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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-01-06 · 1 (6.1.1923) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
1 (6.1.1923)
Date
1923-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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u IIUIIHI , um i IHWI'I'PPP ll )>!>^WMWWWWWMWW^WWWWWWW^«WMWWWW»MWWW»WWWWWW»W»MWWW«MMWW«WWM^ . i i niemand, der aus Ueberzeugung bei uns Ausnahme begehrt, ruriiäeweisen. Deshalb müssen wir dafür sorgen, -ah unsere Lehren bekannt werden und dah die Welt sieht, -atz w i r sie wirklich praktisch betätigen. Und deshalb, weil wir nicht nur für uns da sind, sondern für die Menschheit, ist es wiederum zu beklagen, wenn Herl- Rabbiner Dr. Wiener auf der letzten liberalen Rabbinerversammlung gesagt hat: „Wir können nicht von Religions wegen wünschen, durch Bekehrung so viele andere in uns auf;unehmen und mit uns zu verschmelzen, datz unser eigenes Wesen sich darüber verflüchtigt und darüber vernichtet wird." Das (Zudentum kann sich nicht „vollkommen ablösen von bestimmten Menschen, . . . will es nicht, kann es nicht, ohne sich selbst zu vernichten." -Aber ich glaube, datz der Weg der organisierten Mission nicht zum «Ziele führt. Es stehen ihrem Erfolg zu viel psychologische Hindernisse entgegen. (Zm ganzen glaube ich, datz unter Kulturmenschen eine solche Mission mehr die Zwietracht und den Hatz vergrötzert, als datz sie praktisch etwas erreicht. Und wichtiger als die Erzielung des formellen Uebertritts zum Judentum ist schlietzlich die Verbreitung der jüdischen (Zdoen. Allgemein zugängliche Schriften z. B. über den Inhalt des Judentums können in jeder Beziehung sehr viel Gutes Inn. Dann aber ist es autzerordentlich bedauerlich, datz gerade von jüdischer Leite so wenig in der Oeffentlichkeit an der Propagierung der grotzen Menschheitsideen teilgenommen wird. Freiheit und Lelbftbestinnnung, Völkerbund und Friede, wie wenig Ltimmen sind in der Jetztzeit, wo so viel von ihnen die Rede ist, gerade aus den Kreisen derer für sie laut geworden, aus deren Gemeinschaft heraus zuerst die Propheten jene (Zdeale der Menschheit verkündet haben. Es wäre nötig, datz auch einmal jüdische Organisationen — vielleicht etwa in gemeinsamen Kundgebungen mit anderen — ihre Ltimmen in der Oeffentlichkeit erheben dafür, datz der Geist des Friedens und der Versöhnung unter den Menschen und unter den Völkern herrsche, und datz sie eintreten für die (Zdee der friedlichen Schlich- Lung von Ltreitigkeiten und des Völkerbundes. — Das praktisch Wichtigste aber ist doch, datz wir diesen Geist unter unseren eigenen Mitgliedern und Anhängern verbreiten, damit sie ihn hinaustragen unter die anderen. (Bravo!) Bei alledem braucht man garnicht Stellung zu nehmen zu den einzelnen praktischen Verwirklichungsversuchen der Gegenwart, zunächst vielleicht auch nicht .azu, wieweit die Verwirklichung heute bereits überhaupt schon möglich ist, wobei man leicht in das heikle Gebiet der Politik hineinkäme. Sondern das Werben für die (Zdee, das Riederreitzen der Lchranken, die intra et extra muros in der Gesinnung der Menschen jenen Sdeen noch entgegenstehen, würde an sich schon unendlich segensreich wirken und den Weg zu ihrer Realisierung ebnen helfen. Wenn das erst in etwas erreicht ist, lassen sich vielleicht auch praktische Fragen selbst bei Meinungsverschiedenheiten ohne Gefahr behandeln. (Anhaltender starker Beifall.) Hierauf begann die Diskussion. Albert Hamburger-Breslau, der als Mitglied der Lgnagogenkomuission die Tagung der Tugend begrützt, tritt für den Lonntagsgottesdienst ein, den er für eine Angelegenheit der Zukunft erklärt. Lin Uebergang dazu fei der zweite Freitagabendgottesdienst, der zu einheitlicher (Zeit, nach Gefchäftsschlutz, stallfinden müsse. Dr. H e i m a n n - L1 e t 1 i n überbringt die Grütze des Büros der Berliner «Zentralleitung des «Zentralvereins deutscher Ltaatsbürger jüdischen Glaubens. Leligsohn- Berlin unterstreicht die Ausführungen der Referentin. Man müsse Gott personifizieren, da man sich einer (Zdee nicht anvertrauen könne. Gott als absolute öbee mützte auch eine gebundene Marschroute haben und die geschichtliche Entwicklung mützte sich im Guten vollziehen. Stern-Berlin erscheint besonders bedeutsam der Uebergang vom Individuum zur Gemeinschaft. Die Gemeinschaft auf religiöser Grundlage gewährleiste unsere Stärke. ^uchs-Breslau hält es wegen des Antisemitismus für gefährlich, als Verein für die Friedensbewegung einzutreten. .: F r ö h l i ch- Ratibor: Man. könne sich-er Mitarbeit der. Frau im liberalen Judentum nicht entziehen; denn Mann und Frau ergänzen sich bei der religiösen Erziehung aufs glücklichste. Hierauf trat eine mehrstündige Pause ein, die durch ein Festessen für die Kongretzteilnehmer und Vorstands- bzw. Ausschutzsitzungen ausgefüllt wurde. (Zn der Nachm ittagssitzung nahm als erster das Wort: Dr. Vogel st ein- Breslau: Gegenüber Frl. Littmann müsse er bemerken, datz es einen Endpunkt der Entwicklung nicht gebe. Den Lupranaturalismus müsse auch er als stetige Offenbarung anerkennen. Denn mit Lessing sage er: Raphael wäre ein Raphael geworden, selbst wenn er ohne Arme zur Welt gekommen wäre. Da sich jedes religiöse Leben in gewissen Formen auswirken müsse, so sei ihm die Feindseligkeit gegen Richtlinien unverständlich. Wolfsohn-Breslau untersucht den Begriff der Auserwähltheit Israels. Dr. Schweitzer-Berlin hält den Fortschritt zur Klarheit, der sich in den Referaten zeige, für sehr erfreulich. Richtlinien als Kompromitz im Theoretischen lehne er ab. Letzte Fragen lassen sich nicht mit Majorität entscheiden. .Zeder müsse sich bei uns die Religion erringen. Dr. Spitz-Breslau: Er müsse noch einmal auf die Frage des vorhergehenden Tages zuriickkommen: Sind wir eine Jugendbewegung? Er müsse das bejahen, weil wir junge Menschen heranziehen wollen, die die materialistische Auffassung der «Zeit verneinen. — Da der Sabbath kein Ruhetag sei, da er uns an wahrer Frömmigkeit hindere, so mützten wir ihn über Bord werfen. Weit auf am Sonntag die Sgnagogen für alle, die hineinwollen! Dr. Rellhaus-Stettin wendet sich gegen letzteres. Wir dürfen den christlichen Ruhetag nicht religiös sanktionieren. D r. H e i m a n n - S1 e 11 i n fordert Beibehaltung des Sabbaths, Abschaffung des Kolnidre und bedauert, datz die moralische Stellung unserer Führer, dieser Opfer der Parnassokratie, noch nicht Gegenstand der Debatte war. Er bittet um Annahme einer Resolution zur Veamtenfrage. Hirschfeld-Berlin: Alan habe mit dem Sonnlagsgollesdiensl in Amerika beste Erfahrungen gemacht. Die Keren-Hajessodfrage sei allmählich zur Schande für das deutsche (Zudentum geworden. Wir brauchen Klarheit und mützten uns vor allem vor den zionistischen Betrugsversuchen hüten. Dr. Käthe Lindner-Vreslau behandelt die Frauenfrage. Goldner-Breslau: Wir brauchen nicht Erneuerung durch Reform, sondern eine solche im (Znnern. Wir müssen uns opfern für die alten Formen, indem wir unser (Zch zurückstellen. Denn wo sei die Grenze zwischen Ewigem und Vergänglichem? Max Vogelstein-Breslau verteidigt die Aufstellung von Richtlinien. Religion sei nicht nur Ethik, sondern auch irrational. Bager-Breslau verzichtet aufs Schlutzwort. Als Diskussionsredner zeigt er, wie im Judentum eine stetige Wandlung stattgefunden habe. Das war nicht Willkür, sondern, wie er Herrn Goldner sagen müsse, zwingende innere Notwendigkeit. So wollen auch wir handeln unb wollen stets prüfen, ob wir den Bestand des Judentums gewährleisten. (Starker Beifall.) L i l i e n 1 h a l - B e r l i n (Schlutzwort): Es bestehe kein Unterschied zwischen Ethik und „seelischem Rausch" im Sinne Geigers. Allerdings sei Ethik nicht Religion, aber jüdische Ethik sei jüdische Religion. Das Unterscheidungsmerkmal des äudentums sei seine messianische Gukunftsidee. Darum müssen wir dem Frieden dienen, ohne uns zunächst auf bestimmte Fragen festzulegen. Weil diese (Zdee ewiger ist als der antisemitische Hatz, so können wir uns dabei nicht nach dem sittlichen Tiefstand anderer richten. (Lebhaftes Händeklatschen.) Ellen Littmann -Berlin (Schlutzwort): Reue Richtlinien würden einem neuen Schulchan Aruch gleichkommen, und leere Formen müssen wir in der Religion ablehnen, weil wir Gott nur so erkennen können, wie er sich in unserer Seele auswirkt. Darum müsse jeder den Sonntag zum Sabbath machen können» mit der (Zdee des Sabbaths. (Beifall.) Die folgenden Resolutionen wurden einstimmig gefatzt: I. Die Delegiertenversammlung fordert, es mögen die liberalen Organisationen die Beziehungen fji oim liberalen Kreisen und Organisationen des Auslapdes wieder aufnehmen. Sie hält es für notwendig, mit ihnen in einen regelmätzigen Austausch von Nachrichten und Gedanken zu kommen und erstrebt als Siel regelmäßige Kongresse der religiös-liberalen Süden aller Länder. II. Es ist Pflicht aller liberalen Süden, die ethischen Grundsätze des (Zudentums nicht nur äußerlich zu bekennen, sondern auch im Leben zu üben. Sie müssen zusammen mit allen, mit denen ein solches Zusammenarbeiten möglich ist, in der Oeffentlichkeit für sie arbeiten und sie verbreiten. Dazu gehört vor allem auch die Vertretung des prophetischen Sittlichkeits- und Friedensideals. III. Der 4. Delegiertentag der jüdisch - liberalen Sugendvereine Deutschlands weist dringend auf die Gefahren hin, die aus dem Mangel der wirtschaftlichen und amtlichen Unabhängigkeit der Rabbiner, Lehrer und Kultusbeamten für das religiöse Leben und den Bestand des (Zudentums erwachsen. Der Delegiertentag richtet an die Vereinigung für das liberale (Zudentum die Aufforderung, tatkräftig und nachdrücklich schleunigst für die Beseitigung dieses Uebelstandes einzulrö'ten und ihre Ortsgruppen zu veranlassen, in ihren Gemeinden in diesem Sinne zu wirken. Rechtsanwalt Stern-Berlin schlietzt die Tagung. Wir haben vom (Zudentum gesprochen» weil uns Judentum nur liberales Judentum sein kann. Nicht nur das hat uns gepackt, was uns die gegeben haben, die kraft ihrer Stellung fertig sind, sondern erschüttert haben uns auch die Worte derer, die aus innerem «Zwang vor uns hingetreten sind. Wissen und Empfinden find die Säulen unserer Arbeit. Wenn uns das klarer geworden ist, dann bedeutet der 4. Delegiertentag der Arbeitsgemeinschaft einen Fortschritt. Möge unsere Arbeit weiter gedeihen, zur Ehre des deutschen Judentums wie des (Zudentums der Welt! * Dem zehnjährigen Bestehen des Breslauer (Mi galt die Festversammlung, die am 26. Dezember im Saale der Gesellschaft der Freunde stattfand. Nachdem Schuberts „Unvollendete" verklungen war, nahm E u r t B r i e - nitzer-Breslau das Wort zu folgenden Ausführungen: Während vor dem Kriege die (Zugend im 2ndifferentismus erzogen wurde, fei das anders geworden mit der Entstehung der liberalen Jugendbewegung und des Breslauer (Mi. Denn die jüdisch-liberalen (Zugendvereine schaffen erst die Grundlagen, die ein Urteil über (Zudentum und (Zuden ermöglichen. Die Masse versteht nicht die «Zusammenhänge des (Zudentums, weil das vorige Geschlecht die Dinge nicht mit dem rechten Namen bezeichnete. Erst Abraham Geiger hat die völlige Reform der jüdischen Lehre gefordert und den kommenden Geschlechtern den Weg gewiesen, indem er zeigte, datz sich das (Zudentum in steter Entwicklung befinde. Auf den Boden Geigerscher (Zdeen hat sich der Breslauer (Mi gestellt. (Zhm und den grotzen Führern leiste er unbedingte Gefolgschaft. Beweisen wir. so schlotz der Redner seinen mit starkem Beifall aufgenommenen Rückblick, nicht nur durchs Wort, sondern durch die Tat, datz w i r es find, die einstehen für die (Zukunft des deutschen (Zudentums! — Hierauf teilte der Vorsitzende des Breslauer (Mi, Herr Eurt Vrienitzer, mit. datz die Herren Bernhard Breslauer, der Gründer der Vereinigung für das liberale (Zudentum in Deutschland, der Freund der (Zugend, Rabbiner Hermann V o g e l st e i n. der würdige Nachfolger auf dem Stuhle Abraham Geigers, E r i ch Bager, der unbeirrte Führer der jüdisch-liberalen (Zugend. Alfred Berger, der Mitbegründer des Vereins, der Organisator der Jugendbewegung. Emil W a l d st e i n, der sachkundige Freund und Berater, anlätzlich des Stiftungsfestes zu Ehrenmitgliedern des (Zugendvereins ernannt worden feien. — Dann nahm das Wort Herr Gemeinderabbiner D r. V o g e l st e i n, der die Grütze Sie häuft Getroidevorrat auf. 6ft stets auf Hungersnot bedacht; Und jedes Kömlein, das fie fängt. Vergräbt sie hurtig in den Schacht; Sie wühlet in der Erde Leib, Höhlt Trotten aus für ihre Fracht; Und alles, was ste sammelt ein, Das wird von ihr dahin gebracht; Auf Einbruch geht sie täglich aus. Und kommt doch niemals in Verdacht; 6m Sommer liebt das Freie sie. Doch nimmt vor Zrost sie sich in Acht; Darum versorgt sie sich mit Brot, Eh' fühlbar wird des Winters Wacht; 2tn Weiten hat sie Mangel nie, Und ihre Mazza ist bewacht; Lebendig daun begräbt sie sich, Sobald die Ernte ist vollbracht; Sperrt ihre Stätt', wie 6ericho, Hält zu das Eor bei Tag und Nacht. Wenn wieder naht die Sommerszeit. Des Hauses Pforten auf sie macht; Entwindet sich der Veste Schotz, Eilt nach Beth-Lehem auf die 6agd; Sie wähnt, dah, wenn umher sie schweift. So wird sie los der Sünde Tracht; Und während früh noch Alles schläft, Hat sie sich schonhinausgewagt. Bewegend sich von Ort zu Ort, Wie 6emand, der Geschäfte macht; Sie lehrt die Menschen emsig sein — Wer hat ihr dieses beigebracht" — 6m Bette wälzt der Träge sich — Sie aber schaut des Frühlichts Pracht." (Deutsche Uebersotzung von 5. 6. ft a e ni r ) Das jüdische Zilmsujel. Bon Botho L a s e r s 1 e i n. Wenn der Dichter, aus der Not und Verantwortlichkeit seiner Schöpferkraft, den politischen Stoff formt, so wird der (Zuschauer — wie verschieden auch sein Weltbild von dem des Gestalters sein mag — sich in Ehrfurcht dem Geistwilligen neigen. Wenn eine Filmfabrik Konjur-ktur wittert und in die politische Arena hinabsteigt, so hat das etwas Peinliches. Die Gefahr, die aus der Hoffnung des Handelsgeistes auf den politischen Gegensatz droht, betonte schon der Professor Brunner, als er, vor etlichen 6ahren, das Kino zum Kinderschreck zu machen sich mühte. Sie verdient besondere Beachtung, wenn es sich um das jüdische 5 ilmsuje 1 handelt. Um so erfreuter darf man feststellen, datz sich das Laufbild, in dieser Hinsicht wenigstens, bisher von der Mache freizuhalten wutzte. Ein einziges Mal versucht eine kleine Firma, die — wer ahnte es nicht? — in der Pleitzeftadt ihren Sitz hatte, einen Bildstreifen mit ausgesprochen antisemitischer Tendenz auf den Markt zu werfen. „Düfte aus dem Osten" nannte sie den Film, der zeigen sollte, wie die deutsche Negierung, die die Stammesbrüder von der Wolga zurücksetzt, den Ostjuden weit die Grenze öffnet. Wie diese einwandern, nach Berlin kommen, dunkle Geschäfte machen, schieben, betrügen, sich ein Auto kaufen und zu Geld und Ehren gelangen, sollte man. nach einer Ankündigung in. der ,.Lichtbildbühne", anschaulich sehen.Weil er den öffentlichen Frieden gefährde, verbot die Filmprüfstelle Berlin den Zilm nach ö l des Lichtspielgesetzes von 1920. 6mmer wieder wurde er ihr unter neuen Titeln vorgelegt, bis schlietzlich die Phantasie seiner Hersteller versiegte. 6n allen anderen Zöllen aber, wo der Titel auf 6udenhetze schlietzen lietz, zeigte sich die Annahme als irrig. Hier verweise ich auf die „K ra walten - m a ch o r" (Die Wucherer von Berlin), die sich durchweg im adlige,, Milien beme.iteu. Von einer, im dunkelsten Pommern ins i ^Uetei-en chaft zur Verbreitung antisemitischer Ulme , 1'ui feil S dungstag nichts mehr zu hören oder, wohl ,; ■. 11oii^vr, iv iv 'innen. Und auch die Metzterivoche der Deui liin :vn’ii n* t die Mitglieder der deutschnationalen Paria mentsfraktion Uberwiegen und die daher häufig dem Nationalismus Spannerdienste zu leisten trachtete, hat die geschäftliche Bedeutung der 6udenfrage glücklicherweise noch nicht erkannt. 6a, in einem Punkte, scheint mir, hat sich der Zilm sogar Uber das Theater erhoben. Den Kulturmenschen fröstelt, wenn auf der Schaubühne allzu breit die Netardate des Ghetto erscheinen. Schande vergangener 6ahrhunderte wird ihm sichtbar, ragt als Fossil in die Gegenwart. 6m Biorkop waren nur bei „N o b o d g" 6udon in der bekannten Wihblattverzerrung gezeichnet. . Darf man in diesem (Zusammenhang an der Herausmeitzelung jüdischen Leides seit zwei 6ahrtausenden vorüöergehen, die dem Neos- Film mit dr Verfilmung „6 u d i 1 h T r a ch 1 e n b e r g" gelang, nach Karl Emil Zranzos' Noman von Henrik G a l e e n in die Bildsprache übertragen? Wird man diesen Nathanael Trachtenberg Leonhard H a s k e l s vergessen, der östliche Leidensverachtung einzig so wie 5 ch i l d k r a u t traf? Nie wieder seitdem hat sich der Zilm in die Psgche der 6uden versenkt, in die Seele dieser träumenden Nealisten. Und als man jetzt Beer-Hofmanns „Grafen von Eharolais" für die Gipswand gestaltete, da lietz man das einzig 6Udische an diesem lyrischen Drama, das Shglock-Problem, aus und verwandelte den jüdischen Wucherer in einen Nonaissance-Schröpfer. 6hr fragt nach dem Grund? „Uebertrieben ist diese Tragödie des Zanatisn.us", konnte man nach „6 u d i 1 h T r a ch 1 e n b e r g" häufig zischeln hören. Als ob der Ezortkower 6ude Franzos in seiner 6ugend nicht eher Gelegenheit hatte, Ghettomilieu zu erschauen, als Berliner Kinokatzen. Und doch ist die Aeutzerung psychologisch leicht zu erklären. Das jüdische Problem wird gerade jetzt wieder bis zum Ueberdrutz auf den Markt geschleift. So ist der Kinobesucher froh, wenigstens im Zilm damit verschont zu werden. Der verlangt zudem, datz jede Szene nur e'niheitlich gedeutet worden kann. Höchste Klarheit im Vorwurf. 6m Volke aber ist der antisemitische 6nstinkt eben noch nicht so lebendig, als datz durch die Mittel dos Lichtbildes das Gefühl der angeblichen Unterschiedlichkeit geweckt werden könnte. Und dann, das dürfte den Kern treffen: an der internationalen Zilmbörse notieren jüdijches Zilmsujel und Antisemitismus niedrig . . . .

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