Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 40 (6.10.1922)
- Date
- 1922-10-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ein Viertel dem Stadtrat Wienzu eigenem Ermessen zur Verfügung steht. * # * Auf der Breslauer Tagung des ZentraloorstandeS der deutschen Volkspartei fühlte der Pcrrteivorsitzende Dr. Stresemann aus: Der Gedanke der Volksgemeinschaft konnte nicht tötsicher getroffen werden, als durch den Mord an Nathenau. „Ich bin überzeugt" — sagt Dr. Stresemann weiter — „daß Bismarü in unserer außenpolitischen Lage den Unfug des Antisemitismus sich entschieden verbeten Hütte. Rathenau war in diesem Augenblick ein Außenminister, der geeignet war, jene Finanzabkommen zu treffen, die Deutschland zum Aufbau benötigt." * * Zu den bevorstehenden Wahlen für den polnischen Sejm wurden im ganzen 21 Listen eingereicht, darunter b jüdische. Man rechnet, daß im künftigen Sejm 25 Juden und im Senat 10 Juden sitzen werden. Unsere Bewegung. Nachrichten der Vereinigung für da§ liberale Judentum e. V. Berlin. Herr Landgerichtsrat Dr. Rippner ist - zvm Landgertchtsdirektor ernannt worden. Herr Dr. Ripvnrr ist jMglied des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Mischen Gemeinde zu Berlin. Der liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Ortsgruppe Norden, veranstaltet am Sonntag, den 8. Oktober, 3% Uhr, in bet „Snckoh. Ovaniettburgerstraß« SO, eine Suckoh-Feier und ladet hierzu Me reifere Jugend herzlich ein. Als nächst« Nummer (41unseres Blat.es erscheint die wissenschaftliche Beilage „Liberales Judentum". Wir bitten unsere Leser, von dieser Aenderung der Erscheinungsweise, di« durch di« Verdoppelung der Postgebühren notwendig wird, Kenntnis zu nehmen. Kus 6em Reich. Berit«. Die Wahlen in die Berliner jüdische Gemeindevertretung. Aus Verrmlassung des Gemeindevorstehers Badt fanden mehrere interfraktionell« Besprechungen statt, um die Frage zu prüfen, ob auf Grund einer Vereinbarung unter den Par e en mit Rücksicht ,aus die Zeitverhaltnisse ein Wahlkamps vermieden werden könne. Es scheiben von de« 21 Repräsentanten ans: S Mitglieder der liberalen Fraktion und 1 Milglich« der Fraktion der Volk spartet und 1 Mitglied der konservativen Fraktion. Es sirrd also 11 Repräsentanten zu wählen. Die konservativ« Fraktion und di« Bolkspartei verlangen alS Vorbedingung eines allgemeinen Kompromisses den Verzicht der Liberalen aus ihre bisherige Mchoristii. Di« Voll spartet stellt außerdem gewiss« sachliche Forderungen, so auf dem Gebiete des Schulwesens u. a. Die Besprechungen haben bisher zu einem befriedigenden Resultat nicht geführt. Sollt« eitle Einheitsliste nicht Mstanbe kommen, so ist schon setzt mit der AufsirlUma von vier Listen zu rechnen: liberale Liste, Liste ver Mlkspartei' (Vereinigt^' Zionisten, Misrack>isten. Mt- Mder des neuen Mischen Gem«indevereinS und der Verbandes der Ostjuben), Liste des Zemralveveins für di« Interessen der Berliner jüdischen Gemeinde (Mittelpartei) und der orthodoxen Partei (Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums.) — Dieletzten zwei Liste« werden zweifellos verbunden werden und deren gewählten Kandidaen der konservativen Fraktion beitreten. Ob di« von Dr. Mar. Namnattn geführte Gruppe der Nationaldeutschen Inden eine eigene Liste ausstellen wird, steht noch Nicht fest. AlS Wahltag ist der latzte Sonntag des November in Aussicht genommen. Da die Einigungsverhandlungen aber Nicht cckgedrocben sind, besteht immer noch d>e Möglichkeit einer Eiuk>eit?list'. Berlin. Die Vertretung der Berliner jüdischen Gemeinde bei der Ica. Seit dem Tode des vor einigen Monaten verstorbenen Kommerzienrates Dr. Netter ist die Berliner jüdische Gemeinde in der Ica nicht vertreten. Dieser Posten soll demnächst wieder besetzt werden. Als Kandidat wird an erster Melle ein dem Vorstand der jüdischen Gemeinde angehörender Großkaufmann genannt. Von anderer Seite wird die Wahl die Konferenz. Ein modernes Märchen von Meta Horwitz. „Wir kommen jetzt zur 5b", sagte der Direktor. „Bitte. Fräulein Jahn!" — „Mit den Leistungen meiner Klasse", begann die junge Lehrerin ihren Bericht vor dem versammelten Kollegium, „darf ich zufrieden sein. Die Mädchen haben den vorgeschriebenen Lehrstoff der Hauptfächer gm verarbeitet und abgesehen von Erna Schinitz und Käte Ritter, die seit Juni fehlen und daher zum Winter nochmals in Cötus a mit dem Klassenpensum beginnen müssen, würden M« außer der ganz schwachen Margarete von der Marwitz dersetzungörcif sein." „Das ist erfreulich, sehr erfreulich, lieb« Kollegin!", lobte der Direktor. — „Hat jemand gegen den Vorschlag der Klasse nlesireriN erhebliche Bedenken, damit wir zur 4a übergehen können?" — „Io, ich, Herr Direktor!", tönt; eine spitze Stimme. „Ich smd wir alle, meine Damen und Herren", konstatiert« lächelnd das Haupt des Lpceums. „Nun bitte, Fraulein MülleNhos!" G Die zum Wort Verstattete rückte ihren Kneifer zurecht Mw räuspert« sich: „Beim Handarbeilsuntewicht in der öb (einige Lehrer gähnten) wird von den lieben Kleinen schon recht Nettss geleistet. Gewiß, dir Finaerchen sind noch ustgelenkt, aber die meisten wissen doch schon, ihren Strumpf oder ein Deckchen vorwärts zu bringen. Es ist auch gerade jetzt an der Zeit, daß di« deutsche Jungfrau in der deutschen Schule, mehr, als es bisher geschah, aus ihre Pflichten als Gattin und Mutter..." „Allemal einverstanden!", unterbrach der Direktor. „Wir kennen und teilen Ihr« Grundsätze, verehrte Kollegin." — „Und eben deshalb muß ich «8 beklagen", fuhr die Lehrerin unbeirrt fort, „daß stch in Fräulein Jahns Klasse ein undeutscher — ich darf hier offen sprechen — ein jüdischer Geist breitmacht, daß die Schülerinnen, elfjährig« Mädels, zur ünivahrhastigkeit neigen und einem Mädchen ihr Vertrauen schercken, daß erstens Jüdin ist und mich in schamloser und verworfener Art belogen hat, wi« nur der listige und perjchlagene Semite das kann. Wenn «nein« Stimme hier h-«hör ände, dann trete ich vor der Konferenz dafür ein. daß diese Lerda Frankfurter trotz ihrer ausreichenden Leistungen ivegen lescs Vorfalles 'urückbleibi!" eines nicht 8er VerWaliung 8tt Gemeinde totgehörenden Finanzmannes, der sich um die Leitung der deutschen Keren-Haftssod-Jnstitution große Verdienste erworben hat, in Vorschlag gebracht. Breslau. Eine christliche Abwehraltion gegen den Antisemitismus. Ein« Anzahl führender polittscher und geistiger Persönlichkvi-en Breslaus, sotvi« Vertreter großer Organisationen in Schlehen, mit dem BWSlauer Bürgermeister Tventin und Pastor Moering an der Spitze, vereinigten sich zu einem vorbereitende» Ausschuß, dessen Zweck es ist, «in« Organisaton zur Bekämpfung d« in der letzten Zeit übevhandnehmenden antisemitischen Beweglung in Schiesten m schaffen. In dem Ausruf des Ausschusses wird gesagt, daß das Ueberihandnehmen der antisemitischen Hetzpropaganda eine schwere Gefahr für beß gesamte Staats- Und- Wirtschaftsleben Deutschlands, wi« auch für das geisttge Leben des deutschen Volkes bedeute. Jn oiner hier abgehaltenen Versammlung tratest mehrere hervorragende Persönlichkeiten Breslaus als Redner ans und forderten eine energische AufklarungS- und Abwehmktion gegen den Antisemitismus. Als Vertreter des ZentralvereinS deuifch r Staatsbürger jüdischen Glaubens begrüßte Justizrat Kansch de» Zusammenschluß von Nicht judm liegen den Anusei'iitiSmus. ES wurd« beschlossen, in Verbindung mit dem Hanptvereia zur Bekämpfung des Antisemitismus in Berlin, eine schlesische Ortsgruppe zu gründen. Berlin. Deutschnationale Angriffe gegen Dr. Stresemann. Die deutschnationale Presse greift den Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei, Dr. Stresemann, heftig an, weil er in seiner Rede auf der Breslauer Tagung des ZentvalvorstandeS seiner Partei den politischen AntiserMtismus. der zuin Rathenan-Moid aeführt hat, entschieden verdammt und von der Notwendigkeit der Isolierung der deutschvölkischen Elemente sprach, damit die Deutschnationalen innerhalb einer bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft arbeitsfähig würden. Die deutschnationalen Blätter lassen dnrchblicken, daß die deutschnationale Bolkspartei jetzt wemger denn ft daran denke, mit ihrem antisemitischen Flügel zu brechen. Das ft'ihrende deutschnatiomle Blatt, die „Deutsche Tageszeitung", führt aus, die Stellungnahme Dr. Stvesenumns deute daraufhin, „daß die innere Politik des Vorsitzenden der Deutschen Bolkspartei von der Rücksicht ans das Judentum diktiert ist." Berlin. Der Preußische Innenminister und die Ritualmordlegenbe. Vor den letzten Osteriagen verschwand in Groschowitz bei Oppeln O.-S. der 14 jährige Oberrealschüler Walter, was zur Verbreitung des Gerüchtes von einem stattgesundenen Ritualmord Anlaß gab. Obwohl gleich darauf die Leiche deS Knaben mit einer Schußwunde aufgefunden wurde, was ja die Annahme eines Ritualmordes erst recht widersinnig erscheinen ließ, verstummten die Gerüchte nicht, und der stellvertretende Regierungspräsident von Horn sandte eine amtliche Zuschrift an die Staatsanwaltschaft, in welcher daraus hingewiesen wurde, datzdaS Verschwinden des Knaben kurz vor Ostern auf gewisse Zusammenhänge mit einem Ritualmord schließen lasse. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens beschwerte sich hierauf beim preußischen Innenminister Severing, daß ein hoher Regierungsbeamter sich nicht scheue, die Judenhetze amtlich zu fördern. Nunmehr erhielt der Zentralverein vom preußischen Innenminister eine Zuschrift, worin das Verhalten des OberregierungsrateS von Horn in der Angelegenheit der Verschwindens des Schülers Walter scharf verurteilt und dem Zentralverein bekannt gegeben wird, daß dem OberregierungSrat von Horn, der jetzt in Königsberg Dienst tut, „das Geeignete eröffnet wurde." Namslau. Herr Kantor Ueifchhacker aus Bunzlau ist zum Kantor unserer Gemeinde gewählt und am Neujahrsfeste in sein Amt eingeführt worden. Neuer israelitischer Friedhof in Ohlsdorf-Steilshop. Die religiöse Weihe des neuen Friedhofqeländes fand am Sonntag unter großer Beteiligung der Gernvindemitglieder statt. Außer den Vertretern des Gemeindevorstandes und der Repräsentanten hatten sich fast die gesamten Mitglieder der Boerdigtlugs-Brüderschast der Gemeinde mit ihren Vorstehern eingefunden. Die Weiherede hielt Oberrabbiner Dr. S. Spitzer, der auch die uneigennützige Tätigkeit der Brüderschaft hervorhob. Gemeindevorsteher I. Heckscher sprach den Behörden den Dank des Gemeindevorstandes aus und betonte, daß Begütigend hob der Direkter di« Hand. ,.Liek« Kolleginnen und Kollegen! Sie wissen, daß mir geplagtem Manne mehr durch den Kops geht. Was hat es mit der kleinen Jüdin auf sich, Fräulein Jahn?" „Fräulein Möllenhof hat recht", berichtete dies«. „Gerda ist unsere beste Schülerin, aber sie hat vor zwei Wochen bei der Probe-Rechenarbett ihrer Nachbarin Ziffer für Zister diktiert, und mir durch einen fortgesetzten Schreibfehler der dummen Klara Hermann, dt« dreimal statt eins — neun verstanden hat, aber Natürlich doch dt« richtigen Resultate hat. bin ich dahinter gekommen." „Aber mein« Damen", beschwichtigt-: der SchulmonarÄ. „solche Dinge werden doch immer pMeren, und wenn wir auch vor tat Kindern unseren gereiften Standpunkt nicht offenbaren dürfen, so liegt doch in diesem Vorkommnis auch lener Geist der deutschen Kameradschaftlichkeit, für die ich als alter Offizier mir einiger Verständnis zutraue!" „Aber bas Ist noch garnichts, Herr Direktor!", vollendete Fräulein Möllenhof ihr« Anklag«. „Vorgänge in der Rechenstunde gehen mich auch nichts an. Doch daß dieseeingebildete Mädchen mich erfahrene Lehrerin andauernd frech tzintergcht, zu Hause ihre Handarbeit von der Mutter machen läßt und mir einen gefälschten Brief in bis Schule bringt — Jawohl, bi« Mutter mußte «s zugebest: Sie wußte nicht? davon! — Diese Durchtriebenheit nenn« ich jüdisch!" — Und fchvn hatte Direktor Gebhardt das belastende Dokument in feiner Hand. Er sah lange auf die Zerlest, deren Herkunft von Kinderhand unverkennbar war: „Sehr geehrtes Fräulein! Gerda hat den Strumpf allein gestrickt. Hochachtungsvoll Rosa Frankfurter." „Allerdings". murmelte er, und Fräulein Möllenbof triumphierte. — „Bevor wir Wer den Fall beschließen", begatt« er nach einem Weilchen, „lassen Sie mich aus meiner Erfahrung etwas Aehnliches berichten. Der Vorfall hat sich — «S ist schon lange her — in der Quinta des Nestäen Gymnasiums zugetragen. Dort unterrichtete ö-r Lateinlehrer Immanuel Stern aushilfsweise. Von Ihnen kann ihn nieniand mehr gekvnnt haben. — Also unter den Quintanern war ein besonders fauler Junge, der nie zu Hanse arbertete und kein« Verben und Vokabeln lernte. Er saß darum schon drei Wochen eisenfest aus dem letzten Platz und sein« Per. setzuitg schien ganz aussichtslos. ..Mtimus!". rief Stern, der W 8em fast MWaen Wferi tit* Mlsöorftr ftrbU&ofe» der hamburaische Staat sowohl der Gemeinde als auch der BeerLimmsts-Brüderschaft das größte Entasgenkommm aezeftti habe. Es sei zu wünschen, daß <mch die preußischen Behörden — der Friedhof SteLlShop liegt auf preußischem Gebvet — das gleiche Entgegenkommen der Gemeinde zeigen mögen. Der Redner dankte dann im Namen deS Vorstandes allen, die an der Schaffung des neuen f^rftdhofts mitgeholfen halben. > Hierauf fand unter Rezitation von Vsalmverfm uttfet Whrung des Oberrabbiners und der Gemeindevorstehet ein Rundgang durch dos neue Friedhofsgelände statt. Feitungsschau unö verfchieüenes. New Nork. Ein neues Rabbinersominar inRewAork. Am 4. Oktober wird in New Uork edt neues Robbiner-Semmor eröffnet, welches den Namen „Jiddisches Institut für Religion" führen und das Ziel verfolgen wird, die Studierenden für das Robbineroant und für öffeEiche Tätigkeit vorzubewiben. Gründer des Seminars ist Rabbiner Dr. Stephen S. Wife, Präftdent des Instituts ist der bekannte Reformrobbiner Emik G. Hirsch aus Chicago. Wie es heißt, wich das neue Seminar weniger reformistisch, aber mehr national betont sein, als die bisher exisüerenden Rgbbinersemmrws. Dr» Stephen S. Mse hat eine Roche jüdischer und nichtjüdische^ Gelehrter als Lehrer für das neue Institut verpflichtete so u. a. Professor Richard Gotthei-l von der Columbia^ Universität, Professor Israel Abvams aus England. Dr» L. Tuww ans Palästina und Profeffor Felix Perlis aus Königsberg. Kopenhagen. Zum Zusammenbruch de^ LanbSmanubanken in Dänemark. Da» Ereigni» des Zusammenbruches der Landsmannbanke«, welcher detz bekannte jüdische Finanzmann, EtatSrat Emil Glüästadt (Be^ kanntlich der dänische Finanz-Sachverständige beim Völkerbund) vorgestanden hat, hält noch immer die dänische OeffentlichkeU in Atem. Wie sich herausstellt, sind unter den geschädigten Einlegern hauptsächlich Juden. Das Kopenhagener Tageblatt „Politiken" schildert di« Vorgänge vor dem Hauptgebäude der Landsmannbanken, vor welchem eine große Anzahl altangesehener dänischer Juden mit sorgenvollen Gesichtern stehen, die durch die gewagte« Operationen der Vankleitung um den Ertrag ihres arbeitsreichen Lebens gekommen find. Im übrigen ist jetzt in de^ Angelegenheit der Landsmannbanken eine radikale SanierungSaktion im Gange, an der sich die Regierung und die Grotz^ banken beteiligen. Bukarest. Ern rumänischer M r nk st e X über die Gleichberechtigung der Indem Vor kurzem fand irr der Stadt Pritesti die feierliche Grirndsteinlegnnq der israÄftisch-rumämschen Schule statt, ftffl Nomen der Regierung hielt Unterrichtsminister Angheleseu die Eröffnungsrede. Er gab hierbei dem Dank der tu* mimischen Nation für die Opftrwilligkeit der rumänischest Indenhert während des Weltkrieges Ausdruck und führtt aus: „Im Lauft des Krieges genoß ich als Bevollmöchtiigter Minister Rumäniens bei der Regierung der Vereinigten Staaten die weitcphendste Unterstützung der rumänischest Judenheit Amerikas. Sie öffneten mir die Spalten ihres Organs, um auch darin die Jntereffen unseres Vaterlandes verteidigen zu können. Nun sind dft Inden keine untergeordnete Nation mehr, das jüdische Volk in Rumänien hat sich der Gleichberechtigung verdient gemacht. Wst haben gleiche Pflichten und gleiche Rechte." Goldene Worte! Wird Rnmänien auch in der Tat den Inden Gerechtigkeit geben? Budapest. Die Juden«uSweisnngen in Ungarn. Der vom „Az Njzag" verStfentlicht« Geheimbefehl M Innenministeriums an alle Präfekturen der La«- detz, sämtliche in Ungarn lebenden Anslünder jüdischer Raff« binnen 15 Tagen auszuweisen oder für den Fall, daß sie mit den Gerichten zu tun haben, zu internieren, hat »-unter den jüdischen Kreisest starke Proieststimmung hervoVArruftn. Diesem ministeriellen Geheim zirkular zufolge sollen auch seit vielen Jahren in Ungarn setzhaste jüdische Ausländer, ja selbst getaufte Juden, mit der gleick'en Schonungslosigkeit b«- >«»>» tmmmmmmmmmmmmmmmrnmm I ihn oft genug, aber immer vergeblich ermahnt hatte; der Junge beantwortete keifte Frag«. Dir ganze Klasse kr-njugterte vorzüglich, und Frage und Antwort brausten wie ein Trommelfeuer: nur bet dem Letzten war ailleumsonst. „Jetzt komm Herl-, schrie der Lehrer. Mit 'angstvolle« Äugen trat der Knabe vor das Katheder. „Dich werde ich anders strafen, Du bist nicht wert geschlagen zu werden! Laus nach Haus uird diesen Zettel bringst Du in zchn Minuten unterschrieben zuriicki" — Auf dem Zettel aber stand: Ich nehme Kenntnis davon, daß mein Sohn wegen fortgesetzten Unsleißes morgen von 1—2 nachsitzen wird. — Der Quintaner lief stach Haus, der Vater wair nicht da. Sein« Mutter — hier wurde die Stimm« des Ditrktovz feierlich — war Äberhaiupt nicht mehr da, si« war schon tot. Erst in der Wohnung las der kleine Kerl den Boies der Lehvevs und er bekam einen großen Schnck. „Ach, wenn ich doch auch tot wäre!", seufzte er. Denn ö-r Vater hcotte ihm gedroht: „Wenn Du sitzen bleibst, schlage ich Dich halbtot!" Dann suchte er in der Kammer des alten Dienstmädchens eins verrostete Feder, schrieb mit zitternder Hast seines Vaters Namen unter den Zettel und lies bleich und atemlos zurück ins Gymnasium. — Immanuel Stern sah lange unb erkennend auf den Zettel und den UlttmuS, der verzagt vor ihm stamb, dann sprach er fast freundlich: „Setz Dich!" „So ein Bmgel!", rief die Möllenhof, „so ein Feigling,! Ein deittscher Junge und schon so früh verdorben! Was wird aus dem geworden sein?" — „DvEer kann ich Ihnen genauere Auskunft neben", erwiderte der Direktor. „Der kleine Ultimus nahm fUö M. lammen. Er fühlte, wenn er'8 auch damals noch nicht in Worte kleiden konnte, daß der jüdische Hilfslehrer ein wirklicher Humanist, ein Menschenfreund war. Er beffevte sich van Stund an, er wurde Quartaner und augenblicklich W er vor Ihnen, meine Damen und Herren!" Keiner sprach ein Wort. Däs ganze Kollegium studierte die grüne Tischplatte, als sei sic plötzlich sehr interessant geworden „Also, mein« Damen und Herren, ich glaube, wir köp. nen Fräulein Jahns 5b verlassen und auch über den Fall Frankfurter di« Mten schließen. Wir wollen gegen all« unsere Schülerinnen milde fein. Kindliche Sünden haben nichtmit Glauben oder Abstammung zu tun! Wollen Sie noch etwas bemerken, Fräulein MölleNhos?" .Nein, Herr Direktor!"