Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 48 (1.12.1922)
- Date
- 1922-12-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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man sich sog« fn Vchttrr anVWch fe lösten Laiikfag-sichlliWL regierungsseitig zu einer scharfen Warnung.an die ,Maublusen" veranlaßt gesehen hat, wurde soeben in München und Berlin eine „Großdeutsche Arbeiterpartei" gegründet, die Deutschland dadurch vom „jüdisch-materialistischen Geist" befreien will, daß ste nur „sittlich-einwandfreie Deutschstämmige" als Mitglieder aufnimmt. Einstein mit einfacher Majorität abgelehnt. In Leipzig fand jüngst eine Versammlung von Akademikern statt, die folgende Resolution annahm: „Die Einstein-Theorie, für welche von jüdischer Seite so viel Propaganda gemocht wurde, kam am 17. Oktober vormittags zur Besprechung und wurde mangels genügender Beweise mit überwältigender Mehrheit abgelehnt." Stettiner Repräsentantenwahleu. Am 1L. November fanden in .Stettin die Wahlen zur Repräsentantenversammlung statt. In einer Versammlung, zu der sämtliche Gemeindemitglieder geladen waren, hatte man sich auf eine Einheitsliste geeinigt und erwartete von der Disziplin der Parteien, daß sie keine Sonderaktionen unternehmen würden. Von zionistischer Seite (wohl nicht von der örtlichen zionistischen Organisation) wurde aber noch in letzter Minute eine Gegenliste aufgestellt. Eine Gegenaktion war nun natürlich ausgeschlossen. Von den über siebenhundert Wahlberechtigten erschienen nur emchundertfünfzig zur Wahl. Trotz dieser überaus schwachen Wahlbeteiligung vereinigte die Einheitsliste, auf der ausschließlich frühere Repräsentanten standen, etwa zwei Drittel der Stimmen auf sich. — Das Stettiner Vorkommnis sollte allen liberalen Organisationen eine Warnung sein, bei künftigen Wahlkompromissen, die ja im Interesse der jüdischen Gesamtheit manchmal notwendig sein dürsten, die nötige Vorsicht obwalten zu lassen, damit Quertreibereien von unberufener Keile vermieden werden. Aus der Breslauer Repräsentanz. Die Repräsentanten- Versammlung vom 19. November beschäftigte sich damit, die Ausgaben und Einnahmen der Gemeinde der Geldentwertung anzupassen. Es wurde beschlossen, die Gehälter der Beamten mit rückwirkender Kraft vom 1. Oktober d. I. nach der ReichSbesoldungSordnung zu berechnen. Die Ruhegehälter und die Witwen- und Waisengehälter sind damit in Einklang zu bringen. Die wesentlich veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse nötigen die Verwaltung, eine Einschränkung einer Anzahl von Auflagen von Stiftungen und Vermächtnissen vorzunehmen. — Zur Aufbringung der Ausgaben ficht sich die Gemeinde genötigt, die für daß Verwaltnngsjahr ausgeschriebenen Synagogenbeitrage in derselben Höhe als außerordentliche Umlage noch einmal zu erheben. Bei Verhandlungen, die kürzlich im preußischen Kultusministerium zur Behebung der Finanznot stattfanden, war die Breslauer Gemeinde durch das Vorstandsmitglied Gcheimrat Goldfeld und den Verwaltungsdirektor Dr. Rechnitz vertreten. Dort war nachdrücklichst darauf hingewiesen worden, sofort eine RachtragSsteuer auszuschreiben und dasselbe Verfahren auch den christlichen Gemeinden behufs gemeinsamen Vorgehens beim Finanzamt zu empfehlen. Eine solche außerordentliche Umlage sei nach § 18, Absatz 6 des Kirchensteuergesetzes vom 26. Mai 1905 und § 19, Absatz 6 des katholischen 'Kirchenstcuergesetzes vom 14. Juli 1905 zulässig. Dasselbe müfle für die Synagogengemeinden gelten, falls nicht die Gemeindesatzungen unzweideutig das Gegenteil enthalten. Da dies nicht der Fall ist, Nm« feto Meffck «I fcr krchtsschen Kuläfflgkeft b'er Nachtragssieuer bestehen. Ferner gab die Versammlung die Genehmigung, bei zwei Banken einen laufenden Kredit von je 6 Millionen in Anspruch zu nehmen und sämtliche Gebührenordnungen zu erhöhen. Im Laufe der Debatte nahm doS Vorstandsmitglied Justizrat Hirschberg Gelegenheit, gegen einen Artikel der Breslauer „Jüdischen Volkszeitung" entschieden Stellung zu nehmen und die darin enthaltenen Vorwürfe zurückzuweisen. Schließlich wurde eine Kommission aus Juristen und Kaufleuten eingesetzt, die Vorschläge zur Beschaffung weiterer Mittel, vielleicht durch Ausgabe von Obligationen, machen soll. Der weise Reveutlöwe. Der bekannte Schriftsteller Nsher Gin;- berg, genannt Achad Haam, hat gegen den Grafen Revenilow die Beleidigungsklage angestrengt, weil dieser ihn als Verfafler der vom „Tag", den „Deutschen Stimmen" und anderen auf ihre Würde bedachten Blättern als niedrige Fälschung gebrandmarktcn „Weisen von Zion" bezeichnet hat. zeichnet hat. Es ist erfreulich, daß dem antisemitischen Grafen endlich die von ihm sicher längst ersehnte Gelegenheit gegeben wird, den Wahrheitsbeweis für seine Verleumdungen der deutschen Judenheit anzutreten. Aber seltsam mutet es an, daß ein Politiker, der früher den Anspruch erhob, ernst genommen zu werden, sich auf eine Stufe mit Fälschern und Verleumdern vom Range der Ecker, Stöcker, Briman, Goedsche, Ahlwardt stellt. Hoffentlich findet fiel) auch in diesem Prozeß jemand, dem Angeklagten in so ernster Weise das Gewissen zu schärfen, wie e8 Oberstaatsanwalt Drescher einst im „Judenflintenprozeß" getan hat. .Wieder Partei, auch der antisemitischen", so sagte er, „muß das Recht zugesprochen werden, öffentliche Mißstände zur Sprache zu bringen, zu kritisieren und zu tadeln, aber jede Parteibestrebung darf dabei nicht die eine Grundlage verlassen: die Grundlage der Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Mit gesetzlichen Mitteln und mit politischem Ernst mutz gekämpft werden!" Der Jenenser Beschluß rechtswidrig. Der Beschluß der Jenenser Klinikerschaft, wonach in den klinischen Hörsälen bei den Vorlesungen die ersten vier Bankreihen für die Studierenden „rein germanischer Abstammung" zu reservieren sind, ist vom Volksbildungsministerium in Weimar für rechtswidrig erklärt worden. Eine ministerielle Verfügung stellt für den Fall der Durchführung des Beschlusses strengste Maßnahmen in Aussicht. » Dar jüdische Krankenhaus in Breslau bittet um Zuwendung von geeignetem Lesestoff für die Kranken. Bücherspenden werden an Frau Rosenftld, Freiburgerftraße 4L, oder an das Krankenhaus erbeten. Antworten Max Berger, KA». Diese Ansicht des hervorragenden belgischen Rechtsgelehrten Francois Laurent (1810—1887), Professor an der Universität Gent, durch seine messi ani sche H offnnng sei das Judentum dem Christentum überlegen, finden Sie in den „Studien über die Menschheitsgeschichte. Geschichte des Völkerrechts" (Brüssel 1861/1870, Band l, S. 408, S. 420) mit folgenden Worten ausgesprochene PokpcheismÄ 1p Ste düng der Völker ursprünglich und unabänderlich; denn sie rührt von der Mehrheit der Götter her, deren jeder das Sinnbild eines Volkes ist. Daher huldigten die Denker Griechenlands und Roms, trotz deß Fortschritts in der Philosophie, mehr dem Haß als der Brüderlichkeit, Dieses Hindernis der Brüderlichkeitsidee fällt im Mosaismus. fort. Ein Gott schafft das Menschengeschlecht und, zum Zeugnis dessen; daß wir alle im Wesen eins sind, läßt es der Schöpfer von einem Menschen abstammen. Er will sogar, daß die Frau, die er dem erste» Menschen gegeben hat, aus desien Leib gemacht ist, damit alles eins sei im Menschengeschlecht. So war auch die Auserwähltheit, deren sich die Hebräer rühmen, von einem übergeordneten und grundsätzlichen Dogma beherrscht: der Einheit Gottes tmd der Schöpfung. . .« In dem Widerstand der Juden gegen Jesus und ihrem Glauben an einen andern Messias steckt ein lebendiges Gefühl für die wirklichen Bedürfnisse der Mensk^eit, Bedürfnisse, die auf dieser Welt befriedigt werden niüssen. Die messianische Epoche der Christen ist lediglich mystisch; das Christentum hat niemals daran gedacht, auf dieser Welt die Brüderlichkeit, die Gleichheit, den Frieden |u verwirk lichen, die sie den Gläubigen verspricht. All diese Hoffnungen sind für den Himmel! Der Protest der Juden gegen diesen Mystizismus war wie ein Appell an die Zukunft. Der Appell ist verstanden worden. Die christlichen Dogmen beginnen in die bürgerliche Gesellschaft ein« zudringen, aber gleichsam trotz des Christentum?, trotz der Kirche, wenigstens, die sem Organ ist. Dazu bedurfte es erst der Einflüsse und Elemente, die der christlichen Religion spinnefeind sind. DaZ beweist, daß die Juden, in gewisser Hinsicht, recht hatten, als sie sich nicht dem Evangelium unterwarfen. Sie sind, auch in diesem Prinzipienkampf, ihrer prophetischen Mission treu geblieben." Falls Sie uns in den Werken eines deutschen Völkerrechtslehrers eine solche Stelle zeigen könnten, wären wir Ihnen dankbar verbunden! - Rudolf Lebius, Frohnau. So ein Tritt in die Annoncenbeetz ist eine aufregende Sache. Wie konnte das „Israelitische Familien« blatt" in Hamburg aber auch wagen, seinen Lesern zu raten, die«, jenigen nicht mehr zu unterstützen, die sie abschlachten wollen. So hatte das Blatt sich geäußert. „Wenn der dortige „Gemral-Anzeiger^ sich die grobe Ungehörigkeit leistet, von der Verhaftung zweier „polnischer Juden" zu berichten, dann sollten die jüdischen Kaufleute Ihres Ortes soviel Geschmack und Charakter besitzen, ihre Jnseratt nicht mehr einem solchen Antisemitenblatt zukommen zu lassen."' Sollten Sie? Da muß Herr L e b i u s nach der Pressekonferenz rufen. Dessen Hauptinserenten sind nämlich die Firmen Baer Sohn und' Bernhard Leineweber. Und wenn die jüdische Annoncenexpedition ihre Rennannoncen .... Aber das wäre ja nicht aus« zudenken! Denn woher sollten De, lieber Ehrenlebius. dann die Geldstrafe bezahlen, die Ihnen wegen Aufreiznna nun Mord zudiktiert wurde? Wo sollten Sie wieder einmal die Dolche der Meuchelmörder lenken? Und wo sollten Sie, in Umgehung strafrechtlicher Vorschriften, zur Sammlung der „Unkosten" der Pro^ssc anffordern, in denen Sie die Person, um mit Ihnen;tt Ihrer spräche zu reden, des Moses Wichtig spielen? Nachdruck sämtlicher Originalbeiträge nur mit Ge« nehmigung der Redaktion gestattet. Gingesandte Manuskripte werden nur zurückgesandt, wenn Rückporto beiliegt. Gottesdienst Breslau alte |SV"M. Freitag l. 12. Beginn ... . . abends 4.00 Sonnabd. 2.12. Beginn. morg. { 6.45 9.00 0 Neumondweihe. . vorm. „ Predigt.• _ Jugendgottesdienst . nach in. 3.00 fln den IVodien- 3. *12 bis Schluß. abends 4.37 Beginn. morg. 6.45 tagen . 8.12 Beginn. abends 4.00 ttCBC Synag 4.00 4.15 9.30« 3.15** 4J7 7.15 4.00 *) Beginnt mit dem flusheben der Torah. **) Im Krankenhaus. Konfirmation in der Neuen Synagoge am 2. Dezember: Günther Hahn (Vater Wilhelm). Kaiser Wilhelmstr. 18. Oeffentliche Sitzung btr Repräsentanten - Versammlung Mittwoch, den 6. Dezember 1022, nachmittag? <3 Uhr RePrris.-EitznngSsaal, Breslau, Wallstraße 9 II. Der Vorsitz «de: Pelser. (IOOOOOOOIOOOO Statt Karten! Irma Steiner Walter Goldschmidt Verlobte. Hohenelbe Tschechoslowakei Hl-Breslau. Büro: Höfdienstr. 61, II, I. Montag, den 4. Dez. 1922, Bibliotheksabend Jakob Wassermann und Max Brod Ober: Dos Judentum. Referentin: Kit* MQIIer. Denkt an den Stlftungs* fond und an die Sonderumlage Mindestbeitrag von Mk. 50.— Einzahlungen auf Postsdieekkonto Breslau 1743 fllfr. Berger m-ßerlln. Büro: W 8 Mauerstr. 22 Amt Zentrum 152. Dienstag, d. 12. Dezbr. 1922, abends 8 Uhr, Im Lehrervereinshaus (Alexanderplatz): Vortrag des Herrn Hinter IsteM-stickte Ober; Einige _ mit musllcal. Ergänzungen Mittwoch, den 2Q. Dezember Chunukuh-Feler. Breslau Sdiwerinstr. 31. Sanatorium KurpnrK 700 m ö. M. mit eigenem 2 ha groBem Maturpark. — Sender« Heilanstalt für Herz«, Nerven" n. StoflwecheelKranKe. Ganzjähriger, klinischer Betrieb. Individuelle Behandlung. Beschrankte Patientenzahl. Dr. Job. Hasdicke. Heirats-Gesuche haben bei der weiten Verbreitung der ,I. L.Z/ M den besten jüdischen Kreisen durch eine Anzeige O in diesem Blatt zufriedenstellendste Wirkung. 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Preis Mk. 70.— Cleber dieses, aus Vorlesungen ln den Fachhochschulkursen der Breslauer Universität entstandene Werk urteilt u. a. die ,,Breslauer Zeltunq“: „Jeder, der das Buch mit Aufmerksamkeit gelesen hat, wird dem Verfasser für die reiche Belehrung und die genußreichen Stunden dankbar sein, die er ihm verschafft hat“, und die „Berliner Börsen-Zeltung“: „Das Buch verdient weitgehendste Beachtung in allen Volkskreisen“. Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder den Verlag Th BuchdrucKerei and 1 n. acnaizny, Verladsanstalt, G.m.b.9. | Breslau 3, Nene Graupenstraße Nr. 7 \ ~ :-II Wi Bestellungen auf die „Jüdisch-liberale Zeitung" -W8 können durch Einzahlung auf Postscheck-Konto Breslau 9hr. 57 oder durch Postkarte an die Expedition erfolgen. Herausgeber: Vereinigung für .das liberale Judentum e. B., Berlin. — Chefredakteur: i. V. Dipl.--Jng. 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