Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 3 (1923)
- Issue
- 2 (12.1.1923)
- Date
- 1923-01-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1, it <w T ■rwr d t. b tt »1 'S ll >s r. »e tz!r!L ff % m i. *> tz tn IMchÄmilkZÄiug V rV¥ * ♦ £«♦ V r«/ / jmr a r Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Bezugspreis durch die Gejchäftsstelle 7« jährl. Al. 250.- €itt}e(ttttmtttet.. 25.- Air die Mitglieder der Bereinigung ist der Bezugspreis :: :: :: im Mitgttedsbeitrage eiubegriAeu. :: :: :: Auzeigeupreis: Die 37, cm breite mm-2eile M. b0.- Zamilieuauzeigeu M. 40.-. Bei Wiederholung Ermäßig. Die „Jüdisch-liberale Zeitungerscheint jeden Freitag, je dreiwöchentlich als wissenschaftliche Beilage „Liberales Judentum" und „Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine". Ar. 2 * Berlin, 12. Januar 1923 3. Jahrgang Redaktion und Sefchäftsstelle: Berlin W. S, Mauerstraße 82 (Vereinigung für da« liberale Judentum e. B.), Jeruruf: Amt Zentrum 162 Anzeigen.Annahme bei der Sefchäftssteile Sämtliche Zahlungen: Postfcheckkouto Berlin RW. 7 Rr. 137064 (Bereinigung für dar liberaleZudeutu« e.B.). ikaynteke Zuftände. i. >e Tl!S h f. t, ie ü. n!N •n % i. d 8 u n n;r ll i) I. 0 I B '4 ■„$ Sur gell. Seschlung! Die Abonnenten unserer Zeitung bitten wir hierdurch, die Bezugsgebühr für das I. Quartal 1923 mit Alk. 250,— umgehend auf unser Postscheckkonto Berlin 137069 überweisen?u wollen, da wir bei nicht rechtzeitigem Eingang die Lieferung der Zeitung sofort einstellen müssen. Die Mitglieder der Vereinigung für dar liberale Judentum E. V. erhallen das Blatt auch weiterhin kostenlos geliefert. Der Verlag derZridijch-liberalen Zeitung Vereinigung für das liberale Judentum L.B. SabbalgedankeundSabbalheiligung. Von Rabbiner Dr. Norden (Elberfeld). Der jüngst verstorbene Friedrich Delitzsch erhebt in seinem vielbesprochenen Werk „Babel und Bibel" den Vorwurf gegen den Verfasser des fünften Buches Mose, er habe sich eines Uebergriffs schuldig gemacht, indem er bei der Wiederholung der zehn Bundesworte dem Labbatgebot eine andere Begründung gegeben habe als die bei der Offenbarung am Linai verkündete. Die Abweichung des Textes im vierten Vundeswort ist in der Tat auffallend genug. Während bei der Offenbarung (2. B. M. Kap. 20) die Labbaifeier mit den Worten begründet wird: „denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel und die Trde geschaffen, das Meer und alles, was darinnen ist, und am siebenten Tage hat er geruht usw.", wird bei der Wiederholung der zehn Gebote (5. V. M. Kap. 5) die Bedeutung des Labbats mit den Worten gekennzeichnet: „auf daß dein Knecht und deine Magd ruhen wie du selbst. Denke daran, daß du einst Lklave im Lande Eggpten gewesen bist usw." Formell ist also Delitzsch im Recht: ein Jitat soll wörtlich vorgeführt werden; willkürliche Aenderungen sind zu vermeiden. Anstatt nun aber den Verfasser des fünften Buches Mose wegen der ungenauen Wiedergabe des Textes des vierten Gebotes zu tadeln, hätte Delitzsch sich lieber die Frage vorlegen sollen: Was mag den Verfasser, zumal bei einer so hochwichtigen und berühmten Bibelstelle, veranlaßt haben, eine Aenderung des Textes vorzunehmen? Denn das mußte ihm doch wohl klar sein, daß es nicht aus mangelhafter Gewissenhaftigkeit geschehen ist, daß der Verfasser die Aenderung vielmehr im vollen Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit vorgenommen hat. Zwei Lehren sind es, auf denen das Gebäude des Judentums sich aufbaut, die Lehre von der Einzigkeit Gottes,und die von der Einheit des Menschengeschlechts. Aus der ersten Lehre ergibt sich die Forderung: „Du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft" (5. B. M. Kap. b, V. 5), aus der zweiten die Forderung: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (3. B. M. Kap. 19, V. IS). Nun hat nach dem Dekalog im zweiten Buche Mose der Labbai die Aufgabe, uns die Lehre von dem einzigen Gott einzuprägen, von ihm, dem alles in der Welt sein Dasein verdankt. Woche für Woche will uns der Labbai ermahnen, unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen in den Dienst der göttlichen Allmacht zu stellen.^ Woche für Woche will er -in uns die Ueberzeugung festigen, daß wir alles sind m i 1 Gott und nichts ohne ihn. Da. wollte nun der Verfasser des fünften Buches Mose uns zeigen, daß der Labbat auch die zweite Grundlehre des Judentums verkörpert,.die Lehre von der Einheit des Menschengeschlechts: „Auf daß dein lQ/dQ/t)G/()G/t)G/()G/7)(l/DQ/()(2/t)Q/t)Q/DG/'DQ/dG/t)Q/dG/üG/dQ/DG/t)t § § § § S § s § § § 8 § ■ Aus dem Äihalt: Dr. Norden: Sabbcttgedanke und Sabbatheiligung. — Rabbiner Louis Germain Levg: Das Judentum in Frankreich. Botho Lajerjtetn: Jur Aufführung von Tjchirikoff: „Die Juden". — Joseph Weiusaft: Das jüdische Filmsujet. — Isidor Landau: Kreuz und Wogen Dovid. — * Aus jüdischer Weit. — Die jüdische Gegenwart. — Zeituugsschau. — Büchertisch. — Antworten. — * <ydQ/dQ/D<yd(l^Q/DQA)<ydQrt<yd<ydQ/d<yd<2rtQ/dQA>Q/i)<yDQ/Z> s s § i s s % s § § § s ■ Aus der Ordnuugsrelle. Die Verhältnisse im Zroistaate Bauern werden von Tag zu Lag unerträglicher. Die Behörden und Gerichte treten nicht mit der erforderlichen Energie auf, sodaß die nationalsozialistischen Burschen immer dreister werden. In einer Versammlung der Münchener Friedensvereinigung, in welcher der bekannte Pazifist Professor Dr. Quidde sprach, wurde nach Sprengung der Versammlung durch die Nationalsozialisten ein jüdischer Kaufmann so mißhandelt, daß er blutüberströmt fortgeschafft werden mußte. In der Georgenstraße in München wurde nach Massenversammlungen des „Großen Führers" Hitler in der Nacht ein Mann von einer Rotte junger Burschen überfallen und unter Lolschlagdrohungen gezwungen, den Beweis dafür anzutreten, daß er kein Jude sei. Der Bedrohte wies seine Papiere vor. Dies allein genügte jedoch nicht. Er wurde einer gewaltsamen körperlichen Untersuchung unterzogen und erst wieder losgelassen, nachdem diese Probe negativ ausgefallen war. Der lleberfallene war ein Amerikaner, der Uber seine Erlebnisse in großen amerikanischen Zeitungen berichtet hat. Der Korrespondent des „Berliner Lageblattes" meldet aus München: Die Münchener Polizeidirektion ist den. in der in- und ausländischen Presse veröffentlichten Meldungen über die Ausschreitungen von nationalsozialistischer Geile nachgegangen und hat „festgestellt", daß in zwei Iällen italienische Südfruchthändler von Betrunkenen angerempelt und mißhandelt worden sind. Zwei andere Italiener wurden bei einer anderen. Gelegenheit verprügelt, doch bezeichnet der Polizeibericht die Mißhandlung als nicht schwer, da sie „nur mit einem Lpazierstock und einem Hausschlüssel ausgeführt" worden sei. Die Behauptungen eines Amerikaners, daß er von einer antisemitischen Bande auf offener Straße einer schmachvollen Untersuchung unterzogen worden sei, werden von der Polizeidirektion als vollständig frei erfunden bezeichnet, da keiner Polizeistelle von diesem Vorfall etwas bekannt geworden sei. Diese Begründung ist freilich durchaus kein bündiger Beweis gegen die Behauptung des Amerikaners. Daß Gruppen jugendlicher Hakenkreuzler auf jüdisch aussehende Passanten in den Straßen förmlich Jagd machen, ist mir unabhängig von diesem Vorfall von einwandfreier Seite mitgeteilt worden. Und wie man. in der Münchener Bevölkerung das Vorgehen der Nationalsozialisten beurteilt, erhellt eine jetzt aufkommende Kontraktklausel. die den Mieter einer möblierten Wohnung für Sachschäden haftbar macht, die dem Hausherrn aus der Zugehörigkeit des Mieters zum jüdischen Glauben erwachsen können. Wie lange soll dieser Unfug noch währen? Ls ist höchste Zeit, daß Deutschland endlich für den Schutz der persönlichen Freiheit seiner jüdischen Staatsbürger in allen Teilen des Reiches sorgt. Daß terroristische Banden die deutsche Kultur derartig diskreditieren dürfen, sollte n. E. das Reich in seinem eigenen Interesse nicht dulden. Hier werden Budapster Manieren nach München übertragen. Dort war diese Art der Zwangsuntersuchung mit Lolschlagfolge, wenn das Judentum festgestellt wurde, von den Hejas-Banden eingefllhrt worden. Der Würde des deutschen Volkes dürften wohl derartige Methoden nicht entsprechen. Vom Schutz der Republik. Die Gründung einer Großdeutschen Arbeiterpartei in Oberschlesien und das erste Auflauchen dieser Organisation in Berlin, hat den preußischen Minister des Innern, Severing, Veranlassung gegeben, an den Oberpräsidenten für Oberschlesien und den Berliner Polizeipräsidenten einen Erlaß zu richten, in dem gesagt wird, daß die Großdeutsche Arbeiterpartei eine Fortsetzung der aufgelösten Nationalsozialistischen Arbeiterpartei ist und daß ihre Veranstaltungen daher zu verhindern sind. Eine vor einigen Tagen nach Berlin einberufene Versammlung der Großdeutschen Arbeiterpartei wurde auf Grund dieses Erlasses verboten. Die Rot der Jüdischen Gemeinden in Deutschland. Vor einigen. Lagen fand in Dürkheim eine Konferenz der Vertreter der israelitischen Kultusgemeinden des Nabbinatsbezirks Frankenthal statt. Mit Rücksicht auf die Notlage der Gemeinden beantragte der Vorsitzende beim Verbände der pfälzischen israeliti» scheu Gemeinden folgenden Antrag zu stellen: Im Falle einer eintretenden Vakanz sei die Zahl der pfälzischen Bezirksrabbiner von 4 auf 2 zu verringern. Die Ausgaben der einzelnen Kultusgemeinden seien in den. letzten Iahrne so enorm geworden, daß überall Fehlbeträge zu verzeichnen feien, und daß z. V. die größte Kultusgemeinde München heute schon eine Schuldenlast von fünf Millionen habe und nicht mehr imstande sei. ihre Kultusbeamteü nach den Besoldungsgesetzeu der Ltaatsbeainten zu honorieren. Knecht und deine Magd ruhen wie du selbst." Dem Arbeitgeber wird es zur Pflicht gemacht, dem Arbeitnehmer die ihm zustehenden Menschenrechte einzuräumen; nach einer Reihe von Werktagen hat er ihm den Nuhetag zu gewähren. Daß der Verfasser des zweiten Dekalogs hier aber nicht rein willkürlich vorgegangen ist, sondern durchaus im Geist des Verfassers des ersten Dekalogs gehandelt hat, folgt schon daraus, daß ja auch im ersten Dekalog ausdrücklich gefordert wird: „Du sollst keine Arbeit verrichten, du,, dein Lohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd usw." Ls wird mithin bei der Begründung des Labbaigebots im zweiten Dekalog in Wirklichkeit kein neuer Gedanke in das Gebot Hineingelragen, sondern es wird ein von der früheren Ltelle nur flüchtig angedeuteter Gedanke an der späteren Stelle unterstrichen und besonders hervorgehoben. Lo haben wir also keine Ursache, dem Verfasser des zweiten Dekalogs einen Vorwurf zu machen, sondern sind ihm im Gegenteil zu Dank verpflichtet, daß er uns die Bedeutung des Ruhetags von einer zweiten Leite beleuchtet hat, daß er uns mittelst seiner Abänderung des Textes den Labbat hingestellt hat als den T r ä g e r der beiden Grundlehren des Judentums, der Lehre von der Einzigkeit Gottes und der von der Einheit des Menschengeschlechts, und der beiden aus diesen Lehren folgenden Forderungen, der Ero be - rung der Liebe zu Gott und der der Liebe zu den Menschen. Wenn daher nach der Behauptung, die ich im ersten Jahrgang des „Liberalen Judentums" ausgestellt habe, nicht allseiliger Zustimmung begegnete, so halte ich das auch heute noch an ihr fest: „M it dem Labbaigedanken steht und fällt das Iudentu m." Genauer könnten wir sagen: „Mit den beiden vom Labbai verkörperten Gedanken steht und fällt das Judentum". Wenn nun aber die Gedanken, die der Labbat versinnlicht, das Höchste und Heiligste des Judentums enthalten^ so ist es ganz selbstverständlich, daßwiresmit der Heilighaltung des Labbats ganz b ef o n d e rs e r n s t z u n e h m e n h a b e n. Daß ich damit nicht der Innehaltung einer Unzahl von Verordnungen über die äußere Heilighaltung des Labbats, wie sie der Talmud und der Lchulchan Aruch kennen, das Wort reden will, brauche ich wohl nicht erst zu betonen. In unsern „Richtlinien" heißt es deutlich, nur das soll vermieden werden, was eine würdige Feier des Labbats stört; was sie nicht beeinträchtigt, kann nicht als verboten gellen. Wenn die „Richtlinien" dann aber weiter sagen: „Jede Werktagsarbeit aber soll unterbleiben", so klingt dieser Latz etwas farblos. Ls müßte mit größerem Nachdruck betont werden, daß jeder liberaleIudedieunbedingtePflichthat, dem Labbai Opfer zu bringen. Der Vorwurf, der den libralen Rabbinern häufig gemacht wird, daß sie mit ihren Forderungen einen neuen Lchulchan Aruch aufstellen, darf sie nicht schrecken; sie haben die Pflicht, Forderungen zu stellen. Nicht darin hat sich ihr Liberatismuszu erweisen, d aß sie aufdem Gebiet äußerer religiöser Betätigung von Forderungen irgendwelcher Art absehe n, sondern darin, daß sie nur solche Forderungen stellen, die ihrer Ueberzeugung nach für die Erhaltung des Judentums von Wichtigkeit find. Daß die wirtschaftlichen Verhältnisse der Feier des Labbats ungeheuren Abbruch tun. daß die Labbatfrage letzten Endes ein schwieriges, vielleicht das schwierigste Problem unseres „Golus" ist, das leuchtet jedem ein. Und doch könnte noch manches geschehen, um den Sabbat zu ehren. Vor einiger Zeit hat ein Arzt (kein orthodoxer) in meiner Gemeinde seine Sprechstunde 'an' den Sonnabenden auf eine andere Zeit gelegt, um die. Möglichkeit zu haben, den Labbatgottesdiensten beizuwohnen. Könnte da nicht noch manches getan werden, was auf dieser Linie liegt? Die Hauptsache ist, daß unsere Liberalen fester als bisher entschlossen sein müs7 sen, den Labbatnicht fallenzu lassen, sondern ihn hochzuhalten nach.der Bedeutung, die ihm als d e n T r ä g-e r der Grundlehren des Juden tum s gebührt.' Sie dürfest nicht immer und immer die der Labbatfeier entgegen stehenden wirtschaftlichen Verhältnisse vorschützen. Ingendvereine-Anzeigen fl^T letzte Seite. i ^^99495980243859198195949194959 0123534801000100010001000153532323000148235323482353234823232353534823532353232353535323020153232353 0053232302482353535353484848482323532353484853232353000200010201000002020223532323480002000202015353235348232301 644115599999999999999999999999999999999990999999999999999