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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-08-18 · 33 (18.8.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
33 (18.8.1922)
Date
1922-08-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ihnen gehabt. VS genügt nicht, daß man sie ebenso verurteilt wie die politischen Gegner. Man muß den Geist airSschalten, auS dem sie geboren." Berlin. Aus akademischen Kreisen gehL unS zur Rottz ..Deutsche ©tufoentett“ tn Nr. 31 unseres Blattes eine wissenswerte Ergänzung zu. Die Ncilnmgen -wischen dem Rektor -er Berliner Universität im Nb gesäusenen Studien» jahre und einem Teil der Studentenschaft sind nicht auf ein parteiisches Verhalten des Herrn Professor Nernst zurückzufü-ren, sondem auf das inkorrekte Borgehen der Kommilitonen, die durch eine unzulässige Ankündigung der stufen* ttschm Tranerseier sär Walter Rathen a u und den Dersuch, die neutral gedachte Kundgebung parteipolitisch zu verwerten, ein Universitätsverbot erzwungen haben. GS freut IMS danach Mitteilen zu können,' daß jeder Anlaß, den Gelehrten der Intoleranz ,;u bezichtigen wegfällt. Prof. Nernst hat seiner vornehmen Gesinnung und Verehrultg für Rathenau in würdiger Form in seiner jüngstgehattenen akademischen Rede Ausdruck gegeben, in der es heißt: „Die Universität darf nicht schweigen, wenn sie den innersten Kern ihrer B«. ftrebungen bedroht sieht, wenn Meuchelmord cingreist. Alle milderen Umstände entfallen, wenn rein politische Meinungsverschiedenheiten auf dem Wege heimtückischen Ueb-ersallS ausgekochten werden sollen. Nicht mrr an der Menschlichkeit, mnck am akademischen Geiste versündige man sich, wenn man einen geistvo.llcn Forscher und einen der größten sozialpolitischen Schrift, stellrr unserer Tage gewaltsam aus dem Wege räumt. Und er fuhr fort: Unser Zeitalter wird kaum einen zweiten Mann neben Natbenau zu nennen wissen, der die Kultur seiner Zeit so vielseitig und dabei so gründlich ausgenommen hat. Der Gelehrte schloß seinen Nachruf mit dem Satze: „Nicht robe Gewalt, nicht die Macht de? Reichtums, nur des Geistes Zepten wöbren ewig." Am Mittwoch, den 9. August, fand von der Alten Halle des Friedhofs zu Weißensee die feierliche Bestattung des jüdischen Dichter David FrischmannS unter ungewöhnlich zahlreicher Beteiligung der künstlerischen und geistigen Kreise Berlins statt. Nach den üblichen Aermonien zeichnete der Dichter Bjalik unter starker Ergriffenheit der Zuhörer ein Bild von der menschlichen und dichterischen Persönlichkeit FrischmarmS. Er schilderte die Tragik des jüdischen Schrifttums, das in einer Zeit deS Tief- und Stillstandes einen großen Repräsentanten verliert, so daß eine Lücke entsteht, die nicht ausgefüllt werden kann. Frischmann war eine hohe originale Kraft im hebräischen Schrifttum. Vor ihm schrieben die hebräischen Schriftsteller Liebeshymnen an die hebräische Literatur und die Kultur, Frischmann schuf selbst Literatur, Frischmann war Kultur. Danzig. Infolge eines tm Jahre 1921 vom Danziaer Senat ausgearbeiteten Gesetzentwurfes, welcher die Rechte der Juden dieser Stadt schwer benachteiligte, hat das Komitee -er jüdischen Delegationen einige Aendenmgen im EtnbürgerungSrecht dorgeschlagen. Aus dem neuen, am 15. Juli 1922 im Gesetzbulletin der Freien Stadt Danzig veröffentlichten Tert deS neuen Gesetzes folgt nun, daß die gerechten Forderungen beim Danziger Senat zum Teil Anklang finden. Kraft des neuen Gesetzes können diejenigen Personen DaNztger Staatsbürger werden, welche einen ununterbrochenen fünfMrigm Aufenthalt nochweisen können. Außerdem sieht für diejenigen Antragsteller, denen der Senat die Ginbürgerung verweigert hat, eine Berufung beim Obergericht der Freien St<Ä>t DaNzig vor. Hamburg. Seit einiger Zeit tauchen in Hamburg 50 Mark-Scheine auf, mit einem Stempelaufdruck des Hakenkreuzes und den Aufmfen „Kaust nicht bei Juden!" „Germanen wacht auf!" und anderen deutschvölkischen Parolen. Die demokratische Presse warnt das Publikum vor der Annahme, indem sie daraus aufmerksam macht, daß die Verbreiter sich der „deutschvölkischen Propaganda" schuldig machen. München. Die antisemitische nationalsozialistische Arbeiterpartei hat zur Feier deS einjährigen Bestandes ihrer „Sturmabteilung" ein Plakat anschlagen wollen, das den Kampf der Sturmabteilung gegen die internationale Börsenrasse", gegen die „jüdisch-marxistische Brutalität" verherrlicht. Das Plakat wurde von der Polizeidirektion München beschlagnahmt mit der Begründung, daß eS die Juden in nicht mißzuverstehender ringegangene Bücher. Wir bringen an dieser Stelle ein Verzeichnis aller uns gesandten Erscheinungen interessierender Literatur und behalten rm« die Besprechung vor. „Ungerecht felribiosst lat mich. Was brachte so sehr denn gegen »ich selber dich aus, daß v» so takt dich bestrafst?" (Klopstock.) Sita. Palästina, Vas Zentrum de, Weltkultur?! Hamburg 1922. Verlag oer Allneubund. Loge, iS. m. b. H. „Das Werk ist «widmet dem intellektuelle« Begründer des VersöhmlNgSgeDamenS zwischen Judentum und Ehttsientum, dem Ehreumttgjliefe der AlmvubrmlfeLvge, weiland Dr. Waller Rathenau." UnS liegt fec Au»h änaeboge« das gemmnte« Werkes vor. Was bezweckt M AltneubuNd» Loge? Ihr Ziel tst dis Bereinigung freier Menschen. Die Mitglieder „sind whovd, jeder politischen Tendenz, .abhold jedem Religion-» dogma, sie lassen sich „nicht einspannm in eine brr »chehmden Religionsgemeinschaften", sie sind aber auch „wett davon Msernt, eine Sekte oder gar eine ReformreNgion zu bilden?. Der Vorsitzende dieser Loge veröffentlicht der Pseudonymen Verfassers Werk und hat es mit einem Vorwort versehen, worin er eine Charakteristik dcZ Verfassers entwirft und u. a. ferner», daß er „kein Gelehrter, kein Mann der Schrift (?). sondern ein einfacher Mensch" ist. „Er ist nicht verknöchert im MaterjialiSmuS de« Juden, der seine Rasse verrät — tot heute lieber als morgen sein ubt bene ibt pama asschallen laßt." Wenn schon der Vorsitzende in solchen antisemitischen Trbadan mH bewegt, wie werden erst — gualis ccj taliS fltej — die Mitglieder den V«föhnungSgedankcn zwischen Jufenftttn und Christentum zum ArrSdruck bringen? — Daß der Verfasser kein Gelehrter ist, brauchte nicht hervorgehoben zu werden, das mertt man an fen dielen Druckfehlern oder besser Schnitzern. Daß er sich nicht so einfach und bescheiden zeigt, merkt man an dem Pseudonym Glia. Sonst fefemt er sich zum jüdischen Volke und will Zionist sein; er bekämpft das orthodoxe und das liberale Judentum, auch der Zionismus ist ihm nicht einwandfrei, « verwahrt sich dagegen, Missionar zu sein. Was will nun der Herr Pseudonhmus? Lassen wir ihn selbst «dm: „Wenn wir Moses als Erlöser ans der ägyptischen Knechtschaft anerkennen, dann müssm wir den Vervollständiger seines Gedankens, den Mischen Jesus al» dm Erlöser aus dem sitt- Weise aldie terroristischen Urheber von BersamrnkmgSstörungen, und Ueberfällen nicht jüdischer Parteien hinsteut und so zwei BevölkerungSklassen öffentlich zu' Gewalttätigkeiten gegeneinander aufreize. Die Beschlagnahme wird von der nationalsozialistischen Partei als eine Kapitulation der Re^erung Lerchenfeld vor dem „Börsenvanditenlum" bezeichnet und der schärfste Kampf dagegen angekündigt. Die Schuld der Oberschicht. LegationZrnt Dr. Kurt Riezl« schreibt in dem Augustheft der demokwttschen Monatsschrift „Die Deutsche Nation* unter dem Titel „Die Schuld, der Oberschicht" unter anderem folgendes: „Die Ermordung Rathenaus könnte eine Tat dummer Jungen sein, aus der wettere Schlüsse auf den Geisteszustand erheblicher DolkSieile nicht zu ziehen wären. Sie ist mehr. ES gebt nur die Saat auf, die gesät würbe. Und wenn, die gesät haben, nicht wußten, was da ausgehen würde, so waren sie gedankenlos und fahrlässig, und die moralische Entschuldigung ist politische Belastung. Die Rechte empfindet eS als Beleroigunq, wenn dev Mockd an ihre Rochschöße gehängt wird. Nicht der Mord, wohl aber der Irrtum der Mörder, die Einbildung der Organisation C fällt ihr zur Last. Nicht mrr ihr, die Schuld tst b«it verteilt auf «inen großen Teil der Schichten, die die Gebildeten heißen und sich gebildet dünken. Sie trifft alle, diejenigen, die wider besseres Wissen die Dolchstoßlegende ausgebracht, genähtt und unterstützt, die nicht geruht haben, Jünglinge« und Knaben zu erzählen, daß Juden, Sozialisten und Demokraten baS herrliche Reich und eine ungebrochene Armee an den Feind verraten haben, an die sie selbst nicht glaubten. Wer bat die Siirn zu leugnen, daß nicht alles das und noch viel rnebr täglich geschrieben und gepredigt wurde!? Ist irgend jemand von denen, die es auck auf der Rechten besser wußten und besser' wissen konnten, dagegen ausgetreten? Die jungen Leute, die iifer Rathenan zur Feme saßen und ihn am Tage der Sonnwend^i-r erschossen haben in dem letzten Buch des Generals Ludendorss lesen können, daß die intern ationvle Judenschast den Krieg entfesselt habe, um uns zu vernichten, daß die deutschen Jude.« unsere Niederlage gewünscht und gefördert, daß die Germanen Wotans vor ibrer Berührung mit dem römischen Reich «ine Hofe eigen« Kultur besessen hätten. Wie sollen sie, da sie selbst nicktS gelerM haben rmb in den Häusern, in denen sie verkehrten, ja bei vielen fl,rer Lebrer. zwar nicht aus diese, aber immerhin aus verwandte Ansichten stießen, dem auf den Schild erhobenen Verfasser jenes Unsinns nickt glauben? .. . Aber lassen wir die Narre«, sie wären ungefährlich, tv«m sie sich in der Gnrndftimmung nickt eins fühlen konnten mtt ein'em großen Teil derjenigen deutschen Oberschicht, die sie als di« einzig nationale anzuerkennm ackernt halben. Erft die Grimdstimmnng der Oberschicht mackt aus der Dummheit der einzelne« ei« Schicksal der Nation." Feitmrgsschau und verschiedenes. Wien. In einigen österreichischen Kurorten und Sommerfrischen werden die jüdischen Kurgäste von den Deutschnativnalen so stark belästigt, daß sich der christlich soziale Bürgermeister in Bad Aussee bemüßigt sah, eine Ermahnung gegen die „Belästigung israelitischer Kurgäste" anzuschlagen und mit schärfsten Strafmaßnahmen zu drohen. Die Gastwirte werden aufgefordert solche Fälle unverzüglich dem Bürgermeisteramt zur Anzeige zu bringen. Budapest war am 3. August wieder der Schauplatz wüster Judenexzesse. Schon frühmorgens sammelte sich eine bewaffnete Gruppe erwachsener Magyaren unter der Führung des Ministerialsekretärs Dr. Morvay vor dem Spitale der barmherzigen Brüder an und provoziette die jüdischen Passanten. Es kam zu Tumulten, wobei ein jüdischer Beamter schwere, von Gummiknüppeln herrührende Verletzungen davontrug. Die Exzesse wurden abends aus der Terrasse des Kaiserbades fortgesetzt. Zahlreiche Juden wurden hier verletzt. Die Polizei schritt erst ein, als alles vorüber war. Die Radaumacher zogen unter Absingen von antisemitischen Schimpfliedern ab. Gl« Prozetz gegen die militärischen Pogrombanden ln Budapest. Im Verlauf der Verhandlungen gegen die Mörder wurden die Witwen dreier Ermordeter als Zen gen vernommen und gvben erschütternde Schilderungen der Szenen, die mExemtBMmnHunmmaxmxmmcBnKsxmmmmamxwrBBmMmmxmm lichen Verfall der beutigeu materialistischen Welt betrachten." Hinc tlfoe lacrtmae! Und weiter: „Was nun Jesus die Mesiiaswürbe verleiht. dt« ihm ainch nie ein Mensch streitig mache« können wird, ist die Tatsache (!!), daß er die messdcrnischen Pflichten bis zu dem von Moses verflucht genannten Tode, am Kreuze hängend, tteu erfiillt hat, um die Schrift zu «füllen." Spricht nicht so ein christlicher Missionar? Er hebt auSdriickltch hervor: „E r (d. h. Jesus) i st allein der Weg, die Wahrheit und das Leben." (Dom Verfasser gesperrt!) Elia will die Juden nicht an den Taufbecken führen, sondern mrr zu Jesus ThrtstnS, der ihm die Verkörperung wahrer Siebe und wahren Menschentums bedeutet. Er verkennt nicht, „daß zwar im Talmud, den er gor nicht kennt, Mich das Gebot drr Liebe enthalten tst, daß aber die Liebe nicht ganz fiel von menschlichem Egoismus tst." So Predigen Antisemiten, christliche lNsifllftb» und Missionare — allen diesen ist — wie dem H«rm Ma — Auflösung die Bestimmung des MosaismuS. Wir können uns nicht verstellen, baß ei« Jude — oder e» müßte eine unbegrenzte Stupidität ihm innttvohnen — folgendeschreiben kann, wortwörtlich führen wir es tm: „Die Austnsrksarnkett der Orthodoxen und Ehassidcisten (köstliches Wort!) wird durch die vielen und bedeutungslosen Aeußerlichketten tote ZiseS. TeftliM, Dales, Pcäes, Schatel, Stvaiml, Kidesch, Broche, GlicheS, Avdule, Lülew, Eßrig, Chalo, MesüseS, Mtzve, Neevere uftr.) der aufrichtigen Gottesliebe, Nächsimliebe und der Bedeuttmg der Erfüllung der Pro» vhezstungen entzogen." Wirken die „bedeutungslosen Aeußerltchketlen" „Mtzve, Neevere" nickt auf di« Lackmuskeln, spricht daS Nicht Bände? Der Mann hat ja keine Ahnung vom Judentum und darunt eckcnck't er sich „einfacki" ein Urteil — über «ine Religion, der er anzugehören vorgibt. Elia (sein Namensvetter wird als Vorläufer des Messias gedacht) bekämpft das Judentum, das Chrlsientum und den Judenhaß, Mvr Jefum Christum vergöttert er. Gemrg von dem Manne, seinem Werk« und — der Altnrubund-Loge! Dr. M. Spanier- Magdeburg. Aüs verschiedene Anstagm teilen iwf mtt, daß das Buch van Dr. Bloch „Erinnerungen aus meinenc Leben" im Verlag Löwit, Men, erschienen und auch durch d.'N Philo- Verlag, Bvrliir SW. 68, Liudenstraße 13, ur, zu beziehen ist. _Die Scbristleitung. sich in den Wohnungen der Opfer aibfpillten. Nach dm§ Verhör der ersten Mtwe, prohestterten die Verteidiger gegen die Vereidigung derselben, da die Zeugin den Äntzeklagte» gegenüber befangen sei. Das Gericht beschloß jedoch, die Zeugin zu vereidigen und die Mtwe legte Lei dem Eid die Hano auf eine ihr vorgelegte hebräische Bibel. Die zweite Witwe sagte oUS, daiß außer de« sechs auf d«r Anklagebank sitzenden Mördem bei der Verschleppung Ihres Gatten noch ein Mann namens Michael FranciS Kiß anwesend war. Der Name Michael FraneiS Kiß ist ans Anlaß parlamentarischer Jnterpellattonen im Zusammenhang mtt den in den verflossenen Jahren an. Juden verübten Verbreckm schon mehrere Male genannt worden, doch befindet sich Kiß, obgleich er an zahlreichen Morden beteiligt war, noch immer wtf freiem Fuß. Nach den drei Witwen wurde der Direktor einer Bank verhört, bei welchem die Mörder, die mrS den Wohnungen der Ermordeten wegaeschleppten Gegenstand im Wett von knedrcrm Millionen deponierten. Wie der Direktor anssagte, orsMenen tn seiner Dank eines TageS ein Hauptmann, «in Oberleutnant und Michael FrcmetS Kiß und erklärten, das Militärgericht habe das' Verfahren gegen die Mörder eingestellt, daher fallen auch die Wertgegenstände den seckiz Angeklagten zu und müßten ihnen ausgeliefert werden. Den bezüglicken Etnstellungser^aß konnte« jedoch die Offiziere nickt vorwetsen. Auf die Frage deS Vorsitzenden, wesbalb der Direktor die Wertgegenstände trotzdem ausgeliefert habe, erklärte dieser: „In der driickenden AtmoSsphäre. in welcher wir damals lebten, konMen wtt den Herren Offizterm Leinen Widerstund leisten." Massenmord an jüdischen Gefangene« in Rnmänie«. Einer Meldung aus Rumänien zufolge, befanden sich in Jilava-Malde 40 jüdische politische Gefangene in Festungshaft, die auf Grund der königlichen Amnestie nunmehr befreit werden sollten. In der Tat wurden diese 40 Juden nach Kischenev eskortiett. Schon unterwegs wurde ihnen die Amnestierung vorgetäuscht, um sie zu einem Fluchtversuch zu verleiten. Unter dem Vorwand der versuchten Desertton wurden nun alle 40 Unglücklichen erschossen. Dieser in Kischenev erst später bekannt gewordene Dkassenmord rief unter der jüdischen Bevölkerung die größte Gmpömng hervor. Der König entsandte den Ministerpräsidenten Bratianu nach Bessarabien zur persönlichen Durchfühnmg einer genauen Untersuchung. Man befürchtet in offiziellen rumänischen Kreisen, daß durch das Einreißen solcher rechtlosen Zustände die von Rumänien angestrebte ausländische Anleihe unter Teilnahme Rothschilds vereitelt werden könnte. Die rumänischen Behörden lassen vorläufig keine Meldung über dieses Verbrechen inS Ausland durchdringen. Warschau. Zeitweilige Erleichterung der Einwanderung nach Amerika. Da die Auswanderung aus Polen nach Amerika in der letzten Zeit nachgelassen hat, entschloßsich der amerikanische Konsul in Warschau, nunmehr auch die Pässe solcher Emigranten zu genehmigen, deren Verwandte in Amerika noch nicht Bürger der Vereinigten Staaten sind, aber die ersten Schritte zu ihrer Naturalisiemng bereits getan haben. Bisher wurden nämlich nur die Pässe solcher Emigranten visiert, deren Verwandte bereits Vollbürger der Bereinigten Staaten sind. Hingegen wird die Verordnung, verheirateten Emigranten, die ohne ihre Frauen, wenn auch mit deren Einverständnis reisen wollen, das Visum zu verweigern, strengstens durchgefühtt. Mein in den letzten Wochen wurden einigen Hundert solcher Emigranten die Genehmigung verweigett. Der Palästttrenfische Protest gegen die Eiuwavde» rnngSbeschränkung. Der Protest deS Jüdischen National, eates aegen die forttzauericke Beschränkung fer Immigration in Palästina und gegen die ttgorose Auslegung der Gesetze zu ungunsten der jüdischen Einwanderer hat in allen;üdischeu Kreilrn im Lande große Bewegung hervorgerufen. Die soeben hier veröffentlichte Statistik der iübischen Einwanderung im Monat Juli d. Js. Wird hier lebhaft kommentiert, da sie die Lage eigentümlich belmchtet. Die Zahl von 458 jüdischen Einwanderern im Monat Juli ist die geringste, «citdem im vorigen Jahre die «e«e Phase der jüdischen Einivanderuug etnigesetzt hat. ES wird allgemein erklärt, baß die Arbeitslosigkeit in Palasttna fetzt eine verhältnismäßig Berichtigung. In Numme-v 32 der „Jüdisch-liberalen Zeitung' vom 11. August findet sich unter der Rubrik „Lesefrüchtc" ein sinnentstellender Druckfehler. Der dort erwähnte Professor Dmssen ivird Theologe genannt. Im Sinne unser«- geschätzten MitarbeiterS, Herrn Dr. M. Spanier-Magdeburg, weisen wir daraits ßln, daß Devssen ein bettihmter Indoloae gewesen ist. Die Schristleituna. Objektiv. Nicht flach, nicht ttes; Nicht links, nicht rechts, Nicht bestimmten Geschlechts; Mcht warm, nicht kalt; Nicht schon, nicht bald; Nicht Herz, nicht Kops, Allez in einen Topf; Nicht Gesicht, nicht Larve — Mit einem Wott: parwe. B. B. Rezept. Nimm «inen Spr>rch aus dem Abschnttt der Woche; Berühre so leicht 'ne entlegene Epoche; Benenne drei Große«, wiederhol' ihre Worte Von llassischer oder moderner Sötte; Laß dann bei einigen anderen Zitaten Nach dem Namen ihrer Verfasser mien; Von Logik braucht nichts dattn zu fett»; Misch tüchtig dafür Fanatismus hinein; Gin faustdickes Lob den Hörern zum Schluß, Dann heißi's: Donnerwetter! war das ein' Genuß! B.B.

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