Heimweh! CPIalm 42, 43.) Von Dr. M. Spanier, Berlin. Der Berfasser der von uns vor kurzem gewürdigten „Einführung in die P s a l - m e n" (Verlag E. A. Schwetschke 8c Sohn) stellt uns die folgende Deutung des Psalms 42/45, die in die zweite Auflage seines Werkes ausgenommen werden soll, zum Erstdruck zur Verfügung. Wir hoffen, daß diese Probe einer unphilologischen, divinatorischen Auslegung, die durch künstlerische Versenkung in den Geist der Dichtung die Zusammenhänge aufhellt, manchen unserer Leser anregen wird, mit Hilfe eines solchen Führers den in den Psalmen erhaltenen Schatz biblischer Dichtung mit mehr Genuß künftig kennen zu lernen, als dies an der Hand landläufiger Exegetik möglich war. Wie eine Hinde, die nach Wafserbächen lechzt, so lechzt meine Seele nach dir, o Gottl Es dürstet meine Seele nach Gott, dem lebendigen Gott: wann werd ich kommen und vor Gott erscheinen? Es find mir meine Tränen Speise bei Tag und Rächt, da man mir sagt den ganzen Tag: wo ist dein Gott? — Daran will ich denken und in mir ausschütten meine Seele: wie ich dahin zog in dichter Schar, mit ihnen wallte zum Hause in lautem Fubel und Dank — eine feiernde Menge. sGottos Was bist du so gebeugt, meine Seele, und bangst in mirl Harre auf Gott; denn noch werd ich ihm danken, ihm, der mir hilft, meinem Gott. Fn mir ist meine Seele gebeugt, darum denk ich an dich vom Lande des Fordan und der Hermone, vom Berge Mizar. Flut ruft der Flut zu im Hall deiner Bäche, all deine Wogen und Wellen mich überströmen sie. sMem Tagessinnen: es entbiete Gott jeine Gnadet und nachts ist mein Sang zu ihm: ein Beten zum Sott meines Lebens.s So fprech ich denn zum Herrn, meinem Hort: warum vergißt du mich? warum gch ich trauernd einher im Drucke des Feindes? Wie mordend in mir höhnen mich meine Dränger, da sie mir sagen den ganzen Tag: wo ist dein Gott? Was bist du so gebeugt, meine Seele, und bangst in mir! Harre auf Gott; denn noch werd ich ihm danken, ihm. der mir hilft, meinem Gott. Richte mich Gott und führe meine Sache mit dem lieblosen Volk, vor dem Mann des Trugs und Frevels rette mich! denn du bist der Gott, der mich schützt; warum hast du mich verwarum muß ich trauernd wandeln im Drucke des Feindes? jivorfen? Sende dein Licht und deine Treue, sie mögen mich leiten, mich bringen zu deinem heiligen Berge und zu deinen Wohnungen, daß ich komme zum Altar Gottes, zu Gott, der meine jubelnde und ich dir danke mit Harfenklang, Gott, du mein Gottl IFreude ist, Was bist du so gebeugt, meine Seele, und bangst in mir! Harre auf Gott; denn noch werd ich ihm danken, ihm, der mir hilft, meinem Gott! Es ist ein vergebliches Unterfangen, eine bestimmte Perfon als den Dichter dieses Liedes bestimmen zu wollen. Wir kennen nur verhältnismäßig wenig historisch scharf umrissene Persönlichkeiten der biblischen Zeit und dürfen annehmen, daß anderseits die Zahl der Pfalmensänger sehr groß war. Was wir aus dem Gedichte selbst erfahren, kann uns schon ein Bild von der Persönlichkeit des Dichters geben, aber dieses Bild ist doch nicht von solcher Bestimmtheit und Schärfe, daß wir es einer uns bekannten Persönlichkeit des biblischen Altertums zuweifen dürften. Was wissen wir von dem Autor? Er lebt im Ouellgebiet des Fordans, am Südabhang des Hermongebirges, in der Gegend des späteren Esessres Philippi — fern von der Heimat. Seine Verse sind Aeußerungen einer schrankenlos sich hingebenden Subjektivität, das ganze Lied ist ein „Ausschütten der Seele". Es setzt eine geläuterte Kultur dos Wortes voraus, eine Formung von KünstlerhaiÄ). Hier ist nicht nur Roturdrang des dichterischen Schaffens, eine überlegene Kraft des Ordnens, Ausgestaltens, Feilens kommt hinzu. Hatto dieser Sänger eine leitende Stellung im Gottesdienst, bei den Wallfahrten der „feiernden Menge? War er durch einen gewalttätigen Machthaber ins Elend der Fremde verbannt, durch einen „Mann des Trugs und Frevels"? Die Heimat feiner Seele ist Ferufatem, das Heiligtum, der Kultus. Fn vielen Psalmen offenbart sich eine Frömmigkeit, die von aller äußeren Betätigung absieht, fast kann man sagen: die sie verschmäht. Hier aber zeigt sich eine Religiosität, die ganz im Kultus aufgeht. Dieser Gottesdienst ist jedoch nicht als etwas Aeußerliches gefühlt, er ist leidenschaftliche und begeisterte Hingabe des frommen Herzens, das volle Genüge findet im Linssein mit der Gemeinschaft, die andächtig sich naht dem Hause des Herrn. Dieses prangende Haus aus alter Zeit, das nationale Erinnerungen weckte voller Größe und Hoheit, die feierlichen Handlungen opfernder Priester, das stille Gebet in hingegebener Andacht an geweihter Stätte, die segnenden Hände der Geweihten, ausgebreitet über eine einheitliche Gemeinde von Glaubenden und Hoffenden, die herrlichen Gesänge, begleitet von wunderbar klingenden Fnftrumenten, wie man sie in solchem Reichtum und solcher Kunst nur hier hören konnte — wie mußte das alles auf ein empfängliches Gemüt wirken! Und wenn nun zu den Zesteszeiten — besonders zum Hüttenfest — Scharen aus allen Gegenden kamen, Brüder und Freunde sich wiedersahen und gemeinsam Durchlebtes noch einmal mit der Erinnerung des Herzens umfaßten und wenn sie alle im heiteren Reigenschritt zum nationalen Heiligtum wallten und dann sich alle einten zu andächtiger Schau, ja, dann fühlte man seinen Gott, den Gott des Herzens! Es war „der lebendige Gott", weil man ihn in der Ergriffenheit und dem Hingegebonsein der Seele erlebte. Man kann dieses Gedicht in der Liefe feiner Gefühlsinnigkeit nur erfassen, wenn man diesen seinen Ouellpunkt erkannt hat und sich fernhält von jener oberflächlichen Abschätzung und Rangeinordnung. die man gewöhnlich mit dem Ausdruck „Kultfrömmigkeit" verbindet. Erinnerung an das Glück der Heimat, Druck und Plage des gegenwärtigen Erlebens, Zuversicht auf eine erlösende Zukunft, das ist die folgerichtige Gedankenentwicklung in diesen drei Strophen, die durch ein wiederkehrendes Wort tröstenden Selbstzuspruchs äußerlich getrennt und innerlich zufammengehalten werden. Nicht als ob die inhaltliche Gliederung mit logischer Schärfe in diesen überquellenden Gefühlsäußerungen durchgeführt wäre, in jeder Strophe sind Elemente aus den drei Zeiten gemischt, aber doch so, daß der Grundton der natürlichen Folge entspricht. Der Gedanke an sein geliebtes Land gibt dem Dichter das ergreifende erste Bild, das die Tiefe der Sehnsucht malt. Dort in des Sängers judäifcher Heimat sind, wenn nicht anhaltende Regengüsie den Segen der Fülle bringen, die Wasierläufe oft garyausgetrocknet. Mit welcher Gier lechzt dann, von einem Dach zum andern rasend, die Hirschkuh — vielleicht hat sie ein üungee