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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-09-15 · 37 (15.9.1922) · page 2

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Wert. Der Einzelne soll durch sein persönliches Erscheinen im Gotteshaus, bei den Beratungen, Versammlungen und Veranstaltungen bekunden, daß er „dabei" ist. Es ist kein Geheimnis, daß oftmals in liberalen Gemeinden die Mitglieder einander nicht kennen. Eine Gemeinsamkeit besteht also kaum. Was können aber die geistigen Führer solcher soi-ämnnt-Gemeinden leisten? Es ist zu glauben, daß, wenn die Besucher ein- und derselben Synagoge eine Art erweiterter Familie bilden und daß, wenn auch in anderen Städten ähnliche Vereinigungen sich bilden werden, man endlich dahin gelangen wird, unter einer liberalen Gemeinde eine solche zu verstehen, in der warmes Leben pulsiert, voll jüdischen Geistes und jüdischen Fühlens, frei von drückender Religionsgesetzlichkeit, aber treu in der Wahrung geläuterten jüdischen Lebens, ohne Verzicht auf edle jüdische Formen. Umschau. Als das Reisen noch billig war und ein Vergnügen, wurde im Sommer wenig Weltgeschichte gemacht. Die Politik lag vom Juni bis zum November eingemottet und konnte sich säst ein halbes Jahr bis zu neuer, wenn auch nicht aufregender Beanspruchung auSruhen. Jetzt sind die Fahr« karten teuer, die Hotelpreise zum Rasen, und doch muß man an jedem Tage, bei meistens schlechtem Weiter Touren oder weite Reisen antreten. Sie bieten keinen Spaß und erst recht keine Erholung, denn die Welt leidet an Schlaflosigkeit. Fahren wir zuerst nach Eberswalde, denn es ist nicht weit von Berlin und als angenehmer Aufenthalt und regsame Industriestadt wohl bekannt. Hier soll zu Zeiten der Völkerwanderung der selige Spriitz, nach dem die berühmten Kuchen heißen, das Hakenkreuz erfunden und zum Musterschutz angemeldet haben. Daher ist eS noch heute das Symbol der Forstbeflissenen Eberswaldes, und die Völkischen und Deutsch- Sozialen wittern guft Fährte. Mit den Ausschreitungen vom 31. August, die nach dem System des Fernlenkbootes verliefen, haben diese Parteien aber nicht das geringste zu tun, denn ein richtiger Progrom, so proklamierte man hinterher, würde sich nicht mit der radikalen Ausräuberung eines jüdischen Geschäftes begnügt haben. ' Was also in diesem Falle durch Stümpferhastigkeit mißlang, das dozierten die Alldeutschen in Esten wissenschaftlich und gründlich. Ihre bisherigen Erfolge: Deutschlands Erniedrigung und Not können den unseligen Tatendrang der erren nicht dämpfen, und in edlem Wetteifer mit den arbentragenden Antisemiten, aber mit der Taktik und Strategie aktiver Generalstäbler, präparierten sie den Kampf gegen die Judenheil, bet der wir in die Gladiatorenrolle — ohne Schwerter — gedrängt werden. Man soll uns so lange prügeln und attackieren, biS keiner mehr übrig bleibt, lautet dieses menschenfreundliche System. Jeder Jude, der sich in diesem ungleichen Ringen verteidigt oder so heimtückisch schlau ist, den Plan der Feinde zu durchschauen, verfällt für seine Ueberhebung verschärfter Fehme. Da - trug der Münchener Katholikentag doch ein friedlicheres Gepräge! Den einzigen kriegerischen Einschlag dieser beoeutsamen Kundgebung lieferte die ecelesis. miütans. Warum sah sich Kardinal von Faulhaber veranlaßt, in seiner geschickt abgewogenen Rede der „jüdischen Presse* einen Hieb zu versetzen? Weil die Bayerische Volkspartei, um Trumpf bleiben zu können, sich monarchistisch geben muß und im Gegensatz zur Zentrumsfraktion den kleinen antijüdischen Einschlag hierbei benötigt. Die blaU'weiße Flagge wehte jüngst auch in Karlsbad, daS als deutsch-böhmische Stadt zwar noch nicht von den Bayem annektiert worden ist, aber die Jahreskonferenz der Zionisten beherbergt hat. Doch ging es recht temperamentvoll zu. Die Führer werden scharf mitgenommen, und alle Richtungen der Partei, die nicht arm an Gruppen ist, hatten sich hinter schon lange vor Beginn verschlossenen Türen Deutliches zu sagen. Der Zionismus (hier soll keine eigene Meinung ausgesprochen werden) steht jetzt wirklich am ScheidewmamammmmmammmammmmmaaeammmmnamaaBmammmmmmmm Die geborene Kugenöreich. Ein Großstadtroman von Ostar JonS Miltman. (LS. Fortsetzung.) -- Max mußte sich ziemlich gedulden, bis es ihm endlich gelang, Minni allein zu sprechen. Als er schon eine Woche in Kolberg war und mißvergnügt durch die Stadt zog, traf er sie auf dem Marktplatz und dazu ihre ständige Begleiterin, Etla Fisch, die ihm schon bei seiner Ankunft gut gefallen hatte. Beide kamen vom Flundernkauf, wußten aber nicht recht, wie sie ihre Paketchen postgerecht verpacken und schnell nach Berlin ausgeben sollten. Max übernahm mit ihm sonst nicht eigener Geschicklichkeit alles nötige. Er schnürte und adressierte im Schal! erraum für Minni und die Freundin so gut und sauber, daß sein Vater daraus sicher aus erwachende kaufmännische Qualitäten geschlossen hätte. Als man wieder auf die Straße trat, und Max gerade eine Konditoreieinladung Vorbringen wollte, verabschiedete sich die junge Ostjüdin ganz plötzlich. Sie sah bei beiden das Verlangen nach ungestörter Aussprache und darum zog sie sich zurück, wie eine Dame von Welt es nicht taktvoller tun kann. Es gibt überall Frauen, die auch ohne Dressur dem edlen Gefühl folgen. Ein gutes Herz ersetzt das beste Pensionat! Max und Minni gingen träumend durch den wundervollen Park und redeten kaum ein Wort. Sie wußten nicht, was mit ihnen geschah, sie sahen sich nicht an, sie schritten nur vorwärts mit starrem Blick und wogender Seele. Ms sie weitab vom Zeltlager der Badegäste am menschenleeren Strande anlangten, kam über Max eine große und gewaltige Erregung. Lange sah er Muni wortlos an, die ganz bleich geworden war, dann sprach er schweratmend und mit heiserer Stimme: „Ich werde Ihnen sagen, was Sie wissen. Ich kann nicht ohne Sie sein, meine ganze Liebe gehört Ihnen!" Da wandte sich das Mädchen bebend ab und weinte laut und bitterlich. Max geriet in peinliche Verlegenheit, und der Ueberschwang seines Gesichtes wich der Sorge und Scham. Hatte wege und er wird gar bald auf den KolonisationSpfad oder , die Heerstraße abschwenken müssen. Das Mögliche dem Phantastischen vorzuziehen, so lockend es nnS ansgemalt wird, kann auch nur das Ziel einer vernünftigen deutschen und der Weltpolil-ik sein, denn dieser Winter, der sich frühzeitig ankündigt, wird kalt und hart und bitter, wie noch keiner zuvor. Mögen darum die Verantwortlichen Sorge tragen, daß daS wahrlich nicht verwöhnte Volk nicht hungere und friere und in seiner Not sich selbst zerfleische! Haroe. Julius Roöenbeeg und feine Stellung zum Iuöentum. Don Dr. M. Spanier, Magdeburg. Die Anregung zu diesem Thema gab Heinrich Spiero's Buch: Julius Rodenberg. Sein Leben und seine Werke. (Berlin 1921.) Ursprünglich Julius Levy, ältester Sohn frommer jüdischer Eltern, geboren 1831 in Rodenberg am Deister, einem kleinen kurhessischen Städtchen, gestorben 1914 in Berlin, Margarethenstraße 1. Wenn wir den Namen Julius Rodenberg nennen, so verbinden wir mit ihm den Gedanken an die Deutsche Rundschau, die angesehenste deutsche Monatsschrift, von ihm 1874 gegründet und nahezu bis zu seinem Tode geleitet. Eigenartig und psychologisch.schwer verständlich ist seine Stellung zum Judentum. Als R. in den fünfziger Jahren in Berlin mit dem Geheimen Legationsrat Varnhagen von Ense bekannt wurde, hatte ihm dieser geraten: „Vor allem legen Sie Ihren bürgerlichen Namen ab und treten Sie zum Christentum über!" (Varnhagens Gattin war die getaufte Jüdin Rahel Levin.) Das erste geschah, das zweite nicht. Als Student der Rechte in Heidelberg ging er jeden Freitagabend nach dem benachbarten Handschuchsheim, um hinter den Gardinen eines jüdischen Hauses den siebenarmigen Sabbatleuchter, wie daheim, brennen zu sehen. Ein Stück Poesie. Strahlenglanz des Judentums ließ er auf sich einwirken. Hatte doch ein christlicher Dichter — Gustav Schwab — gesungen: „Herz, mein Herz, warum beklommen, vor dem Juden scheuest du? Heiß den Bruder doch willkommen, halte mit ihm Sabbatruh!" Später verzeichnete er in seinem Tagebuch über seine Stellung zum Judentum: „Mein Herz ist nicht dabei, ich habe eine Abneigung gegen diese Religion der Dunkelheit (!!!), gegen alle Religion, die den Gläubigen höher stellt als den Menschen, ich liebe nur das Menschentum." Nur im Schatten dichtester Unwissenheit kann daS Judentum als eine Religion der Dunkelheit bezeichnet werden. R. hat das Judentum nicht gekannt und in seiner Unkenntnis verkannt; er scheint sich auch — aus Abneigung — nicht in das Studium der Bibel versenkt zu haben, er hätte sonst Aussprüche gefunden, wie: „Eine Leuchte meinem Fuße ist Dein Wort und ein Licht für meine Bahn" (Psalm 119,108) oder: „Laß Dein Antlitz leuchten Deinem Knechte" (das. 119,136) oder: „denn eine Leu ch t e ist das Gebot und die Lehre ein Licht (Spr. Sal. 6,23). Eine Religion der Dunkelheit, unglaublich! Unermüdlich mahnen unsere alten Weisen, den Bibeltext nicht in ein mystisches Gewand zu hüllen, die Deutung müsse einfach, klar und verständlich — kurz, licht voll sein. Sollte man auf R. das Wort unserer Men anwenden, daß es strafbar sei, wenn absichtlich die göttlichen Lehren aus dem Sinne entfernt würden? (Sprüche der Väter 3,10.) Viele Wendungen in Goethes Faust scheinen dunkel und unverständlich — für den, der die Sätze nicht genauer prüft und untersucht. Ms Dichter hätte R, wissen müssen, daß auch der Wortkunst Geheimnisse abzulauschen sind. Weiter hätte R. wissen müssen, daß die jüdische Religion und Sprache keinen adäquaten Ausdruck für Glauben kennt. Es heißt nicht: Glaube, Israel, sondern: Höre, Israel! Oder gilt das Wort über die Gläubigkeit dem Christentum? R. kennt auch nicht die Mission Israels, er sie verletzt oder sich aufdringlich oder täppisch benommen? Er suchte ihre Hand, die sie ihm willig ließ und streichelte die weichen, eiskalten Fingerchen sacht und behutsam. „Sehen Sie mich wenigstens an, Fräulein Minni!" bettelte er. „Ich kann nicht," versicherte Minni schluchzend. „Aber wenn ich mich umdrehe — darf ich? — dann werden Sie mich doch noch eines Blickes würdigen!" Er mußte bei seinen Worten lächeln, denn ganz so sprach seine Mutter. Mnni versteckte zwar immer noch ihr Gesichtchen hinter der rechten Hand, aber sie schien doch ruhiger zu sein, und nur um die Ntundwinkel zuckte es verräterisch. „Erklären Sie mir bloß, was ich getan habe! Womit habe ich Sie gekränkt?" „Ich weiß es selbst nicht, Herr Doktor, aber .. .. " — „Gerade auf dieses Aber kommt es an!" forderte der geschulte Logiker. „Alles kommt mir so plötzlich," ergänzte Minni, „und ich habe noch nie daran gedacht und ..." — „Und ... ", unterstützte Max die Zaghafte. „Ur.d eS geht doch nicht, daß ich als armes Mädchen..."— „Es ist noch etwas?" warf Max unruhig fragend dazwischen. — „Und außerdem bin ich ja nicht jüdisch." — „Also das sind Ihre Sorgen!" — „Nicht nur dasm — „Bitte, bitte, was ist noch?" quälte er. „Ich traue mich nicht mehr ins Geschäft, denn wenn Herr Rosenthal und überhaupt die Chefin .... " — Max war gerührt. „Sie sollen niemals weinen, liebe Minni, dafür will ich sorgen! Sind Sie mir denn überhaupt gut?" „Ich weiß es selbst nicht," sagte sie schüchtern, und dabei tönte sich das schöne Antlitz hochrot. „Und ich weiß es ganz genau!" triumphierte er. „Ach Minni, ich möchte so geme du zu Ihnen sagen!" die darin besteht, Menschenbrüderlichkeit zu lehren und zu betätigen (nicht bloß lehren!), zu lehren, daß das g a n z e Menschengeschlecht als e i n e große Familie zu betrachten sei. Rodenberg tritt inhuman, mit Vorurteilen, an das Judentum heran, obwohl er für die Humanität als Religionsersah seine Stimme erhebt. Engherzig egoistisch oder konfessionell klingt es, wenn er bekennt, daß er außer seiner Familie nur ein einzige- Mal von Juden wirtliche Förderung erfahren habe, sonst nur von Christen gefördert worden sei. Gemeint ist hier sicherlich Emanuel Deutsch, Kustos am Britischen Museum in London, den er bei seinem dortigen Aufenthalt kennen und schätzen lernte. (Deursch ist der Verfasser einer berühmt gewordenen Monographie über den Talmud, die doch R. unbedingt gelesen haben müßte!) Nur ein einziges M>Ä von Juden gefördert? Zu seinem Freundes- und Bekanntenkreis zählten: Theodor Bensey, Berthold Auerbach, Lasker, Bamberger usw. Diese ausgezeichneten Männer sollten ihn nicht gefördert haben? Empfand er auch „Abneigung" gegen treffliche jüdische Gelehrte, die in seiner nächsten Nähe wirkten, wie Leopold Zunz, Moritz Steinschneider, Abraham Geiger, Michael Sachs, Moritz Lazarus, H. Steinlhal, um nur diese zu nennen? Diese Männer hätten Rodenberg mit der Geschichte und den Lehren des Judentums vertraut machen können. Statt dessen erfahren wir von seinem Biographen, daß R. erst im späten Alter die jüdische Geschichte „wirklich" (??) aus den Werken Julius WellhausenS kennen gelernt habe. Wellhausen schrieb eine „Israelitische und jüdische Geschichte", die in mehreren Auflagen erschien; es ist interessant und mit Befriedigung zu beobachten, daß W. nacheinander seine voreingenommenen Auffassungen über Juden und Judentum revidierte. ES ist also die Frage, welche Auflage Rodenberg gelesen hat. Völlig verchristelt, war R. „tief beglückt", als der Berliner Pfarrer Hermann von Soden sich erbot, ihm einst die Leichenrede zu halten, weil er eine anima Christiana habe. Er war sicherlich auch „tief beglückt", daß an seiner Tochter Mee der M der Taufe vollzogen wurde und daß sie später einen christlichen Hauptmann heiratete. Nur „zum Glauben an den Heiland vermochte er sich nicht zu bekennen", schreibt sein Biograph. — Zur Zeit der Hochflut der antisemitischen Bewegung, der Stöckerschen Aera, fühlte selbst der getaufte Jude, Professor und Pastor Paulus Cassel sich zu seinen früheren Glaubensgenossen hingezogen, aber der ungetaufte Redakteur der Deutschen Rundschau verhielt sich kühl und objektiv denkend zur Zeit der Judenhetze. Bamberger hatte ihm eine Abhandlung gegen Treitschke zur Veröffentlichung überreicht, R. wies sie ab. In seinem objektiven Denken ließ er aber in seiner Zeitschrift auf die Judenfeinde Paul de Lagarde und Eugen Dühring ein Loblied anstimmen. Daß er Dühring feiern ließ, erregte sogar — allerdings aus anderen Gründen — das Mißfallen Eduard Zellers. Denken wir nur an die beiden großen Gelehrten H. S t eint h a l, den berühmten Sprachforscher, und H'itr Man n C o h e n, den berühmten' Philosophen^- die in sich vollendete Persönlichkeiten waren, die mit allen Fasern ihres Herzens am Judentum hingen und ihre Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben nicht nach den Verhältnissen in den Vorder- oder Hintergrund treten ließen, die Zweiseelentheorie blieb ihnen fremd (siehe den von mir redigierten „Wegweiser für die Jugendliteratur" Nr. 13 Jahrg. 1906 und Nr. 1 Jahrg. 1911), so müssen wir rückhaltlos die Ueberzeugung aussprechen, daß diese edlen Männer uns allen — jung und alt -~ als Vorbilder voranleuchten können, nicht aber Julius Rodenberg. Zu meinem Bedauern muß ich das im Gegensatz zu der verehrungswürdigen Frau Regina Reißer, die im „Wegweiser" Nr. 3 Jahrg. 1911 Julius Rodenberg zu seinem 80. Geburtstage gewürdigt hat, hervorheben. Das Mädchen widersprach nicht. „Aber dann müssen Sie auch nicht so steif zu mir sein! Kennst du denn überhaupt meinen Namen? Sag' einmal auch meinen Namen, nur einmal!" — „Das geht unmöglich!" verwahrte sich Mnni kopfschüttelnd. „Du mußt, du mußt!" — „Ich tue es nicht, ich kann es wirklich nicht!" — „Und wenn wir uns erst gut kennen?" —> „Ach, das wird nie geschehen!" Sie sprach es düster, und ihre Augen sahen starr in die Feme. „Und wenn wir verlobt wären?" ermunterte Max. — „Ich kriege es niemals heraus." — „Auch wenn Sie meine Frau wären, würden Sie nicht du zu mir sagen?" — „Ich glaube es nicht," antwortete Mnni, aber es war nicht ersichtlich, worauf sich dieser Zweifel bezog. „Dort kommen Leute. Herr Doktor! Wir wollen uns trennen; bitte lassen Sieinich gehen!" Minni spähte unruhig umher, Max aber entschied: „Ich komme noch zehn Schritte mit, so gehen wir nicht von einander!" — „Ich muß doch fort!" bat sie mit gefalteten Händen. — „Wenn Sie jetzt gehen, das wäre eine Sünde!" — „Wäre es eine Sünde?" wiederholte Minni nachdenklich. „Sie können mich ja zu allem zwingen, und ich habe keinen Willen mehr. Ich bin noch ein Kind, und jeder kann mir böses tun!" „Trauen Sie mir das zu?" wollte er wissen. Da sah sie ihn voll an. „Nein, Ihnen nicht; Sie sind mir doch gut!" — „Weißt du es wirllich?" — »Ich sage nichts, ich brauche nichts zu sagen!" Ganz schlicht kam dieses Geständnis hervor, Max hörte es beseligt und wie im Traum. (Fortschnntz folgt.)

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