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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-01-12 · 2 (12.1.1923) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
2 (12.1.1923)
Date
1923-01-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Min de s l M-L e den so schwere Wunden habendem 0*0 b b a t bi e Pä f f i g k eit u n d d i e $ l s i chgiL l t i g k e i t g e schlage n, das S ch w inden des rel lg lösen Sinns aus unfern jüd i s ch e n H ä u s e r n. Wenn in vielen Häusern der feierliche Auftakt zum Sabbat, der Vorabend, so arg vernachlässigt wird, dann können für diese Unterlassung doch nicht die wirtschaftlichen Verhältnisse verantwortlich gemacht werden. Rein, hier liegt eine tief bedauerliche Gleichgiltigkeit vor gegen eine der herrlichsten Einrichtungen unseres Judentums. Wie viel Legen die häuslichen Sabbatabendfeiern im Laufe der Jahrhunderte gestiftet haben, wie viel Familien g-Kll ck s i e verbreitet, wie viel edle Gefühle sie ausgelöst haben, das läht sich gar nicht ermessen. Wie ist es nur möglich, daß so viele an einer derartig segensreichen Einrichtung gleichgiltig vorübergehen? Wie ist es nur möglich, daß so viele jüdische Frauen, die doch gewiß alle gern die Tugend der Gastfreundschaft üben, es Ubers Her; bringen, dem Frieden und Segen spendenden Sabbatgast zu Ehren n i ch t den Tisch zu decken? Sabbatlicht, Sabbatgebet, Sabbatsegen, sollte die Empfindung für diese hohen, unschätzbaren religiösen Güter denn wirklich vrloren gegangen sein? Darüber aber wollen wir uns keiner Täuschung hinaeben: Ein liberaler Zude, der nicht a l r^s tut, was in seinen Kräften steht, um den Sabbat nach den religiös-liberalen Anschauungen von Sabbat weihe zu heiligen und, soweit die wirtschaftlichen Verhältnisse es nur irgendwie gestatten, dem Sabbat zu geben, was ihm gebührt, der wird sich von Mitschuld nicht freisprechen können, wenn einer der festesten Grundpfeiler unseres Zudentums ins Wanken gerät und dadurch dem.ganzen Gebäude schwere Gefahren drohen. V» Hub jüdifcber Welt A« *0* «3n der Absicht, unseren Lesern einen Ueberblick über die Lage der «Juden jenseits der deutschen Grenzpfähle zu geben und die Beziehungen zu unseren ausländischen Glaubensbrüdern wieder aufzunehmen, haben wir eine Reihe prominenter Liberaler des Auslandes aufgefordert, ihre Eindrücke vom jüdischen Leben in ihrem Lande wiederzugeben. Heut sind wir in der Lage, den Bericht des geistigen Führers der „Union Liberale Zsraelite" zu Paris zu vc» öffentlichen, deren Borsitzender Hetr Salvador Levi ist. «3n einer Zeit, da der Haß täglich neue Orgien feiert, erweist er die jedem Kenner der Ver- ^utnisse deutliche Tatsache, daß besonders die jüdischliberale Weltanschauung geeignet ist, die Atmosphäre des internationalen Mißtrauens zu entgiften und nene Fäden von Land zu Land, von Mensch zu Ai.'-ijch zu knüpfen. 7 Die Redaktion. vav Programm der „Union Liberale Israelite". Wir halten an den Grundprinzipien der jüdischen Religion fest, sind aber zu gleicher Zeit von der Notwendigkeit überzeugt, die äußeren Kultusformen und den Geist der religiösen Lehre mehr als bisher mit den Lebensbedingungen und dem modernen Denken in Einklang zu bringen. Aus diesem Grunde haben wir die „Union Liberale Zsraelite" gegründet. Wir haben einen Sonntagsgottesdienst eingerichtet, der um 10'^ Uhr beginnt, um denen, die am Sonnabend tätig sind, die Möglichkeit zu geben, zu lernen und sich zu erbauen. Wir wollen allen das Licht der hohen und wahren Erkenntnis geben, den unschätzbaren Reichtum der mo- . ralischen Kraft, die uns zur Gründung unserer Gemeinschaft veranlaßt hat. Besonders der «Zugend, die ohne bestimmte Anschauung und ohne Zdealismus, gilt unsere Sorge; an sie denken wir vor allem, ihr wollen wir eine gute und aufgeklärte religiöse Erziehung sichern, ohne Aberglauben und Negation. Wir wollen keine Arbeit des Abfalles und des Umsturzes, sondern eine Arbeit der geistigen Erneuerung die bestimmt ist, das Zudentum jugendfrisch neu erblühen zu lassen, damit es um so besser den Geist der Wahrheit und tiefer sittlicher Kraft erkennen lasse. Das Judentum iu Frankreich. - Von Rabbiner Louis Germain Levg, Paris. (Uebcrfeljt von Amu Pofro«nflein-^erlin). Das Judentum in Frankreich kennzeichnet ein löbliches Wiedererwachen der Aktivität. Die verschiedenen Schattierungen in der Auffassung vom Zudentum scheinen miteinander zu wetteifern, um in der Zukunft ihre Daseinsberechtigung zu erweisen. Das ist auch der Grund dafür, dasz die jüdische Presse sich in den letzten Zähren beträchtlich vermehrt hat. Reben den alten Organen wie „La Revue des Etudes juives", „L'Univers israelite" und „Les Archives" erscheinen nunmehr noch neu: „Le Ragon", das Organ der liberalen Vereinigung, „La Tribüne juive", welche über die Vorgänge in Rußland berichtet, „Paris-Sion", das zionistische Agitation betreibt, „L'Union", das Blatt der Ostjuden, 1} 1: Zählt schleunigst LL lSeitrsge! Paßt fle dem gesunkenen Geldwert an. Wer sein liberales Judentum liebt und seine Zeitung erhalten will, gebe außer dem Beitrag eine einmalige größere Spende. Werbt neue Freunde, rüttelt alte aufl Geldsendungen für die „Vereinigung für das liberale Judentum E.V." erbeten auf Postscheckkonto Berlin Nr. 137069. Büro der Vereinigung: Berlin W 8, Mauerstr. 22. „La Menorah", eine illustrierte Zeitschrift, die die Wahrheit und Mannigfaltigkeit des Zudentums in all seinen Formen erkennen lassen will, und schließlich „Paix et Droit", das Organ der Alliance israelite. Hoffentlich wird die große Zahl dieser Zeitschriften Nachrichten vom jüdischen Leben und vom Geist des Zudentums in einen ständig wachsenden Leserkreis tragen. Zch spreche mit Absicht von einem ständig wachsenden Leserkreis, denn es ist äußerst bemerkenswert, wie sehr die französischen Schriftsteller der Gegenwart sich für das Zudentum interessieren und welche bedeutungsvolle Stellung sie ihm in ihren Werken und Schriften einräumen. Zm Theater und im Roman werden häufig jüdische Gestalten gezeichnet. Zm Rahmen dieser kurzen Abhandlung ist eine ausführliche Aufzählung nicht möglich. Hier fei nur hingewiesen auf die Werke von Anatole France, Paul Bourget, Maurice Varres, Marcel Proust, Mgriam Harrg, Pierre Moille, der Brüder Tharaud. Ganz besonders hervorgehoben fei noch der äußerst beachtenswerte Roman „Silbermann" von Lacretelle, der erst kürzlich erschien und preisgekrönt wurde. Er hat viel Anklang gefunden. Eugen Tfchirikoff: Die Süden. Berlin, Renaissance-Theater. „. . . . und ein Mann stürzte ohnmächtig zu Boden. Alle anderen Zuhörer — die mit den stärkeren Nerven — saßen gepeinigt, in ihrer menschlichen Würde tief gekränkt, lautlos und mit Tränen da." Auf einer Moabiter VorstadtbUhne wurde damals, von russischen Studenten, Dilettanten, das Schauspiel eines sonst unbekannten Russen: „Die Juden" von Tugen Tfchirikoff aufgeführt. Der diese Eindrrücke wiedergab. sich mit Ausführungen von ihnen löste, die, noch jetzt gültig, das Tiefste bringen, was über dieses -russische Drama gesagt werden kann, war Tugen Robert. Auch damals schon überzeugt, daß „die Theaterkunst ein Geschäft ist", aber doch nicht Günstling des Kurfürstendamms (mit dem verborgenen Funken,), Kabarettherr, sondern ein feiner Kunstkritiker. So besteht Vergleichsmöglichkeit. Jetzt, wo das Schauspiel, ein Jahrzehnt später, im Berliner „Rena issan c e - T h e a 1 e r" wieder auf die Bühne gestellt wird, ist von so stummer Ergriffenheit nichts zu merken. Rauschender Beifall. Tr gilt einer Aufführung und einem Zusammenspiel, die den schalsten Liebesdialog noch adeln. Er zeugt aber auch von Erregung, in die die Gedanken, die da oben, in des alten Leiser Zränkels Wohnladen, erörtert werden, in die dieses abgründigste, älteste Menschenproblem die Beschauer verstrickt haben. Um was für Ge'danken handelt es sich da? Können wir Juden von dem Ahasverfluch, der, eigentlich schon seit den Tagen der Stammväter, auf uns lastet, können wir von der großen Unruhe befreit werden, mit der die Menschheit vorwärtszupeitschen unsere Aufgabe und unsere Tragik zu sein scheint? Jü orei Akten, die zu zweien gestrichen zu haben eines der Verdienste der Regie ist, erörtern sie alle, der Uhrmacher, sein Sohn, seine Tochter, der etwas blöd« Gehilfe, der Lehrer Nachmann, der Mische Emporkömmling, der Ehrist Beresin, die Dienstmagd, alle Verböserungen des Problems. Jeder versucht einen Weg zur Lösung zu finden. Der alte Leiser Fränkel, indem er sich nur als Glied in der Maßen Kette jüdischer Tradition fühlt. Er glaubt an Zion — als das große Nlärchen-, ohne das sich das Leben mit seiner Qual zur Anerträglichkeit steigern würde. Er gehört zu denen, „für die". Wie Hüb in er so schön sagt. „Zion vor allem Aenderung ihrer Lagebedeutet",, Nicht so Nachmann. Der ist Zionist aus Besessenheit vom Blut, von, seiner Blutsidee. (Wir sehen Zeitgenossen Uber die Bühne schreiten.) Lija weiß nichts davon, daß sie Jüdin ist. Wußte nichts davon — ohne den Judenhaß. Für sie führt durch das Taufwaster der Steg. Und es wird ergreifend deutlich, wie er schwankt, da sie ihn betritt. „Wenn es nur noch Menschen geben wird, wird es nicht mehr Juden und Christen geben." Der Weg der andern, ihres Bruders Boruch, ihres Bräutigams Beresin, des Arbeiters Jsersohn Hoffnung führt Uber die Arbeit an der Menschheit. In die große Gegenllberstellung von Zionismus und Sozialismus mündet der Disput. Und es will mir scheinen, daß sich der Autor für die Lösung der Judenfrage durch Humanität entschieden hat. Doch Leisers Uhren beginnen, eine nach der andern, zu schlagen. Jeder Standpunkt hat seine Berechtigung. Das ist, in ganz großen Zügen, das Drama. Rein, kein Drama, sondern ein Prospekt. Gespickt mit allen Argumenten zur Judenfrage. Aufklärung in Programmform. Kein Fortschritt der Handlung, nirgends Steigerung. Viel Worte von bedeutender Geistigkeit, viel Feinheiten werden ausgesprochen. In Leisers Bruder Aron wird die Entstehung des jüdischen Witzes aus Leid, wird dieser Blitz als Ausweg vor letzter Konsequenz des Gedankens meisterlich gezeigt. Aber dramatischer Aufbau? So könnten diese Menschen in alle Ewigkeit reden. Wohl wird an mancher Stelle der Dialog bewegter. Der Dichter aber schürzt keinen Knoten und kann drum auch keinen lösen. So muß ein Bühnengemetzel, während Vater und Kinder noch im Wort zerrissen werden, den Beschauern den Schluß anzeigen. Und diese bleiben sitzen, den nächsten Akt zu erwarten. Wenn, in Hauptmanns „Webern", die Maste die Gehege des Blutsaugers Dreißiger zertrampelt, so sagt man sich: Das schöne Porzellanl Das ist, wenn auch der Stimmung nicht nützlich, doch unschädlich. Wenn, in T o l l e r s „L u d d i t e n", die Rasenden der Maschine den Todesstoß versetzen wollen, so sagt man sich: Das wird Arbeit gebenl Das ist, wenn auch der Stimmung nicht nützlich, doch unschädlich. Wenn hier das aqch in Deutschland in bange Erwartung Gerückte: Pogrom Wirklichkeit wird, so sagt man sich: Wie harmlos ist das! Ein solcher Eindruck darf nicht geweckt, unser Gefühl für diese Schande nicht abgestumpft werden. Hier hat das Theater seine Grenze seine Grenze, dieweil der Illusionist Film solches wahrscheinlich machen kann. Dazu gilt es nur. den rechten transitorischen Mo- Meist wird derZude sympathisch geschildert. Weitaus die Mehrzahl des französischen Volkes steht dem Antisemitismus ablehnend gegenüber. Trotz aller Rassenunterschiede sind die Beziehungen zwischen den Zuden und ihren andersgläubigen Mitbürgern die besten. Auf allen Tätigkeitsgebieten und in allen Gesellschaftskreisen befinden sich unsere Glaubensgenossen in leitenden Stellungen, ohne daß, abgesehen von einer kleinen Schar, hieran jemand Anstoß nimmt. Za, es gibt sogar viele Ehristen, die sich dem Zudentum nähern und besonders die liberale Vereinigung von Paris besitzt einige treue Anhänger nichtjüdischer Abstammung. i Tiner von diesen, Herr Aime Palliere, ist so im Zudentum aufgegangen, daß die Union Liberale ihn als Hilfsprediger und Lehrer dem Rabbiner Louis Germain Levg zur Seite gestellt hat. Und nun von der Liberalen Vereinigung. Sie ist in ständigem Wachsen. Sie hat ein Grundstück der Rue Eopernic erworben, auf dem sich ihre Sgnagoge befindet. Sie beabsichtigt, in diesem Zahre erforderliche Arbeiten vorzunehmen, um sich beträchtlich zu vergrößern. Was das gesetzestreue Zudentum anbetrifft, so sucht es mit aller Kraft die junge Generation zu behalten und zu gewinnen. Das geht soweit, daß es einen Verein zur religiösen Erziehung und Propaganda geschaffen hat, der „Schma Zisroel" heißt. Er hält am Sonntag früh im großen Beisaal der Sgnagoge in der Rue de la Victoire Zusammenkünfte ab. Reben Rabbinern behandeln dort jüdische und auch nichtjüdische Laien die verschiedensten. mit dem Zudentum in Zusammenhang stehenden S Gebiete. Einige Vereinigungen der Provinz schließen | sich an. 1 All das läßt eine Erneuerung der geistigen Be- 1 wegung und eine gründlichere und tiefere Erkenntnis der I Wissenschaft, Geschichte und Literatur vom Zudentum ] erhoffen. I Zum Schluß noch ein Wort über die Stellung unz serer Glaubensgenossen zum Zionismus. Abgesehen von 1 den russischen und östlichen Gruppen und einigen Per- 1 sönlichkeiten französischer Herkunft ist man nicht ausge- 1 fprochen antizioniftifch, noch weniger aber zionistisch. ] Die jüdtfebe Gegenwart Rathenau-Ehnmg. Der Bezirksfchulausschuß für die höheren -f Lehranstalten in Neukölln hat unter dem -Vorsitz des Schuldezernenten Stadtrats Dr. Löwenstein befchlosten, daß dem Reformrealggmnasium in der Boddinstraße der Name „Nathenau-Schule" gegeben werde. D Eine Sguagogeuwoche in New Aork. Am 15. Januar wird m unter dem Protektorat der Vereinigung der American Hebrew » Tongregations eine Propagandawoche beginnen, um die gesamte M Judenheit New Aorks, besonders die Jugend, dazu zu bewegen» in H eine Tongregation einzutreten und den Gottesdienst regelmäßig zu jj besuchen. | Eine Denkschrift des preußischen Innenministers Severiug an « den Reichsanßeumiuister über die Ostjudeneinwauderuvg. Der amt- 1 liche preußische Pressedienst verbreitet einen Auszug aus einer Denki schrift des preußischen Innenministers an den Reichsaußenminifter | über die Jrage der Qstjudeneinwanderung. 3 „Wenn auch," so führt die Denkschrift aus, „in letzter Zeit die 1 Einwanderung nachgelassen habe, so sei doch zweifellos eine große 1 Zahl von Flüchtlingen aus dem Osten zum Teil aus Gründen bei uns 1 geblieben, die ihnen eine Rückkchr in ihre Heimat oder eine Weiter- | Wanderung tatsächlich unmöglich machen. Alle polizeilichen Maß- | nahmen hätten sich gegenüber den Gefahren, die uns aus dem Zu- | ström von Leuten fremden ütammes drohen, als unzureichend erwiesen." Die Denkschrift fährt fort: 3 „Dieses Problem, von dem die Ostjudenfrage nur ein Ausschnitt ist, sei nur international zu meistern. Insbesondere müsse sich der Völkerbund mit der Ostjudenfrage befassen, die ja ohnehin ein internationales Angesicht trage. (Uebertragung des Mandats über Palästina an England. Balfour-Dekiaratonl) Herabsetzung der Fahrpreise nach Ueberfee sei ins Auge zu fassen."; Die Denkschrift empfiehlt, die Reparationskommission aufmerkj sam zu machen, daß die große Zahl Rüsten in Deutschland das Reich | so belaste, daß die Erfüllung der internationalen Verpflichtungen J mellt abzupassen, wie es schon L e s s i n g für die Malerei im W „L a o k o o n“ aufgezeigt hat. Die Regie Karlheinz Martin wußte um diese tiefste 1 Schwäche des Dramas. Und suchte drum die Pogromszene nach Möglichkeit zu mildern. Aber so dankbar wir ihr sonst für die Milderung sind — sie steigern, neben den starken Kürzungen, die J Wirkung, durchaus — hier wirken die Milderungen lähmend. Wenn jj schon geschlagen wird, dann muß die Lebendigkeit des Spiels | überzeugen und den verletzten. Geschmack versöhnen. In solchem I Augenblick spricht der Räuber nicht wie ein Oberlehrer. Da heißt I es: „Das Luder hat sich totgeschosten." Spielt man vor einem Mädchenpensionat? Das darf uns nicht vergessen lasten, w i e diese -2 Regie die Schauspieler zusammengefaßt hat. j Alexander Granach gibt den Vater Fränkel. Aufwühlend in seiner Verantwortlichkeit vor Gott, in seiner Frömmigkeit, in Zelv- " tismus und greinender Liebe (und im Gebetmantel). Seine Tochter: Roma Bahn. Sinnliches Tier, reizbar, entwurzeltes Ghettomädchen. Der zum Nero gewordene Geistige — Herz Großbart. Keiner von allen fällt aus dem Milieu. Nur G. A. Semmler ist müde, müder, als er es auch als Rüste fein dürfte, und müder vor allem, als es dieser russische Menschheitskämpfer in diesem 3 letzten Endes nicht jüdischen, sondern russischen Drama sein sollte. fl Botho Laserstein. I Das jüdische Filmsujet. Von Josef Weinsaft. Die in der letzten Nummer der Zeitung gebrachte Betrachtung Botho Lasersteins erinnert mich an einen Film, her vor längerer Zeit hier in Frankfurt in einem der größten Lichtspiel-Theater zur Aufführung kam und eine Art jüdisches Zilmsujet im positiven Sinne darsteilt. Es handelt sich um den groß angelegten und im Wesentlichen auf geschichtlichen Tatsachen fußenden Film „Die fünf Frankfurter". die Geschichte einer Mllliardärsfamilie. Der erste Teil schildert den Werdegang des Vaters Maier Anstchel Rotschild von seiner Wanderung nach Frankfurt bis zur Gründung des eigenen Bankhauses, im zweiten Teil wird Schicksal und Einfluß seiner

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