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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-11-10 · 45 (10.11.1922) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
45 (10.11.1922)
Date
1922-11-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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’tyn^T'JT , ly uy, '^1 . '-tyTTW- »emetfunfieit e» bin GMRiLr^Mögrrchett^rlMne' SM^ stücke auf verschiedene Wochentage beztv. die vier sLir fünf) Sabbate des Monats zu verteilen, wodurch eine erhebliche Kürzung de- Gottesdienstes herbeigeführt würde. .>! Es wurde beschlossen, den Schachari-gotteSbienst nicht getrennt vom Musfaphgottesbienst abzuhalten, dafür aber den SchachariSgotteSdienst durch die eben erweiterte Verteilung und durch die Zufammenziehnng der SchachariS-Tephilla (nach dem Vorbild von Mögen owaus am Freitag abend) zu kürzen. Die anwesenden Mitglieder der Kommission wie auch Rabbiner Dr. Vogelstein erklären sich bereit, an der Ausarbeitung des neuen Gebetbuches mitzuarbeiten und die Arbeit sofort in Angriff zu nehmen. Die übrigen geeigneten Kommissionsmit. glieder und eine Anzahl anderer namhaft gemachter Persönlichkeiten sollen zur Mitarbeit anfgesordert und die ganze Arbeit unter zirka zwanzig Mitarbeiter verteilt werden. Zuerst soll das Gebetbuch für Sabbat, die drei Feste und die Wochentage in Angriff genommen und die Vorarbeiten von jedem Mitarbeiter möglichst bis zum 16. Januar 1923 fertig gestellt werben. Die Vorarbeiten sollen alsdann bei sämtlichen Mitarbeitern kursieren und mit Bemerkungen versehen werden. Freiwillige Mitarbeiter, die sich, zu diesem Werke für geeignet halten, werden gebeten, sich bei dem Vorsitzenden der Kommission, Rabbiner Dr. Seligmann, zu melden. Ist. Die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums beging in Berlin ihr zwanzigjähriges Jubiläum durch einen Festvortrag des Herrn Rabbiner Dr. Baeck über die „Aufgaben der Wissenschaft vom Judentum". Da die Wissenschaft des Judentums mit Zunz im Gefolge der deutschen philologischen Wissenschaft des vorigen Jahrhunderts auftrat, so war auch sie philologisch-archäologisch betont. Und das Verdienst Leopold Zunz sei es gewesen, daß er das verwirrende jüdische Material mit der Hand des Philologen geordnet habe. Die Philologie aber sei nur die Vorstufe der Geschichte und bei ihr sei die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft stehen geblieben. Erst jetzt, nachdem der Weg durch die Jahrhunderte gebahnt sei, müsse daher die Geschichte vom Judentum aufgebaut werden. Sie habe sich dabei an die großen Vorbilder französischer Geschichtsschreibung zu hallen und die Forderungen von Taine und Bergson zu verwirklichen. Rasse und Herkunft müsse jede wahre Geschichtsschreibung beachten; wir aber haben die Willensrichtung des jüdischen Volkes nicht genügend berücksichtigt. Das Milieu müsse beleuchtet werden; denn babylonische und jerusalemische, östliche und westliche, böhmische und ungarische Juden seien grundverschieden. Bedeutsam sei aber auch die Feststellung der Wirkung augenblicklicher Ereignisse: der Zeit im momentanen Sinne. Was wüßten wir denn vom Einfluß des Unterganges Roms oder der französischen Revolution auf das geistige Leben der Juden? Sehr bereichert worden sei die Geschichtswissenschaft auch durch Henri BergfonS „vurös reells", der Lehre vom Nachwirken allen Geschehens in jedem neuen geschichtlichen Ereignis. Aus der Fülle der Vergangenheit allein sei jedes geschichtliche Moment zu verstehen. Daher müsse dem historischem Intuition angeboren sein. Er habe die Fülle des Stoffes in sich aufzunehmen und dann Distanz zu gewinnen, zu schauen. Wer dieses Ideal erreiche, her werde der Historiker des Judentums fein und di« wahre Wissenschaft vom Judentum schaffen. — Das gelehrte Auditorium nahm die scharfe Umgrenzung des Ziels jüdischer Gelehrtenarbeit mit lebhaftem Beifall auf. < jttifchet Veantke»bMtz, mit dem Sitz in Frankfurt a. M., ist vor kurzer Zeit begründet worden. Er stellt einen Zusammenschluß der verschiedenen jüdischen Beamtenorganisationen dar und erblickt seine Hauptaufgabe darin, den jüdischen Beamten gesicherte Rechts- und Besöldungsverhälluissc zu verschaffen. . ka. Unser Kampf gegen Rassenhaß. Klaffenhaß und Masfeahaß lautete das Thema der am I. November stattgefuudenen Veranstaltung des Verbandes Groß-Berliner Ortsgruppen der C.-B., in der Herr Prof. Dr. Niebergall-Marbmg, Professor Dr. Goldstein-Darmstadt und Dr. Alfons Steiger- Berlin sprachen. Prof. Dr. Goldstein wies aus die Irrlehren der Rassefanatiker hin, und widerlegte deren Auffassung mit Argumenten, die aus feinem hervorragenden Buche über „Rasse und Politik" bekannt sind. Als zweiter Redner sprach Herr Dr. Steiger, der vom Standpunkte eines Katholiken einen scharfen Trennungsstrich gegen den Antisemitismus zog. Er erinnerte daran, daß Christus ein Jude gewesen war und daß das Neue Testament auf dem alten aufgebaut sei. Antisemitismus bedeutet daher auch Kampf gegen das Christentum. Habe doch der oberste Vertreter der Kirche schon früher in Zeit Toleranz gewahrt und den Juden die Befreiung aus den Ghettomauern ermöglicht. Auf dem Konzil von 1869 haben die Kardinale im Vatikan in einer Resolution gegen den fanatischen Antisemitismus Stellung genommen und edle Nächstenliebe auf ihr Banner geschrieben. Er rief die Verordnung des preußischen Justizministers ins Gedächtnis, der den Gewaltansemitismus als Aufforderung zum Klassenhasse mit hoher Strafe bedrohe und wies darauf hin, daß dieser Katholik sei. Mit der Schärfe eines Wissenschaftler? widerlegte er die Beschuldigungen, die gegen da? jüdische Schrifttum erhoben werden und erklärte im besonderen die wahre. Bedeutung des Schulchan aruch. Als Vertreter des evangelischen Bekenntnisses zeichnete Prof. Niebergall das Wesen des Hasses. Das Besondere des Hasses sei, daß er sich nicht gegen die Sache, sondern gegen die Person richte. Kampf sei nicht mit Haß identisch. Der Haß sei nicht nur Dummheit, sondern auch Bosheit. Der Antisemitismus suche sich für alles Schlechte im Juden einen Sündenbock und verhindere so eine große Selbstkritik. 5m modernen für sich besteht. Die alte Beschaulichkeit ist gesWut^ett. Zahlreiche private Automobils die in den schmalen Straßen einen mächtigen Staub aufwirbeln, belästigen den Wanderer. Man kann es schwer verstehen, daß dieselbe Verwaltung, die sich gegen die Anlage elektrischer Straßenbahnen vor den Toren Jerusalems gewandt hat, weil es die Ruhe der heiligen Stätten störe, diesen lärmenden Automobilverkehr ohne weiteres duldet. Kino und Ballsaal spielen eine außerordentliche Rolle im Leben des neuen Jerusalems, und eine Schulleiterin gestand mit schmerzlicher Resignation dem Vortragenden: „Man tanzt abends." Aber trotzdem fehlt es auch nicht an ernsten Bestrebungen. Man sucht das Schulwesen von der einlachen Volksschule bis zur Universität unter Berücksichtigung de? Landesverhältmsses auszubauen. Dalmann hob anerkennend hervor, daß die türkische Regierung die heilige Stadt kampflos aufgegeben hat, um sie nicht der Beschießung auszusetzen. Leider haben die Engländer nicht überall so pietätvoll gehandelt. Hoffentlich bleibt aber trotz alledem die Eigenart der heiligen Stadt, die gerade in dem unmcrklichen llebergchen vom Alten zum Neuen besteht, auch in Zukunft erhalten. Auch die Zionisten müssen das im Laufe der Jahrtausende historisch Gewordene berücksichtigen. *4»»»♦♦4«« «4» 4M«» »44 44 »4 4 444M444444 »4«»» Vüchertisch Feitungsschau Das moderne Jerusalem vor und nach dem Kriege. Ueber dieses Thema hielt Geheimrat Professor Dr. Dalmcmn, der lange Jahre in Jerusalem Leiter des deutschen archäologischen Instituts war und jüngst die Stätten seines Wirkens wieder aufsuchte, einen Vortrag, über den die Berliner Voßische Zeitung berichtet: Er verkennt nicht, führte der Redner aus, daß zahlreiche Verbesserungen, namentlich auf hygienischem Gebiet, vor allen: in der Wasserversorgung in dieser heiligen Stadt vorgenommen worden sind, aber die Modernisierung, wie sie in Jerusalem nach den: Kriege eingetreten ist, hat durchaus nicht seinen Beifall. Die Stadt ist friedlos, militaristisch geworden. Mit oller Schärfe wendet er sich dagegen, daß man Jerusalem seines arabischen Charakters entkleiden, daß man künstlich eine Trennung zwischen der alten und neuen Stadt machen will. Es geht nicht an, daß ein antikes Jerusalem neben ..Altjüdische Legenden" nennt sich ein neues Bändchen (Nr. 347) der Insel-Bücherei" lJ n scl - B e rlag zu Leipzig), eine Auswahl aus dem „Born Judas" von M. ,J. bin G o r i o n. Vor wenig Monaten erst ist er. der diese Legenden gesammelt und herautzgegeben hat. ist M. I. bin Gorion aus dem Leben geschieden. Hätte er uns nichts hintcrlassen als diesen „Born Judas", diese Aneinanderreihung der rührend-schlicht wiedcrgegebenen kleinen Fabeln. Sagen und Erzählungen. dann hätte er sich damit ein Denkmal gesetzt, ein Papier- Denkmal, dauernder und jedenfalls weithin sichtbarer als Marmor. Diese eifrig gesammelten und nach einem Wiedergeburts-Prozeß ails der Seele des Erzählers neu erblühten Tagen lassen uns einen Blick tun in die Denk- und Empfindungsweise des Verfassers nicht nur. nein in die Gemüts- und Geistesverfassung des jüdischen Volkes, in das ganze altjüdische Wesen. In diesen kleinen Geschichten, in denen Poesie und Mystik ineinanderfließen. spiegelt sich die Moral- Philosophie der Juden, ihr Menschheits-Ideal, ihre Weltanschauung. Im Rahmen einer ureinfach erzählten kleinen Fabel, eines einfachen Märchens, das an sich durch Gehalt und Form uns anzieht, offenbart sich jedesmal irgend ein Stückchen altjüdischer Moral-Philosophie und ein kennzeichnender Zug des jüdischen Chgrakters. Der vorliegende, . einer größeren Allgemeinheit leichter zugängliche Auszug aus dem stattlichen Bande des „Born Judas" ist in seiner hübchen Insel- Verlags-Ausstattung besonders willkommen zu heißen. J. Landau. - Arisches Kaisertum oder Judenrepublik. Bon CarloMierend o r s f. Borwarts-Berlag. Berlin 1922. Wenn man auch für manche Detailangaben greifbarere Belege oder genauere Verweisungen vermißt und vor allen: die jüdische Ethik nicht ausreichend gegen die Anwürse von Theodor Fritsch verteidigt wird. — technische Wunderleistungen und kapitalistische O^stzinisotionen besagen doch nichts in der Frage des sittlichen ssi!8eau8! so bringt doch das Schriftchen allerlei nützliches Material zur Beleuchtung der ebenso verlogenen wie abgründig-dummen deutschvölkischen Hetzmethode. Aner. Gottesdienst Breslau Freitag 10. 11. Beginn. abends 4.15 1 4.30 Sonnabd. 11. 11. Beginn. merg. { 630 9.00 9j0O Predigt. Schrifterklärung. . . votm. ‘9.45 — — Jugendgottesdienst . nachm. 3.00 3.00 An 'den Wochen- Schlug. abends 4.56 4.56 12.11. bis Beginn ..... . morg. 6.45 7.15 tagen 17.11. Beginn . . ... . abends 4.15 4.15 Wte Nmc Konfirmationen in der Alten Synagoge, sra 11. November Arthur Nothmann (Vater Heinrich), WelSenburgerstraße 9. Heinz Langner (Vater Max). Opitzstraße 16 £Mtr Denin Ott WWWWtlntt Mau Jli-Breslan. Montag, den 13. Novbr. 1922, abends 87a Uhr, im Saale der Gesellschaft Eintracht: Vortrag des Herrn Justizrats Pelser: Abraham Geiser. Gäste willkommen! Permanente Ausstellung „moderner Wohnräume„ IlWiaSlMl IMISfrM« JlltlMt hAddnli. m-Berlin. Bflro: W 8 Mauerstr. 22 Amt Zentrum 162. Sonntag, den 19. Novbr. 1922, abends 7 Uhr, in der Gesellschaft derFreunde, IU-Breslau< Böro: Höfchenstr. 61, II. 1. Montag, den 13. Novbr. 1922, ebenda pünktlich 8*/m Uhr, Im Saale der Gesellschaft .Ein« tracht*, Tauentzienstraße 12 (Eingang nur Anger) Graeinsam VeRannlnm mit dem liberalen Verein der Synagogen «Gemeinde Breslau. Vortrag des Herrn Justizrats Georg Pelser: Abraham Geiger. G8ste, durch Mitglieder elnge« führt, willkommen. Leut BesdiluB der außer« ordentlichen Generalversammlung vom 30. Oktober gelangt für die ordentlichen Mitglieder im Alter von 16*35 Jahren eine Sonderumlege von Mk. 50.— zur Erhebung. Für die außerordentlichen Mitglieder ist die Sonderumtage ein freiwilliger Beitrag. Wir bitten alle Mitglieder um baldgefälllge Einzahlung auf Postscheck-Konto. Breslau 17443 Alfred Berger.'! Potsdamerstr. 9. Geselliges Beisammensein mit Tanz. Eintritt: 40 Mk. einsdil. Steuer. Karten bei Arthur Danziger, NO 43,Barnim str. 11, Kgst .4123 Berta Hirschberg, W. Neue Winterfeldstraße 27 (Kurfürst 9679) und im Büro W 8. Mauerstr. 22 (Ztr. 162). Nächster Vortrag: Donnerstag den 23. November 1922. Breslau | Mi >chweldnttcer Stadtgraben 19 Quartett Schrey Fritz Tachauer Täglich 11-1 Uhr: Tanz imtiiiaiitiiiimimtMiMiniiiiii werden nach neuen Modellen bald umgearbeitet« Lürfchtter Ltppman», Breslau, GvId.Nadeg« 27s, I. G ardlnen BmMnaaaanra Tüll-Bettdecken kauft man am besten u, billigsten be Maria Leder Breslau. Luisenpl. 141. Viele Empfehlungen! ■V Kein Laden! 1■* J. 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Bruno Woyda-Berlin. _ , 9 Botho Laserftein-Berlin N. 4; für den Roman: vr. Martin SalomonSki-Frankfurt a. d. O.; sür den übrigen Teil, des Blattes: BrunoWor) da-Berlin N. 87. i J

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