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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-12-01 · 48 (1.12.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
48 (1.12.1922)
Date
1922-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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müssen die verschiedenen Funktionen auf wenige Beamte vereinigt werden; auf dem Lande müssen Gemeindeverbände geschaffen werden, die ihre Beamten ausreichend besolden können — mit Hilfe der Landesorganisation, wenn eS fein muß —, die dafür aber auch die ganze Arbeitskraft der Beamten in Anspruch nehmen dürfen und müssen. — Nichts ist zn erwarten, das sei kurz hinzugesügt, von sogenannten Hilfs- und Notstandsaktionen. Abgesehen davon, daß sie entwürdigend sind, daß sie an Stelle der Pflicht das Mitleid setzen; sie sind auch zwecklos, wenigstens im Hinblick auf den Endzweck, den wir im Auge haben. Derartige Aktionen sind angebracht in Ausnahmefällen, wo es gilt, einem temporär und lokal ans tretenden Zustand abzuhelfen. Man hat das traurige Problem, das wir heute so ausgiebig erörtert haben, immer als ein persönliches behandelt, als das jüdische Beamtenproblem. Das ist gewiß richtig, denn es handelt sich nm Sein oder Nichtsein von einigen Tausend Familien. Es ist aber dartiber hinaus, und das dürfen wir keinen Augenblick vergessen, das jüdische Problem in Deutschland. Von seiner Lösung hängt auch das Sein oder Mchtsein des Judentums in unserem Vater- I lande ab. Es gibt heute schon ganze Landstriche, wo die z jüdische Jugend ohne jegliche religiöse Unterweisung aufwächst, l In meiner hessischen Heimat gibt es Knaben, die das Barj mizwah-Alter erreicht haben, ohne daß sie den entsprechenden Unterricht finden können. Nichts wird die Entwicklung dieses Ausnahmezustandes zum Normalzustände auf dem Lande aufhalten, wenn sich die Verantwortlichen nicht endlich zur Tat auftaffen. Und in diesem Zusammenhänge sollte auch einmal ernstlich die Frage diskutiert werden, ob angesichts solcherVerhältnissediedeutscheJudenheit aoch die Pflicht und das Recht hat, sich für finanzielle Aufgaben außer Landes zu engagieren, die den deutsch-jüdischen Notwendigkeitenohne Zweifelgewaltige Mittel entziehen. Es ist die letzte, höchste Not! Die Stunde drängt! Vielleicht düngt die nächste schon keine Hilfe mehr! Ilus öem Lager öer Kantoren. von Oberkantor Hermann Zivi, Elberfeld. ' Die gewerkschaftliche Sicherung des Beamtenstandes hat, Wie auch die wirtschaftlichen Verhältnisse immer liegen mögen, eine relative Anpassung der Gehälter herbeigefühü, der, wenn sie auch das Existenzminimum nicht ganz zu erfüllen vermag, ein gewisser Gerechtigkeitsgedanke nickt abgesprochen werden darf. So verhält es sich wenigstens bei den Staatsbeamten, so verhält es sich auch bei den Kommunalbeamten; nur bei den Mischen Kultusbeamten verhält es sich noch nicht so. Um es gleich vorweg zu nehmen, ich schreibe nicht pro domo; bei uns m Elberfeld sind dank einer verständnisvollen Gemeindevertretung alle solchen Fragen restlos erfüllt. Ich schreibe aber für das Heer der Unglücklichen, deren wirtschaftliche Lage einfach trostlos ist. Diese Unglücklichen befinden sich nicht nur in kleinen und Mittelgemeinden; sie befinden sich ebenso in größeren und ganz großen Gemeinden. Was da für Ungeheuerlichkeiten zum Himmel schreien, spottet jeder Beschreibung; das weiß nur derjenige, der sich dafür interessiert, vereinzelt auch derjenige, dem es von außen her zum Bewußtsein gebracht wird. Die gähnende Kluft zwischen dem Einkommen der jüdischen und dem der gleichartig oder ähnlich vorgebildeten nichtjüdischen Beamten ist abgrundtief, und der Fälle meiste laufen darauf hinaus, die religiösen Funktionäre der jüdischen Gemeinden entweder am Hungertuch nagen zu lassen, oder, wenn sie sich zu etwas anderem eignen, aus dem Beruf zu vertreiben. Schon ist es spät, um nicht zu sagen zu spät, und wenn nicht bald Erkenntnis plahgreift, wo in den jüdischen Gemeindestuben Verstocktheit und Mangel an gutem Willen herrscht, dann wird die Zeit nicht fern sein, wo die Die geborene "Eugenüreich. Ein Grosist adtroman von Oskar JonS Miltman. {81. Fortsetzung.) - Fräulein Witt hatte anfangs von diesen Gefühlen, die die alte Hellriegel begünstigte, gar nichtgemerkt und sich außerordentlich aus einer gemeinsamen Sonntags-Spazierfahrt vergnügt. Behaglich saß sie neben der Mutter, und den alten Damen gegenüber, im offenen Landauer, während Ottchen an der Seite deS kutschierenden Orje auf dem Doll thronte. Man stattete zunächst dem Later in der ländlichen Abgeschiedenheit Friedrichsfeldes einen kurzen Besuch ab, da er schon lange nicht seine ganze Familie bei sich gesehen hatte. „Das erste Mal, daß ick hier mit de Drotschke fahre, un keener iS doll", konstatierte die Ahne mit sichtbarem Stolz. Bor dem Friedhof warteten Orje, weil er die Pferde nicht allein lassen konnte, und seine schnaufende Mutter, die, w-ie erinnerlich, schon vor der Kolberger Reise an Minnis Munterkeit Gefallen fand. Trotz der ernsten Visite verliefen die weiteren Stunden in Heiterkeit, und aus der Rückfahrt von KarlShorst, bis wohin die Rösser sich gewagt hatten, nahm Minni, einer dringenden Bitte Orjes folgend, den Platz auf dem Bock ein. Zwar schien es ihr schon wegen des Hmaussteigens ein wenig ängstlich und genierlich, aber Orje wußte zu überzeugen: „Wenn die Biester fünfzehn Kilometer geschluckt haben, sind se fo fromm, als der Pfarrer m,t de Milchflasche und Schnaps drin!" - Der junge Hellriegel bemühte sich, den Herrenfahrer zu spielen, und Minni knallte wöhlich mit der Peitsche, als man abends die Frankfurter Allee heimwärts ratterte. „Kommen Se man öfter mit!' — Nach dieser freundlichen Aufforderung der Witwe Hellriegel sagten sich alt und jung gute Nacht. — „Mutter, Du mußt bald mit Mittenreden! , drang One. „Sie jeht schon lange mit den andern, un ick trau mir mch. So machte denn Frau hellriegel, fest überzeugt von der freudigen Bereitschaft der Wittschen Damen, ihren Herratsvorschlag und war natürlich baß erstaunt, als beide bestimmt, wenn auch bedauernd ablehnten. Auch in diesem Falle verließ dre Debatte bald die Gepflogenheiten des Salons oder eines kultivierten Parlamentarismus, und die gekränkte Werbcrrn Konnte nicht umhin verschiedenes zu bemerken, was Negma das Blut m die Wangen trieb. „Daß so'n Mann mch reelle Absichten hat, ivllten Sie doch am besten wissen! -- — konnten Jott im Himmel danken, wenn Ihre bettelarme Iöhre mal n Jeschäft herrat, wo se alle Tage vierspännig fahren kann un keene Hand zu rühren brauch. Wenn mein dämlicher Lengel mch so vanckt wäre, verwahr' ick mir ohnedem jcjcn Euch saubere Gesellschaft! Na denn nick, liebe Tante, unse Freundschaft hat n Loch, un ick kündije aus der Stelle. Ihr habt hier lange jenug rn mem Anwesen forn Pappenstil jewohntl" — jüdischen Gemeinden auch ohne Kantoren, ohne diesenkaen Funktionäre sein werden, die al§ die Hauptträger des jüdischen Gottesdienstes anzusprechen sind. Die rechtliche Lage des Kantors ist heute so, daß sie immer mehr ins Schwanken gerät, und solange man ihm die formale Anerkennung des Beamtentums versagt, solange setzt man an die Stelle des Rechtes die Macht und das Unrecht. Ja, Macht und Unrecht, wir Inden wissen ein trauüges Liedchen davon zu singen; aus der mehr als tausendjährigen Leidensgeschichte unseres Stammes wissen wir zur Genüge, was es heißt, wenn unser ganzes Sehnen und Hoffen, unser ganzes Sinnen und Trachten nur dem einen Ziele gilt, eine gerechte Behandlung über uns ergehen zu lassen. Im allgemeinen ist im Laufe der Zeit scheinbar manches zwar besser geworden, nur in den jüdischen Gemeindestuben herrscht man vielfach noch mit einer Selbstherrlichkeit, die an die finstersten Zeiten des Absolutismus eünnert. Unsicherheit in den Anstellungsverhältnissen der Gemeindebeamten, damit infolge übler Laune die Zuchtrute geschwungen werden kann, vollkommen unzulängliche Bezahlung, damit es dem Beamten nicht zu wohl wird, das sind in großen Zügen die Fundamentalsätze, nach denen der jüdische Kantor vielfach noch „regiert" wird. Das Maß der Schuld auf seiten derer, die also schalten und walten, ist übervoll, und die Zeit, wo ein neuer Geist in die jüdischen Gemeindestuben einziehen muß, verlangt gebieterisch ihre Rechte. Der Allgemeine Deutsche Kantorenverband war stets bestrebt, einen tüchtig vorgebildeten und innerlich zufriedenen Kantorenstand zu schaffen; die Gemeinden haben versagt, sie haben kein Verständnis dafür gezeigt. Nunmehr macken wir uns all das zu eigen, was an Möglichkeiten für die von uns vertretenen Berussgenossen erreichbar ist; nicht mebr, aber auch nicht weniger. Wir verlangen eine Sicherstellung des Kantors hinsichtlich seiner Anstellnngsverhältnisse, analog der Anstellung, die dem Beamtencharakter entspricht; wir verlangen grundsätzlich die Anstellung auf Lebensdauer, ohne indessen die Erkenntnis von der Hand zu weisen, daß jeder Gemeinde eine sogenannte Bewährungsfrist von 2 oder 3 Jahren anheimgestellt sein muß, innerhalb der das Anstellungsverhältnis aus dem Begriff der „Bewährung" heraus kündbar sein soll. Diese Forderung bezieht sich in ihrer Auswirkung auch auf das Alter nach zurückgelegtem 27. Lebensjahre: vor diesem Zeitpunkt ist mit entsprechender Kündigungsfrist überhaupt jede Anstellung widerrussfähig. Den größten Nutzen von einer solchen Sicherstellung des Kantors werden die Gemeinden selbst haben. Nicht aus übertriebener Menschenfreundlichkeit haben Staat und Kommune diesen Modus der Anstellung geschaffen; sie wissen vielmehr beide sehr wohl, daß nur ein von menschlicher Laune unabhängiger Beamtenstand sich in seinem ganzen Wesen entfalten und seiner Aufgabe gerecht werden kann. Was im allgemeinen von dem Beamten als solchem zu gelten hat, das gilt bei einigermaßen vorhandenem Gerechtigkeitssinn auch vom Kautor einer jeden jüdischen Gemeinde im besonderen. Oder bedeutet er in den Augen der Gemeindegewaltigen vielleicht weniger, vielleicht ein notwendiges Uebel oder nicht einmal das? — Nun, dann allerdings bin auch ich der Meinung, daß man ihn aus dem Gemeindeleben ausschaltet, und zwar radikal und aus die schnellste Methode. Die Gemeinden werden dann schon sehen, wohin das führt und was aus ihnen wird. Solange aber solche Ansichten nur vereinzelt dastehen, wird hoffentlich ein modus vivendi bezüglich der Anstellungssorin des Kantors nicht allzulange mehr auf sich warten lassen. Einen modu8 vivendi in des Wortes ureigenster Bedeutung erheischt auch die über alles Maß notwendige Regelung der Gehaltsbezüge. Was fange ich mit einem Beamten an, der die Zusicherung hat, lebenslänglich angestellt zu sein, und die Aussicht, mit seiner Familie, mit Weib und Kindern, lebenslänglich hungern zu müssen? — Der Gedanke allein ist so schrecklich, daß er ohne Kommentar ganze Bände umschließt. In dieser Beziehung haben die meisten jüdischen Gemeinden schwer gesündigt, so schwer, daß sie lauge daran „Denn brauchen wa nick erst zu sagen, daß wa schon lange in Charlottenburg jemiet haben," beeilte sich die Großmutter einzustreuen. „Immer raus mit Euch, hochneesijes Pack! Ihr sollt noch ma vor mir uff de Knien rutschen!" — „Solange wer'« Sie nich leben!", diagnostizierte die Alte, und damit schloß der erste Teil dieses Zwischenspieles. — Orjes Liebe steigerte sich zur Raserei. Er wartete stundenlang, um Minni nur sehen zu können, und wenn er sie traf, zitterte er vor Erregung. „In alle Blätter soll es steh'n, wenn ick uns drei totschieße!", murmelte er. Die alte Hellriegel dachte nicht an Mord und Totschlag, sondern sann auf verfeinerte Rache. Dorum schrieb sie mühselig, aber weder säuberlich noch logisch an Fncks und Freitag, daß „wenn Sie mir auch Ihre Kundschaft vertragen haben, ich doch Ihre Firma warne, die Tochter von solch eine Frau zu nehmen. Die ganze Straße weiß, wenn das Mädchen geboren wurde, und daß sie erst hinterher geheiratet hat. Daß der Selige der Vater nicht war, kann sich jeder an die Finger abzählen, und ob sie überhaupt weiß, wer, soll sie mal selber sagen." — Max öffnete bei der Durchsicht der Frühpost das Skriptum, dem der Dufteines starken Ceifenparfurus und diese? Bekenntnis einer schönen Seele entströmte. Neben ihm stehend, laS der Vater mit, und beide waren starr vor Entsetzen. „Gib nur her I", flüsterte JonaS und steckte den Brief hastig in die Brusttasche. Um zehn beurlaubte er sich wie immer zu Mitscher und Caspary, er ging aber nicht dorthin, sein Gläschen zu trinken, sondern schnurstracks nach Hause. „Ein Unglück kommt nie allein, und ich Hab mir überhaupt alles von vornherein gedacht. So sehr ich mich mit Händen und Füßen dagegen gesträubt habe, jeht tut mir der Junge fast leid!", stöhnte Jettchen. Die weitere Aussprache, welche diese unheilvolle Wendung erforderte, verlies relativ friedlich. „Du siehst, mein Kind, daß Eltern immer zum Guten raten und wir nur Dein Bestes wollen. Du warst verblendet, schlag es Dir aus dem Kopf", tröstete die Mutier. Der Vater wußte nichts von Belang hinzuznfügen, Max aber wehrte verzweifelt ab: „Ich muß mir Gewißheit verschaffen, ich kann eS nicht überwinden!" — „Warten Se ruhig noch 'n Halbftündeken, die müssen balde von de Wohnungssuche retour sind!", empfing die Ahne den neugebackenen Großkaufmann, als Max sich am Sonntag um die Tischzeit in der Pallisadenstraße einfand, um Minni zu lang geplantem Ausslug abzubolen. „Es is Zeit, daß wa rauskomm, wenn ick auch hier jewobnt bin un jern abjestorben wär. Aber die Hellricjeln..." — „Macht mir auch Sorge", ergänzte der emeritierte Gelehrte. — „Jnwosern denn, un es is pure Eifersucht von den Kerrell", taxierte die Alte. „Vielleicht, aber sie schreibt sehr böse Tinge gegen Minnis Mutter, und darum ist es mir lieb, daß wir allein sind und Sie mir erklären, I dah kein Wort davon wahr ist." — „Junger Mann!, wenn ick sagen soll, denn lassen Se sich mch mit son Volk in; da bleibt unsereins ewig ins Unrecht, zu büßen haben werden. Ske haben mit dem Leben vo« Existenzen gespielt, ohne auch nur daran zu denken, daß dar Leben anderer ebenso wertvoll ist, wie das persönlich eigene; üe haben ihre Schicksalsbeflissenen auf den Gemeindesessü berufen, und mit totaler Verständnislosigkeit für die notwendigsten Aufgaben der Zeit haben diese wiederum der buchstäblichen Not der hungernden Beamten stets eine falsche Valuta zugrunde gelegt. Welche Seelenstinnnung mag'da in manchem Kantor erwachen, wenn er „zur höheren Ehre Gottes" seine Gemeinde singend erbauen soll! Alles in allem gibt es nur eins: Sicherung der Anstellungsverhältnisse bei Gewährung der Gehalts-, Pensions- und Hinterbliebenen-Versorgungsbezüge nach Maßgabe der mit automatischer Kraft ausge st arteten staatlichen Besoldungsorßdnung. Wenn nicht, nun dann werden die Gemeinden den Rest eines deutschen Kantorenstandes allmählich zu Grabe tragen. Vor der Geschichte aber werden sie sich einstens verantworten müssen wegen des Unheils, das sie in Verblendung und Kurzsichtigkeit über das deutsche Judentum heraufbeschworen haben! — Die Mische Gegenwart Die Badische Landessynode tagte kürzlich in Karlsruhe unter dem Vorsitz des bisherigen Präsidenten Dr. Nathan Stein, Karlsruhe (liberal), um über den Voranschlag für das Jahr 1922/23 zu berate«, Die wichtigsten Punkte betrafen die Besoldung der Rabbiner der Landbezirke, namentlich aber der Lehrer der Landgemeinden. Nach der Regelung des letzten Jahres erhalten die größeren Gemeinden für ihre Angestelltengehälter keinerlei Zuschüsse aus der LandeSzentralkaste; die durch die Landeskirchensteuer aufgebrachten Mittel stießen vielmehr, soweit sie nicht für andere Zwecke bestimmt sind, ausschließlich den Landgemeinden zu. Der diesmalige Voranschlag schließt, bei einem Gesamtbedarf von rund 13,1 Millionen Mark, mit eine« durch die Landeskirchensteuer aufzubringenden Betrag von 12 750 000 Mark ab; hiervon sind als Zuschüße zu den Gehältern der Religionslehrer und Kantoren der kleineren Gemeinden 6 280 000 Mark, als Zuschüsse an den Pensionsfonds 3480 000 Mark und als Zuschüsse zu den Gehältern der Rabbiner von Landbezirken 750000 Mark bestimmt. Es leuchtet ein, welche Aufwendungen die größeren badischen Ge* meinden für die Landgemeinden bringen; ihre örtlichen Bedürfnisse sind durch die Ungunst der Zeiten selbswerständlich ebenfalls sehr gestiegen, und ihre Belastung ist infolge der Fürsorge auch für die Landgemeinden, insbesondere gegenüber außerbadischen Gemeinden, eine recht beträchtliche. Es wird daher Sache der nächsten Synode sein, die über den neuen Derfassungsentwurf zu beraten hat, den Einfluß der größeren Gemeinden ihrer Zahl und ihren Leistungen entsprechend zu stärken. Die bisherige Wahleinteilung gewährte den Landgemeinden ein nicht gerechtfertigtes Uebergewicht. Die stärkere Vertretung der größeren Gemeinden wird auch den Liberalen eine bessere Möglichkeit der Vertretung bieten, als es bisher der Fall war. Wir werden aus den Berfassungsentwurf noch zurückkommen. Kopfbedeckung auf, Kopfbedeckung ab! Wir hatten seinerzeit von einer Verfügung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin berichtet, wonach der hebräische Unterricht an der VI. Religionsschule mit Kopfbedeckung statizusinden habe. Diese Verfügung ist nunmehr aufgehoben worden. Doch soll den Kindern am Beginn eines jede« Semesters mitgeteilt werden, daß sie beim hebräischen Unterricht die Kopfbedeckung aufsetzen dürfen. — Diese Aenderung dürfte wohl hauptsächlich eine Folge des nachdrücklichen Hinweises unserer Zeitung sein. Bon unserem Standpunkt aus ist allerdings auch die neue Anordnung überflüssig und in erzieherischer Hinsicht verfehlt. Immerhin bedeutet es emeu Erfolg, daß der Zwang beseitigt ist. Für'den Gemeindevorstand aber ergibt sich aus dem Vorkommnis die Lehref Erst erwägen, dann anordnen. Sie gründen weiter. Nachdem die nationalsozialistische Arbeiterpartei in Preußen, Württemberg und Baden aufgelöst worden ist, und ’~m wem heiraten Sc denn? — Jesetzt, was kann die Kleene vor, un wenn ick all bedenken du, wie akkrat un anständig un überhaupt die Frau von ersten Tage an je wesen, un dev- Verstorbene allemal dasselbichte jeäichert, un wir zwee beede keeq Haar mang jefunden, denn lassen Se man jut sind!" — In diesem Augenblick kehrten Mutter und Tochter zurück. Man begrüßte sich ziemlich steif, und das Gespräch wandte sich begreiflicherweise der Expedition nach dem Westen und ihre« Erfolgen zu. Die Großmutter freute sich in ihrer Art: „Sieg^ mundshof is 'n komischer Name, also bei de Spree un mch wett von Zoroloriscken! Wenn nachts die Tijer mit 'n Käsig wackeln, jraul ick mir. Die janze Jartenhäuser sin eene noblichte Müllkute, un de ville Kohlen kennt Ihr bessahlen; ant Wasser is bannich kalt. Aber eentjal, nur wech von hier!" — „Es wird Dir schon gefallen,. Großcken, und mein Zimmerchen ist zu niedlich!", schwärmte Minni. „Des wirste hoffentlich jarnich jebrauchen, oder eS mißte Dein Herrn wieder leid jeworrn sind." — „Aber Frau Witt!", beeilte sich Max zu protestieren. „Rischt vo» unjut, Sie, aber wenn son Weib sich zwischen mengt, kann ick ooch eklich wern!" Mit dem Dampfer „Lösckebrand" fuhren Max und Minni über den Scharmützelsee und übten sich steißig in jener von den Liebenden immer wieder bevorzugten Mundart, die Dr. Rosentbals frühere Kollegen im ehrsamen Philologengewerke durchaus nicht anerkennen wollen. Dazu inszenierte die Sonne in glänzendroter, srühherbstlicher Abendtoilette ihre Effekte. Sie spielte mit den Wellen, sie flirtete mit den Herzen, sie verdrehte dem armen Orje, der sie durchs weit geöffnete Fenster anstierte, vollends den Kopf, und seine Hand griff tastend zur Waffe. Mit dem triumphierenden Bewußtfein, die armseligen Menschlein hinreichend für die Dunkelstunden gegen einander gestachelt zu haben, ging sie siegreich lächelnd unter und neuen Missionen nach. (Fortsetzung folgt.) Grabungen im Grient. Die archäologischen Forschungen, die der Krieg, der kein Altertumsliebhaber ist, sondern nach jungem Blut lechzt, stark gefährdet hat. scheinen sich wieder etwas zu beleben. So har man kürzl'ch im Libanon eine aut erhaltene Billa aus der Römerzeit aufaedeckt. und setzt wird aus London gemeldet, daß eine Reihe chaldaischer Altertümer. die in Tel-el-Lbeid ausgegraben wurden, dem British-Musemn emderleibt worden ist. Darunter befinden sich einige seltene Kunstwerke. so ein Löwenkopf mit roter JaspiSzunae und weißen Meer« schnellen als Zähnen und die knieende Gestalt einer TempelhütnT, Das Alter dieser Gegenstände wird auf 6000 Jsghre geschätzt.

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