Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 36 (8.9.1922)
- Date
- 1922-09-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht gewachsen seien. Wörtlich: „In ganz Deutschland sind noch nicht einmal ein halbes Dutzend erstklassige Redner, die über theoretisch-phantastische Schwärmereien hinaus als Dialektiker haarschärfster Art und, wenn nötig, demagogischer Geschicklichkeit der jüdischen Parlamentskanaille gewachsen wären. Haben wir doch leider Gottes noch nicht einmal genügend völkische Rechtsanwälte im öffentlichen Leben, befähigt, dem gerissenen Juden standzuhalten." Dieselben Herrschaften, die sich und ihre gesamte Parteiintelligenz selbst derart einschätzen, die sich nicht einmal getrauen, es mit den paar Juden in den Parlamenten aufzunehmen — sie gebärden sich vor ihren Anhängern, als seien sie drauf und dran, den deutschen Karren ganz allein wieder aus dem Sumpf zu ziehen. Die „Deutsche Zeitung" veröffentlicht dm 27. August unter der Ueberschrist „Wir haben jetzt die Macht!" eine höchst untvahrscheinlich klingende Darstellung eines feigen Anonymus, die wir in folgendem wiedergeben: Bor einigen Tagen kurz nach 6 Uhr kam ich von der Friedrichstraße über die Linden. Etwa in Höhe von Adlon kamen zwei Juden mir entgegen, von denen einer stehen blieb und unter Stockschwingen mich anbrüllte: „Nehmen Sie sofort Ihr Hakenkreuz 'runter. Ich bin von der Regierung. Das Abzeichen ist verboten. Wir haben jetzt die Macht." Als ich ihn ansah und, ohne etwas zu sagen, einen harten Gegenstand aus der Tasche nahm, schrie er: „Hier kommen Sie sofort mit zur Grünen. Die grüne Polizei wird Ihnen sagen, daß es verboten ist." Da ich es eilig hatte, ging ich weiter. Etwa §0 Meter weiter am Brandenburger Tor kamen nochmals zwei Juden auf mich los, von der^n einer beinahe wieder mit denselben Worten mich anzupöbeln versuchte, nur brauchte er die Worte: „Wir haben jetzt die Macht!" zweimal zur Einleitung seiner Pöbeleien. Jchschüttelte den Kopf und sagte :„äe ne parle pas allemand, je suis Francais.“ (Ich kann nicht deutsch, ich bin Franzose.) Die Wirkung dieser Worte war verblüffend. Nicht nur der Jude, der mich anpöbelte, sondern auch sein Begleiter zogen unter Bücklingen tief den Hut, und der eine sagte zu mir: „0 kFouse. Monsieur!" (Verzeihung!) Die Sache spricht für sich selbst. F. Kein ernsthafter Mensch wird glauben, daß sich der angebliche Vorfall überhaupt oder gar in doppelter Auflage abgespielt hat. Niedriger gehängt zu werden verdient in jedem Falle die üble Absicht des Einsenders, den deutschen Juden als frech gegen den Volksgenossen und unterwürfig gegen den Sieger hinzustellen. Die durchsichtige Anwendung der französischen Sprache seitens dieses Patentgermanen verrät weder Mut noch aufrechtes Deutschtum. Mungsschau unö verschieöenes. Bon der Zionistenkonferenz in Karlsbad. Die Beratungen wurden am 25. August von dem PrSsidenten der zionistischen Exekutive, Nahmn Sokolow in hebräischer Sprache eröffnet, der des vor 25 Jahren stattgesundenen ersten Kongresses in Basel und Theodor Herzls gedenkt. Nach ihm sprach der Präsident der zionistischen Organisation, Dr. Weizman über die Mandatsbestätigung, die die Anerkennung des jüdischen Rechtes auf Palästina und die Verwirklichung eines wichtigen Programmpunktes bedeute. Mit Beginn der Debatte offenbarten sich starke Widersprüche gegen die Politik der leitenden Kreise der Bewegung. Der Delegierte Fischer (Belgien) führte aus, daß das Mandat nicht die Erfüllung der Herzlschen Ideen bringe. Die abgegebenen Erklärungen Englands und seiner Politiker seien eine Zurücknahme der ursprünglichen Balfour- Deklaration. Der Deutsche, Ruppin fordert intensiver Zusammenarbeit mit den Arabern, die freilich Generationen erfordern werde. Ter Delegierte Kornblum sieht in den strengen Einwanderungsvorschriften nicht nur einen zeitweiligen Mißerfolg, sondern die Verneinung des Palästina-Mandates. Im Namen der jüdischen Sozialisten fordert Viktor Jakobsohn die internationale Solidarität der jüdischen und arabischen Arbeitermassen zur Erreichung einer gemeinsamen nationalen Autonomie. „Die jüdische Welt" — sagte Kaplanski — „muß sich von der Illusion befreien, daß Palästina im Kampf gegen die Araber aufgebaut wird mit Hilfe der englischen Bajonette. „Die orthodoxen Delegierten der MiSrachi-Organisation brachten eine Resolution ein, die der Exekutive zwar die Anerkennung für ihre politische Tätigkeit nicht abstreitet, aber aus verschiedenen Rücksichten und besonders auf Grund der Entwürfe über die künftige Verfassung des Landes das geforderte Vertrauens Votum versagt. Am Schluß dieser Besprechung führte der Präsident, Dr. Weizmann aus, daß auch er mit manchen Dingen ebenso unzufrieden sei, wie seine Kritiker. Eine Zurückweisung der Erklärungen der englischen Regierung würde aber den Abbruch bedeuten, und wenn die Konferenz die befolgte Politik nicht billigt, könne er die Geschäfte der zionistischen Bewegung nicht weiter führen. Warschau. Der polnische Staatschef in Kattowitz. Die demokratische polnische Presse bringt ausführliche Nachrichten über den Empfang, der dem Staatschef Pilsudski in Kattowitz zuteil wurde. Besonders in der Arbeiterschaft soll der Enthusiasmus über den Besuch Pilsudskis groß gewesen sein. Obwohl die Anwesenheit des Staatschefs mit den antijüdischen Ausschreitungen nicht direkt in Zusammenhang gebracht wird, so hat doch sein Erscheinen in Kattowitz insofern beruhigend gewirkt, als es die demokratische Arbeiterschaft auf den Plan rief und das dunkle Element verdrängt hat. Warschau. Vertreter des Wilnaer Judentums beim polnischen Ministerpräsidenten. Die Wilnaer jüdischen Vertreter erschienen beim Premierminister Nowak und besprachen mit ihm die Frage des jüdischen Schulwesens im Wilnagebiet. Die jüdischen Vertreter klagten über die Verfolgungen, denen die jüdischen Schulen seitens der Regierungsbehörden ausgesetzt sind, und forderten ein Regierungssubvention für die jüdischen Schulen. Der Premier entgegnete, die Anerkennung der jüdischen Schulen als Staatsschulen falle in die Kompetenz des Sejm; er versprach aber die Frage der Subventionierung in einem günstigen Sinne zu erledigen. Retv Uork. Ein führender Amerikaner (legen die jüdische Gleichbere ch t i g n n g in Ungarn. Ein Journalist hatte mit dem soeben nach 2 ]/3 jähriger Anwesenheit in Ungarn zurückgekehrten Chef der amerikanischen Rote Kreuz-Station in Ungarn, Captain Pedlow, der bekanntlich wegen seines Eintretens für jüdische Institutionen von den ungarischen Antisemiten wiederholt attakiert wurde, eine Unterredung, in welcher dieser sich über die Lage der Juden in Ungarn, folgendermaßen äußerte: „Ohne das Eintreten der amerikanischen Roten Kreuzes hätten viele jüdische Institutionen heute nitfjt mehr existiert. Indessen hat sich die Position der Juden in Ungarn in der letzten Zeit bedeutend gebessert. In den breiten Schichten der Bevölkerung hat immer mehr ein Geist der Einigkeit platzgegriffen, so daß ein Zusammenarbeiten von Katholiken, Protestanten und Juden in den Wohltätigkcitsinstitutionen nicht mehr zu den Seltenheiten gehört." Auf die Frage des Korrespondenten nach der Wirkung de? Numerus Clausus an den ungarischen Hochschulen meinte Captain Pedlow, der Numerus Clausus sei eine gerechte Einriehtung, die Juden nehmen überall in den Jntelligenzberufcn zu viel Raum ein: sie sollten sich aber mehr produktiven Berufen znivenden, Farmer und Handwerker werden. Aus die Bemerkung des Korrespondenien, daß ja der Numerus Clausus die jüdische Gleichberechtigung zerstört, sagte Captain Pedlow, Gleichheit existiert nicht und die Juden täten gut, in dieser Beziehung nicht so empfindlich zu sein. Captain Pedlow meinte, das; die Mehrheit der ungarischen Bevölkerung, die Juden inbegriffen, monarchistisch gesinnt sei. New Aork. Bevorstehende Preiserln ä ß i g u n g für A m e r i k a f a h r t e n. In Schiffahrtskreisen rechnet man bestimmt mit einer baldigen beträchtlichen Ermäßigung der jetzt geltenden sehr hohen Passagierfahrpreise zwischen Amerika und Europa. Anlässe zu einer solchen Ermäßigung sind: die scharfe Konkurrenz zwischen den verschiedenen transatlantischen Schiffahrtsgesellschaften, sowie die in den letzten Monaten in Erscheinung getretene Abschwächung des Jmmigrationszustroms nach den amerikanischen Ländern. Um die Reisefreudigkeit zu stärken, gibt die Schiffskompagnie „Lloyd Royal Halander" bekannt, daß sie für alle ihre nach südamerikanischen Häfen verkehrenden Passagierdampfer Koscherküchen für jüdische Emigranten eingerichtet habe. Warschau. Die „Subotniki" in der Ukraine wollen nach Palästina. „Gazetta Warschawska" meldet, daß in Sowjetrußland eine messianische Sekte, welche die Prinzipien des jüdischen Glaubens mit einem gewissen christlichen Einschlag anerkennt, immer mehr Verbreitung findet. In der letzten Zeit hat eine Gruppe von 1800 Russen und Weißrussen beschlossen, aus Rußland nach Palästina auszuwandern. Die Gruppe wandte sich an die polnische Behörde in Scala am Zbrucz mit der Bitte, if)^ die Neberschreitung der polnischen Grenze zur. Weiterwanderung nach Palästina zu erlauben. Die Bitte wurde abgelehnt. Schriftvorlesung am 9. Septbr. 1922 Toraabschnltt: Ki ssowau, Deuteronomium 261—298. Haftora: Jesaja 60 UJ2a. RgpiMPvapQpanpjpaPi Gottesdienst Bresla-u mte Synag. Neue Synag. Freitag 8. 9. Beginn. abends 6.15 ,6.15 Sonnabd. 9.9. Beginn .. morg.{ 630 8.30 9.00 Predigt. vorm. — — Schrifterklärung . . 10.00 9.45 Jugendgottesdienst . nachm. 4.00 4.00 Schluß. abends 7.04 7.04 An den Wochen- 10. 9. bis morg. 6.30 6.45 tagen 15.9. Beginn. abends 6.15 6.15 Konfirmationen, Neue Synagoge, den 9, Septemberi Heinz Rosenthal (Vater Max), Clausewitzstra&e 6. — Kurt Levy (Vater k,), Lohensteinstraße 11a. — Hans Herrnstadt (Vater Martin), Kalser-Wilhelmstroße 171. Liberaler verein öer Synagogen* Gemeinde Breslau. MW - libllsill üugtnftocrctn Mau. Anläßlich des 50 jährigen Jubiläums der Neuen Synagoge Konnastrnst, den 16. September 1922 astend» 8v4 Uhr im Saale der Gesellschaft der Freunde (Graupenstr.) Vortrag 4. ft«. Mi. Ir. Wr Sclipin>§mtfitt <• A. Warm ftnb mit liberale Wt»? Gäste willkommen! Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erbeten. Der Vorstand. jüdischer Frauenbund Geffentliche Versammlung Dienstag, den 12. September, 8 Uhr abends, in der Lefsingloge zu VreSlau: 1. Kultur u.Lebensführuug(Cl.Krämer-Munchen) 2. Die jüdische Frau in der deutschen Frauenbewegung (Bertha Pappenheim-Frankfnrt a. M.) Gäste (Männer und Frauen) willkommen. Verein „Synagoge Lfltzoostr." Btt Montag, 11. September 1922, abends 8 Uhr, im Logenhaus, Kletsfstraße 10 Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Kellermann: „jtöre Israel“ anschließend ®8P Konzert Paula Weiitbaum, Gesang Joseph Wolfsthal 1. Konzertmeister der Staatsoper, Violine. Alle Besucher der Synagoge und ihre Ange' hörigen sind eingeladen. Der Vorstand. Kochu. 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Zahlreiches und pünktliche* Erscheinen unserer Mitglieder Halbtagsousflag noch Heldehretsdimn (bei jeder Witterung). Treffpunkt 130, nachm., Kleinbahnhof. Abfahrt 2 Uhr vom Klelnbahnhof bis Kapsdorf. Sonntags-Fahrkarte 4. Klasse bis Kapsdorf selbst ISsen. Führung: Herr Georg Jonas. Letzter Sommerausflug. Montag, den 11. 8eptbr. 1922, abends 81/, Uhr: Im Saale der Gesellschaft .Eintracht“. TauentzienstraBe 12. (Eingang nur Anger). WMlalM Mitglieder ~ 1. Bericht üb. die Tätigkeit des Vorstandes mit ansailießen- •tr 23 ß a ar Die Geburt ihres zweiten Jungen zeigen in dankbarer Freude an Ulm, 23. August 1922. Rabbiner Dr. Straßburger und Frau Alice geb. Nördlfnger. Neigungsehe! Großkaufmann, LSJahre, eleg. Erscheinung, strebsam u. idealgesinnt, sucht aufdiesem Wege die Bekanntschaft einer feschen jungen Dame aus angesehener Familie zwecks spät. Heirat. Die Dame muß mustk-u. sportlieb, sein. Mitgift nicht erforderlich, da großes Vermögen vorhanden. Zuschriften möglichst mit Bild erbet, unt. M. L. 198 <tc d. Exped. der Jüdisch-liberalen Zeitung. ^.inbolä Rosenthal % Breslau, Neue Schweidnitzer Strafte h J empfiehlt M Uhren und Juwelen j Großes Lager Edtfer Glaahllller Uliren Lange SObne, Assmaan. :lMalltillltllniMalllRtlN»~..*1llllllllM.«ffl1l!thln.,.rtllinihi s 1 Calaete haben bei der weiten Verbreitung ■ Llyeigr in diesem Blatte zufriedenstellendste Wirkung. KaM Kn ttreaiaii Max Marselll nana Kandier and das brillante September - Programm. Tanz-Tee. Vorverkauf ab 4 Ubr im Kabarett. Schlaf- Zimmer Eiche, hell, vornehme Form, äußerst preisw. A. Sprotte Breslau, Breitestr. 15. Tafelsilber Gro&es Kager buxusmaren Schmuck ln Gold und Silber. Verkauf nur in der Fabrik 3uIiU5bemor,SiI"n Breslau-Weff, Fiidiergaffe 11 (8-5 Uhr) Einbau! allen Silbers und Goldes zum Einschmelzen. Kimge schaft Robert Diitzka, Breslau 23 Goethestr. 171 / Tel. Ring 11324 AilSsührung sämtlicher Bauarbciten, Anicrtignng tcu Projekte» jeder Alt. — Bauderaturig. 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