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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-11-10 · 45 (10.11.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
45 (10.11.1922)
Date
1922-11-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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{1! die Mische Gegenwart j|jj] T» der erweiterte« Vor staudssitzuug der Vereinig««- für da» liberale J«de«t«m «. V. vom 21. Oktober wie- Rechtsanwalt Stern auf die außerordentlichen Schwierigkeiten, insbesondere finanzieller Natur hin, in die die Bereinigung durch die Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse geraten ist. Er sähe sich genötigt, sein Amt als Vorsitzender der Bereinigung niederzulegen. Die gesamte Arbeit und Verantwortung für die Tätigkeit der Bereinigung laste ausschließlich auf den berliner geschäftsführenden Vorstandsmitgliedern, da die Ortsgruppen der Vereinigung an der Bereinsarbeit, von einigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, nur geringen oder gar keinen Anteil nähmen. Dies gälte insbesondere von der Aufbringung der finanziellen Mittel. Die Ortsgruppen zahlen zu geringe oder gar kein« Beiträge. Dieser Zustand sei umso unhaltbarer, als die „Jüdisch-liberale Zeitung", die sämtlichen Mitgliedern unentgeltlich zugehe, der Vereinigung gewaltige Lasten aufbürde. Für diese müßten die geschäftsführenden Vorstandsmitglieder persönlich einstehen. Einzelne Ortsgruppen hielten es nicht einmal für nötig, wichtige Anfragen der Geschäftsstelle zu beantworten. Der Schriftführer der Bereinigung, Rechtsanwalt Dr. I. L. Saligfohn ergänzte die Darlegungen des Vorsitzenden und wies daraus hin, daß eine große Anzahl von Ortsgruppen die Mitgliedsbeiträge für 1922 trotz mehrfacher Mahnung noch nicht an die Vereinigung abgeführt habe. Eine weitere Anzahl zahle nur unzureichende Beiträge. Unter diesen Umständen sei die Bereinigung auf größere einmalige Spenden angewiesen. Aber auch hier könne nur von Berlin, wo die geschäftsführenden Vorstandsmitglieder sich persönlich für die Finanzen der Bereinigung einsetzen, Erfolgreiches berichtet werden. Insbesondere haben Frankfurt a. M., Leipzig, Hamburg und viele andere in finanzieller Hinsicht vollständig versagt. Rach Angaben des Verlegers kostet die Zeitung pro Nummer gegenwärtig 60 000 Mark. Außerdem müßten die Mtglieder sich klar darüber sein, was die Unterhaltung eines Büros gegenwärtig erfordert. Wenn man bedenkt, daß die Bereinigung über 7000 zahlende und teilweise recht zahlungskräftige Mitglieder verfüge, denen e» bei etwa» gutem Willen und werbender Tätigkeit nicht schwer fallen könne, die erforderlichen Kosten aufzubringen, müsse die Erhaltung der Bereinigung und der Zeitung eine Selbstverständlichkeit sein. Ließen sich die bisher lauen und gleichgültigen Mtglieder aufrütteln, beteilige sich jeder mit etwas Arbeit und Geld, so sei der Bestand gewährleistet. Geld sei bei unseren vermögenden Gesinnungsfreunden, wenn man nm in der richtigen Form an sie herantrete, stets zu haben. Aber Begeisterurung, Arbeit und Opferwilligkeit tue not. An der anschließenden Diskussion beteiligten sich Kommerzienrat Hamburger-Berlin, Emil Cohn-Berlin, Sanitätsrat Dr. Pollnow-Königsberg, Justizrat PlonSker-Berlin, Dr. Bogelstein-BreSlau, Dr. Seligmann-Frankfurt a. M. Eie vertraten sämtlich den Standpunkt, daß die Zeitung unbedingt aufrecht erhalten bleiben müsse, da sie das Herz der Bereinigung darstelle, ohne welcher ein wirkliches Leben nicht möglich sei, und bäM tzMgeüd Rechtsanwvlt Stern, weiter das mühevolle Amt beS ersten Bvrfitzenden zu bekleiden, da die Sache es unbedingt erfordere. Dr. Geiger-Frankfurt a. M. betonte, daß die Lauheit und Gleichgültigkeit vieler Ortsgruppen und Mitglieder rückhaltlos beseitigt werden müsse. Wenn diese auch in keinem Falle zu entschuldigen fei, so liege sie doch vielleicht zu einem Teil mit daran, daß das liberale Judentum nicht energisch genug, unbekümmert um die Anfeindung der Gegner, seine Anschauungen durchsetze. Wir Liberalen bemerkten immer, daß unsere Aufgabe nicht nur im Niederreißen, sondern auch im Aufbauen liege. Dies sei gewiß an sich richtig, aber es gälte vorläufig mit aller Entschiedenheit zu betonen, daß zunächst das Riederreißen soweit geschehen müsse, um Platz für den Aufbau einewirllich liberalen Judentums zu schaffen. Dieser Auffassung huldige insbesondere die Jugend, die keineswegs mit der vielfach vermittelnden Haltung der Bereinsleitung einverstanden sei. Künstlerischer Kultus. In Stuttgart fand jüngst eine Ausstellung kirchlicher Schmuckgegenstände statt. Eine große Abteilung war jüdischer Kunst gewidmet. Oberkirchenrat Dr. Rieger hatte keine Mühe gescheut, um hervorragende jüdische Künstler für die Ausstellung zu interessieren. Man sah einige ausgezeichnete Arbeiten in Metall von den Mendelssohn- Werkstätten in Hellerau Md eine Menorah von Zadikow (Berlin). Friedrich Adler-Hamburg zeigt seinen bekannten Kidduschbecher und ein Farbenglas, die zwölf Stamme darstellend. Aus Breslau hatte Professor Grotte drei eiserne Channukahleuchter geschickt. Hermann Kahn und Hermann Fechenbach. beide in Stuttgart, stellten zwei Stücke aus — ein MiSrach-Blatt und ,I>er Talmudschüler". Zwei sehr alte Thoraschilde wurden ebenfalls gezeigt, darunter die. die der Stuttgarter Synagoge im Jahre 1872 von Berthold Auerbach geschenkt wurde. Eine Reihe von Boiträgen über shnagogale Kunst wurden von Professor Grotte und anderen gehalten. Oie geborene llugea-reich. Tin Grobstadtroman von OSkar Jons Miltman. (t». Fortsetzung.) - Da» Mahl verlief in Düsterheit, denn jedem war die Kehle wie zugeschnürt. Nur JonaS gelang es, eine kurze literarische Unterhaltung mit seinem Sohne in Gang zu bringen. Theodor Sachs hatte ihm nämlich zugesagt: »Ich werde mir die Mutter kommen lassen, lieber Freund I", und Ottchen, der beinahe schon ein richtiger großer Otto war, hatte Regina eine entsprechende Vorladung bestellt. Für alle Fälle mit dem Zusatz: »Warum, weiß ich nicht; bei mir ist nichts passiert? Der bekümmerte Vater schied mit devotem Dank und Sachsen- Zuspruch: „Sie wissen doch, wader alte Fontane in solchen Fällen sagt: Wollen wir nicht alles einer gewissen ruhigen Entwicklung überlassen?" — „Ist das auch ein Grossist?", meinte JonaS, der sich nicht erinnern konnte, in der ganzen Kvnigstadt diese Firma gehört zu haben. „Es ist ein feines altes Haus, informierte schalkhaft Sach?. ..Er tritt wenig hervor und wird Dr. Baeck-Berlin erwiderte hieraus, man solle nm nicht glaube«, durch einen gesteigerten Radikali-mukönne man die tellweise noch abseitsstehenbe Jugend für sich gewinnen. Der Liberalismus fei uns nicht Ziel, fündern nur Weg zu diesem, dahinter stehe baS Judentum, welchem alle jüdischen Richtungen zu dienen Hütten. ES sei gerade ein Verdienst deS Liberalismus, daß er bis zu einem gewissen Grade auch die Berechtigung der anderen jüdischen Richtungen anerkenne und für sie Verständnis zeige. Dr. Lepman-Stuttgart wies darauf hin, daß die Verhältnisse im Reiche nicht einheitlich beurteilt werden könnten. Was die Auffassung der Stuttgarter Ortsgruppe anlange, so müsse doch gesagt werden, daß der süddeutsche Liberalismus erheblich weiter links stände als der norddeutsche und sich dem Standpunkte der Berliner Reformgemeinbe annähere. Unbekümmert um diese Richtungsverschiedenheiten werde die Stuttgarter Ortsgruppe alles daran setzen, die gedeihliche Weiterarbeit der Vereinigung durch tatkräftige Hilfe und Opferwilligkeit zu fördern. Stern erklärt darauf, daß er noch einmal versuchen werde, im Amte zu bleiben in der Hoffnung, daß die heutige Sitzung entsprechende Erfolge zeigen werde. Auf seine Anregung wurde einstimmig beschlossen: Es muß mit allen Mitteln versucht werben, die „Jüdischliberale Zeitung", deren Berlagsvertrag am 31. Dezember d. I. sein Ende erreicht, trotz der gesteigerten Unkosten auch im nächsten Jahre aufüechtzuerhalten. Die geschäftsführenden Vorstandsmitglieder sollen aber an einen Verleger wegen eines neuen Vertrages erst dann heranzutreten, wenn durch erhöhte Beiträge und Spenden wenigstens die Kosten für das erste Quartal 1923 sichergestellt sind. Diese wurden auf eine halbe Million Mark geschätzt, welche Summe bis spätestens Ende November aufgebracht sein muß, um keine Unterbrechung in dem regelmäßigen Erscheinen der Zeitung eintreten zu lassen. In den Vorstand kooptiert wurde Dr. Salomonski-Frankfurt a. O., an dessen Stelle Dipl.-Jng. Woyda-Berlin, der gleichfalls dem Vorstände angehörl, am 1. November 1922 die Redaktion der „Jüdisch-liberalen Zeitung" übernimmt. Frau Dormitzer und Justizrat Erlanger, beide Nürnberg, haben ihre Aemter als Vorstandsmitglieder niebergelegt, wovon die Versammlung mit Bedauern Kenntnis nahm, indem sie mit Dank der aufopfernden Tätigkeit derselben gedachte. Der geschäftsführende Vorstand wurde beauftragt, eine geeignete Persönlichkeit in Nürnberg und München in den Gesamtvorstand zu kooptieren. Schließlich wurde den geschäftsführenden Vorstandsmitgliedern auch gestattet, zur Verteilung der Geschäftslast noch eine beschränkte Zahl von Berliner Herren in den Vorstand aufzunehmen. Die Annahme der der Bereinigung in diesem Jahre gemachten Zuwendungen, die tellweise eine Höhe bis zu 50 000 Mk. erreichten, wurde einstimmig beschlossen. ES wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die von einzelnen Mitgliedern bewiesene Opferwilligkett anderen zum Vorbild dienen möge. Jüdisch-liberaler Jugend verein „Abraham Seiger" zu BreSla«. Am 29. Oktober fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt, in welcher die Namensänderung des Vereins, der nunmehr »Jüdisch-liberaler Jugendvereiy Abraham Geiger" heißt, beschlossen wurde. — ES wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt: aus Breslau die Herren Alfred Berger, Erich Bayer, Gemeinderabbiner Dr. Bogelstein, Emil Waldstein; aus Berlin Herr Justizrat Bernhard Breslauer. — Mit Rücksicht auf die dauernde Geldentwertung wurde eine Sonder. Umlage beschlossen (siehe Anzeigenteil). Außerdem sind noch kleinere formale Abänderungen der Statuten vorgenommen worden. Am 6. November sprach Herr Rechtsanwalt Erich Spitz über das Thema „Der Humanitätsgedanke im altjüdischen Strafrecht und Strafverfahren". vredla«. Aus berGebrüderFolkundHenschel Goldschmidt-Stiftung sind Unterstützungen an jüdische hilfsbedürftige Personen zu vergeben, die aus Breslau gebürtig und über 60 Jahre alt sind. Verwandte werden vorzugsweise berücksichtigt. Meldungen bis 24. November 1922. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. doch sehr geschätzt. Er führt Bücher und nur eigenes Fabrikat. Ihr Sohn wird ihn kennen." Auch KrauSnicker hatte in der Parallelkonferenz, die natmgemäß wesentlich bewegter verlief, Regina» Trostlosigkeit gebannt. „WaS Sie hierbei begreiflich quält, erscheint mir als ein Hoffnungszeichen. Es ist wirklich kein Anlaß zur Verzweiflung! Schweigen Sie nur gegen jedermann über Ihre Vermutung, und warten wir ab! Grüßen Sie mir Ihre lieben Kinder! Wie ich Max Rosenthal kenne, wird er nicht ruhen, bis er noch heute die Sache geklärt hat." Das war auch ein halbes Zitat, und während KrauSnicker eS auSsprach, mußte er daran denken, daß schon bei Ruth und BoaS reichliche Ehehindernisse im Wege standen. Als Max am Nachmittag gegen fünf vor dem Wittschen Schildchen stand und an der blankgepuhten Messingklingel zog, war er sich ganz klar darüber, daß die Bourgeoisie-Gefühle seiner Mutter bis zu einem gewissen Grade der Berechtigung nicht entbehrten, und daß dieser Milieu ein disharmonierender Beiklang seiner Liebe wäre. „Ich heirate nicht das Haus, ich heirate nicht die Familie, ich liebe Minni und gerade darum, weil alle» so ist, wie eS ist." — So sieht man wieder einmal, wie dar Gefühl auch dort, wo wir ahnungslos find, uns richtig führt. — Solche Meditationen gehen übrigen» viel schneller, als sie sich erzählen lassen. Der kecke FreierSmann brauchte nicht lange zu warten, denn schon kam die geborene Tugendreich, und er saß auf dem Polsterstuhl. „Ich brauche mich wohl nicht vorzustellen, Frau Witt", begann er, und sein schmales Gesicht wurde bleich vor Aufregung. »ES tut mir leid, daß der Widerstand meiner Eltern unsere Liebe erschwert und heute hier zum Ausdruck kam. Ich werde ihn überwinden, und alles wird gut werden. Ich bin und bleibe entschlossen, und das wollte ich Ihnen sagen!" — Regina wurden die Augen feucht. »Ich zweifle keinen Augenblick, Herr Doktor, daß Sie e» ernsthaft meinen, und es wäre ja auch schrecklich! So gern ich als Mutter mein Kind versorgt sehe, das Mädchen ist viel zu jung, und dann" — sie wußte nicht, wie sie eS einleiten sollte —, „ich befürchte: Sie , passen nicht für einander!" Max meinte, nicht einsehen zu Die ttrt öer Mischen Kuttusgemetn-en. Die Breslauer jüdische Gemeinde befindet sich in »tefl finanziellen Krisis, da das Budget mit einem Defizit von zwölf Mllionen Mark zu rechnen haben wirb. Man befürchtet, daß es nicht möglich sein wird, die Ge mein de beamten weiterhin voll nach der Reichsbesoldungsordnung zu entlohnen. Eine besondere Kommission hat die Aufgabe erhallen, die endgültigen Gehaltssätze zu bestimmen. 3fl tft gleich Wahnsinn, hat es -och Metho-e. Im „Aktions. Programm" des neu gegründeten „Deutschen Freiheitsbundes" findet sich als Einleitung folgender Satz: Die geschichtliche Entwicklung hat bewiesen, daß sowohl der jüdische und internationale Sozialismus als auch der jüdische und internationale Kapitalismus dem deutschen Volke weder Frieden, noch Freiheit, noch Brot zu geben vermögen. Gut so, Herr Laverrenz! Ihren Frieden kennen wir noch aujener Zeit, da Sie die Versammlung der Bölkerbund»-Ligo mit Ihren Baltikumern sprengten, Ihre Freiheit vollzieht sich im Zeichen des verbesserten „Heda"-KnüppelS, das Brot werden Ihre Freunde vom „Bund der Landwirte" auch weiter dem Volke durch übermäßige Preissteigerung unkäuflich machen. Aber Sie haben ja recht! Der Sozialismus ist jüdisch-international, der Kapitalismus ist jüdisch-international — und sogar in der Ahnengalerie bewährter Antisemitenführer soll gar manches jüdisch-international sein! Die Arbeit der Gebetbuch.Kommission. Am 31. Oktober nachmittags 4 Uhr fand in den Räumen der Frau Rosa Sach» zu Berlin die erste entscheidende Sitzung der Kommission zur Schaffung eines liberalen Einheitsgebetbuches statt. Erschienen waren: Rabbiner Dr. Baeck, Professor Frieblänber, Ellen Littmann, Rabbiner D. Seligmann, Rechtsanwalt Stern und als Gast Rabbiner Dr. Vogelstein. Entschuldigt fehlten Rabbiner Dr. Fuchs und Rabbiner Dr. Rieger. Rechtsanwalt Dr. Baer« wald hatte seine Auffassung über das zu schaffende Gebetbuch schriftlich eingesandt. Rabbiner Dr. Seligmann eröffnete die Sitzung mit dem Wunsche, daß theoretische Erörterungen, die zu uferlosen Debatten führen, möglichst vermieden werden möchten und daß praktische Arbeit geleistet werbe. Er schlug vor, für den hebräischen Text das Geigersche Gebetbuch zugrunde zu legen, da» bereits die liberalen Großgemeinden Berlin, Breslau, Frankfurt a. M. und in der Bogelsteinschen Bearbeitung die westfälischen Gemeinden erobert habe und somit bei mindestens zwei Drittel der deutschen Juden eingeführt sei. Der Name Abraham Geigers sichere dem Gebetbuch von vornherein die Autorität, die zu seiner allgemeinen Einführung notwendig sei. Wenn wir erst anfangen, de« hebräischen Text neu zu bearbeiten, blieben wir in prinzipiellen Streitfragen stecken und kämen nie zu einem praktischen Resultat. Rabbiner Dr. Baeck schloß sich diesem Vorschlag voll und ganz an und hielt den von dem Vorredner gewiesenen Weg für den einzig gangbaren. Er erweitert die Debatte, indem er zu» gleich auch für die deutsche Uebertragung vorschlägt, zunächst aus den vorhandenen Uebertragungen das beste auszuwählen, für spätere Auslagen aber ein oder mehrere Preisausschreiben zu veranstalten und zur Beteiligung alle dichterisch begabten und religiös empfindenden deutschen Juden einzuladen. Um dem' individuellen Bedürfnis der verschiedenen Gemeinden und der Rabbiner Rechnung zu tragen, und zugleich zur Verbilligung de» Gebetbuches sollen alle vom Rabbiner vorzutragenden Gebet« und Liturgien aus dem Gebetbuch aus geschieben und einer besonderen Agende Vorbehalten bleiben. * Eine längere Debatte entspann sich über die Frage, ob de« Gemeinden der Plan des neuen Gebetbuches vor der Bearbeitung vorgelegt werden soll. Die Kommission entschied sich einstimmig dafür, daß das Gebetbuch sofort, ohne vorherige Befragung der Gemeinden, in Angriff genommen werden soll. Es wurde ferner beschlossen, daß durch besondere Druckanordnung und spezielle Hinweise die Möglichkeit geschaffen werden soll, den individuellen Bedürfnissen der verschiedenen Gemeinden gerecht zu werden, wie ja bereits im Geigerschen Gebetbuch auf süddeutschen und nordostdeutschen Gebrauch Rücksicht genommen worden ist. Insbesondere sollen vorgedruckte können, und darum fuhr Regina etwas deutlicher fort:" „Wir sind ganz kleine Leute, und ich kann meiner Tochter nichts mttgeben, aber das ist schließlich nur eine Schwierigkeit." Im Nebenzimmer lauschte die Großmutter, das Ohr an die Tür gepreßt, diesen Präliminarien, um nur keine Silbe von der Unterhaltung zu verlieren. Daneben informierte sie Minni, die ziemlich apathisch im Bette lag. „Er redt immer noch, er redt wie'n Buch; hier laß ich ihn doch nich rin!", meldete sie, die Hand zum Sprachrohr geballt, wie der Mann im Mastkorb oder der Wächter vom Turme. „Jetzt jeht er über; nu wer'n wa hören!" — Regina trat ein und stürzte auf das Bett zu. Sie küßte Minni mit Leidenschaft und sprach unter Tränen: „Sei beruhigt, mein Kind, und Hab Vertrauen! Lr läßt Dich herzlich grüßen, und es wird alles gut werden!" — Minni richtete sich jäh auf, und aus ihrem Munde brach jener erschütternde Schrei, der Schmerz und Freude vereint. Sie umschlang die Mutier, und ihr ganzer Körper bebte in wildem Schluchzen. Selbst der alten Witt wurden die Augen feucht. Sie stemmte die Arme in die Hüften und rief: „Soll ick ooch noch mitplärren? Kinder, wat habt Ihr keene Kourage!" — Nun saß Max an der Hochzeitstafel und neben ihm Ebba, die reiche dänische Braut. Sie sah vornehm und anmutig aus, und ein langer Schleier umwallte ihre hohe Gestalt. Dort, wo er Las dunkle Haar krönend deckte, schimmerte der zarte Tüll fast bläulich, und wie von unsichtbarem Hauch bewegt, hob und senkte sich das fließende Gewebe. Fest preßte Ebba seine Rechte, daß es ihn beinahe schmerzte, und flüsterte heiß: „Jetzt habe ich Dich und ich lasse Dich nicht. Liebst Du auch mich?" Er aber bewegte nur das Haupt und antwortete nicht. Neben Ebba saßen seine Eltern. Der Vater, ernsthaft und feierlich, die Mutter in lebhafter Unterhaltung mit den fremde« Gästen. Im Saale brannten gar viele Kerzen, und doch schien es Max dunkel zu sein. „Meine Mutter sieht mich nicht an", sprach Max zu sich. „Warum nur? Ich habe doch alles getan; ich bin ja der gute Sohn!" Oben auf der Bühne tanzten und sangen sie unaufhörlich. „Weshalb bin ich denn traurig?- fragte sich Max. (Fortsetzung folgt.)

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