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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-09-15 · 37 (15.9.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
37 (15.9.1922)
Date
1922-09-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3n aller Kürze. Der Orden Bne BriS breitet sich in Deutschland in den letzten Jahren immer erfolgreicher auS. Nachdem unlängst tn BreSlau, Hamburg und Frankfurt a. Main zu Ehren der verstorbeney Rabbiner Joel, Nobel und Horovitz neue Logen entbanden sind, ftebt jetzt die Gründung der Walter Rathenau-Loge in M.-Gladbach und der Reuchlin-Loge in Schwedt a. Oder bevor. * * * Das Sächsische Kultusministerium hat verfügt, daß an staatlich nicht anerkannten Feiertagen die UnterrichtSbefreiung unzulässig ist. Hierunter sollen auch die jüdischen und katholischen Festtage verstanden werden. In Dresden ist bereits an alle Eltem eine Mitteilung ergangen, daß ihre Kinder an den bevorstehenden Festen zum Unterricht erscheinen und schriftliche sowie Handarbeiten auözuführen haben. * * * Professor Elbogen von der Hochschule für die Wissenschaft deS Judentums und Rabbiner PerleS-KönigSberg folgen einer Einladung nach Amerika und- «erden dort eine dreimonatliche Vortrags- und Lehrtätigkeit ausüben. * * * Am 9. September kam es in Kattowitz zu neuen Teuerungskrawallen, die in Judenverfolgungen auSarteten. Die jüdischen Geschäfte wurden geplündeä und die Inhaber mißhandelt. ♦ * * In Jerusalem ist aiy 1. September die neue Verfassung für Palästina proklamiert worden. Die ersten Wahlen sollen in einem halben Jahre stattfinden. * * ★ Nach Berichten Moskauer Zeitungen soll die kommunistische Jugend einen scharfen Protest gegen die Abhaltung der jüdischen Feiertage vorbereiten. » * che Beim Völkerbund in Genf ist ein Memorandum über die Exzesse in Kattowitz eingetroffen, das Maßregeln zum Schutz der jüdischen Minderheit und Bedachtnahme für bevorstehende Ausschreitungen verlangt. Unsere Bewegung. Nachrichten der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. In Nr. 34 der „Jüdisch-liberalen Zeitung" haben wir den Briefwechsel zwischen dem Berliner liberalen Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde und dem Vorstand der jüdischen Gemeinde zur Kenntnis unserer Leser gebracht und von vornherein angenommen, daß unsere GesinnungSfteunde sich nicht abfchrecken lassen werden, für ein gerechtes Wahlsystem einzutreten. Noch andere erhebliche Mißfiände zwingen aber zu einem Protest gegen den vom Gemeindevorstand jetzt angesetzten Wahltermin, der der bevorstehenden Abänderung deS Judengesetzes durch den Landtag ^gerabezU" ausdemWegs geht. Auch die allfeitigen Klagen über die Wählerliste, die noch nie so mangelhaft und formalistisch aufgestellt wurde, wie in unserer „demokratischen" Zeit, haben den Vorstand des liberalen Vereinzu dem nachfolgenden Vorschlag einer Verschiebung der Wahl veranlaßt, auf dessen Beantwortung man gespannt sein kann. Berlin, den 31. August 1922. An den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin N. 34. Oranienburgerstr. 29. Der Unterzeichnete Verein hat von dem Bescheide vom 31. August in der Angelegenheit deS Gememdewahlrechts Kenntnis genommen. Er kann den dortigen Ausführungen aber nicht beitreten und behült sich weitere Eingabe vor. Seinem lebhaften Beftemden aber muß er darüber Ausdruck geben, daß jetzt die Repräsentantenwahlen für November dieses Jahres ausgeschrieben sind. Die Abänderung der §§ 39 und 40 deS Judengesetzes ist in der kommenden LandiagSfession zu erwarten. Sie ist gerade vom Gemeiudevorstand betrieben worden, um eine sachgemäße Verwaltung der Gemeinde durch die dringend gebotene Erhöhung der Zahl der Gemeindeältesten und Repräsentanten sicherzustellen. Erfolgt jetzt eine Wahl, so muß entweder auf Grund der kommenden Gesetzesänderung bereits wenige Monate später neu gewählt werden, was wegen der entstehenden hohen Kosten bei der Finanzlage der Gemeinde nicht zu rechtfertigende Verausgabung erheblicher Gemeindemittel bedeuten würde, oder' eS würde die Neuwahl auf Grund der veränderten Bestimmungen turnusmäßig erst nach drei Jahren erfolgen, was mit den Interessen einer ordnungsgemäßen-Gemeindeverwaltung erst recht nicht zu vereinen wäre. Der einzig fachdienliche Weg ist der der Verschiebung der Wahl bis zur erfolgten Gesetzes- und Statutenänderung. Daß dieser Weg gangbar ist, erweist der Präcedenzfall deS Jahres 1919/1920, in dem die Wahlen aus entsprechendem Grunde um sechs Monate verschoben wurden. Selbstverständlich würde die baldige Erledigung des Gesetzentwurfes und die folgende Statutenänderung mit allen Kräften zu betreiben fern. Im übrigen wird darauf hingewtesen, daß die zurzeit ausliegende Wählerliste derart unvollständig ist, daß eine auf Grund derselben etwa vorgenommene Wahl angefochten und für ungillig erklärt werden müßte. Es fehlen zahlreiche alteingesessene Wähler in der Liste. Es fehlen insbesondere alle diejenigen, bezüglich deren noch Steuerrückstände auS dem Jahre 1920, fei es auch im geringsten Bettage, bestehen. Wenn auch die Ausscheidung säumiger Steuerzahler an sich dem Gesetz und Statut entspricht, so setzt sie doch sinngemäß voraus, daß die Steuem ordnungsgemäß eingezogen und insbesondere die Rückständigen ordnungsgemäß gemahnt sind. Eine Mahnung ist aber überhaupt nicht erfolgt und dmch den Uebergang vom EinziehungSverfahren durch die Gemeinde zu dem des Finanzamtes ist eine solche Verwirrung entstanden, daß eine verschuldete Säumnis in den allermeisten Fällen nicht vorliegt. ES muß daher grundsätzlich verlangt werden, daß die Steuerpflichtigen unter Angabe der rückständigen Bettäge und Rechtsbelehrung über ihre Nichtaufnahme in die Wählerliste und die erforderliche Einlegung deS Einspruchs gemahnt werden, auch denjenigen, die ohnedies Einspruch einlegen, Mitteilung gemacht wird, welche Beträge und bis zu welchem Termin sie noch zu zahlen haben. Wir sehen einem umgehenden Bescheide über die Verschiebung deS Wahltermins und die ordnungsgemäße Instandsetzung der Wählerschaft entgegen und zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Der Vorstand des liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischeit Gemeinde zu Berlin. , gez. PkonSker, Znstizrat, Vorsitzender. Für Dienstag, den 12. September 1932, abends 8 Uhr, Knabenschule, Große Hamburgerstraße 27, Ortsgruppe Norden: Versammlung. Tagesordnung: 1. Dr. med. Salomonski: „Was kann und was soll der Gemetndervahler von den Gemeindevertretern verlangen?* Freie Aussprache. 3« Künstlerischer Teil. Gesang, Lieder zur Laute, Instrumental- Der Vorstand H. Fallend erg, 1. Vorsitzender N. 87 Lottumstraße SS. Herr Geheimrat Timendorfer, der Präsident der Groß- Loge für Deutschland teilt uns mit, daß er gebeten hat, seinen Namen unter den SEBfttjlmtfruf nicht zu setzen. Dieser Brief ist leider nicht in unseren Besitz gelangt. Herr Geheimrat Timendorfer bemerkt ausdrücklich, daß'die von ihm so oft betonte Neutralität in seinem Orden es grundsätzlich nicht zulasse, irgend einen Aufruf einer Partei im religiösen Kampfe zu unterschreiben. Bus üem Kelch. Die verschärfte antisemitische Politik de» «fr deutschen Verbände». Die am 2. und S. September in Essen stattgefundene Tagung des Alldeutschen Verbandes stand ganz im Zeichen des Antisemitismus. Der Vorsitzende Justizrat Claß entwarf ein Programm für daS deutsche Reformwerk, in welchem er daS folgende in den Vordergrund stellte: „Das Judentum werde als das anerkannt und behandelt, waS eS ist, als fremdes Volkstum, das seinem Wesen nach mit unserem Bolle und seinen grundlegenden unverdorbenen Eigenschaften nichts gemein hat, das die Seele unseres Volles vergiftet, ursprüngliche Gefühle, wie die der Treue und Ehre, zerfressen hat." Nachher hielt der HauptgeschästSführer des 2CHdeutschen Verbandes, Freiherr von Bietinghoff-Scheel den Bericht über die politische Lage, in welchem er zu folgenden Schlußfolgerungen gelangte: „Alle europäischen Völker, dazu die Bereinigten Staaten Nordamerikas, sind durchsetzt von Angehörigen eines Volkes der semitischen Rasse, Iren Juden. Sie sind in fast all diesen Völkern zu einer so großen Macht gelangt, daß man heute von einer jüdischen Weltherrschaft sprechen muß." „Der Weltkrieg ist im tiefsten Grunde ein Rassenkrieg mit dem letzten Ziel der Vernichtung der nordischen Rasse. Die politische Weltlage wird noch heute von diesem Ziel bestimmt, und unter den Wegbereitern zu diesem Ziel steht das gesamte Judentum mit in erster Reihe." „Bei solcher Sachlage muß ja das Judentum im deutschen Volke mit seiner ihm an ausgeprägtesten entgegengesetzten Eigenart seinen allerbittersten Feind sehen." (?) „Mul aber das deutsche Volk siegen, so muß es auch den Kampf gegen die Vorherrschaft deS Judentums — vielleicht diesen zuerst — siegreich bestehen." — Die liberale Presse Deutschlands gibt mit Recht der Meinung Ausdruck, daß der All-' deutsche Verband nach der Zertrümmerung seiner völkischen Ziele, seine Existenzberechtigung allein noch in der Bekämpfung deS Judentums sieht. Berlin. Dev Deutsch-Jsvaelttische Gemeittixbund ver. öfsentttcht einen bebemigenswerten Aufruf üb« di« Not der jüdischen Gemeinde ^Beamten, den wir nachfolgend im Vev. trauen auf die Opferwilligkett unserer begüterten Glaubensgenossen' unverkürzt zum Abdruck bringen: Die schreiend« Not, der ein beträchtlich« Teil der jüdi. schm Lehrer und Kultus beamten biSherauf zu den Rabbinern erliegt, rührt an dem Lebensnerv de» Judentums, dem di« Männer erhalten bleiben müssen, d-ta sein« Lehre v«. künden und durch Unterweisung dem Heranwachsenden Geschlecht überliefern. Deshalb dürfen wir nicht warten, bis die von uv» zur Abstellung des Nebels eingeletteten organisatorischen Machnahmen und etwaige staatliche Hilfe dm von der Ddischm Beamtenschaft erstrebten Znftftnd herbeigeführt habett werden, daß der Mische Lehrer iM» KultUKbeamte in wirtschaftlich« Beziehung seinen nichtjüdischen BerufSgenossen gleichgestellt ist. Es handelt sich nicht nUt um die Betroffenen selbst, es ist unvereinbar mit beo jüdischen Ehre, wenn in heutigen Teuerungszeiten es Beamtenfamilien gibt, die bei «ring« Möglichkeit zu NebotteintünfteN, die sich überdies vielfach nicht mit der Würde deS heiligen Amtes vertragen, Jahresgehülter beziehen, die hinter der Erwerbslosew-Llnterstütznng zurückbleiben, wenn daS Durchschnittsgehalt seminarischee Lehrer in einer preußischen Provinz 10 600 Mark, dasjenige deie Kat» toren und Schächter 7000 Mark bettätzt, während die tzvchftsä-tze 25 000 Mark betragen. Diese Durchschnittszifsem ergeben sich. wenn Bezüge der nach der Normalbesoldnugsordnung! mit Gehältern von 60 000 Mark und darüber besoldeten Beamten der Groß- und Mttelgemetuden mitetngerechnet werden. Die ganze traurige Sachlage kann Nicht deutlicher illustttert werben, als durch die Tatsache, daß aus «im im Anschluß an eine Beratung des GemeindebundeS mit Vertretern deSRubbinev-, des Lehrer- und Kantorewperbandes ergangene Aufforderung zur Bewerbung um Mittel aus unser« Notstand saktion sich 4 akademisch gebildete Rabbiner zum Teil im vorgerückten Slslter gefunden haben, die Gehälter von 7200, 8000, 12 000 und 14 000 Mark beziehen, daß unter den 140 Bewerbern aus allen 3 Beamtenkateglxrien 14 ermittelt wurden, die ei» Geholt bis 5000 Mark 17, die ein solcher biS M 10 000, 30 eines bis zu IS 000, 29 bis zu 20 000 Mark. 8 die bi. Minister -er Gerechtigkeit. Ich war wieder einmal bei der Ernennung zum Notariat Übergangen worden. DaS war man ja als jüdischer Rechtsanwalt gewöhnt; diesmal aber war es etwas Besonderes, es waren mir zwei jüdische jüngere Kollegen vorgezvgeu worden. Ich begab wich zum LarwgerichtspEdenten und fragte ihn, ob dienstlicherffetts gegen meine Ernennung zum Notar Bedenken bestünden. Er erwiderte, daß dies nicht d« Fall, baß vielmehr mein« Ernennung beiürwortet worben sei und setzte hinzu — ich kann «S jetzt wie vergeben, da er längst verstorben ist — „fürchtet man sich denn va oben immer noch vor dem einen Juden mehr?" Also ging ich zum Justtzminister. Ich wurde sehr stündlich empfangen und tmg meine Beschwerde vor. Der Minister, d« gerade von Antisemiten heftig angegriffen war, geriet einigermaßen in Verlegenheit. Ich erklärte, daß, solange uns jüdischen Anwälten christlich« Kollegen vorgezogen worden seien, ich persönlich mich nicht beschwert hätte, da nach' meiner Meinung zwar in diesen Fällen die Allgemeinheit der jüdischen Anwälte, nicht aber der Einzelne an sich Anlaß zur Beschwerde gehabt habe. Nun aber seien mir Zwei jüdische jüngere Kollegen ohne Grund vorgezogen worden, und deshalb führte ich die Beschwerde. Dev Minister ließ sich die Namen der Bevorzugten Mnnen und meinte dann, bei Herrn X kannte man vielleicht einen Grund darin finden, daß er besonders gute Zeugnisse hat und sich wissenschaftlich mit Erfolg betätigt, bei Herrn B wisse aber auch er, dev Minister, keinen Grund. Ich entgegirrte. daß mir ein solcher Grund bekannt sei. Dev Herr habe es verstanden, seine Wege zu gehen. Auch ich habe solche Wege gekannt, sei sie aber nicht gegangen, damit man mir Nicht sage: „Der Jude drängt sich vov!" Hierauf erhob sich der Minister, kam Um seinen großen Schreibtisch hemm, reichte mir die Hand und sagte: „Ich danke Ihnen, daß Sie mir bas ins Gesicht sagen: das ist mir viel lieber, als wenn die Herr«». Vinter meinem Rücken murren. Nun erzählen Sie mir einmal. wie'S Ihnen gegangen ist." Ich erzählte ihm, daß ich bei meiner Niederlassung 33 ältere Pormannrr gehabt, seitdem über 14 Jahre verstrichen und mehr als 100 Notare ernannt seien. Der Minister hielt dies fast für unmöglich, notierte sich aber alles genau und sagte schließlick. indem et mich sehr freundlich verabschiedete: „Das wird Ihnen nicht wieder passieren. Si: wcrd.m nicht Wieder übergangen werden." s Einig« Monate darauf erhielt ich die Nachricht, baß ich ernannt sei, «hielt aber noch nicht mein Patent als Notar. Der Ansturm der Antisemiten gegen den Minister hatte sich inzwischen verstärkt und eS war feinen Feinden gelungen, ihn zu stürgm. Mein NotaviatSpatent ttaf dann mit der Unterschrift deS neuen Juisttzmintsters ein Dieser neu« Herr war nicht so leicht zu finden geiöcfcn. Jeder um di« Annahme des Amtes Befragte, lehnte sie unter den gegebenen Verhältnissen ab. Da set, so erzählte man in AbgeordnetenkreiseN, von einem der vortravenden Räte im Justizministerium bei einer Besprechung der Name des Herrn genannt worden, mit dem Zusatz: „Das ist ein Corpsbruder von mir, der wirb gewiß annehmen." Der neue Herr habe sich dann auch sogleich persönlich zur Verfügung gestellt. MS er sich als nunmehr emnnter Minist« der Gerechti gleit vorg«stellt habe, fei ihm — so erzählte man in denselben Mbgeordnetenkreisen — an einer gewissen hohen Stelle gesagt worden: „Sorgen Sie dafür, daß der Einfluß der Juden in der Justizverwaltung mehr zurückgedröngt werde", und der neue Herr habe kein Wort der Entgegnung gehabt. Nun war es damals Sitte, daß ein neu ernannter Justtzbvamter sich persönlich beim Minister für dt« Ernennung bedankt«. Mso ging ich, nachdem ich mein Patent als Notar erhalten hatte, zum Justtzmtntster. Ich wmde bar'ch mit den Worten angesprochen: „Sie kommen wohl wegen des Notariats?" — „Jawohl, EMllenz, ich habe da- Patent erhalten und komme, mich bedanken." — „Hm!", BerlegenheitSpause. — „Er ist mir eine besondere Ehre, daß unter meinem Patent zum «asten Male bei einer Notars» Sernemiemg der Name Euer Erzellenz steht." — „Hm!", Verlegenheitspause. — „Addjöl" und damit war ich hinauskomplimeatiert. Gleich darauf wurden im Justizministerium für die NotariatSernennungen Listen etngeführt und zwar Liste A für christliche Rechtsanwälte und Liste B für jüdische, später auch eine Liste E für solch« Anwälte, die Dissidenten waten. Von der letzteren Liste wurde Wohl niemand ernannt, es sei denn, daß er dafür sorgte, baß er wieder auf eine der ersten leiden zurückübertragen werden konnte. Bei Liste A erfolgten die Ernennungen der Reihe und brr Anctennität nach, von Liste B wurde ab und zu in größeren Zwischenräumen einmal einer «ingefchoben. Man hatte sich mit den Liften,eine vortreffliche'Ausrede geschaffen. Es waren natürlich längst alle jüngeren christlichen Anwälte, die in Frage kamen, Notare geworden imd so sagte man. <S ginge nicht an. nur nach der Anctennität zu ernennen, denn dann würden » nur Juden ernannt werden können. Später und nachdem M* jüdischen Anwälte, die in Frage kamen, ein höheres Mty> erreicht hatten, lehnte man die Gesuche mit der ebenso trefft lichen AuSreda ajb, daß man doch nicht nur alte Herren zu Notaren «nennen könne. Ab« die Tage eines jeden Ministers fittd gezählt, «Mb so mußte auch dieser neue Herr der Gerechtigkeit von feinem Platze weichen. MS er aibaing, veröffentlichte ein Wohlfahrtsvereist, besten Protektor der Herr JustiMtnister gewesen war, ein Inserat, in dem um Betttäge für den WohlfaHttszweck gebeten ward«. DaS Inserat war an erster Stelle von dem Herkkk Protektor gezeichnet und erschien zuerst — in der Allgemeinen Zeitung der Judentums. Bernhard Breslauer. Elngegangene Bücher. Mr bringen an dieser Stelle ein Verzeichnis aller un» gesandten Erscheinungen interessierender Literatur und behalten uni die Besprechung vor. Jsak Judäa»: Lebe«, Werre vud Bedeut«»« für Halt Abba» «ad die Medizinschale t« Lalerao. Jn.-Diss. von Dr. med. Paul Erlanger auS Ulm. Auf diese Arbeit möchte ich nur diejenigen aufmerksam machen, die sich für die Geschichte der Medizin im Judentum interessieren. Es ist immereine Freude, wenn unsere Akademiker in ihren Dissertationen jüdischen Stoffen sich zuwenden. Umso mehr wäre es zu begrüßen, wenn diese Arbeit wie die von Tänzer Mäeene finden würde, die deren Drucklegung finaneiereu würden: sie schildert daS Leben Jsak JudäuS und feine Werke und besonders, wie durch ihn die christliche Medizin, wenn man von einer solchen im Gegensätze zur jüdischen sprechen darf, beeinflutzt wurde. ES wäre gerade in jetziger Zeit angebracht, «r zeigen wie die Juden aller Zeiten und Ländern in aNen Wissenschaften große» geleistet haben, damit nicht Bemerkungeni wie sie selbst in jüdisch-freundlich gesinnten Kreisen gehdrt werden, „Die Juden haven weder auf politischem noch künstlerischem, noch philosophischem Gebiete außerordentliche» geleistet". Straßburger-Ulm.

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