Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 42 (20.10.1922)
- Date
- 1922-10-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wer Ist verantwortlich*). * Der „Vorwärts", das Zentralorgan der sozialdemokratischen Parteien Deutschlands, veröffentlicht in Är. 470 vom ö. Oktober einen Notschrei der bei der Berliner jüdischen Gemeinde beschäftigten Lehrkräfte. Sie klagen über die verspätete Auszahlung ihrer dürftigen Honorare. Nur eine Stelle sei hier wiedergegeben: »Oh, sie (die Lehrkräfte) werden bei allen möglichen Stellen der Verwaltung vorstellig, in den Bureaus, bei den Oberbeamten, bei einzelnen Vorstehern, sie senden Deputationen, machen Eingaben, telephonieren — meist ohne Erfolg. Fast sieht eS so aus, als ob die Vertreter der Gemeinde gar nicht willens sind, den Lehrern ihr Recht werden zu lassen." — Wie übel muß man diesen zahmen Leutchen mitgespielt haben, wenn sie -u. diesem Mittel, der Flucht in die Oefsentlichkeit, greifen. Gilt das Wort der heiligen Schrift, das wir erst am Versöhnungstage wieder gehört haben, nicht mehr in der Gemeinde Israels? „Du sollst deinen Nächsten nichts vorenthalten" und „du sollst den Lohn deines Arbeitnehmers nicht über die Nacht bei dir behalten bis an den Morgen". „Schlamperei", wird man sagen, «wie überall". Aber für eine Gemeinde wie Berlin, die einen ganzen Stab von Oberbeamten mit recht tespektabeln Gehältern angestellt hat, lasse ich diese Entschuldigung nicht gelten, schon deswegen nicht, weil es hier um das Heil der Heranwachsenden Jugend Seht, die einst Träger der religiösen Ideale sein soll. Ziese Behandlung der Religionslehrer ist eine Sünde gegen den Geist des Judentums, das schon in alter «eit eine soziale Gesetzgebung hatte, die selbst in unserer Zeit in mancher Hinsicht nicht erreicht wird. Wer ist verantwortlich für diese Flucht in die Oefsentlichkeit? Wer ist verantwortlich dafür, daß manche Lehrer den Religionsunterricht einstellen müssen well ihre Fahrt zur Schule mehr kostet aldas Stundenhonorar ausmacht. Wie steht es überhaupt mit dem Religionsschulwesen in der Gemeinde? Man hat damit nach eigenem Geständnis Fiasko gemacht. Man redet von der Kanzel herab den Eltern eindringlich ins Herz, ihre Kinder in den Religionsunterricht zu schicken, aber die ReligionSfchulen füllen sich nicht. Keinesfalls steht der Erfolg auch nur annähernd im Verhältnis zur aufgewandten Kraft. Stets wird betont, daß der Vorstand und seine Organe ein warmes Herz für die Lehrer haben. Und da hat auch der einflußreichste Mann in der Gemeinde, es bis jetzt noch nicht erwirken können, daß die armen Religionslehrer der Zeit entsprechende Honorare erhalten. Ja, hat nicht einmal erwirken können, daß ihnen die paar Mark allmonatlich rechtzeitig auSgezahlt werden. Wir gönnen-jedem das Gehalt, daS sicher seiner Stellung und seinem Verdienste entsprechend bemessen ist, aber fühlt niemand auch in seinem für die Lehrer so warm schlagenden Herzen die moralische Verpflichtung, seine Lehrer vor Hunger und Not zu schützen? „Wenn dein Bruder neben dir verarmt und seine Hand sinken läßt, so stütze ihn, Fremdling und Beisaß, daß er lebe neben vir", gebietet die Lehre Moses. In einer Repräsentantenversammlung hat der Beirat de- Vorstandes, Herr Dr. Freund, mit Recht hervorgehoben, daß bei der Revolution die geistigen Arbeiter vergessen worden sind, und daß e- Zeit sei, auch ibre Arbeit richtig zu bewerten. ES handelte sich um die Gehälter der Oberbeamten. Gehören die Religionslehrer nicht auch zu den geistigen Arbeitern? Run, so dürfen wir eS nicht dahin kommen lassen, daß sie, nebenher *) Die peinlicke Und befremdende verzögerm«. di« tn der Gehaltsauszahlung einer Beamterüatrgorie v«r Berliner Mischen Gemeinde eingetreten ist, beschäftigt die Tagespreise, von dem Wunsche geleitet, daß solch« Erörterungen in der Allgemeinen Oefsentlichkeit unbedingt vermiede« w«rdm tnützten. geben wir der Darstellung unseres Mitarbeiters für einen n-discken Kreis Raum. Die Sckriftleitung. Geschäfte machen müssen, um existieren zu können. Wer will die Verantwortung vor Gott und der Gemeinde tragen für eine religiöse Unterweisung und Erziehung der Jugend durch Geschäftemachen? — Ich frage: Wer ist für alle diese Dinge verantwortlich? Simplex. lln aller Kürze. Wie au- Dresden und anderen sächsischen Städten mitgeteilt wird, sind die jüdischen Schüler, die an den verflossenen hohen jüdischen Feiertagen der Schule ferngeblieben sind, mit Karzerstrafen belegt worden. * * * Das von dem Orden „Bne Brith" gegründete Heim für schwach begabte Kinder in Beelitz soll, wie wir hören, geschlossen werden, da der mit 1 y2 M'Nionen Mark balanzierende Etat nutz zu einem Drittel aufgebracht werden kann. Man hofft in Logenkreisen, die fehlende 1 Million Mark vielleicht in letzter Stunde noch durch freiwillige Sammlungen aufbringen zu können. * * * Wie jetzt nachgewiesen wird, ist Graf Arco, der Mörder des ersten bayrischen Ministerpräsidenten nach der Revolution Kurt Eisner, jüdischer Abstammung. Me haltlos sind also die Rassentheorien der arischvölkischen Kreise, die Arco als Helden feiern und dessen Tat auf arische Bluteinflüsse und auf arische Denkungsart zurückführen! * * Die philologische Fakultät der Hebräischen Universität in Jerusalem wird während dieses Winters eröffnet werden. Die hierfür in Betracht kommende Summe ist bereits sichergestellt. Hervorragende Autoritäten haben sich zur Abhaltung von Vorlesungen verpflichtet. * * * Die Berliner jüdische Gemeinde trägt sich mit der Absicht, auf dem Ehrenfriedhof für gefallene jüdische Krieger in Weißensee ein Denkmal zu errichten. Der Reichsbund jüdischer Frontspoldaten wurde von der Gemeinde zu den Arbeiten herangezogen. * * * Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat in Friedenszeiten an den Grenzen Deutschlands und in den Hafenstädten Schutzkomitees für Auswanderer unterhalten, die infolge der Grenzveränderungen im Osten und Westen zum großen Teil ihre Tätigkeit einstellen mußten. Allmählich ist jedoch in Anpassung an die neuen territorialen Verhältnisse seitens deS Hilfsvereins mit dem Wiederaufbau dieser segensreichen Einrichtung begonnen worden. * * * Die Staatsanwaltschaft zu Berlin hat Strafantrag gegen einen gewissen Ahlsdorf erhobm, der dabei ertappt worden ist, wie er Beraubungen auf dem Friedhof in Weißensee unternommen hat. Diese Raubzüge fanden in einer Reihe von Nachten in großen: Umfange statt. Die Komplizen des Llhlsdorf sind entkommen. Es handelt sich hauptsächlich um Bronzebeftandtelle der Grabdenkmäler, insbesondere um Bronzeketten, die entwendet worden sind. * * * In Königsberg starb der bekannte Professor der Chemie Dr. Lassar-Cohn, Verfasser des in viele Sprachen, auch inS Hebräische, übersetzten populären Buches „Chemie des täglichen Lebens" im Mer von 64 Jahren. * * * Die antisemitischen Insulten gegen Juden in Ungarn beginnen neuerdings einen größeren Umfang anzunehmen. Außerdem bereitet die Stadt Budapest Maßnahmen vor, demzufolge vom christlichen und nationalen Standpunkte aus die Aufenthaltsbewilligungen aller jener Personen jüdischer Konfession revidiert werden sollen, die, wenn auch nach Ungarn zuständig, sich während der letzten vier Jahre in der Hauptstadt niedergelassen haben. Durch solche Maßnahmen wären ungefähr Sv 000 jüdische Familien in Budapest von der Ausweisung bedroht. Unsere Bewegung. Nachrichten der Bereinigung für das liberale Judentum e. V. Berlin. Im Liberalen Vere'n für die Angelegenheiten der tübtschen Gemeinde. Bcz rls^rn-pe IV, sprach;n einer aut besuchten Ber» sammluna im ..Deutschen Hof". Luckaueistraße. am Mittwoch, den 11. Oktober. Herr Rechtsanwalt Dr. Jul. L. Seliasohn über ..religiösen Liberalismus". Der Redner awa vom Begriff des Libcral'Smus aus und behandelte zuerst die wesentlichsten Punkte, n denen Liberalismus und Orthodoxie übeieinstimmen: Monotheismus und Messian'smus. Im zweiten Teile seiner Ausführungen leate er d'e bauprsächlichsten Gegensätze zwischen den beiden Anschauungen vom Judentum dar: Die verschiedene Stellung zur Torah, den relioions« gesetzlichen Borschr'ften und den Zeremowen. Im letzten Teile begründete er die ablehnende Stellung der Liberalen aeaenüber dem Z'omsmus in der Hauptsache damit, daß durch den letzteren die Mission Israels zur Verwirklichung der Gotteslehre unter den Völkern der Erde gefährdet werde. Mit einem warmen Appell an die Versammlung. sich für die bevorsiebenden Repräsentanienwahlen in den Dienst der l beralen Sache zu stellen, schloß der Redner. Seine Ausführungen fanden ungeteilte Zustimmung und großen Be'fall. — An den Vortrag schlossen sich künstlerische Da-bietungen. die ebenfalls mit freudigem Dank aufaenommeri wurden. Besondere Anerkennung gebührt dem verdienstvollen Leiter des Abends. Herrn Streisand. der mit Treue und Festigkeit unserer liberalen Sache denl und manchem jüngeren an Jahren ein Vorbild der Pflichterfüllung und Tatkraft sein kann. Königsberg i. Pr. Am 9. Oktober ist das tätige Mitglied unserer Vereinigung der Stadtälteste Stadlrat a.D. Prof. Dr. Lassa.-Cohn plötzlich im Alter von 64 Jahren verstorben. Mit dem Dahingegangenen ist ein Gelehrter von Weltruf verschieden, dem besonders die Stadt Königsberg und die Juden Ostpreußens zu unauslöschlichem Dank verpflichtet sind. Als Sohn einer altangessehenen Hamburger Kaufmannssamil'e kam Lassar-Cobn nach dem Tode se ner Eltern als Knabe in das Haus seines Schwagers Rabbiner Dr. Bamberger nach Königsberg. Nach umfangreichen Studien an verschiedenen Universitäten ließ er sich im Jahre 1888 in Königsberg als Pr-vatdozent für Chemie nieder, war daneben aber auch praktisch in verschidenen Betrieben tätig. Nachdem er einige Iah'e auch an der Münchener Ui'versität Vorlesungen gehalten harte, kehrte er endgültig an die Königsberger Universität zurück. Von fernen zahlreichen Werken sei erwähnt. „Arbeitsmethoden in der Chem'e". ein Buck, welches wohl in keinem chemischen Laboratorium fehlt, ferner „Die Chemie im täglichen Leben", welche in etwa 20 Sprocken übersetzt worden ist, „Chemie in e'ner Stunde" und anderes. Nebenbei beschäftigte er sich besonders in den letzten Jahren mit Währungs- und volkswirtschaftlichen Fragen und schrieb hierüber zablreiche Artikel und Broschüren. Eine besondere Fähigkeit des Verstorbenen^ bestand darin, d'e Ergebnisse der Wissenschaft m allgemein verständlicher Form weitesten Kreisen der Bevölkerung durch Vorträge zu vermitteln, sodaß seine Borträge sich außerordentlicher Beliebtheit erfreuten. Neben dieser wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Tätigkeit entfaltete Lasiar-Cohn eine aanz außerordentlich rege W'rksamkeit im öffentlichen Leben der Stadt Königsberg und in^der indischen Gemeinde. Er bekleidete das Amt emes unbesoldeten Stadtrats 15 Jahre lang und war so beliebt und angesehen, daß beim Ausbruch der Revolution ihm sämtliche Parteien eine Wiederwahl anboten. die er aber mit Rücksicht auf die veränderten Verhältnisse ablehnte. In der Verwaltung der Shnagogen-Geme'nde Königsberg war er über 80 Jahre tätig. Seine Arbeitsfreudigkeit.. sein reges Interesse an allem, was mit dem Judentum zusammenhängt, brachte es dahin, daß er seit Jahrzehnten mit jeder wichtigen Mission betraut wurde. Sein besonderes Gebiet war jedoch die Wohlfahrtspflege. Wie er die Verkörperung von Herzcnsgüte und Selbstlosigkeit war. so war er wie aeschaffen zum Vorsitzenden des Waisenhauses und der Jsraelit'schen Altersstifts. Daneben war er besonders tätig für den Verband der Deutschen Juden, für. die Bne-Br'th-Loge. sowie für den Verband der Eynagogen-Gemeinde Ostpreußens. Seine außerordentliche Beliebtheit in gesellschaftlicher Beziehung brachte es mit sich, daß er zum Vorsitzenden der Gesellschaft Börsenhalle gewählt wurde. Die Trauerfeier gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung weitester Kreise der Stadt Königsberg und besonders der Svnagogen- Gemeinde. Ein nach vielen Hnndetten zählendes Gefolge fand sich auf dem südiscken Friedhof ein. Weihevolle Gesänge umrahmten die Fe'er. Als erster Redner gab Gemeinderabbiner Dr. Lewm in warm empfundenen Worten ein lebensvolles Bild des tatkräftigen, überzeugunastrenen und liebenswürdigen Menschen. Sodann legte der Oberbürgermeister Tr. Lohmeher. welcher mit ein'gen Vertretern der Stadt erschienen war. im Namen des Magistrats Sie geborene KugenÜreich. Ein Grosistadtromcm von Oskar JonS Miltman. (•?. Fortsetzung.) -; Urber den ahnungslosen Jonaerlgoß sich ein Schwall von Anklagen mit dem stritten Befehl, die infame Heuchlerin sofort aus dem Geschäft zu sagen. „Sofort!, sage, ich Dir. Keine Minute länger bleibt sitz miö im Kontor!" — „Das kann ich nicht tun", antwortete der NomMalchef bestürzt, ittab Du wirst eS doch tun!" kommandierte Fra« Rosenzwar heute noch. Gleich gehst Du zurück ins Gt- Ihr steckt wohl alle unter einer Decket — Mein , wir wollen «S tu Ruhe erledigen. Ich kann das Mädchen nicht heule oder morgen vor die Tür setzen, was wirb Gebrüder SackS dazu saget»? Ich werbe mit Mar «den, und er wirb Vernunft cmnehmen/ — „Das laß gefälligst mich besorgen! Er soll von mir zu hören bekommen!* — »Sie tut doch ihre Pflicht, und man muß es in regeln. Es handelt sich um ein anständiges Mädchen! Ich denlke, eS wird alles Uebevtreibung und harmlos sein/ — -tzarmloS bist Du! Ich weiß, waS ich von solchem Pack zu hattest base. Er nimmt dte Cobn, die Sache ist abgemacht, Wir sind ja blamiert vor d« ganzen Welt!" Es siel Jettckest schwer, gegen Max z« schweigest, als et in Begleitung seines Freundes Bralknn mit früher seit«« gekannter Fröhlichkeit ins Eßzimmer trat und bei Tisch Merlei von der Handelshochschule und ihrem Rektor, Professor Castrow, crMlte. Jonas hört« den junavn Leuten interessiert zw, denn bah sein Sochn zur Abwechselung nun sogar kaufm- Nnische Vorlesungen und bei einer Korvphöe hörte, die entfernt zur Familie gerechnet werbe« konnte, tat khm Wohl. Jettchen konnte sich freilich nickt ganz bezwingm, denn M brannte in ichr", und so murmelte sie. durch den Vast beettgt, dessen Mitverschwönmg übrigens bei ihr selb stand, helb Unverständliches, bnS wie „durchtrieben und ab« fieörühl* klang. Mer da gerade Marie etwas unsanft die ogenannte Terrine vor die .Hausfrau gestellt hatte und -aber JettchenS Worte aus sich bezog, brummt« sie schlagfertig: Aas kann Ihnen auch passieren!" — „Bor Pöbel zittert die W«lt!" revanchierte sich Jettchen, srrilich erst nach geschloffener Tür. »Ich werde mich jetzt nickt noch mit ihr anlegen!" *- Das alles schien ab« alltäglich, und weder der Sohn stoch der Gast des Hauses achteten daraus. Im Besitz einer guten Zigarre verschwanden beide, und Fra« Rvsenklml begleitete ibrun Man« in« Geschäft. ,Denn ich finde hier doch keine Ruh«, uu& einmal mntz ich mir diese Person noch anseben, ob sie es wagt, mir unter die Augen zu treten.- Minni bszog die sichtbare Indiqnierthett der Chefin nicht auf sich, sondern aus eine semr Launen oder Stimmungen, die als Ausfluß der Macktfülle von den Untergebenen mit äußerem Respekt und innerer Belustigung hingenommen werbest. Auch von einer Schwienermutter Wider Mllest darf man sich schon etwas sagen lassen, und Fügsamkeit entwaffnet wilden Zorn. „Ich hatte an mich", raunte Jettchen Jonas zu. vor dem Personal werde ich keine Szene machen. Ab« morgen!- Doch di«!« Aufschub war eNtsckedcnd. denn inzwischen hatte daS Mädchen Marte ihrem blauen Helden altes und noch einige« getrenlich berichtet, und als am nächsten Morgen der ahnungslose Max Minni am Polizeipräsidium erwartete, sühlts er sich von zwei Augen de- Gesetzes aufmerksam beobachtet und schließlich durch das dazugehörige Poltzeiorgan mit Titel und Aamett attostrophirrt. Held machte ihm. indem er die Reckke verbinbltch an den Helm legte, zunächst die intereffant« Tallache Kar, daß er seit I obren in seinem Eltern-aus verkehre und daß all« Frauenzimmer nickt schweigen könMen. und gerade als Minni morgenkcoh und bester Dinge um di« Ecke der Boltaireslrvße bog. war Mar genau im Bild« und schied von seinem neuen, blankbeknSpftey, aber nicht v-rsckloffenen Freund« mit festem Hänbeduick. So zeigte sich wieder, daß, jeder Mensch mehrere Lebenscmsaabrn zv erfüllen hat. und der wackere Polizist sorgte stickt nur getreulich dafür, daß das Präsidium auf seinem Platz stecken blittb, sondern er bewies auch nebenamtlich entsprechend« Fähigkeiten ofa Patron der Liebenden. WaststN auch nickt? HermeS ist allezeit der Gott Knut- -eute und der Diebe gewesen, und darum darf auch die heilige Hermandab neben der Verfolgung der Verbrecher sich dem Ebestistest widmen. .Auf meiner Seite ist bi« Staatsgewalt-, sagte sich Max bettchegt. ..Die Polizei hat mir ihren Schutz angckvten." Minni nahm die Eröffnungen Maxens weniger vergnügt aus. „Wie können Sie Noch sck-erzeni Ich gebe aärf keinen Fall ins Geschäft, ich will Nack Haus!" Dabei blieb sie und bas tat sie, und als Mar einsatz. daß bier geaen das weibliche Gefühl nichts anzgerickket werden könnte, schlug das bedrückt« Paar den Weg nach dem naben Osten ein. So lano« sie flch vereint ü'ber die Mama auzlpracken, und. baß ste der. söhnt werben müßte, ging es an. aber als Minni stllein im Hausflur der Polisadensirasie stund, war ihre FaffMg dabin. Regina und die alt«. Witt . eftckraken nicht wenig-, ÄS das iv'nende Kontorsräulcin zu so unbewohnter Stunde vor sie tttu, und was sie hiört-cn. war ivobl harmlos und doch recht unerfreulich. „Du hättest in Ieschäst ieben müssen", ent'cbied die alte Wift, die zuerst die Fassuug und Worte Wiedersand. Auch di« geborene Tugendreich vertrat diese Ansicht, aber Minni ließ sich nicht überzeugen. „Ihr kennt die Chefin nicht, sie würde mich glatt hino-uswcrsen!" Regina sah ein, daß ein Ende gemacht werden mühte, und kleidete sich bedrückt am, um Minni bei der Firma zu entschuldigen und Klarheit zu schassest. Der Weg f'el ibr sehr schwer, ustd der Kummer ihrer e'genen Jugendsatzr>: kam übet sie. Am Alerauberplack machte ste ganz verzagt und schwach bei einer Ruhebank halt und war sckon nabe daran, umzu« kehreit. Aber sie raffte sich zusammen und trat zum ersten Male mit fsopseudem Herzen in daS feindliche Lager der Kurzwaren und daS Kontor. Ioflas ivar nickt da. darum wartete bi« arme Mutter ein Weilchen und hatte Muße, in dem kleinen Raume sich umzusebest. Ihr Blick siel auf ein Bildchen; es kam ihr so bekannt vor. „Ick irre mich"/ sprach sie zu sich selbst und sank wie betÄckt aus einen Stuhl.- In dtesenr Auaenblick kam Fräulein Vvllerstedt. Reainol raffte sich auf und entschuldigte MinniS Ausbleiben mit plötzlicher Erkramkung. Sie erfubr nur, daß der Chef lckon vor längerer Zeit zu Gebrüder Sachs hinübergeganaen sei. DaS trug nickt dazu bei. Regina zu ermutigest: schon wollte sie "Nberrichteter Sacke zur Pallisadenftrah« zurück, als ibr bei Gedanke kam, zu Dr. Kromsnickrr zu geben. Er kannte ihre Schicksale nstd würde auch in dieser Rot m raten und zst helfen wisien. i Inzwischen hatte sich Jettchen an die Verwirklichung t<'ver Gebeimvläne gemackt. ^Ich kann meinem Mann diese Sache nickt überlasten, dann wird doch rücktdaraus. Ich muß es selbst in die Hand nehmen!„ Allo fuhr sie zum Strausberger Matz, und Minni war es au Zerlegt, ibr noch die Tür zu öffnen. Me gegen^eitta« Bestsinung merkte bei>« furackloS, »md es war gut, daß die alt« Witi daznkam. Go ttat Frau Rottnckal in die Gcduldsstnbe. in der nach dem Mistest Tbeodvr Sachsenalles den Anfang genommen batte. Mpine Schwiegertochter IS nick da", kettete die alt« Witt da- Gespräch ein. «Gaaen G« ruhla. was loz is. wir wiffest Miott alles.* Iettckcn konnte sich nickt attick ricktta «nt* wickeln, denn MinniS Fernbleiben vom Geschäft sraiypiette sie schr. (Uortsetzung folgt.) i