Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 42 (20.10.1922)
- Date
- 1922-10-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2613366-2613657-2613698--0472-2617720- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
einen Kranz mH Dankr-worten am Sarg nieder. Kerner sprachen der Rekor b?r Un^c’-fitot HW. Tr. Ka'^mann. der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogen-Geme'nde Köniosberg, Jnstizrat Holz, und der Präsident der Kan'loge U. O. B. B. Arthur Cohn, die noch einmal die Verdienste des Dah ni'eganoeneu um d'e von ihnen vertretenen Oroanisationen mit herzlichen Dankwonen zum Ausdnrck brachten. Alsdann wurde der Sarg von Mitgliedern des Gemeinde-Borstandes h'ncmsgetraeeu und neben dem noch heute unvergessenen Vorsitzenden der Köniasbcrger Gemeinde. Prof. Samuel, beigesetzt. Das Jüdssche Correspondenz-Bureau ber'chtet über die Gebetbuch-Kommission. welche unsere Vereinigung zur Durchsicht und Neuredaksion der Sabbalb- und Festoebete eingesetzt hat. und bearündet de Schasfuna dieses Gremiums damit, daß die Erinnerung an Zion und das Gel"'' f;;r rr^pr lt^ ^prf, ^pder^ Acnderunden im konservativen Sinne verwirklicht werden sollen. Da eine Tagung redaktioneller Art überhaupt noch nicht stattgefunden hat, ist die Meldung des Jüd schen Correspondenz-Bureaus als verfrüht und im wesentlichen unzutreffend zu bezeichnen. Der Berlmer Rabbiner und Vorsitzende deS Rabbinerverbandes in Deutschland. Tr. Baeck. hat einen Ruf nach Darmsladt erhalten, um an der von dem Grafen Hermann Kayserling gegründeten und geleiteten „Schule der Weisheit" Vorlesungen zu halten. Die Veröfscntl'chungen Dr Baecks über das Wesen des Judentums haben d'e Aufmerksamkeit weiter philosophisch interessierter Kreise auf seine Persönlichkeit gelenkt und so ist der Wunsch entstanden, in Darmstadt auch die jüdische Nuance des Geisteslebens durch einen besonders qualifizierten Kenner weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Wie wir Höven, wird Dr. Baeck dem Ruf Folge leisten. Me pollüftfic Bllanj vn Mheim-pcoMeo. Bevor noch die Verhandlungen gegen die Mörder und Verschwörer im Rathenau-Prozeß vor dem Reichsgericht zu Leipzig zu Ende geführt waren, zog die deutsche demokratische Presse die politische Bilanz dieses Prozesses und kam einmütig zu dem Schlüsse, daß einzig und allein die schrankenlose antisemitische Agitation der deutschvölkischen Gruppen und Zeitungen die Atmosphäre des Mordes vorbereitet hat. Einen großen Einfluß auf die Erweckung der Mordinstinkte unter der deutschvölkkichen Jugend schreibt die demokratische Presse der ungeheuren Verbreitung deberüchtigten Pamphlets „Die Weisen von Zion" in Deutschland zu und sie weist nochmals auf Ludendorff und andere Führer der rechten Parteien als diesenigen hin, die dadurch, daß sie eine so offenbar unsinnige Fälschung wie das genannte Buch in ihren Schriften und Reden als ernste Quelle zitieren, der Jugend ein böse- Beispiel der Begriffsverwirrung gaben. Aus der Hochflut der deutschvölkischen Schriften der letzten Monate zitieren die Blätter eine große Anzahl Stellen, die direkt zu einer Ausrottungsaktion gegen die Juden aufforbern. In einer der Zeitbrofchüren deS sogenannten deutschen BolkSrates in Leipzig heißt eS z. SB.: „Macht ganze Arbeit mit den Juden, Bestien reizt man nicht, man tötet fiel" In einem Flugblatt der „Deutschen Vereinigung für Volksgesundung" heißt es mit Bezug auf die Juden: „Auf zur Tötung, auf zum offenen Kampf gegen die Blutsauger." In einem von derselben Vereinigung verbreiteten Gedicht wird „allen Judasbrüdern" ein „roter" Tag angekündigt, an dem sie „wie tolle Hunde niedergeschlagen werden". Einer der engsten Mitarbeiter des Kapitäns Ehrhardt, deS Leiters der Organisation Consul, schrieb an den Adjutanten Ehrhardts, Hauptmann Berthold: „Hoffentlich vergißt der kommende Diktator nicht, die Juden für vogelfrei zu erklären. Eine Nacht genügt, um diese Hunde auszurotten. Ich habe hier schon eine schwarze Liste angefangen, damit auch die „Richtigen" totgeschlagen werden." , Die Zeitungen weisen nach, daß die Aufstellung solcher „schwäi-zei Listen" in verschiedenen Städten, besonders ln Bayern, vorgenommen wurde. Viel beachtet wird auch ein Artikel des Verfechters deS sogenannten wissenschaftlichen Antisemitismus Theodor Barth in der letzten Nummer der Zeitschrift „Der Hammer", in welchem ausgeführt wird, man müsse gegen die Juden verfahren wie der Arzt gegenüber dem Bandwurmleiden seiner Patienten: man müsse den Bandwurm töten und ausstoßen. Nach Beendigung der Zeugenvernehmung im Rathenauprozeß vor dem Neichsgerichtshof in Leipzig hielt der Oberreichsanwalt Ebermayer sein Plaidoyer, in welchem er die Verwerflichkeit der Mordtat zu der großen Persönlichkeit Walter Rathenaus in Gegensatz stellt. Er sagte, die Tat war nicht nur ein Verbrechen gegen Nathenau selbst, sondern auch gegen daS deutsche Volk, dem einer seiner besten und fähigsten Köpfe entzogen wurde. Für die Täter war Rathenau ein Schädling, weil er Jude war. Der Oberreichsauwalt tadelte die antisemitische Hetzpresse, die solchen unreifen Köpfen, wie den Angeklagten, täglich Ideen vorgekaut habe, daß Nathenau den Bolschewismus in Deutschland herbeiführen wollte und anderen Unsinn mehr. Er zitiert ein Interview RathenauS mit einem holländischen Korrespondenten, in welchem Rathenau die Schicht, aus der die Attentäter gegen Erzberger hervorgegangen W WehMgÄr'MW ftuniiiennamtii in sslirlen. Ein beschämendes Streiflicht wirft brt Wiener Prozessor Georg Müller auf die Kulturverballniss« GalizienS: Die oft auffallend grotesken Namen jüdisch-Mliztscher Familien, die nicht selten für den Träger ein empftrr-dltches Hemmnis bedeuten, sind der Gegenstand der interessanten Ausführungen. Daß l is in die Regierung szeit der Kaiserin Maria Theresia hinein die Juden keine Familiennamen besaßen, dürste allgemein bekannt sein. AlS sich dann aber beim allgenreinen Kultnrforffchritt die Unhaltbarkeit dieser Zustände erwies, begann der Staat, den Juden, die sich unter sich nur nach ihrem Vater nannten (zum Beispiel Daniel, Sohn von Mo'es), zwangsweise Namen beizulegen. Es war nun leicht möglich, bei der großen Bestechlichkeit der Beamten, sich einen selbstgrwähllen Namen zu verschaffen, das beißt, wenn man danötige Geld hatte. Die reicheren Familien zogen zunächst die Zoologie, d e Botanik und die Mineralogie zu Rate. Ebenso gingen die eigens mit der Namensgebung beauftragten Beamten vor — solange ihr Wissen nicht erschöpft war. Namen wie „Maufeie", „Eidarel", ja sogar ..M'ondkalb" werden von Müller an« geführt. Botanische Namen wie „Fingertmt", „Rosenstengcl", „TetteCfcnum" und mineralogische wie »Bleiglanz*. „Goldstein". „Stlberstein" sind ja auch bei uns geläufig. Als aber dann die Erftndung-sgabe der Beamten am Erloschen war. wurden neue Wissensgebiete als Quelle für die Namengebung herangezogen: Geographie, Physik, Meteorologie, Astronomie wurden zu Rate gezogen. „Mnllmrer*, „Wasserdampf", „WindhoS", „Nordlicht" wandeln ~ in Galizien umher. „Netvrt". Bohrloch", „Komet", dann wieder feudaler österreichischer Uradel, „Windisch-Groetz" „Liechtenstein". Den' armen Juden, die kein« Bestechungsaclder aufbringen konnten, wurden zuletzt ganz widersinnige Namen beigelegt. Greulich mißhandelt wurde die dmjsche Sprachlehre. „Buchstabierei, „Lustwandel, „Untergeber", alle möglichen und unmöglichen Zusammenstellungen von Zeitwörtern schmückten die Firmenschilder der jüdischen Krämer. Eigenschaftswörter, wie „Schrift ich, „Wörtlich". „Teilhaftig", Zahlwörter und nickt zuletzt Binde- Wörter, zum Beispiel: ..Und". „Oder", „Ausbaß" wurden zu Namen für den Menschen. — Originell wirkt die Eitelkeit reicher galtzischer Juden, wenn man ibre Geschlechtsttamen den Vornamen voranstellt. Da gibt es «inen Muter Cyaim . einen „Baron Eisig". „Gras Sckafe", „Fürst Leib", sogar emen waren, als ein« Schicht der infolge de» verlorenen fertige» im Zusammenhang mit einer falschen Erziehung Deklassierten bezeichnete, deren Stimmung man begreifen und deren Tat man psychologisch verstehen könne. Der OberreichSanwalt sagte: „Aus diesen Kreisen rekrutieren sich auch RathenauS Mörder. Er mag damals wohl nicht daran gedacht haben, daß er mit der Zeichnung der Mörder ErzbergerS die Psychologie seiner eigenen Mörder gab." DaS Plaidoyer des Oberreichsanwaltmachte einen starken Eindruck auf das Auditorium. - Aus dem Reich. Der preußische Landesverband. Am 26. Juni d. Js. fand in Berlin die Tagung der preußischen Synagogengemeinden zwecks Begründung deS Landesverbandes statt. Noch auf der Tagung selbst ist die Konstituierung erfolgt. Der Vorstand der jüdrscken Gemeinde zu Berlin wurde mit der vorläufigen Geschäftsführung betraut. Die Arbeiten sind unverzüglich ausgenommen worden. Es galt zunächst die Verhandlungen wegen des Beitritts mit den Genieinden zu führen und davon den Ministerien als Vorbedingung für die Bewilligung der Staatsbeibilfen geforderte statistische Material zu beschaffen. Trotzdem e8 sich um viele Hunderte Gemeinden handelt, mit denen einzeln verhandelt werden mußte und die Verhandlungen in die Ferien fielen, durch die sich vielfach eine Verzögerung ergab, sind die Arbeiten soweit gediehen, daß von fast sämtlichen größeren Gemeinden die Beitrittserklärungen erfolgt sind und der Verband bereits setzt alles in allem rund 400000 Seelen umfaßt. Schätzt man die Gesamtzahl der zur Zeit in Preußen wohnhaften Juden auf rund 425 000 Seelen, so ergibt sich, daß der Landesverband schon heute bis auf einen kleinen Bruchteil die gesamte preußische Judenheit repräsentiert. Bonden größeren Gemeinden (über 1000 Seelen) gehören ihm an: Berlin, Frankfurt a. M., Breslau, Köln, Hannover, Düsseldorf, Königsberg i. Pr., Essen, Beutben O.-S., Dortmund, Stettin, Wiesbaden, Magdeburg, Aachen, Gleiwitz, Halle, Duisburg, Trier, Kiel, Gelsenkirchen, Bochum, Bonn, Erfurt, Liegnitz. Bon den Gemeinden Kassel und Krefeld liegen grundsätzliche ZustimmungSerklärungen gleichfalls schon vor, sodaß der formelle Beitritt demnächst zu erwarten ist. In der Hauptsache fehlt eine Reihe kleiner Gemeinden. Diesen kann nur dringljchst geraten werden, unverzüglich ihren Beitritt zu erklären. Denn gerade für sie wird, abgesehen von der ideelen Seite der Frage, die Zugehörigkeit zu dem Verbände vielfach geradezu eine Lebensfrage bedeuten. Einer der dringendsten Gründe für die Schaffung der Landesorganisation war die Ueberzeugung, daß ohne einen derartigen Zusammenschluß die Existenz der kleinen Gemeinden ernstlich in Frage gestellt ist und eine der Hauptaufgaben deS Verbandes besteht demgemäß auch darin, durch Aufbringung von Mitteln, seitens der leistungsstarken Gemeinden und die Erwirkung von Staatsbeihilfen die leistungsschwachen Gemeinden über Wasser zu halten. ES ist nun selbstverständlich, daß von dem Verband nur diejenigen Gemeinden bedacht werden können, die ihm angeschlossen sind. Alle diejenigen Gemeinden also, die den Beitritt unterlassen, schließen sich sel bst sowohl von der Hilfe der anderen Gemeinden, wie von der Berücksichtigung bei den dem Verbände zu bewilligenden Staatsbeihilfen aus. WaS die erforderlichen Vorarbeiten für die Bewilligung der Staatsmittel betrifft, so hatten die zuständigen Ministerien die Einreichung der statistischen Unterlagen bis spätestens Ende August verlangt. Trotz der Schwierigkeiten, die sich bei den Verhandlungen mit den hunderten von Gemeinden ergaben und trotz der von vielen Gemeinden bezeigte« Saumseligkeit ist es möglich gewesen, die Arbeiten soweit zu fördern, daß ein, wenn auch nicht vollständige-, so doch für die Beurteilung der Gesamtverhältnisse ausreichendes Material rechtzeitig dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung eingereicht werden konnte. Soweit die Beantwortung der Fragebogen noch aussteht, muß sie unverzüglich noch nachträglich erfolgen, damit einem etwaigen Verlangen des Ministeriums nach Ergänzung der fehlenden Angaben entsprochen werden kann. Hermann L. Strack tz. Ein eigenartiger Zufall hat eS gefügt, daß gerade in den Taaen, in denen die deutschen Orientalisten von nah nnd fern sich in Berlin versammelt hatten, einer ihrer angesehensten und über die engeren Fachkreise hinaus bekanntesten Berufsgenvssen aus dem Leben geschieden ist. Am Donnerstag ist hier der Hebraist und Bibelforscher Geh. Konsistorialrat D. Dr. Hermann Lebr. Strack, vrd. Honorarprofessor der Theologie an der Berliner Universität, im Alter von 76 Jahren gestorben. Als Sohn eines namhaften Pädagogen in Berlin geboren, studierte er in seiner Vaterstadt und in Leipzig Theologie und Philologie und arbeitete, nachdem er sich den Doktorgrad ertvorben und einige Jahre am hiesigen Wilhelmsgymnasium unterrichtet hatte, längere Zeit in der großen Petersburger „Pabst Selig" (!) Auch ein Herr „Klinaelbeutcl" und ein.Herr .Tabernakel" läuft öffentlich hermn. Jüdische Aerzte benermm sich nach ihren Spezialitäten. Dr. Ohrensiein, Dr. Nabelbruch, Juristen nach der ihrigen. .Dr. Paragraph, Polizei, kommissär Dr. Hinterlistig!. Zuletzt mögen noch einiae humortnsplrterte Namengebungen au» der — m^ellbet gesagt amtlich bestätigten — Sammlung Professor Müllers folgen. Da aivt eS einen Herrn Honigsüß, Affenschwauz, einen Herrn Mandelfreund, Gurkenscheib, Kokosnuß, Kulmbacher und sogar eine Frau Famtlienfraß. — Uns mögen diese Zusiände sonderbar, beinahe unglaublich Vorkommen. Wer aber je in Galizien war. konnte sich selbst überzeugen von der Art und den Folgen dieser oft imwürdiaen Beamtenwillkür, die oanze Geschlechter dem Spott und Hohn der Zeitgenossen aussetzte. Die Gesellschaft Mekkze Kir-amim, die sich zur Aufgabe gestellt hat, wertvolle W"t'e der älteren bebräizur Aufgabe gestellt hat, wertvolle Werke der älteren bebrütschen Literatur nach Handschriften zu veröffentlichen, nimmt nach einer durch die traurigen Verhältnisse der Krieg-- und Nachkriegsjahre bedingten längeren Unterbrechung ihre Tätigkeit wieder aus und versendet drei Schrillest. Gleikh?eilia erstattet st« ihren Mitgliedern Rechenschaft über d'e lebten Fahre. Sie hat seßr schwere Verlust« m bellaaen. Bon ibren Leitem flttb verstorben die Herren Prozessor Abraham Berliner in Berlin, der sie 1884 neu begründet U'd die zwanzig Fahraöng« der zweiten Serie säst autzschlleßchich a«'eit-'t bat, Professor Sckechter tn New fkock, F. A. Harkavy iw St. Petersburg, Professor Brann in Breslau, Professor Margultes in Florenz nnd Dr. Samuel Vomanski in Warschau, ans dessen eifriges Betreiben' die Gesellschaft d'e dritte Ser'e ihrer Veröffentlichungen ausgenommen Hai, der bis zuletzt mit aroßtem Eifer sich an den Arbeiten beteiligt nnd auch für die Zukunft eine Reihe von Anregungen Hintersassen mit deren Ausführung der Vorstand sich beschäftigen wird. Auch der bisherig« Schatz-weiter Herr Leo Mainz in Frackstirt a. M. ist aus dem Leben geschieden. Ebenso kiellagt bis Gesellschaft den Verlust bervor'aaentzkr Gelehrter, die lkr thre Arbeiten zur Perfüanna gestellt ba''en, wi; Wraftffor Dr. D. Hoßsmann in Berlin, Dr. Adolph Poznanski in Wien und Vrofeslvr Dr. Jakob Gnftwann in BreZlau, der es übernommen hotte, Poznanskis Arbeit nach dessen Tod: Bibliothek. Die dort von ihm vollendete Ausgabe einer wichAyen hebräischen Handschrift der prophetischen Bücher de» Alten Testamentlenkte die Aufmerksamkeit der akademischen Kreise auf ihn; im Jahre 1877 wurde er als Nachfolger Kleinert» außevvrdentlicher Professor für alttestamentliche Wissenschaft an der Berliner Theologischen Fakultät, an der er, seit 1910 ordentlicher Honorarprofessor, über die verschiedensten Gegenstände der biblischen Theologie Vorlesungen hielt. Stracks wissenschaftlich-literarische Tätigkeit bekundete in ihrer Vielseitigkeit die Regsamkeit seines Geistes. Als erfahrener Pädagoge erwies er sich in seinen Grammatiken des Hebräischen und Aramäischen, in seiner Einleitung in daS Alte Testament und in seinem Dibelkommentar, Schriften, deren zahlreiche Auflagen Zeugnis von ihrer Brauchbarkeit und ihrer Beliebtheit bei den Studierenden ablegeu. Eine weitreichende Autorität genoß er als Kenner des nachbiblischen jüdischen Schrifttum-, vor allem deS Talmud. Durch feine genaue Kenntnis der lalmudischen Schriften und Lehren war er in der'Lage, da» Judentum gegen den Vorwurf unsittlicher oder staatsfeindlicher Gebeimlehren wirksam zu verteidigen. Der sogenannte wissenschaftliche Antisemitismus und seine Führer, wie Stöcker und Rohling, fanden an ihm einen unerbittlichen, sachkundigen Gegner. Seine Schrift „Das Blut im Glauben und Aberglaube« , der Menschheit" ist eine überzeugende, in ihrer Art klassisch« Widerlegung des antisemitischen Blutmärchens. Bei alledem hat Strack seinen Standpunkt als rechtgläubiger evangelische» Theologe niemals verleugnet. Daneben war er aber ebensp unermüdlich bestrebt, die Kenntnis des Judentums und da» Verständnis der jüdischen Religion und ihrer Lehren in chrisht lichen Kreisen zu verbreiten. An der Universität hatte er 188» ein Seminar für nackbiblischeS Judentum ins Leben gerufen/ das er bis in seine letzten Tage leitete, und dem er schon der Lebzeiten den größten Teil seiner wertvollen Bibliothek überwiesen hatte. BreSlau. Bei der am 21. Juni d. Fs. von der Ortsgruppe Glogau des Riesengebirgsvereins auf dem Gurkauer Berge veranstalteten Sonnenwendfeier machte der Hauptredner, der deutschvöllische Major a.^ D.' Henning aus Berlin, in seiner Festrede auch antisemitische Ausfälle. Auf unsere Beschwerde beim Hauptvorstand des Riesengebirgsvereins in Hirschberg erwiderte undieser, daß „nach den Bereinssatzungen Erörterungen politischen Inhalts — und dazu wurde auch die Indem frage gerechnet — bei der Vereinsarbeit ausgeschlossen^ seien. Die Ortsgruppe Glogau habe in dieser Angelegenheit folgenden Beschluß gefaßt: „Der Borstand der Ortsgruppe Glogau stellt sich auf den in der Anmerkung der Redaktion unter dem Gngefandt im Niederschlesischen Anzeiger vom 28. Juni 1922 gekennzeichneten Standpunkt und macht die dort abgegebene Erklärung zu feiner eigenen." Die Anmerkung der Redaktion lautet: „Wie uns versichert wird, hat die Leitung der Veranstaltung dem Redner dringend nahegelegt, sich aller verhetzenden Ausfälle zu enthalten. Da« er sich über dieses Verlangen einfach hinwegsetzte uno Wendungen brauchte, die nach den uns vorgelegten Proben noch stärker waren, als der Bericht vermuten ließ, berechtigt die Zurückweisung. Herr Henning hat über seine Eignung als Redner bei solchen Anlässen selbst das Urteil gesprochen." Breöla«. Audem Gemeindebüro wird un» geschrieben» Die Mazzötüvelsorgunq für Peffach 1923 stößt auf erhebliche Schwierigkeiten. Die Fabrikation erfordert so große Mittel, daß die beiden hiesigen Fabriken zwar da» Geld für Kohle, Packmaterialien und Löhne aufbringen, aber nicht das für den Ge- , ireideeinkauf. ES handelt sich hierbei um 12—16 Millionen, die bei der heutigen Geldknavyheit bei den Banken im Kreditwege auf 4 Monate nicht beschafft werden können. Auch die Gemeinde ist nicht in der Lage, diese Summe vorzuschießen. Die Gemeinde hat sofort Besprechungen mit den beteiligte^ Kreisen abyehalten und hierbei erreicht, daß einige hiesige groß« Getreidefirmen sich bereit erklärt haben, geyen eine größere Anzahlung die Getreidelieferungen zu finanzreren. Unter Berücksichtigung der damaligen Meblprerse, die heute leider beträchtlich überholt sind, ist der für 1 Pfund Mazzoth oder Mazzothmehl erforderliche Vorschuß auf 60 Mt. errechnet worden. Da auch dr« Mazzothhändler zur Tragung dieses Vorschusses nicht imstande sind, muß auf die Verbraucher selbst zurückgegriffen werden. Wer also Mazzoth auS einer der hiesigen Fabriken durch die hiesigen Händler geliefert haben will, muß bei einem der Händler bist. Oktober 1922 seine Bestellung machen. Mit dem vom Händler empfangenen Bestellschein muß er den Vorschuß von 60 Mk. pro Pfund im Gemeindevüro, Wavstraße 9, einzahlen. Die Gemeinde ^ltt^i^^enaue^Ltslenführun^^^nisier^^^vir^dar^^ tiernuszugeben. Neu eingctteten sind in den Vorstand Dr. Cyrus Adler in Philadelphia, der Schriftsteller S. I. Agnon tn Homburg v. d. H., Oberrabbiner Dr. H. P. Chases in Wien Und Professor Dr. I. Elbogm in Berlin. Mit frischem Mut geht die G-eseMchast an ihr Werk, sie gibt sich der bestimmten Erwartung hin, baß sich ihr wi« tn früheren Jahren gelehrt« Mitarbeiter -ur Verfügung stelle« und die Fottsetzung ihres Werkes ermögsichen werden. Von rricht geringerer Bedeniung aber als diese selbstlos« Miiwtrk'.mg der Gclchtten ist es, daß die Gesellschaft materiell«! Unterstützung findet. Sie ruft ihre altett Mitglieder aus, treu zu ihr zu halten und die Beiträge dem heutigen Geld, wert entsprecheirb zu bemessen. Es braucht Nicht gesagt zu! werden, daß die Preise für die Herstellu.ng aller Drucksachen seil der letzten Ausgabe von Diichern im Jahre 1913 aus mehr als das Hundertfache gestiegen sind. Besonders vevhängnisvvll aber ist es für die Gesellschaft Mekize Rirdamtm,- daß die Übertviegende Mehrzahl ihrer bisherigen Mitgliedes! in denjenigen Länbem Mittel- und Ofteirropas ansässig war, deren Valuta vollständig zusammeugebrochen ist. Nur wenn begütert« Glaubensgenossen in allen Ländern, besonder» ade» den hochvalutarischen und öffentliche Körperschaften ihr« tat. kräfttge Unterstützung gewähren, kann die Gesellschaft Weiler, arbeiten. Der jährliche Minbestbe-itrag beträgt 13 Schweizer Frt. Zum Versand gelangen gegenwärtig Midrasch Hagadol (Ford seftung), zweitens Asulais Reisebeschreibung „Maagal Tov" 1, und der Hai Gaon zugeschrlebene Kommentar zu Teharot I. Für das nächste Ja>hr sind außer drn Fortsetzuugen der beiden letzten Schriften Forisetzungm des Diwans Jehuda .^alevvS und des Seser Rabiab, sowie Abraham d. Chi'aK Me Mat Hameaolft geplant. In Bo^e^eitung ist ferner ein« ^»isaabe aller Responsen von Moses MoimonideZ nach handschriftlichen Oaellen uM-r Benutzung der arabischen Originale. Rorsisiender der Geselftchaft ist Professor Dr. Simonsen in Kopeuhaacn, Stellvertreter Rrofessor Dr. A. Freimann in Frankfurt a. M.. Schriftführer S. I. Agnott in Homburg v. d. H.. Schabmieisier Herr Bankier M. Mainz, Frarck» ftttt a. M., Uhlanöstraße 46.