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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-08-11 · 32 (11.8.1922) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
32 (11.8.1922)
Date
1922-08-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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noch besonder« Lan;mlu;rücn st.r Kvts^e »UudrrhNfscNUtchttmgen stottgefimden fofitii. 2 300 OQO Alark sind für trllid'c bezw. provtnzteve Anstalten verteilt worvcn. 100 VW Dtark — ein «rherochMtlich geringer Betrag - wurde;, fti BetriedZunkostrn verbiauchl. sodoß in der Sitzung dcA ReichsausschufseS a« IS. Jutt I9Z.' 1 100 000 Mark an dir Reichsanstalten zur PerKtnmg gelougteu. Die Beträge schwankten zwischen ,0 00V und» 206 VOO Mark. Besonders bedacht wurden: Neu-Isenburg, .beim des Indischen Frauenbundes, mit .200 OOO M. Köln, Israelitische« Knwerheim, mit . . iOOVOO Mvt auf Führ, Kinderheilstätte, mit . . 100 OOO „ Breslau, Kleinünderbeim, mit.75 000 „ AOlem fei fcomtobcr, Israelitische ErzietinnH»- anstalt, mit . .70 OOO Berlin-Repzin, Isr. Fürsorge Krziehungsx anstatt für schuleMlassende ttnabrn, mit 7V OOO * Attvere Anstalten erhielten 60 000, 30 OOO mit» 25 OOO M. Itir die Kinbernot in Galizien ist «in Be^ag von nlcbr als >00 OOO Mark zur Verfügung gestellt worden, wovon [»crcitö 50 OOO Mark vor einiger ^Veit abgesü'brt worden sind. Ta es sich nur um eine eimnaltge Rothlls« bandeln konnte, wird die Zentralwoblfalirlsstelle bemü>ht sein, die „I u v i s ch c K i n d e r b i l s e" zu einer TEkeiUttchumg nUszUHe-staltcn ul'.d borst lnerbn in Zrstunst auf die svritgedcndste Nnierstiitzung der jiidi'chen OessentliMeit. Breslau. Gerechtigkeit bei Answahlder Schöfsen und Ges ch w o r e n e n! Obwohl Artikel 109 unserer Reichsverfassnng mit hinreichender Deutlichkeit die Gleichheit aller Deutschen vor dem Gesetze ausspricht, stört man immer wieder Klagen, daß bei der Answastl der Schössen nnd Geschworenen zwei Bevölkerungsklasscn keine oder nur ungenügende Berücksichtigung finden: die Arbeiter und die Juden. Besonders in kleinen Städten ist es bis zum heutigen Tage üblich gewesen, daß die Kommission. welche die Auswahl rruter den in die S chöffen - und Gefchworenenliste einzusetzenden Bürgern zusammenstellt, ohne viel Erörterungen „aus alter Tradition" die beiden erwähnten Bevölkerungsschichten „von Rechtswegen" zurücksetzt. Dies geschieht, obwohl nach tz 4V des Gerichtsversassungsgesetzes der Aufsichtsrichter des Amtsgerichts den Vorsitz in dem Wahlausschuß innestat. Er und der gleichfalls beteiligte Landrat sind als verantwortlich für den Uebelstand anzusprechen. Denn die übrigen Mitglieder des Ausschusses ha-ben neben ihnen nicht diel zu bedeuten. Als ich als Referendar meine erste Amtsgerichtsstation absolvierte, fiel mir ans. dast ich beim Zusammentreten dieses Ausschusses von der Teilnah nie an der Sitzung, boi der manches au lernen war — ausgeschlossen wurde. Hinterher, als ich die recht einfertige Zusammensetzung des Schöffenpersonals bemerkte, machte ich mir über diese .Heimlichkeit meine Gedanken. Dieser Verstoß gegen die Berfassuirg ntuft dauernd bekämpft werden. Rechtsanwalt ft o e t b t t. Hvmburg. Das Nepräfentanlenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit dem Anträge des Gemeindevorstandes auf Bewilligung eines Betrages von 250 000 Mark für das Wohlfahrts¬ und Armenwesen zur Beschaffung von fteuerurig und Kleidung. Gemeindevorsteher I. Heckscher wies eingehend auf die ungünstige Lage der verschiedenen Wohltätigkeitsinstrtzutionen der Gemeinde hin und betonte die Notwendigkeit der Schaffung weiterer finan-ieller Mittel für die Gemeinde, da diese durch die nicht voran szwsehende Entwertung der Mark den' zum Winter zu erwartenden grosten Anforderungen für das Armenwesen nicht gewachsen sei. Der Antrag wurde angenommen. Eine gemischte Kommission soll die ftrage prüfen, wie. der Gemeinde neue finan-selle Mittel zngeführt werden können. München. Die bayrisch« Regierung, gegen die Auswüchse des A n t t s e m i 11 3 m \t 4. Ter Minister des Innern, Dr. Schweyer, gab einen Erlas; gegen das UederhandmInnen des Antisemitismus heraus, der in den Haupt-ttgen lautst: „Die antisemitisch Propaganda hat in letzter Zeit in verschiedenen Teilen des Landes, auch aus dem Lande, Formen angenommen, di« einer friedlichen Eni- Wicklung nicht zuträglich sind und die öffentliche Rüde und Sicherheit bedrohen. Man scheut bei dieser Propaganda selbst davor nicht äittflif, zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden auizusordern. Namentlich 1« kleinen Orten und ans dem Lande kann dies« Aufhetzung gefährlich werben. Wen« auch die Slaatsregicrilltg zu dem Antiscnnüsmus als solchem keine Siellnna zu nehmen hat, so ist sie dock, verpflichtet, sein« Auswüchse zn bMnrpseu, soweit si? eine Gefahr für die öffentlich Ruh« und Sicherheit bedeuten. Es ergeht daher die Anordnung. diesen Vorkommnissen besonderes Auaenrnerk zi» schenken und, soweit veranlaßt, auch die BezirÄpolizeWestörDen mit Weisungen zu verse len. Tie einschlägigen Flugblätter und Plakate sind zu bcach.'cn, die Ber- Sammlungen zu überwachen und aus Grund allgemeiner auch durch AMävung entgegengetreten nnrd. Ansklürnug in der kttrch und Schlü« und durch die besonnene Preste tut namentlich an Ort«n not, wo durch Hetzreden einze'ner Agitatoren schon Teile der Bevölkerung irregeleitet tvordcu sind. In Vieser Hinsicht ipM dar Ttaai?m;)Meri,im für w't.rricht und Kultus rM seine Mitwirhmg ersucht werden." „Hoich die Juden!" Die „Deutsche Zeitung" berichtet nüt Behagen die folgende Räubergeschichie- „In Augsburg scheinen die Juden sehr frLinrüiSg uni» dreist zu sein: denn sie nahmen in aller Ocffentlichkeit die Schuld auf sich, die sie an deitt Niedergange des deutschen Volkes tragen. Im ..Deutschvölkischen Beobachter" lesen wir: In Augsdurg waren letzter Tage Zettel des Inhalts angeschlagen: „Wer ivaren Marx, Lassave. Bernstein. Kautskv, Barth. Landauer. Mühsam. Levm. Toller? — Iriden! — Wer hat eitd) bfe freie Rewrblik gegeben? — Juden! — Wer unterstützt eure Lohnkämpfe? — Juden! — Wer leitet euren Kampf gegen Militarismus. AuÄbeiltnng und Brot« Wucher? — Juden! — Arbeiter, seid stolz auf die Juden, schützt sie. wie ihr es bisher aetan! — Hoch die internationale Sozialdemokratie! Hoch die Inden!" — Jeder Bürgerliche wird aus diesen; chnischen Trinmphaeschrei heranshören. wer an seiner Verelendung schuld ist." Wir zweifeln nicht im mindesten daran, dast die mrt« Stadt mit solchen und ähnlichen Plakaten geziert war. Indessen scheinen uns die Zettel nicht sozialistischer Herkunft zu sein: viell'Mt könnte die Druckerei des ..Deutschvölkischen Beobachters" darüber interessante Auskunft erteilen. Man ahnt die Quelle und wird, milde ansgedrnckt. verstimmt. Hinter den ME<n. Hie W ic l l r! H i« S o n. tag! Det Kampf tm Lager der Tentschnationalen nnd in> Haüfc des Herrn Wuttc nimmt traHlkomisch- Ionneu an. Teils sucht man sich wieder anzusreimden, teils verschörsen sich die Gegensätze. So-ntag, der frühere „Hauptschristterter des _D«utsch«,r Ab^ndRattes" imd zetzia« Redastions„dircktor' und Geschäftsvertreter Mulles will sich von seinen; Herrr und Gebieter trennen, vi«ll«icht nicht ganz freiwillig, und bekatmttich mit „seinen" Getreue«, zu denen in erster Lini« sein' IntimM Ludwdovfs, v. Dewitz-Stettin und v. Brack inchn-Langen gehören, „selbständig machen" und neben der Freiheitspartei „t. E." natürlich auch ein — Parteiblalt gründen. Ob aus politischen Gründen oder um dem ttvi nach Bedarf erscheinenden „Deutsche;; Abendblatt" den Rang abzulaufen, muß die Zeit lehren. Für eine Zeiiungsgründnuci ist natürlich in erster Linie Geld erforderlich, und Sontag ist daher auf der Suche. Selbst de; Juden, Geld stinkt ja mtfu. Vielleicht ist ihm in dieser Beziehung auch das Glück so Holk» wie Wallle, v«m über die Völkisch« Bank mit OrtzeiÄmillionen der Weg geebnet wurde. Als diese nicht hin« reichten, sprangen einige höllische Oberbonzen, u. a. ein de kanntet Berliner Pianofortefabeikant. ein krregsgew;nnieri,che; Holzakobhänblet und der Münchener „nationale" Geldnlaun Dr. Pitsinger ein. Selbst ungewist« Kronen verschmcch!« Mulle nicht, die ihm auf der Reise durch das schöne Land von dortigen „GestMUwgssteunden" in die schwach o,ev'ord?'.rc Brieftasche gesteckt wurden. T>votz alledem sttzt Wnlle bei de, Druckerei der „Deutschen Tageszeitung" mit nahezu ändert bald Millionen fest, sodaß ihm der Druck gesperrt wuvs« und mau seine drachliegeivde Redaktion auf die Straße :es-«n will. All« können ih«en Verlust verschmerzen. Leidtragende sind vorerst di« in echt detckschmckionaler nnd völkischer ^trt im wahre« Sinn« des Wortes für Hnngeelöhne arbeitenden An gestellten, Redakteure sowohl als kansmänni'che Beamte Tarife, kenw man nicht —, die man 'eßt mit vem Trost aus bessere Zeiten einfach abwimmeln mochte. Lnvenvorsi und die kommende dentschuüikrsche Partei. Wie in imterrichteten Krriscn vecla'.'tet. gebt del Riß innerhalb der denlschnationalen Parier immer weiter, sodaß die Abspaltung des gesamten deutschvolNscheu I lüget; Und dessen il'.ubildung in eine selbständige Aniisen'.istnparlei Berfallungsfeicr von; 11. Airgtlst znsannnen z u m W o h l c Deutschlands, z uv E r b a l t n tl g s e i n e r 11 n - a b h ä n g i a f c i t. zur W i e d e r g e w i ir n n n g seines friedlichen Gl ü cf c § , z u in Z ch ntze der Republik! Harve. On aller Kürze. Albert Einstein soll seinen alüästlich der Iahrhurchertrctci* deutscher?;atnrwrschcr nnd Acr'.te angekündigten Vortraa über die Relativitätstheorie abgesagt nnd sich ins Ausland I»egeben haben, da sestgestellt wurde, dast jein Name ans der Opferliste der tnanarchistischen Mörderorganisation slohl. * 7,: * Am 4 August ist in Berlin der groste hebräische Dichter und Publizist David Irischinann im Alter von 57 Jahren verstorben. Sein Schaffen ist nicht allein dirrch Werke hoher dichterischer Begabung alrsgezeichnet, soichern auch burcl) eine lange Reihe meisterhafter Ilcberfetzungen von Werken der Wettliteratilr. durch die er die hebräische Literatiir hervorragend bereichert Hai. * * * Ter amerikanisck>e Antiseinit und Atltonwbilsabrikanl Uord soll vor; den Deutsch-Amerikanern nnd Antisemiten als PräMntschaftskandidat der Bereinigten Staaten ausgestellt werden. Man nimmt an. dast die deutsche antikemitisckte Beweanna mit amerikanischen Geldern finanziert ist nnd zwar besonders von Ford. * * * Auf Grund einer polizeilichen Verordnung sind in Polen jüdische Sch>;len. in denen die Unterrichtssprache jüdisch ist, geschlossen worden, mit der Begründnng, dast ihnen die besondere Erlaubnis der Regiertrng znr Ansntzttna ihrer Wirksairikeit fehle. Die bekannte, jetzt in Belgrad ersclnünende russische Tageszeitung „Nowojc Wrenrja" setzt ihre .Hetze gegen die Juden unaufhörlich fort. Diese Wühlarbeit hat unter den Inden große?lnfregnng hervr'rgernsen. tji Ii; Konstantinopel verlautet, der frühere türkische Oberrabbiner. Chaim Nachnn;, werde in allernächster Zeit zmn Vertreter der?1ngora-Negiernng für Washington ernannt werden. * * * Arabische Agitatoren sind nach zahlreichen arabischen Dörfern Palästinas gesandt worden, um gegen die Zionisten zu agitier'el; nnd die Araber für eine Petition zu gewinnen, die sich gegen das Maickmt des Bölkerdurides wendet. * * * Die Schecks der jüdischen Kolonien naheliegenden Städte rrnd Dörfer zeigen sich bereit, groste Strecken des Landes den Irrden zu verkailsen. fordern aber Wrrcherprrife. * «i * Am S9. Juli wurde die jüdisch-palästinensische Kolonie Iesiod Hamaala in Galiläa von Arabern angegriffen. Es find Menschenleben zu beklagen. * # * Die zionistische Organisation gibt bekannt, die Karlsbader Iahreskonferenz am 25. Augrrst lverde hinter derschlofschren Türen stattfmden. Dem Publikum sei der Zutritt verboten. maasssssesm~-'-j!-jj!--■ >---- m.tsBssasasmBmesmm Bus üem Reich. Berlin Die Sammlimg jüdisch« Kinderhllse', dir M «che als einem Jahre von der ZeniralwohlfahrtrMl« Mt deutschen Juden veranlaßt worden war, bat u;nrm«hr lhwn vorlausiigen Abschluß gesu-uben. Er sind im Reich im ganzen für die „Jüdische Kind«. 3% Millionen Mark au>ßg«brackit warben, ein Betrag, , sich «itf 5 Millionen Mack vaknuch erhSA, daß gleichzeitig, angeregt durch diese Aktion, in den einzelnen Orten Die geborene Tugenörelch. 'Ein Grvßstabtroma« von Ds4ar Jon« Riltman. iPS. Fortsetzung 0 - •; vm. ' Memüs Abende verliefen ustht so abwcchselungsreich, «Ab wer es gut mit ihr meitrt, wird nicht beklagen, daß fie viel im Haufe blieb und kaum allein ausging. Auch Mr sehr enges .Heim wird für die Ir«, das All, wenn sie sich auf das Groste im Kleinen versteht. Behaglichkeit lästt!sich ersetzen durch Gemütlichkeit, Armut und Dunkelheit verlieren Ähren sinsteven Schein, wenn Güte die Nebel Wählend zerteilt. Richtet es wekslich ein, ihr Mütter, hast Eure Tochter «nd alle jungen Irauen in der stillen, eigenen Welt ein etwas haben und behalten! Das Weib kann nur leben» wenn es auch im Winzigen Liebe verschwendet! An diesem Aberck, wo Max und seine Ireunde das Wiederlehen so reichlich begossen, toten auch WittS, rrm mit Regina zn reden, sich etwas Gutes an. Man ging in den Horn „Acht schöpfen". Minni war nämlich in der Pallisaidenstraste ans dem Heimwege vam Geschäft der Groß- ^mutter begegnet und von der alten Wrau. die mit Baldrian- Itvopfen aus der?lpothcle kanr, liebevoll angcranzt worden. Die Ahne, konsumierte diese, scharfe Essenz verschwenderisch und fand dabei jenes geniesterische Prickeln, das die Rats- Wler-Ingend beim Sekt erlebte. Als Engrosknndin hatte sie schon angesichts des Provisors einen kräftigen Schluck genommen, der ihre Sinne schärfte: „Wat siehste heute $6 feduckt aus?" rief sie Minni an. „Hat Dir Dein Dteefter ieschumpseu oder biste schonst vafiebt? Meechen. D»LdeEt..nicht dvaurüg sind!" „Ach, Grostmutt-er. mir ist nichts passiert!" Aber das Wort strafte sie Lügen. Maxens Erscheinen im Kontor, die scheinbare Nichtachtung, die ihr zuteil geworden war. und die Annahme, dast dieser reiche und feine Herr sie ob ihrer Aermlichkeit nicht kennen wollte, hatten Iräulein Witt den ganzen Tag geschmerzt. Darum Mich in der melancholischen Stunde des Abends die sonst Irohgemute gesenkten Blickes und müde einher. „Sprech Dir man mit Deine Mutter aus. aber ivat soll's denn sin? Berleicht biste bloß blutarm! Nehme ma'tt Schluck, det heilt eintvendig aus." Damit hielt sie schon die entkorkte Wunderflasche hin. Minni konnte das scharfe Zeng nicht necken und schüttelte energisch den Kopf, dast die feinen Härchen ftogen. „Last man. Großchen. es ist mir sckwn wieder ganz gut!" Doch die rechthaberische Me ließ nicht locker: „Dot war' ielacht. Du fehlt bei Krvlicken. un er kann Dir Vifen ussschreiben." Nach dem Abendbrot — Pellkartoffeln und Hering — bcharrte die Großmutter denn Thema „Kurmethodm": „Ieht doch noch 'n Stündeken runter, vor Minni is Luft die beste Badereise. Ottchen dusselt derweil«, un meine olle ivocklichte Knoche woll'n ihn Ruhe haben. Man rockst doch nu den ianzen lieben langen Dag!" Regina zögerte, aber die Alte trieb an: „Du sichst doch reine sarnischt. Schwieiadochter! Det Kind wcrd noch schwer bleichsichtig bei det e>!vige Hocken un de Klkererer for srentde Leite!" Dabei zwinkte sie listig mit den Augen. Arnr in Arn, ergingen sich Mttter nnd Tochter in, dunklen Iriedrichshain. Bon fern wchte aus dem Garten der Patzenhoser Brauerei schmetterrche Militärmnsik herüber und von den vollbesetzten Ruhebänken zr, beiden Seiten der großen .Hauptallee sang seufzend das Ilüsiern und Kosen der Pärchen, die im sammtenen Schatten der Nacht von, Glücke träumen und noch in, Leid, das ach so oft die Rosenzeit der Menschen dornig umstackelt. den zärtlichen Hauch der Liebe verspüren. Was wissen die Genießer dieser Erve von den bescheidenen Ireuden der Söhne nnd Töchter des Volkes! Ein ärmlich Winkelchen reicht ihnen aus und ersetzt die künstliche Lust. Konzert und Theater, üppiges Mahl nnd erregenden Tmnk. Auch der Philister ahnt das noch und lenkt in achtungsvollem Bogen um diese seligen Inseln natürlichster Heiligkeit, die ..bessere DameMvelt" allerdings .zeigt sich oft chokicrt intfc tadelt mangelhafte Beleuchtung. Regina und Minni waren nicht ans diesen, Holze acschuitzt. noch so sein poliert. Im Gegenteil. Mutter u.nd Tochter kamen gerade in die richtige Stimnmng. sich auszusprechen. Nach der Klage, daß man sich nie etwas gönnen dürfe, weil es gerade immer nur zum notioendigsten reicht, kam Regina zur Gesundheitsmahnung der Grostmutter. Minni konnte bald beruhigen: „Ich fühle mich wohl, die Arbeit strengt mich nicht an. aber. Mutti, ich habe mich heute sehr geärgert, und es ist mir leichter, wenn ich es heraus habe." ..Sag' mir nur alles, mein Leben! Du weißt. Du und Ottchen. Ihr seid das Einzige, was ich habe." Und Minni erzählte getreulich, tvie sie lange Zeit an den jungen Lehrer Mar garnicht gedacht habe, „und heute stand er plötzlich ,'m Geschäft! Er ist überhaupt Doktor mit» der Sohn vom Chef, ^ber er hat kein Wort mU mir gesprochen, nick das kränkt mich!" — Dabei weinte sie natürlich. Regina atinete ans: „Du Närrchen, und darüber vergießt Du eine Träne! Laß doch die reichen Lenke und ihre falsche Ioinheit! Ganz gut. daß Du ihn gleich durchschaut hast. Ich wünsche Dir was.Besseres, er ist ebcm'o schlecht, N>ie alle Männee!" ' (Fortsetzlmg folgt.), t t

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