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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-10-20 · 42 (20.10.1922) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
42 (20.10.1922)
Date
1922-10-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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vachen. daß jeder, der rechtzeitig seine Bestellung gemacht und einen Vorschuß gezahlt hat, tatsächlich die von ihm bestellte Menge viazzoth erhält. DaS Nähere besagen die Bekanntmachungen, welche «i den Mazzothhändlern, Fleischereien, Schulen, Synagogen:c. auShängen. Wer die Bestellung verabsäumt, hat es seiner Nachlässigkeit zuzuschreiben, wenn er Mazzoth nicht erhält. Tie Gemeinde weist schon jeden Vorwurf von Leerausgehenden zurück. Sie hat alles getan, was nach Lage der Sache in ihren Kräften steht. Der Einfluß der Judenhetze ans die internationale Position Deutschlands. Der vor kurzem aus der deutschnatiovalen Partei ausgetretene ehemalige Minister und jetzige Reichstagsabgeordnete Prof. Dr. Düringer veröffentlicht in dem Organ der Deutschen Vollspartei „Die Zeit" eine scharfe Polemik gegen die Kampfesweise des Grafen Westarp und anderer deutschnattonaler Führer gegen die Juden, die er als sehr schädigend für Deutschlands außenpolitische Position bezeichnet. Prof. Düringer fragt, welche positiven Resultate sich Graf Westarp von seinem in der letzten Zeit angetündigten verschärften Kampf gegen die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung des Judentums verspricht. „Gerade jetzt, wo das deutsche Volk nicht nur um seine politische, sondern auch rnn seine wirtschaftliche Existenz mit seinen äußeren Feinden öitf Leben und Tod zu ringen hat, gerade jetzt, wo an einer Wiederherstellung unseres internationalen Kredites und unserer Wirtschaft im Verhältnisse zum Ausland gar nicht zu denken ist ohne Mt Wirkung des jüdischen Kapitals und der mit ihm verknüpften intellektuellen Kräfte." Prof. Düringer schreibt weiter: „Meines Erachtens ist ein solcher innerer Kampf niemals so unzeitgemäß, den Interessen des Vaterlandes so direkt zuwiderlaufend gewesen, als in dem gegenwärtigen Zeitpunkt." Freier Staat und Gewigeu-zwaug. Die vereinigten Elternausschüsse der hiesigen höheren Schulen haben in einer Sitzung am Dienstag gegen die Verordnungen des sächsischen Kultusministeriums vom 12. und 24. August, betr. ReligionSübung und Schule, folgenden Protest an das Kultusministerium beschlossen: „Die vereinigten Elternausschüsse der höheren staatlichen und städtischen Schulen Leipzigs haben mit tiefster sittlicher Entrüstung von den beiden Verordnungen des sächsischen Kultusministeriums vom 12. und 24. August Kenntnis genommen. Sie erheben gegen beide entschiedensten Widerspruch und verlangen ihre sofortige Aufhebung. Die Eltern der Schüler der höheren Schulen Leipzigs sind nicht gesonnen, solche Eingriffe in ihre Elternrechte und Elternpflichten hinzunehmen und werden selbst vor den schärfsten Abwehrmaßnahmen nicht zurückschrecken." Gegen den Erlaß der sächsischen Regierung vom 12. August, der deu Schulbesuch an staatlich nicht anerkannten Feiertagen verlangt, hatte ferner die Israelitische Religionsgemeinde eine Protestversammlung in das Künstlerhaus einberufen, zu der die südischen Eltern in großer Zahl gekommen waren. Die Eidspruchserklärung der Israelitischen Religionsgemeinde in Dresden lautet: „Die Verordnung des Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts vom 11. August 1922 versetzt die jüdischen Eltern in den härtesten Gewissenszwang. Die Juden trifft die Verordnung am schwersten, weil ihre durch die Jahrtausende geheiligten Feiertage durch die jüdische Zeitrechnung festgesetzt sind und mit den gesetzlichen christlichen Festen nickt zufammenfallen. Den jüdischen Eltern ist eS unfaßbar, daß sie vom Staat gezwungen werden, ihre Kinder auch an den höchsten Feiertagen, ^ie unmittelbar bevorsiehen, statt zum Gottesdienst zur Schule zu schicken. In unserer 9iot legen wir nachdrücklich Verwahrung ein gegen diesen Eingriff in die Freiheit der Religionsübung, die allen Bekenntnissen durch die Verfassung von Weimar gewährleistet wird." Wie bekannt, sind alle diese Proteste ohne Erfolg geblieben und der Erlaß des Kultusministers Fleißner bleibt in Kraft. Es hat die Verordnung über den Schulbesuch an staatlich nicht anerkannten Feiertagen sogar aus die israelitischen Privatschulen Anwendung zu finden, und es sind künftig Befreiungen israelitischer Kinder vom Schreiben, Zeichnen und von den Nadelarbeiten im Schulunterricht an den Sonnabenden nicht mehr zulässig. Zeitungsschau und verschiedenes. Deutschv-lkische und Faszisten. Die Gewalttaten der italienischen Faszisten gegen die Deutschen in Süd- :irol, wo die Faszisten u. a. das Rathaus in Bozen be>- >etzten, den Rücktritt des deutschen Bürgermeisters und die Auslieferung mehrerer deutscher Schulen erzwangen, hat die Deutschvölkischen, die bisher zu den unentwegten Bewunderern der faszistischen Ideen und Methoden gehörten, sehr in Verlegenheit gebracht. Ein Teil der vor dem Leipziger Reichsgerichtshof stehenden Angeklagte« km Rathenauprozeß gehört bekanntlich auch der sogenannten Münchener Fasziftenbewegung an. MS der Führer der italienischen Faszisten Mussolini vor einigen Monaten in Deutschland weilte, trat er mit Führern der deutschvölkischen Bewegung in intime Fühlung, und es hieß dann später, Mussolini werde eigens nach Deutschland kommen, um hier eine deutsche Faszistenbewegung zu organisieren. Nach den ausgesprochen antideutschen Mionen der italienischen Faszisten drücken die deutschnattonalen und deutschvölkischen Blätter ihre große Enttäuschung über das Vorgehen ihrer italienischen Freunde aus und ermahnen sie, an der Grenze des deutschen Volkstums Halt zu machen. Budapest. Die Schließung der ungarischen Hochschulen. Wie nun bekannt wird, sind der Schließung der Ilniversitüt und Hochschulen in Ungarn ungeheure Tumultszenen vorausgegangen. Die antisemitischen Studenten überfielen und mißhandelten nicht nur ihre zu den Vorlesungen erschienenen jüdischen Kollegen, auch mehrere Hochschullehrer wurden von ihnen tätlich angegriffen. An der tierärztlichen Hochschule zu Budapest wurden an: 6. Oktober die wenigen jüdischen Studenten, die auf Grund des Numerus clausus dort studieren dürfen, von den christlichen Hörern im Hochschulgebäude überfallen, blutig geschlagen und ihrer Mappen und Bücher beraubt. Am gleichen Tage drangen antisemitische Hörer in einen Krankensaal der medizinischen Fakultät der Budapester Universität ein und mißhandelten den Universitäts- Professor Dr. Geza Encz, in der falschen Meinung, daß er Jude sei. Sem Assistent Dr. Lindholz, ein Jude, wurde blutig geschlagen und aus dem Gebäude hmausgeworsen. Achnliche Szenen spielten sich an der Universität zu Prcsiburg, sowie an anderen ungarischen Hochschulen ab. Das Urteil im Gotteslästerungsprozeß. In dem Gotteslästerungsprozeß gegen die Schriftsteller Carl Einstein wegen seiner Schrift „Die schlimme Botschaft", der auf Betreiben deutschvölkischer Kreise angestrengt wurde, ist der Angeklagte zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die Gefängnisstrafe wurde in eine Geldbuße von 10 000 Mark umgewandelt. Der Staatsanwalt hat in seinem Plaidoyer Einstein als Juden angegriffen, ihm als solchen jede Religiosität abgesprochen und eine sechsmonatliche Gefängnisstrafe beantragt. Der Angeklagte verteidigte sich dahin, daß ihm jede Verletzung der Religiosität fern lag, er habe nur darstellen wollen, wie es Christus ergehen würde, wenn er zu den heutigen Menschen käme. Unter dem Titel „Autodafe" veröffentlicht der Verteidiger Carl Einsteins, der ehemalige preußische Kultusminister Wolfgang Heine in der „B. Z. am Mittag" einen scharfen polemischen Artikel gegen den Prozeß und den Staatsanwalt. Er schreibt: „Wir haben es herrlich weit gebracht, das muß man Zugestehen: im neuen Volksstaat genügt es, daß ein antisemitisches Hetzblatt mit denunziatorischem Finger auf das Werk eines Dichters hinweist, um sofort ein Kesseltreiben hervorzurufeu." Zm wissenschaftliche« Theater Urania sprach der langjährige Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts ii? Jerusalem Geheimer Konsistörialrat Professor Dr. D. Dalman (Greifswald) über das Jerusalem von heute. Der Redner, der im vorigen Jahre Jerusalem nach längerer Zeit wieder sah, gab im allgemeinen ein wehmütig stimmendes Bild der Entwicklung. Um das alte Jerusalem, das bis vor 80 Jahren von Mauern eingeschlossen war, sei ein neues entstanden, durch das Jerusalem mehr als verdoppelt wurde. Dieses neue ist die Stadt der Europäer, doch fehlen auch Araber nicht, das alte die Stadt der Palästinenser, zu denen sich aber viele Juden gesellt haben. Es ist ein Fehler, nur die ummauerte Stadt als die heilige anzusehen. Schlimmer noch werde der Fehler, wenn man nur einige Gebäude unter den Schutz des Völkerbundes stellen wolle. Christen und Juden sollten sich vereinigen, den Schutz des ganzen Jerusalems anzustreben. Jerusalem würde für die Wissenschaft, den Glauben und für die Fremden nichts ohne die alte Stadt sein. Der Redner schilderte dann, wie er das moderne Jerusalem im vorigen Jahre wiedergesunden, die Fremden hinter ihrer Führern hergehend, die Bewohner alles Neue aus Europa annehmend, die Konfirmandinnen in kurzen Röcken mit Hellen Strümpfen usw. Das arabische Jerusalem, das alte unserer Tage, das Pierre Lott begeistert geschildert hat, sähe sich nicht mehr ähnlich. 160 Privatautomobile seien nach dem Kriege entstanden, und während die elektrischen Bahnen nicht ins Leben treten dürfen, weil sie die heiligen Stätten stören würden, tönen einem immerfort die Hupen der Automobile ins Ohr. „Wo ist mein altes Jerusalem geblieben," klagte der Redner, der eine durch viele Lichtbilder unterstützte fesselnde Schilderung gab, immer wieder. ES ist sehr passend, daß vor 600 Jahren Kaiser Ludwig der Payer den Oestcrreicher Friedrich den Schönen bei Mühldorf aufs Haupt schlug. Es mag zwar Leute geben, die der Ansicht huldigen, man lasse die Erinnerung an solchen deutschen Bruderzwist, auch wenn er schließlich mit einer Versöhnung endete, am besten im Dunkel der Geschichte ruhen. Aber diejenigen, die so denken, sind, so scheint es, Toren. Die Erinnerung an die Schlacht von Mühldorf hat heute eine nationale Aufgabe zu erfüllen. Die Jahresfeier gab dieser Tage den Interessenten die Möglichkeit, die bösen Zweifler, die immer noch nicht an die innere Einheit des Münchner, aus Norddeutschland importierten Rechtsradikalisnnr? und des altbayrischen Wesens glauben, endlich ihres Irrtums zu überführen. Man bestellte — wegen der Schlacht— den General Ludendorff und seine rechtsextremen Freunde, wegen de§ bayrischen Gedenktages die bayrischen Minister, die Prinzen Rupprecht und Alfons, natürlich auch Herrn v. Kahr: und die Synthese war fertig. Das seit 600 Jahren in Frieden ruhende Schlachtfeld hallte plötzlich vom Brückenbau der kühnsten Synthesen wieder. Ter Festredner, Pater Kasimir von den Kapuzinern in Altötting, wußte genau, warum der Münchener rechtsputschistische Anarchismus erlaubt sei: der Staat, der die Religion als Privatfache erkläre, müsse sich damit abfinden, daß ihm das Volk erkläre, auch der Gehorsam sei Privatsache. Eine Lehre von großen Perspektiven! Die aus „völkischen" Wotansanbetern und bayrischen Katholiken zusammengesetzte Fcstversammlung hörte dann den lapidaren Satz: „Darum verlangt das christliche Volk in Bayern, Berlin, du sollst an einen. Gott glauben!" Von dem Führer des offiziellen Berlin, dem Reichskanzler Wirth, der zwar aut katholisch, aber wohl nicht in der richtigen Mischung völkisch-christlich ist, darf man nunmehr wirklich hoffen, daß er den vom bayrischen Volk geforderten Gott finde. Die kühnste Synthese des Paters Kasimir war aber schließlich die zwischen Monarchismus, Antisemitismus und Teucrungsressentimcnt: „Und wie Ludwig der Bayer nach der Ampfinger Schlacht den Juden eine eigene Steuer auferlegte für die Hinterbliebenen, so fordern auch wir heute eine Judenstener für jene, die aus unserem roten Blut und dem Schweiß unserer Arbeit gelbes Gold geschlagen haben und ihre Hände ausgestreckt haben nach dom Vermögen unserer Fürsten." Ein herrlicher Gedanke, diese Judensteuer — stark über, legen jeder etwa von anderer Seite geforderten gleichmäßigen Luxusbestcuerung, da so diejenigen christlichen Großverdiener, die die rechtsradikalen Kaffen füllen, gefchoüt bleiben. Wo aber, so fragen wir, sind denn die jüdischen Schieber, di« nach dem Vermögen des auf dem Schlachtfeld jubelnd empfangenen Kronprinzen Rupprecht ihre Hände ausstreckten? Vücherbesprechuag. Leben und Strebe«. Ein Jugendbuch von Heinrich E i n st ä d t e r. 1922. I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 151 S. Preis geb. 120 Mark. Wir begrüßen es immer mit großer Freude, wenn Mittel und Wege gefunden werden, um Begeisterung für unser Judentum in den Herzen unserer Jugend zu erwecken. Das war der Fall bei den im gleichen Verlage erschienenen Jugendbüchern von Gut und Rothschild. Zu unserm großen Bedautzku müssen wir Einstodters Jugendbuch mit aller Entschiedenheit ablehnen. In diesen 46 Erzählungen, Gedichten und Rätsel» reiht sich Trivialität an Trivialität. Es ist aber eine unerläßliche Forderung, die an ein Jugendbuch zu stellen ist, daß eS einen ethischen und ästhetischen Wert haben mpß und daß eS nicht stark tendenziös gefärbt sein darf. Das vorliegende Buch propagiert lediglich die gesetzestreue Richtung im Judentum, es legt weniger Nachdruck auf inneres Menschentum und mehr auf die Befolgung äußerer Zeremonien, als ob die Bestimmung unseres Erdendaseins nur darauf beruhte. „Salo war ein leichtsinniger, ungehorsamer Knabe," er aß am Peßach Chomez. „Doch die Strafe folgte diesmal der Sünde auf dem Fuße^ Bald fühlte Salo heftige Leibschmerzen." Der „leichtsinnige" Junge überstand Gott sei Dank die Krankheit und ward ein guter Mensch. — Fröhlich faßte deu festen Vorsatz, nächstenam .Inin Kippet Kolon zu den Fastenden zu zählen.-Diese Beispiele mögen genügen. Die Erzählungen können keine Liebe zn unserer Religion erwecken; sie bewirken alles eher als eine Stärkung des religiösen Gemüts. Sp.-M. SchriftvorJesung am 21. Oktober 1922: Toraabschnltt: Genesis l1—68. Haftora: I Samuel 2018—M. illlllllliPiiÜil Gottesdienst Breslau Alte «»■a*. Nene Synag. Freitag 20. 10. Beginn. abends 5.00 5.00 S onnabd. 21.10 Beginn. morg.{ 6J0 8.43 9jOO Neumondweihe. . . vorm. 10.00 9.30 Predigt. Jugendgottesdienst . — 9.45 nedim. 3.00 Sdiluß. abends 5.31 5.31 An den Wodien- 22. 10 bis Beginn. morg. 6.45 7.00 tagen 27.10 Beginn . . . . . abends 5.00 5.00 Konfirmationen in der Riten Synagoge, am 21. Oktober: Leo Koenigshöfer (Vater Josef), Rm Anger 8. — Ludwig Silberstein (Vater Max), Kaiser WilhelmstraBe 181/183. Konfirmationen in der Neuen Synagoge, am 21. Oktober: Günther Berger (Vater Berthold), Sadowasfraßo 34. — Günther Lange (VaterLudwig), Webakystraße4. — Paal Theodor Pinkus (Vater relix), Zürich. — Manfred Meth (Mutter lohanna), Höfchenstraße 3. Isf Bedarf an Udif und Kraft, Dann nicht lange naciigedachf. Ruft nur Ring 7003, Schon die Hilfe eilf herbei Repariert wird schnell und gut Isf Eure Leitung rhal kopuf. £tetktr. JCi&ktu. OFfraftcm fatfen (ftidkard Seifert 1 JSresTau 5. OiäftfdkcniBntfv. 30 , 8k Kauft nur bei Inserenten! 3S RXMCfTTODöBl ZU- Breslau. 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