Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 3 (1923)
- Issue
- 1 (6.1.1923)
- Date
- 1923-01-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Der Schluß d«ö Delegiertenlages Godann ergriff das Wort Arthur Lilien- 1 hal - Berlin;u feinem Referat über Die Verwirklichung des religiösen Liberalismus. Er legte folgendes dar: Durch das deutsche Judentum geht seit einiger Zeit eine tiefe Sehnsucht nach der positiven jüdischen Lat. Alan sucht nach dem positiven Gehalt des Judentums und findet dabei, der Liberalismus sei doch gar;u wenig positiv, Zionismus und Orthodoxie dagegen, was man vielleicht auch sonst zunächst gegen sie habe, seien viel positiver. Und so dürfte manchen letzten Endes seine Sehnsucht nach dem Positiven dem anderen Lager genähert oder ihn gar?ti ihm herübergeführt haben. Geradezu mit Händen?u greifen ist das bei der Entwicklung der Keren Hajeffod-Zrage im liberalen Lager. Andere Liberale wieder treibt der Drang zum Positiven zu einem gewissen Konservativismus, zur Anerkennung des Zeremonialgesetzes in einem gewissen Umfang. Wie stehen wir nun dazu? Alan mag in der Religion die Vorherrschaft des Gefühls behaupten oder des Verstandes, man mag dem Einzelnen völlige Freiheit in der Befolgung der religiösen Zormvorschristen zubilligen oder eine Bindung an gewisse der Kultur der Zeit entsprechende Formen wünschen, in einem müssen alle Liberalen miteinander übereinstimmen. Die Funktion der Religion im öffentlichen Leben ist die, den Menschen gut zu machen und zur Sittlichkeit zu führen. Religiöse Erhebung und Andacht, religiöse Zeremonie und Form» sie haben nur den Zweck, das Sittliche und Edle im Menschen zu stärken und zu fördern, ihm die sittliche Kraft zu geben. Und darin liegt das Wesen, wenn überhaupt irgend einer positiven Religion, so der jüdischen mit ihrem ethischen Monotheismus, die dem den stärksten Ausdruck gegeben hat in dem so oft zitierten Wort des Micha: „Es ist dir verkündet, o Mensch, was gut ist und was der Ewige von dir fordert, Recht tun und Güte üben und in Demut wandeln vor deinem Gotte." Und weiter nichts. Wer das erkennt, für den kann kein Zweifel bestehen: die grosze positive Tal, die das Zudentum nach liberaler ''Ausfassung zuerst und hauptsächlich von einem jeden seiner Bekenner fordert, ist die sittliche Bewährung im Leben, ist die Befolgung der jüdischen sittlichen Gebote, vor allem die Prüfung jeder einzelnen Handlung des täglichen Lebens daraus, ob sie mit den sittlichen Forderungen des Judentums in Einklang steht, und das Handeln der dabei gewonnenen Erkenntnis gemäß. Das ist gewiß keine leichte, sondern eine unendlich schwere Aufgabe, aber sie ist in hohem Grade positiv. Hier ist uns der Maßstab gegeben, nach dem jede Handlung zu beurteilen, nach dem zu prüfen ist, ob sie eine jüdische ist oder nicht. Richt dann ist eine Tat schon eine positiv jüdische, wenn sie v-^n Süden für oiuh-u oder .'im Süden nach Vorschrift ei- «'l's nach den Anschauungen einer bestimmten Zeit ausgestellten RrÜgionsgesetzes getan wird; sondern nur einen Mohftab gibt es für jüdisch Handlungen: Ob sie sittlich oder unsittiich sind, ob sie oie sittliche Entwicklung der Sudenbe-t und der Mensch'.> it fördern oder nicht, ob sie rocvtocli >-nd oder wertlos. Die Sehnsucht nach der positiv jüdischen Eat ist, so wie sie heute ist, indem sie zu einer nur im ganz äußerlichen Sinn jüdischen Eat ohne Rücksicht aus den Wert ihres Inhaltes drängt, eine Gefahr, eine Verkennung jüdischer Religiösität, die Verwirrung zu stiften und von den eigentlichen religiösen Ausgaben abzulenken geeignet ist. Schreiten wir nun von den Ausgaben, die dem Einzelnen gesetzt sind, zu denen der Gesamtheit. Die gemeinsame Aufgabe aller liberalen Süden ist die Erhaltung und Fortpflanzung des liberalen Sudentuins. Es bedarf der Fürsorge für die Verbreitung des Liberalismus in der Sudenheit, besonders in der Sugend, es bedarf der Einrichtungen, welche dem religiösen Bedürfnis der liberalen Süden entsprechen. Es bedarf schließlich auch der Wahrnehmung der liberalen Sntereffen den anderen gegenüber. Das find Aufgaben, die kein Einzelner aus eigener Kraft verwirklichen kann. Hier bedarf es des Zusammenschlusses, der Organisation. Dem Zweck unserer diesjährigen Tagung entsprechend wollen wir auch hier die grundsätzliche Frage stellen, wie weit der jüdische religiöse Liberalismus seinem Wesen nach imstande ist, die hier entstehenden Ausgaben zu bewältigen. Unsere Bewegung kann und darf keine Massenbewegung in einem gewissen Sinne sein. Sch meine damit nicht eine solche, die zahlenmäßig große Massen ersaßt — das ist natürlich auch von uns zu erstreben — sondern eine solche, bei der der Zulauf und der Zusammenhalt zu einem beträchtlichen Teil auf der Suggestivkraft der Bewegung beruhen. Bei ihr folgt die Anhängerschaft zum großen Teil nicht deshalb, weil der Einzelne nach wirklicher Prüfung den Wahrheilswerl der in dem Programm der Bewegung steckenden Sdeen erkannt hat, sondern weil er unter dem Einfluß der meist durch Schlagwörter hervorgerufenen allgemeinen Suggestion in die allgemeine Begeisterung für irgendein unklar erfaßtes „Sdeal" mit hineingezogen wird. Solche Massenbewegungen schwellen oft sehr stark an, verlaufen sich dann aber notwendig beinahe ebenso schnell auch wieder. Damit können wir nichts anfangen; wir brauchen Überzeugungen, die auf innerer Arbeit und wirklichem Erkennen beruhen, die dadurch die Gewähr der Dauer in sich tragen, und die imstande sind, sichln die folgenden Generationen zu vermitteln. Unsere Bewegung darf nicht aus Schlagwörtern errichtet sein, sondern aus den unverfälschten und nicht demagogisch zurecht gestutzten Sdealen des Sndentums. Wir dürfen nicht überreden, sondern müssen überzeugen. Das bedeutet einen Verzicht auf glanzvolle, schnelle Entwicklung, aber es bedeutet ein wenn auch langsames, so doch sicheres Vorwärtsschreiten und die Gewißheit, daß die Zukunft unser sein wird. Das müssen wir einsehen und daraus die Konsequenzen ziehen. Und die Konsequenz ist: Besonders eifrige Arbeit an unseren eigenen Mitgliedern, d. h., wie jede Erziehungsarbeit bei der Sugend einfetzen muß, vor allem in den Sugendvereinen. Und deshalb ist es besonders zu beklagen und ist es ein besonderes Unrecht am liberalen Sudhntum, daß unsere älteren Liberalen, besonders aber die liberalen Rabbiner, der Frage der liberalen Sugendvereine so wenig Suteresse und Verständnis entgegenbringen. Die Form unserer Tätigkeit ist meist die des politischen Kampfes mit allen seinen Häßlichkeiten. Das schreckt viele ab. Der politische Kamps scheint ihnen allzusehr religiöser Erhabenheit zu widersprechen. Wer davon überzeugt ist, daß das liberale Sudentum das Sudentum ist, daß das Sudentum eine Zukunft nur als liberales Sudentum hat, der hat auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß im Gottesdienste und Unterricht den liberalen Forderungen Genüge getan wird. Denn darauf beruht das Leben und die Zukunft des liberalen Sudentums. Wenn dann durch die Mitarbeit vieler jüngerer Menschen auch die Art und Weise der politischen Tätigkeit mehr in Einklang gebracht wird mit den hohen religiösen Gütern, um die es bei ihr geht, so würde das ein großer Gewinn sein. Gehr Wesentliches für ihren Erfolg können aber auch außerhalb der Bewegung die tun. die heute in der Gemeindepolitik und überhaupt in der jüdischen Parteipolitik tätig sind, indem sie sie würdig in der Form und inhaltlich im Ginne eines entschiedenen konsequenten religiösen Liberalismus führen. Wir liberalen Süden wissen, daß unser Sudentum nicht still steht, sondern in der Entwicklung begriffen ist. Diese Entwicklung kann nur eine solche des gesamten Sudentums aller Länder sein. Die liberale Sudenheit eines Landes, die sich abkapselt von der Sudenheit der Welt, wird dadurch leicht Gefahr lausen, den Zusammenhang mit den großen Quellen jüdischen religiös-geistigen Lebens zu verlieren. Dadurch würde sie — ein von seinem Körper getrennter Glied — die Kraft verlieren, die die Lebenskraft des religiösen Liberalismus bedeutet, und die gerade deshalb nur durch die Kräfte der Gesamijudenheit erhalten werden kann, die Kraft zur schöpferischen Weilergestaltung des Sudentums. Gehen lvir nicht diese Gefahr langsam bei uns selbst aussteigen? Wie lange ist es her, daß bei uns in Deutschland der Liberalismus eine wirkliche Form äußeren jüdischen Lebens erreicht hat, oder, sagen wir richtiger, zu erreichen gewagt hat! Liegt das etwa daran, daß wir schon besonders weit fortgeschritten sind? Oh, nein! Wenn die Gchranken, die unseren Blick jetzt vielfach vom Ausland trennen, gefallen find, dann werden wir sehen, daß dort, besonders in Amerika, aber auch anderswo, vor allem im Gottesdienst vieles verwirklicht ist und blühendes Leben erzeugt hat, was hier bei uns auch noch manchem Liberalen Zerstörung des Sudentums zu bedeuten scheint.. Die Verbindung mit den Süden der anderen Länder ist bei der religiösen Einheit des Sudentums ein Gebot aller religiösen Richtungen. Aber für den Liberalismus ist sie eine Lebensfrage. (Gehr richtig!) Darum müssen wir fordern, daß so schnell als möglich die liberalen Organisationen die Verbindung mit dem liberalen Sudentum des Auslandes herzustellen suchen. Bücher können da manches bedeuten, aber besonders bei den heutigen Verhältnissen nicht alles. Seder, der irgendwelche in Betracht kommende Beziehungen zum Auslande hat, ist verpflichtet, sie unseren Organisationen zur Verfügung zu stellen. Mit ihrer Hilfe müssen Verbindungen von Organisation zu Organisation und von Mensch zu Mensch geknüpft werden. Der Plan muß sein, mit möglichst vielen liberalen Kreisen und' Organisationen des Auslandes in einen regelmäßigen Austausch von Nachrichten und Gedanken zu treten,' und als Ziel muß uns vorfchwebon ein regelmäßiger inter-, nationaler Kongreß aller religiös-liberalen Süden, als ein Gammelbecken für den Austausch jüdischen geistigreligiösen Lebens. (Lebhaftes Bravo!) Gehr förderlich für die geistige Verbindung der Süden aller Länder wäre auch ihr praktisches Zusammenarbeiten auf rein sozialem Gebiete. Leider wird dem bei uns in Deutschland verhältnismäßig wenig Beachtung geschenkt, und doch gibt es in der Ska (jewish colonisation assoeiation) bereits eine Organisation, in der ohne nationalistische Hintergedanken internationale jüdische soziale Kolonisationsarbeit geleistet wird. Gind unsere Aufgaben hiermit erschöpft oder tritt neben die religiöse Pflicht gegen uns selbst und gegen unsere Gemeinschaft nicht noch die Pflicht gegen die Menschheit? Wir sprachen bereits davon: die jüdische Religion ist eine ethische Religion, ihr Monotheismus ist ein ethischer Monotheismus. Der höchste Zweck jüdischer Religion ist die Gittlichkeit. Und diese Sittlichkeit ist, wie es nur einen Sott für alle Völker und alle Menschen gibt, eine für die ganze Menschheit. Dann aber, wenn, wie es in den Richtlinien heißt, die „ewigen Wahrheiten und sittlichen Grundgebote" des Sudentums Wahrheiten und Gebote für alle Menschen sind, dann ist es Pflicht derer, die sie erkannt haben und die ihre Träger sind, sie unter allen Menschen zu verbreiten. (Gehr gut!) Unsere Propheten haben uns verkündete „Zum Berge des Hauses des Ewigen werden strömen alle Rationen. Und viele Völker werden kommen und sprechen: Auf, laßt uns hinanziehen zum Berge des Ewigen . . . daß er uns lehre seine Wege und wir wandeln in seinen Pfaden . . . Dann wird er richten zwischen den Rationen, entscheiden vielen Völkern, daß sie schmieden ihre Schwerter zu Lensen und ihre Gpeere ni Winzermessern. Nicht mehr hebt Volk gegen Volk das Schwert, und nicht mehr kennen sie fürder Krieg. Das ist die große Aufgabe des Sudentums. an der wir, feine Bekenner, arbeiten müssen und aus der wir di? Begeisterung schöpfen wollen und die Kraft, die wir brauchen. Die Aufgabe, die Zeit herbeizufllhren, wo alle Menschen die Pfade des Ewigen wandeln und da. Schwert für ewig ruht zwischen den Völkern. Hier erwächst auch eine Aufgabe nach außen für jeden Einzelnen. in der er sein Sudentum leben, seine Religion verwirklichen kann. Nicht die einzige, den ganze n S n h a l t des Sudentums erschöpfende Aufgabe i st es. wohl aber eine hohe und eine begeisternde. Seder kann und jeder muß an dieser Aufgabe Mitarbeiten, indem er in feiner Person die Gebote des Sudentums erfüllt und indem er überall — bei Süden und bei Ehristen, wo immer er ihn trifft — den Geist des Haffes und des Krieges bekämpft und den Geist des Friedens, der Versöhnung und der Gerechtigkeit verbreitet. So aber können wir nur wirken, wenn wir uns nicht abschließen von der Welt, sondern in sie hineingehen. Die Nächstliegende Form, in dieser Richtung zu wirken. möchte ich ablehnen: die organisierte Mission. Gewiß ist es wünschenswert, und gewiß liegt es im Ginne der Ausgaben des Sudentums, die Zahlen seiner Bekenner zu vermehren; denn das ist ein sicherer Wg, seine Lehren zu verbreiten. Deshalb kann der Einzelne im geeigneten Fall dahin wirken. Deshalb sollen wir Hue bebräifeber poefte # Die Makame von der Ameise. Von 3 e b u b o V e n T h a r > s i. ..Sch' kiii zur Ameise. Du Fauler, sieh ihre Litten und werde klug; sie hat nicht Fürsten, Vogt und Gebieter und bereitet doch im Sommer ihre Nahrung, sammelt in der Ernte ihre Speise". 3m 6. Kapitel von Lalomo's Sprüchen stoht's. 3n welcher Art sich die hebräischen Dichter des Mittelalters an der Bibel emporranken. sei 2ii einem fein empfundenen Ausschnitt aus den „Tochkemoni" des Lharisi gezeigt. Von diesem Mitglied der andalusischen. Dichterschule wissen wir nur. daß er um 1200 gelebt hat. Das 3nteresse für die Makame (den epischen Wechselsang, der deni Orientalen die Schaubühne ersetzt) ist in Deutschland durch Friedrich Nückert's kongruente Übertragung der Geschichte Abu Saids den Sorug des Arabers Hariri aus Basra geweckt worden, der im Wortspiel lebendiger als fein jüdischer Kollege ist. Die folgende Probe aus Tharisi enthält zwar nur einen Geil des Dichterstreits, läßt aber im übrigen deutiich das Wesen der Makame erkennen. „Die staubgeborene Anieise, — angehörig dom Sklavenkreise, — ist sie doch gerüstet auf Heldenweise, — sich zu verschaffen ihre Speise. — 3hrer schmalen und schmächttgen Hüften wegen, — vermag sie rasch sich zu bewegen — und ist zu sehen auf allen Wegen. — Schwarz ist ihre haut, — doch niedlich gebaut — ist ihr Leib, — obgleich sie nicht geboren ist von einem Menschenweib. — 3n schwarzer Eracht — entsteigt sie dem finstern Scl-acht, — noch ehe des Zrührots Pracht — bewältigt den Schatten der Nacht, — und bevor noch die Tore werden ausgemacht. — Sie treibt sich umher auf allen Pfaden und Wegen, — auf allen Steigen und Stegen, — bald ist sie da. bald ist sie dort, — bald an diesem, bald an jenem Ort. — 3n des Winters Tagen. — wird man vergeblich nach ihr fragen; — erst wenn herannaht des Sommers Behagen, — pflegt sie sich auf freien Pfad hinauszuwagen, — um für ihren Magen — Beute zu erjagen. — Nicht will sie lang im Haus weilen, — viel lieber mag sie auseilen, — uni ihren Schritt zu lenken hinan zu Bergesspitz', — oder ihn zu senken — hinab in Talesritz. — Sie arbeitet mit hast, — ohne Na st, — ist fleißig im Schaffen, — ohne zu erschlaffen. — sie strebt imablässig — und ist nicht lässig, — auf Erwerb auszugehen, — um ihr Haus mit Nahrung zu versehen. — Sie ist klein und hager, — und schleppt dennoch zusammen ein großes Lager, — sie reißt und beißt ab Aehren von den Feldern — und verwahrt sie in den Vehälteni, — die sie in der Erde ausgräbt, —worin sie ihren Vorrat aufhebt. — Stets weiß sie mit schai-fem Blick und Geschick — den reichsten Schatzort zu wählen, — abends kehrt sie ins Haus zurück, — doch morgens wird sie auf dem Platz dort nicht fehlen. — Bor des Frostes Schrecken — weiß sie sich zu verstecken — und ist da nicht zu entdecken; — doch sobald der Wärme Fittige sie wecken, — und sie fängt an zu schmecken — Sommergefühl, — eilt sie im Gewühl — der Nachbarsleute — ans auf Getreidebeute. — Und naht heran die Erntezeit, — und ist die Weinlese nicht mehr weit: — so rüstet sie sich nach Gebühr, — verläßt ihr Winterquartier — und eilt zu der Tenne Tür, — gibt den Arbeitern das Geleite, — hält sich an der Schnitter Seite, — um Aehren zu erhaschen — und von den Garben zu naschen. — Da läuft, sireift und schweift sie umher, die arme. — gleichsam begehrend und beschwörend, daß man sich ihrer erbarme; — daß man sich gegen sie großmntig benehme — und sie nicht beschäme; — daß man ihr vom Segen der Tenne — etwas vergönne, — und sie nicht lasse darben — bei den vollen Garben; — daß man sie lasse lesen frank und frei — und ihr gebe kein Geschrei; — daß vielmehr Einer znm Anden« möchte sagen: — „Laßt uns sie nicht verjagen! — sehet, wie sie sich muß plagen! — ihr Behälter ist geleert, — und Saalfelde ’,(•••• : m gewährt." — So eilt sie täglich, wie es nur tagt. — a-..s. w •. ■ me A'aa'. - - v. \', macht 3a gd — auf Verlornes und Be: .e/^ b.-'- — wie rechtlich Erkornes und ihr Angemessenes. — 3hr Verstand — setzt sie in den Stand, — sich Nahrung zu holen aus fernem Land. — und Brot und sonstige Eßwaren — für Hungersnot in Mißwachsjahren — aufzubewahren. — Drum ist ihr jedes Körnlein, das ihr wird beschert, — wie ihr Augapfel lieb und wert. — sie beeilt sich, es zu vergraben. — damit ihm Sturm und Regen nichts anhaben; — und unverletzt bleibt Weizen und Dinkel, — weil sie schützt des Schachtes Dunkel. — Und zieht der Winter ein ins Land. — ui'^d hüllt sich die Erde in ein Leichengewand. — so daß die Menschen das Freie fliehen — und ins Haus zurück sich ziehen: — dann erschleußt sie ihre Vorratskammer geschwinde — und speist ihr Hausgesinde — mit dem. was ihr Fleiß aufgespeichert. — womit ihre Rührigkeit sie bereichert. — So sind ihre kiugen Werke — ein Beiveis für ihres Schöpfers Weisheitsftärke; — und ihr selbst erblühet Ruhm aus ihren Saaten. — Drum Heil dem Rührigen mid Liegen, der sich ein Beispiel ninnnt an ihren Taten, — doch wehe dein Langwierigen und Trägen, der von ihr sich nicht läßt raten; — ihm droht das traurige uud schaurige Los, — einherzugeheu nackt und Kloß, — zu inüssen küssen dos Kummers hagere Lippen, — und zum Erbarmen zu umarnien des Mangels magere Nippen." — Und nun begann er sein Gleichnis und sprach: „Die Heldenmagd in schwarzer Tracht Die Mägde oll zu Schanden macht; Nicht Gürtel kennt sie und nicht Gurt, Doch ist gerüstet sie mit Macht; Wie Mljrrhe ist ihr Leib gefärbt, Doch Mgrrhenduft sie stolz verlacht; Früh geht sie auf die Lauer aus. Noch eh' es tagt, ist sie erwacht; Die Sorg' für ihren Unterhalt Verkürzt den Schlaf ihr in der Nacht; Wenn Tagelöhner auf erst steh'n, Sicht sie schon munter auf der Wacht;;