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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-01-06 · 1 (6.1.1923) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
1 (6.1.1923)
Date
1923-01-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Bezugspreis durch die Geschäftsstelle '/«jährl. Ai. 250,- Einzelnummer.. 25.- Mir die Mitglieder der Bereinigung ist der Bezugspreis :: :: :: im Milgliedsbeitrage einbegriffen. :: :: :: Auzeigeupreie: Die 3 V, cm breite mm-Zette M. 60.- Samilieuaureige« M.40.-. Bei Wiederholung Ermäßig. Die „Jüdisch-liberale Jeituug" erscheint jeden Zreitag, je dreiwöchentlich als wissenschaftliche Beilage „Liberales Judentum" uud „Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugeudvereine". Ar. 1 * 6. Januar 1923 * 3. Jahrgang Redaktion « ud Geschäftsstelle: Berlin W. 6, Mauerpratze 22 (Derelnlguug für das liberale Judentum e. D), Zern ruf: Amt Jeutrum 162 Auzeigeu-Anuahme bei der^ Geschäftsstelle Sämtliche Zahlungen: Postscheckkonto Berti« RW. 7 Rr. 157069 (Bereinigung für das liberale Judentum e.B.). Der Schluß des Delegiertentagee. 3nfolge Wechseln« unseres Erscheinungsortes haben sich Schwierigkeiten in der Berfeudnng der Zeitung uud in unserem Büro ergeben. Wir bitte« nusere Leser uud Mitarbeiter» hierauf in nächster Zeit gütigst Rücksicht nehmen zu wolle«. Alle für die Zeitung bestimmten Seudungeu sind uunmehr au die Geschäftsstelle der Jüdisch-liberalen Zeltuug, Berlin W. S, Mauerstratze 22, zu richten. Redaktion uud Verlag der Jüdisch-liberalen Jeitung kreslauer Tagung. I. Durch enge Hassen wandere ich dieser betulichen r .adt, an den Resten der Hildenzeit vorüber. Auf den rücken des Domviertels stehe üh lang, daß mir die Dder Geheimnisse entschleiere. Ihr kennt die Weise? vemit diese schiefen, erquälten Vergleiche zwischen den Lärmen der Konferenzstadl und den Tagungen? Lins ist, dennoch, zu bemerken: Die Breslauer jüdische Hemeinsrhaft mit ihrer vertiefteren religiösen Kultur, mit ihren an jüdischem Erleben reicheren Menschen — vom Standpunkt gesehen — gibt einen guten Re- 'ino 'den für eine Tagung solchen Hedankenfluges. n>ürrV sie? II. QGz'DC2/c)G/öG/OG/De/«)<y3G/öC/Z>G/DC/c>e/OC/öe/De/c)G/DG/t)G/DG/t>© Aus dem Snhalt: Bou den Berhaudluugeu des Delegierteutages der 2lis. Referat: Arthur Lilienil) al-Berlin: Die Verwirklichung des religiösen Liberalismus. — Diskussion,. — Zestversammlung aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des Breslauer Ili. Aus hebräischer Poesie: Jehuda Ben Lharisi: Die Makame von der Ameise. — Botho Laserstein: Das jüdische Zilmsujet. Die jüdische Gegenwart. — nichts,der Jude wird verbrannt. Worten. Bruno Wog da: Tut — Büchertisch. — Ant- § Q G/0 Q/ö 2/Ö Q/Q G/D Q/*> G/D G/D Q/S 2/0 G/O G/D C/O Q/b G/ö G/t> Q/t> 0/0 G/® © Lturmreichen. Die Rativnalsozialisleir oerüblen in den letzten Tagen in München mehrere Ueberfälle aus jüdische ötudenten, von denen eine Anzahl Verletzungen davontrugen. Auch ein rituelles jüdisches Ipeisehaus wurde überfallen und man mißhandelte die Gäste. Diese erneute Pogromaklioität der Rationalsozialisten wird von den bayerischen Juden mit Besorgnis oeirachret. '"i Repräsentantensaal, in dessen schwerer, düsterer elung sich die Sachlichkeit jahrzehntelanger Degefangen zu haben scheint, die Geschäftssitzung. Egon Di ck mann referiert. Ans Manuskript gebunden, ruhig und nüchtern. Vorschläge, nicht bahnbrechend, aber doch die Erfahrungen der Arbeit so zusammenfassend, daß sie der Diskussion den Kopf abschneiden. Diese plätschert im Für und Wider. Fwei Probleme kristallisieren sich. Lind wir eine Jugendbewegung? Robert Hirschfeld, ganz Kamerad, leugnet's. „Wille zur Lebensreform ist Voraussetzung der Jugendbewegung." Vogel st ein, Vater und Lohn, finden (in getrennter Linie) die Lösung. Jener: „Als religiöse Bewegung haben wir den Willen zur Lebensreform, müssen wir ihn haben." Vieser: „Wir sind eine Jugendbewegung, weil wir den Willen zur Jugendbewegung haben." Lo wird's deutlich. Deutlich auch, wie man sich in der Frage der Massenbewegung durchgerungen hat. L i l i e n 1 h a l übernimmt die Führung. „Wir können keine Massenbewegung im Linne des potrtisch-volkspsgchologischen Lchlagworts werden." In der ^eit nach dem Rovemberumsturz las man's anders. Drum schlägt jetzt das Pendel nach der entgegengesetzten Leite aus. Nicht bei L i l i e n t h a l, Irl. Fröhlich, die auch die Mitläufer zu schätzen wissen. Die Stimmung der Mehrheit aber ist auf der Leite derer, die schärfste Siebung bei Aufnahme neuer Mitglieder fordern. Rur Köpfe. Beispiele verloren ihre Beweiskraft. Sah man nicht, wohin der Führermarasmus in der bürgerlichen Friedensbewegung, im Hegensatz zu Lozialismus, Fionismus, führte? ui. Licht des Wintertages durchflutet verschwenderisch die Räume der Loge, wo das religiöse Turnier statthat. Ellen Littmann und ErichBager gliedern die Wurzeln des Liberalismus im Judentum. Alles im Weltall, Geist und Materie, ist der Entwicklung unterworfen. Wie, wenn Entwicklung zu Revolution wird? Diese öorge gilt es den Referenten, Frl. Littmann durch Erziehung zur Selbstperantwortung, Herrn Bager durch elastische Richtlinien, zu beseitigen. Als wenn nicht nur Starrheit zu Freiheitsmißbrauch führte, das Gesetz der Beharrung, von keinem Redner des Tages beachtet, nicht ständigen Ausgleich schaffte. Lo fehlt diesen Theoretikern die Freude am Begriff, die den intuitiven Logiker vom (nicht geringer zu wertenden) Praktiker scheidet. Bager kennt diese Grenze nicht. Auch Ellen Littmann ringt noch nach letztem Erkennen. Lchon in der Stimme das unsicher Tastende, das nur von Kanzelpathetik verdeckt wird. Warm wird sie bei der Frage des Lonntagsgotlesdiensles (diesem allerdings brennenden Problem, das so bald nicht wieder zur Ruhe kommen darf), bei der Schilderung der Stellung der Frau im Gotteshause — im 20. Jahrhundert. Auch hier dei Lolches ereignet sich — es ist kein Druckfehler — im 20. Jahrhundert. Jni Deutschland Goethes, Schillers, Herders, Lessings, Heines. Bier Jahre nach einer Revolution, die den alten Machthabern kein Haar gekrümmt hat, lassen diese schon wieder durch gekaufte „Zührer" das Volk vergiften. Alles wird jetzt darauf ankommen, daß die Regierungen die Rechtssicherheit zu gewährleisten vermögen. Denn sonst schwindet mit der Aussicht auf die amerikanische Milliardenanleihe die Hoffnung, daß wir jemals wieder zu geordiÄ'ten Verhältnissen zurückkehren können. Jüdische Statistik. Auf einer gemeinsamen Ätzung der Vertreter der Hilfsexekution (Jüdische Welthiifskonferenz), sowie der Gesellschaft „Ort und Ozo" ist beschlossen worden, eine Jeitschrift für jüdische Demographie und Jtatistik in Berlin zu gründen. Dem Redaktionskollegium der neuen Jeitschrift sollen die Herren Dr. D. Brutzkus, J. Leschzinskg und Dr. Jegal angehören. Agudas Israel uud zionistische Organisation. Auf der Ende Dezember tagenden Ätzung des Jentrairates der Agudas Isroel nahm die Palästinaarbeit den breitesten Raum ein. Ts wurde folgende Resolution gefaßt: 1. Agudas Isroel legt erneut Verwahrung ein gegen die rechtliche Anerkennung der zionistischen Organisation als Javish Agencg in dem Mandat für Palästina und fordert für die von ihr vertretenen überlieferungstreuen jüdischen Massen, auf deren wirtschaftlichen und moralischen Leistungen der Iischuw bis zum heutigen Tage fast gänzlich aufgebaut ist, zum mindesten paritätische Anerkennung. 2. Die Tntsendung eines Vertreters oder mehrerer Vertreter in die Jewish Agencg ist für Agudas Isroel nur dann möglich, wenn a) gleichzeitig die im Mandat nur als vorläufig vorgesehene Monopolstellung der zionistischen Organisation für beendet erklärt wird, b) wenn jede Mojorisierung in Angelegenheiten, die von den Vertretern der A. I. als religiöser Natur oder mit Religion in Jusammenhang stehend bezeichnet werden, ausgeschlossen wird. Deutsch-jüdische Kolorrijationsarbeit. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat seinen Vorsitzenden Herrn Geh. Lonitätsrat Dr. ötern als Vertreter bei der Ica abgeordnet. Die Vertreterschaft Dr. Sterns wurde zunächst auf fünf Jahre festgesetzt. Sollte Geheimrat Stern in diesen fünf Jahren aus dem Gemeindevorstand ausscheiden, so wird er laut Be- .'■i '?: Ve.'tr.->ü->r!"gen. stärkere Eindruck: Praxis. Doch die Rednerin kann im Gegenpol eine Hoffnung bedeuten . . . Erfreulich beim Mangel an theorelifchem Nachwuchs in unseren Reihen. Lilienthal betritt das Podium. Ihm fehlt die Mischung von Ruhe und Temperament, aus der die Rhetoren wachsen. Aber fein Konzept ist kristallen, läßt Architektonik spüren, steigert sich und weiß abzulenken, zeigt die Fülle der Aufgabe, um, über Erziehung, Abwehr, Kolonisation, internationalen Fusammenschluß, in unsere Menschheilsaufgabe zu münden: milzuarbeiten am Gottesreich, das ein Reich der Erden ist. Was habt Ihr getan, Ihr Auserwählten, sie zu erfüllen? Rur mehr als Schamade klingt die Frage aus Lilienthals Munds. IV. Auch so geht die Diskussion nicht mit. Darf man sich aber bei Erfüllung höchster Pflicht von der Rücksicht auf den Antisemitismus leiten lassen? So läßt Johann Restrog seinen Krähwinkler Dichterling sprechen: „Es war halt eine schöne Lach', wenn einem nichts eing'sallen is und man hat zu die Leut' sagen können: „Ach, Gott! Ls is schrecklich, sie verbieten einem ja alles . . ." " V. Sonst folgt der Disput den Borträaen in Höhen und Untiefen. L ch w e i tz e r würdigt t Referate Hn Rahmen der Entwicklung des Liberal uns. ö v i y, mit schönem Pathos, spricht über Jugendbewegung. D r. B o g e l st e i n prüft den Begriff der Offenbarung, ö t e r n und H i r f ch f e l d suchen nach der siid:schen Tat, können an Keren Hajessod und den anderen mannigfachen Scheinaufgaben der Gegenwart nicht vorübergehen. Das Interesse wendet sich den Fielen und Wegen zu. Die Richtlinien und die Gefahr des neuen Lchulchan Aruch. Der Lonntagsgottesdienst: einerseits, andererseits. Man fühlt, daß die Frage, noch nicht spruchreif, zur Reife drängt. Die Frauenfrage. Frl. Fröhlich findet packende Worte über die religiösen Aufgaben der Frau im liberalen Judentum. Lo bietet die Debatte Anregungen für die Klärung der jüdischen Frage auf lange Feit, sind der Auseinandersetzung wieder einmal Möglichkeiten gewiesen. Und^ wie sie alle hier, ohne Mißklang, aus innerlichem zwange, in knapp bemessener Feit, das Kämpfen ihrer Seele mit der oft nur gefühlten Allmacht Gott vor uns ausbreiten, sind sie Israeliten, Gottesstreiter. VI. Run die Gestalten. Bor allem der prachtvolle Gemeinderabbiner. Milten zwischen den Amtsgefchäften ist B o g e l st e i n immer der Frische, gleich Interessierte — und andere ziehen sie nieder. Und daß endlich einmal einer unserer Führer-Theologen einer solchen Tagung, jeder Geschäftssitzung auch, vom ersten bis zum letzten Augenblick angewohnt hat, wird nicht vergessen werden dürfen. Robert Hirschfeld, mit diesem malitiösen Bleistift, der jedem Wort Schärfe verleiht. Albert Hamburger, Jüngling im Greifenhaar, Feuerkopf, belebender Hauch. Turt Brienitzer, Führer der Breslauer Jugend vom Wort zur Tat. Unter den Frauen reißt die Ratiborer Delegierte Fröhlich sofort die Führung an sich. Unter den Jüngsten zwei merkwürdige Gegensätze. Ernst Heinrich Seligsohn, Ilifchulung, unverkünstelt, mit dem Willen, die Problematik zu meistern. Martin Goldner, Kamerad, Mgstiker, mit dem brennenden, inwärts gekehrten, doch in unendliche Fernen schweifenden Blick, die Sprache faszinierend. „Wir können keine Klarheit erringen." D r. B o g e l st e i n : „Können?" Goldner: „Wir wollen es nicht!" Tableau. VII. Eine tiefere Problemstellung im jüdischen Liberalismus ist in der letzten Feit unverkennbar. Die „Jüdische Rundschau", Palästinaweiser in Deutschland, schrieb es in diesen Wochem Knüpfte daran die Hoffnung, daß diese Entwicklung zum Fionismus führen werdtz. Der Verlauf der Breslauer Tage zeigt, zwischen Gefchäftsfitzungen, Borstandsberatung, Festessen und erhebendster Jugendfeier, daß nichts diese Hoffnung mehr vernichtet als der Wille zu bedingungsloser Klarheit, der von dieser Jugend ausgeht, der s i ch d e r B e w e g u n g m i t t e i {? u rn ß u n d d c r i h r eine ungeheure ü> i a g k r a j t verleihen wird. Botho Laserstein. Jugeudverems-Auzeigen LE" letzte Seite.

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