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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-09-08 · 36 (8.9.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
36 (8.9.1922)
Date
1922-09-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Die Zahl der Mischehen unter der jüdischen Jugend der Vereinigten Staaten nimmt immer mehr zu. Allein in New-Aork ist sie im letzten Jahre um 30% gestiegen. * * * Eine Reihe schwerer Gefahrenzeichen wird aus Palästina gemeldet. Der arabische Kongreß in NabluS (Sichem) hat den Boykott der jüdischen Geschäfte beschlossen. Er weigert sich, der englischen Verwaltung den geforderten Bericht über seine Konferenz zu erstatten und gibt als Grund an: die englische Regierung sei in den Augen der Araber eine Institution, die das Land mit Gewalt erobert habe. Der Kongreß will die Agitation gegen den Zionismus und die Politik der englischen Regierung fortsetzen. * * * Ein in Mecka statigesundener Araberkongreß faßte den ähnlichen Beschluß, die Juden sowie alle anderen Fremden zu boykottieren und für die Unabhängigkeit Arabiens und Palästinas zu kämpfen. * * * Für den 28. August war der Empfang einer aus angesehenen palästinensischen Juden bestehenden Abordnung beim Oberkommissar, Herbert Samuel vorgesehen. Den Verttetern wurde aber mitgeteilt, daß der Oberkommissar viel zu beschäftigt sei und die jüdische Abordnung nicht empfangen könne. * * Die griechisch-orthodoxe Kirche protestiert beim Völkerbund gegen den Anspruch des Vatikans, daß die Mehrheit der Aufsichtskommission über die heiligen Stätten Palästinas aus Katholiken bestehen solle. -X * * Der Kongreß der kanadischen Gewerkschaften betont die Notwendigkeit, jene Einwanderung zu unterbinden, die sich nach industriellen Mittelpunkten drängt. Die Arbeitslosigkeit in den großen Städten gilt als Ursache für diese bemerkenswerte Stellungnahme. -X -X -X Umgekehrt mehren sich sowohl in Südafrika als auch in den Vereinigten Staaten die Bestrebungen, die Einwanderungseinschränkungen auszuheben, da die zugelassene Quote lange nicht erreicht wurde und der Hauptstrom der Fremden aus Osteuropa stark abebbt. Ms öem Reich. Berlin. Zentrum und Deutschvölkische. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wandte sich an den Vorsitzenden der deutschen Zentrumspariei, Senatspräsidenten Marx, mit der Bitte, die Stellung seiner Partei zur antisemitischen Bewegung zu kennzeichnen. Das Organ des Centralvereins veröffentlicht nun die Antwort des Zentrumsführers, über die wir an anderer Stelle kurz Gerichten. Sie schließt mit der Erklärung: „Die Kathöliken lehnen jedenfalls den Antisemitismus als solchen grundsätzlich und bewußt ab. Die stattgehabte Untersuchung wegen der Ermordung Rathenaus hat nach den bis jetzt durch die Presse bekanntgewordenen Ergebnissen den Beweis erbracht, daß dieser Mord in engstem Zusammenhang mit den deutsch-völkischen Bestrebungen und der antisemitischen Hetze steht. Die vaterländisch gesinnten Juden dürfen im Kampfe gegen die antisemitische Hetze auf die Unterstützung des katholischen Volkes und auch der Zentrumspartei rechnen." Ausbildung von Religionslehrerinnen. Von der jüdischen Gemeinde zu Berlin werden Kurse unterhalten, durch welche Lehrerinnen und Seminaristinnen Gelegenheit geboten ist, sich in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichts und in der Methodik dieser Disziplin auszubilden. Die Teilnahme ist unentgeltlich. Meldungen nimmt der Leiter der Kurse, Rektor Dr. Spanier, in der Mädchenschule, Kaiserstraße 29, entgegen, der auch zu jeder weiteren Auskunft bereit ist. Gegen de« Antisemitismus. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus verbreitet einen Aufruf, in dem es heißt: „Der grauenvolle Mord an dem Minister des Auswärtigen Dr. Walther Rathenau, der verbrecherische Ueberfall auf Maximilian Harden, die geplanten Attentate auf Max Marburg in Hamburg, auf Theodor Wolfs in Berlin haben eine weitverbreitete, bis inS Einzelne durchgearbeitete Organisation einer Mörderzentrale offen gelegt, die die ihr unwillkommenen Persönlichkeiten durch feigen Mord zu beseitigen sucht. Klar liegt zu Tage, daß diese Berbrecherorganisation auf dem Boden verhetzender, antisemitischer, dentschvölkischer Agitation entstanden ist. Vor länger als 30 Jahren haben weitblickende Männer die furchtbare Gefahr erkannt, die in der antisemitischen Bewegung liegt, die sich an die niedrigsten Instinkte, an die schlimmsten Vorurteile, an dunkelsten Aberglauben wendet, die mit allen Mitteln skrupelloser Verleumdung und Lüge arbeitet, die den Heil des Hasses und der Zwietracht in das Volk trägt, die es auf die niedrigste Kulturstufe rückständigster Polen und Rumänen herabzudrücken bestrebt ist. Unter Führung so hervorragender Männer wie Rud. von Gneist und Heinrich Rickert haben sie den „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" gegründet. Nicht Aufgabe unserer jüdischen Mitbürger allein ist eS, gegen die Verunglimpfungen, Verdächtigungen, Verleumdungen und Herabsetzungen zu kämpfen, denen sie durch den teils wüsten teils sich in scheinbare gesellschaftliche Vornehmheit kleidenden Antisemitismus ausgesetzt sind. Nein, gerade weil er eine im Tiefsten unsittliche Bewegung, ist, ist es Aufgabe und Pflicht aller Kreise des Volles, ihm entgegen zu treten. Denn nur durch Hebung der Sittlichkeit läßt sich eine unsittliche Bewegung überwinden. Unser Verein umschließt daher Angehörige aller Religionen, er ruft Christen wie Juden zur werktätigen Mitarbeit für die Hebung des sittlichen Empfindens auf. Seinen christlichen Mitgliedern ruft er ins Gedächtnis, daß der Antisemitismus unchristlich ist, weil er gegen die Religion der Liebe verstößt; daß er ausgesprochen christentumsfeindlich ist, weil er das rohe germanische Götzentum an die Stelle der hohen ethischen christlichen Lehre setzen will. Meldungen und Zahlungen sind zu richten an die Hauptgeschäftsstelle Berlin W 35, Flottwellstraße 7 (Postscheckkonto: Berlin 9506) oder an die Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Feldbergstraße 24 (Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 4936)." Breslau. Der Jüdische Frauenbund, dessen Ortsgruppen im ganzen Reiche verbreitet sind und eine segensreiche Tätigkeit auf sozialem Gebiete ausüben, hält seine Verbandstagung am 11. und 12. September in Breslau ab. Für die auswärtigen Delegierten veranstaltet der Vorstand der hiesigen Ortsgruppe und die ihm angeschlossenen Kommissionen am Montag Abend 8 Uhr in der Lessingloge einen Begrüßungsabend. Am Dienstag 9 Uhr vormittags beginnt in der Lessingloge die Arbeitssitzung unter Leitung von Frau Paula Ollendorf. Frau Bettin aBrenner - Leipzig wird über „D i e Aufgaben des Jüdischen Frauenbund es und Frl. K a r m i n s k i über die „Ausgaben der Provinzialverbände des Jüdischen Frauenbundes" sprechen. Nachmittags 4,30 Uhr werden die Beratungen sortgesetzt und aus den Bortrag von Frau Martha Ollendorf -Berlin „Die Stellung der Frau zu"m Landesverb and jüdischer Gemeinden" ausgedehnt. Zu dieser Arbeitssitzung haben alle Mitglieder Zutritt. Am Abend 8 Uhr sprechen in öffentlicher Bersammlungim Saale der Lessingloge: Bertha Pappenheim- Frankfurt a. M., die erste Vorsitzende des Bundes, über „Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung" und Clementine Kramer- München über „Kulturund Lebensführung". Geistig Minderbemittelte. Die ganze kümmerliche Geistesverfassung der Deutschvölkischen kommt in der Stellungnahme der Münchener „Nationalsozialisten" (lies: Demschvölkischen) zu der Denkschrift einer ihrer Unterorganisationen zum Ausdruck. Diese hatte zu erwägen versucht, ob es nicht besser sei, an Stelle der ewigen Radauversammlungen die Arbeit im Parlament zu setzen. Dagegen wendet sich die „nationalsozialistische" Parteileitung aber sehr entschieden, ^mit der Begründung, daß ihre Führer den Juden lerder Msdcmn stehen ln der Liste die Vielen, die nicht wählen wollen. Warum sie nicht wollen? — Sie wollen einfach nicht! Sie zahlen ihre Steirern und damit basta! Was geht sie die jüdische Gemeinde an? Mag sie zu Grunde gehen! Sie wollen ihre Ruhe haben — wie die Toten. Das sei töricht, meinst du. Ich auch. Aber helft er sich! Sic wollen nicht! Ja, wenn du ihnen einen Synagogenplatz verschafftest, das würde sie locken. Aber das kannst du nicht, denn so etwas gibt's seit Jahren nicht mehr! Die stehen alle in der Liste. Doch alles, was recht ist: es sichen auch noch andere drin, z. B. solche, die, mit einem guten Gedächtnis begnadet, ihre Gemeindesteuern ohne Mahnung und lückenlos bezahlt haben, weil sic wissen, was von der Repräsentanten»)«!)! in der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands abhaugt. Aber viele, ach zu viele stehen nicht in der Liste. Und gerade diejenigen, die am ehesten glauben, überzeugt seien zu können, daß sie Wähler sind, sind es nicht. — Gehet und sehet! Ich bin auch hingegangen, habe mich gesucht, habe dabei recht nett meinen Tanz um die Liste ausgeführt und habe mich — nicht gefunden. Und ich hätte schwören können, ich stände drin. Gut, daß ich nicht geschworen habe. Liberale Freunde, gehet hin und tuet desgleichen! Ihr werdet es nicht bereuen! Bewegung ist gesund. Und ihr werdet außerdem eure Freude haben! Findet ihr. euch in der Liste, dann werdet ihr die Freude einer sch men Ueberraschung haben! Findet ihr euch nicht, dann werdet ihr euch eintragen lassen und dabei die Freude eines gewonnenen Prozesses empfinden, denn die Liste wird verurteilt, euch aufzunehmen. Entrichtet ruhig, wenn es sein muß, die kleine rückständige Steuer. Das wird eure Freude nicht beeinträchtigen, denn es wird euch viel Spaß machen, der Liste einen Streich gespielt zu haben. Wenn der Prophet nicht zum Berge kommt, dann muß der Berg zum Propheten kommen. Gehet zur Liste, denn sie wird doch nicht zu euch kommen. Ihr meint, ihr brauchet nicht hinzugehen, denn ihr seid dessen sicher, daß ihr in der Liste stehet? Ihr glaubt es, weil ihr alteingesessene Gemeindemitglieder seid, weil ihr immer eure Steuern bezahlt habt usw. Wenn ihr wüßtet, wer alles nicht in der Liste der Wähler steht! Wenn ihr wüßtet, wie viele nicht in der Li st e stehen! Und warum so mancher von euch nicht in der Listesteht! Wenn ihr wüßtet... _ Simplex 0n aller Kürze. Der Führer der Deutschen Zentrumspartei hat jüngst ausgesprochen, daß der Antisemitismus sich fast stets auch in Gegnerschaft zum Christentum und besonders gegen den Katholizismus entwickelt. Die starke Betonung des deutschen Volkstums in Anlehnung an den altdeutschen Götterkult werde immer mehr eine antichristliche Bewegung, die ernstlich nicht zu leugnen sei. -X -X ^Himrjttrlhax.- nachdem, bas.Territorium... des.. DaWgex Bahnhofes den Polen zugesprochen worden ist, hat die polnische Eisenbahnbehörde die Räumung des dort besindlichen jüdischey Auswanderungsbüros binnen 48 Stunden verfügt. -X -X -X Auf der zionistischen Jahreskonferenz in Karlsbad, deren Verhandlungen sehr bewegt verlaufen, ist es zu einer scharfen Krise innerhalb der Leitung der zionistischen Organisation gekommen, in deren Verlauf verschiedene Führer mit der Niederlegung ihrer Mandate drohten. Es soll ein Kompromiß angestrebt werden. -X -X * Laut Gesetz beginnt in Polen die Schulpflicht der Kinder mit dem erreichten siebenten Lebensjahre. Hierunter fallen auch von jetzt an die jüdischen Privatschulen und Chedarim, sodaß eine frühere Unterweisung der Kinder verboten ist. -X -X * m veWlWnheit uni> Wenlvsrt. Eine Betrachtung zur Vorstandstagung des „Jüdischen Frauenbundes" in Breslau, den 11. und 12 September 1922. - Die Ortsgruppe Breslau des „Jüdischen Frauenbundes", die gesamte jüdische Frauenwelt der schlesischen Metropole rüsten sich zum Empfange hervorragender Glauöensschw rstern ans allen Gauen unseres Vaterlandes, hohen Festtagen sr.udig bewegt entgegensetzend, Tagen ernster Arbeit, reicher Anregung, erhebender Eindrücke. Seitdem die deutsche Frauenbewegung in der Mitte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts von Leipzig aus ihre- Schwingen zu regen begann, haben hochgemute jüdische Frauen den lebhaftesten Anteil an der neuen Bewegung genommen. Auf länger als ein halbes Jahrhundert zurückschauend, wird mir das .Herz weit und froh, gedenke ich der Werke jüdischer Frauen zum Segen und zum Wohl« ihres Geschlechtes, ihrer Glaubensschwestem und der Mcnsckbei!. Schon 1891 hatte Klara Reißer in Breslau, die Tochter des ausgezeichneten Königsberger Pädagogen Franlolm, den Verein „Frauenwohl" begründet und die allzufrüh ihrem edlen Wirken entrissene Jeanel.e Schwerin tvar zur Rcorgansalorin der Berliner Wahljahrt-einrichtungen geworden Nicht nur auf dem großen weitverzweigten Gebiete der verbesserten Madchenerziehttng, der erweiterten Fraucnbildung und Fraucneriver'bstätigkcit, in Kindcrsürsorge, Armen- und Kraneupflege wurde Hervorragendes geleistet, „soziale Hilssarvc.t" war das Losungswort der Zeit geworden. Zahlreiche Jüdin nur betätigten sich in glänzender Weise in Kunst und Wille nschaft, Literatur und Musil' und cs erfüllte die Zei genoliinrren mit freudigem Stolz, daß die wmenschaitlichcn Arbeiten einer Susanna Nubinstetn, Lydia Rabinowitsch - Kempner, Rahel Hirsch u. a. m. uncingeschräntteste Aner-cnnung in der Gclehrtenwelt fanden. Allmählich hatten jedoch eine Anzahl geistig und seelisch hochstehender tatkräftiger jüdischer Frauen zu Anfang des neuen Jahrhunderts erkannt uirb erfaßt, das; ein Zusammenschluch der jüdischen Frauenwelt, konfessionelle jüdische Frauenarbeit «ine gebieterische Forderung der Zeit geworden war und auch viel achen Vorbereitungen, nach Ueberwindm g mannigfacher Schwierigkeiten wurde am 14. Juni 1907 der „Jüdische Frauenbund" begründet. In den ersten Oktobertagen des Jahres 1908 sah die schlesische Metropole die Vertreterinnen der deutschen Frauenbewegung nicht nur, sondern auch die der jüdischen Frauen bewegung aus Nord und Süd, Ost und West unse es ge liebten Vaterlandes in ihren Mauern; mir war es damals vergönnt, in einem Festartikel die hochverehrten Gäste begrüßen zu dürfen. Der erste Abend dieser Tagung am 5. Oktcbe" war unter dem Titel „Nerve Lebensziele" der Jugend, dem heranblühenden weiblichen Geschlecht geweiht und wurde vcn einer Jüdin, Frau Alice Benshckmer-Mamrheim, eingeleitet. Am folgenden Tage vollzog sich ein für die jüdsche Frauenwelt Breslaus hochbedeutungsvolles Ereignis, die Begründung der Ortsgruppe Breslau des „Jüdischen Frauenbundes". Frau Heilberg, deren allzuftühen Heimgang die gesamte Frauenwelt Breslaus, nicht nur die jüdische, schmerzlich betrauert, begrüßte die überaus stattliche Versammlung. Frau Heunette May-Berlin, legte dir Ziele und Ausgaben des „Jüdischen Frauenbundes" klar, die Frauen sollten zur Mitarbeit an den großen Organisationen, Hilfstercin der deutsche« Juden u. a. m. herangezogen werden, die Errichtung eines Heim für gefallene und gefährdete jüdische Mädchen war 1ereits geplant und in die Woge geleitet usw. Nach einigen überleitenden Worten von Fräulein Bevta Pappmheim-Franksrrt a. M., die schon damals durch ihr ungewöh.ckich energisches Eintreten für die Bekämpfung des Mädchenhandels rühmlichst bekannt gewordem war, hielt Fräulein Gidonie Werner-Hamburg einen Vortrag über „Die Kulturausgaben der jüdischen Frau". Sie forderte insbesondere Anschluß aller jüdischen Frauen.: re ine au den Bund Fräulein Pappenheim begrüßte das anwesende Ehrenmitglied Lina Morgenstern, eine Ansprache des Rabbiner Dr. Gultmann schloß nach anregender Diskussion diese denkwürdige Versammlung. Am Abend jenes 6. Oktobers gaben die Staütvüter in den herrlichen Festränmen des altehrwürdigen Stadthauses ein gkän- I zcndes Fest, das allen denen, die daran teilnehmen durften, eine unvergeßliche Erinnerung geblieben ist. Wenige Tag« später beging ich meinen 60. Geburtstag und es war mir vergärmt, Lina Morgenstern und ihre Schwester Anna Honigmann zu meinen Gästen zu zählen. Seitdem sind fast andethalb Jahrzehnte dahingegangen. Der „Jüdische Frauenbund" umspannt wi« ein Netz unser teures Vaterland und hat bereits 60 000 Mitglieder in den Großstädten wie in dtzn kleinsten Ortschaften in zahlreichen Ortsgruppen, die in ihren Leistungen mit einander Wetteifern, zu verzeichnen. Was der „Jüdische Frauenbund" dank der freudigen Schaffenskraft der OrtsgruppenvorstLnde wie einer Schar trefflicher Hilfstruppen in diesen anderthalb Jahrzehnten in glücklicher Friedenszeit wie in den ernsten schweren Zeit des Weltkrieges geleistet hat, das wird dereinst mit goldenen Lettern in der Geschichte der Wohlsahrtsb^strebungeN des zwanzigsten Jahrhunderts prangen. Aus der deutschen Frauenbewegung ist gleichberechtigt und gleichbedeutend eine jüdische Frauenbewegung erstanden, Deutschtum und Judentum in harmonischer Weise verschmelzend, wirken Tausende und Abertausende jüdischer Frauen „so weit die deutsche Zunge klingt" rastlos hingebungs- und aufopferungsvoll im Dienst« der altberiihmten und altbewährten jüdischen Nächstenliebe im Geiste einer neuen Zeit, Not und Elend lindernd, Tränen trvckend, Existenzen ausbauend, wirtschaftlich Schwache stärkend, Erwerbsmöglichkeiten eröffnend, ein starkes Geschlecht in unserer Kinderwelt h-eranzubilden erstrebend, zur Ehre des Judentums, und von Tag zu Tage wächst die Schar der Anhänge-rinnen, Verehrerinnen und Helferinnen in der jüngdren Generation, die in Zukunft bereit sein werden, ihre beste Kraft einzusetzen, um an den Zielen und Ausgaben des „Jüdischen Frauenbundes" mitzuarbeiten. Befriedigt auf das, was schon erreicht ist, zurüMiclend, ist zuversichtlich zu hoffen, daß nach den ewigen Gesetzen des Fortschrittes der „Jüdische Frauenbund" sich ferner gedeihlich entwickeln, ausgebaut und nicht stillstehen wird. Und in dieser frohen Hoffnung ruft die Ortsgruppe Breslau ihren hochverehrte« Gästen von Na.) und Fern einen herzlichen Willkommengruß zu mit dem Wunsche, daß ein günstiger Stern über der Vorstandstagung des „Jüdischen Frauenbundes" leuchte! Das walte Gott! Breslau. Regina Neistar.

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