Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 47 (24.11.1922)
- Date
- 1922-11-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2613657-2613703--0497-2617750- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
„Die in der Historie den Enlwicklungseiuheiten er gründe liegenden Tendenzen sind an sich völlig anschaulich urrd klar und bedürfen und ertragen keine Erläuterung aus ganz allgemeinen, die entferntesten Dinge verknüpfenden Spekulationen. Sie geben umgekehrt allen metaphysischen Annahmen erst ihrerseits die Unterlage und das Material, wenn man überhaupt zu jenen fortschreiten will." Die Dienemannsche These über die Entstehung der Speisegesetze muh als «eine durchaus dogmatische angesehen werden. Will man ihr im Namen der jüdischen Religion folgen, so kann man nicht andererseits, wie das unsere Theologen gern tun, behaupten, daß das Judentum keine Dogmen habe. Von der Entstehung der Speisegesehe ist wohl zu unterscheiden die Bedeutung, die sie in der jüdischen Religion erlangt haben, und der Sinn, den ihnen die Apologie beimessen mag. Man kann Dienemann darin beistimmen, daß die Bedeutung dieser Speisegesetze und ähnlicher Gebräuche schließlich darin liegt, jede Lebensäußerung zu dem Religiösen in Beziehung zu bringen. Es ist nur äußerst zweifelhaft, ob nicht gerade die Unvollkommenheit dieser Mittel und deren praktische Auswirkung erweist, daß auf diesem Wege das Ziel nicht erreicht werden kann, daß die Erreichung dieses Zieles vom Standpunkt einer historischen Religion in Verbindung mit historisch festgelegten Normen und Gebräuchen unmöglich ist. Der Versuch, auch das Alltägliche des Lebens in Beziehung zum Religiösen gu bringen, würde an sich nicht aussichtslos erscheinen, heutigem Empfinden aber pohl nur dann entsprechen, wenn die Verbindung aus der religiösen Spannung der einzelnen entspringen würde. Man denke etwa an Goethes „Türmerlied": „So seh ich in allen die ewige Zier, Und wie mir's gefallen. Gefall ich auch mir. Ihr glücklichen Augen, Was je ihr gesehn, Es sei wie es wolle, Es war doch so schön!" Und ein ganz ähnliches Empfinden kommt in den: „Mönchischen Leben" des modernen Dichters zum Ausdruck: „Nichts ist so klein und ich lieb es trotzdem, und ich mal es auf Goldgrund und groß . . Was uns so fremdartig berührt, ist also lediglich der Versuch, eine religiöse Beseelung des täglichen Lebens durch eine Reglementierung aller Gewohnheiten zu erreichen. Vortrefflich bemerkt Simmel: „Wo eine substanzielle Objektivität des Dogmas besteht, da hat die religiöse Durchdringung des täglichen Verhaltens dieses noch immer in starrem Formalismus geführt. Ist die überirdische Bedeutung des Daseins, seine Gesamtweihe, Gefühl und Metaphysik des Universums erst einmal in die Einzelvorftellungen religiöser Dogmatik eingegangen, so klafft zwischen diesen und den Einzelelementen und praktischen Vornahmen des äußeren Lebensverlaufs ein Abgrund, den offenbar kein organisches Zusammenwachsen mehr schließen, sondern nur eine religiös genannte Normierung dieser Vornahmen äußerlich überbrücken kann. Ich erinnere an die Lebensweise des Brahminen, des streng rituellen Juden, vieler Mönchsorden. Indern Speise und Trank, Zulässigkeit oder Unzulässigkeit jedes Verhaltens, die Ausführung jedes Handgriffs von Religionswegen vorgeschrieben ist, bildet freilich der ganze Atomenhaufe unserer empirischen Handlungen eine religiöse Kontinuität; allein unverkennbar ist die Zufälligkeit, mit der an die jeweilige Grundüberzeugung vom Göttlichen gerade die so und so beschaffene äußere Lebensgestaltung angekettet ist." Die Ausführungen Dienemanns erscheinen mir auch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Sie weisen aus die vielfach bestehende Neigung der Apologie hin, die verschiedensten Dinge unter den Begriff des Irrationalen zu bringen und dieses Irrationale dann einfach als das religiös Wertvolle (oder gar als das Heilige) zu gloriizieren. So wird z. B. die hebräische Gebetssprache elbst von Anhängern des Liberalismus damit gerechtfertigt, daß gerade dgs Fremdartige religiöse Gefühle auslöse. Was ist das für eine religiöse Erhebung, die aus dem unverständlichen Vokabelschatz beruht? Auch ein Mann wie Hermann Cohen ist für die hebräische Gebeissprache eingetreten, aber Hermann Cohen hat auch gerade an die jüdische Jugend die nachdrückliche Aufforderung gerichtet, das Hebräische wenigstens so weit zu erlernen, daß ihr das Verständnis für die jüdischen Gebete erschlossen wird. Niemals ist Hermann Cohen auf die Idee gekommen, die hebräischen Gebete deshalb zu preisen, weil ibce Vokabeln der Mehrzahl der deutschen Juden unverständlich sind. Man mag Cohen vorwerfen, daß er die Psychologie der Masse verkannt, ihre Lernfähigkeit und Lern Willigkeit überschätzt hat, aber seine Auffassung war doch keine Sünde gegen den Geist der Religion. Eine religiöse Erhebung aber, die darauf beruht, daß man die Vokabeln einer anderen Sprache nicht gelernt hat, ist ebenso viel wert, wie etwa die religiöse Erhebung, die ein Neger empfindet, der zum ersten Mal ein Luftschiff sieht und in diesem ein überirdisches Wesen verkörpert glaubt, weil ihm die Kenntnisse der Physik fehlen. Zur Gebetbuch-Krage. Von Rechtsanwalt Heinrich Stern, Berlin« Vorbemerkung: Anliegender Artikel enthält meine persönliche Auffassung und ist im Vorstande weder besprochen noch gut geheißen worden. Nächst der häuslichen religiösen Betätigung (Erziehung i>er Kinder, Feier der häuslichen Feste) ist der Gottesdienst das wichtigste Betätigungsfeld sowohl dec einzelnen Inden wie auch der religiösen Gemeinschaft als solcher. Wer aus dem Boden der religiösen Gemeinschaft steht, wird in dem Gemeindegebet nicht nur die Vereinigung deS Einzelmenschen mit kem '^9^ rinden, sondern auch die Bekundung des Wulens der Gemeinde, getreu der Geschichte und den. Ausgaben Israels, sich akS „Volk von Priestern und heiliges Volk" 'u bekennen und zu fühlen. Aus dieser Auffassung vom Wesen des Gottesdienstes in seiner doppelten Seite folgt zweierlei. Soweit der Gottesdienst Einzelgebet ist, hat er der religiösen Anschauung des einzelnen sich möglichst anzupafsen; soweit er Gemeindegottesdienst ist, muß er den Zusammenhang mit der Geschichte und vor allem auch den Zusammenhang mit der Judenheit auf der ganzen Erde aufrecht erhalten. Hieraus folgen folgende Einzelforderungen. 1. Der Gottesdienst muß Andacht erzeugen und erhalten. Seine Form muß der Würde des Gegenstandes und dem ästhetischen Empfinden der Beter angemessen Win. Ta jede gehobene Stimmung sich nicht auf Stunden, aar auf viele Stunden erhalten läßt, muß die And5-. -tszeit erheblich verkürzt werden. .Hieraus ergibt sich: Da gerade die schönsten und innigsten Gebete, wenn sie mit Verständnis gesprochen werden sollen, nicht an einem Tage 3 bis 12 Mal gesagt werden können, müssen überflüssige Wiederholungen gestrichen werden. Ein ganz besonderes Beispiel für die Schablonisierung eines in der Idee großartigen Gebetes bildet der Kaddisch mit feinen zahllosen Wiederholungen. Im Freitag-Abendgottesdienst wird er während etwa einer Stunde 4 bis 5 Mal gesprochen. Würde das Laädikoh- Gebet mit einer kurzen Einleitung, wie in Berlin, einmal am Schlüsse gesprochen werden, so würde sich niemand seiner Wirkung entziehen können, wird es 4 bis 5 Mal teils allein, teils vom Kantor vorgebetet, so verliert es jeglichen Eindruck. Ein gleiches gilt von der Tefillah an den hohen Feiertagen. Wenn ich 6 bis 8 Mal die Sätze bete: „So möge denn ein heiliges Erbeben vor Dir, Ewiger, alle Menschen dnrchdringen", so werde ich beim ersten (vielleicht auch noch beim zweiten) Mal vor der Wucht des Gedankens erschauern, beim fünften oder sechsten Mal aber spreche ich die Worte ganz mechanisch, ohne mir dabei etwas zu denken. Hier muß eine ganz radikale und systematische Prüfung einsehen, die auf eine Beseitigung aller entbehrlichen Wiederholungen hinzielt und dafür schöne Gebetstücke, die man mit Rücksicht auf die Zeitknappheit gestrichen hat, wieder ans Tageslicht bringen. 2. Gebetsprache. Es ist zweifellos richtig, daß der einzelne nur in seiner Muttersprache sich gedanklich und seelisch zu den Höhen aufschwingt, die das Gebet verlangt. Ich gehe aber noch weiter. Die allertiefste Einkehr wird dem Betenden nur in stiller Andacht beschiedeu sein. Daher muß unter allen Umständen, selbst auf Kosten anderer Gebete, für stille Gebete Raum geschaffen werden, also vor allem die stille Tefillah wieder hergestellt werden. Diejenigen Grundgebete, welche historisch seit Jahrtausenden sestliegen und den Grundkern des jüdischen Gottesdienstes in allen Gegenden der Welt bilden, also insbesondere das Schma und die Tefillah, müssen hebräisch erhalten bleiben. Wieweit im übrigen insbesondere bei den Psalmen eine deutsche Ueberfetzung neben oder an Stelle des Hebräischen treten soll, hängt ganz einfach davon ab, ob die deutsche Nebertragung künstlerisch so hochstehend ist, daß sie den Eindruck ersetzen kann, den ein Psalm oder ein Prophetenabschnitt in der Ursprache erweckt. Bisher habe ich noch nicht den Eindruck, als wenn wir sehr viele derartiger Gebetstücke haben. 3. Eine unbedingte Forderung, für die wir auf alle Fälle eintreten müssen, ist die Revision der Thora- Aorlesung. Daß heute noch Opfergesetze oder Reinßeirsgesetze in den Mittelpunkt des Gottesdienstes gestellt werden, umgeben von der feierlichen Zeremonie oer Einhebung und Aushebung der Thora, ist mir stets völlig unverständlich gewesen. Kommt mm noch hinzu, daß ein Barmizwoh gezwungen wird, über derartige Stellen den Segensspruch zu sagen oder gar diese Stelle vorzutragen, so habe ich die deutliche Empfindung, als wenn hier die Andacht nicht gefördert, sondern erstickt wird. Wenn ein dreizehnjähriger Knabe an dem heiligsten Tage seines bisherigen Lebens vor das Allerheiligste gerufen wird und dann eine Stelle vortragen muß, nach der die Blutschande zwischen nahen Angehörigen verboten ist, wie mir dies in letzter Zeit als fungierendem Syuagogenvorsteher vorgekommen ist, so findet man schlechthin hierfür keine Erllärung und nmß nur den vorbereitenden Lehrer bedauern, der hier dem Knaben die Heiligkeit derartiger Gesetze darlegen soll. Das gleiche gilt für die Opfergesetze usw. Die Verlesung dieser Vorschriften muß fallen; sie können durch prophetische Abschnitte ersetzt werden. Unbedingt aber zu verlangen ist, daß die Vorlesung deutsch erfolge. Es macht einen geradezu widerwärtigen Eindruck, wenn die Gemeinde während der hebräischen-Thoravorlesung miteinander plaudert und erst bei der fast durchweg deutschen Haftaravorlesung wieder Aufmerksamkeit herrscht. 4. Für den Sabbat speziell habe ich folgende Wünsche. Der Freitagabend-Gottesdienst kann im wesentlichen in der bisherigen Form erhalten bleiben; meines Erachtens genügt aber eine Tefillah. Statt der zahlreichen Eingangspsalmen, die wohl in liberalen Synagogen längst nicht mehr alle gebetet werden, muß ein kurzes deutsches Eiuleitungsgebet gesprochen werden, welches den Kern der Sabbatidee widergibt. Freilich ist unter allen Einleitungsgebcten, die ich kenne, noch keines, welches mich recht befriedigt. Unbedingt wiederhergestellt wünschte ich das Lecho do di-Geb et mit allen seinen Strophen. Dickes Gebet hat wenigstens bei mir stets, wenn ich es in Synagogen mit altem Ritus gehört habe, einen außerordentlichen Eindruck hinterlassen. Neber die Streichung der verschiedenen Arten von Kaddisch habe ich bereits oben gesprochen. Eine absolut zwingende Forderung ist die, daß kein Freitagabend- Gottesdienst der Predigt entbehre. Es ist entwürdigend, daß der Rabbiner am Sabbatmorgen vor leerem Gotteshause spricht und zum Schweigen verurteilt ist, wenn die Gemeinde da ist, die ihn hören könnte. Der SabLat-MorgengotteSblenst darf nach meknE Dafürhalten (mit Predigt) nicht länger als iy2©tunbett dauern. Es ist aber völlig verfehlt, ihn mit dem AuSheben der Thöra beginnen zu lassen und das Schacharith Gebet ganz zu streichen. Gerade die Hauptgebete deS Schacharith sind poetisch und religiös die allerwertvollsten, die wir überhaupt haben, und ich würde lieber aus die Kunst des Kantors in der Mussaff-Tefillah verzichten und dafür das eigentliche Morgengebet Wiederherstetten. 5. Endlich noch eins, auf die Gefahr, hier als starker Rückschrittler verschrieen zu werden. Ich halte die Mckrevidierung der Gebettexte für unbedingt notwendig. Die ängslliche Vermeidung aller Gebete für Jerusalem habe ich niemals verstanden. Dadurch, daß die Liberalen derartige Sätze und Gebetstellen bewußt gestrichen haben, haben sie sich ja auf den Standpunkt gestellt, als wenn es sich hier wirllich um eine reale Wiederbegründung des Palästinensischen Staates handelt, während zweifellos die Wiederherstellung Zions in geistigem Sinne gedacht ist und von den meisten Betenden auch so aufgefaßt wird. Die Rücksichtnahme auf den Zionismus sollen wir wenigstens im Gotteshaus zurückstellen. Dasselbe gilt für den Gedanken des Messias und für die Idee der Auserwählung. Wie lächerlich ist es z. B.. wenn im Kiddnsch am Freitagabend die Worte „Mikol hoamim“ hinter „Ki wonu wocharto weossonu ki« daschto“ fortfallen, wenn andererseits am Sabbatmorgen bei dem Segensfpruch über die Thora jeder Hinzugerufene die Worte sagt: „ascher bochar bonu mikol hoamim." Selbstverständlich ist, daß Gebete, bei denen unser Wunsch nicht mitschwingt, wie die Gebete um Herstellung deS Opfergottesdienstes oder die rein historisch sind, wie daS Gebet für die Erhaltung der Schulen in Babylon, die vor vielen Jahrhunderten ausgestorben sind, auS unseren Gebetbüchern verschwinden. 6. Ms letzter Punkt endlich zum Kolniclre. Ich teile selbstverständlich nicht die Auffassung derer, die in dem Kolnidre einen Freibrief für eine Eides« Uebertretung erblicken, habe aber bisher in den dreißig Jahren, auf die ich bewußt zurückblicken kann, gefunden, daß der herrliche 130. Psalm, den wir hier in Berlin an Stelle des Kolnidre beten, umkleidet von der uralten Kolnickre-Melodie den Versöhnungstag wahrhaft feierlich einleitet. Auch habe ich die feste Ueberzeugung, daß es nicht die Worte des Kolnidre sind, welche in den orthodoxen Gotteshäusern die Stimmung des Bersöhnungstages herbeizaubern, sondern daß die Klänge der herzlichen uralten Melodie und das Bewußtsein des gewaltigen Augenblicks die Herzen erheben. Das sind die hauptsächlichen Ideen, die ich an dieser Stelle vortragen will. Möge der Arbeit der Gebetbuch- Kommission der Erfolg beschieden sein, daß sie etwas Ganzes herstellt, etwas, das die Zusammenhänge mit dem Historischen nicht zerreißt, aber der Gegenwart und der Einzelpersönlichkeit das gibt, was ihr gebührt« Zur Zrage öes Einheitsgebetbuches. Bon Rabbiner Dr. Norden, Elberfeld. Zu den drei zur Diskussion gestellten Fragen, ob der Gottesdienst durchweg hebräisch sein soll, ob die Ueberfetzung frei oder wortgetreu, ob gewisse strittige Stellen verändert oder der ganze alte Text beibehalten werden soll, habe ich folgendes zu bemerken: Zu 1: Der liberale „Einheitsgottesdienst" soll nicht durchweg hebräisch sein. Das ist ja seit langer Zeit auch der orthodoxe Gottesdienst nicht mehr; denn mit der Einführung einer deutschen Predigt, einer deutschen Ansprache an den Barmizwoh-Knaben und dergl., ja allein durch den Vortrag eines einzigen deutschen Gebets (etwa des Gebets für das Wohl des Vaterlands) ist der Grundsatz des „ausschließlich Hebräisch" durchbrochen. Es ist daher selbstverständlich, daß die deutsche Sprache im liberalen Gottesdienst nicht verpönt sein kann. Nur muß vermieden werden, daß die beiden Gebetsprachen, fortwährend mit einander abwechseln; das bringt etwas Unruhiges und Unstetes in den Gottesdienst, das die Andacht stört. Ich würde (um nur vom allwöchentlichen Sabbatmorgengottesdienst zu sprechen) folgende- Vorschlägen: Das Schacharis-Gebet hebräisch, desgleichen das Mußaf-Gebet. Die deutsche Sprache kommt zu ihrem Recht in der der Thoravorlesung folgenden Uebersetzung oder freien Uebertragung des Gelesenen, in der Vorlesung der Haftarah mit den zu ihr gehörigen Segenssprüchen, in den Gebeten für das Vaterland, den Barmizwoh, die Wöchnerin usw. usw., in der Predigt mit vorangehendem und abschließendem Gesang, eventuell auch in einem kurzen Gebet Leim Ausheben und beim Einheben der Thora und beim Schluß nach Olenu. Wenn gegen das ausschließliche Hebräisch im Schacharis und Mrßaf eingewendet werden sollte, daß dabei zu wenig Rücksicht auf diejenigen genommen wird, die des Hebräischen nicht oder nur wenig mächtig sind, so bemerke ich, daß doch das ganze Gebetbuch von einer deutschen Ueberfetzung begleitet werden soll, die dem des Hebräischen nicht genügend Kundigen die verständnisvolle Teilnahme am Gottesdienst zu erleichtern bestimmt ist. Zu 2: Nach jahrelanger eingehender und gewissenhafter Beschäftigung mit der Gebetbuchfrage gebe ich meiner Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß die Ueberfetzung zwar keine sklavische, wohl aber eine möglich st wortgetreue sein soll. Die freien Uebertragnngen von Geiger, Joöl, Vogelstein, Seligmann, des Badischen und des Hamburger Gebetbuchs sind teilweise recht schön, und doch reichen sie m. E. nicht an die klassische Schönheit der überlieferten Gebete heran und haben nicht in gleichem Maße wie diese den Vorzug, den schlichten Mann aus dem Volke imd den auf hoher Bildungsstufe