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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-09-08 · 36 (8.9.1922) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
36 (8.9.1922)
Date
1922-09-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Ethik der gesamten Menschheit: Recht tun, Liebe üben und in Demut wandeln vor deinem Gotte!" Es gibt keinen vierten und keinen dritten, zweiten und ersten Stand, keinen Klassengeist und keine Standesvorzttge und Standesrechte: „Haben wir nicht Alle einer! Vater? Hat uns nicht Alle ein Gott geschaffen?" Dieser Glaube an die Gotteskindschaft aller Menschen hat den jüdischen Sozialistenführern ihren Weg gewiesen, er hat sie im Verein mit den Edelsozialisten aus nichtjüdischem Stamm — zu den grundlegenden Werken der sozialistischen Weltordnung veranlaßt, er hat ihnen die von wahrhafter Neberzeugung und haarscharfer Logik durchdrungene Rednergabe verliehen, welche allein die Massen fortreißen kann. Er hat aber auch in weiterer Folge selbst die Anhänger der alten Weltordnung, die sie die gottgewollte nannten, die Vertreter des Herrenstandpunktes teilweise bekehrt, und so entstanden, veranlaßt durch den Vertreter des starrsten Konservatismus, der aber trotzdem einer der weitblickendsten Staatsmänner gewesen ist, durch Bismarck, die sozialen Fürsorgegesetze unter dem ersten deutschen Hohenzollernkaiser: Gesetze über Frauen-, Kinder- und Sonntagsarbeit, Gewerbeaussicht, Alters-, Kranken- und Jnvalidenversicherungsgeseh,die ständig erweitert wurden, Gesetze, die vorbildlich für die soziale Gesetzgebung aller anderen Länder gewesen sind. Doch weit über diese gesetzliche Verpflichtung hinaus haben großindustrielle Unternehmungen, Banken und Großkaufleute durch Gründung von Pensionskassen für ihre Arbeiter und Angestellten, durch Wohnungsfürsorge, Schul- und Bildungseinrichtungen gesorgt. Freilich sind nur einige dieser Unternehmungen in den Händen der Juden, indes ist Men durch die Sozialistenführer das soziale Gewissen geschärft worden, und diese Führer selbst sind bei ihren Bestrebungen wiederum nur den Mahnungen unserer Bibel gefolgt, welche nach dem Urteile aller hervorragenden Sozialpolitiker die älteste und vorbildlichste soziale Gesetzgebung enthält. So ist das Verhältnis der Juden zur wirtschaftlichen Seite der Arbeiterbewegung zu verstehen. IV. Mit der neuen wirtschaftlichen Ordnung mußten sich auch neue politische Weltanschauungen einstellen. Die bessere wirtschaftliche Lage der Arbeiter machte einen Teil der .Kräfte, die bisher nur für dieses Ziel eingesetzt worden waren, frei, und diese Kräfte konnten nun für innerpolitische Ziele verwendet werden. Mit vollem Rechte erhoben die Arbeiter Anspruch auf die Teilnahme an der staatlichen Gesetzgebung im Land- und im Reichstage, in der Verwaltung; sie forderten mit Recht bessere Bildungs- und Unterrichtsmöglichkeiten für die Arbeiterjugend und endlich die Gleichheit aller vor dem Gesetze. Gerade die letztere Forderung klärte das Verhältnis der Arbeiterbewegung zu den Juden, denn diesen wurde in jener Zeit vor allen die in den Landesverfassungen und in der Reichsverfassung feierlich versprochene Gleichheit aller vor dem Gesetze nicht gewährt. So waren neben der alten Fortschrittspartei die Sozialdemokraten die eifrigsten Kämpfer für die Gleichberechtigrmg der Juden. Die sozialdemokratische Partei erkannte wohl, daß diese Einstellung nur ihrem Parteiprogramm entsprach, sie erkannte aber auch, daß sie sich durch eine solche Einstellung eine Reihe fähiger Köpfe gewinnen konnte, und schließlich war ihre Politik, wie die einer jeden politischen Partei, eine Do-ut-des-Politik, wenn wir von Dankbarkeit in politischen Dingen auch nicht zu sprechen gewohnt sind. Die politischen Reaktionäre waren aber auch die Schöpfer und Förderer des Antisemitismus, der gerade ln jener Zeit, da die Sozialdemokratie als eine politische Partei bedeutende Wahlerfolge erzielt hatte, mit immer aulerer und immer größerer Unverschämtheit in die ogenannten höchsten Kreise eingedrungen war. Ist es da ein Wunder, daß eine Anzahl aufrechter, wenn auch nicht an den äußeren Formen hängender Juden nicht nur aus sozialen, sondern auch aus politischen Gründen sich der sozialdemokratischen Partei angeschlossen hatte? Die antisemitische Reaktion freilich, die doch nur konfessionelle Verhetzung betrieb, behauptete, daß nur politische Ziele die Juden in die Reihen dieser Partei getrieben hatte, daß sie, wie alle Sozialisten, nur den Umsturz der gottgewollten Ordnung zum Ziele hätten, und daß man sie als vaterlandslose Gesellen so schnell wie möglich aus dem Lande weisen oder ihnen mindestens durch schimpfliche Ausnahmegesetze den Aufenthalt im Lande verleiden müsse. So waren die jüdischen sozialistischen Genossen ans Gedeih und Verderb mit ihrer Partei verbunden auS wirtschaftlichen und politischen Gründen. Freilich hatte die alte Fortschrittspartei unter Führung von Männern, wie Eugen Richter, Virchow, Tweston, Hoverbeck, sich gleichfalls mit aller Entschiedenheit gegen eine Ausnahmegesetzgebung für die Juden erklärt, ebenso die alten Nalionalliberalen, die sich später mit dem Reste der Fortschrittspartei unter Führung von Laster, Bamberger, Forckenbeck, Stauffenberg und Gneist zur Freisinnigen Vereinigung zusammengeschlossen hatten. Allein diese Stellungnahme war ihnen durch ihr demokratisches, also rein politisches Programm vorgezeichnet, während ihr soziales Programm doch von demjenigen der Sozialdemokratie weit verschieden war. Die demokratischen Volkswirtschaftler wurden damals kurz als „Manchestermänner" bezeichnet, nur sehr wenige unter ihnen, wie Hugo Brentano, Rudolf Jhering, Rudolf Gneist und Adam Snüth trugen in ihren volkswirtschaftlichen Werken und Vorlesungen der Arbeiterbewegung Rechnung. In der Praxis waren es meist jüdische Großindustrielle und Unternehmungen, welche zum Teil von Juden geleitet wurden, die als erste die damaligen bescheidenen Arbeiterforderungen erfüllten. Es ist zuzugeben, daß diese Forderungen nicht allein auf Grund der sozialen biblischen Gebote von den jüdischen Unternehmern erfüllt wurden. Es waren auch psychologische und wirtschaftliche Gründe. Aber will man daraus uns Juden einen Vorwurf machen? Die Unternehmer wußten wie alle Menschenkenner, daß zufriedene Menschen zugleich fleißige und strebsame Menschen sind, denen das Ansehen und Gedeihen ihrer engeren Gemeinschaft, hier also des Unternehmers, in dessen Dienste sie stehen, am Herzen liegt. Sie wußten ferner, daß zufriedene Menschen gegen Hetzereien und Erregung von Leidenschaften, wie Haß und Neid, gefeit sind. So haben die Unternehmer und ihre Arbeiter, bezw. Angestellten, zur Blüte der deutschen Industrie, des deutschen Handels und der deutschen Volkswirtschaft und damit zum Ansehen Deutschlands in der Welt unendlich viel beigetragen und den Nachweis geliefert, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer „auf Gedeih und Verderb" miteinander verbunden sein müssen, wenn es mit unserem Vaterlande wieder auswärts gehen soll. V. Doch noch ein anderer Nachweis ist durch eine solche aus ethischen, psychologischen und wirtschaftlichen Gründen erfolgte Einstellung der Juden zur Arbeiterbewegung erbracht worden, der Nachweis, daß olle von antisemitischer Seite zum Ueberdrusse wiederholten Behauptungen von Ausbeutung der Arbeiter, Lohndrückerei und Uebervorteiluna der Verbraucher durch jüdische Unternehmer gemeine Verleumdungen sind. Die jüdischen Unternehmer haben bewiesen, daß sie nicht nur Zwischenhändler, sondern auch Produzenten sind, daß sie durch ihre Arbeit außerordentlich zum Wohlstände Deutschlands beigetragen haben und endlich, daß sie vielen Hunderttausenden von Arbeitern und Angestellten Brot und Lohn verschafft haben. Nur auf Grund dieser Erkenntnis hat der allergrößte Teil der Arbeiter, die in den sozialistischen Parteien und in den freien Gewerkschaften organisiert sind, sich von dem Antisemitismus ferngehalten und ihn aufs schärfste verurteilt. Diese Erkenntnis der Arbeiter ist aber zugleich auch der beste Beweis für ihre politische Die geborene Eugen-reich. Ein Großstadtroman von Oskar Jons Miltman. (SS. Fortsetzung.) - Die beiden Gefährten hatten sich im amüsanten Tivolipark beträchtlich vergnügt und kreuzten gerade die Hauptallee, als eine leise Bewegung durch die Massen ging. Fünf Herren, einer immer stattlicher als der andere, gingen, vielfach gegrüßt, vorbei. Das waren der König und seine Begleiter. Man nahm nicht übermäßig Notiz, und jenes würdelose Staunen und Gaffen der Menschen, wie man es in der Heimat kennt, wurde taktvoll vermieden. Max dachte: „Ob sich der Kaiser auch im Zoo so sehen läßt?", aber er glitt darüber hinweg und mochte auch nicht mit Dames debattieren, der sprachlos dastand und dem Dänenmonarchen nachstarrte, weil er sich ans einer höheren Welt unter das niedere Volk mischte. Ebba Cohn begleitete übrigens den abreisenden Max nach drei Tagen bis zum Freihafen und dem Bornholmdampfer, denn daß seine Rundtour auch zu diesem Eiland führen müsse, hatte sie energisch empfohlen. „Ich werde Sie im Winter, wenn ich Pa nach Berlin begleite, ausfragen, was Sie noch unternommen haben!" Daun ging sie und sah sich nicht ein einziges Mal um. Als Max die Insel durchquert hatte und in Rönne auf den Saßnitz-Dampfer wartete, fand er einen hochbordigen Segler, der ihn irgendwie an die reichgeschnitzten Bote der Wikinger und Normannen erinnerte. Der Schiffer hatte Eisenerz geladen und wollte — nach Kolberg. Darin sah Max ein Vorzeichen, daß seine Anwesenheit dort vonnöten sein müßte. Man wurde bald handelseinig, und in geruhigem Zuge ging es einen vollen Tag über das einsame Meer. An zahlreichen Fischerboten vorbei, die in bleicher Frühstunde der Tiefe zappelnden Fang ablistetcn, strebte der Schoner dem Lande zu und gewann Mole und Hafen. IX. Ter Kolberger Konzertplatz mit seinem schönen Laubengang, in den der Kurkapellmeister Walter Eichberger temperamentvolle, wenn auch gedämpfte Klänge unter dem Applaus der Damenwelt hineindirigiert, war trotz der frühen Morgenstunde schon reichlich belebt. Die klatschende Bewunderung der weiblichen Verehrergemeinde galt zwar weniger der Musik, als ihrem stattlichen Interpreten. Aber das ist auch in der Ordnung! Denn wenn die Dichter, Maler und Musiker nicht schnell und programmäßig verhungern wollten, wie könnten sie sonst zur Unsterblichkeit gelangen? Also sehe jeder von dieser krausen Gilde zu, daß er möglichst jung zu Tode kommt, dann werden die Theaterdirektoren, Bilderhändler und sämtliche Klavierpanker schon für sein Fortleben sorgen und dabei satt werden. Max konnte nicht wissen, daß eine mittelalterliche Hausordnung den Insassen des Kurhospitals bescheidene Kleidung vorschreibt und trotzdem den Besuch der Kunstveranstaltungen einer wohllöblichen Badeverwaltung verbietet. Er suchte Minni und musterte mit kneiferbewaffnetem Auge die beifallsfrohen Scharen: allein keine der zahlreichen jungen Damen tat ihm den Gefallen, Fräulein Witt auch nur entfernt ähnlich zu sehen. Doch siehe da, dort promenierten zwei sturmerprobte Kapitäne von der frommen Fakultät! Siegel und Reiß, die beiden Unzertrennlichen, steuerten ihm entgegen und erwiesen andächtig dem Meer der Töne ein dampfendes Frühopfer. Morgenstunde hat Gold im Munde. Auch wer zeitig anfüngt, glänzende Tabakröllchen zwischen die Lippen zu stecken, bringt dieses^Sprichwort zu Ehren. Maxens Exkommilitoi^n konnten als Typen ihres hohen Standes gelten. Siegel, schlank und hager, vertrat die Spezie des ungarischen Rittmeisters in Zivil, Reiß aber glich einer modernen Ausgabe der assyrischen Satrapen, die im Schmuck des tiesschwarzen, wallenden Bartes lebenslänglich die teure Hemdbrust ersparen. Mit bedeutendem Halloh begrüßten | sie unfern verliebten Kundschafter an der Pforte des gelobten und wirtschaftliche Reife, und die sozialdemokratischen Minister und höheren Verwaltungsbeamten im Reiche und in den deutschen Freistaaten haben durch ihre gesetzgeberische und Berwattungstätigkeit gleichfalls diesen Beweis erbracht. — Alle Versuche von antisemitischer Seite, die Arbeiter für ihre Ziele zu gewinnen, sind daher bis jetzt vergeblich gewesen. Sie werden es aber auch in Zukunft bleiben, wenn die Juden und insbesondere die jüdischen Unternehmer auch ferner die berechtigten wirtschaftlichen und sozialen Forderungen der Arbeiterbewegung nach Möglichkeit erfüllen, wenn sie insbesondere den sozialen Aufstieg der Arbeiter nicht zu hindern d suchen, ihre Bildungsbestrebungdn unterstützen und ihre Wohlfahrtseinrichtungen nach Kräften fördern oder denjenigen in ihren eigenen Unternehmungen immer zweckentsprechender ausbauen. Das ist es, was wir den deutschen Juden der Gegenwart für ihre Einstellung zur Arbeiterbewegung zur Pflicht machen müssen. Nicht eine politische Einstellung für die Sozialdemokratie, weil eine solche Empfehlung weder im Sinne einer jeden Religionsgemeinschaft ist, noch zu den Aufgaben der jüdischen Presse gehört. „hurch den wi-erspvuch zwischen Religion und Leben ist eine religiöse Unsicherheit und eine seelische Zerrissenheit in das Judentum -er Gegenwart gekommen, -ie zur religiösen Teilnahmslosigkeit unö zur Zlucht aus -em religiösen Judentum geführt haben. Daliberale Judentum will -urch lebendige Erneuerung -er Religion -ie teilnahmslosen wieder gewinnen, -ie Entfremdeten zurückführen, -ie Schwanken- Sen festhalten und die Natten starken mit neuer Liebe zum Judentum". Wenn ihr wüßtet.... Von 3 zu 3 Jahren findet in der jüdischen Gemeinde zu Berlin eine Wahl statt: Die Wahl der Repräsentanten. Ein paar Monate vorher liegt, wie jetzt wieder, die Liste der Wähler aus. Sie ist fein säuberlich nach Stadtbezirken und Finanzämtern zerlegt und geheftet, aber man hat die einzelnen Teile nicht in die verschiedenen Bezirke geschickt, sondem hübsch zu Hause behalten. Da liegen sie artig auf einem langen Tische und warten sehnsüchtig auf Besuch. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde weiß, was er tut; Ich bitte sehr! — Du, Gemeindewähler in Südende und du in Reinickendorf, du weißt ja doch nichts mit deiner Zeit anzufangen. Also begib dich auf die Reise nach der..Oranienburg erstraße/wenn du festftellen willst, ob du in der 'Liste stehst. Das ist dir unbequem? Du denkst wohl, der Vorstand der jüdischen Gemeinde habe für deine Bequemlichkeit zu sorgen? Da kennst du ihn schlecht! Bist du in der Oranienburgerstraße 29, Zimmer 28 angelangt, dann rate ich dir: Ruhe dich erst eine Stunde aus. Denn was da auf dem langen Tische liegt, ist ein Monstrum von Liste. Bevor du dich in ihr findest, wirst du einen Neigen um den Tisch ausführen müssen, mit Beugungen nach links und rechts. Wenn du Glück hast, einmal rum, sonst zwei- oder dreimal! Wenn du dich überhaupt in ihr findest! ES sind da wie in der Lottenie sehr viel Nieten. Und das große Los fällt immer auf e nen andern, gewöhnlich einen, der es nicht braucht. Das Los, wählen zu dürfen, fällt diesmal auf viele, die es nicht brauchen. Da ist zuerst die Schar derer, die nicht mehr wühlen können, die Toten, eine erkleckliche Zahl. Und manche von ihnen deckt der Raken schon ziemlich lange. Landes, und nachdem er sich über woher, wohin, einigernraßerr ausgewiesen hatte, marschierte das Kleeblatt zum Kurhospital. Es traf sich gut, daß die beiden allsommerlich dort hausten und als Männer der Schrift auch in der Auslegung der Anstaltssatzungen sich vervollkommnet hatten. Sie spendeten Max aus dem Schatzkästlein ihrer Abenteuer und registrierten gewissenhaft, wer alles in Kolberg sei. Unter solchen Gesprächen näherte man sich dem stattlichen Rotziegelbau. Auf dem Balkon stand der alte Direktor Goldstein und gönnte den höflich grüßenden, da sie zum Inventar des Hauses gehörten, einen schallenden guten Morgen. Daneben verfolgte er genau den Ausmarsch zweier Kinderbataillone, die der berühmten Maikuhle zustrebten. Mit der begleitenden Schwester, die den Schluß der Mädchenschar überwachte, gingen zwei junge Damen. Kein Zweifel! Die mit der blauen Kappe war Minni. Munter schritt sie hinein in den sonnigen Tag, allerliebst anzusehen ob des Bronzehauchs im schönen Antlitz, der sogar die Häßlichen gut lleidet. Max gab sich den berühmten inneren Ruck und schwenkte mit den Kameraden unter der Parole: „Eine Bekannte!" auf die ausschwärmenden Weiblein zu. Aber erst, als er unmittelbar vor Minni stand, sah sie ihn und erschrak, begreiflich verlegen und ganz verwirrt. „Sie gestatten, Schwester, daß ich Fräulein Witt guten Morgen sage?" bat Max, und schnell war durch Vermittlung von Siegel und Reiß die allgemeine Bekanntschaft hergestellt. „Das hätte ich nie geglaubt, daß Sie hierherkommen würden," hauchte Minni. „Ich dachte, Sie haben es nur so gesagt, und dann haben Sie ja auch von ganz weit geschrieben." — „Ich sage nichts, wenn ich's nicht im Ernst meine," betonte Max selbstbewußt. Da zog ein freudiger Stolz in Minnis Herz und sie sah ihn bewundernd an. (Fortsetzung folgt.)

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